Parkinson

Parkinson oder auch Morbus Parkinson, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Es handelt sich um eine langsam fortschreitende, degenerative Beeinträchtigung, welche das Nervensystem und das Gehirn befällt. Die Therapien zielen auf die Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität ab. Die Erkrankung zeichnet sich durch den kontinuierlichen Verlust bestimmter Nervenzellen aus, was dazu führt, dass vor allem der Botenstoff Dopamin nicht mehr in hinreichender Menge produziert wird. Da sich die Krankheit schleichend entwickelt, ist es schwer, die ersten Anzeichen zu erkennen. Im weiteren Verlauf kann es zum Beispiel zu Muskelschmerzen, eingeschränkter Mimik, Zittern und leiser, monotoner Sprache kommen.


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Zuletzt aktualisiert: 8. Juni, 2020



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Es handelt sich um eine langsam fortschreitende, degenerative Erkrankung, welche das Nervensystem und das Gehirn befällt


Die Ursachen sind bislang noch nicht geklärt, Experten vermuten genetische sowie Umweltfaktoren


Der Krankheitsverlauf ist abhängig von dem Ersterkrankungsalter sowie dem Parkinson-Typ. Je früher Du mit der Therapie beginnst, desto besser


Bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es im Verlauf zu einer speziellen Form der Demenz, welche nicht mit der Alzheimer-Demenz gleichzusetzen ist

Was versteht die Medizin unter Parkinson?

Das Parkinsonsyndrom beschreibt eine Vielzahl von Symptomen, die durch einen Mangel des Botenstoffs Dopamin verursacht werden. Es zeichnet sich durch Akinese, Rigor, Ruhetremor und posturale Instabilität aus. Unter Akinese versteht man eine krankhafte Bewegungslosigkeit der Herz- oder Skelettmuskulatur. Der Rigor bezeichnet eine stärkere Grundspannung der Skelettmuskulatur, die sich bei passiven Bewegungen von Extremitäten wie Armen oder Beinen als anhaltender Widerstand äußert. Bei einem Ruhetremor handelt es sich um eine Zitterbewegung, die in körperlicher Ruhe auftritt und bei bewussten Bewegungen oft weniger wird. Die posturale Instabilität ist eine Störung der aufrechten Körperhaltung, ausgelöst durch mangelhafte Halte- und Stellreflexe.
 
Das Parkinsonsyndrom beschreibt eine Vielzahl von Symptomen, die durch einen Mangel des Botenstoffs Dopamin verursacht werden
 

Wie sehen die Symptome bei Parkinson aus?

Da Parkinson meist schleichend beginnt, nehmen viele Betroffene die Veränderungen oft nicht wahr. Erste Krankheitsanzeichen fallen meist auf, wenn schon 50- 60% der dopaminergen Zellen abgestorben sind. Muskelschmerzen treten häufig als eines der ersten Symptome auf, außerdem können noch weitere dazukommen. Dabei handelt es sich um eingeschränkte Mimik, leise und monotone Sprache, meist einseitiger Ruhetremor, allgemeine Verlangsamung, Bewegungsarmut und Steifheit, vorgebeugte Körperhaltung, angewinkelte Arme, kleinschrittiger und schlurfender Gang mit fehlendem Mitschwingen der Arme, kleiner werdende Schrift sowie Verminderung des Geruchssinns.
 
Besteht die Erkrankung schon länger, können außerdem noch Folgesymptome auftreten. Störungen des vegetativen Nervensystems können sich als Verstopfung, unwillkürlicher Harnverlust, vermehrte Talg- und Speichelproduktion, Sexualfunktionsstörungen oder Blutdruckschwankungen äußern. Auch Störungen in der Regulation der Temperatur, also vermehrtes Schwitzen oder Frieren können ein Hinweis auf eine Parkinson-Erkrankung sein. Weiters kann es im Rahmen der Krankheit zu plötzlichen Bewegungsblockaden kommen, was dazu führt, dass Betroffene mitten in einer Bewegung erstarren.
 
