Autismus

Bei Autismus handelt es sich um eine Entwicklungsstörung. Sie hat Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Umwelt, sowie die Kommunikation und Interaktion mit anderen. Autismus beeinflusst die Art der Wahrnehmung der Umwelt und deren Verarbeitung. Sinnesreize sind oft überfordernd für Betroffene. Stereotypes Verhalten und Intelligenzminderung sind ebenso mögliche Symptome von Autismus wie isolierte, herausragende geistige Fähigkeiten. Die Krankheit äußert sich, je nach Patient, sehr unterschiedlich. Die Beschwerden sind sehr stark abhängig vom Schweregrad und der Form der Erkrankung. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist an Autismus erkrankt. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.


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Zuletzt aktualisiert: 1. August, 2023



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Als Autismus fasst die Medizin eine Gruppe von tief greifenden Entwicklungsstörungen zusammen. Unterschieden werden frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom und atypischer Autismus.


Je nach Schweregrad kommt es unter anderem zu einer gestörten sozialen Kompetenz, Störungen bei der Kommunikation, stereotypem Verhalten oder Intelligenzminderung. Einige Betroffene verfügen aber auch über herausragende geistige Fähigkeiten.


Die Ursachen sind bisher nicht eindeutig geklärt und bisher kann Autismus auch nicht geheilt werden. Es stehen aber eine Reihe von Therapiemaßnahmen zur Verfügung, die den Alltag erleichtern.


Bei einer leichten Form von Autismus ist es für Betroffene möglich ein eigenständiges Leben zu führen. In schweren Fällen ist aber eine lebenslange Betreuung vonnöten.

ICD-10-GM-2020 F84
 

Was versteht die Medizin unter Autismus?

Die Medizin fasst verschiedene tief greifende Entwicklungsstörungen (Autismus-Spektrum-Störungen, ASS) unter dem Begriff Autismus zusammen. Mediziner unterschieden drei verschiedene Formen von Autismus: frühkindlichen Autismus, Asperger-Syndrom und typischen Autismus. Alle drei haben gemeinsame Merkmale. Sie treten allerdings in unterschiedlichen Schweregraden und Ausprägungen auf.
 
Es gibt genetische Ursachen für Autismus, aber auch ein gestörter Hirnstoffwechsel oder eine Störung bei der Entwicklung des Gehirns. Bisher ist keine Heilung für Autismus bekannt. Die Medizin kennt jedoch verschiedene Methoden zur Behandlung der Symptome. Dazu zählen zum Beispiel Verhaltenstherapie und Sprechtraining.
 
Verhaltenstherapie und Sprechtraining sind ein wichtiger Bestandteil der Autismustherapie.
 

Wie sehen die Symptome von Autismus aus?

Die Symptome von Autismus sind sehr stark von der Form und vom Schweregrad abhängig und von Patient zu Patient sehr verschieden. In schweren Fällen ist ein selbstständiges Leben nicht mehr möglich, während es in leichten Fällen kein Problem darstellt. Ein großer Teil der Menschen mit Autismus ist geistig eingeschränkt. Andere hingegen sind normal- oder hochbegabt.
 
Die meisten Betroffenen zeigen Symptome auf drei Ebenen: Ihre sozialen Fähigkeiten sind gestört, sie sind in ihrer Kommunikation und Sprache beeinträchtigt und sie haben sich wiederholende und stereotype Interessen und Verhaltensweisen.
 
Der soziale Umgang mit Anderen stellt für Menschen mit Autismus oft eine Schwierigkeit dar. Viele haben generell wenig oder kein Interesse an sozialen Kontakten oder haben ein Problem damit sich auf zwischenmenschliche Beziehungen einzulassen. Bei manchen zeigen sich erste Symptome bereits im Säuglingsalter. Es fällt ihnen schwer eine Bindung zu den Eltern aufzubauen und sie reagieren nicht auf Reize aus der Umgebung. Das kann sich zum Beispiel dadurch äußern, dass das Baby dem Blickkontakt aktiv ausweicht.
 
Blickkontakt aufzubauen und zu halten ist auch für ältere Betroffene oft eine Schwierigkeit. Manche betroffene Babys ahmen ihr Gegenüber nicht nach. Eltern von betroffenen Babys glauben zu Beginn oft ihr Kind sei taub oder blind. Ist die Erkrankung besonders stark ausgeprägt, ist es für Betroffene kaum möglich Freundschaften zu schließen. Autistische Kinder bevorzugen es allein zu spielen und zudem tun sich Betroffene schwer damit, sich in andere hineinzuversetzen und damit ihre Gefühle auszudrücken. Viele haben auch Probleme damit ihre Reaktionen an die allgemeine Stimmungslage anzupassen. Das kann sich dann darin äußern, dass sie scheinbar grundlos zu lachen beginnen.
 
