Glücksspielstörung: Erkennen von Symptomen der Spielsucht und Behandlung

Bei Glücksspiel handelt es sich um eine menschliche Tätigkeit, bei der mit Zufallselementen um Geld gespielt wird. Der Umgang einer Gesellschaft mit dem Thema fällt, je nach historischer Epoche und Kulturkreis, unterschiedlich aus. In Ländern, in denen derlei Tätigkeiten verboten sind, sind sie oft gesellschaftlich verpönt. In westlichen Ländern gehört die Gesetzgebung zur liberalsten der Welt, was den industrialisierten Formen von Glücksspiel Tür und Tor öffnet.


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Zuletzt aktualisiert: 2. Juni, 2022



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei Glücksspiel handelt es sich um eine menschliche Tätigkeit, bei der mit Zufallselementen um Geld gespielt wird.


Der Umgang einer Gesellschaft mit dem Thema fällt, je nach historischer Epoche und Kulturkreis, unterschiedlich aus.


In westlichen Ländern gehört die Gesetzgebung zur liberalsten der Welt, was den industrialisierten Formen von Glücksspiel Tür und Tor öffnet.


Glücksspiel wird in unterschiedlicher Form betrieben. Zu den häufigsten Aktivitäten gehören das Wetten auf Sportereignisse, das Spielen im Online-Casino, Rubbellose und die Lotterie.

Glücksspiel wird in unterschiedlicher Form betrieben. Zu den häufigsten Aktivitäten gehören das Wetten auf Sportereignisse, das Spielen im Online-Casino, Rubbellose und die Lotterie. Die Gründe, warum sich Menschen diesen Beschäftigungen hingeben, sind vielfältig. Zum einen liegt es an einer effizienten Vermarktung und attraktiven Bonusangeboten. Ein gut präsentierter Casino Bonus 2022 wirkt anziehend auf Spieler.
 

Phänomenologie und Epidemiologie

 
Spielsucht-Anzeichen gibt es für zwanghaftes Glücksspiel viele. Dazu zählen:
 

  • Glücksspiel als ständige Hauptbeschäftigung
  • Spielen um große Geldbeträge, um die größer werdende Toleranz auszugleichen
  • Der wiederholte, erfolglose Versuch, das Spielen einzustellen
  • Reizbarkeit und Unruhe beim Versuch aufzuhören (Spielsucht Entzugserscheinungen)
  • Beeinträchtigung wichtiger Lebensbereiche
  • Entfliehen dysphorischer Gemütszustände
  • Spielen, um kürzlich erlittene Verluste aufzuholen („Jagen nach Verlusten“)
  • Lügen über die eigene Online Spielsucht
  • Auf Andere verlassen, damit sie die Tätigkeit finanzieren

 
Diese Störung taucht oft mit anderen Störungen parallel auf. 96% der Personen, die eine lebenslange Störung im Zusammenhang mit Glücksspiel aufweisen, haben mindestens eine weitere lebenslange, psychische Störung. 49% waren schon in Behandlung wegen einer anderen, psychischen Erkrankung. Eine Korrelation zwischen Glücksspiel- und Drogensucht wurde festgestellt.
 
Außerdem bringen Betroffene oftmals psychische Konditionen mit, wie Impulssteuerung, launisch sein, Ängstlichkeit und Persönlichkeitsstörungen. Menschen mit der Neigung zur Spielsucht weisen ein hohes Maß an Schadensvermeidung auf. Die individuellen Unterschiede zwischen Menschen mit verschiedenen Abhängigkeiten muss dabei berücksichtigt werden.
 
In Experimenten wurden Beeinträchtigungen bei der Abschätzung von Risiken und Gewinnmöglichkeiten im Vergleich zu Kontrollgruppen festgestellt. Getestet wurde dies mithilfe der „Iowa Gambling Task“. Ähnlich wie Personen mit Alkoholabhängigkeit schneiden Spielsüchtige bei diesem Test schlechter ab.
 