Möglich sind außerdem eine Fallneigung durch eine Störung der Gleichgewichtsreflexe, eine Denkverlangsamung beziehungsweise Demenz sowie eine Depression, die oft schon am Beginn der Erkrankung bestehen kann.

Welche Ursachen hat Parkinson?

Die Ursachen der Erkrankung sind bislang noch nicht geklärt. Experten vermuten, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten, andererseits diskutieren sie auch Umwelteinflüsse, wie beispielsweise Toxine als mögliche Auslöser oder auch eine Autoimmunkomponente mit Bildung von Antikörpern. Es gibt aber bislang für keine Beweise für diese Vermutungen.

Wie diagnostiziert der Arzt Parkinson?

Zunächst führt der Arzt ein ausführliches Anamnesegespräch mit Dir, in welchem er Deine Krankengeschichte erhebt. Er stellt Dir also Fragen zu Deinen Symptomen oder Beschwerden, wie lang diese bestehen und was Du gegebenenfalls schon dagegen unternommen hast. Im Anschluss daran folgt die klinisch- neurologische Untersuchung. Hier werden verschiedene Test durchgeführt bei denen sich oben genannte Symptome überprüft werden. Dein Arzt möchte im Rahmen der Untersuchung andere Erkrankungen ausschließen, die Deine Symptome erklären könnten. Dies geschieht ggf. mittels Computertomografie (CT) oder – besser – mittels Magnetresonanztomografie (MRT).
 
Steht die Diagnose nach der neurologischen Untersuchung noch nicht fest, versucht der Arzt mithilfe der DAT-SPECT-Untersuchung (Dopamin Aufnahme Transporter – Single Photon Emission Computed Tomography) einen Mangel an dopaminproduzierenden Zellen im Gehirn nachzuweisen. Eine weitere Möglichkeit, die Diagnose zu stellen, ist die probeweise hoch dosierte Gabe der Dopamin-Vorstufe Levodopa (L-Dopa). Dies muss allerdings unter Beobachtung im Krankenhaus geschehen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Am häufigsten sind Personen höheren Alters betroffen, etwa ein Prozent der Personen über 60 Jahren leidet an Parkinson. Männer erkranken etwas öfter als Frauen.
 
Am häufigsten sind Personen höheren Alters betroffen, etwa ein Prozent der Personen über 60 Jahren leidet an Parkinson. Männer erkranken etwas öfter als Frauen
 

Welche Folgen hat Parkinson für die Patienten?

Da es sich um eine fortschreitende Erkrankung handelt, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht heilbar ist, müssen sich Betroffene zunächst an die veränderte Situation gewöhnen. Neben den körperlichen Einbußen kommt auch die psychische Belastung dazu. Um diese so gering wie möglich zu halten, solltest Du offen mit Deiner Erkrankung umgehen und Personen in Deinem näheren Umfeld einbeziehen. Auch Selbsthilfegruppen können Dir eine gute Stütze geben.

Wie sieht der Krankheitsverlauf bei Parkinson aus?

Parkinson ist eine degenerative Erkrankung, also eine Erkrankung, die mit der Zeit fortschreitet. Es gibt vier verschiedene Verlaufsformen, die die Mediziner unterscheiden. Beim akinetisch-rigiden Typ, für den ein frühes Erkrankungsalter typisch ist, treten vor allem Bewegungslosigkeit und Muskelsteife auf, Tremor hingegen tritt kaum oder überhaupt nicht auf.
 
Beim Tremordominanz-Typ tritt vor allem Zittern (Tremor) auf. Der Äquivalenz-Typ ist von Bewegungslosigkeit, Muskelsteife und Zittern geprägt, die etwa in gleichem Ausmaß auftreten. Der letzte Typ ist der monosymptomatische Ruhe-Tremor. Dabei zittern Betroffene nur in Ruhe, es gibt keine weiteren Symptome. Diese Form der Erkrankung tritt nur sehr selten auf. Neben dem Parkinsontyp spielt auch das Ersterkrankungsalter eine wichtige Rolle für den Verlauf und die Prognose.
 
