Epilepsie

Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der die Nervenzellen unkontrolliert Impulse aussenden und dadurch unterschiedlich stark ausgeprägte Anfälle auslöst. Doch wie entsteht eine Epilepsie und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und wie verhältst Du Dich, wenn jemand in Deinem Umfeld einen Anfall hat? In diesem Artikel findest Du die Antworten auf Deine Fragen.


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Zuletzt aktualisiert: 18. August, 2020



ICD-10-GM-2020 G40

Was versteht die Medizin unter einer Epilepsie?

Die Epilepsie, auch Fallsucht genannt, zählt zu den vorübergehenden Funktionsstörungen des Gehirns. Sie ist durch epileptische Anfälle gekennzeichnet, bei denen die Nervenzellen im Gehirn für eine kurze Zeit plötzlich und synchron unkontrollierte Impulse abfeuern.
 
Diese Anfälle sind meist unterschiedlich stark ausgeprägt. Sie können sich also beispielsweise nur in einem Zucken oder Kribbeln der Muskeln äußern oder aber auch in Form von unkontrollierten Krampfanfällen, Bewusstlosigkeit oder geistiger Abwesenheit auftreten.
 
Generell sprechen Experten von einer Epilepsie, wenn mindestens zwei epileptische Anfälle in einem Abstand von knapp 24 Stunden auftreten. In den meisten Fällen gibt es keinen ersichtlichen Grund für diese Anfälle. Auslöser können Lichtreize oder Geräusche sein. Diese werden dann auch Reflexanfälle genannt.
 
Eine Epilepsie wird durch eine Funktionsstörung im Gehirn ausgelöst
 
Experten sprechen auch von einer echten Epilepsie, wenn nach einem einzigen Reflexanfall oder nicht provozierten Anfall die Wahrscheinlichkeit auf weitere Anfälle ebenso hoch ist, wie bei zwei Anfällen. Zur Epilepsie gehören auch die Epilepsie-Syndrome, wie beispielsweise das Lennox-Gastaut-Syndrom. Spezialisten diagnostizieren diese Krankheiten anhand von Befunden, die unter anderem die Anfallsart, elektrische Hirnaktivitäten und das Erkrankungsalter mit einbeziehen.
 
Gelegenheitsanfälle lassen sich im Gegensatz dazu daran erkennen, dass es einzelne epileptische Anfälle sind, die im Verlauf verschiedenere Krankheiten auftreten können. Diese Gelegenheitskrämpfe klingen zeitgleich mit den Erkrankungen wieder ab und es gibt keine Anzeichen von Infektionen des Gehirns oder anderen Ursachen. Zu diesen Gelegenheitsanfällen zählen unter anderem Fieberkrämpfe, die häufig bei Kindern auftreten, schwere Durchblutungsstörungen, Vergiftungen oder auch Gehirnerschütterungen oder Stoffwechselstörungen.

Wie häufig ist die Epilepsie und wer ist besonders davon betroffen?

Im Durchschnitt sind zwischen fünf bis neun von 1.000 Personen von Epilepsie betroffen. Das Erkrankungsrisiko ist im Kindesalter sowie ab dem Alter 50+ am höchsten. Grundsätzlich kann eine Epilepsie allerdings in jedem Alter auftreten. Jährlich gibt es auf 100.000 Menschen gerechnet rund 60 Neuerkrankungen. Das Risiko an Epilepsie zu erkranken liegt derzeit bei circa vier Prozent, steigt aber aufgrund des immer größer werdenden Anteils älterer Personen.

Welche Formen der Epilepsie gibt es?

Basierend auf beobachtbaren Symptomen und Untersuchungsergebnissen beschreibt die Internationale Liga für Epilepsie verschiedene Klassifikationen von Epilepsie. Aufgrund dieser kommen auch verschiedene Therapieformen infrage.
 
Generalisierte Anfälle
Eine Art der epileptischen Anfälle sind generalisierte Anfälle. In einem derartigen Fall wird das gesamte Gehirn von Beginn an erfasst und es kommt häufig zu vorübergehenden Bewusstseinsstörungen. Bei generalisierten Anfällen ist es schwierig, eine konkrete Ursache auszumachen. Spezialisten unterteilen die generalisierten Anfälle noch weiter.
 
Grand-mal Anfall
Dieser verläuft in mehren Phasen, allerdings können auch welche übersprungen werden.
 
