Cholera

Cholera ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die ohne Behandlung in 60 Prozent der Fälle tödlich endet. Die Übertragung erfolgt vorwiegend über verunreinigtes Wasser und Lebensmittel. Besonders in Regionen mit schlechten Hygienebedingungen ist das Risiko einer Infektion hoch. Daher solltest Du unbedingt grundlegende Hygienemaßnahmen einhalten und Dir regelmäßig und gründlich die Hände waschen. Solltest Du Dich dennoch infizieren, musst Du so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen. Hier kannst Du alles Wichtige über die Cholera erfahren.


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Zuletzt aktualisiert: 23. September, 2020



ICD-10-GM-2020 A00

Was versteht die Medizin unter einer Cholera?

Cholera ist eine Infektionskrankheit, die den Dünndarm betrifft und durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst wird. Dieser Erreger führt zu schweren Durchfällen und somit zu Dehydration, stark verminderter Harnausscheidung (Oligurie) und Kreislaufkollaps. Da diese Krankheit hochansteckend ist, zählt sie zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Cholera ist seit Beginn der Geschichtsaufzeichnungen bekannt und trat zu Beginn ausschließlich im Ganges-Delta in Indien auf. Ab dem 19. Jahrhundert verbreitete sich die Krankheit weltweit und löste mehrere Pandemien aus.

Cholera ist eine Infektionskrankheit, die den Dünndarm betrifft und durch Viren ausgelöst wird.

Wie häufig ist Cholera und wer ist davon betroffen?

Jedes Jahr erkranken bis zu vier Millionen Menschen an Cholera. Betroffen sind sowohl Erwachsene als auch Kinder. Von all diesen Fällen enden etwa 140.000 tödlich. Früher war Cholera weltweit verbreitet und es kam zu sechs großen Pandemien. Aktuelle Erkrankungen zählen zur siebten Pandemie, da andere Erreger dafür verantwortlich sind.
 

Was sind die Symptome bei Cholera?

Viele Infizierte haben keine Symptome, wenn jedoch welche auftreten, dann meistens ein bis drei Tage nach der Infektion. Typische Symptome zu Beginn der Erkrankung sind schmerzloser, wässriger Durchfall und Erbrechen von wässrigem Mageninhalt, Blut oder Gallenflüssigkeit. Der Durchfall ist in der Regel trüb und enthält eine weiße Flüssigkeit. In der Medizin wird er Reiswasser-Stuhl genannt.
 
Aufgrund des extremen Flüssigkeitsverlustes kommt es zu einem Wasser- und Flüssigkeitsverlust. Die Folgen daraus sind Muskelkrämpfe, niedriger Blutdruck, ein schnell schlagendes Herz, eingefallenes Gesicht und eine hohe, heisere Stimme. Häufig sind die Arme und Beine der Erkrankten aufgrund des Flüssigkeitsverlustes kalt. Oft leiden Patienten unter einem Harnverhalt, bei dem sie die Blase nicht entleeren können. Darüber hinaus sind Nierenversagen, Bewusstseinsstörungen und Kreislaufversagen möglich. Im schlimmsten Fall endet die Cholera tödlich.
 

Welche Ursachen hat Cholera?

Die Ursache für diese Krankheit ist das Bakterium Vibrio cholerae, welches über den Mund in den Magen-Darm-Trakt des Menschen gelangt. Damit die Krankheit ausbricht, muss der Betroffene sehr viele Erreger aufnehmen, denn nur so können einige von ihnen bis in den Dünndarm gelangen und sich an die Schleimhaut anheften. Dort produzieren die Bakterien ein Gift, welches dazu führt, dass Wasser und Salze ins Darminnere abgegeben und dann als Durchfall ausgeschieden werden.
 

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Cholera-Erkrankung?

Risikofaktoren sind verunreinigtes Trinkwasser, mangelnde Händehygiene und kontaminierte Lebensmittel. Eine hohe Bevölkerungsdichte und schlechte hygienische Verhältnisse begünstigen eine Cholera-Erkrankung. Besonders unterernährte oder geschwächte Personen sowie kleine Kinder und alte Menschen sind stark gefährdet.

Mangelnde Hygienestandards wie schmutziges Trinkwasser sind Risikofaktoren für eine Cholera-Erkrankung.

Wie diagnostiziert der Arzt Cholera?

