Knochenmarködem

Das Skelett ist das Grundgerüst des menschlichen Körpers. Neben einer Schutz- und Stützfunktion übernehmen die Knochen weitere zusätzliche Aufgaben. So dient das Knochenmark, ein schwammartiges Gewebe, das die Hohlräume im Inneren zahlreicher Knochen ausfüllt, unter anderem der Bildung von Blutzellen – der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen. Bei plötzlich auftretenden Knochenschmerzen kann sich dahinter ein Knochenmarködem verbergen. Erstmals 1988 von Wilson und seinen Mitarbeitern in der medizinischen Fachliteratur beschrieben, handelt es sich dabei um eine krankhafte Vermehrung von Flüssigkeit im Knochen.


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Zuletzt aktualisiert: 23. Juli, 2020



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Ein Knochenmarködem bezeichnet eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Knochen


Typische Beschwerden sind Schmerzen und eine Funktionseinschränkung in dem betroffenen Knochenabschnitt


Mögliche Ursachen der Erkrankung sind eine Überbelastung des Knochens, Trauma, Arthrose, Rheuma, Osteomyelitis, Tumore, Knochenoperationen, Durchblutungsstörungen


Zu nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten zählen eine Entlastung des betroffenen Knochens, Lymphdrainage, Physiotherapie, schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, eine Infusionstherapie mit Iloprost oder Bisphosphonaten sowie eine gezielte Zufuhr von Kalzium und Vitamin D. Als operative Behandlungsmethoden können eine Knochenanbohrung, Subchondroplastie und Stammzellen zur Anwendung kommen

Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über das Knochenmarködem. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einem Knochenmarködem?

Ein Knochenmarködem bezeichnet eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Knochen, die mittels der Magnetresonanztomografie darstellbar ist. Ein Knochenmarködem, das mit Schmerzen einhergeht, bezeichnen medizinische Experten als Knochenmarködem-Syndrom, das in der Medizin uneinheitlich als eigener Symptomenkomplex oder als reversibles Vorstadium der Osteonekrose aufgefasst wird.

Knochenmarködem

Wie sehen die Symptome bei einem Knochenmarködem aus?

Betroffene klagen zu Beginn der Erkrankung meist über Schmerzen und eine Funktionseinschränkung in dem betroffenen Knochenabschnitt. Die Schmerzen können dabei sowohl in Ruhe als auch unter Belastung auftreten. Weiterhin typisch ist ein lokaler Klopfschmerz über dem entsprechenden Areal. Von der Schmerzsymptomatik abgesehen finden sich oftmals nur wenige weitere Beschwerden. In den meisten Fällen normalisiert sich das Knochenmarködem 6 bis 18 Monate nach Einsetzen der Symptome.

Wo kann das Knochenmarködem auftreten?

Ein Knochenmarködem kann prinzipiell an jedem Knochen auftreten. Häufig betroffen sind jedoch Knochen des Fuß- und Sprunggelenks sowie des Hüft- und Kniegelenks. Mitunter kann es auch infolge einer Knieverletzung wie einem Kreuzband- oder Meniskusriss zu einem Knochenmarködem kommen.

Welche Ursachen hat ein Knochenmarködem?

Anhand der eines Knochenmarködems zugrunde liegenden Ursache lässt sich die Erkrankung in verschiedene Formen unterteilen. Ein mechanisches Knochenmarködem kann infolge von Überbelastung des Knochens oder durch ein Trauma entstehen. Ein reaktives Knochenmarködem ist assoziiert mit anderen Knochen- und Gelenkerkrankungen wie Arthrose, Rheuma, Osteomyelitis, Tumoren sowie Knochenoperationen. Ist die Ursache eine Durchblutungsstörung durch eine Beeinträchtigung des arteriellen Zustroms oder des venösen Abstroms, liegt ein ischämisches Knochenmarködem vor. Ein Knochenmarködem kann zudem durch falsches Trainieren entstehen. Ist hingegen keine erkennbare Ursache feststellbar, sprechen Mediziner von einem idiopathischen Knochenmarködem.

Wie diagnostiziert der Arzt ein Knochenmarködem?