Die erste Phase nennt sich Aura. Hierbei merkt die betroffene Person bereits, dass etwas nicht stimmt. Es ist eine gewisse Vorahnung.
 
Die zweite Phase nennt sich tonisch. Diese Anfälle sind auch als große Krampfanfälle bekannt. Sie können mit einer Aura einhergehen und zu einem plötzlichen Bewusstseinsverlust führen. Die komplette Muskulatur verkrampft sich plötzlich. Das Zucken bleibt aus. Betroffene verlieren oftmals das Bewusstsein, stürzen und krümmen sich. Diese Art eines epileptischen Anfalls dauert üblicherweise wieder nur einige Augenblicke und kann auch im Schlaf auftreten.
 
Im weiteren Verlauf kann es zu den atonischen oder auch astatischen Anfällen kommen. Diese äußern sich durch eine plötzliche Erschlaffung einer Muskelgruppe. So kann dem Betroffenen beispielsweise das Kinn herunterfallen oder auch die Beine einknicken. Er fällt also in sich zusammen. Dies kann auch mit einer kurzen Bewegungslosigkeit oder Bewusstlosigkeit einhergehen.
 
Klonische Anfälle können hingegen mehrere Minuten andauern und äußern sich durch ein Zusammenziehen der Rumpfmuskulatur. Aufgrund dessen kommt es auch oftmals zu Stürzen, bei welchen sich der Betroffene verletzen kann. Dem ganzen folgen Zuckungen und häufig auch schaumiger Speichel vor dem Mund. Auch die Haut verfärbt sich bläulich, weil es zu einer Stockung der Atmung kommt, wodurch der Sauerstoffgehalt sinkt. Nach einem großen Krampfanfall sind die Betroffenen meist vor allem benommen und brauchen Ruhe und Schlaf. Nach dem Aufwachen sind sie desorientiert und verwirrt, leiden an einem Muskelkater und können sich nur selten an den Anfall erinnern.
 
Bei einer Epilepsie kommt es zu unkontrollierbaren Zuckungen und Verkrampfungen. Teilweise verlieren die Betroffenen ihr Bewusstsein
 
Zu den generalisierten Anfällen gehören ebenfalls die Absencen und die myoklonischen Anfälle.
 
Die Abscencen zeigen sich dadurch, dass der Betroffene mitten in seiner Tätigkeit für einige Sekunden innehält und nicht mehr reagiert. Anschließend macht der Erkrankte jedoch abrupt mit seiner Arbeit weiter und kann sich an den Anfall nicht erinnern. Absencen treten vor allem im Kindes- und Jugendalter auf. Oft bleiben sie unbemerkt, weil die Anzeichen nur sehr schwer zu deuten sind und Eltern diese oft als Unkonzentriertheit oder auch Verträumtheit abtun.
 
Bei den sogenannten myoklonischen Anfällen bleibt das Bewusstsein erhalten, aber einzelne Muskeln beginnen zu zucken. Die Symptome dauern üblicherweise ebenfalls nur einige Sekunden, weshalb oft selbst die Betroffenen den Anfall nicht beziehungsweise kaum bemerken.
 
Fokale Anfälle
Diese Art von epileptischen Anfällen nennen Experten auch partiell oder herdförmig, weil der Anfall an einer ganz bestimmten Stelle im Gehirn beginnt. Dies kann zum Beispiel im Bereich einer Hirnnarbe sein, die durch einen Schlaganfall entstanden ist. Fokale Anfälle werden nochmals in einfache und komplexe Anfälle unterteilt. Ein einfacher fokaler Anfall spielt sich bei vollem Bewusstsein ab und kann unterschiedliche Symptome aufweisen. Dazu zählen Bewegungsauffälligkeiten wie Zuckungen, Lautäußerungen, ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen wie Blitze oder Schwindel oder Höreindrücke. Auch Geruchs- oder Geschmacksstörungen, Sprachstörungen, Angstgefühle und Halluzinationen fallen in diesen Bereich.
 