Störungen in der Kommunikation mit anderen äußern sich durch eine verzögerte oder eine ganz fehlende Sprachentwicklung, sowie Probleme beim Sprachverständnis. Menschen mit Autismus vermeiden Blickkontakt. Vielen fällt es schwer ein Gespräch zu beginnen oder es aufrechtzuerhalten. Gerade im Kindesalter fällt es den meisten Autisten schwer die Sprache zu erlernen. Es kommt häufig vor, dass sie immer wieder die gleichen Sätze wiederholen. Da oftmals die Sprachmelodie fehlt, hört sich das Gesprochene meist roboterartig an.
 
Bei Menschen mit Asperger-Syndrom ist die Sprache allerdings hoch entwickelt. Dennoch sprechen sie oft sehr monoton. Im Allgemeinen hinken die Betroffenen in ihrer Sprachentwicklung hinterher. Kinder verwenden keinerlei Gestik oder Mimik beim Sprechen uns auch der Umfang der verwendeten Sprache ist einseitig und begrenzt.
 
Das Festhalten an ritualisierten Gewohnheiten und Tagesabläufen ist typisch für Menschen mit Autismus. Werden sie bei der ritualisierten Ausübung von Handlungen und Gewohnheiten gestört kann das in einem Schreianfall oder einer Panikattacke enden. Betroffene reagieren mit Unsicherheit und Irritation auf Veränderungen. Es fällt ihnen schwer sich von ihren Lieblingsgegenständen zu trennen. Daher nehmen sie sie überallhin mit.
 
Ein weiteres typisches Symptom von Autismus ist die scheinbare Konzentration des gesamten Interesses auf ein bestimmtes Ding oder ein bestimmtes Detail. Nicht selten haben betroffene auch ungewöhnliche Interessen. Betroffene Kinder beschäftigen sich beim Spielen nur selten mit einem kompletten Gegenstand, sondern beziehen nur ein bestimmtes Detail mit ein. Ihr Spiel wirkt oft fantasielos und sie zeigen keinerlei nachahmendes Spielverhalten.
 

Welche Formen von Autismus gibt es?

Unter dem Begriff Autismus fasst die Medizin verschiedene tief greifende Entwicklungsstörungen zusammen. Mediziner unterscheiden drei Hauptformen von Autismus:
 
Frühkindlicher Autismus zeigt sich bereits vor dem dritten Lebensjahr. Die betroffenen Kinder haben Schwierigkeiten bei der Sprachentwicklung und beim Erlernen der Sprache. Sie sind auch in der sozialen Interaktion beeinträchtigt und ihr Verhalten ist durch Stereotypen gekennzeichnet. Es kommt durchaus vor, dass Kinder mit frühkindlichem Autismus eine geistige Behinderung haben. Erste Auffälligkeiten zeigen sich in den meisten Fällen ab dem 10. oder 12. Lebensmonat.
 
Beim Asperger-Syndrom kommt es zu keiner Störung bei der Sprachentwicklung. Nicht selten wirken Betroffene beim Sprechen pedantisch oder kühl. Die Diagnose erfolgt in den meisten Fällen nach dem dritten Lebensjahr. Menschen mit Asperger-Syndrom haben entweder ein normales oder ein überdurchschnittliches Intelligenzniveau.
 
Beim atypischer Autismus zeigen sich nicht alle drei Hauptsymptome. Es zeigen sich aber erhebliche Symptome, die die Diagnose Autismus rechtfertigen. In diese Kategorie fallen aber auch Fälle in denen alle Kernsymptome erfüllt sind, wenn die Diagnose erst nach dem dritten Lebensjahr gestellt wurde.
 
Autismus ist unterschiedlich ausgeprägt, einige Betroffene haben Inselbegabungen.
 

Welche Ursache hat Autismus?

Die Ursachen von Autismus sind bisher nicht vollständig geklärt. Genetische Faktoren gelten als eine der Hauptursachen. Schätzungen zufolge sind etwa 70 bis 80 Prozent aller Autismus-Erkrankungen vererbt. Geschwister von Kindern mit einer autistischen Erkrankung haben ein doppelt so hohes Risiko selbst an Autismus zu erkranken. Bei eineiigen Zwillingen ist das Erkrankungsrisiko sogar um 90 Prozent höher. Diese Zahlen legen nahe, dass bei der Entstehung von Autismus eine bestimmte Genveränderung eine Rolle spielt.
 
