Hirntumor (Gehirntumor)

Du hast Kopfweh, googelst Deine Symptome und plötzlich lautet die selbst gestellte Diagnose Hirntumor? Keine Angst, nur in den allerseltensten Fällen deuten Kopfschmerzen alleine auf Krebs hin. Der Verdacht auf Gehirntumor liegt in der Regel erst nahe, wenn andere Beschwerden wie Persönlichkeitsveränderungen oder Sinnesstörungen hinzukommen. Alles, was Du sonst noch über den Hirntumor wissen solltest, haben wir hier für Dich zusammengetragen.


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Online-Redaktion

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Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober, 2020



ICD-10-GM-2020 D33, D43, C71, C72 + C79.3
 

Was versteht die Medizin unter einem Hirntumor?

Ein Hirntumor ist eine Anhäufung von Zellen innerhalb des Kopfes, die sich unkontrolliert teilen und vermehren. Das bezeichnet die Medizin als Geschwulst. Karzinome können gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Erstere wachsen langsam und greifen nicht das angrenzende Gewebe an, sondern verdrängen es lediglich. Letztere vermehren sich hingegen schnell, dringen in das umliegende Gewebe ein und zerstören es. Außerdem bilden sie sogenannte Metastasen aus – das sind Tochtergeschwülste in anderen Körperregionen.
 
Egal ob gut- oder bösartig, in der Regel bereitet ein Hirntumor in jedem Fall Probleme. Die Metastasen bei einem Hirntumor  breiten sich mit der Zeit immer weiter aus, aber der Schädel bietet dafür nicht genug Raum. Durch den Druck auf die Nervenstrukturen entstehen Symptome wie Kopfschmerzen, Persönlichkeitsveränderungen, Gleichgewichts- und Konzentrationsstörungen oder Krampfanfälle.
 
Es gibt viele verschiedene Arten von Gehirnkrebs, die Medizin unterscheidet aber prinzipiell primäre und sekundäre Tumore. Der Ursprung von ersteren liegt im Gehirn oder im Rückenmark. Aus diesem Grund bezeichnen Ärzte diese Form als Karzinome des Zentralnervensystems. In die zweite Kategorie fallen hingegen Metastasen im Gehirn, die von Krebserkrankungen in anderen Körperregionen abstammen.

Der Druck auf die Nervensysteme löst für Hirntumor typische Symptome wie Kopfschmerzen und Schwindel aus.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit an einem Hirntumor zu erkranken?

Hirntumore treten im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen sehr selten auf. Pro Jahr gibt es in Österreich rund 700 und in Deutschland rund 8.000 neue Fälle. Betrachtet man diese Mengen im Verhältnis zur Einwohnerzahl des jeweiligen Landes, liegt die Chance an Gehirnkrebs zu erkranken bei 0,0001 Prozent. Prinzipiell können Personen jeden Alters von einer Geschwulst im Gehirn betroffen sein, die Wahrscheinlichkeit steigt aber mit den Lebensjahren. Bei Männern kommen Hirntumore außerdem etwas häufiger vor als bei Frauen.
 

Welche Formen von Hirntumor gibt es?

Je nachdem, aus welchen Zellen der Krebs entsteht und ob er gut- oder bösartig ist, unterscheiden Ärzte über hundert verschiedene Hirntumorarten. Die Medizin hat allerdings eine Klassifikation hervorgebracht, wonach es zwei übergeordnete Kategorien gibt: Primäre und sekundäre Gehirntumore. Erstere können gut- oder bösartig sein, letztere sind immer maligne.
 
Primäre Hirntumore

Als primär oder hirneigen bezeichnet die Medizin Hirntumore, die direkt aus den Zellen des Zentralnervensystems entstehen. Die wichtigsten Arten davon sind:
 

