Agoraphobie (Platzangst)

Bei Menschen mit Agoraphobie entwickelt sich eine panische Angst vor bestimmten Situationen. Dabei geht es vor allem um Orte, aus denen sie im Notfall nur schwer entkommen könnten. So erleben Betroffene bedrohlich erscheinende körperliche Symptome wie Herzrasen und Schwindelanfälle. Daher vermeiden sie insbesondere große Menschenmengen, überfüllte öffentliche Verkehrsmittel, Reisen oder öffentliche Plätze. In den folgenden Absätzen kannst Du genaueres über diese Art von Phobie erfahren.


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Zuletzt aktualisiert: 9. September, 2020



ICD-10-GM-2020 F40

Was ist eine Phobie?

Bei einer Phobie fürchtet sich ein Mensch vor einer bestimmten Situation oder einem gewissen Objekt. Im Grunde stellen diese, objektiv gesehen, keine Bedrohung dar, jedoch ist es für die betroffenen Personen kaum ertragbar, sich den jeweiligen Situationen auszusetzen. Das heißt, die Angstpatienten versuchen die Orte oder Objekte vollkommen zu vermeiden. Dadurch ziehen sie sich vermehrt zurück und können das Ausmaß der Angst nicht mehr kontrollieren. So entsteht ein hoher Leidensdruck, der meist mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schweißausbrüchen und Zittern einhergeht.
 
Wenn die jeweilige Phobie besonders stark ausgeprägt ist, befürchten einige Betroffene sogar, an den körperlichen Auswirkungen zu sterben. Es gibt verschiedene Arten von Phobien und Ängsten, die entweder allein oder in Kombination erscheinen können.

Die Agoraphobie zeichnet sich unter anderem durch die Angst vor öffentlichen Plätzen und Menschenmengen aus.

Was versteht die Medizin unter Agoraphobie?

Bei einer Agoraphobie kommt es zu einer Angst vor großen Menschenmengen und riesigen Plätzen. Viele Menschen verspüren ein unangenehmes Gefühl, wenn sie sich zwischen Hunderten von Menschen eingeengt fühlen und keine Fluchtmöglichkeit finden. In manchen Fällen beginnt die Angst bereits in der eigenen Wohnung, sodass Betroffene diese gar nicht erst verlassen können. Menschen, die an einer Agoraphobie leiden, haben zusätzlich Angst vor Reisen – unabhängig vom Verkehrsmittel und ob mit Begleitung oder nicht.
 
Können die Betroffenen in solch einer Situation noch Ruhe bewahren, dann gilt diese Angst nicht als krankhaft. Erst wenn die betroffenen Personen beispielsweise Menschenansammlungen schon vorsorglich meiden oder es zu plötzlichen Panikattacken kommt, dann liegt eine Phobie vor. In besonders schweren Fällen reicht die Agoraphobie sogar so weit, dass die Erkrankten sich lieber vollkommen von der Außenwelt isolieren.
 
Zusammenfassend lässt sich die Agoraphobie als Angst, in bestimmten Situationen keinen Fluchtweg oder Helfer zu haben sowie als Angst, in der Falle zu sitzen, beschreiben.
 

Wie sehen die Symptome einer Agoraphobie aus?

Bei einer Platzangst kommt es vor allem zu Herzrasen, Schwindel, Atemnot, Schweißausbrüchen, Ohnmacht, Brustschmerzen und einem Engegefühl in der Brust. Zusätzlich zu diesen körperlichen Symptomen entsteht dabei panische Angst.
 
Somit versuchen Betroffene die jeweiligen Orte zu vermeiden, an denen es zu Angstanfällen kommt. Denn die Angst vor einem weiteren Angstzustand wächst dadurch immer mehr. Folglich bevorzugen sie es sicherheitshalber zu Hause zu bleiben.
 
Überdies kommt es bei einer Agoraphobie auch zu folgendem Verhalten:
 

  • Die betroffenen Personen befürchten in den jeweiligen Situationen nicht fliehen zu können.
  • Sie haben Angst, dass ihnen nicht geholfen wird, wenn ihnen plötzlich schlecht wird oder sie ohnmächtig werden.
  • Sie gehen davon aus, dass sie sich dadurch in der Öffentlichkeit blamieren werden.

Wie hängen die Agoraphobie und die Panikstörung zusammen?

