Schilddrüsenkrebs

Ein Schilddrüsenkarzinom ist eine seltene bösartige Krebserkrankung der Schilddrüse. Am häufigsten finden sich differenzierte Karzinome wie das papilläre oder follikuläre Karzinom. Anaplastische und medulläre Tumore sind seltener. Anfangs bestehen keine Symptome, mit der Größenzunahme und Beeinträchtigung angrenzender Organe können Husten, Heiserkeit, Schluck- und Atembeschwerden auftreten. Meist wird die gesamte Schilddrüse operativ entfernt, was eine lebenslange Medikamenteneinnahme erforderlich macht. Differenzierte Karzinome werden mit einer anschließenden Radiojodtherapie behandelt. Mit Ausnahme des anaplastischen Karzinoms sind die Heilungschancen dieser Erkrankung recht hoch. Das anaplastische Karzinom hingegen wächst schnell und aggressiv, die Prognose ist dementsprechend ungünstig.


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Zuletzt aktualisiert: 19. Juli, 2023



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Ein Schilddrüsenkarzinom ist eine seltene Krebserkrankung der Schilddrüse. Am häufigsten kommen differenzierte Karzinome, darunter papilläre und follikuläre Karzinome vor. Seltener sind medulläre und anaplastische Karzinome.


Oft zeigen sich Symptome erst ab einer gewissen Größe des Tumors und Ausbreitung auf andere Organe wie Atem- und Schluckbeschwerden, Husten und Heiserkeit.


Als Erstes erfolgt eine Operation, Patienten mit differenzierten Karzinomen erhalten anschließend eine Radiojodtherapie. Anaplastische Karzinome können bei der Diagnose oft nicht mehr operiert werden, sie werden dann gegebenenfalls mit einer Strahlentherapie oder Chemotherapie behandelt. Eine durch die Entfernung der Schilddrüse bedingte Unterfunktion macht eine lebenslange Medikamenteneinnahme von Hormonen nötig.


Differenzierte Schilddrüsenkarzinome haben eine sehr gute Prognose mit einer hohen Heilungschance. Aufgrund seines schnellen Wachstums und Metastasierung hat das anaplastische Karzinom eine ungünstige Prognose mit einer geringen Lebenserwartung.

ICD-10-GM-2020 C73

Was versteht die Medizin unter einem Schilddrüsenkarzinom?

Unter dem Kehlkopf und vor der Luftröhre liegt die schmetterlingsförmige Schilddrüse. Die beiden Schilddrüsenlappen, die über eine Gewebebrücke (Schilddrüsenisthmus) miteinander verbunden sind, umschließen die Luftröhre hufeisenförmig. An der Hinterseite liegen die vier Nebenschilddrüsen, die das Parathormon, ein Hormon, welches die Calciumkonzentration im Blutplasma aufrechterhält, produzieren.
 
Die Schilddrüse besteht aus kleinen Bläschen (Follikeln), die von sogenannten Follikelepithelzellen (Thyreozyten) gebildet werden. Diese Thyreozyten produzieren die jodhaltigen Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Aufgabe dieser Hormone ist ein Eingreifen in den Stoffwechsel, um den Grundumsatz und Energieverbrauch zu erhöhen. Dazu gehört eine Erhöhung von Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur sowie eine Steigerung des Eiweiß- und Kohlenhydrataufbaus und der Knochenbauvorgänge. Bereits in der kindlichen Entwicklung spielen sie durch Förderung des Wachstums von zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), Skelett und Muskulatur eine große Rolle.
 
Zwischen den Follikelepithelzellen und der Membran liegen sogenannte C-Zellen, die Calcitonin produzieren. Calcitonin hemmt die Osteoklasten, Zellen, die die Knochensubstanz vermindern, und hilft beim Einbau von Calcium und Phosphat in den Knochen. Oft entstehen gutartige Knoten innerhalb der Schilddrüse, vor allem im Alter sind sie häufig. Autonome Adenome sind gutartige Tumore der Epithelzellen, deren Hormonproduktion von anderen Hormonen des Körpers nicht mehr beeinflusst werden können. Schilddrüsenkarzinome sind bösartige Tumore, die von den Thyreozyten oder C-Zellen der Schilddrüse ausgehen. Selten entstehen Metastasen anderer Krebserkrankungen in der Schilddrüse.

