Krankheiten

Grundsätzlich unterscheidet die Medizin zwischen körperlich-organischen, psychosomatischen und psychischen Krankheiten. Eine Störung der normalen physischen oder psychischen Funktion ist nicht zwingend eine Krankheit beziehungsweise Erkrankung. Erst, wenn ein Grad erreicht wird, der die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden eines Lebewesens subjektiv oder objektiv wahrnehmbar negativ beeinflusst, sprechen Ärzte von einer Erkrankung. Die Grenzen zwischen einer harmlosen Befindlichkeitsstörung und einer Krankheit sind fließend.

Was versteht die Medizin unter einer Krankheit?

Den Krankheitsbegriff einzugrenzen gestaltet sich als relativ schwierig, da es eine Vielzahl an Krankheitsbildern und konkreten Erkrankungen gibt. Krankheit ist definiert als Störung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Grob gesagt ist eine Person dann krank, wenn ihr Gesundheitszustand von der Norm abweicht. Diese Abweichungen können rein subjektiv sein oder objektiv festgestellt werden, weshalb für die Beschreibung einer Krankheit deren Ursache und Symptome sehr wichtig sind.
 
Die Medizin unterscheidet grundsätzlich zwischen Grunderkrankungen und Begleiterkrankungen. Steht eine Begleiterkrankung in kausalem Zusammenhang mit der Grunderkrankung, spricht man von einer Folgeerkrankung. Ist eine Krankheit angeboren, sprechen Mediziner von einer kongenitalen Erkrankung. Tritt sie erst im Laufe des Lebens auf, handelt es sich um eine erworbene Erkrankung.
 
Für die Diagnose einer Krankheit, also deren Feststellung, bedienen sich die einzelnen Fachbereiche verschiedener Methoden. Die Erhebung der individuellen Krankengeschichte (Anamnese) und die körperliche Untersuchung kommen jedoch bei so gut wie jeder Diagnose zum Einsatz. Eine konkrete und sichere Diagnose ist für die Festlegung der notwendigen Behandlung, die Voraussage über den Verlauf der Krankheit (Prognose) und Maßnahmen der Krankheitsverhütung (Prävention) essenziell.
 
Krankheiten sind häufig lokal begrenzt, weshalb eine entsprechende Einteilung nahe liegt. Sie können sich auf einzelne oder mehrere Organe oder ganze Organsysteme beschränken oder den gesamten Organismus betreffen. Dabei unterscheidet die Medizin zwischen Organerkrankungen, Systemerkrankungen, Multisystemerkrankungen oder Allgemeinerkrankungen.
 
Ein wichtiges Merkmal einer Krankheit ist, welches Organ betroffen ist. Die Einteilung der medizinischen Fachbereiche basiert grob auf der Lokalisation der Organe. Jedoch ist diese Trennung nicht immer eindeutig, da Erkrankungen mehrere Organe betreffen können oder der gesamte Organismus beeinträchtigt ist. Deshalb ist es wichtig, dass die einzelnen Fachbereiche gemeinsam und fachübergreifend arbeiten. Zusätzlich kann die Klassifikation von Krankheiten anhand des Gewebes erfolgen, dass betroffen ist.
 
Durch den Fortschritt in der Medizin können heutzutage Krankheiten behandelt werden, die noch vor ein paar Jahren als nicht therapierbar galten. Trotzdem existieren Krankheiten, die nicht behandelbar sind. Sie sind also therapieresistent. Die Heilungsaussichten, also die Prognose einer Erkrankung, können ebenfalls zu ihrer Einteilung dienen. Krankheiten sind entweder spontan heilend, durch Behandlung heilbar oder unheilbar.
 

Einteilung von Krankheiten

Die Einteilung, Benennung und Erkennung von Krankheiten kann unter verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen:
 

  • nach Symptomen (Symptomatologie)
  • nach Beobachtung des Krankheitsverlaufs und der Vorhersage des Ausgangs einer Krankheit (Prognose)
  • nach der Häufigkeit (Epidemiologie)
  • nach pathologisch-anatomischen Befunden (Pathologie)
  • nach spezifischen gestörten Funktionen (Pathophysiologie)
  • nach Entstehung und Entwicklung einer Krankheit (Pathogenese)
  • nach bildgebenden Verfahren bei einem betroffenen Organ
  • nach der Ursache (Ätiologie)
  • nach dem Ansprechen auf bestimmte Therapien

Klassifikation von Krankheiten

Klassifikationssysteme sind ein wichtiger Bestandteil für die Diagnose von Krankheiten.
Die Klassifikationssysteme sind abhängig vom jeweiligen historischen Stand der Medizin, weshalb sie einem ständigen Wandel unterzogen sind beziehungsweise laufend überarbeitet werden. Das bekannteste und international anerkannte Klassifikationssystem ist das ICD-Klassifikationssystem der WHO. ICD steht für “International statistical classification of diseases and health-related problems”. Dieses Klassifikationssystem existiert sein 1993 in seiner 10. Revision (ICD-10) und wird jährlich weiterentwickelt. Die WHO arbeitet aktuell an der neuen 11. Revision, welche am 1. Januar 2022 in Kraft tritt.

