Broken-Heart-Syndrom (Stress-Kardiomyopathie)

Das Broken-Heart-Syndrom entsteht aufgrund einer extremen Stresssituation, die durch ein tragisches Erlebnis aber auch ein freudiges Ereignis ausgelöst wird. Die Patienten leiden unter Atemnot und verspüren einen großen Druck oder auch sehr starke Schmerzen im Bereich der Brust. Da diese Symptome auch auf einen Herzinfarkt deuten könnten, ist eine sehr genau medizinische Untersuchung notwendig. Solltest Du unter derartigen akuten Beschwerden leiden, musst Du sofort den Notruf alarmieren, denn besonders in der akuten Phase droht ein Herzstillstand. Hier kannst Du alles Wichtige über das Broken-Heart-Syndrom erfahren.


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Zuletzt aktualisiert: 29. September, 2020



ICD-10-GM-2020 I42.88
 

Was versteht die Medizin unter einem Broken-Heart-Syndrom?

Beim Broken-Heart-Syndrom handelt es sich um eine akut einsetzende, vorübergehende Funktionsstörung des Herzens mit Symptomen, die einem Herzinfarkt ähneln. Das Herz wird dabei nur symbolisch durch massiven emotionalen oder körperlichen Stress gebrochen. Im akuten Stadium ist die Erkrankung sehr gefährlich, danach erholt sich das Herz aber in der Regel wieder. Mediziner bezeichnen diese Krankheit auch als Tako-Tsubo-Syndrom, da das Herz während des Anfalls die Form der japanischen Tintenfischfalle annimmt. Weitere Bezeichnungen sind Stress-Kardiomyopathie oder Tako-Tsubo-Kardiomyopathie.

Das Broken-Heart-Syndrom betrifft vor allem Frauen in den Wechseljahren.

Wer ist besonders vom Broken-Heart-Syndrom betroffen?

Das Tako-Tsubo-Syndrom wurde zum ersten Mal in den 90er-Jahren beschrieben und seitdem nur an kleinen Patientengruppen untersucht. Es gibt also noch keine großen Datenmengen, anhand derer die Häufigkeit der Erkrankung ermittelt werden kann. Allerdings lässt sich beobachten, dass Frauen wesentlich öfter am Broken-Heart-Syndrom erkranken als Männer. Bei 90 Prozent der Patienten handelt es sich um Frauen nach den Wechseljahren, also im Alter von über 60 Jahren. Somit sind nur zehn Prozent aller Patienten Männer.
 
Inwiefern der veränderte Hormonhaushalt bei den Frauen eine Rolle spielt, ist derzeit noch Gegenstand der Forschung. Weitere Risikogruppen sind stressanfällige Menschen und Patienten, die vor dem Anfall chronische neurologische Probleme, psychiatrische Erkrankungen oder eine Parkinson-Erkrankung hatten.
 

Was sind die Symptome beim Broken-Heart-Syndrom?

Ein Broken-Heart-Anfall fühlt sich für die Betroffenen wie ein Herzinfarkt an und auch die Symptome sind die gleichen. Die Patienten leiden an Atemnot, verspüren einen großen Druck beziehungsweise ein Engegefühl in der Brust und haben dort meistens sehr starke Schmerzen, welche Mediziner auch als Vernichtungsschmerz bezeichnen.
 
Oft sinkt der Blutdruck (Hypotonie), der Herzschlag beschleunigt sich (Tachykardie) und es kommt zu Schweißausbrüchen, Übelkeit und Erbrechen. In manchen Fällen kommen Symptome einer Herzinsuffizienz dazu. Dabei staut sich das Blut in die Lunge und in venöse Gefäße zurück, weil das Herz das Blut nicht mehr ausreichend in den Kreislauf pumpen kann. Die Folgen sind Wasseransammlungen in der Lunge und in den Beinen. Dadurch verspüren viele der Betroffenen Todesangst.
 

Welche Komplikationen können beim Broken-Heart-Syndrom auftreten?

Wie bei einem Herzinfarkt kann es auch beim Broken-Heart-Syndrom zu schweren und lebensgefährlichen Komplikationen wie Herzschwäche und Herzkammerflimmern kommen. Während der akuten Phase ist das Risiko für Komplikationen erhöht und betrifft etwa 23 Prozent aller Patienten. Auch eine Bildung von Thromben und Blutgerinnseln im Herzen ist möglich.
 