Das papilläre und follikuläre Karzinom ist die häufigste Form von Schilddrüsenkrebs.

Welche Formen von Schilddrüsenkrebs gibt es?

In den meisten Fällen eines Schilddrüsenkarzinoms entarten die Follikelepithelzellen. Krebszellen, die den Thyreozyten ähnlich sind und noch die Fähigkeit zur Jodspeicherung besitzen, bezeichnet der Mediziner als differenzierte Karzinome. Sowohl papilläre als auch follikuläre Tumore zählen zu den differenzierten Tumoren.
 
Papilläre Tumore, die die Hälfte aller Krebserkrankungen der Schilddrüse ausmachen, bilden kleine Herde in beiden Schilddrüsen-Läppchen (Lobuli). Dies nennt der Mediziner multifokales Wachstum. Follikuläre Karzinome, die zweithäufigsten bösartigen Schilddrüsenkrebserkrankungen, bilden hingegen einzelne Knoten.
 
Die seltenen undifferenzierten oder anaplastischen Tumore entspringen ebenfalls den Follikelepithelzellen, sind aber nicht mehr als diese erkennbar und speichern auch kein Jod mehr. Medulläre Tumore oder C-Zellkarzinome, die von den C-Zellen ausgehen, sind ebenfalls selten. Sie zählen zu den neuroendokrinen Tumoren, die aus hormonbildenden Zellen des vegetativen Nervensystems entstehen und selbst Hormone bilden können.

Wie häufig ist Schilddrüsenkrebs und wer ist davon betroffen?

Insgesamt ist ein Schilddrüsenkarzinom eine recht seltene Krebserkrankung, die Frauen fast doppelt so häufig betrifft wie Männer. Während papilläre und follikuläre Karzinome bei Frauen häufiger auftreten, sind beide Geschlechter gleichermaßen von anaplastischen und medullären Tumoren betroffen.
 
Im Durchschnitt erkranken Frauen mit 52 Jahren, Männer mit 55 Jahren. Papilläre  Karzinome entwickeln sich meist schon bei etwas jüngeren Patienten, der Gipfel der Erkrankungen liegt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Follikuläre und medulläre Schilddrüsenkarzinome entstehen meist ab den 50. Lebensjahr, anaplastische Karzinome meist ab dem 60. Lebensjahr.

Was sind die Symptome bei Schilddrüsenkrebs?

Anfangs verursacht der Tumor kaum Symptome oder nur allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Nachtschweiß und Fieber. Wenn sich die Krebszellen in die Lymphbahnen ausbreiten, können sich die Lymphknoten schmerzlos vergrößern.
 
Schädigt der Tumor die Nervenbahnen, kann es zu Lähmungen der Stimmlippen und Heiserkeit kommen. Das Horner-Syndrom geht ebenfalls auf eine Nervenschädigung zurück. Patienten mit dem Horner-Syndrom zeigen einen eingesunkenen Augapfel auf der betroffenen Seite (Enophthalmus), ein hängendes Oberlid (Ptosis) und eine verengte Pupille (Miosis).
 
Ab einer gewissen Größe des Tumors kann es zu einer Einengung der Luft- oder Speiseröhre kommen. Diese können sich in Atem- oder Schluckbeschwerden sowie Hustenreiz oder einem Druckgefühl im Hals äußern. Drückt der Tumor auf Blutgefäße, sind hervortretende Venen am Hals, Blutstauungen im Kopf und Kopfschmerzen sowie Schmerzen in Hals, Ohren oder Hinterkopf möglich.
 
Eine Vergrößerung von Schilddrüsengewebe bezeichnet der Mediziner als Kropf (Struma). Dieser kann durch Jodmangel, aber auch Autoimmunerkrankungen, Schilddrüsenautonomien und Medikamente entstehen. Wenn eine bestehende Struma plötzlich wieder wächst oder sich härter anfühlt, kann dies ein Anzeichen von Schilddrüsenkrebs sein. Auch bei einer neu auftretenden schnell wachsenden Struma kann es sich um ein Schilddrüsenkarzinom handeln. Ein anaplastischer Tumor äußert sich neben Heiserkeit und Schluckbeschwerden häufig in einer asymmetrischen Schwellung am Hals und Rötung der Haut.
 
