Zwangsstörung

Zwanghafte Vorstellungen kennen viele von uns: Wir prüfen mehrmals nach, ob die Tür auch wirklich geschlossen oder der Herd auch wirklich abgedreht ist. Solche Rituale oder Ticks sind durchaus normal. Sollten sich derartige Verhaltensweisen allerdings andauernd wiederholen und Deinen Alltag sehr stark beeinträchtigen, so könntest Du an einer Zwangserkrankung oder Zwangsstörung leiden.


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Medizinische Expertin

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Online-Redaktion

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Zuletzt aktualisiert: 15. September, 2020



ICD-10-GM-2020 F42
 

Was versteht die Medizin unter einer Zwangsstörung?

Eine Zwangsstörung ist eine schwere psychische Erkrankung, bei der Dich wiederkehrende, unerwünschte Gedanken (Obsessionen) und zwanghafte Handlungen beschäftigen. Solltest Du an einer Zwangsstörung leiden, führst Du immer wieder die gleichen Rituale aus und wirst von beunruhigenden Gedanken geplagt, denen Du nicht entkommen kannst. Zu dieser Krankheit gehören Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Etwa 90 Prozent der Betroffenen weisen sowohl Zwangshandlungen als auch Zwangsgedanken auf.
 
Zwangsgedanken sind Vorstellungen, Gedanken oder Impulse, die Du sehr wohl als unsinnig oder übertrieben erkennst und die somit nicht Deine eigene Meinung wiedergeben, Dich aber auch nicht loslassen und sich Dir immer wieder aufdrängen. Diese Gedanken lösen in Dir unangenehme Gefühle wie Ängste, Unbehagen oder Ekel aus. Dabei dominieren meist aggressive Gedankeninhalte – Du könntest dabei sogar eine andere Person verletzen. Auch Gedanken, die mit Verschmutzung oder Sexualität in Verbindung stehen, treten dabei auf. Außerdem können sogenannte „magische“ Befürchtungen auftreten, wobei Du glaubst, dass ein bestimmter Gedanke eine Katastrophe bewirken könnte.
 
Die durch die Zwangsgedanken ausgelösten unangenehmen Gefühle versuchst Du dann oft durch Zwangshandlungen zu vermindern. Zwangshandlungen beschreiben Fachärzte als sich wiederholende Verhaltensweisen, die nach bestimmten Regeln ablaufen müssen und die Du immer in gleicher (stereotyper) Weise durchführen musst. In manchen Fällen bindest Du dabei sogar engste Angehörige in dieses System Deiner Rituale ein. Auch diese Handlungen können Dir durchaus als übertrieben oder sinnlos erscheinen, Du kannst Dich aber nicht von ihnen abwenden.

Zwangsstörungen haben einen großen Einfluss auf den Alltag der Betroffenen.

Wie sehen die Symptome einer Zwangsstörung aus?

Als Symptome einer Zwangsstörung identifizieren Spezialisten folgende Motive:
 
Zwanghafte Menschen möchten jeden Zufall vermeiden und haben ein übergroßes Sicherheitsbedürfnis. Am liebsten wollen sie, dass alles so bleibt, wie es ist und neigen dazu, sich selbst einzuengen und unter allen Umständen an bestimmten Regeln festzuhalten. Außerdem können sie Doppeldeutigkeiten kaum aushalten. Zwänge können sogar bewirken, dass Betroffenen die Lust auf Aktivitäten aller Art vergeht. Außerdem stehen betroffene Personen unter einem enormen Innendruck, wirken starr und ungelöst und sind wenig experimentierfreudig.
 
Zwanghafte Menschen sind außerdem sehr ausdauernd, fleißig, konsequent, planvoll und verantwortungsbewusst. Den Betroffenen drängen sich immer wieder unsinnige Gedanken auf. Sie leiden unter dem unwiderstehlichen Drang, bestimmte Handlungen auszuführen, wie zum Beispiel Zählen, Kontrollieren, Hände waschen, Gegenstände reinigen, Listen erstellen oder Ähnliches. Die Erleichterung nach der Ausführung dieser Zwangshandlungen hält allerdings nur sehr kurze Zeit an, weshalb oft ein Teufelskreis aus belastenden Gedanken und Ritualen beginnt.
 

