Wearables sind kleine elektronische Geräte, die am Handgelenk, am Finger oder direkt auf der Haut getragen werden. Sie erfassen im Alltag verschiedene Gesundheits- und Aktivitätsdaten, darunter Ruhepuls, Schlafdauer, Schrittzahl und Sauerstoffsättigung. Dadurch lassen sich Entwicklungen über längere Zeiträume beobachten, die bei einer einzelnen Untersuchung in der Arztpraxis möglicherweise nicht auffallen.
Allerdings sind nicht alle angezeigten Werte mit medizinischen Messungen vergleichbar. Viele Angaben werden aus Sensorsignalen mithilfe von Algorithmen berechnet, deren genaue Funktionsweise die Hersteller häufig nicht vollständig offenlegen. Auch scheinbar präzise Zahlen können deshalb mit erheblichen Messunsicherheiten verbunden sein. Hier erfährst Du, welche Daten von Wearables aussagekräftig sind, wo ihre Grenzen liegen und wann eine ärztliche Untersuchung sinnvoll ist.
Das Wichtigste in Kürze
Wearables erfassen unter anderem Herzfrequenz, Bewegung, Schlafverhalten und Hauttemperatur. Einige Werte werden direkt gemessen, andere mithilfe von Algorithmen geschätzt.
Besonders hilfreich sind Veränderungen der persönlichen Werte über mehrere Wochen. Einzelne auffällige Messungen haben dagegen oft nur eine begrenzte Aussagekraft.
Die Genauigkeit hängt vom Sensor, den Messbedingungen und der jeweiligen Messgröße ab. Besonders Schlafphasen, Kalorienverbrauch und Erholungswerte sind häufig ungenau.
Wearables können gesunde Gewohnheiten unterstützen und auf mögliche gesundheitliche Veränderungen hinweisen. Sie ersetzen jedoch keine ärztliche Diagnostik, und der Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten erfordert besondere Vorsicht.
Wie messen Wearables Gesundheitsdaten?
Die meisten Wearables verwenden verschiedene Sensoren, um körperliche Veränderungen und Bewegungen zu erfassen. Besonders verbreitet sind optische Pulssensoren und Beschleunigungssensoren. Je nach Gerät kommen weitere Messverfahren hinzu, etwa zur Erfassung der Hauttemperatur oder der elektrischen Herzaktivität.
Optische Pulsmessung und Bewegungssensoren
Bei der optischen Pulsmessung wird die sogenannte Photoplethysmografie eingesetzt. Dabei sendet eine Leuchtdiode Licht in die Haut, während ein Sensor das zurückgeworfene Licht erfasst. Aus den Veränderungen des Lichtsignals, die durch den pulsierenden Blutfluss entstehen, wird die Herzfrequenz berechnet.
Beschleunigungssensoren messen dagegen Bewegungen und Lageveränderungen des Geräts. Daraus lassen sich beispielsweise Schritte und Aktivitätsmuster ableiten. Manche Wearables besitzen zusätzlich Sensoren für die Hauttemperatur, die elektrische Leitfähigkeit der Haut oder Elektroden zur Aufzeichnung eines einfachen Elektrokardiogramms (EKG), das die elektrische Aktivität des Herzens darstellt.
Wie entstehen Schlaf- und Erholungswerte?
Viele Angaben auf dem Display beruhen nicht auf direkten Messungen, sondern auf Berechnungen. So werden Schlafphasen beispielsweise anhand von Bewegungen, Herzfrequenz und weiteren Sensorsignalen geschätzt. Auch Erholungswerte kombinieren häufig mehrere Messgrößen zu einem gemeinsamen Punktwert.
Für solche Bewertungen existiert keine einheitliche medizinische Definition. Deshalb können zwei Geräte bei derselben Person deutlich unterschiedliche Ergebnisse anzeigen. Sinnvoller als der Vergleich verschiedener Systeme ist es häufig, die eigenen Werte über mehrere Wochen unter möglichst ähnlichen Bedingungen zu beobachten.
