Gallensteine (Cholelithiden)

Wenn nach dem Essen ein Völlegefühl und krampfartige Schmerzen auftreten, die unter Umständen auch von Übelkeit oder gar Erbrechen begleitet sind, können Gallensteine die Ursache dafür sein. Gallensteine zählen zu den häufigsten Erkrankungen der Gallenblase, wobei diese nicht immer Komplikationen bereiten. Sehr viele Menschen tragen Gallensteine in sich, ohne davon zu wissen. Wir haben die wichtigsten Informationen für dich zusammengetragen.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter Gallensteinen?

Gallensteine sind verfestigte Ablagerungen in der Gallenblase. Diese steinförmigen Kristalle entstehen, wenn die einzelnen Bestandteile der Gallenflüssigkeit nicht mehr im richtigen Verhältnis zueinanderstehen und auskristallisieren. Je nach Lage der Gallensteine unterscheidet man dabei zwischen Cholezystolithiasis, wenn sich die Steinchen in der Gallenblase befinden oder Choledocholithiasis, wenn sie in den Ausführungsgängen der Gallenwege entstehen oder von der Gallenblase aus dorthin gelangen. Die Ablagerung der Steine in der Gallenblase kommt häufiger vor. Gallensteine können unterschiedlich groß sein. So reicht die Größe von einigen Millimetern bis hin zu Zentimeter großen Steinen. Gallensteine können einzeln, vermehrt oder auch als feiner Gallensand oder Gallengrieß auftreten.

Gallensteine sind verfestigte Ablagerungen in der Gallenblase

Wie sehen die Symptome von Gallensteinen aus?

Bei den meisten Menschen mit Gallensteinen treten gar keine Beschwerden auf. In diesen Fällen sprechen Ärzte von sogenannten stummen Gallensteinen. Diese werden etwa als Nebenbefund einer Röntgenuntersuchung entdeckt, sofern es sich um Steine handelt, denn kleinere Ablagerungen in Form von Gallengrieß oder Gallensand sind beispielsweise nicht immer sofort ersichtlich. Bei den symptomatischen Gallensteinen hingegen kommt es zu den unterschiedlichsten Beschwerden. Dabei rufen sie vor allem Schmerzen und Beschwerden im Oberbauch hervor. Es kommt hierbei zu einem Völle- oder Druckgefühle und auch zu Blähungen. Speziell nach den Mahlzeiten treten dabei vermehrt Beschwerden auf, die teilweise mehrere Stunden anhalten können.

Was sind die Ursachen für Gallensteine?

Bei Gallensteinen kommt es zu Ansammlungen von Kristallen in der Gallenblase oder in den Gallengängen. Sogenannte Cholesterinsteine entstehen, wenn sich die Gallenflüssigkeit in ihrer Zusammensetzung verändert. Im Normalfall liegen Gallensäuren und Cholesterin in einem Gleichgewicht, allerdings kommt es bei Gallensteinen zu einem hohen Gehalt von Cholesterin in der Gallenblase, sodass die Galle mit Cholesterin übersättigt ist. Dabei lagern sich die Cholesterin-Kristalle aneinander an und bilden so einzelne Gallensteine. Bei Pigmentsteinen hingegen entstehen im Körper vermehrt Bilirubin. Somit ist der Abbau in die einzelnen Abfallprodukte gestört. Dies ist vor allem bei schweren Lebererkrankungen und bei Infektionen der Fall.

Wie ist der Verlauf bei Gallensteinen?

Wenn ein Gallenstein den Ausgang der Gallenblase verschließt, so kann sich eine akute Entzündung der Gallenblase entwickeln. Im weiteren Verlauf kann sich Eiter in der Gallenblase bilden und sogar die Gallenblasenwand durchbrechen. Im schlimmsten Fall ergibt sich daraus eine Bauchfellentzündung. Wird der Hauptgallengang verschlossen, so kann die Gallenflüssigkeit nicht mehr in den Dünndarm abfließen. In weiterer Folge staut sich diese Flüssigkeit auf. So kommt es als Folge hiervon zu Gelbsucht (Ikterus), so färbt sich auch der Urin dunkel und der Stuhl wird hell. Auch die Augäpfel des Betroffenen färben sich dann gelb. Das kann lebensbedrohliche Folgen für den Betroffenen haben.

Welche Arten von Gallensteinen gibt es?

Die Kategorisierung von Gallensteinen hängt von der Zusammensetzung und Entstehung selbst ab. Dabei unterscheiden Ärzte vor allem zwischen Cholesterinsteinen und Pigmentsteinen. Cholesterinsteine, deren Hauptbestandteil Cholesterin ist, kommen dabei deutlich häufiger vor, als Pigmentsteine. Jedoch resultieren beide Formen aus einer Verklumpung und Kristallisierung von bestimmten Bestandteilen der Gallenflüssigkeit. Die dritte Art kommt am seltensten vor, denn dabei kommt es zu einer Mischung aus Cholesterin- und Pigmentsteinen. Dies wird durch entzündliche Prozesse im Körper begünstigt.

Die Kategorisierung von Gallensteinen hängt von der Zusammensetzung und Entstehung selbst ab

Außerdem lassen sich Gallensteine auch über ihre Lage differenzieren:

 

Gallenblasensteine (Cholezystolithiasis) befinden sich direkt dort, wo sich die Gallenflüssigkeit sammelt, nämlich in der Gallenblase.

 

Gallengangssteine (Choledocholithiasis) hingegen treten im Verbindungsgang zwischen Gallenblase und Dünndarm auf. Es kann sich dabei aber auch um Gallenblasensteine handeln, die in den Gang geschwemmt wurden.