Im Gegensatz dazu kann ein komplexer fokaler Anfall zwar wie ein einfacher beginnen, doch zusätzlich trübt sich das Bewusstsein des Betroffenen. So ist dieser oftmals nicht mehr richtig ansprechbar und verhält sich merkwürdig. Dieses Verhalten kann sich in Schmatzen, Grimassieren, dem Stammeln von Unverständlichem oder auch dem ziellosen Herumlaufen äußern. Des Weiteren gibt es sekundär-generalisierte Anfälle. Sie beginnen – genau wie ein fokaler Anfall – an einer bestimmten Stelle, breiten sich dann aber auf das gesamte Gehirn aus.

Was sind die Symptome einer Epilepsie?

Die Epilepsie ist eine Krankheit des zentralen Nervensystems, bei der das Gehirn vorübergehend nicht funktionsfähig ist. Dadurch entstehen unterschiedlichste Symptome. So kann sich ein epileptischer Anfall durch Zuckungen oder auch durch ein gestörtes sensorisches oder psychisches Empfinden äußern. Besonders gefährlich sind Anfälle, die mit Krämpfen und einem Sturz einhergehen, da sich der Betroffene zusätzlich verletzen kann. Anfälle können jedoch auch verlaufen, ohne dass die Umwelt etwas davon mitbekommt. Wenn beispielsweise der Erkrankte „nur“ geistig weggetreten ist, kann es sein, dass er anschließend seine Tätigkeit ungehindert fortsetzen kann. Die typischsten Symptome für einen Anfall sind jedoch Bewusstlosigkeit, Muskelanspannungen oder -zuckungen, eine Blaufärbung der Lippen oder auch scheinbare Erstickungsanfälle, die jedoch nicht tatsächlich zum Ersticken führen.
 
Charakteristisch für einen epileptischen Anfall ist auch die sogenannte Aura. Sie ist oft der Vorbote eines Anfalls und nur der Betroffene erlebt sie. Sie kann sich auf unterschiedliche Weisen äußern. Dies kann in Form von Halluzinationen, Lichterscheinungen, dem Hören von Stimmen, einem Kribbeln in den Gliedmaßen oder auch Gesichtsfeldeinschränkungen vorkommen.

Was passiert bei einem epileptischen Anfall?

Bei einem epileptischen Anfall kommt es entweder im gesamten Gehirn oder in einem begrenzten Hirnbereich zu plötzlichen, übermäßigen Aktivitäten. Diese dauern oft nur wenige Sekunden und ein Anfall ist in den meisten Fällen nur einige Minuten lang.
 
Auf einen Anfall folgt die sogenannte Nachphase. In dieser entladen sich die Gehirnzellen zwar nicht mehr krankhaft, es kommt aber dennoch über mehrere Stunden zu Auffälligkeiten wie Sprachstörungen, Gedächtnisstörungen oder auch aggressive Zustände. In Ausnahmefällen ist der Betroffene jedoch bereits kurz nach seinem Anfall wieder völlig in Ordnung.
 
Experten sprechen von einem Status epilepticus, wenn ein großer Anfall bestehen bleibt und sich nicht von allein löst. In einem derartigen Fall handelt es sich um eine lebensgefährliche Notfallsituation, die unbedingt die Anforderung eines Notarztes erfordert. Du musst jedoch beachten, dass zu der Zeit des Anfalls nicht die Nachphase gerechnet wird, sondern tatsächlich nur die, in der es z.B. zu Zuckungen in Armen und Beinen kommt. Hier ist unbedingt Erste Hilfe zu leisten, um etwaige Verletzungen und das Ersticken des Betroffenen zu vermeiden. Auch bei fokalen Anfällen oder Absencen kann es zu einem Status epilepticus kommen, wenn sie ungewöhnlich lange dauern. Hier empfiehlt es sich, mit dem behandelnden Arzt Kontakt aufzunehmen und das weitere Vorgehen zu besprechen.
 
Erste-Hilfe und die stabile Seitenlage sind die wichtigsten Schritte, dies aber erst, nachdem Hilfe gerufen wurde.
 
Mittel verschiedener Methoden kann der Arzt die Hirnströme ausmessen und eine Epilepsie diagnostizieren

Wie kann ich bei einem epileptischen Anfall Erste Hilfe leisten?

Es ist oft schwierig zu erkennen, ob es sich tatsächlich um einen epileptischen Anfall handelt. Aus diesem Grund solltest Du unbedingt sofort den Notarzt verständigen, wenn Du Dir nicht sicher bist, um welche Art von Anfall es sich handelt und ansonsten den allgemeinen Regeln der Ersten-Hilfe folgen. Den Notarzt sollte man auch dann verständigen, wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert oder mehrere Anfälle aufeinanderfolgen.
 