Wie viel Zwang ist noch normal?

Kleine Zwangsstörungen wie das doppelte Kontrollieren, ob der Herd abgedreht oder die Tür abgeschlossen ist, sind äußerst normal. Doch wenn eine Zwangsstörung Deinen Alltag sehr stark beeinflusst und viel Zeit kostet, dann ist sie behandlungsbedürftig. Sobald Du also merkst, dass Dich ein ganz bestimmter Tick oder ein zwanghaftes Verhalten in Deinem Alltag stark einschränkt, solltest Du Dich an einen Therapeuten oder Psychiater wenden. Beispielsweise schauen viele Betroffene so oft nach, ob sie den Herd wirklich abgedreht haben, dass sie ständig zu spät kommen. Ihre Lebensqualität sowie ihr sozialer Alltag werden dadurch erheblich beeinflusst.
 
Im Gegensatz dazu ist es äußerst normal, wenn Du Deiner eigenen Wahrnehmung ab und zu misstraust und tatsächlich öfters nachschaust, ob Du die Haustüre verschlossen hast oder andere kleine Tätigkeiten in Deinem Haushalt erledigt hast. Es ist auch definitiv in Ordnung, wenn Du im Laufe Deines Lebens kleine Rituale entwickelst, solange Dich diese nicht in unangenehmer Art und Weise einschränken.
 

Wie ist der Verlauf einer Zwangsstörung?

Zwangserkrankungen treten häufig in Kombination mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen auf. Sie sind anderen psychischen Erkrankungen sehr nahe und gehören zu den Störungen des Zwangsspektrums.
 
Zwangsstörungen verlaufen ohne passende Behandlung meist chronisch, wobei die Intensität der Symptome schwankt – bei etwa 30 Prozent der Fälle sogar sehr stark. Zu Beginn der Zwangsstörung treten häufig wiederkehrende Episoden mit anschließendem Rückgang der Symptome auf. Bei manchen Betroffenen gibt es immer wieder Zeiten, in denen die Störung ganz verschwindet, was Spezialisten als phasischen Verlauf bezeichnen.
 
Unter Stress können sich die Symptome verschlimmern. In den meisten Fällen werden sie mit der Zeit immer mehr und beanspruchen einen großen Teil Deines Alltags. Oft kann dies sogar Isolation und sozialen Rückzug bewirken. Bestimmte Zwänge können sich aber auch auf Deinen Körper auswirken: Beispielsweise kann ein Waschzwang Hautekzeme hervorrufen.
 

Was ist die Ursache einer Zwangsstörung?

Spezialisten haben noch keine eindeutige Ursache für das Zustandekommen einer Zwangserkrankung identifiziert. Neben neurobiologischen Faktoren können auch bestimmte Erfahrungen  und Erlebnisse eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen.
 
Zu neurobiologischen Ursachen zählen unter anderem ein Ungleichgewicht von Botenstoffen in Deinem Gehirn sowie diverse genetische Faktoren oder Änderungen in der Gehirnfunktion. Wie bei den meisten psychischen Erkrankungen gibt es auch bei Zwangsstörungen eine erbliche Vorbelastung. Damit die Krankheit allerdings ausbricht, müssen viele Faktoren zusammenspielen. Zu diesen gehören beispielsweise Erfahrungen in Deiner Kindheit, die eventuell zu Unsicherheit und einem stark ausgeprägten Kontrollbedürfnis geführt haben. In vielen Fällen geht der Zwangsstörung eine besonders belastende Erfahrung oder Lebenskrise voraus.
 
Auch Umwelteinflüsse wie bestimmte Erziehungsmethoden können zur Entstehung einer Zwangsstörung beitragen. Kinder, die eher ängstlich sind, werden zum Beispiel durch sehr behütendes Verhalten der Eltern zusätzlich verunsichert, wodurch sie bedrohliche Situationen zusätzlich vermeiden, anstatt sich diesen zu stellen. Auch Eltern, die ihren Kindern gegenüber sehr kritisch sind und sehr perfektionistische Ansprüche haben, können zur Entstehung einer Zwangsstörung beitragen.
 
