Osteoporose

Osteoporose ist der übermäßig starke Abbau von Knochensubstanz und wird auch als Knochenschwund bezeichnet. Die Erkrankung bleibt oft lange unbemerkt, da sie zu Beginn keine Schmerzen verursacht. Erste Anzeichen für eine Erkrankung sind häufig Rückenschmerzen und Brüche. Durch die richtige Ernährung, am besten schon vom Kindesalter an, und einer ausgewogenen Bewegung kann einer Erkrankung an Osteoporose herausgeschoben werden. Die Grunderkrankung hat meist neben einer fehlenden Versorgung an Kalzium auch eine genetische Disposition.


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Zuletzt aktualisiert: 23. Juli, 2020



Was versteht die Medizin unter Osteoporose?

Osteoporose ist der medizinische Fachbegriff für Knochenschwund. Es ist völlig normal, dass die Knochensubstanz im Alter abnimmt. Bei dieser Krankheit nimmt die Knochensubstanz aber schneller ab. Die Krankheit wird häufig erst spät diagnostiziert, da sie zu Beginn schmerzfrei verläuft. Im weiteren Verlauf kommt es oftmals zu kleinen oder großen Knochenbrüchen. Eine frühe Diagnose ist jedoch wichtig, da nur so Maßnahmen ergriffen werden können, um den Knochenschwund zu verlangsamen.

Osteoporose ist der medizinische Fachbegriff für Knochenschwund

Wie sehen die Symptome von Osteoporose aus?

Zu Beginn der Erkrankung kommt es häufig zu einer Abnahme der Körpergröße (durch Sinterungsfrakturen in der Wirbelsäule) und Rückenschmerzen. Nimmt die Knochendichte weiter ab, werden die Knochen porös und brechen leichter. Häufig kann schon eine leichte Belastung zu einer Knochenfraktur führen. Solche Brüche werden auch als Fragilitätsfrakturen bezeichnet. Besonders häufig betroffen sind Wirbel, Hüft- und Oberschenkelhalsknochen, Handgelenk und Oberarm. Aufgrund der Schäden an der Wirbelsäule kann es zu einem Rundrücken kommen (Witwenbuckel) ebenso ist ein Größenverlust von bis zu 30cm möglich.

Was sind die Ursachen von Osteoporose?

Die Erkrankung entwickelt sich meist über Jahre, Risikofaktoren sind im Folgenden aufgelistet:
 

  • Genetik: Frauen haben aufgrund ihrer niedrigeren Knochenmasse ein höheres Risiko als Männer; familiäre Vorbelastung, Gendefekte
  • Lebensstil: Rauchen, Alkoholkonsum, zu wenig oder ein übertriebenes Maß (z.B. Hochleistungssport) an Bewegung, Ernährung (kalzium- und eiweißarm), Vitamin D Mangel
  • hormonelle Veränderungen: Schilddrüsenüberfunktion, frühzeitige Menopause, medikamentöse Unterdrückung der Eierstocktätigkeit
  • Krankheiten wie Zöliakie, Morbus Crohn, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes mellitus, Erkrankungen der Leber,…
  • Medikamente, die eine negative Auswirkung auf die Knochendichte haben, wie Immunsuppressiva, Heparin, Antiepileptika, Chemotherapeutika

 
Knochen sind lebendiges Gewebe und unterliegen einem ständigen Auf- und Abbauvorgang. Während die sogenannten Osteoblasten dafür zuständig sind Knochengewebe aufzubauen, beseitigen Osteoklasten alte Knochenzellen, ebenso bauen diese Zellen Knochensubstanz ab. Im Alter von 25 und 30 Jahren erreicht der menschliche Körper die maximale Knochendichte. Danach wird mehr Knochenmasse ab- als aufgebaut.

Welche Formen von Osteoporose gibt es?

Je nach Ursache der Osteoporose unterscheidet man zwischen primären und sekundären Formen der Osteoporose.
 
Primäre Osteoporose
 
Typ 1 (postmenopausale Osteoporose): Ursache ist ein Östrogenmangel, besonders betroffen sind Frauen nach den Wechseljahren.
 
Typ 2 (senile Osteoporose): Von dieser Form sind sowohl Frauen als auch Männer ab 70 Jahren gleichermaßen betroffen. Lebensstil, Genetik, falsche Ernährung, Kalziummangel, Vitamin D Mangel, Rauchen spielen eine tragende Rolle bei der Entstehung dieser Form.
 