Welche Wearable-Daten sind wirklich aussagekräftig?
Nicht alle Messgrößen eines Wearables sind gleich zuverlässig. Manche lassen sich unter günstigen Bedingungen relativ genau erfassen, während andere auf umfangreichen Schätzungen beruhen. Für die gesundheitliche Einordnung sind deshalb sowohl die Messmethode als auch die Entwicklung der Werte über einen längeren Zeitraum wichtig.
Ruhepuls und Herzfrequenzvariabilität
Die Herzfrequenz in Ruhe gehört zu den vergleichsweise zuverlässig erfassbaren Werten. Sie beschreibt, wie oft das Herz pro Minute schlägt, während sich der Körper in einem entspannten Zustand befindet. Veränderungen können beispielsweise durch Training, Infekte, Alkohol, Schlafmangel oder Medikamente entstehen.
Liegt Dein nächtlicher Ruhepuls über mehrere Tage deutlich über dem gewohnten Bereich, kann das auf eine körperliche Belastung hinweisen. Der Wert allein zeigt jedoch nicht, wodurch die Veränderung verursacht wird. Auch normale biologische Schwankungen müssen bei der Beurteilung berücksichtigt werden.
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) beschreibt die natürlichen zeitlichen Unterschiede zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen. Sie wird durch das vegetative Nervensystem beeinflusst, das unter anderem Herzschlag, Atmung und Verdauung automatisch reguliert. Veränderungen können mit Erholung, körperlicher Belastung oder Stress zusammenhängen, lassen sich jedoch nicht eindeutig einer bestimmten Ursache zuordnen.
Die HRV hängt außerdem von Alter, Geschlecht, Atmung, Messzeitpunkt und dem verwendeten Berechnungsverfahren ab. Ein hoher Wert bedeutet deshalb nicht automatisch gute Erholung, ebenso wenig beweist ein niedriger Wert eine Überlastung. Häufig ist die persönliche Entwicklung über zwei bis vier Wochen aussagekräftiger als der Vergleich mit anderen Menschen.
Schrittzahl und körperliche Aktivität
Schrittzahl und Bewegungsdauer gehören zu den praktisch nützlichsten Angaben von Wearables. Sie ermöglichen es, das persönliche Aktivitätsverhalten über längere Zeiträume zu verfolgen. Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitige Sterblichkeit verbunden ist.
Besonders Menschen, die sich bisher wenig bewegen, können bereits von einer moderaten Steigerung ihrer täglichen Aktivität profitieren. Die Schrittzahl ist allerdings ebenfalls eine Schätzung und kann je nach Bewegungsart und Gerät abweichen. Für die Gesundheitsvorsorge ist deshalb vor allem die längerfristige Entwicklung hilfreich.
Trainingsbelastung und Kalorienverbrauch
Viele Wearables zeigen an, wie lange Du in bestimmten Herzfrequenzbereichen trainiert hast. Diese Belastungszonen werden aus der gemessenen Herzfrequenz und hinterlegten Angaben berechnet. Sie können beim Training helfen, bilden die tatsächliche körperliche Belastung aber nicht immer genau ab.
Deutlich ungenauer sind häufig die Angaben zum Kalorienverbrauch. Dafür kombinieren Wearables unter anderem Bewegung, Herzfrequenz, Körpergewicht und weitere persönliche Daten. Untersuchungen zeigen teilweise Abweichungen von mehreren Hundert Kilokalorien pro Tag, weshalb diese Werte keine zuverlässige Grundlage für eine genaue Ernährungsplanung darstellen.
Sauerstoffsättigung und Hauttemperatur
Die Sauerstoffsättigung beschreibt, wie viel Prozent des Hämoglobins im Blut mit Sauerstoff beladen sind. Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff, der Sauerstoff im Körper transportiert. Wearables schätzen die Sauerstoffsättigung mithilfe optischer Sensoren, deren Ergebnisse unter anderem durch Bewegung, Durchblutung, Hautpigmentierung und den Sitz des Geräts beeinflusst werden können.