Akute Auslöser einer Zwangsstörung sind sehr häufig belastende Ereignisse. Vor allem in überfordernden Situationen helfen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen der betroffenen Person zur Ablenkung. Erkrankte Personen glauben dann, im Grunde unkontrollierbare Ereignisse durch bestimmte Rituale kontrollieren zu können.

Eine typische Zwangshandlung ist das wiederholte Kontrollieren, ob der Herd abgeschaltet ist oder nicht.

Welche Formen der Zwangsstörung gibt es?

Solltest Du unter einer Zwangsstörung leiden, treten sowohl Zwangsgedanken als auch Zwangshandlungen auf. Bei Zwangsgedanken hast Du zum Beispiel das Bedürfnis, bestimmte Zahlenreihen oder einzelne Sätze immer wieder durchzudenken. Auch religiöse oder sexuelle Inhalte sind typisch für Zwangsgedanken.
 
Mit den Zwangshandlungen versuchst Du, die durch die Zwangsgedanken ausgelösten, meist sehr unangenehmen Gefühle zu vermindern. Typische Zwangshandlungen einer Zwangsstörung sind:
 

  • Kontrollzwänge, wie das wiederholte Kontrollieren, ob Deine Haustüre zugesperrt oder Dein Herd abgedreht ist.
  • Ordnungszwänge, wie das ständige Neusortieren Deines Kleiderschranks, weil ein Kleidungsstück nicht ganz zusammengelegt ist.
  • Wasch- und Putzzwänge, wie das übermäßige Händewaschen, sodass Deine Hände schon wund werden.
  • Sammelzwänge oder Messie-Syndrom, wie das Ansammeln von bestimmten Gegenständen in einem Ausmaß, das Deine Wohnqualität deutlich verringert.

 

Wer ist am häufigsten von einer Zwangsstörung betroffen?

Im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen sind Zwangsstörungen relativ selten: Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leiden darunter. Die Erkrankung fängt in den meisten Fällen in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter vor dem 30. Lebensjahr an. Dabei nehmen die Symptome häufig mit der Zeit weiter zu und können dann den normalen Alltag (Arbeitsleben, Hobbys, Familienleben) immer stärker beeinträchtigen.
 
Ohne Therapie bleibt die Störung bei zwei Drittel der Erkrankten chronisch bestehen. Bei einem Drittel wechseln sich symptomfreie Zeiten und Phasen, in denen die Symptome schubartig wieder auftreten, ab. Die Zwangsstörung kommt bei Männern und Frauen etwa gleich häufig vor. Männer erkranken daran im Durchschnitt etwas früher als Frauen.
 
Bei Menschen mit einer Zwangserkrankung ist der Frontallappen des Gehirns äußerst überaktiv. Dieser kontrolliert unter anderem auch die Basalganglien – also Hirnstrukturen, die für die motorischen Abläufe zuständig sind. Außerdem ist bei Menschen mit einer Zwangsstörung der Serotoninhaushalt im Gehirn gestört, weshalb viele Betroffene bestimmte Medikamente einnehmen müssen, die den Serotoninspiegel wieder erhöhen.
 

Welche Folgen kann die Zwangsstörung für die Betroffenen haben?

Zwangsstörungen können sich stark auf Deinen Alltag auswirken, indem Du Dich zum Beispiel zunehmend sozial isolierst und die von Dir ausgeführten Zwangshandlungen einen großen Teil Deines Alltags beanspruchen. Auch körperliche Folgen wie Hautekzeme durch einen extremen Waschzwang können dabei auftreten.
 

Wann sollte man bei einer Zwangsstörung einen Arzt aufsuchen?

Solltest Du den Verdacht haben, dass Du an einer Zwangsstörung leidest, so kontaktiere so bald wie möglich einen Spezialisten (Facharzt, Psychotherapeuten oder Psychiater). Denn je eher Du mit einer Therapie beginnen kannst, umso besser kann der Arzt Deinen Krankheitsverlauf beeinflussen und Deine Symptome vermindern.
 
