Mandelentzündung (Tonsillitis)

Die meisten Krankheitserreger gelangen über den Hals in den Körper. Vor allem Mandeln und die Schleimhäute hindern dabei die Erreger am weiteren Vordringen. In diesen Geweben befinden sich äußerst viele Abwehrzellen, die gezielt aktiv werden, wenn Keime oder Erreger in den Körper eindringen. Dadurch kann es im Zuge einer Erkältung zu einer Mandelentzündung kommen. Du wirst in den nachstehenden Absätzen Genaueres darüber erfahren.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Mandelentzündung?

Der medizinische Fachbegriff für die Mandeln lautet Tonsillen, daher spricht man bei einer Mandelentzündung auch von einer Tonsillitis. Hierbei entzünden sich die Gaumenmandeln, die sich an beiden Seiten des Gaumenzäpfchens im Rachen befinden.
 
Speziell Mandeln und die Schleimhäute im Halsbereich, hindern die Erreger und Keime daran in den Körper einzudringen. Sie sind Teile des Immunsystems und besitzen somit zahlreiche Abwehrzellen. Diese Zellen, die für die Immunabwehr verantwortlich sind, aktivieren sich, wenn Erreger in den Körper eindringen.
 
Sofern sich Erreger in Form von Viren oder Bakterien in den Mandeln festsetzen, kann eine Mandelentzündung entstehen. Um schwere Komplikationen und Spätfolgen einer Tonsillitis zu vermeiden, solltest Du eine Mandelentzündung in einigen Fällen unbedingt behandeln lassen.

Eine Mandelentzündung tritt vor allem bei Kindern und Jugendlichen auf.

Wie sehen die Symptome bei einer Mandelentzündung aus?

Eine akute Mandelentzündung kann unterschiedliche Beschwerden hervorrufen wobei oft mehrere Symptome gleichzeitig auftreten. Dazu gehören unter anderem:
 

  • Halsschmerzen
  • Geschwollene Mandel & Schluckbeschwerden
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber
  • Abgeschlagenheit

 
In vielen Fällen geht einer Mandelentzündung eine Erkältung voraus.

 

Welche Ursachen hat eine Mandelentzündung?

In den meisten Fällen führen Viren zu einer Mandelentzündung. Nur selten ist die Erkrankung auf Bakterien oder Pilze zurückzuführen. Zudem kann ein geschwächtes Immunsystem der Grund für die Entzündung der Mandeln sein. Da eine Mandelentzündung vor allem in den ersten Tagen besonders ansteckend ist, ist sie auch durch eine Tröpfcheninfektion, wie beispielsweise durch Niesen, Husten oder Küssen, übertragbar.

Wie verläuft eine Mandelentzündung?

Akute Mandelentzündungen beginnen oft plötzlich mit Fieber, Kopfschmerzen und starken Halsschmerzen, die auch bis in die Ohren ausstrahlen können. Zudem ist der Rachen oft angeschwollen und kann somit Schluckbeschwerden verursachen. Dabei sind vor allem die Lymphknoten besonders geschwollen.
 
Beschwerden wie Halsschmerzen und Fieber vergehen meist innerhalb von zwei Wochen. Bis die Mandeln jedoch abgeschwollen sind, kann es einige Wochen andauern.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Mandelentzündung?

In erster Linie untersucht der HNO-Arzt Mund, Rachen, Nase und Ohren genau. So kann er anhand der Mandeloberfläche und des Aussehens der Mandeln meist identifizieren, ob es sich um Viren oder Bakterien handelt. Zudem kann der Arzt im Rachen einen Abstrich machen, um ein genaueres Ergebnis zu erhalten. Zusätzlich tastet er Deinen Hals ab, um geschwollene Lymphknoten zu erkennen. Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass sich ein Abszess gebildet hat, so kann er des Weiteren eine Ultraschall-Untersuchung, zur genaueren Diagnose, veranlassen.

Eine Mandelentzündung wird unter anderem per Rachenabstrich diagnostiziert.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Grundsätzlich kann bei jedem Menschen eine Mandelentzündung auftreten. Am häufigsten sind jedoch Kinder und junge Erwachsene von einer Tonsillitis betroffen. Bei Jüngeren muss sich das Immunsystem erst aufbauen und reagiert somit bei einer Vielzahl von Erregern mit einer Entzündung im Körper. Babys und Erwachsene hingegen erkranken eher seltener an einer Mandelentzündung, weil sie entweder noch Antikörper der Mutter im Blut haben oder viele Viren und Bakterien dem Immunsystem schon bekannt sind.