Bei jüngeren Patienten kommt es häufiger vor, dass die Medikamente besonders beim akinetisch-rigiden Typ Bewegungsstörungen und Wirkungsschwankungen auslösen. Der Tremordominanz-Typ hat die beste Prognose von allen Parkinsonformen. Die Betroffenen sprechen relativ schlecht auf L-Dopa an, allerdings schreitet die Erkrankung hier im Vergleich zu den anderen Typen langsamer voran.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Welche Behandlungsmethode Dein Arzt wählt, hängt von vielen Faktoren ab, er passt die Parkinson-Therapie individuell an Dich an. Das liegt daran, dass die Beschwerden von Person zu Person variieren können und in unterschiedlichem Tempo voranschreiten können. Meistens behandeln die Ärzte Parkinson mit Medikamenten, wobei leichte Symptome am Beginn der Erkrankung manchmal keine Behandlung erfordern.
 
Abhängig vom Alter des Patienten wählt der Arzt unterschiedliche Wirkstoffe zur Behandlung von Parkinson. Da die typischen Symptome durch einen Dopaminmangel im Gehirn verursacht werden, können sie durch die Zuführung des Botenstoffs (L-Dopa) oder durch eine Unterbindung des Abbaus des Dopamins (MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer) gelindert oder gar beseitigt werden. Die Medikamente haben allerdings auch Nebenwirkungen, sprich also am besten mit Deinem Arzt vorher über das verordnete Medikament. In manchen Fällen empfiehlt Dein Arzt einen neurochirurgischen Eingriff, die sogenannte Tiefe Hirnstimulation oder auch Deep Brain Stimulation (DBS). Für diese Art der Behandlung müssen Patienten bestimmte Voraussetzungen erfüllen, zum Beispiel dürfen keine Frühsymptome von Demenz bestehen.
 
Die individuell auf Dich angepasste Behandlung kann außerdem noch weitere Methoden umfassen. Dazu zählen zum Beispiel Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie. Am besten lässt Du Dich in einer speziellen Parkinson-Klinik behandeln.
 
Erkrankten Personen zittern oftmals die Hände. Das alltägliche Leben erschwert sich auf diese Weise
 

Was kann ich zusätzlich tun?

Es gibt tatsächlich viel, was Du tun kannst, um besser mit Deiner Erkrankung umgehen zu können. Gehe offen mit Deiner Erkrankung um. Wenn Du Dich nicht verstecken musst, nimmt das eine große Last von Deinen Schultern, was sich dann günstig auf Deine psychische Gesundheit auswirkt. Informiere Dich über die Krankheit. Schließe Dich einer Parkinson-Selbsthilfegruppe an, um Dich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Außerdem solltest Du fit bleiben oder spätestens jetzt mit regelmäßiger körperlicher Betätigung beginnen. Schon regelmäßige Spaziergänge oder leichter Ausdauersport hilft dabei, einen guten Allgemeinzustand zu bewahren.
 
Neben körperlicher Betätigung ist auch gesunde Ernährung wichtig. Menschen mit Parkinson fällt es oft schwer, genug zu essen oder zu trinken. Mindestens 2 Liter Wasser solltest Du täglich zu Dir nehmen. Manche versuchen auch, den anstrengenden Toilettengang bei Möglichkeit zu vermeiden. Nutze für die Bewältigung des Alltags kleine Hilfen. Besonders das „Einfrieren“ erleben Betroffene als extrem belastend. Dabei können Dir visuelle Reize am Boden, wie zum Beispiel aufgeklebte Fußabdrücke oder akustische Rhythmusgeber, helfen. Sprich auch mit Deinem Mitmenschen darüber. Es macht keinen Sinn, Personen in einem solchen Zustand zur Eile zu bewegen, da das die Episode eher verlängert.

Welche Risiken und Komplikationen können die Behandlungen bergen?