Ein Knochenmarködem kann der Arzt mittels Magnetresonanztomografie (MRT) diagnostizieren. Im abgebildeten MRT zeigen sich dabei weiße Flecken als Zeichen einer Flüssigkeitseinlagerung im schwarz dargestellten Knochen. Nicht darstellbar ist ein Knochenmarködem mittels Röntgenbildern und Ultraschall. Zur Bestimmung der zugrunde liegenden Ursache eines Knochenmarködems sind ein ausführliches Patientengespräch sowie bei Bedarf ergänzende Laboruntersuchungen erforderlich.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Das Knochenmarködem tritt vor allem zwischen dem dritten bis fünften Lebensjahrzehnt auf, wobei Männer etwa dreimal häufiger als Frauen betroffen sind.

Welche Folgen hat das Knochenmarködem für die Patienten?

Bei frühzeitiger Diagnose und Therapie sind in der Regel keine Folgeschäden zu befürchten. Bei ausbleibender Behandlung kann ein Knochenmarködem jedoch zu einer Verringerung der Knochendichte, einer sogenannten Osteopenie, beitragen, sodass weitere Schädigungen wie Mikrofrakturen bereits bei geringer Belastung entstehen. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf können Bewegungseinschränkungen und ein Abbau der umliegenden Muskulatur durch eine schmerzbedingte Schonhaltung auftreten. Ein Folgeschaden des Knochenmarksödems, den es unbedingt zu vermeiden gilt, ist die Osteonekrose, die durch eine irreparable Zerstörung des Knochens gekennzeichnet ist.

Knochenmrködem

Welche nicht-operativen Behandlungsmethoden gibt es?

In den meisten Fällen streben behandelnde Ärzte bei einem Knochenmarködem ein konservatives Vorgehen an. Dieses umfasst eine frühzeitige Mobilisierung unter Entlastung der betroffenen Gelenke für etwa sechs Wochen. Zusätzlich können eine Lymphdrainage und eine Krankengymnastik erforderlich sein. Nach sechs Wochen ist meist eine Belastungssteigerung möglich. Verlaufsuntersuchungen mittels Magnetresonanztomografie ermöglichen eine Beurteilung der Knochenheilung. Daneben kann eine medikamentöse Therapie erfolgen.

Zur Anwendung kommen häufig schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, eine Infusionstherapie mit Iloprost zur Verbesserung der Blutzirkulation sowie eine Infusionstherapie mit Bisphosphonaten zur Hemmung der Osteoklasten, der knochenabbauenden Zellen. Ebenfalls kann eine gezielte Zufuhr der Mikronährstoffe Kalzium und Vitamin D zur Beschleunigung der Abheilung sinnvoll sein. Weiterhin sollten bei Vorliegen für ein Knochenmarködem ursächlicher Faktoren oder Erkrankungen diese vermieden oder zumindest reduziert beziehungsweise behandelt werden.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Liegen ausgeprägte Symptome vor und/oder nicht-operative Behandlungsmethoden führen zu keiner Besserung der Beschwerden, kann eine Operation sinnvoll sein. In einigen Fällen erfolgt die Diagnose des Knochenmarködems auch erst so spät im Krankheitsverlauf, dass nur noch chirurgische Maßnahmen möglich sind.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Vor der Operation erfolgt ein ausführliches Gespräch mit Deinem behandelnden Mediziner, in dem dieser Dich über den Operationsablauf aufklärt, Dich über mögliche Risiken und Komplikationen informiert und Deine Medikamenteneinnahme und etwaige Allergien erhebt. Beispielsweise musst Du in der Regel blutverdünnende Medikamente bereits mehrere Tage vor dem Eingriff absetzen. Weiterhin kann eine Labordiagnostik, die ein Blutbild sowie weitere Blutparameter beinhaltet, Teil der Operationsvorbereitung sein.

Welche operativen Behandlungsmethoden gibt es?

Operatives Standardverfahren bei einem Knochenmarködem und frühen Stadien der Osteonekrose ist die Anbohrung des Knochens („core decompression“). Dieses Verfahren ermöglicht durch eine Druckentlastung des Ödems in den meisten Fällen eine sofortige Symptombesserung. Weiterhin kommt es durch die Anbohrung zu einer Anregung von Knochenumbauvorgängen und zu einer Steigerung der Blutzirkulation.

Eine weitere Methode, die bei einem Knochenmarködem zur Anwendung kommen kann, ist die sogenannte Subchondroplastie. Dabei injiziert der Chirurg ein Knochenersatzmaterial, Calciumphosphat genannt, in den geschädigten Bereich, das einerseits zur Entfernung des Knochenmarködems dient und andererseits den angrenzenden Knorpelbelag stützt.