Die Hauttemperatur wird dagegen über Temperatursensoren erfasst und hängt zusätzlich stark von der Umgebung und der Messstelle ab. Veränderungen können beispielsweise bei Infekten oder im Verlauf des Menstruationszyklus auftreten. Einzelne auffällige Werte erlauben jedoch weder eine zuverlässige Krankheitsdiagnose noch eine sichere Beurteilung der Lungen- oder Kreislauffunktion.
Was verraten Wearables über die Schlafqualität?
Wearables können helfen, Schlafgewohnheiten und Veränderungen über längere Zeiträume zu beobachten. Besonders nützlich sind Angaben zu regelmäßigen Schlafenszeiten, geschätzter Schlafdauer und nächtlichen Veränderungen der Herzfrequenz. Allerdings sind auch diese Werte mit Messunsicherheiten verbunden und ersetzen keine medizinische Schlafuntersuchung.
Schlafdauer und Schlafregelmäßigkeit
Regelmäßige Einschlaf- und Aufstehzeiten sind mit einer besseren langfristigen Gesundheit verbunden. Studien zeigen außerdem Zusammenhänge zwischen unregelmäßigem Schlaf und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko. Neben der Regelmäßigkeit bleibt eine ausreichende Schlafdauer wichtig.
Ein Wearable kann dabei helfen, die ungefähre Schlafdauer über mehrere Wochen zu beobachten. Einzelne Nächte mit ungewöhnlich kurzen oder langen Schlafzeiten fallen dadurch weniger stark ins Gewicht. Allerdings erkennen die Geräte nicht immer zuverlässig, ob Du tatsächlich schläfst oder lediglich ruhig im Bett liegst.
Auch der nächtliche Ruhepuls kann zusätzliche Hinweise liefern. Nach Alkohol, spätem Essen oder intensivem Training am Abend ist die Herzfrequenz nachts bei manchen Menschen erhöht. Ein niedriger Puls beweist jedoch keine gute Schlafqualität, da zahlreiche weitere Faktoren die nächtliche Herzfrequenz beeinflussen.
Wie zuverlässig sind die angezeigten Schlafphasen?
Die Einteilung in Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf wird von Wearables nur geschätzt. REM-Schlaf bezeichnet eine Schlafphase mit schnellen Augenbewegungen, in der besonders häufig intensiv geträumt wird. Da Alltagsgeräte keine vollständige Messung der Gehirnaktivität durchführen, können sie diese Phasen weniger zuverlässig unterscheiden als medizinische Untersuchungen.
Auch die angezeigte Tiefschlafdauer kann deshalb deutlich vom tatsächlichen Wert abweichen. Ein niedriger Tiefschlafanteil in einer einzelnen Nacht ist kein Grund zur Sorge. Wichtiger ist, wie erholt Du Dich tagsüber fühlst und ob über längere Zeit Schlafprobleme bestehen.
Anhaltende Tagesmüdigkeit, lautes Schnarchen mit beobachteten Atemaussetzern oder regelmäßige morgendliche Kopfschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden. Dahinter kann beispielsweise eine Schlafapnoe stecken, bei der die Atmung während des Schlafs wiederholt aussetzt oder eingeschränkt ist.
Wie genau messen Wearables im Vergleich zu medizinischen Geräten?
Die Genauigkeit von Wearables unterscheidet sich je nach Sensor, Körperstelle und Messbedingungen. Bei der Herzfrequenz in Ruhe liefern viele Geräte Ergebnisse, die vergleichsweise nahe an den Werten eines Brustgurts oder EKGs liegen. Während körperlicher Aktivität können dagegen größere Abweichungen entstehen.
Besonders schnelle oder ruckartige Bewegungen beim Krafttraining und bei Intervallen können optische Sensoren stören. Auch Tätowierungen an der Messstelle, ein lockerer Sitz, geringe Hautdurchblutung und die Hautpigmentierung können die Messqualität beeinflussen. Wie stark diese Faktoren wirken, hängt vom jeweiligen Gerät und Messverfahren ab.