Es ist wichtig, dass Du Ruhe bewahrst. Im Normalfall endet ein Anfall, der durch Epilepsie ausgelöst wird, nach ein bis zwei Minuten. Du darfst den Betroffenen nicht festhalten und musst darauf achten, dass sein Mundraum frei bleibt. Außerdem solltest Du versuchen, etwaige Verletzungen des Betroffenen zu minimieren, indem Du schaust, dass keine scharfen Gegenstände oder auch Kanten und Ähnliches in der Nähe sind. Wenn möglich, musst Du den, der einen Anfall hat, in stabiler Seitenlage oder auch in Bauchlage positionieren. Damit erreichst Du, dass die Atemwege von beispielsweise Erbrochenem frei bleiben. Ansonsten kann die Situation lebensbedrohlich werden.
 
Du solltest nach einem epileptischen Anfall bei dem Betroffenen bleiben, bis dieser wieder orientiert und klar ist. Auf jeden Anfall sollte auch eine ärztliche Untersuchung folgen. Wenn der Patient jedoch grundsätzlich gut betreut ist und die Erkrankung auch schon länger bekannt ist, kann er selbst entscheiden, ob dies notwendig ist oder ob er nicht in das Krankenhaus gebracht werden will. Du musst dennoch sicherstellen, dass der Anfall sicher vorüber ist und es dem Betroffenen verhältnismäßig gut geht.
 
Spezialisten sind sich nicht einig darüber, ob spezielle Medikamente im Akutfall tatsächlich helfen. Denn sie brauchen eine gewisse Zeit, um zu wirken. Da ein Anfall jedoch meist nur von kurzer Dauer ist, kann der Anfall durch Medikamente kaum frühzeitig beendet werden. Das bedeutet, dass Medikamente nur sinnvoll sind, wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert. Diese Situation erfordert aber in jedem Fall die Anforderung eines Notarztes. Generell ist es also für Betroffene sinnvoll, zuerst mit ihrem Arzt zu klären, ob derartige Medikamente für den Akutfall notwendig oder ratsam sind.

Welche Ursachen hat eine Epilepsie?

Aufgrund der sehr komplexen und vielfältigen Entstehung von Epilepsie, bleibt oft auch die tatsächliche Krankheitsentwicklung unbekannt. Teilweise können selbst Spezialisten trotz modernster Untersuchungsmethoden keine genauen Ursachen für die Erkrankung feststellen, obwohl die Hinweise auf eine Ursache im Gehirn deuten. In einem derartigen Fall spricht man von sogenannten ungeklärten oder kryptogenen Epilepsien.
 
Eine idiopathische Epilepsie charakterisiert sich dadurch, dass Experten keinerlei Erklärungen dafür haben, warum es zu den Anfällen kommt. Es gibt also keine Hinweise auf Änderungen im Gehirn oder auch Stoffwechselstörungen. Der Begriff der idiopathischen Epilepsie wird in der Zwischenzeit allerdings zumindest teilweise von dem der genetischen Epilepsie ersetzt. Dies führt man darauf zurück, dass bei einigen Betroffenen nachweislich oder vermutlich genetische Veränderungen bestehen – beispielsweise an Bindungsstellen, auch Rezeptoren genannt, der Nervenbotenstoffe.
 
Ärzten zufolge können derartige Veränderungen zur Entstehung von Epilepsie beitragen. Dennoch ist diese Erkrankung nicht vererbbar, sondern nur die Anfälligkeit für Krampfanfälle. Zu der tatsächlichen Erkrankung kommt es dann erst durch zusätzliche äußere Faktoren wie hormonelle Umstellungen oder auch Schlafentzug.
 
Bei vielen Betroffenen sind jedoch strukturelle Veränderungen des Gehirns oder Grunderkrankungen die Ursache für epileptische Anfälle. In Fachkreisen bezeichnet man dies dann als symptomatische oder auch strukturelle/metabolische Epilepsie. Diese Gruppierung epileptischer Anfälle zeichnet sich beispielsweise durch angeborene Fehlbildungen des Gehirns oder auch bei der Geburt entstandene Hirnschäden als Ursache aus.
 
