Amöbenruhr

Die Amöbenruhr ist eine infektiöse Durchfallerkrankung, die vor allem in tropischen und subtropischen Entwicklungsländern mit geringen Hygienestandards gehäuft auftritt. Sie wird durch den Erreger Entamoeba histolytica hervorgerufen und führt zu blutig-schleimigen Durchfällen begleitet von krampfhaften Bauchschmerzen. Die häufigste Infektionsquelle ist verunreinigtes Trinkwasser.


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Zuletzt aktualisiert: 4. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Amöbenruhr?

Die Amöbenruhr oder auch Amöbiasis ist eine durch den Parasiten Entamoeba histolytica hervorgerufene Infektionskrankheit, die sich vor allem im Kolon (Dickdarm) und der Leber manifestiert.

Die Amöbenruhr oder auch Amöbiasis ist eine durch den Parasiten Entamoeba histolytica hervorgerufene Infektionskrankheit

Wie sehen die Symptome einer Amöbenruhr aus?

Die Symptome einer Amöbenruhr sind sehr vielfältig. Die meisten Menschen, die infiziert sind, zeigen überhaupt keine Symptome, Ärzte sprechen in solchen Fällen von einer Infestation. Etwa zehn Prozent der Infizierten entwickeln eine intestinale Amöbiasis, die „klassische“ Amöbenruhr. Dabei dringen die Amöben in die Darmwand ein und besiedeln diese. Der Erkrankung beginnt schleichend, zunächst treten etwa sechs bis achtmal täglich schleimige, teils blutige Durchfälle, die von Bauchkrämpfen begleitet werden können, auf. Der Stuhl ist schaumig oder glasig und weist eine optische Ähnlichkeit zu Himbeergelee auf. Ab und an können auch Verstopfungen oder starke Druckschmerzen im Unterbauch auftreten. Weitere Symptome der intestinalen Amöbiasis sind Gewichtsverlust, Fieber oder Schüttelfrost.

 

Bei etwa einem Prozent der Infizierten gelangen die Amöben in die Blutbahn und besiedeln Organe wie die Leber. Dort bilden sich nun mit Eiter gefüllte Abszesse, wodurch die Organfunktion eingeschränkt wird, was letztendlich zum Tod führen kann. Wenn die Erreger aus dem Darm in andere Körperbereiche gelangen, handelt es sich um eine extraintestinale Amöbiasis. Bei dieser Form der Erkrankung treten die Symptome meist erst mehrere Monate oder Jahre nach der eigentlichen Infektion auf. Der Leberabszess ist mit hohem Fieber und starken Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen verbunden. Die Schmerzen können ausstrahlen, sodass auch die rechte Schulter oder der Rippenbogen Schmerzen bereiten. Außerdem kann sich die Infektion von der Leber aus in den Brustkorb und das Herz ausbreiten. Wichtig zu wissen ist zudem, dass nur etwa 30 Prozent der Abszess-Patienten gleichzeitig an Durchfall leiden, was bedeutet, dass auch ohne Bauchschmerzen und Durchfall eine Amöbeninfektion möglich ist.

Wie ist der Verlauf einer Amöbenruhr?

Der Verlauf der Erkrankung kann sehr variabel sein. Zunächst einmal macht die Infektion mit der Amöbe E. histolytica nicht jeden Menschen krank. Von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen vergehen normalerweise etwa zwei bis vier Wochen, es können aber auch nur wenige Tage oder einige Jahre sein. Wenn Du erkranken solltest, können die Beschwerden von einfachem Durchfall mit Bauchkrämpfen und schleimigem Stuhl über eine heftige fieberhafte Erkrankung mit blutig-schleimigen Durchfällen bis zu einem lebensgefährlichen Leberabszess reichen. Eine vorübergehende Beschwerdefreiheit ist möglich. Wird die Erkrankung konsequent behandelt, ist sie heutzutage vollständig heilbar. Wird sie allerdings nicht behandelt, verbreitet sie sich immer weiter und es kann zu einem gefährlichen Organbefall kommen, welcher sogar lebensbedrohlich sein kann.

Was sind die Ursachen für eine Amöbenruhr?