Wie unterscheiden sich Wearables von Untersuchungen im Schlaflabor?
Im Schlaflabor wird eine Polysomnografie durchgeführt, bei der unter anderem Gehirnaktivität, Augenbewegungen, Muskelspannung, Atmung und Herzaktivität gemessen werden. Dieses Verfahren gilt als medizinischer Referenzstandard zur Untersuchung verschiedener Schlafstörungen. Wearables erfassen dagegen nur einen Teil dieser Signale und berechnen daraus geschätzte Schlafwerte.
Deshalb können sowohl die Gesamtschlafzeit als auch einzelne Schlafphasen von den tatsächlichen Werten abweichen. Besonders Wachphasen im Bett werden häufig nicht zuverlässig erkannt. Bei anhaltenden Schlafproblemen oder dem Verdacht auf eine schlafbezogene Atmungsstörung ist deshalb eine ärztliche Untersuchung notwendig.
Können Wearables Herzrhythmusstörungen erkennen?
Einige Wearables besitzen Funktionen, die Hinweise auf Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern liefern können. Dabei handelt es sich um eine Störung, bei der die Herzvorhöfe unregelmäßig aktiviert werden und häufig ein unregelmäßiger Puls entsteht. Manche Geräte erkennen auffällige Pulsmuster optisch, während andere ein einfaches EKG aufzeichnen können.
Medizinische Funktionen dieser Art können in Europa als Medizinprodukt zertifiziert sein und müssen entsprechende regulatorische Anforderungen erfüllen. Trotzdem bedeutet eine Warnmeldung nicht automatisch, dass tatsächlich eine Herzrhythmusstörung vorliegt. Auffällige Hinweise sollten durch Ärzte und Ärztinnen beurteilt und gegebenenfalls mit einem medizinischen EKG überprüft werden.
Umgekehrt schließt eine unauffällige Anzeige eine Herzrhythmusstörung nicht sicher aus. Manche Rhythmusstörungen treten nur zeitweise auf und werden deshalb nicht bei jeder Messung erfasst. Bei wiederholten Warnmeldungen oder Beschwerden wie Herzrasen, Schwindel und Ohnmachtsgefühl ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Wann sind Wearable-Daten für die Gesundheit hilfreich?
Wearable-Daten sind besonders dann nützlich, wenn sich daraus konkrete Veränderungen im Alltag ableiten lassen. Wer beispielsweise weniger Alkohol trinkt, regelmäßiger schläft oder mit Ausdauertraining beginnt, kann mögliche Auswirkungen auf Ruhepuls, Herzfrequenzvariabilität und Aktivitätsverhalten beobachten. Solche Entwicklungen werden häufig erst über mehrere Tage oder Wochen sichtbar.
Bei regelmäßigem Ausdauertraining kann beispielsweise der Ruhepuls langfristig sinken. Eine feste Schlafenszeit lässt sich anhand der dokumentierten Schlafzeiten überprüfen. Das Wearable dient dabei als Rückmeldung zum eigenen Verhalten, ohne dass jede Veränderung automatisch medizinisch bedeutsam ist.
Wann kann das Tracking zur Belastung werden?
Eine ständige Kontrolle der Gesundheitswerte kann auch Nachteile haben. Manche Menschen entwickeln Sorgen wegen normaler Schwankungen oder schlafen schlechter, weil sie morgens einen schlechten Schlafwert erwarten. Besonders zusammengesetzte Erholungswerte können verunsichern, obwohl sie keine eindeutige medizinische Aussage erlauben.
Wenn Du bemerkst, dass die angezeigten Zahlen Deine Stimmung oder Dein Verhalten zunehmend negativ beeinflussen, kann eine Pause vom Tracking sinnvoll sein. Auch eine seltenere Auswertung kann helfen, den Blick stärker auf das tatsächliche Wohlbefinden zu richten. Die Daten sollten den Alltag unterstützen und nicht zu einer zusätzlichen Belastung werden.
Wann ist eine ärztliche Untersuchung notwendig?