Sekundäre Osteoporose
Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Diese Form tritt in Folge medikamentöser Therapien und als Folge einer anderen Erkrankung (z.B. Überfunktion der Nebennierenrinde) auf.

Knochen sind lebendiges Gewebe und unterliegen einem ständigen Auf- und Abbauvorgang

Wie lässt sich Osteoporose diagnostizieren?

Zu Beginn der Diagnose steht eine ausführliche Anamnese durch den Arzt, in dem Risikofaktoren und Lebensgewohnheiten abgefragt werden. Zur Diagnose dienen darüber hinaus verschiedene Laborparameter und eine Knochendichtemessung.
 
Um das Ausmaß der Osteoporose zu bestimmen, dient der sogenannte T-Wert, der im Rahmen der Knochendichtemessung ermittelt wird. Der Standardwert ist ≥ -1,0. Von Osteoporose spricht man ab einem T-Wert von -2,5 oder weniger.
 
Ein Alarmsignal für Osteoporose ist eine Verringerung der Körpergröße um mehr als 4 cm. Ebenso sind Rückenschmerzen oder ein sich bildender Rundrücken Anzeichen für Osteoporose. Auch wenn sich am Rücken Hautfalten bilden, die nach unten abfallen („Tannenbaumrücken“) sollte ein Arzt aufgesucht werden, um einen Osteoporose-Verdacht abzuklären.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Vor allem Frauen nach der Menopause sind von Osteoporose betroffen, aber auch Männer über 70 Jahre erkranken häufig. Das Verhältnis zwischen erkrankten Frauen und Männern liegt bei etwa 3:1. Jedoch weiß nur ein Viertel der Betroffenen, dass sie an Knochenschwund erkrankt sind.

Welche Folgen hat Osteoporose für den Betroffenen?

Osteoporose erhöht das Risiko für Knochenbrüche. Ist die Krankheit bereits im fortgeschrittenen Stadium können bereits leichte Belastungen wie z.B. Husten oder das Anheben eines schweren Gegenstandes zu einem Knochenbruch führen. Knochenbrüche können gravierende Folgen für die Betroffenen haben. 80% der Betroffen sind nach einem Oberschenkelhalsbruch mit Schwierigkeiten im Alltag konfrontiert. Ein Fünftel ist pflegebedürftig.

Wie ist der Verlauf von Osteoporose?

Zuerst verläuft Osteoporose schmerzfrei und bleibt deshalb lange unerkannt. Mit Fortschreiten der Krankheit kommt es zu einem Zusammenbrechen der Wirbelkörper. Dies kann zu heftigen Rückenschmerzen führen. Es kommt zur Bildung eines Rundrückens und einer Abnahme der Körpergröße. Darüber hinaus kommt es zu Knochenbrüchen, betroffen sind vor allem Wirbelkörper, der Oberschenkelhals, sowie die Unter- und Oberarme.

Welche Komplikationen können auftreten?

Je nachdem wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, kann es zu Problemen bei der Atmung kommen, da sich die Wirbelsäule bereits so stark gekrümmt hat, dass sich dies negativ auf Deinen Brustkörper auswirkt. Weitere Komplikationen können Bewegungseinschränkungen, chronische Schmerzen oder Schlafstörungen sein.

Wie lässt sich Osteoporose behandeln?

Als Basistherapie werden Kalzium, Vitamin D und Bisphosphonate verabreicht, ebenso wie Parathormone, Calcitonin, Strontiumranelat und Geschlechtshormone.

Bei der Osteoporose kommt es häufig zu Knochenbrüchen

Kann ich die Osteoporose vorbeugen?

Osteoporose vorzubeugen ist eine lebenslange Aufgabe und sollte idealerweise bereits im Kindesalter beginnen. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung in jungen Jahren bilden eine wichtige Grundlage für die Knochengesundheit im Alter. Die Ernährung sollte sich an der Ernährungspyramide orientieren. Die Aufnahme von Kalzium und Vitamin D sind besonders wichtig.
 
Die maximale Knochendichte (Peak Bone Mass – PBM) erreicht der Menschen etwa im Alter von 30 Jahren. Ab diesem Zeitpunkt ist es wichtig, dass Du daran arbeitest einen beschleunigten Knochenabbau zu verhindern. Einerseits spielt gesunde Ernährung eine tragende Rolle, aber auch ein ausreichendes Maß an Bewegung ist nötig.
 