Sowohl eine Agoraphobie als auch eine Panikstörung ist eine Angststörung. Bei der Platzangst verspüren die Betroffenen Angst bei gewissen Situationen und Orten und vermeiden diese aus Angst systematisch. Bei einer Panikstörung treten die Ängste ganz plötzlich auf und harmlose Situationen führen dabei ebenso zu extremen Angstgefühlen.

Symptome bei der Agoraphobie sind beispielsweise Atemnot, Schwindel und Herzrasen.

Was ist der Unterschied zwischen Klaustrophobie und Agoraphobie?

Oftmals verwenden Menschen im allgemeinen Sprachgebrauch das Wort Platzangst für verschiedenste Phobien. Jedoch besteht jedoch ein bedeutender Unterschied zwischen einer Agoraphobie und einer Klaustrophobie.
 

  • Agoraphobie: bezeichnet in erster Linie die Angst vor großen Menschenansammlungen, Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln und riesigen Plätzen.
  • Klaustrophobie: Eine Klaustrophobie hingegen ist genau das Gegenteil der Agoraphobie. Dabei verspüren die Betroffenen eine Angst vor engen Räumen also die Angst vor zu wenig Platz. Dazu zählen vor allem Aufzüge, geschlossenen Räume und Flugzeuge.

Wie ist der Verlauf einer Agoraphobie?

In den allermeisten Fällen beginnt die Phobie mit einem Angstanfall an einem öffentlichen Ort. So verläuft die Angst oftmals chronisch und vergeht nur selten von alleine. Je länger die Angststörung besteht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich noch weitere psychische Störungen entwickeln. Im Grunde verläuft die Agoraphobie in Phasen, so können die Anzeichen beispielsweise auch nach einer langen beschwerdefreien Zeit wieder auftreten.

Was sind die Ursachen einer Agoraphobie?

Angst zu haben gilt als normale Reaktion des Körpers, denn so kannst Du möglichen Gefahren rechtzeitig aus dem Weg gehen. In einigen Fällen entwickelt sich jedoch eine krankhafte Angst, die oft unbegründet ist. Häufig treffen allerdings mehrere Faktoren zusammen.
 
Zu den Ursachen zählen:
 

  • Erlerntes Verhalten
  • Traumatische oder frühere Erlebnisse
  • Genetische Veranlagung, durch Anfälligkeit für psychische Erkrankungen

 
Oftmals leiden Betroffene aber genauso unter weiteren psychischen Störungen wie etwa Depressionen oder anderen Ängsten. Wobei sich bei den jeweiligen Personen durch die Erwartungsangst ebenso ein Teufelskreis entwickeln kann. Denn wenn eine Person in einer Menschenmenge Kreislaufprobleme hat, dann bringt sie diese Beschwerden mit der Situation in Verbindung und versucht diese in Zukunft zu vermeiden.
 

Wer ist am häufigsten von Agoraphobie betroffen?

Im Grunde sind Angststörungen weit verbreitet, wobei Frauen dreimal so häufig von einer Agoraphobie betroffen sind wie Männer. Dabei beginnt sie meist schon im jungen Erwachsenenalter. Allerdings leiden die meisten Betroffenen nicht nur unter einer reinen Agoraphobie, vielmehr entwickeln sich durch die Platzangst auch Depressionen, Persönlichkeits- oder Angststörungen.
 

Welche Folgen kann die Agoraphobie für die Betroffenen haben?

Durch die Platzangst versuchen betroffene Menschen die unangenehmen und angstauslösenden Situationen mehr und mehr zu vermeiden. Anfangs entsteht zwar ein erlösender Effekt, langfristig kann sich diese starke Angst jedoch verstärken. Diese Furcht kann so stark ausgeprägt sein, dass sich die Betroffenen gar nicht mehr aus dem Haus trauen. Dadurch kann es zu sozialen Einschränkungen kommen. Zusätzlich können somit psychische Folgeerkrankungen wie beispielsweise Depressionen entstehen.
 

Wann sollte ich bei einer Agoraphobie einen Arzt aufsuchen?

Wenn einzelne Anzeichen für eine Platzangst sprechen, solltest Du auf jeden Fall zu einem Psychotherapeut gehen. So kann der Spezialist erkennen, ob tatsächlich eine Agoraphobie oder Panikstörung vorliegt. Bestimmte Fragebögen helfen dem Therapeuten abzuklären, ob weitere psychische Erkrankungen vorliegen.
 