Wie lassen sich Gallensteine diagnostizieren?

In erster Linie erhebt der Arzt in einem ausführlichen Gespräch die Krankengeschichte des Patienten. Danach folgt meist eine umfassende körperliche Untersuchung und eine genauere Diagnose mittels bildgebender Verfahren. Dabei zählt die Ultraschalluntersuchung des Bauchraums zu den wichtigsten Verfahren. Somit lassen sich Gallenblasensteine, ab einer gewissen Größe, fast immer nachweisen. Bei sehr feinen Steinen bzw. Gallensand oder Gallengrieß ist der Nachweis meist schwieriger. Zudem sind auch Blutuntersuchungen wichtig, um Gallensteine nachzuweisen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Speziell Frauen in jüngeren Jahren sind um einiges häufiger von Gallensteinen betroffen als Männer. Mit zunehmendem Alter nehmen diese geschlechtsspezifischen Unterschiede jedoch ab. Risikofaktoren wie Übergewicht, Lebererkrankungen oder Diabetes begünstigen die Entstehung. Dadurch, dass genetischen Faktoren ebenso einen Einfluss darauf haben, treten Gallensteine in manchen Familien gehäuft auf.

Welche Folgen haben Gallensteine für den Betroffenen?

Sobald Gallensteine in den Gallengang rutschen, werden sie gefährlich, da sie dort steckenbleiben können. In diesem Fall kann die Gallenflüssigkeit nicht mehr in den Darm abfließen und es kommt zu einem Gallenstau (Cholestase). Die Muskulatur im Gallengang versucht den Stein weiterzuschieben, damit die Gallenflüssigkeit durchfließen kann. Dabei zieht sich die Muskulatur zusammen und es kommt zu krampfartigen, heftigen Schmerzen im Oberbauch (Kolik). Die Schmerzen können bis zu fünf Stunden anhalten. In manchen Fällen können die Schmerzen auch in die Schulter oder den Rücken ausstrahlen. Außerdem kann es Übelkeit und Erbrechen kommen.

Sobald Gallensteine in den Gallengang rutschen, werden sie gefährlich, da sie dort steckenbleiben können

Welche nicht-operativen Behandlungen gibt es?

Als nicht-operative Behandlungsmethode eignet sich eine medikamentöse Therapie. Jedoch verschwinden die Steine durch Medikamentengabe nicht vollständig, da sie meist aus Cholesterin aufgebaut sind. Ärzte empfehlen, sofern nötig, zur Entfernung der Gallensteine eher die operative Methode.

Wann ist eine Operation notwendig?

Wenn die Gallensteine starke Beschwerden hervorrufen oder die Gallensteine eine bestimmte Größe erreicht haben, erfolgt eine laparoskopische Entfernung der Gallenblase.

Wie verläuft der operative Eingriff?

Die laparoskopische Entfernung ist eine wenig belastende Operationsmethode, bei der mit kleinen Bauchschnitten gearbeitet wird. Dabei wird zwar die Gallenblase entfernt, jedoch bleiben die Galle ableitenden Wege unberührt.
 Der Vorteil hierbei ist, dass nach dem Eingriff nur eine kleine Narbe sichtbar ist. Zudem ist die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus nur kurz.

Was muss ich nach dem Eingriff beachten?

Meist kannst Du zwei bis drei Tage nach dem Eingriff nach Hause gehen. Danach solltest Du Dich ca. eine Woche zu Hause ausruhen und keinen Sport ausüben. 
Nahrungsmittel, die zu fettig oder grundsätzlich schwer verträglich sind, solltest Du eher meiden. Dazu gehören beispielsweise Zwiebel und blähende Speisen wie Kohl oder Kraut. Es kann durchaus vorkommen, dass Du nach Entfernung der Gallenblase üppige Speisen nicht mehr so gut verträgt. Eine ausgewogene Ernährung mit Vitaminen und ausreichend Ballaststoffen ist essenziell.

Wie kann ich Gallensteine vorbeugen?

Um Gallensteine vorzubeugen, ist eine ausgewogene Ernährung mit fettarmer Kost sehr bedeutend. Zudem sind regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und Sport sehr wichtig. Wer bereits übergewichtig ist, sollte jedoch nicht allzu schnell an Gewicht verlieren, denn so wird viel Cholesterin freigesetzt, was das Risiko für die Bildung von Steinen wiederum steigen lässt.

Um Gallensteine vorzubeugen, ist eine ausgewogene Ernährung mit fettarmer Kost sehr bedeutend

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ja, die Diagnose- und Therapieverfahren werden im Normalfall von den Krankenkassen übernommen. Du kannst Dich aber sicherheitshalber bei Deinem zuständigen Sozialversicherungsträger darüber informieren.


Dauer Dauer

30-60 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

2-3 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Gallensteine sind feste Ablagerungen in der Gallenblase oder in den Gallengängen


Die Kristalle können unterschiedlich groß sein und so reicht die Größe von feinem Gallensand über einige Millimeter bis hin zu zentimetergroßen Steinen


Frauen sind ungefähr dreimal häufiger von Gallensteinen betroffen als Männer. Ab dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko auf Gallensteine bei beiden Geschlechtern


Bei vielen Menschen mit Gallensteinen treten gar keine Beschwerden auf. Wenn die Gallensteine aber starke Beschwerden hervorrufen oder eine bestimmte Größe erreicht haben, erfolgt häufig eine operative Entfernung der Gallenblase

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