Als neuroendokriner Tumor produziert das medulläre Karzinom große Mengen an Calcitonin, was zu einem stark erniedrigten Calciumspiegel (Hypokalzämie) führt. Patienten leiden in dem Fall oft an Krämpfen der Muskulatur, Gefühlsstörungen wie Kribbeln in den Extremitäten und Gesichtsrötungen. Durch Substanzen, die die Größe der Gefäße regulieren, kommt es oft zu Bauchschmerzen und Durchfall, der sich nur schwer behandeln lässt. Metastasen in anderen Organen können, je nach Lokalisation, spezifische Beschwerden auslösen, wie zum Beispiel Knochenschmerzen oder auch das Husten von Blut.

Anfangs verursacht der Schilddrüsenkrebs keien Symptome oder nur leichte wie Fieber, Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

Welche Ursachen und Risikofaktoren stecken hinter einem Schilddrüsenkrebs?

Einige Faktoren können Schilddrüsenkrebs begünstigen, die genauen Ursachen der Entstehung sind aber noch nicht bekannt. Vorangegangene Strahlentherapien im Hals- oder Brustbereich scheinen papilläre Karzinome zu begünstigen. Bei Patienten, die mit einer Strahlen- oder Chemotherapie wegen eines Hodgkin Lymphom, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Weichteilsarkom, Melanom, chronischer lymphatischer Leukämie, diffusem großzelligen B-Zelllymphom, Kehlkopfkrebs, Nierenkrebs oder Hirn- oder ZNS-Tumors behandelt wurden, trat vermehrt Schilddrüsenkrebs auf. Die Therapie mit radioaktivem Jod hingegen hat keinen Einfluss auf eine spätere Erkrankung der Schilddrüse.
 
Auch Reaktorunfälle, bei denen Strahlung austritt, stehen in Verbindung mit differenzierten oder anaplastischen Schilddrüsenkarzinomen. Das Risiko einer Krebserkrankung steigt mit der Strahlendosis an, ein Ausbruch der Krankheit ist bis zu 15 Jahre danach möglich. Kinder sind dabei besonders gefährdet. Meist entwickeln sie bereits früher Tumore, mitunter können sie erst Jahrzehnte nach der Strahlenexposition an follikulären oder papillären Schilddrüsenkarzinomen erkranken.
 
Follikuläre Karzinome treten in Jodmangelgebieten häufiger auf. Unter Jodmangel bildet sich häufig ein Kropf. Im weiteren Verlauf können sich autonome Regionen in der Schilddrüse bilden, die nicht mehr auf die hormonelle Steuerung des Körpers reagieren. Diese Schilddrüsenautonomien, die auch durch Mutationen entstehen können, stehen in Verdacht, eine Krebserkrankung zu begünstigen. Regionen der Schilddrüse mit verminderten Funktionen haben ebenfalls ein gewisses Risiko zu entarten. Im Gegensatz dazu treten in sehr jodreichen Gebieten vermehrt papilläre Schilddrüsenkarzinome auf.
 
Genetische Faktoren können die Entstehung von Schilddrüsenkrebs begünstigen, wie zum Beispiel bei Menschen mit einer familiären adenomatösen Polyposis (Gardner-Syndrom). Vor allem die erblich bedingte Multiple Endokrine Neoplasie (MEN) Typ-2 scheint einen Einfluss auf die Entstehung von medullären Karzinomen zu haben. Betroffene entwickeln meist mehrere gutartige Tumore des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) und auch der Nebenschilddrüse (primärer Hyperparathyreoidismus).

Wie diagnostiziert der Arzt einen Schilddrüsenkrebs?

Anfangs wird der Arzt in einem Anamnesegespräch Fragen über Vorerkrankungen mit verbundenen Strahlentherapien, Medikamenteneinnahmen und familiäre Vorbelastungen stellen. Dann tastet der Mediziner die Schilddrüse und Lymphknoten auf Vergrößerungen und harte, schwer verschiebbare Knoten ab.
 
Blutuntersuchung
 
Anschließend erfolgt eine Blutuntersuchung, in der spezielle Werte der Schilddrüse wie TSH, freies Triiodthyronin (T3) und freies Thyroxin (T4) gemessen werden. Bei dem Verdacht auf ein medulläres Karzinom erfolgt eine Bestimmung des Calcitoninspiegels. Ein erhöhter Calciumspiegel weist auf eine Beeinträchtigung der Nebenschilddrüsen hin.
 
