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Präventionsmedizin 2026: Was die Fachgesellschaften jetzt empfehlen
Longevity

Präventionsmedizin 2026: Was die Fachgesellschaften jetzt empfehlen

28.09.2026 19 Min. Lesezeit
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Präventionsmedizin 2026: Erfahre, welche Empfehlungen europäische Fachgesellschaften zu Biomarkern, KI-Diagnostik und personalisierter Therapie geben.

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Medizin beginnt nicht erst dann, wenn Beschwerden auftreten. Vorsorge, Früherkennung und die Behandlung von Risikofaktoren gehören seit Langem zur medizinischen Versorgung. Neu ist jedoch das wachsende Interesse daran, individuelle Gesundheitsrisiken noch genauer zu erfassen und Erkrankungen möglichst früh zu verhindern.

Unter Begriffen wie Präventionsmedizin, Healthy Aging und Longevity werden deshalb zunehmend klassische Vorsorge, moderne Risikodiagnostik und experimentellere Ansätze zusammengeführt. 2026 zeigt sich diese Entwicklung auch auf europäischen Kongressen. Bei der GSAAM-Konferenz in Frankfurt standen unter anderem Labordiagnostik, Genetik, künstliche Intelligenz, Hormone und Stoffwechsel auf dem Programm. Ende September folgt in Madrid ein internationaler Longevity-Summit mit Vertretern aus Forschung, Medizin und Wirtschaft.

Auf einen Blick:

  • Präventionsmedizin umfasst die Vorbeugung von Erkrankungen, ihre möglichst frühe Erkennung und die Vermeidung von Folgeschäden. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt wesentlich von Alter, Vorerkrankungen und individuellem Risiko ab.
  • Kongresse wie die GSAAM-Konferenz in Frankfurt und der International Longevity Summit in Madrid zeigen aktuelle Themen der Präventions- und Longevity-Medizin. Ihre Programme sind jedoch nicht mit medizinischen Leitlinien oder offiziellen Empfehlungen gleichzusetzen.
  • Biomarker, künstliche Intelligenz, Genetik und personalisierte Therapien werden intensiv erforscht. Nicht jedes moderne Verfahren besitzt bereits einen nachgewiesenen Zusatznutzen für gesunde Menschen.
  • Gute Präventionsmedizin beginnt mit Anamnese und individuellem Risiko. Ein möglichst großes Laborpanel oder eine aufwendige Diagnostik ist nicht automatisch besser.

Was ist Präventionsmedizin und wie unterscheidet sie sich von der regulären Vorsorge?

Präventionsmedizin beschäftigt sich mit der Frage, wie Erkrankungen verhindert, früh erkannt oder ihre Folgen begrenzt werden können. Sie ist damit kein völlig neues Gegenmodell zur klassischen Medizin, sondern seit Langem ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung.

Traditionell werden drei Formen unterschieden:

  • Die Primärprävention setzt ein, bevor eine Erkrankung entstanden ist. Dazu gehören beispielsweise Impfungen, Nichtrauchen, körperliche Aktivität oder Maßnahmen zur Senkung eines erhöhten Herz-Kreislauf-Risikos.
  • Die Sekundärprävention soll bereits vorhandene Erkrankungen in einem möglichst frühen Stadium erkennen. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Krebsfrüherkennungsprogramme.
  • Die Tertiärprävention richtet sich an Menschen, bei denen bereits eine Erkrankung besteht. Ihr Ziel ist es, ein Fortschreiten, Komplikationen oder erneute Krankheitsereignisse möglichst zu verhindern.

Was umfasst der Gesundheits-Check in Deutschland?

In Deutschland haben gesetzlich Versicherte zwischen 18 und 34 Jahren einmalig Anspruch auf eine allgemeine Gesundheitsuntersuchung. Ab 35 Jahren kann der Check alle drei Jahre wahrgenommen werden. Dazu gehören eine Anamnese, eine körperliche Untersuchung, die Messung des Blutdrucks, die Erfassung des Impfstatus sowie die Einschätzung individueller Herz-Kreislauf- und Krebsrisiken.

Ab 35 Jahren gehören zusätzlich Untersuchungen von Urin, Blutzucker und Blutfetten zum regulären Programm. Bei Menschen zwischen 18 und 34 werden Laboruntersuchungen im Rahmen dieses Checks nur durchgeführt, wenn entsprechende Risikofaktoren bestehen.