Neuen Beobachtungen zufolge erhöht sich das Schlaganfallrisiko infolge der Erkrankung um rund sechs Prozent, nach einem Herzinfarkt steigt dieser Wert nur um drei Prozent. Diese Informationen gehen aus einer Studie der Universitätsmedizin Mannheim hervor, in der Patienten über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet wurden. Bisher war dieses Risiko nicht bekannt und weitere Studien werden zeigen, ob diese Beobachtungen bestätigt werden können.
 
Darüber hinaus treten bei einem kleinen Teil der Betroffenen massive Herzrhythmusstörungen auf, die im schlimmsten Fall einen plötzlichen Herztod hervorrufen. Des Weiteren kann ein kardiogener Schock aufgrund der starken Pumpschwäche des Herzens entstehen. Dabei fällt der Blutdruck so stark ab, dass der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist. Auch diese Komplikation verläuft ohne Behandlung meistens tödlich. In der Regel treten Komplikationen aber seltener auf als bei einem Herzinfarkt und auch die Prognose ist besser. Bei manchen Patienten wiederholt sich der Anfall jedoch im weiteren Verlauf ein oder mehrmals.
 

Welche Ursachen hat das Broken-Heart-Syndrom?

Sowohl eine starke emotionale Belastung als auch eine große körperliche Anstrengung können das Broken-Heart-Syndrom auslösen. Bei mehr als der Hälfte der Patienten lassen sich eindeutige Auslöser identifizieren und es handelt sich in der Regel um heftige Stresssituationen. Dieser Stress entsteht aufgrund eines tragischen Ereignisses wie der Verlust eines geliebten Menschen, eines traumatischen Erlebnisses wie eine Naturkatastrophe oder eines sehr erfreulichen Ereignisses wie ein Lottogewinn.
 
All diese Erlebnisse führen dazu, dass der Körper Adrenalin ausschüttet. Diese übermäßige Ausschüttung des Stresshormons überfordert oft das Herz. Im Falle des Tako-Tsubo-Syndroms ist die Hormonkonzentration doppelt bis vierfach so hoch wie bei einem Herzinfarktpatienten. Dadurch ist das Herz wie gelähmt, in seiner Pumpleistung stark eingeschränkt und krampft. Das Herz bläht sich an der Spitze wie ein Ballon auf und erinnerte japanische Ärzte in seiner Form an Tako Tsubo, eine Tintenfischfalle aus Ton.
 
Weitere mögliche Auslöser für die Stress-Kardiomyopathie sind bestimmte Medikamente wie Asthmasprays oder Parkinsonmedikamente, starke akute Schmerzen, die Diagnose einer schweren Erkrankung oder Lampenfieber. 

Das Broken-Heart-Syndrom erinnert in seiner Ausprägung stark an einen Herzinfarkt.

Welche Risikofaktoren begünstigen ein Broken-Heart-Syndrom?

In den meisten Fällen geht dem Broken-Heart-Syndrom eine große emotionale Belastung voraus. Diese Belastung können sowohl tragische Ereignisse als auch freudige Erlebnisse auslösen. Forscher halten allerdings auch eine genetische Veranlagung für möglich. Die untersuchten Erbgutveränderungen beeinflussen auch andere Erkrankungen wie Krebs oder Übergewicht. Besonders verändert waren Gene für Blutdruck und Schilddrüsenfunktion. Bestimmte Menschen sind also leichter von dieser Krankheit betroffen, weil ihre Herzzellen empfindlicher auf Stresshormone reagieren.
 
Darüber hinaus kommt es häufiger zu Pumpstörungen, wenn diese bereits in der Familie aufgetreten sind. Es gibt weltweit Fälle, in denen mehrere Familienmitglieder ein Broken-Heart-Syndrom erlitten haben. Außerdem stellten Forscher fest, dass weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) eine schützende Wirkung auf das Herz haben. Da ihre Konzentration im Blut nach den Wechseljahren abnimmt, könnte dies eine mögliche Erklärung dafür sein, warum vor allem ältere Frauen von dieser Krankheit betroffen sind.
 