  • Gliome: Diese Form geht von verschiedenen Stützzellen im Gehirn aus, den sogenannten Gliazellen. Ihr gehören die meisten primäre Tumore an. Zu den Gliomen zählen beispielsweise Oligodendrogliome und Astrozytome. Die bösartigste Variante von letzteren heißt Glioblastom.
  • Meningeome: Ein Meningeom geht aus der Hirnhaut hervor. Sie sind recht häufig unter den primären Gehirntumoren, sind aber in der Regel gutartig.
  • Neurinome bzw. Schwannome: Diese beiden Begriffe bezeichnen Krebserkrankungen, die von den Hirnnerven ausgehen. Eine Art davon ist das Akustikusneurinom.
  • Medulloblastome: Kinder mit Gehirnkrebs leiden häufig unter dieser im Kleinhirn gebildeten Geschwulst.
  • Ependymome: Diese Art entsteht in den Zellen, die die Hirnkammern von innen auskleiden.
  • Lymphome des zentralen Nervensystems: Geht der Krebs aus einer Zellgruppe der weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) hervor, spricht die Medizin von Lymphomen.
  • Keimzelltumore: Zu dieser Form zählen beispielsweise das Germinom und das Chorionkarzinom.
  • Tumor der Sellaregion: Bildet sich eine Geschwulst in der Sella turcica, einer bestimmten Stelle des Gehirns, kann es sich um ein gutartiges Hypophysenadenom oder ein Kraniopharyngeom handeln.

Mit rund 65 Prozent sind die meisten aller Hirntumore gutartig. Lediglich ein Drittel ist bösartig.
 
Sekundäre Hirntumore

Sekundäre Gehirntumore sind häufiger als primäre und umfassen Hirnmetastasen. Sie entstehen, wenn Zellen aus anderen krebserkrankten Organen in den Schädel gelangen und dort eine Tochtergeschwulst bilden. Ins Gehirn streuen häufig beispielsweise Brust-, Lungen-, Nieren-, Haut- und Blutkrebs.
 
Die Metastasen können entweder im Hirngewebe oder in der Hirnhaut auftreten. Manchmal bleiben sie auf einen Gehirnbereich begrenzt, in anderen Fällen breiten sie sich aber auch weiter aus.
 

Wie äußert sich ein Tumor im Kopf?

Ein Hirntumor kann entweder bereits nach wenigen Tagen oder Wochen Symptome auslösen oder erst nach Monaten bis Jahren. Das ist abhängig davon, wie schnell sich der Krebs entwickelt und wie schwerwiegend er ist. Die Beschwerden entstehen, weil die Geschwulst die Nervenstrukturen im Hirn einengt oder komplett zerstört. So können Teile des Gehirns nicht mehr richtig arbeiten. Da der Tumor gegebenenfalls ziemlich viel Platz im Schädel einnehmen kann, steigt außerdem der Druck im Kopf.
 
Je nachdem, wo der Tumor genau sitzt, spüren Betroffene die Beschwerden an verschiedenen Stellen. Bei Karzinomen in der linken Gehirnhälfte treten sie in der Regel auf der rechten Körperseite auf und umgekehrt.
 
Die meisten Symptome von Gehirnkarzinomen kommen auch bei sehr vielen anderen Erkrankungen vor und sind nur selten wirklich ein Anzeichen für einen Tumor. Ein Verdacht auf Krebs besteht in der Regel erst, wenn mehrere typische Beschwerden in Kombination auftreten. Dazu zählen:
 

  • Kopfschmerzen, die über längere Zeit hinweg immer stärker werden und vor allem im Liegen, nachts und morgens vorherrschen
  • Übelkeit und Erbrechen als Folge des erhöhten Hirndrucks
  • Sehstörungen, zum Beispiel in Form eines schwarzen Flecks im Blickfeld oder von außen eingeschränkter Sicht wie bei Scheuklappen
  • Neurologische Ausfälle wie halbseitige Lähmungserscheinungen, Taubheit in den Gliedmaßen, Sprach- und Schluckstörungen sowie Gleichgewichtsprobleme, Schwindel und Schwerhörigkeit
  • Krampfanfälle, entweder von einzelnen Gliedmaßen oder vom gesamten Körper
  • Störungen im Hormonhaushalt
  • Beeinträchtigung des Gedächtnisses, die sich beispielsweise in Vergesslichkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen äußert
  • Psychische Veränderungen wie Depression, Teilnahmslosigkeit (Apathie) und Angstzustände
  • Persönlichkeitsveränderungen, Betroffene sind zum Beispiel leichter reizbar und ablenkbar
  • Epileptische Anfälle

Bei sekundären Hirntumoren treten zusätzliche Beschwerden auf, die mit der Ursprungsform der Krebserkrankung einhergehen. Bei Lungenkrebs husten Betroffene häufig beispielsweise blutigen Schleim und es kann zu starkem Gewichtsverlust kommen.