Daneben gibt es weitere alters- und risikobezogene Früherkennungsprogramme, die nicht mit dem allgemeinen Gesundheits-Check gleichgesetzt werden sollten.

Wie sieht die Vorsorge in Österreich aus?

In Österreich können Personen ab 18 Jahren einmal jährlich kostenlos an der Vorsorgeuntersuchung teilnehmen. Auch dort stehen die Erkennung wichtiger Risikofaktoren und Erkrankungen im Mittelpunkt. Dazu gehören unter anderem die persönliche und familiäre Krankengeschichte, Blutdruck und Körpermaße sowie Untersuchungen des Zucker- und Fettstoffwechsels.

Das zeigt bereits: Öffentliche Vorsorgeprogramme beschränken sich nicht darauf, auf Beschwerden zu warten. Sie sind selbst Teil der Präventionsmedizin.

Wann kann zusätzliche Diagnostik sinnvoll sein?

Über diese Programme hinaus können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Entscheidend ist jedoch die individuelle Fragestellung. Eine frühe Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Familie kann beispielsweise eine genauere Risikobeurteilung rechtfertigen. Gleiches gilt für auffällige Vorbefunde, bestimmte chronische Erkrankungen oder andere bekannte Risikofaktoren. Moderne Präventionsmedizin bedeutet deshalb nicht automatisch, möglichst viele Laborwerte, genetische Tests und bildgebende Untersuchungen durchführen zu lassen. Sinnvoll ist eine Zusatzdiagnostik vor allem dann, wenn das Ergebnis eine medizinische Entscheidung tatsächlich verändern kann.

Der Begriff Longevity wird häufig für einen noch breiteren Ansatz verwendet, der neben der Vermeidung von Krankheiten auch den möglichst langen Erhalt von Gesundheit und körperlicher Funktion in den Mittelpunkt stellt. Mehr über die unterschiedlichen Ansätze erfährst Du auf unserer Themenseite zur Longevity-Medizin.

Warum gewinnt Healthspan gegenüber Lifespan an Bedeutung?

Lifespan bezeichnet die gesamte Lebensspanne. Healthspan beschreibt dagegen die Lebensphase, die möglichst bei guter Gesundheit und mit hoher körperlicher und geistiger Selbstständigkeit verbracht wird.

Die Unterscheidung ist für die Altersmedizin wichtig. Eine steigende Lebenserwartung allein bedeutet nicht automatisch, dass alle zusätzlichen Lebensjahre ohne chronische Erkrankungen oder funktionelle Einschränkungen verbracht werden.

Auch die Weltgesundheitsorganisation stellt deshalb nicht nur die Zahl der Lebensjahre in den Mittelpunkt. Sie definiert gesundes Altern über den Erhalt der sogenannten funktionellen Fähigkeit. Gemeint ist damit beispielsweise, mobil zu bleiben, eigene Entscheidungen treffen zu können, Beziehungen aufrechtzuerhalten und den Alltag möglichst selbstständig zu gestalten. Diese Perspektive findet sich auch in der UN-Dekade des gesunden Alterns von 2021 bis 2030 wieder.

Was bedeutet Kompression der Morbidität?

Ein verwandtes Konzept ist die sogenannte Kompression der Morbidität. Dahinter steht die Idee, den Beginn schwerer chronischer Erkrankungen und funktioneller Einschränkungen möglichst weit nach hinten zu verschieben. Das Ziel wäre damit nicht lediglich ein längeres Leben, sondern möglichst viele Jahre mit guter körperlicher und geistiger Funktion.

Wie gut das gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Zu den gut belegten beeinflussbaren Risiken gehören unter anderem Rauchen, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, ungünstige Blutfette, Diabetes und Adipositas. Auch Ernährung und soziale sowie Umweltfaktoren spielen für Gesundheit über den Lebensverlauf eine wichtige Rolle.

Präventionsmedizin versucht deshalb vor allem, behandelbare Risiken früh zu erkennen und Maßnahmen auszuwählen, deren Nutzen für die jeweilige Person nachvollziehbar ist.

Welche Themen prägen die Präventionsmedizin 2026? KI-generiertes Bild

Welche Themen prägen die Präventionsmedizin 2026?

Einen Eindruck von neuen Entwicklungen liefern medizinische Kongresse und Fachveranstaltungen. Die 26. Jahreskonferenz der GSAAM fand vom 11. bis 13. Juni 2026 in Frankfurt am Main statt. Sie stand unter dem Titel „Anti-Aging und Präventionsmedizin: State of the Art 2026“.