Wiederholte Hinweise auf einen unregelmäßigen Herzschlag, ein über längere Zeit ungewöhnlich erhöhter Ruhepuls oder auffällige nächtliche Sauerstoffwerte mit ausgeprägter Tagesmüdigkeit sollten medizinisch abgeklärt werden. Solche Veränderungen können unterschiedliche Ursachen haben und lassen sich anhand der Wearable-Daten allein nicht zuverlässig beurteilen. Die Geräte liefern Hinweise, ersetzen aber keine gesicherte Diagnose.
Bei akuten starken Brustschmerzen, schwerer Atemnot oder Bewusstlosigkeit muss sofort der Rettungsdienst verständigt werden. Solche Beschwerden können auf einen medizinischen Notfall hinweisen, unabhängig davon, welche Werte das Wearable anzeigt. Auch bei unauffälligen Messwerten dürfen ernsthafte Beschwerden deshalb nicht ignoriert werden.
Wie können Wearables gesundes Altern unterstützen?
In der Präventionsmedizin geht es nicht nur um den aktuellen Gesundheitszustand, sondern auch um langfristige Veränderungen. Wearables können dabei helfen, Entwicklungen sichtbar zu machen, die zwischen zwei Vorsorgeuntersuchungen möglicherweise unbemerkt bleiben. Dazu gehören beispielsweise ein über längere Zeit steigender Ruhepuls, eine abnehmende Alltagsaktivität oder zunehmend unregelmäßige Schlafzeiten.
Allerdings gibt es bislang keine ausreichenden wissenschaftlichen Nachweise dafür, dass das Tragen eines Wearables allein die Lebenserwartung verlängert oder Erkrankungen verhindert. Studien zeigen, dass Aktivitätstracker die tägliche Bewegung steigern können, besonders in Verbindung mit konkreten Zielen und persönlicher Begleitung. Wie lange diese Verbesserungen anhalten, hängt unter anderem von der Nutzung und den begleitenden Maßnahmen ab.
Der mögliche gesundheitliche Nutzen entsteht vor allem durch Verhaltensänderungen, die das Gerät unterstützt. Manche Anwendungen berechnen außerdem ein geschätztes biologisches Alter oder Fitnessalter anhand verschiedener Körper- und Aktivitätsdaten. Solche Werte beruhen auf Modellrechnungen und sind zwischen den Geräten nicht einheitlich definiert, weshalb sie keine medizinische Diagnose ermöglichen.
Wie ergänzen Wearables die ärztliche Vorsorge?
Wearables für den Alltag und medizinische Messgeräte unterscheiden sich vor allem durch ihre vorgesehene Verwendung. Ein Fitnessarmband, das Schritte zählt und den Puls zur allgemeinen Aktivitätsbeobachtung anzeigt, ist normalerweise kein Medizinprodukt. Soll ein Gerät dagegen beispielsweise Erkrankungen erkennen oder überwachen, kann es aufgrund seiner medizinischen Zweckbestimmung unter die europäische Medizinprodukteverordnung fallen.
Solche Geräte müssen abhängig von ihrer Risikoklasse bestimmte Anforderungen erfüllen und ein entsprechendes Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen. In der medizinischen Versorgung werden digitale Messsysteme bereits zur Überwachung von Patienten und Patientinnen eingesetzt, etwa bei Herzrhythmusstörungen oder im Rahmen einer Fernbetreuung. Dabei werden Messwerte gezielt erfasst und für die ärztliche Behandlung ausgewertet.
Was unterscheidet Alltagsdaten von medizinischen Untersuchungen?
Medizinische Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren liefern gezielte Informationen über bestimmte Körperfunktionen oder Erkrankungen. Wearables erfassen dagegen über längere Zeiträume verschiedene Signale, deren Genauigkeit von der verwendeten Technik abhängt. Beide Ansätze können sich ergänzen, ersetzen sich jedoch nicht gegenseitig.