Der Hauptrisikofaktor bei der Verbreitung der Amöbenruhr sind die hygienischen Bedingungen der jeweiligen Region, wenn Du also in Risikogebiete reist, solltest Du besonders auf Hygiene beim Trinkwasser und bei Lebensmitteln achten. Das eigene Verhalten kann das Erkrankungsrisiko deutlich verringern. Neben der Infektion über Trinkwasser oder verunreinigte Lebensmittel kann auch anal-oraler Geschlechtsverkehr eine Ursache für die Erkrankung sein.

Amöbenruhr lässt sich am häufigsten im Dickdarm vorfinden

Wie lässt sich eine Amöbenruhr diagnostizieren?

Der Arzt kann die Amöbenruhr mithilfe einiger Tests diagnostizieren. Glaubst Du, an der Erkrankung zu leiden, solltest Du Dich an Deinen Hausarzt oder an einen Kinderarzt wenden, um die Untersuchungen durchführen zu lassen. Zunächst befragt er Dich im Rahmen des Anamnesegesprächs zu Deinen Symptomen (Hast Du Durchfall und wenn ja, wie lange schon? Ist der Durchfall blutig und schleimig?) aber auch zu exotischen Reisezielen in der Vergangenheit (Warst Du im tropischen Ausland?). Hier ist es wichtig, dass Du auch solche Reisen, die schon mehrere Jahre zurückliegen, nicht verschweigst.

 

Danach veranlasst der Arzt eine Stuhlprobe. Anhand der Probe kann er das Vorhandensein von Amöben abklären. Allerdings unterscheidet dieser Test nicht zwischen den krankmachenden und den harmlosen Amöben. Dafür muss er dann einen Bluttest durchführen, durch welchen er die Amöbenart sicher feststellen kann. Besonders wichtig ist der Bluttest, wenn er eine extraintestinale Amöbiasis vermutet, da in diesem Fall nicht unbedingt Zysten im Stuhl zu finden sind.

 

Neue Methoden zur Diagnostik bieten die Möglichkeit, die Amöbenruhr direkt im Stuhl über deren DNA nachzuweisen. Ist Deine Darmschleimhaut geschädigt, kann Dein Arzt diese Verletzungen mittels einer Dickdarmspiegelung (Kolonoskopie) sehen. Dazu sieht er sich die Darmschleimhaut mithilfe eines biegsamen Stabs, an deren Ende sich eine kleine Kamera befindet, an. Sind abgesehen vom Darm noch andere Organe geschädigt, kann der Arzt mittels eines Ultraschalls oder einer Computertomografie den Abszess einsehen.

Wie kann eine Amöbenruhr übertragen werden?

Die Amöbenruhr überträgt sich auf fäkal-oralem Weg. Besonders an Orten, wo keine hohen Hygienestandards herrschen, kann die Erkrankung leicht übertragen werden. Wenn infizierte Menschen die infektiösen Zysten ausscheiden, gelangen diese ins Trinkwasser oder auf Nahrungsmittel, welche roh verzehrt werden und dadurch auf andere Menschen übertragen werden können. Am wahrscheinlichsten geschieht die Übertragung über Obst oder rohes Gemüse, Wasser oder Getränke, Eis oder Sorbet und Salate. Die Zysten überleben am längsten in einem feucht-dunklen Milieu, dort können sie sogar über mehrere Wochen infektiös bleiben. Auch über anal-oralen Geschlechtsverkehr kannst Du Dich mit der Amöbenruhr anstecken.

Die Amöbenruhr überträgt sich auf fäkal-oralem Weg

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Am häufigsten sind kleine Kinder, ältere Menschen, Schwangere, Homosexuelle, Patienten unter Kortisontherapie, immunsupprimierte Patienten und unterernährte Menschen von der Amöbenruhr betroffen. Für die meisten dieser Personengruppen können die mit der Erkrankung einhergehenden Komplikationen schwerwiegender sein als für andere Patienten.

Welche Folgen hat eine Amöbenruhr für den Betroffenen?

Wenn Du unter einer Amöbenruhr leidest, solltest Du bestimmte Maßnahmen beachten, um andere nicht anzustecken. Dazu zählen Hygieneverhaltensweisen wie das Händewaschen nach dem Toilettengang und die Verwendung eines eigenen Handtuchs. Außerdem müssen alle Personen aus Deinem nahen Umfeld (in Deinem Haushalt, Familienangehörige, Sexualpartner) ihren Stuhlgang kontrollieren. Dies kann zu Ausgrenzung des Betroffenen führen, da andere Angst haben sich zu infizieren und die Symptome Ekelgefühle hervorrufen können. Neben den stark belastenden körperlichen Symptomen können sich auch psychische Belastungserscheinungen manifestieren. Um Folgekomplikationen der Erkrankung (beispielsweise Leberabszesse) zu vermeiden, solltest Du bei Verdacht auf Amöbenruhr baldmöglichst einen Arzt aufsuchen.