Für die Diagnose eines Hirntumors sind verschiedenste Untersuchungsverfahren erforderlich.

Welche Ursachen und Risikofaktoren stecken hinter einem Hirntumor?

Warum sich primärer Gehirnkrebs bildet, ist noch nicht genau geklärt. In den meisten Fällen handelt es sich um sogenannte sporadische Hirntumore, bei denen die Ärzte keinen genauen Auslöser feststellen können. Ein paar Ursachen sind den Forschern jedoch bekannt.
 
Einige Fälle lassen sich auf bestimmte Erbkrankheiten zurückführen, zum Beispiel auf Neurofibromatose, tuberöse Sklerose, das von-Hippel-Lindau-Syndrom oder das Li-Fraumeni-Syndrom. Diese vererbbaren Krankheitsbilder sind aber sehr selten.
 
Patienten mit stark geschwächten Immunsystem – beispielsweise aufgrund von HIV oder der Einnahme von Immunsuppressiva – sind ebenso anfälliger für Gehirntumore. Dasselbe gilt für Personen, die eine Bestrahlung des Nervensystems erfahren haben. Das ist etwa bei Leukämie notwendig.
 
Metastasen im Hirn treten nur auf, wenn eine andere Krebserkrankung im Körper vorherrscht. Die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von sekundären Hirntumoren steigt daher, wenn Du beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Lungen- oder Hautkrebs aufweist. Aber natürlich streut nicht jeder bösartige Tumor an anderen Organen ins Hirn.
 

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einem Hirntumor?

Um den Krankheitsverlauf von Hirntumoren beschreiben zu können, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Klassifikation veröffentlicht. Diese teilt Gehirnkrebs grob in vier verschiedene Schweregrade ein:
 

  • Grad I: Gutartiger Hirntumor, der langsam wächst
  • Grad II: Gutartiger Hirntumor, der sich in einen bösartigen entwickeln kann
  • Grad III: Bösartiger Hirntumor
  • Grad IV: Stark bösartiger Hirntumor, der sich besonders schnell ausbreitet

Je nach Stufe, der das Karzinom des zentralen Nervensystems angehört, variieren die Heilungschancen und die Behandlungsmethoden.
 

Wie diagnostiziert der Arzt einen Hirntumor?

Es bedarf in der Regel mehrerer Untersuchungen, um Gehirnkrebs festzustellen. Vor allem bildgebende Methoden sind essenziell für die Diagnose. Vermutet der Arzt, dass es sich bei dem Karzinom um eine Metastase einer anderen Krebserkrankung handelt, sind zusätzliche Verfahren notwendig. So kann der Mediziner den zugrunde liegenden bösartigen Tumor aufspüren und versuchen, auch diesen zu bekämpfen.
 
Anamnese und neurologische Untersuchung

Bemerkst Du eine Kombination der Symptome, die auf eine Geschwulst im Hirn hindeutet, solltest Du einen Arzt aufsuchen. Am besten wendest Du Dich direkt an einen Spezialisten für Nervenheilkunde, einen sogenannten Neurologen. Dieser befragt Dich zunächst zu Deiner Krankengeschichte. Das bezeichnet die Medizin als Anamnese. Er erkundigt sich nach Deinen Beschwerden und eventuellen Vorerkrankungen.
 
Nach dem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Der Arzt überprüft dabei Deine Reflexe, Muskelkraft und Koordinationsfähigkeiten. In der Regel gibt er Dir ein paar Anweisungen, die Du ausführen solltest – zum Beispiel die Stirn zu runzeln. So kann er feststellen, ob Dein Gehirn richtig funktioniert. Außerdem leuchtet er Dir in die Augen, um Deine Pupillenreaktion zu testen und betrachtet den Augenhintergrund.
 