Das Programm umfasste unter anderem Labordiagnostik und Mikronährstoffe, genetische Untersuchungen, Hormone, Stoffwechselmedizin, Frauen- und Männergesundheit sowie künstliche Intelligenz und Digital Health. Auch kontroversere beziehungsweise noch experimentelle Themen wie Exosomen, Stammzellen und Peptide wurden diskutiert.

Gerade diese Mischung zeigt, warum Kongressinhalte sorgfältig eingeordnet werden müssen. Dass eine Methode wissenschaftlich diskutiert wird, bedeutet weder, dass ihre Wirksamkeit bewiesen ist, noch dass sie bereits Bestandteil medizinischer Leitlinien sein sollte.

Was ist für den Longevity Summit in Madrid geplant?

Am 30. September und 1. Oktober 2026 findet der International Longevity Summit in der Real Academia Nacional de Medicina de España in Madrid statt. Für den 28. und 29. September sind zusätzliche Veranstaltungen und Ausflüge vorgesehen.

Auf der aktuellen Sprecherliste stehen unter anderem der Kardiologe und Digitalmediziner Eric Topol, die Telomerforscherin Maria Blasco und weitere international bekannte Forscher. Der Genetiker George Church gehört zum wissenschaftlichen Komitee, wird auf der Veranstaltungsseite derzeit jedoch nicht als regulärer Sprecher für 2026 geführt.

Auch dieser Summit ist nicht mit einem medizinischen Leitlinienkongress gleichzusetzen. Die Veranstaltung bringt neben Forschern und Ärzten ausdrücklich auch Unternehmer, Investoren und politische Akteure zusammen.

Aus beiden Veranstaltungen lässt sich deshalb vor allem ablesen, welche Themen das Longevity-Umfeld aktuell beschäftigen. Ob daraus medizinischer Standard wird, entscheidet sich nicht auf einer Kongressbühne, sondern anhand reproduzierbarer Forschung, klinischer Studien und evidenzbasierter Leitlinien.

Welche Rolle spielen Biomarker in der modernen Prävention?

Biomarker sind messbare biologische Merkmale, die Informationen über einen Gesundheitszustand, eine Erkrankung oder ein Risiko liefern können. Einige davon gehören längst zum medizinischen Alltag. Dazu zählen beispielsweise Blutdruck, Blutzucker und verschiedene Blutfette.

Bei anderen Messwerten hängt der Nutzen stärker von der individuellen Situation ab. Ein umfangreiches Laborpanel ist deshalb nicht automatisch aussagekräftiger als eine gezielte Untersuchung.

Welche zusätzlichen Herz-Kreislauf-Marker können sinnvoll sein?

Ein Beispiel ist Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Dieser Blutfettwert ist weitgehend genetisch bestimmt und kann das Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Die europäischen Fachgesellschaften ESC und EAS berücksichtigen einen erhöhten Lp(a)-Wert in ihrer aktuellen Leitlinienaktualisierung von 2025 als möglichen Risikomodifikator. Besonders bei Menschen mit einem mittleren Risiko oder einer unklaren Therapieentscheidung kann der Wert zusätzliche Informationen liefern.

Auch Apolipoprotein B, kurz ApoB, kann in bestimmten Situationen hilfreich sein. Es bildet die Zahl atherogener Lipoproteinpartikel besser ab als die reine Cholesterinmenge und kann insbesondere bei bestimmten Stoffwechselkonstellationen zusätzliche Informationen liefern.

Das hochsensitive CRP, kurz hsCRP, kann ebenfalls zur Risikoeinschätzung beitragen. Es ist allerdings ein unspezifischer Entzündungsmarker und kann beispielsweise auch bei Infektionen oder anderen entzündlichen Erkrankungen erhöht sein.

Nicht daraus ableiten lässt sich, dass jeder gesunde Mensch routinemäßig ein großes Panel aus ApoB, Lp(a), Homocystein, Vitamin D, Omega-3-Index, Schilddrüsenwerten und weiteren Laborparametern benötigt. Für viele Untersuchungen sollte eine konkrete medizinische Fragestellung bestehen.

Was können Biomarker des biologischen Alters leisten?