Wie diagnostiziert der Arzt Agoraphobie?

In erster Linie ist eine gründliche medizinische Untersuchung notwendig, damit der behandelnde Arzt körperliche Erkrankungen ausschließen kann. Denn es gibt einige körperliche Krankheiten, die zu den ausgeprägten Angstzuständen führen können. Hierzu gehören unter anderem Herzprobleme, Gleichgewichtsstörungen und Schilddrüsenerkrankungen.
 
Zusätzlich zu einem ausführlichen Gespräch erfolgt eine Blutuntersuchung und ein EKG des Herzens. Der Arzt kann jedoch bei Bedarf noch weitere Untersuchungen vornehmen.
 
Insbesondere ein Psychotherapeut oder Psychologe kann eine genaue Diagnose stellen und anhand eines Fragebogens erkennen, welche psychischen Störungen genau vorliegen. Ebenso kann ein Angsttagebuch dem Therapeuten bei der Diagnose helfen. Hierzu schreibst Du Dauer und Art Deiner Angstzustände so genau wie möglich auf und zeigst sie Deinem Arzt beim Gespräch.

Oftmals geht die Agoraphobie so weit, dass Betroffene ihr Zuhause nicht mehr verlassen können.

Wie lässt sich die Agoraphobie behandeln?

Grundsätzlich gilt: Je früher die Behandlung der Phobie beginnt, desto besser kann sie therapiert werden. Wenn Du zu lange mit der Therapie wartest, dann vertiefst Du Dich immer mehr in einen Teufelskreis der Angst. Wird Deine Lebensqualität dadurch zu stark eingeschränkt, kann die Behandlung entsprechend länger dauern.
 
Es stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die jedoch vom individuellen Stadium der Agoraphobie abhängen.
 
Psychotherapie
 
Um die genauen Ursachen der Ängste zu erforschen, kann in einigen Fällen eine Psychotherapie notwendig sein. Denn dabei vermutet der Arzt einen ungelösten Konflikt hinter den Symptomen. Damit die Angstzustände beseitigt werden können, muss der Patient diesen Konflikt erkennen und bearbeiten. So versucht der Therapeut unbewusste Vorgänge im Gespräch zu verdeutlichen. In solch einem Fall kann es sich beispielsweise um unterdrückten Ärger oder eine Trennung handeln.
 
Kognitive Verhaltenstherapie
 
Die Verhaltenstherapie hingegen hat sich sehr bewährt, da die betroffene Person schrittweise mit den angstauslösenden Situationen oder Orten konfrontiert wird. Somit setzt diese Behandlung bei den Angstgedanken an und versucht zugleich die entwickelten Vermeidungsstrategien wieder abzubauen. Dies bedeutet, Betroffene müssen sich hierbei sehr intensiv mit ihren eigenen Ängsten auseinandersetzen. So wird die Angst vor der Angst besiegt, indem die Personen mit den eigenen Ängsten konfrontiert werden.
 
Diese Art von Konfrontation bezeichnen Experten als Exposition. Hierbei werden die Patienten dazu ermutigt, sich den Ängsten zu stellen. Nach der Konfrontation berichtet die Person dem Arzt, welche Symptome sie während des Angstzustandes verspürt hat.
 
So erleben Betroffene zum Beispiel, dass Herzrasen sich nach einer kurzen Weile wieder von selbst beruhigt und somit nicht lebensgefährlich ist. Dadurch erkennt der Patient auch, dass die Angst vor der jeweiligen Angst das Problem ist. Zusätzlich lernen Betroffene irreale Ängste genau zu beobachten und selbst zu erkennen.
 
Dabei hängt die Schwere der Angststörung in erster Linie davon ab, als wie gefährlich sie von den Betroffenen Personen eingeschätzt wird. Folglich geben die Patienten immer weniger Situation und Orte an, an denen die Angstzustände auftreten und sind mehr und mehr in der Lage, sich in gefürchtete Situationen zu begeben ohne in Panik zu geraten.
 