Auf der Ebene der Neurochemie haben sich einige Zusammenhänge und Erkenntnisse aufgetan. Dopamin sticht als der Botenstoff hervor, der besonders stark mit dem Verarbeiten von Gewinnen und Verlusten in Verbindung steht. Daher steht für Studien, die Verhaltensstörungen untersuchen, die Übermittlung dieses Neurotransmitters im Blickpunkt. Dopaminausstöße korrelieren unter Betroffenen mit dem Ausmaß des problematischen Spielens.

Diagnose

Eine Diagnose kann erfolgen, insofern Klarheit über die Definition von Spielsucht besteht. Eine Sucht ist gekennzeichnet durch eine zwanghafte Fortsetzung der Tätigkeit trotz negativer Konsequenzen, mangelnde Selbstkontrolle über sich selbst, zwanghaftes Verhalten und ein Verlangen nach der Tätigkeit.
 
Dementsprechend gestalten sich die Spielsucht Symptome: Betroffenen sind schnell gereizt, impulsiv, müssen mit höheren Einsätzen weiterspielen und können nicht aufhören. Zur Diagnose einer Glücksspielstörung müssen mindestens vier der folgenden Symptome innerhalb des letzten Jahres aufgetreten sein:
 

  • Das Bedürfnis, mit immer höheren Geldsummen zu spielen, um den gewünschten Nervenkitzel zu erreichen;
  • Reizbar oder unruhig bei dem Versuch, die Tätigkeit einzuschränken oder zu beenden;
  • Wiederholte erfolglose Versuche, das Verhalten zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben;
  • Häufige Gedanken daran (Tagträumen über vergangene Ereignisse oder das Planen zukünftiger Sitzungen);
  • Zwanghaftes Spielen, sobald man sich verzweifelt fühlt;
  • Nach dem Verlust von Geld ein starker Impuls, zurückzukehren und die Verluste wieder aufzuholen („Jagd nach Verlusten“);
  • Das Täuschen von Bekannten und Freunden, um die eigene Aktivität zu verbergen;
  • Gefährdung oder Verlust von Beziehungen, eines Arbeitsplatzes oder einer Schul- oder Berufschance;
  • Bei Geldproblemen verlässt man sich auf die Hilfe der Anderer.

 
Die meisten Gelegenheitsspieler oder Spieler, die keinem zwanghaften Glücksspiel unterliegen, besitzen die Fähigkeit, aufzuhören. Eventuell auch, weil Sie sich vor einer Partie ein festes Verlustlimit gesetzt haben, an das sie sich halten. Menschen mit einem Glücksspielproblem fühlen sich hingegen gezwungen, ihre Aktivität fortzusetzen. Womöglich, um erlittene Verluste wieder hereinzuholen. Dieses Verhalten führt schnell in eine destruktive Teufelsspirale aus negativen Emotionen und der Obsession weiterzumachen.
 
Bei manchen von Spielsucht Betroffenen kann es zu einem zeitweiligen Nachlassen der Symptome kommen. In diesem Fall reduziert sich ihr Konsum oder sie stellen
ihn komplett ein. Diese Phase ist allerdings selten von Dauer.

Risikofaktoren

Die meisten Menschen, die Karten spielen oder Wetten abschließen, entwickeln im Laufe ihres Lebens zu keinem Zeitpunkt ein Glücksspielproblem. Dennoch gibt es bestimmte Faktoren, die häufiger mit zwanghaftem Spielen in Verbindung gebracht werden. Eine Liste dieser Faktoren finden Sie hier:
 