Daneben untersucht die Altersforschung Biomarker, die biologische Alterungsprozesse abbilden sollen. Ein internationales Expertenpanel einigte sich 2025 in einem Delphi-Verfahren auf 14 mögliche Biomarker für den Einsatz in wissenschaftlichen Interventionsstudien. Dazu gehörten unter anderem hsCRP, IL-6, GDF-15, Muskelmasse, Muskelkraft, Griffkraft, Gehgeschwindigkeit, Gleichgewicht und epigenetische Uhren. Diese Arbeit ist ein wichtiger Schritt für die Forschung. Sie bedeutet jedoch nicht, dass diese 14 Werte bereits ein klinisch validiertes Longevity-Panel für gesunde Menschen bilden.

Insbesondere epigenetische Uhren können Unterschiede zwischen kalendarischem und biologischem Alter statistisch beschreiben. Wie ein einzelnes Testergebnis bei einer gesunden Person konkret in eine medizinische Therapie übersetzt werden sollte, ist jedoch noch nicht ausreichend geklärt. Mehr über diese Verfahren erfährst Du in unserem Beitrag zum biologischen Alter.

Welche Rolle spielen Funktionstests und Bildgebung?

Nicht nur Blutwerte können Informationen über das Gesundheitsrisiko liefern. Auch körperliche Leistungsfähigkeit und Funktion sind medizinisch relevant.

Griffkraft, Gehgeschwindigkeit und kardiorespiratorische Fitness stehen beispielsweise in Beobachtungsstudien mit Gesundheit und Sterblichkeit in Zusammenhang. Solche Werte können deshalb einen anderen Blick auf den Gesundheitszustand ermöglichen als reine Laborparameter.

Auch bildgebende Verfahren können bei ausgewählten Personen hilfreich sein. Ein Beispiel ist der Koronarkalkscore, bei dem mittels Computertomografie Verkalkungen der Herzkranzgefäße bestimmt werden.

Die europäische Leitlinienaktualisierung von 2025 berücksichtigt einen erhöhten Koronarkalkscore als möglichen Risikomodifikator, insbesondere bei Menschen mit mittlerem Herz-Kreislauf-Risiko oder wenn eine Therapieentscheidung unklar ist.

Das bedeutet nicht, dass jeder beschwerdefreie Mensch vorsorglich ein Herz-CT benötigt. Bildgebung sollte gezielt eingesetzt werden, wenn die zusätzliche Information Konsequenzen für die weitere Behandlung haben kann.

Für die Präventionsmedizin gilt deshalb ein einfaches Prinzip: Nicht die Zahl der gemessenen Werte entscheidet über die Qualität. Entscheidend ist, ob eine Untersuchung für Deine individuelle Situation sinnvoll ist und ob sich aus dem Ergebnis eine medizinisch begründete Konsequenz ergibt.

Wie verändert künstliche Intelligenz die Diagnostik?

Künstliche Intelligenz gehörte 2026 auch auf der GSAAM-Konferenz zu den intensiv diskutierten Themen. Das Spektrum reichte von Digital Health bis zu KI-gestütztem Gesundheitscoaching. Dahinter steht eine Entwicklung, die längst über die Longevity-Medizin hinausgeht: Algorithmen können große Mengen medizinischer Daten analysieren und Ärzte bei bestimmten Aufgaben unterstützen.

Besonders weit entwickelt ist der Einsatz in Bereichen, in denen große Mengen standardisierter Daten entstehen. Dazu gehört beispielsweise die medizinische Bildgebung. KI-Systeme können je nach zugelassener Anwendung Auffälligkeiten in radiologischen, augenärztlichen oder anderen Bilddaten markieren und bei der Auswertung unterstützen.

Auch Laborwerte, elektronische Gesundheitsdaten oder Messwerte aus Wearables können grundsätzlich mit algorithmischen Verfahren analysiert werden. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Kombination möglichst vieler Daten automatisch eine bessere Diagnose ermöglicht. Entscheidend ist, ob ein System für die konkrete medizinische Anwendung ausreichend geprüft wurde und nachweislich einen Nutzen bietet.

Wo liegen die Grenzen von KI in der Präventionsmedizin?

Eine KI kann Muster erkennen, Wahrscheinlichkeiten berechnen oder Ärzte auf Auffälligkeiten hinweisen. Sie kennt aber nicht automatisch die gesamte medizinische Situation eines Menschen und ersetzt keine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung oder ärztliche Einordnung.