Für einen Arzttermin sind übersichtliche Verläufe über mehrere Wochen meist hilfreicher als einzelne Screenshots. Sinnvoll sind außerdem Angaben zum verwendeten Gerät, zur Messstelle und zu den beobachteten Beschwerden. Ärzte und Ärztinnen können dadurch besser beurteilen, ob zusätzliche Untersuchungen erforderlich sind.
Welche medizinischen Anwendungen werden von Krankenkassen übernommen?
In bestimmten Bereichen gehören digitale Messverfahren bereits zur medizinischen Versorgung. Dazu zählen die Überwachung von Herzrhythmusstörungen, die Blutdruckmessung mit validierten Geräten und die kontinuierliche Glukosemessung. Dabei wird der Glukosegehalt im Gewebe mithilfe eines Sensors regelmäßig erfasst, um die Behandlung von Diabetes zu unterstützen.
In Deutschland kann die gesetzliche Krankenversicherung eine kontinuierliche Glukosemessung bei insulinpflichtigem Diabetes unter bestimmten medizinischen Voraussetzungen übernehmen. Auch in Österreich und der Schweiz ist eine Kostenübernahme bei Diabetes möglich, sofern die jeweiligen Bedingungen der Krankenversicherung erfüllt sind. Für gewöhnliche Fitnessarmbänder und andere Alltagsgeräte ohne medizinische Zweckbestimmung besteht dagegen normalerweise kein regulärer Leistungsanspruch, wobei einzelne Versicherungen freiwillige Zuschüsse anbieten können.
Eine weitere Möglichkeit sind digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA, die in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen ärztlich verordnet werden können. Dabei handelt es sich um geprüfte digitale Medizinprodukte, die beispielsweise die Behandlung von Erkrankungen unterstützen. In Österreich und der Schweiz bestehen andere Regelungen für die Erstattung digitaler Gesundheitsangebote.
Worauf sollte man bei der Nutzung von Wearables achten?
Bei der Auswahl und Nutzung eines Wearables ist es sinnvoll, zunächst ein konkretes Ziel festzulegen. Wer seine Schlafgewohnheiten verbessern möchte, benötigt andere Informationen als jemand, der seine körperliche Aktivität steigern will. Häufig ist es hilfreicher, wenige passende Werte regelmäßig zu beobachten, statt möglichst viele Daten gleichzeitig auszuwerten.
Wie lassen sich Wearables sicher verwenden?
Neben der Messgenauigkeit sollte auch die Datensicherheit berücksichtigt werden. Empfehlenswert sind regelmäßige Softwareupdates, sichere und einzigartige Passwörter sowie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, bei der zusätzlich zum Passwort ein zweiter Nachweis zur Anmeldung erforderlich ist. Außerdem sollten Freigaben für Standortdaten und soziale Netzwerke möglichst sparsam verwendet werden.
Viele Anwendungen ermöglichen es, öffentliche Ranglisten und die Weitergabe von Trainingsstrecken zu deaktivieren. Das kann sinnvoll sein, weil sich aus regelmäßig aufgezeichneten Laufstrecken unter Umständen der Wohnort oder der Tagesablauf ableiten lässt. Auch die Datenschutzeinstellungen sollten regelmäßig überprüft werden.
Wie werden Messwerte richtig verglichen?
Für möglichst vergleichbare Ergebnisse sollte das Wearable regelmäßig an derselben Körperstelle und entsprechend den Herstellerangaben getragen werden. Auch ähnliche Messbedingungen und Tageszeiten erleichtern die Beurteilung langfristiger Veränderungen. Bei einem Wechsel zu einem anderen Gerät sind die bisherigen Werte nicht immer direkt vergleichbar, weil Sensoren und Berechnungsverfahren voneinander abweichen können.
Zudem ist es sinnvoll, bewusst festzulegen, wie häufig die Daten ausgewertet werden. Für allgemeine Fragen zu Bewegung und Schlaf kann eine wöchentliche Betrachtung ausreichend sein. Bei einer medizinischen Überwachung gelten dagegen die ärztlich vereinbarten Mess- und Kontrollintervalle.