Vorab solltest Du wissen, dass die Tiefe Hirnstimulation bei Patienten vor dem 50. Lebensjahr erfolgreicher zu sein scheint und seltener Komplikationen verursacht als bei älteren Personen. Bei der Operation am Gehirn können Blutungen im Schädel – sogenannte intrakranielle Blutungen – entstehen. Das Einsetzen des Impulsgebers und der Kabel im Rahmen des Eingriffs kann eine Infektion auslösen, was dann meist dazu führt, dass der Chirurg das System vorübergehend herausnimmt und Du in einem solchen Fall mit Antibiotika behandelt wirst.
 
Falls es bei Dir nach der Operation, wenn das System noch nicht eingestellt ist, zu vorübergehenden Nebenwirkungen wie zum Beispiel Missempfindungen kommt, ist das ganz normal. Die Nebenwirkungen treten oft nur direkt im Anschluss an das Einschalten des Impulsgebers auf und lassen dann bald nach. Weiter Nebenwirkungen, die ebenfalls meist nur von begrenzter Dauer sind, sind beispielsweise Verwirrtheit, gesteigerter Antrieb, abgeflachte Stimmung und Teilnahmslosigkeit, in manchen Fällen kam es auch zu Impulskontrollstörungen. Diese können sich zum Beispiel in gesteigertem sexuellem Verlangen äußern. Weiters kann die Tiefe Hirnstimulation leichte Sprachstörungen, eine Störung der Bewegungskoordination, Schwindel oder Gang- und Standunsicherheit auslösen.

Was ist die Parkinson-Demenz?

Die Parkinson-Demenz entwickelt sich etwa bei einem Drittel der von Parkinson Betroffenen. Diese Demenz beginnt schleichend und schreitet langsam fort. Es müssen außerdem mindestens zwei kognitive Funktionen beeinträchtigt sein, wie beispielsweise Aufmerksamkeit, Sprache oder Gedächtnis. Der Unterschied zu einer Alzheimer-Demenz besteht darin, dass Alzheimer vor allem mit Gedächtnisstörungen einhergeht.

Wie sieht die Prognose aus?

Die Prognose ist abhängig von Faktoren wie dem Ersterkrankungsalter sowie dem Parkinsontyp, an welchem Du leidest.

Kann ich Parkinson vorbeugen?

Die bislang einzige sichere Möglichkeit, der Erkrankung vorzubeugen, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Falls bei Dir so Parkinson diagnostiziert wird, kann der Arzt schnell mit der Therapie beginnen und so den Ausbruch der Krankheit hinauszögern sowie den Krankheitsverlauf verlangsamen. Ob eine gesunde Lebensweise, regelmäßige Bewegung sowie geistige Aktivitäten das Ausbrechen der Symptome hinauszögern kann, konnten Forscher noch nicht beweisen, schaden kann es jedenfalls nicht.
 
Ob eine gesunde Lebensweise, regelmäßige Bewegung sowie geistige Aktivitäten das Ausbrechen der Symptome hinauszögern kann, konnten Forscher noch nicht beweisen, schaden kann es jedenfalls nicht
 

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen in der Regel die Kosten für eine ambulante oder stationäre Versorgung, für Arzneimittel und weitere Leistungen. Oft musst Du jedoch eine geringe Zuzahlung in Höhe von zehn Prozent der Kosten, höchstens aber zehn Euro, übernehmen. Verschreibt Dir Dein Arzt Akupunktur, solltest Du diese bei einem qualifizierten Arzt durchführen lassen, Behandlungen beim Heilpraktiker werden leider nicht übernommen. In Österreich übernehmen die Versicherungsträger alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt anfallen.


AUF EINEN BLICK

Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Es handelt sich um eine langsam fortschreitende, degenerative Erkrankung, welche das Nervensystem und das Gehirn befällt


Die Ursachen sind bislang noch nicht geklärt, Experten vermuten genetische sowie Umweltfaktoren


Der Krankheitsverlauf ist abhängig von dem Ersterkrankungsalter sowie dem Parkinson-Typ. Je früher Du mit der Therapie beginnst, desto besser


Bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es im Verlauf zu einer speziellen Form der Demenz, welche nicht mit der Alzheimer-Demenz gleichzusetzen ist

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