Ultraschall (Sonografie)
 
Als Erstes wird der Arzt eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse durchführen. Damit kann er die Lage und Größe der Schilddrüse beurteilen sowie Veränderungen wie Zysten oder vergrößerte Lymphknoten erkennen. Auffällig sind Mikroverkalkungen, eine erhöhte Durchblutung sowie unregelmäßige Randstrukturen. Liegt ein Schilddrüsenkarzinom vor, kann der Arzt bei dem Verdacht auf Metastasen auch eine Ultraschalluntersuchung anderer Organe durchführen.
 
Szintigrafie
 
Für die Produktion der Schilddrüsenhormone benötigt die Schilddrüse Jod, das der Mensch durch seine Nahrung aufnehmen muss. Dafür wird das Jod im Schilddrüsengewebe gespeichert. Die Szintigrafie ist eine radiologische Untersuchung, bei der der Arzt dem Patient schwach radioaktive Jodverbindungen mit einer geringen Halbwertszeit (Technetium) verabreicht. Die Anreicherung des Technetiums im Schilddrüsengewebe wird mit einer Gammakamera, einem Röntgenfilm, sichtbar.
 
Warme Knoten sind funktionelle Bereiche, die sich nicht vom restlichen Schilddrüsengewebe unterscheiden. Rot erscheinendes Gewebe, in dem sich sehr viel Jod anreichert, bezeichnet der Mediziner als heiße Knoten. Diese sind keine Karzinome, sie können zum Beispiel bei einer gutartigen Schilddrüsenüberfunktion wie bei einem autonomen Schilddrüsenadenom auftreten. Funktionslose Bereiche reichern kein Jod mehr an, daher erscheinen sie grün oder blau am Röntgenfilm. Diese sogenannten kalten Knoten können, insbesondere bei Auffälligkeiten im Ultraschall, durch ein Karzinom verursacht werden.
 
Biopsie
 
Bei größeren Veränderungen oder auch kalten Knoten wird der Arzt mittels Feinnadelbiopsie ein Stückchen Gewebe entnehmen, das anschließend mikroskopisch in einem Labor untersucht wird. Diese Untersuchung ermöglicht nicht nur die Diagnose eines bösartigen Tumors, sondern auch eine Unterscheidung, um welchen Karzinomtyp es sich handelt.
 
Bei einem Schilddrüsenkarzinom wird der Arzt weiterführende Untersuchungen (Staging-Untersuchungen) anordnen, um die Ausbreitung der Krebserkrankung und Bildung von Fernmetastasen zu beurteilen. Besteht der Verdacht auf eine Beteiligung von Luft- und Speiseröhre, wird der Arzt eine Spiegelung durchführen.
 
Eine Kehlkopfspiegelung stellt vor einer Operation eine wichtige Untersuchung dar, die dem Mediziner eine Beurteilung der Nerven für die Stimmbandbeweglichkeit ermöglicht. Bei einer direkten Laryngoskopie führt der Arzt ein Endoskop (Laryngoskop) in Narkose meist durch die Nase in die Luftröhre ein. Im Gegensatz dazu schiebt der Mediziner während einer indirekten Kehlkopfspiegelung einen Spiegel ohne Narkose durch den Mund in den Hals, der durch ein Stirnlicht beleuchtet wird.
 
Mit verschiedenen bildgebenden Verfahren wie einer Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Positronenemissionstomografie (PET) sowie einem Bruströntgen kann der Arzt Fernmetastasen diagnostizieren. Im Falle einer familiären Häufung eines medullären Karzinoms oder des MEN-Typs 2 kann der Arzt eine genetische Analyse veranlassen.

Wie behandelt der Arzt einen Schilddrüsenkrebs?

Die Behandlung eines Schilddrüsenkarzinoms richtet sich nach der individuellen Situation und dem Typ des Karzinoms. Dem Arzt stehen dabei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, einen Schilddrüsenkrebs zu behandeln. Zu den Behandlungsmöglichkeiten bei einem Schilddrüsenkarzinom zählen die operative Entfernung, die Radiojodtherapie, die Strahlentherapie, die Chemotherapie oder die gezielte Krebstherapie.