Einen weiteren Zusammenhang mit dem Broken-Heart-Syndrom sehen Wissenschaftler in auffälligen Veränderungen des Gehirns. Ob es sich dabei jedoch um eine Ursache oder Folge des Tako-Tsubo-Syndroms handelt, ist noch unklar. Ein weiterer Verdacht besteht darin, dass das Broken-Heart-Syndrom im Zusammenhang mit Krebs steht. Laut einer Studie war beinahe jeder sechste Teilnehmer mit dem Broken-Heart-Syndrom auch an Krebs erkrankt. Besonders häufig traten Formen von Brustkrebs sowie Tumore im Magen-Darm-Trakt oder der Lunge auf
 

Wie diagnostiziert der Arzt ein Broken-Heart-Syndrom?

Zuallererst erfolgt das Patientengespräch. Der Arzt fragt Dich nach Deinen Symptomen und erkundigt sich, ob dem Ereignis eine intensive emotionale Stresssituation vorausgegangen ist. Wenn das nicht der Fall ist, ist eine Stress-Kardiomyopathie eher unwahrscheinlich und es könnte sich um einen Herzinfarkt handeln. Das Patientengespräch ist deshalb so wichtig, weil die Betroffenen nicht nur ähnliche Symptome wie bei einem Herzinfarkt haben, sondern auch die medizinische Diagnose viele Übereinstimmungen ergibt. Aufgrund all dieser Ähnlichkeiten werden die beiden Erkrankungen manchmal miteinander verwechselt und etwa zwei Prozent aller vermeintlichen Herzinfarkte stellen sich als Tako-Tsubo-Syndrom heraus.
 
Da die Blutbefunde und Veränderungen im EKG sehr ähnlich sind, muss der Arzt die Untersuchungen besonders genau durchführen. Eine Untersuchungsmethode ist die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie). Beim Broken-Heart-Syndrom sind typische Bewegungsstörungen der linken Herzkammer, meistens im Bereich der Herzspitze, zu erkennen. Die Muskulatur dort ist sehr wenig beweglich und wirkt aufgebläht. Als Folge der daraus entstehenden Herzschwäche lassen sich Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge nachweisen. Ein Herzinfarkt kann sich allerdings ähnlich präsentieren und daher reicht eine Echokardiografie allein nicht aus, um eine endgültige Diagnose zu stellen.
 
Auch im EKG ist der Kurvenverlauf einem Herzinfarkt sehr ähnlich. Es treten Veränderungen der elektrischen Herzaktivität auf, die typisch für eine Sauerstoffunterversorgung des Herzens sind. Der einzige Unterschied zu einem Herzinfarkt besteht darin, dass sich diese Veränderungen meistens in allen Kurven des EKGs zeigen und nicht nur für ein bestimmtes Herzmuskelareal.
 
Auch Blutwertveränderungen können hilfreich bei der Diagnose sein. So wie bei einem Herzinfarkt steigen beim Broken-Heart-Syndrom nach einigen Stunden die Konzentrationen bestimmter Enzyme wie Troponin T oder Kreatinkinase. Diese Blutwertveränderungen sind allerdings geringer als bei einem Infarkt.
 
Die Angiographie ist ein Verfahren mit dem Mediziner darstellen können, ob und wie gut die verschiedenen Herzkranzgefäße durchblutet sind. Beim Tako-Tsubo-Syndrom liegt kein Verschluss eines Herzkranzgefäßes vor und unterscheidet sich somit von einem Herzinfarkt, bei dem eine oder mehrere Kranzarterien verstopft sind. Die Angiografie eignet sich daher gut, um diese beiden Erkrankungen voneinander zu unterscheiden. Ärzte führen das Verfahren oft im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung durch. Neben all diesen Verfahren können auch Magnetresonanz- oder Computertomografien zum Einsatz kommen.
 

Wie wird ein Broken-Heart-Syndrom behandelt?

Derzeit gibt es noch keine einheitliche Behandlung des Broken-Heart-Syndroms. Da es aber innerhalb der ersten Stunden zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen kann, müssen Patienten auf der Intensivstation überwacht werden. Dort behandeln Ärzte die Erkrankung wie einen Herzinfarkt, bis klar ist, dass es sich um das Tako-Tsubo-Syndrom handelt. Die Ärzte überwachen die Patienten dann mittels EKG und nach zwei Tagen werden diese in eine normale Krankenstation verlegt.
 
