Hypotrichose

Personen, die an Hypotrichose leiden, weisen eine deutlich verminderte Körperbehaarung auf. Es kommt bei den Betroffenen somit oft zu einem verstärkten Haarausfall. Dieser kann entweder genetisch bedingt sein oder im Rahmen einer weiteren Erkrankung auftreten. Nachfolgend kannst Du Genaueres darüber erfahren.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Hypotrichose?

Hypotrichose ist eine Erkrankung, bei der es sich um eine verminderte Körperbehaarung handelt. Sie tritt nur selten auf, jedoch ist sie in den meisten Fällen angeboren und die Betroffenen haben dabei auch noch weitere angeborene Fehlbildungen. Hierbei ist der Haarwuchs zwar nach der Geburt normal, allerdings werden die Haare an manchen Körperstellen abgeworfen und später durch feinen Haarwuchs, sogenannten Vellushaaren, ersetzt. Oft ist das neue Haar auch nicht pigmentiert. Es kann dabei auch schon im Alter von 25 Jahren zu einer Kahlheit kommen. Die Hypotrichose sollte nicht mit dem Begriff der Alopezie verwechselt werden. Sie bezeichnet das völlige Fehlen von Haaren in einem bestimmten Areal.
 
Bei der Hypotrichose kommt es vermehrt zu kahlen Stellen am gesamten Körper

Was sind die Symptome einer Hypotrichose?

Bei dieser Erkrankung kommt es zu eindeutigen Symptomen und Beschwerden. Hypotrichose macht sich in erster Linie durch einen Haarausfall bemerkbar, wobei die Krankheit oft auch mit weiteren Beeinträchtigungen, wie beispielsweise Wachstumsstörungen, einhergeht. Eine Hypotrichose erkennt der Arzt auch anhand von lichten Stellen auf der Haut. Einige Betroffene leiden hierbei an Schmerzen auf der Kopfhaut oder auf der betroffenen Körperstelle.
 
Es kann dabei auch zu einem Juckreiz auf der Kopfhaut kommen, in einigen Fällen entwickeln sich auch Schuppen oder Rötungen auf der Haut. Zudem kann eine Hypotrichose auch mit einer Schuppenflechte in Verbindung stehen. Liegt eine Autoimmunerkrankung vor, so kann sich auch die Kopfhaut vernarben, was oftmals mit Hautirritationen verbunden ist. Wenn sich hormonelle Störungen entwickelt haben, so leiden Betroffene in vielen Fällen auch unter weiteren körperlichen Veränderungen.

Welche Ursachen hat eine Hypotrichose?

Die Ursachen bei einer Hypotrichose können sehr unterschiedlich sein. Oft liegt jedoch eine genetischen Veranlagung vor, beziehungsweise tritt die Hypotrichose im Rahmen von Syndromen auf (z.B. in Kombination mit juveniler Makuladystrophie, Kranioektodermaler Dysplasie und Nicolaides-Baraitser-Syndrom), Infektionskrankheiten, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Einnahme von bestimmten Medikamenten. Eine Störung des Immunsystems kann aber ebenso die Entstehung der Erkrankung begünstigen. Denn hierbei greifen die Abwehrzellen des Körpers die Haarwurzel an. In weiterer Folge fallen die Haare aus, da das Haarwachstum gestoppt wird.
 
Eine genetisch bedingte Ursache tritt oft bei Männern auf. Denn dabei ist das männliche Sexualhormon, Testosteron, beeinträchtigt. Dadurch wird die Wachstumsphase der Haare kürzer und Haarfollikel werden kleiner. Somit kommt es zu kleinen, feinen Haaren, die kaum sichtbar sind. Diese feinen Haare können entweder bestehen bleiben oder auch ausfallen.

Wie ist der Krankheitsverlauf einer Hypotrichose?

In den meisten Fällen ist eine Hypotrichose angeboren und kann nicht immer behandelt werden. Die häufigste Ursache ist dabei ein Gendefekt, der vererbbar ist. Ist die Einnahme von Medikamenten Grund für die Krankheit, so wird das Arzneimittel meist abgesetzt und die Hypotrichose verschwindet wieder. Geht der Haarausfall mit einer Schilddrüsenüberfunktion einher, so wird der Arzt diese Störung behandeln.
 
Die Hypotrichose ist in den meisten Fällen genetisch bedingt
 
Im Verlauf der Erkrankung können sich bei den Betroffenen auch psychische Probleme entwickeln. Dabei kann es infolge der Hypotrichose zu Minderwertigkeitskomplexen oder depressiven Verstimmungen kommen. Diese psychischen Auswirkungen sollten dabei von einem speziellen Therapeuten behandelt werden, um die seelischen Belastungen und Beschwerden schnell zu bewältigen.