Wie werden Gesundheitsdaten von Wearables geschützt?
Wearables erfassen teilweise sehr persönliche Informationen, etwa über Herzfrequenz, Schlafverhalten, Bewegung und Menstruationszyklus. Soweit diese Angaben Informationen über den Gesundheitszustand einer Person enthalten oder erkennen lassen, gelten sie nach Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) als besonders geschützte Gesundheitsdaten. Ihre Verarbeitung ist nur unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen erlaubt, beispielsweise aufgrund einer ausdrücklichen Einwilligung.
Nicht jede einzelne Schrittzahl oder Standortinformation ist automatisch ein Gesundheitsdatum. Allerdings können auch solche Angaben in Verbindung mit anderen Informationen Rückschlüsse auf die Gesundheit ermöglichen. In der Schweiz gelten für besonders schützenswerte Personendaten vergleichbare Schutzvorschriften nach dem revidierten Datenschutzgesetz.
Welche Rechte bestehen bei der Nutzung von Gesundheits-Apps?
Viele Wearable-Anwendungen speichern oder verarbeiten Daten auf externen Servern, teilweise auch außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums. Über solche Verarbeitungen und internationale Datenübermittlungen müssen Anbieter entsprechend den geltenden Datenschutzvorschriften informieren. Nutzer und Nutzerinnen sollten deshalb prüfen, wo ihre Daten verarbeitet werden und an wen sie weitergegeben werden können.
Nach der DSGVO bestehen unter bestimmten Voraussetzungen Rechte auf Auskunft, Berichtigung, Löschung und Datenübertragbarkeit. Eine erteilte Einwilligung kann grundsätzlich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden. Allerdings gelten für einzelne Rechte gesetzliche Ausnahmen, sodass beispielsweise nicht jede gespeicherte Information automatisch gelöscht werden muss.
Besondere Vorsicht ist bei der Weitergabe an Werbepartner, Versicherungen oder Arbeitgeber angebracht. Vor einer Zustimmung sollte geprüft werden, welche Daten übermittelt werden, zu welchem Zweck sie verwendet werden und ob einzelne Freigaben getrennt gesteuert werden können. Einmal weitergegebene Informationen lassen sich in der Praxis nicht immer vollständig zurückholen.
Quellen
Ferguson T. et al.: Effectiveness of wearable activity trackers to increase physical activity and improve health: A systematic review of systematic reviews and meta-analyses. The Lancet Digital Health, 2022.https://doi.org/10.1016/S2589-7500(22)00111-X
Weltgesundheitsorganisation (WHO): WHO Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour, 2020.https://www.who.int/publications/i/item/9789240015128
Europäische Union: Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte.https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2017/745/oj
Europäische Kommission: Informationen zur europäischen Medizinprodukteverordnung und ihren Anforderungen.https://health.ec.europa.eu/medical-devices-sector_de
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Kontinuierliche interstitielle Glukosemessung mit Real-Time-Messgeräten bei insulinpflichtigem Diabetes mellitus, Beschluss vom 16. Juni 2016.https://www.g-ba.de/beschluesse/2623/
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Verzeichnis digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA).https://diga.bfarm.de/de
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK): Leitlinien und Empfehlungen zur digitalen Kardiologie und Diagnostik von Herzrhythmusstörungen.https://leitlinien.dgk.org/
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Schlafstörungen.https://www.dgsm.de/
Europäische Union: Verordnung (EU) 2016/679, Datenschutz-Grundverordnung, insbesondere Artikel 9, 17 und 20.https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2016/679/oj
Europäischer Datenschutzausschuss (EDSA): Informationen zu Datenschutzrechten und Verarbeitung personenbezogener Daten.https://www.edpb.europa.eu/
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Informationen zur Sicherheit von Wearables und vernetzten Geräten.https://www.bsi.bund.de/
Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter (EDÖB): Informationen zum schweizerischen Datenschutzgesetz und zum Schutz besonders schützenswerter Personendaten.https://www.edoeb.admin.ch/
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