Forscher konnten bei Betroffenen in einigen Hirnabschnitten, die für soziale und Kommunikation zuständig sind Auffälligkeiten finden. Darüber hinaus konnten Veränderungen am Gehirn Betroffener bisher aber nicht nachgewiesen werden. Bisher ist auch nicht klar, ob diese Auffälligkeiten Folgen oder Ursachen von Autismus sind.
 
Die Forschung geht aber davon aus, dass die Gehirnentwicklung von Kindern mit Autismus bereits vor der Geburt gestört ist. Autistische Kinder haben in den ersten Lebensjahren einen größeren Kopfumfang. Das wirkt sich auf die Vernetzung von Informationen im Gehirn aus.
 
Umso älter die Eltern sind, umso größer ist auch das Risiko, dass das Kind an Autismus erkrankt. Ebenso erhöht die Einnahme bestimmter Medikamente das Risiko. Nimmt die Mutter während der Schwangerschaft zum Beispiel Antiepileptika oder selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer ein, erhöht sich das Risiko ebenfalls. Darüber hinaus hat scheinbar auch die Zuwanderungsgeschichte der Eltern einen Einfluss. So haben Kinder die außerhalb des Herkunftslandes der Eltern geboren werden, ein höheres Risiko.
 
Keinen Einfluss auf die Entstehung von Autismus haben hingegen Impfungen, Lebensmittelunverträglichkeiten oder Magen-Darm-Erkrankungen des Kindes. Auch, wenn die Mutter während der Schwangerschaft Alkohol konsumiert, führt das nicht zur Entstehung von Autismus.
 

Ist Autismus vererbbar?

Erbliche Faktoren gelten als eine der Hauptursachen von Autismus. Wenn eines der Elternteile an Autismus leidet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind daran erkrankt deutlich erhöht. Bei eineiigen Zwillingen sind in neun von zehn Fällen beide Kinder erkrankt. Mediziner vermuten ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Umwelt- und Genfaktoren als Auslöser für Autismus.
 
Verschiedene Mutationen erhöhen das Risiko einer Autismus-Erkrankung und sind mittlerweile gut erforscht. Ein Beispiel ist das fragile X-Chromosom. Es kommt bei drei Prozent der Betroffenen vor. Die Auswirkungen des fehlerhaften Chromosoms auf die Entwicklung des Nervensystems sind bekannt. Ein Medikament zur Behandlung befindet sich momentan in der Zulassungsphase.
 

Wer ist am häufigsten von Autismus betroffen?

Autismus tritt weltweit und in allen sozialen Schichten auf. Etwa ein Prozent der Bevölkerung lebt mit der Diagnose Autismus. Atypischer Autismus ist jene Form die am häufigsten vorkommt, gefolgt von frühkindlichem Autismus. Das Asperger-Syndrom ist die am seltensten vorkommende Form von Autismus. Männer sind zwei- bis dreimal so häufig von Autismus betroffen wie Frauen.
 

Welche Folgen hat Autismus für die Betroffenen?

Je nach Schweregrad und Form des Autismus sind Betroffene in ihrem Alltag mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Sie haben Probleme mit sozialen Interaktion und ziehen es vor allein zu sein. Ein großer Teil der Betroffenen ist geistig behindert und leidet an einer eingeschränkten Intelligenz. Schlafstörungen, Ängste und aggressives Verhalten sind keine Seltenheit.
 
Etwa dreiviertel aller Menschen mit Autismus sind ihr ganzes Leben lang auf Hilfe angewiesen. Menschen mit einer leichteren Ausprägung hingegen können ihren Alltag gut allein bewältigen und sich soziale Kompetenz anzutrainieren. Manche Betroffene weisen erstaunliche Inselbegabungen auf und verstehen es, diese effektiv in ihrem Berufsleben einzusetzen.
 
Autisten fällt es oft schwer, sich an das soziale Umfeld anzupassen.
 

Haben alle Autisten eine spezielle Begabung?

Etwa die Hälfte der Menschen mit Autismus leidet an einer geistigen Beeinträchtigung. Die andere Hälfte der Betroffenen ist durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent.
 