Zuallererst führt der Arzt eine Anamnese durch. Das bedeutet, dass er Dich danach fragt, ob Du in letzter Zeit im Ausland warst, ob Du Symptome hast und wann diese aufgetreten sind. Darauf folgt die körperliche Untersuchung, bei welcher der Mediziner den Bauch abtastet und den Puls fühlt. Besteht ein Verdacht auf Cholera, untersucht ein Labor Deine Stuhlprobe auf Cholera-Erreger. Auch Erbrochenes oder Dünndarmsekret eignen sich als Probematerial. Mithilfe eines Schnelldiagnosetests (RDT) können die Erreger sehr rasch nachgewiesen werden.
 
Um die Diagnose endgültig zu bestätigen, führt das Labor weitere Tests durch, wie eine Bakterienkultur oder eine PCR (Polymerase-Kettenreaktion). Diese ausführlichen Tests sind besonders wichtig, um Cholera von anderen Durchfallerkrankungen wie Salmonellen zu unterscheiden, denn die Symptome sind bei beiden Krankheiten ähnlich.
 

Wie behandelt der Arzt Cholera?

Die Behandlung der Cholera ist unkompliziert und sorgt dafür, dass die Patienten schnellstmöglich die Menge an verlorener Flüssigkeit und Elektrolyten wieder aufnehmen. Daher verabreicht ein Mediziner eine orale Rehydrierungslösung (ORS), welche Traubenzucker, Kochsalz und wichtige Elektrolyte enthält. Erwachsene benötigen teilweise sechs Liter dieser Lösung am ersten Tag der Behandlung. Patienten, die schwer dehydriert sind, erhalten die ORS über die Vene.
 
In vielen Fällen nehmen die Betroffenen zusätzliche Antibiotika ein, da diese die Zeit des Durchfalls verkürzen, die Menge der benötigten ORS reduzieren und die Menge und Dauer der Ausscheidung der Cholera-Erreger im Stuhl verringern. Darüber hinaus sind noch weitere Maßnahmen wie die Isolation des Patienten erforderlich. Den Betroffenen muss ausreichend sauberes Trinkwasser zur Verfügung stehen und Kinder sollten zusätzlich Zink einnehmen, um die Dauer des Durchfalls zu verkürzen.
 

Wie ist die Prognose bei Cholera?

Eine leichte Form der Krankheit endet üblicherweise nach fünf Tagen und bereits nach zwei Tagen verschlimmern sich die Symptome nicht mehr. Die ersten 24 Stunden der Erkrankung verlaufen am schwersten, da die Betroffenen bis zu einem Liter wässrigen Stuhl pro Stunde ausscheiden. Wenn ein Arzt die Krankheit rechtzeitig behandelt, dann sind sowohl milde als auch schwere Verläufe therapierbar.
 
Nichtsdestotrotz sterben trotz Behandlung etwa zwei Prozent der Patienten. Unbehandelt steigt diese Zahl auf 60 Prozent und besonders Kinder sind stark gefährdet, da sie schneller austrocknen und den Salzverlust sehr schlecht ausgleichen können. Nach einer überstandenen Erkrankung sind die Betroffenen allerdings nicht uneingeschränkt immun gegen den Erreger. Das bedeutet, dass eine erneute Ansteckung mit Cholera möglich ist.
 

Wie kann ich Cholera vorbeugen?

Der wichtigste Schritt, um Cholera vorzubeugen, sind grundlegende Hygienemaßnahmen. Dazu zählen das Händewaschen mit Seife und das Abkochen von Lebensmitteln. Du solltest kein Leitungswasser zum Zähneputzen oder Geschirrspülen verwenden und auch keine rohen Speisen verzehren. Verzichte außerdem am besten auf Eiswürfel in Deinem Getränk und desinfiziere Deine Hände vor dem Essen. Zusätzlich kannst Du Dich gegen Cholera impfen lassen.
 

Ist eine Cholera-Impfung sinnvoll?

Das Risiko für einen Touristen aus Europa oder Nordamerika an Cholera zu erkranken liegt bei zwei bis drei Fällen pro 1.000.000 Reisenden. Darüber hinaus ersetzt die Impfung nicht das Einhalten von Hygienemaßnahmen und schützt circa zwei Jahre lang nur in etwa 60 Prozent der Fälle vor einer Erkrankung. Daher empfiehlt die WHO diese Impfung generell nicht.
 