Welche Folgen hat die Mandelentzündung für die Patienten?

Wird die Mandelentzündung nicht behandelt, so kann sie chronisch werden, da sich ein permanenter Infektionsherd entwickelt, welcher nicht mehr ganz verschwindet.
 
Dadurch kann es zu schweren Komplikationen kommen. Die Entzündung der Mandel kann sich im Körper verbreiten und somit auch Organe, wie etwa das Herz oder ebenfalls Gelenke, infizieren. In weiterer Folge können zudem bleibende Schäden entstehen. Ein Beispiel hierfür ist ein Herzklappenfehler.
 
Das Auftreten von Abszessen durch eine Erkrankung der Mandeln ist ebenfalls möglich. Dabei sammelt sich rund um die entzündeten Mandeln Eiter im Gewebe an. So kommt es bei den Betroffenen häufig zu Fieberschüben und Schluckbeschwerden.
 
Auch eine Blutvergiftung als Komplikation einer Mandelentzündung kommt infrage. In diesem Fall verteilen sich die Bakterien über das Blut im ganzen Körper und verursachen so eine lebensbedrohliche Vergiftung.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Sind Viren die Auslöser für die Mandelentzündung, so hilft in solch einem Fall kein Antibiotikum. Eitrige Mandeln im Zusammenhang mit Fieber deuten hingegen auf eine bakterielle Infektion der Mandeln hin. Dabei kommt es jedoch nur selten zu einem Husten.
 
In solch einem Fall verschreibt der Arzt ein Antibiotikum, um weitere Komplikationen zu vermeiden. Bleibt eine bakteriell bedingte Mandelentzündung unbehandelt, so kann sich eine Mittelohrentzündung oder ein Abszess im Mandelbereich entwickeln. Ein Mandelabszess erfordert in der Regel eine sofortige Operation. Auch wenn es zu mehreren Mandelentzündungen innerhalb von 12 Monaten kommt, kann eine operative Entfernung der Mandeln notwendig sein.

Wann ist eine Mandeloperation sinnvoll?

Der Arzt zieht eine Mandeloperation in Erwägung, wenn es innerhalb von einem Jahr zu mehr als sechs eitrigen Mandelentzündungen, die mit Antibiotika behandelt wurden, gekommen ist.
 
Bei Kindern führt der Arzt grundsätzlich nur dann eine OP durch, wenn die Gaumenmandeln so stark vergrößert sind, dass es zu Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken kommt, indem die Mandeln die Atemwege einengen.
 
Wenn sich jedoch ein Abszess gebildet hat, so muss der Arzt dringend eine Operation durchführen, um die Eiterhöhle zu öffnen. Dabei werden in der Regel die Mandeln jedoch nicht vollständig entfernt.

Wie verläuft die Operation?

Die operative Mandelentfernung Medizin, auch Tonsillektomie genannt, bezeichnet das Herausschneiden der Gaumenmandeln. Vor der Operation musst Du mindestens sechs Stunden nüchtern sein. Das heißt, Du darfst weder essen noch trinken. Kurz vor dem operativen Eingriff erhältst Du vom Arzt möglicherweise eine Beruhigungstablette und sobald diese wirkt, verabreicht er Dir die Narkose, damit Du von dem Eingriff nichts mitbekommst.
 
Sobald Du eingeschlafen bist, wirst Du entweder intubiert und über einen Schlauch oder eine Larynxmaske künstlich beatmet. Der Vorteil der Maske ist, dass der Arzt Dir keinen Schlauch in den Hals einführen muss. Vor allem bei operativen Eingriffen ist oftmals eine Intubation nötig, da der Patient nicht selbstständig atmen kann. Allerdings ist es ebenfalls möglich, dass die Operation während eines Dämmerschlafes geschieht.
 
Nach der Intubation lagert der Chirurg Deinen Kopf etwas tiefer und legt eine Metallvorrichtung in den Mund. So kann er verhindern, dass sich die Zunge vor den Mandeln im Gaumen legt oder dass sich der Mund schließt. Anschließend löst der Operateur die Gaumenmandeln mithilfe von chirurgischen Instrumenten.
 
Die dabei entstehenden Blutungen vernäht er meist mit Fäden, die sich nach dem Eingriff von selbst auflösen. Allerdings ist es nicht immer notwendig, dass der Arzt näht. Bei einigen Techniken braucht es keine Fäden. In der Regel dauert der Eingriff zwischen 15 und 30 Minuten.