Wie häufig ist die Hypotrichose?

Eine angeborene Hypotrichose tritt grundsätzlich sehr selten auf. Auch zu einem verstärkten Haarausfall im Zusammenhang mit einer weiteren Erkrankung kommt es nicht oft. Nur im Rahmen einer bestimmten Medikamenteneinnahme, beispielsweise bei einer Chemotherapie, kommt es in vielen Fällen zu einem Haarverlust. In einigen Fällen folgt ein Haarausfall aber auch auf eine Geburt. Während der Schwangerschaft ist das Haar durch einen erhöhten Östrogenspiegel meist dicker, einige Monate nach der Geburt sinkt das weibliche Sexualhormon und es kommt öfter zum Haarausfall.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Vor allem, wenn der Haarverlust plötzlich auftritt und wochenlang anhält, solltest Du einen Arzt aufsuchen. Der Arzt kann somit feststellen, ob eine Hypotrichose vorliegt oder ob diesen Beschwerden ein gesundheitliches Problem zugrunde liegt. Wenn sich Vernarbungen auf der Kopfhaut entwickelt haben, so solltest Du ebenfalls auf jeden Fall einen Arzt konsultieren. In solch einem Fall kann eine Autoimmunerkrankung vorliegen, die von einem Arzt diagnostiziert werden muss. Somit können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken. Das heißt, je früher der Arzt eine Diagnose stellen kann, desto früher kann auch eine gezielte Behandlung erfolgen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Hypotrichose?

Der Dermatologe kann eine Hypotrichose meist ohne eine spezifische Untersuchung erkennen. Vor allem, wenn ein Haarausfall an mehreren Körperregionen sichtbar ist. Zur sicheren Diagnose verwendet der Mediziner allerdings ein Trichogramm. Damit kann er den aktuellen Haarwurzelstatus analysieren. So kann der jeweilige Arzt die Wachstumskapazität des Haares und die Haarzyklus-Phasen abschätzen. Hierfür darfst Du die Haare mindestens fünf Tage vor dieser Untersuchung nicht waschen. Auch auf Färbungen der Haare solltest Du zwei Wochen vor dem Trichogramm verzichten.
 
Bei einem Trichogram epiliert der Arzt an einer bestimmten Stelle Haare und analysiert diese unter einem Mikroskop. Durch diese fachgerechte Untersuchung kann eine krankhafte Veränderung der Haarwurzel erkannt und in weiterer Folge behandelt werden. Gegebenenfalls wird auch eine Hautprobe, ein sogenanntes Hautgeschabsel, entnommen, um mögliche Parasiten auszuschließen. Hierbei wird mit einem Skalpell vorsichtig eine kleine Stelle der erkrankten Haut entnommen und ebenfalls unter dem Mikroskop untersucht.

Wie lässt sich eine Hypotrichose behandeln?

Eine Hypotrichose lässt sich nicht immer direkt behandeln, denn die Behandlung hängt dabei vor allem von den ursächlichen Faktoren ab. Liegt eine genetisch bedingte Hypotrichose vor, so steht ein Arzneimittel zur Verfügung, welches die Betroffenen einnehmen können, um den Haarausfall zu stoppen. Minoxidil ist ein Wirkstoff, der das Haarwachstum vor allem bei einem erblich bedingten Haarausfall positiv beeinflussen und die Haarwurzel stärken kann. Liegt hingegen eine Erkrankung vor, die den Haarverlust verursacht hat, so versucht der Arzt in erster Linie die Vorerkrankung zu behandeln, um den Haarausfall so zu beseitigen.
 
Die Hypotrichose kann sich mit bestimmten Arzneimitteln behandeln lassen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten der Therapie- und Diagnoseverfahren nicht in allen Fällen. Die Kostenübernahme hängt dabei vor allem davon ab, wie notwendig die Behandlung aus medizinischer Sicht ist. Du kannst Dich bei Deiner jeweiligen Krankenkasse genauer darüber informieren.
 
 
Bei Fragen zu diesem oder einem anderen medizinischen Thema steht Dir unser Forum zur Verfügung. Hier kannst Du Dich mit anderen Mitgliedern austauschen und unsere Ärzte kontaktieren!


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Hypotrichose ist eine Erkrankung, bei der es zu einer verminderten Körperbehaarung kommt


Hypotrichose macht sich in erster Linie durch einen Haarausfall an mehreren Körperstellen bemerkbar


Zur sicheren Diagnose verwendet der Arzt ein Trichogramm


Eine Hypotrichose kann nicht immer direkt behandelt werden, denn die Behandlung hängt dabei vor allem von der jeweiligen Ursache ab

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