Das ist besonders bei kommerziellen Longevity-Anwendungen wichtig. Ein digitaler Gesundheitscoach, der Schlaf, Schritte und Ernährung auswertet, ist etwas anderes als ein medizinisches System, das zur Diagnose einer Erkrankung eingesetzt wird.

In der Europäischen Union gelten für medizinische Software und KI je nach Einsatzgebiet umfangreiche regulatorische Anforderungen. Mit dem europäischen AI Act kommen weitere Vorgaben hinzu. Ob eine Anwendung wissenschaftlich und regulatorisch als medizinisches Produkt geprüft wurde, sollte deshalb klar erkennbar sein.

Vorsicht ist angebracht, wenn ein Anbieter aus Wearable-Daten, einem Bluttest oder einem automatisierten Fragebogen weitreichende Diagnosen ableitet, ohne dass ein Arzt die Ergebnisse überprüft.

Was ist beim Datenschutz zu beachten?

Gesundheitsdaten gehören zu den besonders sensiblen personenbezogenen Informationen. Wenn Du Daten einer Smartwatch, Laborwerte oder medizinische Befunde an eine Plattform übermittelst, solltest Du deshalb nachvollziehen können, wofür sie verwendet werden.

Relevant sind unter anderem der Speicherort, mögliche Weitergaben an andere Unternehmen, die Nutzung für Forschungs- oder Trainingszwecke und die Möglichkeit, Deine Daten wieder löschen zu lassen.

Technische Innovation allein ist deshalb noch kein Qualitätsmerkmal. Gute digitale Präventionsmedizin verbindet validierte Technik mit medizinischer Verantwortung und transparentem Umgang mit Gesundheitsdaten.

Was ist bei personalisierter Hormontherapie zu beachten? KI-generiertes Bild

Was ist bei personalisierter Hormontherapie zu beachten?

Hormone waren ebenfalls ein wichtiger Themenbereich der GSAAM-Konferenz 2026. Dazu gehörten Wechseljahre, Testosteron und verschiedene Aspekte der hormonellen Diagnostik. Bei der Einordnung ist jedoch wichtig, etablierte Hormontherapien nicht mit allgemeinen Anti-Aging-Behandlungen gleichzusetzen.

Wann kann eine Hormontherapie in den Wechseljahren sinnvoll sein?

Die moderne Menopausenmedizin bewertet eine Hormontherapie differenzierter als noch vor einigen Jahrzehnten. Für Frauen mit belastenden Wechseljahresbeschwerden kann eine individuell ausgewählte menopausale Hormontherapie eine wirksame Behandlung sein.

Nutzen und Risiken hängen unter anderem von Alter, Zeitpunkt seit der Menopause, Beschwerden, verwendeten Hormonen, Dosierung, Applikationsweg und persönlichen Risikofaktoren ab.

Aktuelle europäische Leitlinien unterstützen eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hormone grundsätzlich zur Vorbeugung des Alterns oder zur Verlängerung der Lebensspanne eingesetzt werden sollten.

Auch der Begriff „bioidentisch“ braucht eine klare Einordnung. Zugelassene Präparate können körperidentisches Estradiol oder mikronisiertes Progesteron enthalten. Davon zu unterscheiden sind individuell hergestellte Hormonmischungen, die unter dem Begriff bioidentische Hormontherapie vermarktet werden.

Für solche nicht regulär zugelassenen Mischungen fehlen teilweise ausreichende Daten zu Dosierungsgenauigkeit, Wirksamkeit und Sicherheit. Wenn geeignete zugelassene Präparate verfügbar sind, geben aktuelle europäische Empfehlungen diesen deshalb grundsätzlich den Vorzug.

Mehr über die Unterschiede erfährst Du in unserem Beitrag zu bioidentischen Hormonen.

Wann ist eine Testosterontherapie beim Mann sinnvoll?

Auch Testosteron sollte nicht allein deshalb ersetzt werden, weil ein Mann älter wird. Die europäische urologische Leitlinie empfiehlt eine Testosterontherapie bei einem diagnostizierten Hypogonadismus. Dafür müssen typische Beschwerden mit entsprechend niedrigen Testosteronwerten zusammenpassen. Ein einzelner niedriger Laborwert ohne passende Symptome reicht nicht aus. Die aktuelle Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, Männer mit normalen Testosteronwerten mit Testosteron zu behandeln. Vor und während einer Behandlung sind außerdem mögliche Gegenanzeigen und Verlaufskontrollen zu beachten. Testosteron ist damit eine Therapie eines medizinisch festgestellten Hormonmangels und kein allgemein empfohlenes Longevity-Medikament.