Eine Sinografie der Schilddrüse ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnose.

Wie verläuft die operative Entfernung eines Schilddrüsenkarzinoms?

Meistens entfernt der Chirurg die gesamte Schilddrüse (Thyreoidektomie) und umliegende Lymphknoten. Nur bei einem papillären Karzinom mit einem sehr kleinen Durchmesser und keiner Streuung in den anderen Lappen oder Lymphgefäße kann der Arzt lediglich den befallenen Teil der Schilddrüse entnehmen. Hat sich der differenzierte Schilddrüsenkrebs auf benachbarte Organe wie Blutgefäße, Speise- oder Luftröhre ausgebreitet, wird der Arzt versuchen, die befallenen Gewebe ebenfalls zu entfernen.
 
Bei einem medullären Tumor kann zusätzlich zur Thyreoidektomie eine Lymphadenektomie, die Entfernung der Lymphknoten in Hals- und Brustbereich notwendig sein, wenn der Verdacht auf eine Streuung besteht. Ein anaplastisches Karzinom ist oft nicht mehr operabel.
 
Während der Operation kann es zur Verletzung eines oder beider Stimmbandnerven kommen. Dies verursacht Beschwerden beim Sprechen wie auch eine bleibende oder vorübergehende Heiserkeit. Nur selten werden diese mit einer neuerlichen Operation korrigiert. Kindern einer MEN-Typ 2 vorbelasteten Familie wird häufig präventiv die Schilddrüse entfernt.

Wie funktioniert die Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs?

Patienten mit einem differenzierten Schilddrüsenkarzinom erhalten innerhalb von vier Wochen nach der Operation eine Radiojodtherapie. War bei einem kleinen papillären Karzinom lediglich eine Teilresektion erforderlich, verzichtet der Arzt meist auf eine anschließende Radiojodtherapie. Da diese Behandlung eine Speicherung von Jod voraussetzt, können anaplastische und medulläre Karzinome nicht mit dieser Methode behandelt werden.
 
Betroffene nehmen radioaktives Jod (Jod-131) als Kapseln, die sich im Magen auflösen oder als wässrige Lösung ein. Dieses Jod reichert sich in den Resten der Schilddrüse an, wo es wie eine innere Bestrahlung wirkt. Dadurch werden die letzten Schilddrüsenzellen sowie Krebszellen und Metastasen zerstört.
 
Aufgrund der Strahlenbelastung und der Ausscheidung über Urin, Speichel, Schweiß und Atemluft wird die Behandlung stationär in einer Klinik der Nuklearmedizin durchgeführt. Der Patient muss ein paar Tage im Krankenhaus bleiben und darf in dieser Zeit keinen Besuch empfangen. Doch ist die Strahlenbelastung im Allgemeinen gering und verursacht keine weiteren Organschäden des Betroffenen.
 
Nur bei einer sehr hohen Gesamtdosis können Patienten selten Knochenmarksschädigungen erleiden oder an Leukämie erkranken. Dennoch darf diese Therapie keinesfalls während der Schwangerschaft oder Stillzeit durchgeführt werden und auch nach der Behandlung sollten Betroffene eine Zeit lang verhüten.
 
Nach der Therapie kann es zu einer schmerzhaften Schwellung und Entzündung der Schilddrüse wie auch zu Magen- und Speicheldrüsenentzündung mit einer verminderten Speichelproduktion kommen. Einige Patienten zeigen Blutbildveränderungen oder leiden an trockenen Augen.
 
Voraussetzung für die Radiojodtherapie ist die Absetzung der Schilddrüsenhormone und der Verzicht auf jodhaltige Medikamente und Speisen wie auch jodhaltige Kontrastmittel in der Bildgebung, da diese den TSH-Wert negativ beeinflussen. Das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) unterstützt die Aufnahme des Jods in der Schilddrüse, sodass das restliche Gewebe die maximale Menge des radioaktiven Jods aufnimmt. Ein hoher TSH-Spiegel verursacht mitunter Übelkeit, Kopfschmerz oder Hautausschläge.
 