Medikamente
 
Unterstützend zu einer weiteren Therapie kann der Arzt zusätzlich Medikamente verabreichen. Dazu zählen vor allem Serotoninwiederaufnahmehemmer und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Diese Art von Hemmern sorgt dafür, dass die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin für eine längere Zeit in der Zelle verbleiben.
 
In weiterer Folge wird im Gehirn das Gleichgewicht der verschiedenen Botenstoffe wiederhergestellt. Trizyklische Antidepressiva hingegen werden nur selten verabreicht, da sie starke Nebenwirkungen haben. Dazu gehören unter anderem Übelkeit, Erbrechen und sexuelle Funktionsstörungen.
 
Homöopathie
 
Auch homöopathische Mittel können in einigen Fällen zur Beruhigung eingesetzt werden. Diese Mittel heilen die Angst an sich nicht, vielmehr lindern sie die Symptome.

Eine Agoraphobie wird am besten im Rahmen einer Therapie wie etwa der kognitiven Verhaltenstherapie behandelt.

Wie ist die Prognose bei einer Agoraphobie?

Die Prognose bei einer Platzangst ist recht gut, denn je früher der Arzt die Phobie erkennt, umso schneller kannst Du Deine Angst loswerden. So sind die Heilungschancen deutlich besser, wenn Du so früh wie möglich eine therapeutische Hilfe in Anspruch nimmst. Daher solltest Du bereits kleinste Anzeichen ernst nehmen. Nur so kann ein geeigneter Therapieweg gefunden werden, der Dir einen langen Leidensweg erspart. Insbesondere die Konfrontationstherapie hilft vielen Betroffenen dabei, ihre Phobie zu bewältigen. Im Laufe der Zeit kann eine Phobie auch schlimmer werden, wenn sie beispielsweise unbehandelt bleibt oder Folgeerkrankungen nach sich zieht.
 

Was kann ich selbst bei einer Agoraphobie machen?

Wenn sich die ersten Symptome der Phobie bemerkbar machen, solltest Du auf jeden Fall schnell reagieren. Denn so kann der Spezialist verhindern, dass sich die Ängste weiterentwickeln und Dich im alltäglichen Leben einschränken.
 
Bei eher leichten Symptomen können vor allem Entspannungstechniken helfen, um die Angst zu reduzieren, damit Du Dich in angespannten Situationen besser rational verhalten kannst. Dies kannst Du auch mit Meditation, autogenem Training und Yoga trainieren. Außerdem solltest Du Dich gesund ernähren und auf ausreichend Bewegung achten, denn all dies wirkt sich positiv auf Deine psychische Verfassung aus.
 

Was kostet die Behandlung der Agoraphobie?

Die Höhe der Kosten der Behandlung hängt in erster Linie vom Grad der Ausprägung ab. In einigen Fällen übernimmt die Krankenkasse jedoch einen Teil des Gesamtbetrags. Durchschnittlich liegt der Preis für eine Therapieeinheit bei etwa 80 bis 120 Euro.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung der Agoraphobie?

Bei einer Agoraphobie ist eine Einheit pro Woche über mehrere Monate üblich. Hierbei übernimmt die Krankenversicherung jedoch nicht die vollständigen Kosten. Liegt eine psychische Erkrankung vor, so ist in den allermeisten Fällen ein Kostenzuschuss möglich.
 
Die Höhe des Zuschusses ist nicht nur von der jeweiligen Krankenkasse, sondern auch vom individuellen Zustand des Betroffenen abhängig. Dieser beträgt pro Therapieeinheit meist zwischen 25 und 50 Euro. Allerdings kannst Du Dich schon im Voraus bei Deinem Versicherungsträger genauer über die Kostenübernahme informieren.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei einer Agoraphobie entwickelt sich bei den betroffenen Personen eine panische Angst vor bestimmten Situationen und Orten. Dazu zählen unter anderem Menschenmengen, öffentliche Plätze und Verkehrsmittel sowie das Reisen an sich.


Es kommt dabei oft zu Herzrasen, Schwindel, Atemnot, Ohnmacht, Schweißausbrüchen, Brustschmerzen und Engegefühl in der Brust.


Frauen sind dreimal so häufig von einer Agoraphobie betroffen wie Männer.


Je früher die Therapie der Platzangst beginnt, desto besser kann sie auch behandelt werden, da Du Dich sonst in einen Teufelskreis der Angst vertiefen könntest.

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