  • Psychische Störungen. Menschen, die zwanghaft spielen, haben überproportional häufig Probleme mit Drogenmissbrauch, Depression, Angstzuständen oder weisen Persönlichkeitsstörungen auf. Spielsucht kann mit einer bipolaren Störung, einer Zwangsstörung (OCD) oder einer Aufmerksamkeitsdefizit- bzw. Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Verbindung gebracht werden.
  • Das Alter. Spielsucht betrifft häufiger junge Leute und Menschen im mittleren Alter. Glücksspiel im Laufe der Kindheit oder im Jugendlichenalter erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Spielsucht zu erkranken. Diese Erkenntnis schließt das Risiko bei Älteren jedoch keineswegs aus.
  • Das Geschlecht. Männer sind von Glücksspielsucht öfter betroffen als Frauen. Insgesamt nähert sich das Verhalten der Geschlechter zunehmend einander an. Frauen beginnen zumeist später in ihrem Leben mit dem Glücksspiel, können schneller süchtig werden.
  • Einfluss des eigenen sozialen Umfeldes. Wenn Freunde oder Familienmitglieder in Ihrem Umfeld ein Problem mit Spielsucht aufweisen, steigt Ihre Wahrscheinlichkeit, dass es Ihnen passiert.
  • Die Nebenwirkungen von Medikamenten. Sogenannte Dopaminagonisten können zur Behandlung des „Restless-Legs-Syndroms“ und der Parkinson-Krankheit zum Einsatz kommen. Seltene Nebenwirkungen dieser Medikamente können bei manchen Menschen zu zwanghaftem Verhalten, wie einer Glücksspielsucht, führen.
  • Persönlichkeitsmerkmale. Bestimmte Charaktereigenschaften steigern das Risiko für zwanghaftes Glücksspiel. Dazu gehören: wettbewerbsorientiert, impulsiv, schnell gelangweilt, arbeitssüchtig und ruhelos sein.

Behandlung

Manche Menschen können das Spielen um Glück aus eigener Kraft heraus beenden. Viele andere wiederum benötigen Hilfe, um ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Menschen weisen diesbezüglich unterschiedliche Prädispositionen auf. Eine von zehn Personen mit Glücksspielstörung oder Suchtverhalten begibt sich in klinische Behandlung.
 
Glücksspiel beeinträchtigt unterschiedliche Typen von Menschen auf unterschiedliche Art und Weise. Gleichermaßen funktionieren manche Ansätze für manche Menschen besser als für andere. Es kann zur Behandlung eine Spielsucht-Therapie zum Einsatz kommen: die kognitive Verhaltenstherapie (CBT), psychodynamische Therapie, Familien- sowie Gruppentherapie.
 
Von der amerikanischen Lebens- und Arzneibehörde FDA gibt es keine zugelassenen Medikamente zur Behandlung von Glücksspielstörungen. Gewisse Medikamente können allerdings bei der Behandlung von Begleiterkrankungen wie Angstzuständen oder Depressionen helfen. Die soziale Komponente sollte nicht unterschätzt werden.
 
Ohne Therapien ist das Bekämpfen von Spielsucht möglich. Die Unterstützung durch die eigene Familie und durch Freunde kann für die Genesung einer Person, die von Spielsucht betroffen ist, förderlich sein. Hierbei ist die Partizipation des Patienten von entscheidender Bedeutung. Dieser selbst kann entscheiden, ob er sein Verhalten verändern möchte oder nicht.
 
Ein Beratungsgespräch kann den Betroffenen bereits helfen, Glücksspiel und ihr Verhalten diesbezüglich besser zu verstehen. Die Folge können Nachdenkprozesse sein, sodass die Auswirkungen des Spielens auf die Betroffenen samt ihrer Familie ins Bewusstsein gerufen werden können. Außerdem verstehen die Personen besser, die ihnen zur Verfügung stehenden Optionen einzuordnen, einander abzuwägen und ihre Probleme zu lösen. Eine Spielsucht Beratung kann auf verschiedenen Wegen eine Hilfestellung bieten. Dies umfasst die folgenden Punkte:
 