Normalerweise kann der Patient das Spital nach wenigen Tagen verlassen, da das Herz wieder normal funktioniert. Wenn keine Komplikationen auftreten, dann ist der Betroffene sogar meist wenige Stunden nach dem Ereignis wieder beschwerdefrei. Allerdings erhalten viele der Erkrankten als Langzeittherapie Betablocker und Aspirin. Einen gesicherten Nutzen dieser Substanzen konnten Wissenschaftler nicht nachweisen, jedoch können Betablocker die Wirkung der Stresshormone und die gesteigerte Aktivität des stimulierenden, sympathischen Nervensystems eindämmen und somit die Herzbelastung reduzieren.
 
Am wichtigsten ist es, nach einer derartigen Erkrankung, starken Stress zu vermeiden und den richtigen Umgang mit Stresssituationen zu lernen. Eine psychologische Beratung oder eine psychotherapeutische Behandlung können in diesem Fall sehr sinnvoll sein. Darüber hinaus sollte der Patient nach drei bis vier Wochen zur Kontrolluntersuchung kommen. Dabei wird überprüft, ob das tatsächliche Problem gelöst wurde. Wenn die Wandbewegungen des Herzens verschwunden sind, dann kann der Arzt endgültig bestätigen, dass es sich um das Broken-Heart-Syndrom und nicht um einen Herzinfarkt gehandelt hat.

Die Behandlung eines Broken-Heart-Syndroms erfolgt wie bei einem Herzinfarkt.

Wie ist die Prognose bei einem Broken-Heart-Syndrom?

Die Prognose beim Broken-Heart-Syndrom ist von allen anderen Herzmuskelerkrankungen die beste. Bei den meisten Patienten normalisiert sich die Herzfunktion nach einigen Wochen ohne Stress. Es ist sogar möglich, dass die Symptome bereits nach wenigen Stunden wieder zurückgehen. Sehr selten erleidet das Herz dauerhafte Schäden aufgrund der Erkrankung. Bei einer entsprechenden Veranlagung liegt das Risiko einer erneuten Stress-Kardiomyopathie bei circa zehn Prozent.
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung eines Broken-Heart-Syndroms?

Grundsätzlich übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung eines Broken-Heart-Syndroms. Je nach Schweregrad und Dauer der Behandlung sind auch die Kosten unterschiedlich. Bei bestimmten Krankenkassen ist es möglich, dass ein Selbstbehalt anfällt. Informiere Dich daher am besten bei Deiner Krankenkasse und frag nach, welche Kosten sie übernehmen.


Dauer Dauer

Je nach Krankheitsverlauf

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Krankheitsverlauf

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 1 Woche

Das Wichtigste zusammengefasst

Das Broken-Heart-Syndrom entsteht aufgrund einer extremen Stresssituation, die durch ein tragisches Erlebnis aber auch ein freudiges Ereignis ausgelöst wird.


Ein Broken-Heart-Anfall fühlt sich für die Betroffenen wie ein Herzinfarkt an und auch die Symptome sind die gleichen. Die Patienten leiden an Atemnot, verspüren einen großen Druck bzw. ein Engegefühl in der Brust und haben dort meistens sehr starke Schmerzen. Oft sinkt der Blutdruck, der Herzschlag beschleunigt sich und es kommt zu Schweißausbrüchen, Übelkeit und Erbrechen. In manchen Fällen kommen Symptome einer Herzinsuffizienz dazu. Die Folgen sind Wasseransammlungen in der Lunge und in den Beinen. Dadurch verspüren viele der Betroffenen Todesangst.


Sowohl eine starke emotionale Belastung als auch eine große körperliche Anstrengung können das Broken-Heart-Syndrom auslösen. Bei mehr als der Hälfte der Patienten lassen sich eindeutige Auslöser identifizieren und es handelt sich in der Regel um heftige Stresssituationen.


Derzeit gibt es noch keine einheitliche Behandlung des Broken-Heart-Syndroms. Da es aber innerhalb der ersten Stunden zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen kann, müssen Patienten auf der Intensivstation überwacht werden. Dort behandeln Ärzte die Erkrankung vorerst wie einen Herzinfarkt.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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