Wie bedeutsam sind Mikronährstoffe in der Präventionsmedizin?

Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind für zahlreiche Körperfunktionen unverzichtbar. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder gesunde Mensch möglichst viele Mikronährstoffe im Blut bestimmen und anschließend supplementieren sollte.

Welche Laborwerte sinnvoll sind, hängt von Beschwerden, Ernährung, Erkrankungen, Medikamenten und individuellen Risikofaktoren ab.

Ein gutes Beispiel ist Vitamin D. Die Endocrine Society empfiehlt bei gesunden Erwachsenen ohne besondere medizinische Gründe kein routinemäßiges Vitamin-D-Screening. Auch eine regelmäßige Messung allein mit dem Ziel, einen vermeintlich optimalen Longevity-Wert zu erreichen, ist nicht evidenzbasiert.

Bei Vitamin B12 oder Eisen können Untersuchungen dagegen bei bestimmten Symptomen, Ernährungsformen, Erkrankungen oder Risikokonstellationen sinnvoll sein.

Auch Magnesium und der Omega-3-Index gehören nicht automatisch in ein allgemeines Präventionspanel für jeden gesunden Menschen. Besonders beim Magnesium muss zudem berücksichtigt werden, dass der Serumwert die gesamten Magnesiumspeicher des Körpers nur eingeschränkt abbildet.

Der sinnvolle Grundsatz lautet deshalb nicht „möglichst viel messen“, sondern gezielt untersuchen, wenn das Ergebnis für eine medizinische Entscheidung relevant ist.

Nachgewiesene Mangelzustände sollten angemessen behandelt werden. Eine hoch dosierte Einnahme ohne medizinischen Grund bietet dagegen nicht automatisch einen gesundheitlichen Vorteil und kann bei einzelnen Nährstoffen auch Risiken verursachen.

Woran erkennt man seriöse Präventionsmedizin?

Seriöse Präventionsmedizin erkennt man nicht an möglichst vielen Tests, sondern daran, ob Untersuchungen und Behandlungen medizinisch sinnvoll begründet sind. Diagnosen, Arzneimitteltherapien und invasive Verfahren gehören in ärztliche Hände. Zusatzqualifikationen können hilfreich sein, ersetzen aber keine reguläre Fachkompetenz.

Ein gutes Vorgehen beginnt mit Krankengeschichte, familiären Risiken, Medikamenten, Lebensstil und vorhandenen Befunden. Erst danach sollte entschieden werden, welche weiteren Untersuchungen wirklich sinnvoll sind. Vorsicht ist angebracht, wenn schon vor dem ersten Gespräch feste Infusionspakete, umfangreiche Laborpanels oder Hormonprogramme verkauft werden.

Ebenso wichtig ist ein ehrlicher Umgang mit der Datenlage. Aussagen wie garantierte Verjüngung, Umkehr des biologischen Alters oder sichere Lebensverlängerung sind wissenschaftlich nicht belegt. Bei Selbstzahlerleistungen sollten Kosten, Nutzen und mögliche Konsequenzen eines Ergebnisses klar erklärt werden.

Ein sinnvoller Einstieg beginnt meist mit etablierten Vorsorgeangeboten und der Behandlung bekannter Risikofaktoren. Bewegung, ausgewogene Ernährung, Nichtrauchen sowie die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und anderen relevanten Gesundheitswerten bleiben die wichtigsten Grundlagen. Zusätzliche Longevity-Diagnostik kann diese Maßnahmen ergänzen, sollte sie aber nicht ersetzen.

Mehr zu verwandten Themen liest Du in unseren Beiträgen zu Longevity.

Häufige Fragen zur Präventionsmedizin

Was macht ein Präventionsmediziner?
Was ist der Unterschied zur regulären Vorsorge?
Welche Fachgesellschaften gibt es?
Was bedeutet Healthspan?
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Woran erkennt man unseriöse Angebote?

Quellen

GSAAM e.V. 26. Konferenz der GSAAM e.V.: Anti-Aging und Präventionsmedizin, State of the Art 2026. Frankfurt am Main, 11.–13. Juni 2026. Konferenzprogramm. Abgerufen am 2. September 2026.

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Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention: Medizinische Prävention. Abgerufen am 2. September 2026.

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