  • Die Kontrolle über das Sucht- bzw. Glücksspielverhalten zurückzugewinnen;
  • Beziehungen im sozialen Umfeld, wie der eigenen Familie, zu verbessern;
  • Die eigenen Impulse besser kontrollieren zu können und dem Drang zu spielen, zu widerstehen;
  • Eine bessere Bewältigung von Stress und anderen Problemen zu erlernen;
  • Andere Freizeittätigkeiten und Hobbys zu finden, mit denen sich Zeit totschlagen lässt;
  • Die eigenen Finanzen zu regeln und die finanzielle Gesamtlage zu verbessern;
  • Den Genesungsprozess aufrecht zu erhalten und weiter zu unterstützen, sowie potenzielle Auslöser für Suchtverhalten in den Griff zu bekommen;
  • Ermunterung zur Annahme von Selbsthilfe und zur Partizipation in Selbsthilfegruppen.

Welche Strategien gibt es im Umgang mit Gier?

Sind Sie bereit, Ihre Spielsucht zu bekämpfen, gibt es mehrere Optionen. Der soziale Aspekt darf nicht unterschätzt werden. Das aktive Suchen und Annehmen von Hilfe ist essenziell. Oft beginnt es mit dem Anrufen eines guten Freundes oder eines Familienmitglieds. Gehen Sie zu einem Treffen der anonymen Spieler. Vermeiden Sie soziale Isolation.
 
Darüber hinaus gibt es weitere Tipps zum Aufhören mit der Spielsucht. Es kann helfen, sich mit anderen Aktivitäten abzulenken. Schieben Sie das Spielen so weit nach hinten wie möglich. Eine größere Zeitspanne zwischen Impuls und Aktivität kann das Verlangen abschwächen. Machen Sie sich die Konsequenzen bewusst. Fragen Sie sich: Was passiert, wenn Sie wieder anfangen?

Verhaltensregeln für Partner, Freunde oder Familienmitglieder

Suchen Sie beim Umgang von Spielsucht die Hilfe anderer Personen auf, die vergleichbare Probleme haben. Besuchen Sie eine Selbsthilfegruppe für Familien. Im Umgang mit suchtbetroffenen Menschen sollten Sie stets deren positiven Charaktereigenschaften anerkennen und ruhig mit ihnen in Interaktion treten. Dass neben Ihrem Leben die Spielsucht ihre Kinder beeinträchtigen kann, ist eine weitere Begleiterscheinung.
 
Erklären Sie Ihren Kindern, was das Problematische am Glücksspiel ist. Das Verständnis dafür, dass eine Behandlung der Sucht notwendig ist und Zeit benötigt, ist unabdingbar. Setzen Sie klare Grenzen im Umgang mit dem gemeinsamen Geld. Übernehmen Sie gegebenenfalls die Kontrolle über die Familienfinanzen und überprüfen Sie Bank- und Kreditkartenabrechnungen.
 
Ein paar Dinge, die Sie unter keinen Umständen tun sollten, gibt es ebenfalls. Behalten Sie Ihre Emotionen im Zaum und versuchen Sie nicht belehrend aufzutreten. Schließen Sie den Spieler nicht aus dem Familienleben und damit verbundenen Aktivitäten aus. Erwarten Sie keine sofortige Heilung. Geben Sie dem Spieler kein Geld.

Fazit

Wir haben zu Beginn über die Ursachen von Spielsucht gesprochen. Moderne Wissenschaft hilft einige Hintergründe zu verstehen. Es ging weiter mit einem diagnostischen Teil sowie der Behandlung der Störung. Zu guter Letzt gibt es einige Dinge, die Personen im näheren Umkreis des Betroffenen tun können.


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Über den Autor: Dr. med. Benjamin Gehl

Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie


Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion.

Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind.

Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

Bitte beachte, dass sämtliche zur Verfügung gestellten Inhalte zu den einzelnen Behandlungen, Abläufen, Preisen etc. generelle Informationen sind und je nach Ärzt*in und individuellem Fall und Ausgangslage variieren können.

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