Ursachen von Krankheiten

Krankheitsursachen sind, entsprechend der Unmenge an verschiedenen Erkrankungen, sehr vielfältig. Zum Beispiel können Gendefekte, Toxine, Mikroorganismen, Über- und Fehlbelastungen oder Ernährungsfaktoren eine Erkrankung verursachen. Die Ätiologie ist der medizinische Bereich, der sich mit den Ursachen von Krankheiten beschäftigt. Davon abgegrenzt existiert die Pathogenese, welche den genauen Prozess der Entstehung beziehungsweise Manifestation einer Krankheit beschreibt.
 
Nicht alle Krankheiten lassen sich auf eine konkrete Ursache zurückführen. In diesem Fall versuchen Mediziner die Entstehung einer Krankheit mit etwaigen Risikofaktoren zu erklären wie bei einem Herzinfarkt. Risikofaktoren sind Eigenschaften, die alleine betrachtet das Auftreten bestimmter Krankheitsbilder erhöhen, ohne direkt dafür verantwortlich zu sein.

Krankheitsverlauf

Der Verlauf einer Krankheit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Häufig verwendete Begriffe, die den zeitlichen Verlauf einer Krankheit beschreiben, sind akut, subakut, chronisch, chronisch rezidivierend oder foudroyant beziehungsweise fulminant. Akute Krankheiten treten plötzlich auf, verschlimmern sich und spitzen sich bis zu einem Höhepunkt zu. Sie klingen entweder von selber ab oder sind medizinisch behandelbar.
 
Außerdem gibt es bei akuten Erkrankungen in der Regel wenig Komplikationen und nur sehr selten chronische Folgen. Der grippale Infekt ist ein Beispiel für eine akute Krankheit. Bei einem allmählichen Beginn, wie etwa bei Hepatitis B, sprechen Mediziner von einem subakuten Krankheitsverlauf.
 
Akute Krankheiten können aus unterschiedlichen Gründen chronisch werden:
 

  • keine optimale (medizinische) Behandlung
  • ungünstige psychosoziale Lebensweisen und Lebenslagen verstärken negative Krankheitsverläufe und -folgen und/oder verhindern angemessene Therapien
  • bestimmte Krankheiten führen aufgrund ihrer Schwere oder noch nicht vorhandener Heilungsmöglichkeiten zu einem chronischen Verlauf (z.B. bleibende Lähmungen nach einem Schlaganfall)
  • nicht zuletzt entstehen chronische Krankheiten oft als Folge einer kontinuierlichen äußeren Schädigung des Organismus, vielfach in Kombination mit Faktoren wie Alter und Disposition (z.B. Lungen- und Bronchialkrebs bei Gewohnheitsrauchern)

 
Die Multiple Sklerose ist ein Beispiel für eine chronische Erkrankung, da sie durchgehend länger auftritt. Chronische Krankheiten haben eine lange Latenzzeit und beginnen meist schleichend oder schubweise. Sie beeinträchtigen Menschen über längere Zeiträume oder das gesamte Leben.
 
Häufig führen chronische Krankheiten zu dauerhaften Einschränkungen der Aktivität und gesellschaftlichen Teilhabe bei den Betroffenen. Sie sind medizinisch nicht immer behandelbar, weshalb sie zu einem vorzeitigen Todesfall führen können. Tritt dieselbe Krankheit immer wieder auf, ist sie chronisch rezidivierend. Die chronische Bronchitis ist ein Beispiel dafür. Foudroyante Krankheiten, wie eine Sepsis, treten blitzartig auf und verlaufen schwer.

Seltene Erkrankungen

Weltweit sind rund 30.000 Krankheiten bekannt. Mehr als 8.000 davon sind in der Medizin als seltene Erkrankungen bekannt. Wenn weniger als fünf von 10.000 Menschen das spezifische Krankheitsbild aufweisen, spricht die Medizin von einer seltenen Erkrankung. Diese verlaufen meist chronisch und sind in vielen Fällen nicht heilbar oder lebensbedrohlich. Rund 80 Prozent der heute bekannten seltenen Erkrankungen sind genetisch bedingt, also angeboren.

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