Hat der Mediziner nach diesen Verfahren den Verdacht, dass es sich um einen Hirntumor handeln könnte, ordnet er weitere Untersuchungen an. Gegebenenfalls muss er Dich dafür zu anderen Fachärzten überweisen.
 
Bildgebende Verfahren

Um den Tumor im Schädel erkennen zu können, kommen sogenannte bildgebende Verfahren zum Einsatz – zum Beispiel die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT).
 
Beide Methoden arbeiten mit einer sogenannten Untersuchungsröhre, in die Dich der Mediziner auf einer Liege hineinschiebt. Bei einem CT durchleuchten Röntgenstrahlen Deinen Kopf, bei einem MRT ein Magnetfeld und elektromagnetische Wellen. So entstehen detaillierte Aufnahmen des Gehirns und auf diesen Schnittbildern kann der Arzt Veränderungen leicht feststellen. Prinzipiell spürst Du bei diesen Verfahren keine Schmerzen, aber manche Patienten empfinden das Liegen in der engen Röhre oder den hohen Geräuschpegel als unangenehm. Zur Diagnose der Ursprungserkrankung bei sekundären Hirntumoren kommen zudem Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen des Körpers infrage.
 
Elektroenzephalogramm (EEG)

Bei einem EEG bringt der Mediziner kleine Metallelektroden an die Kopfhaut an. Diese sind über Kabeln an ein Messgerät angeschlossen, das die Hirnströme aufzeichnet. Das kann im Ruhezustand, im Schlaf oder unter Lichtreizen passieren. Bemerkt der Arzt Veränderungen der elektrischen Ströme des Gehirns, kann das auf einen Tumor hindeuten. Außerdem gibt das EEG Aufschluss über den Ursprung des Karzinoms. Es ist nicht schmerzhaft für den Patienten.
 
Liquorpunktion

Eine Nervenwasseruntersuchung ordnet der Mediziner an, um entzündliche Erkrankungen des Nervensystems auszuschließen. Außerdem kann er dadurch tumorbedingte Veränderungen an den Zellen feststellen.
 
Vor der in der Fachsprache sogenannten Liquorpunktion bekommst Du ein Beruhigungs- oder Schlafmittel. Bei Kindern kommt meist eine Vollnarkose zum Einsatz. Der Arzt desinfiziert danach Deinen Rücken im Bereich der Lenden und deckt ihn mit sterilen Tüchern ab. Unter örtlicher Betäubung mittels einer Spritze schiebt er eine Hohlnadel in das Liquorreservoir im Rückenmarkskanal. Dadurch kann er eine Probe des Nervenwassers entnehmen und den Liquordruck bestimmen.
 
Der wenige Minuten lange Eingriff ist dank der Betäubung normalerweise nicht schmerzhaft, manche empfinden ihn aber als unangenehm. Die Liquorpunktion ist nicht gefährlich, da die Einstichstelle unterhalb des Rückenmarkendes liegt.
 
Entnahme einer Gewebeprobe

Die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) und deren Untersuchung unter dem Mikroskop ist erforderlich, um einen Gehirntumor zu klassifizieren. Zusätzlich lassen sich dadurch der Grad der Bösartigkeit und die Eigenschaften des Karzinoms bestimmen. Der Eingriff kann auf zwei Arten erfolgen: Entweder im Rahmen einer Operation, bei der der Arzt die Geschwulst ganz oder teilweise entfernt, oder durch eine stereotaktische Biopsie.
 
Erstere Methode erfolgt unter Vollnarkose. Der Chirurg öffnet das Schädeldach und wenn möglich, entnimmt er nicht nur einen Teil der Krebszellen, sondern gleich den kompletten Hirntumor. Nach der Operation untersucht ein Labor die Gewebeprobe. Von deren Ergebnis hängt die weitere Therapie ab.
 
Die stereotaktische Biopsie kommt zum Einsatz, wenn der Tumor schwer zu erreichen ist. Der Kopf des Patienten ist dabei in einem Rahmen fixiert. Mithilfe des zuvor durchgeführten CT oder MRT zeigt dieser genau an, wo der Tumor liegt. Der Mediziner bohrt ein kleines Loch in den Schädel – dieser Vorgang heißt Trepanation. Durch dieses kann er anschließend eine Biopsienadel präzise in das Karzinom führen und eine Probe entnehmen. Du musst bei diesem Eingriff dank der örtlichen Betäubung nicht mit Schmerzen rechnen.