Manche Menschen mit Autismus haben zusätzlich das Savant-Syndrom. Das äußert sich darin, dass sie bestimmte Inselbegabungen aufweisen. Manche haben ein fotografisches Gedächtnis, erlernen Sprachen in kürzester Zeit oder sind wahre Rechengenies. Ihrer besonderen Begabung widmen sich die Betroffenen mit großer Ausdauer. Viele haben kaum anderen Interessen.
 

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Du den Verdacht hast, dass Dein Kind an Autismus erkrankt sein könnte, solltest Du möglichst rasch einen Arzt aufsuchen. Umso früher die Diagnose erfolgt umso früher können Therapiemaßnahmen ergriffen werden. Dadurch verbessert sich die Prognose wesentlich und es kann eine individuelle Förderung des Kindes erfolgen. Erste Hinweise zeigen sich meist vor dem dritten Geburtstag, aber nicht vor dem 18. Lebensmonat. Die Symptome äußern sich im Umgang mit anderen Menschen, in der Kommunikation des Kindes und in Form von bestimmten Verhaltensweisen.
 
Auffälligkeiten sind zum Beispiel Schwierigkeiten beim Halten von Blickkontakt, keinerlei Mimik oder Gestik beim Sprechen und die wiederholte Verwendung bestimmter Wörter. Sie tun sich schwer damit eine Beziehung mit anderen Kindern aufzubauen und wollen zum Beispiel ihr Spielzeug nicht mit anderen teilen. Betroffene Kinder reagieren außerdem häufig ungewöhnlich auf Zuneigung von anderen. Manche haben Angst vor Berührung und reagieren mit Schmerz darauf.
 
Auch unvorhergesehene und unkontrollierte Handlungen, die zu Selbstverletzungen führen können, sind möglich. Betroffene Kinder zeigen häufig äußerst großes Interesse an einer bestimmten Sache und konzentrieren ihre gesamte Aufmerksamkeit darauf. Nicht selten sind Zahlen oder Symbole das Zentrum ihres Interesses. Das Interesse an dieser einen Sache kann ein ganzes Leben lang bestehen bleiben oder sich im Laufe des Lebens verändern.
 
Autisten wiederholen häufig eine Handlung immer wieder. Sie neigen auch dazu an bestimmten Gewohnheiten und Ritualen festzuhalten. Veränderungen stellen oft ein großes Problem für sie dar.
 

Wie diagnostiziert der Arzt Autismus?

Vor dem 18. Lebensmonat ist eine Autismus-Diagnose schwierig. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Entwicklung von sprachlichen und motorischen Fähigkeiten von Kindern im Allgemeinen sehr unterschiedlich. Intelligenten Kindern gelingt es außerdem ihre Symptome zu verstecken. Doch umso früher die Diagnose erfolgt, umso besser kann frühzeitig die bestmögliche Förderung für das Kind erfolgen.
 
Manche Symptome können eine körperliche Ursache haben. Daher erfolgt zu Beginn eine labor-chemische und eine neurologische Untersuchung sowie eine Untersuchung mithilfe bildgebender Verfahren. Der Arzt überprüft ebenso die Hör- und die Sehfähigkeit des Patienten. Mithilfe eines EEG misst der Arzt die Hirnströme, um so Schäden am Gehirn auszuschließen.
 
Kann der Arzt keine körperlichen Ursachen finden, überweist er den Patienten zur weiteren Abklärung des Verdachts auf eine Autismus-Erkrankung an einen Kinder- oder Jugendpsychiater. Spezielle Autismus-Tests helfen dem Psychiater die Symptome mithilfe von Fragebögen zu beurteilen. Bei Kleinkindern erfolgt eine Befragung und Einschätzung der Symptome durch die Eltern. Ab dem zweiten Lebensjahr kann der Facharzt das „Diagnostische Interview für Autismus“ (ADI-R), sowie die „Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen“ (ADOS) verwenden.
 
Vor allem bei Patienten mit frühkindlichem Autismus kommt es häufig auch zu einer geistigen Behinderung. Das ist bei mehr als zwei Drittel der Betroffenen der Fall. Unterstützend bei der Diagnose kommen daher auch Intelligenz-Tests zum Einsatz. Ein Maßstab zur Einschätzung des Schwergrads der Erkrankung ist der von Simon Baron-Cohen entwickelte Autismus-Spektrum-Quotient (AQ).
 
Jedoch kommt es vor allem bei Menschen, die nur an einer leichten Form von Autismus erkrankt sind vor, dass die Erkrankung bis ins Erwachsenenalter unentdeckt bleibt. Im Internet stehen eine Reihe von Selbsttests zur Verfügung. Diese ersetzen jedoch nicht den Besuch beim Arzt.
 