Wiederkehrende zwanghafte Handlungen oder Gedanken führen bei Betroffenen sehr oft zu Leidensdruck, werden als eigenartig empfunden und rufen Schamgefühle hervor. Deshalb ist auch die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen, oft sehr groß. Doch Ansprechpartner wie Fachärzte für Psychiatrie oder Psychotherapeuten sind mit dem Leiden gut vertraut, können Deine Ängste verstehen und Dir weiterhelfen.
 

Wie lässt sich eine Zwangsstörung diagnostizieren?

Solltest Du an einer Zwangsstörung leiden, so ist es ganz normal, dass Dir Deine Zwänge unsinnig vorkommen und es Dir schwerfällt, mit einem Facharzt oder Psychologen darüber zu reden. Zur genauen Diagnose und Behandlung ist es jedoch sehr wichtig, dass Du mit Deinem behandelnden Psychologen offen und ehrlich kommunizierst.
 
Ein Facharzt, Psychologe oder Psychotherapeut macht sich in einem ausführlichen Gespräch ein Bild über Deine Erkrankung. Dabei nimmt er oft auch Fragebögen zur Hand. Für die Diagnose der Zwangsstörung orientiert sich Dein Therapeut an der ICD-10 Klassifikation psychischer Störungen. Dabei müssen folgende Kriterien zutreffen:
 

  • Du hast über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen an den meisten Tagen Zwangsgedanken oder führst Zwangshandlungen aus.
  • Dir ist bewusst, dass Deine Gedanken/Handlungen Deine eigenen sind und nicht von äußeren Einflüssen erzeugt werden.
  • Deine Gedanken/Handlungen wiederholen sich dauernd und Du empfindest sie als unangenehm, übertrieben oder unsinnig.
  • Du versuchst gegen deine Zwangsgedanken und -handlungen Widerstand zu leisten.
  • Die Ausführung Deiner Zwangsgedanken oder -handlungen empfindest Du als unangenehm.
  • Außerdem bringst Du für Deine Zwangsstörung einen enormen Zeitaufwand auf, der Dich in Deinem beruflichen und sozialen Leben einschränkt.

Zur Diagnose einer Zwangsstörung könnte Dir Dein behandelnder Therapeut folgende Fragen stellen:
 

  • Hast Du oft unangenehme Gedanken, die sich Dir aufdrängen?
  • Verspürst Du einen inneren Druck, bestimmte Handlungen immer wieder durchzuführen?
  • Empfindest Du diese Gedanken oder Handlungen als unsinnig?
  • Befürchtest Du, dass Dir etwas Schlimmes passieren könnte, wenn Du diese Handlungen nicht ausführst?
  • Brauchst Du sehr lange für Alltagstätigkeiten?

Bei Zwangsstörungen kommt es oft auch zu einem übertriebenen Wasch- und Putzverhalten.

Wie erfolgt die Behandlung einer Zwangsstörung?

Damit Du Deine Zwangsgedanken bewältigen kannst, fordert Dich Dein Therapeut dazu auf, die unangenehmen Gedanken zuzulassen. Denn durch das Unterdrücken Deiner Gedanken treten diese nur noch häufiger auf. Erst wenn Du Dich aktiv mit Deinen Gedanken auseinandersetzt, kannst Du Deine Zwänge besiegen.
 
Dein Therapeut klärt Dich zusätzlich darüber auf, wie Deine Zwänge genau entstehen und hilft Dir dabei, ungünstige Gedankenmuster zu verändern. Dabei können Dich auch Methoden zum Stressabbau wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeitstraining unterstützen.
 
Sehr gute Behandlungserfolge zeigt die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei bespricht Dein Therapeut mit Dir zu Beginn der Therapie die konkrete, auf Dich abgestimmte Vorgehensweise. Eine Methode sind Expositionsübungen: Dabei wirst Du mit dem Reiz konfrontiert, der normalerweise Dein zwanghaftes Verhalten auslöst, ohne dass Du dem inneren Druck nachgeben darfst. Leidest Du zum Beispiel unter einem Ordnungszwang, so musst Du gezielt Unordnung in Deinen Kleiderschrank bringen, und darfst Die Kleider daraufhin nicht sortieren.
 