Wenn der Hirntumor gut zugänglich sit, greifen Ärzte auf eine Operation als Behandlungsmethode zurück.

Wie wird ein Hirntumor behandelt?

Die Ärzte passen die Therapiemaßnahmen genau an den Patienten an. Die Entscheidung für eine oder mehrere Behandlungsmethoden hängt von der Art, der Lage, der Größe, dem Fortschrittslevel und dem Klassifikationsgrad des Hirntumors ab. Auch das Alter und die Wünsche der Patienten finden Berücksichtigung. Prinzipiell kommen eine Operation, eine Strahlen- und eine Chemotherapie infrage. Häufig ist auch eine Kombination verschiedener Maßnahmen erforderlich.
 
Operation

Wenn der Tumor gut zugänglich ist – was in der Praxis eher selten vorkommt –, ist eine vollständige Entfernung im Zuge einer Operation möglich. In den meisten Fällen gelingt es aber nur, einen Teil des Karzinoms zu entfernen. Dann sind in der Regel zusätzliche Therapieansätze notwendig.
 
Strahlentherapie (Radiotherapie)

Bestrahlung kann die einzige Behandlungsmaßnahme oder lediglich eine von mehreren sein. Als Ersttherapie kommt sie insbesondere dann zum Einsatz, wenn der Tumor sehr schwer zugänglich und dementsprechend keine Operation möglich ist. Nach einem chirurgischen Eingriff dient sie vor allem dazu, die verbliebenen Tumorzellen zu beseitigen.
 
Die Radiotherapie zielt darauf ab, Krebszellen zu zerstören, versucht aber, dass umliegende gesunde Gewebe möglichst davon zu verschonen. Dank den heutigen technischen Möglichkeiten und den bildgebenden Verfahren trifft die Bestrahlung ziemlich genau den richtigen Bereich im Schädel. Um die Stelle bei den jeweiligen Einzelsitzungen nicht jedes Mal neu berechnen zu müssen, fertigen die Mediziner eine individuelle Gesichtsmaske an. Diese bringt den Kopf immer in dieselbe Position.
 
Wie viele Behandlungstermine notwendig sind und in welcher Intensität diese passieren, hängt vom Gewebetyp ab. Die Radiotherapie findet in der Regel ambulant statt, es ist also kein längerer Krankenhausaufenthalt notwendig. Sie zieht sich meist über eine Dauer von vier bis acht Wochen. Zwei Verfahren kommen prinzipiell infrage: Entweder erfolgt die Bestrahlung von außen oder über Strahlungsquellen (Radionuklide), die der Arzt direkt in den Tumorbereich im Gehirn einbringt.
 
Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen eine gerötete Haut im bestrahlten Bereich, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Haarausfall.
 
Chemotherapie

Eine Chemotherapie findet bei einem Hirntumor meist nur als zusätzliche Maßnahme Anwendung. In Kombination mit der Bestrahlung spricht die Medizin von einer Radiochemotherapie. Sie kann außerdem vor (neoadjuvant) oder nach (adjuvant) der Operation stattfinden. Die Medikamente – sogenannte Chemotherapeutika oder Zytostatika – verkleinern den Tumor oder töten die nach einer anderen Behandlung übriggebliebenen Krebszellen ab. Je nach Art des Karzinoms kommen verschiedene Arzneimittel infrage.
 
Die Substanzen müssen bei einem Gehirntumor allerdings zunächst die Blut-Hirn-Schranke im Körper überwinden. Das ist nicht so einfach, weswegen der Arzt die Medikamente in manchen Fällen direkt in den Rückenmarkskanal spritzt. So gelangen sie mit dem Nervenwasser schneller ins Gehirn.
 
Da die Chemotherapie wie die Bestrahlung neben den Krebszellen auch gesundes Gewebe erfasst, kommt es zu gewissen Nebenwirkungen. Diese sind Störungen bei der Blutbildung, verminderte Immunabwehr und neurologische Probleme.
 

Wie kann ich mich auf eine Operation vorbereiten?