Wie lässt sich eine Amöbenruhr behandeln?

Arzte behandeln die Amöbenruhr standardmäßig mit Nitroimidazolen, einer Gruppe von Antibiotika wie Metronidazol, Tinidazol, Nimorazol und Ornidazol. Diese nimmst Du etwa sieben bis zehn Tage lang ein, in schweren Fällen erfolgt die Behandlung als Infusion. Die Nitroimidazole wirken vorwiegend gegen Erreger im Gewebe und nur zu einem geringen Teil im Darm. Scheidest Du auch Zysten aus, musst Du im Anschluss das Aminoglykosid-Antibiotikum Paromomycin oder Diloxanidfuroat über mehrere Tage einnehmen. Dein Zustand sollte sich nach Beginn der Behandlung rasch bessern. Sollten die krampfartigen Bauchschmerzen unerträglich sein, kann Dir Dein Arzt das krampflösende Mittel N-Butylscopolamin verordnen. Hast Du zusätzlich einen Leberabszess, der sich nicht vollständig medikamentös behandeln lässt, kann Dein Arzt eine chirurgische Therapie beziehungsweise eine Punktion des Abszesses vornehmen.

Wie kann ich eine Amöbenruhr vorbeugen?

Du kannst vorbeugende Maßnahmen treffen, damit Du Dich nicht mit der Amöbenruhr infizierst. Besonders, wenn Du in Risikogebiete reist, solltest Du rohes Obst vor dem Verzehr schälen und Gemüse am besten abkochen. Auch Fleisch oder Meeresfrüchte solltest Du nur durch gegart verzehren. Du solltest außerdem kein Wasser aus der Wasserleitung trinken, auch solltest Du es nicht zum Zähneputzen verwenden, bevor Du es abgekocht hast. Selbst wenn dem Wasser Chlor zugefügt wurde, ist das kein sicherer Schutz vor der Erkrankung. Koche Dein Wasser daher lieber vorsorglich ab. Auch in Restaurants ist Vorsicht vor nicht versiegelten Wasserflaschen geboten, denn diese werden des Öfteren mit Leitungswasser aufgefüllt. Eiswürfel, selbst gemachtes Wassereis oder Sorbet stellen eine mögliche Infektionsquelle dar und sollten daher vermieden werden. Zuletzt solltest Du beim Geschlechtsverkehr und beim Oralverkehr unterschiedliche Kondome benutzen.

Eiswürfel, selbst gemachtes Wassereis oder Sorbet stellen eine mögliche Infektionsquelle dar

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Für eine ärztlich indizierte Behandlung einer Erkrankung kommen die Krankenkassen in aller Regel auf. Bist Du Dir allerdings unsicher, ob Deine Behandlung übernommen wird, kannst Du bei Deinem Versicherungsträger nachfragen, welche Leistungen übernommen werden.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Amöbenruhr handelt es sich um eine infektiöse Durchfallerkrankung, hervorgerufen durch den Erreger Entamoeba histolytica


Die meisten Infizierten zeigen keine Symptome, etwa zehn Prozent entwickeln eine intestinale Amöbiasis („klassische“ Amöbenruhr), wenn die Erreger aus dem Darm in andere Körperbereiche gelangen, handelt es sich um eine extraintestinale Amöbiasis, welche bei circa einem Prozent der Betroffenen auftritt


Die Symptome sind vielfältig und umfassen beispielsweise schleimige, teils blutige Durchfälle, Bauchkrämpfe, schaumiger, glasiger oder himbeergeleeartiger Stuhl, Verstopfungen, starke Druckschmerzen im Unterbauch, Gewichtsverlust, Fieber oder Schüttelfrost


Ursachen sind unzureichende hygienische Bedingungen, zum Beispiel fäkal-orale Übertragung über Trinkwasser und Lebensmittel, aber auch anal-oraler Geschlechtsverkehr

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