Knochenmarködem

Als eine weitere operative Behandlungsmöglichkeit eines Knochenmarködems stehen Medizinern neuerdings Stammzellen zur Verfügung. Wie bei einer Knochenmarktransplantation entnimmt der Arzt aus dem Beckenkamm mit einer Kanüle Stammzellen und bearbeitet diese anschließend in einem speziellen Apparat. Bestimmte Wachstumsfaktoren werden aus dem Blut herausgelöst und in das Knochenmark injiziert. Diese Wachstumsfaktoren regen den Knochen zum Aufbau neuen Gewebes an, was zu einem rascheren Heilungsverlauf führen soll.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach der Operation solltest Du Dich ausruhen und schonen. Von Anstrengungen und stressigen oder schweren körperlichen Tätigkeiten ist abzusehen. Die Entlastungsdauer beträgt dabei im Schnitt etwa vier Monate, kann jedoch in Einzelfällen auch deutlich länger ausfallen. Bei jüngeren Patienten erfolgt die Regeneration meist schneller, da im Alter der Knochenstoffwechsel langsamer wird. Während dieses Zeitraums können Verlaufskontrollen mittels Magnetresonanztomographie angezeigt sein, um den Heilungsverlauf zu überprüfen. Unter Umständen können physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll sein. Sportliche Tätigkeiten solltest Du erst wieder aufnehmen, wenn das Knochenmarködem im MRT nicht mehr nachweisbar ist. Zu beachten ist dabei, die Belastungsintensität und -methodik gegebenenfalls umzustellen und die Leistung langsam zu steigern.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Nach dem chirurgischen Eingriff kann ein Bluterguss auftreten, der zu einer Schwellung an der operierten Stelle führen kann. Ebenfalls sind Schmerzen, Wundheilungsstörungen und Infektionen möglich. Als weitere Komplikation kann es zu Nervenschäden kommen, die in der Regel zeitlich begrenzt sind und nur in sehr seltenen Fällen dauerhaft zurückbleiben.

Wie sieht die Prognose aus?

Bei frühzeitiger Diagnose und Einleiten einer entsprechenden Therapie ist die Prognose eines Knochenmarködems gut. Die Zeit bis zur Ausheilung hängt von dem Ausmaß des Ödems ab. Beschwerden bestehen meist mindestens vier Wochen lang, oftmals sogar bis zu sechs Monaten. Mitunter sind auch längere Krankheitsverläufe von bis zu eineinhalb Jahren möglich.

Kann ich das Knochenmarködem vorbeugen?

Um das Risiko für das Auftreten eines Knochenmarködems zu minimieren, empfehlen wir Dir, regelmäßig Sport zu treiben. Sportliche Betätigung in gesundem Maße und bei richtiger Bewegungsausführung fördert den Muskelaufbau, was zur Entlastung und verbesserten Stabilität von Knochen und Gelenken beiträgt. Weiterhin kommt es dadurch zur Anregung des Stoffwechsels, was mit einem verstärkten Aufbau von Knochensubstanz einhergeht.

Knochenmarködem

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen im Normalfall die Kosten medizinisch notwendiger Behandlungsmaßnahmen eines Knochenmarködems. Dennoch solltest Du Dich individuell bei Deiner Krankenkasse über eine Kostenerstattung informieren.

Quellen

Hochholzer, T. et al. : Überlastungsbedingte Knochenmarködeme der Hand bei Sportkletterern. In: Sport. Orthopädie. Traumatologie. Vol. 29. 2013. S. 219-224 (letzter Zugriff: 11.07.2019)

Engelhardt Lexikon Orthopädie und Unfallchirurgie (letzter Zugriff: 11.07.2019)

Mutschler, W. & Geith, T. Unfallchirurg (2015) 118: 198.


AUF EINEN BLICK

Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Ein Knochenmarködem bezeichnet eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Knochen


Typische Beschwerden sind Schmerzen und eine Funktionseinschränkung in dem betroffenen Knochenabschnitt


Mögliche Ursachen der Erkrankung sind eine Überbelastung des Knochens, Trauma, Arthrose, Rheuma, Osteomyelitis, Tumore, Knochenoperationen, Durchblutungsstörungen


Zu nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten zählen eine Entlastung des betroffenen Knochens, Lymphdrainage, Physiotherapie, schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, eine Infusionstherapie mit Iloprost oder Bisphosphonaten sowie eine gezielte Zufuhr von Kalzium und Vitamin D. Als operative Behandlungsmethoden können eine Knochenanbohrung, Subchondroplastie und Stammzellen zur Anwendung kommen

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