Bei dieser Behandlungsmethode werden die Herausforderungen entweder von Mal zu Mal gesteigert, oder Du wirst gleich zu Beginn der Therapie mit Deiner größten Angst konfrontiert. Der Drang, Deinem üblichen Ritual zu folgen, ist zu Beginn noch sehr groß. Du merkst dann allerdings sehr schnell, dass der Druck nachlässt, ohne dass Du dem Zwang nachgibst. Durch diese bewusste Erfahrung gewinnst Du ein Stück Kontrolle über Dein Verhalten zurück.
 
Unter gewissen Umständen kann Dir Dein Therapeut auch bestimmte Medikamente verschreiben, nämlich sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnehmer (SSRI) – eine spezielle Gruppe von Antidepressiva. Jene bewirken, dass sich Deine innere Anspannung verringert. Außerdem lassen Deine Zwangssymptome nach. Sie verschwinden aber nicht komplett, sondern können nach dem Absetzen der Medikamente wieder verstärkt zurückkommen. Deshalb empfehlen Experten zusätzlich zur medikamentösen Behandlung immer eine kognitive Verhaltenstherapie.
 

Was kann ich selbst bei einer Zwangsstörung machen?

Scheue nicht davor, Dir Hilfe zu suchen. Vertraue Dich am besten jemandem an und bitte diese Person, Dich bei der Suche nach Hilfe zu unterstützen. Je eher Du eine Therapie beginnen kannst, desto besser kann Dein behandelnder Spezialist Deine Symptomatik vermindern.
 
Es kann Dir außerdem sehr helfen, ein Zwangstagebuch zu schreiben. In dieses solltest Du zum Beispiel notieren, welche Zwänge Du verspürst, wann Zwangsgedanken und Zwangshandlungen auftreten und wie Du Dich dabei fühlst. Auch Gefühle wie Angst oder Ekel und wie sich diese Gefühle mit der Zeit verändern solltest Du darin notieren. Das Zwangstagebuch gibt Dir die Möglichkeit, Deine Einstellungen zu überprüfen und Deine Gedanken zu relativieren.
 

Wie sollten die Mitmenschen von Personen mit einer Zwangsstörung umgehen?

Zwangsstörungen können nicht nur für die betroffene Person, sondern auch für Angehörige eine große Belastung sein. Folgende Tipps können helfen, mit der schwierigen Situation umzugehen:
 

  • Am besten solltest Du als Angehöriger Diskussionen über die Sinnlosigkeit von bestimmten Handlungen der betroffenen Person vermeiden. Das einzig wirklich Hilfreiche ist eine Therapie.
  • Ermutige die betroffene Person, sich therapeutische Hilfe zu suchen.
  • Unterstütze den Erkrankten nicht bei seinem Ritual. Dies kann auf Dauer dabei helfen, sein Zwangsverhalten zu stabilisieren.
  • Solltest Du Fortschritte im Verhalten der erkrankten Person bemerken, so lobe sie dafür. Vermeide aber Kritik, wenn sich die Symptome wieder verstärken sollten, denn Schwankungen in der Symptomstärke sind normal.
  • Lass Dich vom Zwang der betroffenen Person nicht einvernehmen, sondern gehe weiter Deinen Hobbys nach und versuche, mit dem Erkrankten im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas zu unternehmen.
  • Solltest Du in manchen Situationen genervt oder zornig sein, so gib der erkrankten Person zu verstehen, dass sich dies lediglich auf die Symptome der Erkrankung bezieht und nicht auf den Erkrankten selbst.

 

Kann ich eine Zwangsstörung vorbeugen?

Um eine Zwangsstörung vorzubeugen, kannst Du versuchen, psychologisch belastende Komponenten zu vermeiden und Stresssituationen auszugleichen – zum Beispiel gezielt mit Entspannungsübungen, Yoga und autogenem Training. Wichtig ist auch, belastende und überfordernde Gedanken sofort anzusprechen und nicht zu warten, bis sie sich in Form einer psychischen Erkrankung äußern.