Um Dich und Deine Angehörigen seelisch auf die Operation vorzubereiten, kannst Du Dir eine psychoonkologische Betreuung suchen. Die restliche Einweisung übernimmt der behandelnde Arzt. Er bespricht die Therapiemaßnahmen mit Dir und steht Dir bei Fragen zur Verfügung.
 
Direkt vor dem chirurgischen Eingriff ist außerdem eine körperliche Vorbereitung notwendig. Viele Patienten bekommen ein fluoreszierendes Mittel verabreicht. Dieses sammelt sich im Hirntumor an und leuchtet während der Operation unter einem speziellen Licht. So kann der Mediziner das gesunde Gewebe besser vom befallenen Gewebe unterscheiden.
 
Bei einer anstehenden Vollnarkose musst Du folgende Verhaltensregeln befolgen:
 

  • Innerhalb der letzten sechs Stunden vor der Operation darfst Du keine feste Nahrung mehr zu Dir nehmen.
  • Zwei Stunden vor dem geplanten Eingriff darfst Du nichts mehr trinken. Davor solltest Du auf Wasser zurückgreifen und eventuell verschriebene Medikamente nur damit schlucken.
  • Am Tag der Operation ist auf Rauchen, Make-up und Nagellack zu verzichten. Schmuck, künstliche Haarteile, Zahnprothesen, Hörgeräte und Kontaktlinsen musst Du ablegen.
  • Teil es dem Arzt oder dem Anästhesieteam mit, wenn Du innerhalb von zehn Tagen vor der Operation eine Erkrankung wie zum Beispiel eine Erkältung hattest.

 

Wie verläuft die Operation bei einem Gehirntumor?

Eine Hirntumoroperation kann eine Entfernung oder eine Verkleinerung des Karzinoms sowie eine Linderung der Symptome und eine Verbesserung der Prognose zum Ziel haben. Außerdem kann die Medizin dadurch auch eine tumorbedingte Abflussstörung des Nervenwassers ausgleichen, wodurch der Hirndruck sich wieder verringert. Vor allem bei gutartigen Tumoren ist die Operation das Mittel der Wahl.
 
Ein offener Eingriff erfolgt in der Regel unter Vollnarkose. Betrifft die Geschwulst das Sprach- oder das Bewegungszentrum des Gehirns, findet lediglich eine örtliche Betäubung Anwendung. Nur so kann der Mediziner abschätzen, wie es um diese Hirnfunktionen steht.
 
Mithilfe eines Metallgerüsts fixiert der Chirurg den Kopf. Er durchtrennt zunächst die Haut, sägt anschließend den Schädelknochen auf und öffnet dann die harte Hirnhaut. Unter einem Spezialmikroskop führt er die operativen Maßnahmen durch. Er geht sehr präzise und vorsichtig vor, um keine Hirnfunktionen zu beschädigen. Gegebenenfalls unterbricht der Arzt die Operation, um die bisherigen Ergebnisse mithilfe von bildgebenden Verfahren zu überprüfen. Zum Schluss stillt er die Blutungen und schließt die Wunde. Nach dem Aufwachen aus der Narkose muss der Patient noch einige Tage zur Überwachung im Krankenhaus bleiben.
 
Alternative Verfahren zum offenen Eingriff sind die transkranielle und die transsphenoidale Operation. Bei ersterer führt der Chirurg die Instrumente über ein Bohrloch in der Schädeldecke ein, bei letzterer über die Nase.
 
Im Zuge der operativen Verfahren kann es zu einer Schädigung von gesundem Nervengewebe kommen. Die Folge können Sprach- und Gedächtnisstörungen sowie Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen sein.
 

Was muss ich nach der operativen Entfernung eines Hirntumors beachten?

Direkt nach der Operation musst Du noch einige Tage im Krankenhaus bleiben. Du bekommst dort ein Kortisonpräparat, damit Dein Gehirn nicht zu stark anschwillt. Mithilfe von bildgebenden und anderen Diagnosemethoden überprüft der Mediziner den Erfolg des Eingriffs. Diese werden in regelmäßigen Abständen – meist drei bis sechs Monate – wiederholt, um die weitere Entwicklung zu überwachen und bei eventuellen Rückfällen schnell handeln zu können. Du bekommst in der Regel einen Patientenordner, in dem alle wichtigen Unterlagen zusammengefasst sind. Verwahre diesen gut, damit Du ihn im Notfall schnell zur Hand hast.
 