Eine Mandelentzündung führt unter anderem zu Fieber und Abgeschlagenheit.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Eine Mandelentfernung zählt zwar zu den Routineeingriffen in Krankenhäusern, jedoch sind Komplikationen nicht immer auszuschließen. Es kommt bei einer Tonsillektomie öfters zu Nachblutungen. Dies ist jedoch nicht auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen, sondern darauf, dass die Gaumenmandel so zahlreich mit Arterien versorgt werden.
 
Der Arzt kann eine akute Blutung während des Eingriffs stoppen, indem er das Gewebe vernäht oder mit einem elektrischen Strom verödet. Kommt es nach der OP zu einer erneuten Gewebeverletzung, so kann es zu einer starken Nachblutung kommen, die sogar lebensbedrohlich werden kann.
 
Nicht immer muss der Grund eine Verletzung des Gewebes sein, denn in sehr seltenen Fällen kann es auch bei der Nahrungsaufnahme passieren, dass sich das geschlossene Gefäß erneut öffnet. Speziell bei Kindern kann solch eine Blutung tödlich enden, da sie im Vergleich zu Erwachsenen ein geringeres Blutvolumen im Körper haben.
 
Neben diesem Risiko bestehen auch die allgemeinen Risiken eines chirurgischen Eingriffs. Die möglichen Komplikationen sind beispielsweise eine allergische Reaktion, eine Infektion oder eine Wundheilungsstörung.

Was kann ich selbst tun, um die Heilung zu verbessern?

Damit Du die Heilung verbesserst, solltest Du vor allem in den Tagen nach der OP auf das Rauchen verzichten. Du solltest auch darauf achten, keine säurehaltigen Säfte zu trinken, denn sie reizen die entzündeten Schleimhäute im Rachen noch zusätzlich. Dennoch ist viel Flüssigkeit sehr wichtig. Dabei helfen vor allem entzündungshemmende Kräuter wie Kamille oder Salbei als Tee.
 
Du kannst sie aber auch als Gurgellösung verwenden und damit den Mund spülen. Umschläge am Hals mit warmem Quark können ebenfalls den Hals kühlen. Ein warmer Halswickel hilft bei Schluckbeschwerden, das gilt auch für Suppen und Püree, da sie weiche Nahrungsmittel sind, die Du somit leichter schlucken kannst.

Kann ich die Mandelentzündung vorbeugen?

Einer Mandelentzündung kannst Du nicht direkt vorbeugen. Wenn Du jedoch ein starkes Immunsystem hast, so kannst Du das Risiko für eine Tonsillitis senken, und Dich vor Krankheitserregern, wie Bakterien, schützen. Mit einer ausgewogenen Ernährung und einer ausreichenden Bewegung an der frischen Luft kannst Du Deine Immunabwehr stärken. Aber auch ausreichend Sport hilft Dir dabei, gegen Viren und Bakterien gewappnet zu sein.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die notwendigen Diagnose- und Therapieverfahren übernehmen die Krankenkassen in der Regel. In einigen Fällen kann jedoch ein Selbstbehalt für Dich anfallen. Vor allem, wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist, kann pro Tag ein Kostenbeitrag entstehen. Für genauere Informationen kannst Du Dich aber im Voraus bei Deinem Versicherungsträger informieren. Selbstverständlich kannst Du auch ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen und die Kosten hierfür selbst übernehmen.

 

Bei Fragen zu diesem oder einem anderen medizinischen Thema steht Dir unser Forum zur Verfügung. Hier kannst Du Dich mit anderen Mitgliedern austauschen und unsere Ärzte kontaktieren!


Dauer Dauer

Je nach Behandlungsart

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Krankheitsverlauf

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Behandlungsmethode

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei einer Mandelentzündung entzünden sich die Gaumenmandeln, die sich an beiden Seiten des Gaumenzäpfchens im Rachen befinden


Kinder und junge Erwachsene sind am häufigsten von einer Tonsillitis betroffen


Um schwere Komplikationen einer Tonsillitis zu vermeiden, wird eine Mandelentzündung, je nach Ausprägung, medikamentös oder operativ behandelt


Der Arzt zieht eine Mandeloperation in Erwägung, wenn es innerhalb von einem Jahr zu mehr als sechs eitrigen Mandelentzündungen gekommen ist

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