Des Weiteren zählen auch Schädel-Hirn-Traumata, Schlaganfälle, Entzündungen des Gehirns oder der Gehirnhaut, sowie Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen zu möglichen Ursachen für eine Epilepsie-Erkrankung.
 
Auch eine Mischung aus genetischen und symptomatischen Epilepsien ist möglich. So kann beispielsweise ein Schlaganfall, eine Vergiftung oder Ähnliches die genetische Anfälligkeit auf epileptische Anfälle auslösen.
 
Epileptische Anfälle können auch als einzelnes Ereignis auftreten. Rund fünf Prozent aller Menschen haben in ihrem Leben einen dieser Anfälle. Im Prinzip kann jeder einen derartigen Gelegenheitsanfall erleiden, welcher allerdings mit dem Abklingen der Krankheit wie Alkoholismus oder hohem Fieber im Kleinkindesalter nicht wieder auftritt.
 
Das Ausmaß einer Epilepsie kann von mehreren Umständen beeinflusst werden. Zu diesen Faktoren zählt die persönliche Belastung durch die Anfälle, soziale Diskriminierung, die Art der Anfälle und auch die Umstände des Auftretens, also ob die Anfälle beispielsweise bei Tag oder Nacht vorkommen.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Epilepsie?

Die häufigsten Risikofaktoren, die eine Epilepsie-Erkrankung begünstigen, sind eine erbliche Vorbelastung, eine Hirnverletzung wie beispielsweise ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Infektion des zentralen Nervensystems und eine frühkindliche Verletzung. Doch auch Schlaganfälle oder Alkoholmissbrauch können das Risiko auf epileptische Anfälle erhöhen.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn Dir erstmalig Anzeichen für einen epileptischen Anfall auffallen, solltest Du unbedingt zu Deinem Arzt gehen. Im Normalfall wendet man sich hier zuerst an den Hausarzt, der Dich höchstwahrscheinlichen zu einem Spezialisten – einem Neurologen – überweisen wird.
 
Nur selten wird die Epilepsie in einem akuten Fall mit Medikamenten behandelt, denn die Medikamente wirken oftmals nicht schnell genug

Wie diagnostiziert der Arzt eine Epilepsie?

Zuerst führt Dein Arzt eine Anamnese durch. Das bedeutet, dass er Dich ganz genau nach Deiner Krankengeschichte und den aufgetretenen Symptomen fragt. Bei einem epileptischen Anfall ist es für die Diagnose besonders wichtig, dass Du weißt, welche Symptome die Leute bemerkt haben, die Dich während Deines Anfalls gesehen haben. Um eine Epilepsie von anderen Krankheiten wie Stoffwechselstörungen oder psychische Krankheiten abgrenzen zu können, muss Dein Arzt möglichst viele Details erfahren.
 
Mithilfe eines EEGs (Elektroenzephalografie) werden die Hirnpotenzialschwankungen gemessen. Anhand dieser kann der Spezialist erkennen, ob ein epileptischer Anfall vorliegt oder nicht. Zusätzlich kann der Arzt damit überprüfen, wie das Gehirn auf äußere Reize reagiert und eventuelle Simulationen erzielen. Dadurch wird die Diagnose deutlich erleichtert.
 
Um andere Krankheiten ausschließen zu können, führen Spezialisten teils noch weitere Test wie ein EKG, Blutuntersuchungen oder auch eine Untersuchung der Nervenflüssigkeit im Rücken durch. Auch Magnetresonanztomografien oder Ultraschalls können Hinweise auf eine epileptische Erkrankung liefern.

Wie wird eine Epilepsie behandelt?

Im Normalfall übernimmt die Behandlung eines Epilepsie-Betroffenen ein Neurologe. Es gibt jedoch auch Kliniken und Einrichtungen, die auf Epilepsie spezialisiert sind. An diese kannst Du Dich vor allem dann wenden, wenn die Diagnose unklar ist, es trotz der Behandlung weiterhin zu Anfällen kommt oder Deine Erkrankung mit speziellen Problemen zusammenhängt. Entweder Dein behandelnder Arzt berät Dich dann im Bezug auf Medikamente oder andere Behandlungsformen und hilft Dir, mit Deiner Krankheit zu leben.
 