Wie lässt sich Autismus behandeln?

Eine Heilung für Autismus gibt es bisher nicht. Da sich die Erkrankung bei jedem Patienten individuell äußert, muss auch die Therapie auf den Patienten abgestimmt werden. Die Therapie stützt sich darauf, vorhandene Fähigkeiten des Kindes zu fördern, sowie neue zu entwickeln. Das Umfeld des Kindes wird in die Therapie mit einbezogen. Ziel der Therapie ist es, dem Betroffenen ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen.
 
Betroffene Kinder lernen spielerisch ihre Wahrnehmung auf die Umwelt zu lenken und diese so besser zu verstehen. Mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen erlernen sie soziale Fähigkeiten und durch Logopädie (Sprachtraining) wird das Sprachverständnis und das aktive Sprechen gefördert.
 
Lerntheoretische Methoden stellen eine wichtige Basis bei der Autismus-Therapie dar. TEACCH (Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children) ist ein Programm, das Betroffene dabei unterstützen soll, selbstständig zu sein und ihre Lebensqualität zu steigern. Zwei Prinzipien sind bei diesem Behandlungsansatz zentral. Einerseits erfolgt der Unterricht strukturiert. Das gibt Betroffenen ein Sicherheitsgefühl und hilft beim Lernen. Andererseits sind Visualisierungen ein wichtiger Punkt. Lerninhalte werden entsprechend aufbereitet und sind so leichter zugänglich.
 
Ein weiterer Behandlungsansatz kommt aus der modernen angewandten Verhaltensanalyse (Applied Behaviour Analysis, ABA). Dadurch sollen Sprachausdruck und -verständnis gefördert, das Imitationsverhalten aufgebaut und die Aufmerksamkeit für soziale Eindrücke gestärkt werden. Außerdem lassen sich unangemessene Verhaltensweisen wie Schreien oder Wutanfälle behandeln.
 
Menschen mit Autismus haben Schwierigkeiten Emotionen, Gedanken und Absichten ihrer Mitmenschen nachzuvollziehen. Spezielle Übungen können dabei hilfreich sein die Unterscheidung zwischen eigenen Gedanken und jenen des Umfelds zu erlernen. Auch Verständnis für die Gefühle anderer Menschen können Autisten erlernen. Andere Übungen helfen ihnen dabei mit ihren eigenen Gefühlen besser umgehen zu können. Sie lernen wahrzunehmen, wann sie überfordert oder frustriert sind. Dadurch lassen sich emotionale Ausbrüche und Krisen verhindern.
 
Nicht selten begleiten andere Krankheiten wie Angststörungen, Epilepsie oder Depressionen eine Autismus-Erkrankung. Diese lassen sich in vielen Fällen gut mit Medikamenten behandeln. Auch zur Behandlung von wiederholten, stereotypen Bewegungen und Aggressionen gegen sich selbst oder andere sind Medikamente verfügbar. Bei der Verwendung von Medikamenten ist allerdings Vorsicht geboten, denn Menschen mit Autismus reagieren häufig besonders sensibel darauf. Nebenwirkungen äußern sich daher nicht selten in stärkerer Intensität.
 
Erfolgt die Diagnose erst im Erwachsenenalter, erfolgt meist eine ambulante psychiatrische Behandlung in Form von Gesprächsgruppen und Verhaltenstherapie. Betroffene erlernen in der Therapie ihre Gefühle zu verstehen, sich in andere hineinzuversetzen und wie sie soziale Kontakte stärken können.
 
Erhält Dein Kind die Diagnose Autismus ist es wichtig, dass Du es voll ung ganz unterstützt und ihm zeigst, dass Du es liebst.
 

Was kann man selbst bei Autismus tun?

Es stehen eine Reihe von alternativen Therapieansätzen zur Verfügung. Die Methoden sind teilweise sehr umstritten und die Wirksamkeit ist in den meisten Fällen völlig unklar. Häufig sind solche Therapien mit hohen Kosten verbunden, die die Krankenkasse nicht übernimmt. Es ist daher ratsam vor Aufnahme einer kosten-intensiven alternativen Therapie mit einem Arzt Rücksprache zu halten. Therapien, die jedenfalls unwirksam sind, sind unter anderem die Haltetherapie, psychodynamische, aufdeckende Therapie, Delfintherapie, hoch dosierte Vitamine und Spurenelemente, skotopisches Sensitivtraining, Training nach Delacato, glutenfreie Ernährung, sowie gestützte Kommunikation.
 