Was ist unter einer supportiven Therapie zu verstehen?

Als supportive Therapie versteht die Medizin Behandlungsmaßnahmen, die nicht direkt den Tumor bekämpfen, sondern nur begleitend Anwendung finden. Sie lindern die körperlichen Beschwerden und unterstützen den Patienten und dessen Familie psychisch.
 
Bei Kopfschmerzen, Übelkeit und sonstigen durch erhöhten Hirndruck ausgelösten Symptomen können Medikamente zum Einsatz kommen. Der Betroffene muss Kortikosteroiden und sogenannte Osmotherapeutika einnehmen. Sprechen diese nicht an, ist manchmal eine Notoperation notwendig, um den Druck zu dekomprimieren. Bei motorischen Einschränkungen kann eine Physiotherapie sinnvoll sein.
 
Eine psychoonkologische Betreuung ist ebenso Teil der supportiven Therapie. Sie hilft dem Erkrankten und deren Angehörigen, seelisch mit der Diagnose, den Strapazen der Behandlung und der möglicherweise schlechten Prognose umzugehen.

Bei einem Hirntumor kann es zu Persönlichkeitsveränderungen und Gleichgewichtsstörungen kommen.

Ist ein Hirntumor heilbar?

Es ist nicht möglich, eine allgemeine Aussage über die Prognose bei Gehirnkrebs zu machen. Die Heilungschancen sind abhängig davon, um welche Art und welchen Grad von Tumor es sich handelt.
 
Gutartige Karzinome des zentralen Nervensystems lassen sich häufig gut behandeln und bei einer Operation vollständig entfernen. Bei bösartigen Tumoren ist die Therapie schwieriger, weil diese schneller wachsen und das umliegende Gewebe nicht nur verdrängen, sondern zerstören. Durch die medizinischen Maßnahmen kann der Krankheitsverlauf aber entschleunigt werden, sodass Patienten noch einige Jahre länger damit leben können. Ist ein bösartiger Krebs bereits sehr weit fortgeschritten, stehen die Chancen auf Besserung allerdings ziemlich schlecht. In diesem Fall kann der Hirntumor bereits nach kurzer Zeit zum Tod führen.
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung eines Hirntumors?

Normalerweise kommt die Krankenkasse für jeglichen finanziellen Aufwand der Diagnose und Behandlung von Gehirnkrebs auf. Für manche Leistungen – zum Beispiel eine nach der Chemotherapie benötigte Perücke – brauchst Du aber eine chefärztliche Bewilligung. Wenn Du nähere Informationen zur Kostenübernahme haben möchtest, wende Dich am besten direkt an Deinen Sozialversicherungsträger.

 


Dauer Dauer

Je nach Krankheitsverlauf

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Krankheitsverlauf

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Krankheitsverlauf

Das Wichtigste zusammengefasst

Ein Hirntumor ist eine Anhäufung von Zellen innerhalb des Kopfes, die sich unkontrolliert teilen und vermehren. Der Krebs kann bösartig oder gutartig sein, je nachdem ob er gesundes Gewebe zerstört oder nur verdrängt.


Es gibt viele verschiedene Arten von Gehirnkrebs, die Medizin unterscheidet aber prinzipiell primäre und sekundäre Tumore. Der Ursprung von ersteren liegt im Gehirn oder im Rückenmark. Letztere sind hingegen Metastasen im Gehirn, die von Krebserkrankungen in anderen Körperregionen abstammen.


Ein Verdacht auf Krebs besteht in der Regel erst, wenn mehrere typische Beschwerden in Kombination auftreten. Dazu zählen häufig Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Gleichgewichts-, Seh- oder Sprachstörungen, halbseitige Lähmungserscheinungen, Krampfanfälle und psychische Veränderungen.


Die Behandlung von Gehirntumoren ist individuell auf den Patienten abgestimmt. Infrage kommen eine Operation, Bestrahlung und Chemotherapie.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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