Eine Therapie ist jedoch nicht immer notwendig. Wenn man bislang nur einen Anfall hatte, kann man oft abwarten. Manchmal reicht es bereits aus, bekannte Auslöser wie Flackerlicht oder laute Musik zu meiden. Auch ein gesunder Lebensstil trägt dazu bei, dass auf eine Behandlung verzichtet werden kann. Im Allgemeinen raten Mediziner spätestens nach dem zweiten Anfall jedoch zu einer Therapie.
 
Generell hängt die Behandlung immer von der Situation des Patienten ab. Wenn jemand Erkranktes beispielsweise des Öfteren Absencen hat, die ihn in seinem Leben kaum beeinflussen, können gemeinsam mit dem Arzt erst mal Nutzen und Risiken einer Behandlung abgeschätzt werden. Außerdem muss der Patient auch tatsächlich zu der Therapieform bereit sein.

Wie funktioniert die medikamentöse Behandlung einer Epilepsie?

In den meisten Fällen können Epilepsie-Erkrankte durch die richtige medikamentöse Einstellung ein Leben ohne weitere Anfälle verbringen. Hierfür werden sogenannte Antiepileptika eingesetzt, die die übermäßige Aktivität der Nervenzellen hemmen und so das Risiko auf einen Anfall verringern. Diese Medikamente bekämpfen jedoch nicht die Epilepsie an sich. Dein behandelnder Arzt wählt die für Dich am geeignetsten Medikamente aufgrund der Art Deiner Anfälle und der Form Deiner Epilepsie aus. Gleichzeitig muss er versuchen, die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten. Es kann vorkommen, dass Du mehrere Medikamente ausprobieren musst, um das Richtige für Dich zu finden. Diese Art der Behandlung kann jedoch nur wirken, wenn Du Dich genau an die Anweisungen Deines Arztes hältst.

Was muss ich zur operativen Behandlung einer Epilepsie wissen?

Es kann vorkommen, dass die Behandlung mit Medikamenten bei Betroffenen nicht ausreicht. Wenn dies der Fall ist und die Anfälle immer von dem gleichen Bereich des Gehirns ausgehen, so kann ein Arzt diesen operativ entfernen und damit zukünftige Anfälle verhindern. Dieser Eingriff kommt jedoch nur infrage, wenn der betroffene Bereich relativ gefahrlos herausgeschnitten werden kann. Zusätzlich dürfen auch keine ernsten Beeinträchtigungen der Hirnfunktionen eine mögliche Folge sein.
 
Am häufigsten wird ein Eingriff bei Patienten durchgeführt, bei denen die Anfälle in den Schläfenlappen entstehen. Bei schweren Epilepsien mit hoher Sturzgefahr wenden Chirurgen noch weitere operative Eingriffe wie beispielsweise eine sogenannte Balkendurchtrennung an. Dabei wird das Verbindungsstück zwischen rechter und linker Hirnhälfte teilweise oder ganz durchtrennt. Dieser Eingriff ist jedoch wesentlich seltener, da kognitive Beeinträchtigungen als Nebenwirkungen gelten.

Wann kommt das Stimulationsverfahren zur Behandlung einer Epilepsie zum Einsatz?

Neben Operationen kommen auch Stimulationsverfahren infrage, wenn die medikamentöse Behandlung nicht ausreicht. Dabei werden bestimmte Strukturen im Gehirn mit niedriger Stromstärke stimuliert, um weitere Anfälle zu vermeiden. Am weitesten ist hier die Vagusnervstimulation verbreitet. Der Arzt setzt dem Patienten ein Gerät unter das Schlüsselbein, welches über ein Kabel – das unter der Haut verläuft – mit dem Vagusnerv am Hals verbunden ist. In Intervallen setzt dieses Gerät dann Stromimpulse ab und verringert dadurch das Risiko eines epileptischen Anfalls.

Wie sind der Krankheitsverlauf und die Prognose einer Epilepsie?

Der Verlauf und die Prognose hängen grundsätzlich von der Anfallsart und der Form der Epilepsie ab und ist auch von Patient zu Patient individuell. Generell bleibt es bei etwa der Hälfte der Betroffenen bei einem einmaligen Anfall. Bei der anderen Hälfte wird früher oder später ein weiterer Anfall auftreten. Mit jedem Anfall steigt auch das Risiko auf einen weiteren. Bei Personen, bei denen die Epilepsie durch eine Grunderkrankung ausgelöst wird, ist das Risiko auf weitere Anfälle ebenfalls höher.