Eine Impfung sollte in besonderen Fällen erfolgen, beispielsweise bei Beschäftigten in der Flüchtlings- und Katastrophenhilfe oder wenn das Einreiseland eine Impfung verlangt. Personen, die in abgelegene Gebiete reisen, keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben und unter mangelhaften Hygienebedingungen leben, sollten sich unbedingt impfen lassen. Auch im Falle einer Reise in aktuelle Ausbruchsgebiete und bei bestimmten Vorerkrankungen (beispielsweise chronisch-entzündliche Darmerkrankungen) ist eine Impfung sinnvoll.

Die WHO empfiehlt die Cholera-Impfung grundsätzlich nicht, in einigen Situationen ist sie jedoch notwendig.

Was sind die Risikogebiete für Cholera?

Cholera kommt zwar weltweit vor, allerdings gibt es Regionen, in denen die Erkrankung ein ernstzunehmendes Problem darstellt. Risikogebiete sind vor allem Länder mit geringen Hygienestandards. Dazu zählen Südostasien, Indien, Indonesien, Vorderasien, Afrika sowie Mittel- und Südamerika.
 

Ist Cholera ansteckend?

Ja, Cholera ist eine hochansteckende Krankheit und die Übertragung erfolgt vorwiegend oral durch die Aufnahme von kontaminiertem Wasser oder Lebensmitteln. Der Hauptgrund für derartige Verunreinigungen sind Fäkalien erkrankter Personen, die in die Trinkwasserversorgung gelangen. Daher kommt es in Ländern mit mangelhafter Abwasserentsorgung und schlechten Hygienestandards sehr schnell zu Epidemien. Die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist ebenfalls möglich, allerdings sehr selten.
 

Ist eine Cholera-Erkrankung meldepflichtig?

In Deutschland und Österreich ist Cholera meldepflichtig. Bei Verdacht, Erkrankung oder Tod muss die Krankheit gemeldet werden, um gegebenenfalls Seuchenbekämpfungsmaßnahmen einzuleiten. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO zählt die Cholera zu den sogenannten Quarantäne-Krankheiten. Das bedeutet, dass ein Amtsarzt den Betroffenen so lange unter Quarantäne stellt, bis kein Risiko mehr besteht, dass dieser ansteckend ist.
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Cholera?

Je nach Art und Dauer der Behandlung sind auch die Kosten unterschiedlich. Bei bestimmten Krankenkassen ist es möglich, dass ein Selbstbehalt anfällt. Informieren Dich daher am besten bei Deiner Krankenkasse und frag nach, welche Kosten sie übernehmen. Grundsätzlich übernimmt die Krankenkasse jedoch die Kosten für die Behandlung einer Cholera.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Cholera ist eine Infektionskrankheit, die den Dünndarm betrifft und durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst wird. Dieser Erreger führt zu schweren Durchfällen und somit zu Dehydration, stark verminderter Harnausscheidung (Oligurie) und Kreislaufkollaps.


Typische Symptome zu Beginn der Erkrankung sind schmerzloser, wässriger Durchfall und Erbrechen von wässrigem Mageninhalt, Blut oder Gallenflüssigkeit. Aufgrund des extremen Flüssigkeitsverlustes kommt es zu einem Wasser- und Flüssigkeitsmangel. Die Folgen daraus sind Muskelkrämpfe, niedriger Blutdruck, ein schnell schlagendes Herz, ein eingefallenes Gesicht und eine hohe, heisere Stimme. Darüber hinaus sind Nierenversagen, Bewusstseinsstörungen und Kreislaufversagen möglich. Im schlimmsten Fall endet die Cholera tödlich.


Der wichtigste Schritt, um Cholera vorzubeugen, sind grundlegende Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen mit Seife und das Abkochen von Lebensmitteln. Du solltest kein Leitungswasser zum Zähneputzen oder Geschirrspülen verwenden und auch keine rohen Speisen verzehren. Verzichte außerdem am besten auf Eiswürfel in Deinem Getränk und desinfiziere Deine Hände vor dem Essen. Zusätzlich kannst Du Dich gegen Cholera impfen lassen.


Cholera kommt zwar weltweit vor, allerdings gibt es Regionen, in denen die Erkrankung ein ernstzunehmendes Problem darstellt. Risikogebiete sind vor allem Länder mit geringen Hygienestandards wie Südostasien, Indien, Indonesien, Vorderasien, Afrika sowie Mittel- und Südamerika.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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