Eine kalziumreiche Ernährung im Kindesalter trägt dazu bei, eine ideale Knochendichte zu erreichen. Aber auch im Erwachsenenalter ist eine bedarfsdeckende Aufnahme von Kalzium erforderlich, um ein gesundes Knochengerüst zu erhalten. Kalzium ist vor allem in Milch und Milchprodukten enthalten, aber auch in Gemüse wie Brokkoli, Spinat, Mangold, Fenchel, Lauch verschiedene Kohlarten und grünem Blattgemüse. Ernährst Du Dich vegan, solltest Du unbedingt zu kalziumangereicherten Milchersatzprodukten greifen (z.B. Sojamilch), auch Mineralwasser und Fruchtsäfte sind häufig mit Kalzium angereichert. Näheres dazu findest Du auf dem Etikett.
 
Vitamin D kann der Körper zwar mithilfe von Sonneneinstrahlung selbst herstellen, in einigen Ländern reicht die Sonneneinstrahlung aber nicht zur Bedarfsdeckung. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es daher ratsam zwei Fischmahlzeiten pro Woche einzunehmen. Besonders zu empfehlen sind Hering, Lachs, Makrele, Heilbutt oder Thunfisch. Aber auch Eigelb, Pilze, Butter und Margarine sind bei der Deckung des Vitamin D Bedarfs hilfreich. Den Konsum von Alkohol solltest Du vermeiden. Ebenso solltest Du aufs Rauchen verzichten.
 
Sportarten bei denen das eigene Gewicht eingesetzt wird, wie bewegungsorientiertes Krafttraining, Laufen, Wandern, Walken und Tanzen, tragen zur Verbesserung der Knochendichte bei.

Was kann ich selbst gegen Osteoporose tun?

Bist Du bereits an Osteoporose erkrankt, ist es wichtig, das Sturzrisiko zu minimieren. Krafttraining, sowie Koordinations- und Ausdauertraining haben sich hier als besonders effektiv erwiesen. Nach einem Knochenbruch sollte dies idealerweise mithilfe eines Physiotherapeuten erfolgen. Sportarten wie Gehen, Wandern, Radfahren, Schwimmen und Gymnastik sind besonders empfehlenswert.
 
Leidest Du zusätzlich unter einer Sehstörung, solltest Du sicherstellen, dass Du eine passende Brille benutzt. Achte darauf, Schuhe mit einer rutschfesten Sohle zu tragen, und verwende bei Bedarf eine Gehhilfe. In Deinem Badezimmer sollten rutschfeste Matten nicht fehlen. Auch für Geländer und Treppen sind rutschfeste Matten verfügbar. Entferne rutschende Teppiche und achte auf ausreichend Beleuchtung. Vor allem im Winter solltest Du einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln zu Hause zu haben, damit Du bei Schnee oder Glatteis nicht gezwungen bist das Haus zu verlassen. Achte auf ausreichend Bewegung, eine kalziumreiche Ernährung und darauf Dein Vitamin D Bedarf zu decken.
 
Mit Hüftproktoren, spezielle gepolsterte Kunststoffschalen, kannst Du Deine Hüfte im Fall eines Sturzes stützen. Mit Pflaster oder Klettverschluss werden sie fixiert oder in die Wäsche eingenäht und dämpfen bei Stürzen den Aufprall. So kann ein Hüftbruch verhindert werden.

Bist Du bereits an Osteoporose erkrankt, ist es wichtig, das Sturzrisiko zu minimieren

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Kosten für die Diagnose werden von der Krankenkasse übernommen. Welche Behandlungsmethoden Deine Krankenkasse übernimmt, klärst Du am besten direkt mit dieser ab.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Von Osteoporose spricht man bei einem übermäßig starken Abbau der Knochensubstanz, von dem überwiegend Frauen betroffen sind


Im Zuge der Erkrankung werden die Knochen porös, was Knochenbrüche zur Folge hat. Betroffen sind vor allem Wirbelkörper, der Oberschenkelhals, sowie die Unter- und Oberarme


Die Vorbeugung von Osteoporose ist eine lebenslange Aufgabe. Eine kalziumreiche Ernährung und ausreichend Bewegung sind die zentralen Punkte


Ist die Krankheit bereits fortgeschritten, ist eine Sturzprophylaxe besonders wichtig, da es aufgrund leicht brechender Knochen zu schweren Einschränkungen im Alltag kommen kann

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