Welche Herausforderungen birgt ein Leben mit Epilepsie für Betroffene und Angehörige?

Epilepsie kann sich auf sowohl berufliche als auch private Lebensbereiche auswirken. Vor allem die sozialen Folgen, die durch etwaige Einschränkungen – je nach Art, der Ursache und der Häufigkeit der Anfälle und der Medikamente – auftreten, treffen Erkrankte. Wenn die Epilepsie jedoch mittels Behandlung gut unter Kontrolle ist, können Betroffene weitgehend ein normales Leben führen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass man bestimmte Maßnahmen befolgen sollte, um Gefahrensituationen zu vermeiden. Elektrische Schneidemaschinen oder Messer solltest Du lieber nicht verwenden. Außerdem empfehlen Spezialisten eher zu duschen, als baden zu gehen.
 
Schwimmen kannst Du ganz normal gehen, es ist jedoch wichtig, dass weitere Personen Dich begleiten. Bei Sportarten wie Radfahren, Inlineskaten oder Skateboarden solltest Du immer eine Sicherheitsausrüstung tragen. Außerdem solltest Du einen gewissen Sicherheitsabstand zu Straßen und Gewässern einhalten, falls es zu einem Anfall kommt. Das alles sind Maßnahmen, um Deine Sicherheit zu gewährleisten. Es ist jedoch wichtig, dass Du genau mit Deinem Arzt besprichst, welche Einschränkungen Du hast. Es kann auch konkrete Stimulationen wie Blitzlicht geben, die bei Dir vermehrt Anfälle verursachen. In so einem Fall ist es beispielsweise sinnvoll, eher in ruhige Bars als in Diskotheken zu gehen.
 
Für von Epilepsie betroffene Personen ist ein soziales Umfeld, welches zu ihr hält extrem wichtig, damit sich die Person nicht zurückzieht
 
Auch das Thema Führerschein solltest Du individuell mit Deinem Neurologen besprechen.
 
Epilepsie ist eine Krankheit. Das bedeutet, dass sich der Betroffene niemals dafür schämen sollte und Bekannte dies nie als Grund sehen sollten, jemanden auszugrenzen. Es ist wichtig, dass der Betroffene sich Personen anvertraut und ihnen vor allem erklärt, wie sie sich im Ernstfall zu verhalten haben. Je informierter die Leute aus Deinem Umfeld sind, desto früher erkennen sie Anzeichen und können auch reagieren.

Was bedeutet eine Epilepsie für den Kinderwunsch?

Es ist wichtig, dass Du als Frau die Wirkung von Antiepileptika auf die Wirkung der Antibabypille und umgekehrt absprichst, da sich die Medikamente gegenseitig beeinflussen können. Auch wenn Du einen Kinderwunsch hast und Epileptikerin bist, musst Du das mit Deinem Neurologen besprechen. Denn es besteht die Möglichkeit, dass Deine medikamentöse Einstellung abgeändert werden muss, um die Entwicklung des Kindes nicht zu beeinträchtigen. Falls es während der Schwangerschaft zu einem epileptischen Anfall kommt, besteht meist kein Grund zur Sorge. Wenn es sich nicht um einen lang anhaltenden, generalisierten Anfall handelt, oder Du Dich während des Anfalls schwer verletzt, schadet die Krankheit dem Ungeborenen in der Regel nicht. Fast alle Frauen mit Epilepsie bringen gesunde Kinder zur Welt.


Dauer Dauer

Wenige Sekunden bis einige Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Anfall

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Anfall

Das Wichtigste zusammengefasst

Epilepsie ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei dem im Gehirn unkontrollierte Impulse zeitgleich abgefeuert werden und dadurch zu epileptischen Anfällen führen


Diese Anfälle können sich auf unterschiedlichste Art und Weise äußern. Beispielsweise in Form von geistiger Abwesenheit, aber auch in Zuckungen, Halluzinationen oder Sprachstörungen


Bei epileptischen Anfällen ist es notwendig, dass Du Erste-Hilfe leistest und den Betroffenen betreust. Außerdem ist der Notarzt zu verständigen, falls ein Anfall länger als fünf Minuten dauert


Epilepsie kann mithilfe von Medikamenten, Operationen und Stimulationsverfahren unter Kontrolle gebracht werden. Bei der richtigen Behandlung können Erkrankte weitgehend ein normales Leben führen

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