Im Rahmen einer Therapie lernst Du gegen Deine Zwänge anzukämpfen.

An welche Stellen kann ich mich bei einer Zwangsstörung wenden?

Wenn Du den Verdacht hast an einer Zwangserkrankung zu leiden, so kannst Du Dich an folgende Stellen wenden:
 

  • Niedergelassene Fachärzte für Psychiatrie
  • Kassenambulanz oder Spitalsambulanz für Psychiatrie
  • Psychotherapeuten
  • Ärzte mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin.

Du kannst auch zuerst Deinen Arzt für Allgemeinmedizin kontaktieren und so gezielte Ansprechstellen finden. Außerdem kannst Du Dich an folgende Stellen wenden:
 
Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V.
Telefon: +49 (040) 689 13 700
 
Österreichisches Portal rund um die Zwangserkrankung
Telefon: +43 (0)650 7537103
 
SGZ Schweizerische Gesellschaft für Zwangsstörungen
Telefon: +41 (0)71 353 81 31
 

Wie ist die Prognose bei einer Zwangsstörung?

Eine passende Psychotherapie sowie eine adäquate medikamentöse Behandlung können die Chancen auf eine Verbesserung der Symptomatik deutlich erhöhen. Eine schlechtere Prognose haben allerdings Betroffene, die zusätzlich an Depressionen leiden. Früher galten nämlich Zwangsstörungen als kaum behandelbar. Mittlerweile können Experten die Symptome schon deutlich reduzieren: Je früher Du mit einer Therapie beginnen kannst, umso besser ist die Prognose.
 
Viele Langzeitstudien zeigen, dass sich der Zustand von zwei Drittel der therapierten Patienten auch noch zwei bis sechs Jahre nach Ende der Behandlung im Vergleich zu früher sehr gebessert hat. Eine vollständige Heilung ist bei einer Zwangsstörung allerdings sehr selten.

Was kostet die Behandlung einer Zwangsstörung?

Die Kosten zur Behandlung einer Zwangsstörung sind sehr individuell und hängen von der Dauer der Behandlung sowie vom behandelnden Psychotherapeuten ab. Am besten erkundigst Du Dich hierbei bei Deinem ausführenden Spezialisten.
 
Die Kosten für die klinisch-psychologische Diagnose übernimmt Dein Sozialversicherungsträger. Im Gegensatz dazu musst Du die Kosten für die klinisch-psychologische Behandlung selbst bezahlen.
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Zwangsstörung?

Eine volle Kostenübernahme für Psychotherapie ist in eigenen oder vertraglich gebundenen Einrichtungen der Krankenversicherungsträger möglich sowie in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. In diesen Fällen musst Du eventuell einen Selbstbehalt leisten.
 
Ansonsten hast Du auch die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch Deine Krankenversicherung zu stellen, wenn Du eine Psychotherapie bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten machst. Wenn Dein Krankenversicherungsträger diesen Antrag bestätigt, so erstattet er Dir einen Teil der Behandlungskosten zurück.


Dauer Dauer

Je nach Krankheitsverlauf

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Zwangsstörung ist eine schwere psychische Erkrankung, bei der Dich wiederkehrende, unerwünschte Gedanken (Obsessionen) und zwanghafte Handlungen beschäftigen.


Betroffene verspüren Zwangsgedanken und üben Zwangshandlungen aus, die meist einen großen Teil des Alltags beanspruchen. Mit den Zwangshandlungen versuchst Du die durch die Zwangsgedanken ausgelösten, meist sehr unangenehmen Gefühle zu vermindern.


Je früher Zwangsstörungen erkannt werden, umso besser kann Dein Psychotherapeut die Krankheit behandeln. Häufig wenden Fachärzte die kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung an.


Grundsätzlich gibt es keine festgelegten Ursachen einer Zwangsstörung – sie tritt allerdings häufiger bei Menschen mit einer psychischen Vorbelastung auf. Die Auslöser sind dann meist psychische Belastungen und Stress. Um eine Zwangsstörung vorzubeugen, kannst Du versuchen, psychologisch belastende Komponenten zu vermeiden und Stresssituationen auszugleichen.

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