Wie ist die Prognose bei Autismus?

Die Prognose bei einer Autismus-Erkrankung hängt von Form und Schweregrad, sowie eventuellen Begleiterkrankungen ab. Eine Heilung gibt es nicht, allerdings stehen zahlreiche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die dem Betroffenen die Bewältigung des Alltags erleichtern sollen. In schweren Fällen ist aber eine lebenslange Betreuung notwendig.
 
Bei frühkindlichem Autismus sind die Symptome während der Kindheit am stärksten ausgeprägt. Sie bleiben grundsätzlich das ganze Leben lang bestehen, bei manchen Betroffenen kommt es aber im Jugendalter zu einer Besserung, bei anderen kommt es zu keiner Veränderung der Symptome.
 

Kann man Autismus vorbeugen?

Die genauen Mechanismen, die zur Entstehung von Autismus führen sind bisher unklar, daher ist es schwer der Erkrankung vorzubeugen. Es gibt aber Untersuchungen, die nahelegen, dass die Einnahme von Folsäure zu Beginn der Schwangerschaft das Risiko, dass das Kind an Autismus erkrankt etwa um die Hälfte reduziert.
 
Die Einnahme von Folsäure zu Beginn der Schwangerschaft wird in vielen Ländern ohnehin empfohlen. Die Gesundheit der Mutter während der Schwangerschaft hat ebenfalls einen Einfluss auf die Entstehung von Autismus.
 

Was sollte das Umfeld im Umgang mit einem Autisten beachten?

Einige Verhaltensweisen haben sich im Umgang mit autistischen Kindern besonders bewährt. Versuche Dein Kind zu fördern, aber nicht zu überfordern. Stecke Deine Erwartungen im Hinblick auf die Therapieerfolge nicht zu hoch. Sei offen für Unterstützung durch Freunde und Verwandte. Wichtig ist es, dass Du die Krankheit Deines Kindes akzeptierst und Schuldzuweisungen vermeidest.
 
Vernetze Dich mit anderen betroffenen Eltern und hol Dir Unterstützung. Im Internet gibt es zahlreiche Foren für den Austausch betroffener Eltern und Du hast auch die Möglichkeit selbst professionelle Hilfe von einem Therapeuten in Anspruch zu nehmen. Achte darauf Dich selbst nicht zu vernachlässigen und Deine sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten. Nur, wenn es Dir gut geht, kannst Du Deinem Kind die bestmögliche Unterstützung bieten.
 
Eltern von autistischen Kindern sind einer besonders hohen Belastung ausgesetzt. Es gibt daher eine Reihe von Unterstützungsprogrammen, die betroffenen Eltern helfen den richtigen Umgang mit ihrem Kind zu erlernen und einen besseren Kontakt zum Kind aufzubauen. Außerdem lernen betroffene Eltern dort Techniken zum Stressabbau kennen.
 
Autismus ist eine tief greifende Entwicklungsstörung mit vielseitiger Ausprägung.
 

Was kostet die Behandlung von Autismus?

Über die Kosten für die Behandlung einer Autismus-Erkrankung können keine allgemeinen Aussagen getroffen werden, da der Arzt die Therapie individuell an die Bedürfnisse des Patienten anpasst. Außerdem hängt die Therapie sehr stark vom Schweregrad und von der Form der Erkrankung ab. Die Kosten für beispielsweise eine Psychotherapie können pro Sitzung mehr als 100 Euro betragen.
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Behandlung bei Autismus?

Die Krankenkasse übernimmt zumindest einen Teil der Kosten für die Diagnose und Therapie einer Autismus-Erkrankung. Je nach Versicherungsträger kann ein Selbstbehalt anfallen. Genauere Informationen dazu erhältst Du direkt bei Deinem behandelnden Arzt oder der Krankenkasse. Bei verschriebenen Medikamenten ist in der Regel nur die Rezeptgebühr zu entrichten, den Rest übernimmt der Versicherungsträger.

 


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Die Ursachen sind bisher nicht eindeutig geklärt und bisher kann Autismus auch nicht geheilt werden. Es stehen aber eine Reihe von Therapiemaßnahmen zur Verfügung, die den Alltag erleichtern.


Bei einer leichten Form von Autismus ist es für Betroffene möglich ein eigenständiges Leben zu führen. In schweren Fällen ist aber eine lebenslange Betreuung vonnöten.

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