Durch das Absetzen der Schilddrüsenmedikamente können Patienten an Müdigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit und geringerer Gewichtszunahme leiden. Diese Beschwerden vergehen mit der Einnahme der Schilddrüsenmedikamente nach abgeschlossener Therapie wieder. Die Radiojodtherapie kann bei Bedarf wiederholt werden, bis das restliche Schilddrüsengewebe zerstört ist.

Wann kommt eine Strahlentherapie bei Schilddrüsenkrebs zum Einsatz?

Nicht vollständig entfernte sowie inoperable Karzinome wie anaplastische Tumore werden mit einer äußerlichen (perkutanen) Strahlentherapie behandelt. Undifferenzierte Tumore reagieren meist empfindlicher auf die Bestrahlung als differenzierte Tumore.

Wann empfehlen Ärzte eine Chemotherapie zur Behandlung von Schilddrüsenkrebs?

Meist sprechen Schilddrüsenkarzinome schlecht auf eine Chemotherapie an. Ausnahmen bilden einige wenige differenzierte Tumore und anaplastische Karzinome, die zu einem gewissen Grad darauf ansprechen. Patienten mit medullären oder anaplastischen Tumoren, die nicht mittels Radiojodtherapie behandelt werden können, sowie inoperable oder unvollständig operierte oder auch stark metastasierte Schilddrüsenkarzinome erhalten in Einzelfällen eine Chemotherapie.

Was ist die gezielte Krebstherapie und wie funktioniert sie?

Krebszellen unterscheiden sich durch einige oberflächliche, aber auch stoffwechselbedingte Merkmale von gesunden Zellen. In der zielgerichteten Krebstherapie sollen Medikamente Krebszellen gezielt aufgrund dieser Merkmale angreifen. Bei nicht operablen, weit fortgeschrittenen medullären Karzinomen kann in den Tyrosinkinaseweg eingegriffen werden. Tyrosinkinase-Hemmer stoppen vorübergehend das Wachstum des Tumors und bewirken so eine Verlängerung der schmerzfreien Zeit wie auch der Lebenserwartung.

Wie gestaltet sich die Nachsorge bei Schilddrüsenkrebs?

Die Nachsorge hilft dem Arzt, ein Wiederkehren des Krebses (Rezidiv), Metastasen sowie  Begleit- und Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können. Da eine Krebserkrankung eine große seelische Belastung darstellen kann, stehen dem Patienten im Rahmen der Nachsorge zum Beispiel Sozialdienste, psychologische Beratungen und Selbsthilfegruppen zur Verfügung.

Welche Folgeuntersuchungen kommen nach einer Schilddrüsenkrebs-Therapie auf mich zu?

Nach einer Radiojodtherapie erfolgt eine Ganzkörperszintigraphie, durch die der Arzt das Ergebnis der Behandlung beurteilt. Wenn noch Schilddrüsenreste vorhanden sind, wird die Radiojodtherapie wiederholt. Danach erfolgen in regelmäßigen Abständen eine körperliche Untersuchung, eine Blut- und Ultraschalluntersuchung sowie eine Szintigrafie. Bei unauffälligen Befunden werden mit der Zeit die Abstände der Untersuchungen größer.
 
Bei der Blutuntersuchung werden die Werte des TSH, fT3, fT4, Thyreoglobulin und Calcitonin bestimmt. Das von den Schilddrüsenzellen produzierte Eiweiß Thyreoglobulin eignet sich als Tumormarker bei einem papillären oder follikulären Karzinom. Nach der vollständigen Entfernung und Zerstörung der Schilddrüse ist kein Thyreoglobulin im Blut messbar. Ein Ansteigen des Wertes im Blut deutet auf ein Rezidiv hin, noch bevor Veränderungen in der Bildgebung sichtbar werden. Bei einem medullären Karzinom ist Calcitonin der geeignete Tumormarker.

Halsschmerzen und Schluckbeschwerden sind ebenfalls Hinweise auf ein Schilddrüsenkarzinom.

Welche Rolle spielt die Hormontherapie bei der Schilddrüsenkrebs-Nachsorge?

Durch die Entfernung der Schilddrüse kommt es zu einer Unterfunktion. Daher muss der Betroffene lebenslang Schilddrüsenhormone wie L-Thyroxin (L-T4, Levothyroxin) einnehmen. Die Wirkung der Medikamente wird durch laufende Blutuntersuchungen kontrolliert. Patienten mit differenzierten Karzinomen erhalten die Hormone in einer erhöhten Dosis. Diese hemmt die TSH-Produktion, die das Wachstum von Schilddrüsenzellen und damit auch Krebszellen animieren würde. Betroffene eines medullären Karzinoms nehmen L-T4 in normaler Dosis ein.
 
Wurde durch die Operation die Nebenschilddrüse beeinträchtigt, kann es zu einem erniedrigten Calciumgehalt kommen. Diesem kann mit der Einnahme von Vitamin D und Calcium entgegengewirkt werden.

Wie hoch sind die Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs?

Die Prognose hängt stark von der Art des Tumors ab. Differenzierte Karzinome haben eine recht gute Prognose und hohe Heilungschancen. Schilddrüsenkarzinome neigen zu Spätrezidiven, die aber meist noch behandelbar sind.
 
Papilläre Karzinome sind durch ihr langsames Wachstum lange auf die Schilddrüse begrenzt. Dann befällt der Krebs die Lymphgefäße und Lymphknoten. Erst danach breitet sich die Erkrankung über die Blutbahn aus. Nur bei Kindern bilden sich bereits früh Lungenmetastasen, die aber gut behandelbar sind. Daher sind die Heilungschancen recht gut. Nach zehn Jahren leben ungefähr 80 Prozent der Patienten und sind in ihrer Lebenserwartung und Lebensqualität kaum eingeschränkt.
 
Follikuläre Tumore breiten sich statt über Lymphgefäße vermehrt über den Blutweg in Lunge und Knochen aus. Bei einer frühzeitigen Diagnose vor der Bildung von Metastasen sind die Heilungschancen sehr gut. Eine Heilung ist selbst bei bestehenden Metastasen möglich. Ungefähr 60 bis 70 Prozent der Patienten sind zehn Jahren nach der Behandlung noch am Leben.
 
Medulläre Tumore befallen früh die Lymphknoten im Hals und den oberen Brustkörperbereich. Metastasen bilden sich in Leber, Lunge und Knochen. Wird die Diagnose vor einer Metastasierung gestellt, liegen die Heilungschancen bei 90 Prozent. Sind bereits Metastasen vorhanden, sinken sie auf 50 bis 60 Prozent.
 
Anaplastische Karzinome wachsen schnell und metastasieren früh in Leber, Lunge, Knochen und Gehirn. Oft werden sie in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, daher ist ihre Prognose ungünstig. Im Durchschnitt leben Patienten nur sechs Monate nach der Diagnose. Lediglich zehn Prozent der Betroffenen überleben die ersten fünf Jahre nach der Therapie.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung eines Schilddrüsenkarzinoms?

Die Krankenkasse übernimmt alle Kosten, die bei der Behandlung eines Schilddrüsenkarzinoms anfallen. Bei Wahlärzten und Privatkliniken refundiert die Krankenkasse die Kosten, wobei ein Selbstbehalt anfallen kann. Ein längerer Krankenhausaufenthalt ist oft mit einem täglichen Kostenbeitrag verbunden, für den der Patient selbst aufkommen muss.


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Ein Schilddrüsenkarzinom ist eine seltene Krebserkrankung der Schilddrüse. Am häufigsten kommen differenzierte Karzinome, darunter papilläre und follikuläre Karzinome vor. Seltener sind medulläre und anaplastische Karzinome.


Oft zeigen sich Symptome erst ab einer gewissen Größe des Tumors und Ausbreitung auf andere Organe wie Atem- und Schluckbeschwerden, Husten und Heiserkeit.


Als Erstes erfolgt eine Operation, Patienten mit differenzierten Karzinomen erhalten anschließend eine Radiojodtherapie. Anaplastische Karzinome können bei der Diagnose oft nicht mehr operiert werden, sie werden dann gegebenenfalls mit einer Strahlentherapie oder Chemotherapie behandelt. Eine durch die Entfernung der Schilddrüse bedingte Unterfunktion macht eine lebenslange Medikamenteneinnahme von Hormonen nötig.


Differenzierte Schilddrüsenkarzinome haben eine sehr gute Prognose mit einer hohen Heilungschance. Aufgrund seines schnellen Wachstums und Metastasierung hat das anaplastische Karzinom eine ungünstige Prognose mit einer geringen Lebenserwartung.

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