Die Sekretom-Therapie verspricht Hautregeneration und Haarwachstum, ist in der EU jedoch nicht als Arzneimittel zugelassen.
Inhaltsverzeichnis
- Was versteht man unter dem Sekretom?
- Wie unterscheidet sich Secretome von Exosomen?
- Wie werden Secretome-Präparate hergestellt?
- Wie läuft eine Secretome-Behandlung ab?
- Welche Effekte werden für Secretome untersucht?
- Was zeigt die bisherige Studienlage?
- Welchen Zulassungsstatus hat Secretome in der EU?
- Welche Risiken und Nebenwirkungen sind möglich?
- Warum passt Secretome zur regenerativen Ästhetik?
- Welche Alternativen sind besser untersucht?
- Was kostet eine Secretome-Behandlung?
- Häufige Fragen zu Secretome
In der regenerativen Ästhetik taucht seit einiger Zeit ein neuer Begriff auf: Secretome, auf Deutsch Sekretom. Gemeint ist ein Gemisch verschiedener Signalstoffe, die Zellen an ihre Umgebung abgeben. Für ästhetische Anwendungen wird vor allem das Sekretom mesenchymaler Stromazellen untersucht. Es soll unter anderem die Hautregeneration unterstützen und könnte auch bei Haarausfall eine Rolle spielen. Nach dem Interesse an Exosomen wird Secretome häufig als umfassenderer Ansatz beschrieben. Denn neben extrazellulären Vesikeln enthält es auch Proteine, Wachstumsfaktoren und weitere Botenstoffe. Die Forschung dazu wächst und erste klinische Untersuchungen gibt es bereits. Noch ist das Verfahren allerdings jung und nicht einheitlich standardisiert. Was genau hinter Secretome steckt, wie eine Behandlung abläuft und was die bisherigen Studien zeigen, erfährst Du hier.
Auf einen Blick:
- Das Sekretom enthält verschiedene Signalstoffe wie Wachstumsfaktoren, Zytokine, Proteine und extrazelluläre Vesikel.
- Untersucht wird Secretome unter anderem für Hautregeneration, Wundheilung und Haarausfall.
- Erste Studien am Menschen zeigen interessante Ansätze, größere und langfristige Untersuchungen fehlen aber noch.
- Herstellung, Zusammensetzung und Anwendung unterscheiden sich zwischen den Präparaten, deshalb sind Ergebnisse nicht immer direkt vergleichbar.
Was versteht man unter dem Sekretom?
Der Begriff Sekretom beschreibt die Gesamtheit der Stoffe, die eine Zelle an ihre Umgebung abgibt. In der regenerativen Medizin wird besonders das Sekretom mesenchymaler Stromazellen untersucht. Diese Zellen können beispielsweise aus Fettgewebe, Knochenmark oder Nabelschnurgewebe gewonnen werden. Werden sie im Labor kultiviert, geben sie verschiedene biologisch aktive Stoffe in ihre Umgebung ab. Dazu gehören Wachstumsfaktoren, Zytokine, Proteine, Lipide, regulatorische RNA und extrazelluläre Vesikel.
Diese Stoffe dienen der Kommunikation zwischen Zellen und können Prozesse beeinflussen, die an Wundheilung, Entzündungsregulation, Gefäßneubildung und Gewebereparatur beteiligt sind. In der Forschung geht man davon aus, dass ein Teil der regenerativen Effekte mesenchymaler Stromazellen über genau solche Signale vermittelt wird. Für die ästhetische Medizin ist deshalb die Frage interessant, ob sich diese Botenstoffe auch gezielt für Haut und Haare nutzen lassen.
Eine Secretome-Behandlung ist dabei keine Stammzelltherapie. Es werden keine lebenden Stammzellen übertragen, sondern Bestandteile beziehungsweise aufbereitete Kulturmedien, die von den Zellen abgegebene Stoffe enthalten.
Wie unterscheidet sich Secretome von Exosomen?
Exosomen sind kleine Membranbläschen, die Zellen zur Kommunikation freisetzen. Sie transportieren unter anderem Proteine, Lipide und genetische Informationen zwischen Zellen. Das Sekretom ist breiter gefasst. Es enthält neben solchen extrazellulären Vesikeln auch frei gelöste Wachstumsfaktoren, Proteine, Zytokine und weitere Botenstoffe. Secretome wird deshalb teilweise als umfassenderer Ansatz als reine Exosomenpräparate beschrieben. Ob die größere Zahl unterschiedlicher Bestandteile auch zu einer stärkeren Wirkung führt, ist bisher nicht geklärt.
Wissenschaftlich wird außerdem häufig der allgemeinere Begriff extrazelluläre Vesikel verwendet, weil sich nicht bei jedem Präparat eindeutig nachweisen lässt, dass es sich tatsächlich um Exosomen handelt. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, findest Du bei MOOCI einen eigenen Beitrag zu Exosomen.
Wie werden Secretome-Präparate hergestellt?
Für Secretome-Präparate wird häufig sogenanntes konditioniertes Medium verwendet. Dafür werden mesenchymale Stromazellen in einer Nährlösung kultiviert. Während dieser Zeit geben sie ihre Signalstoffe und extrazellulären Vesikel in das Medium ab. Anschließend werden die Zellen entfernt. Die verbleibende Flüssigkeit kann je nach Herstellungsverfahren gefiltert, konzentriert oder weiter aufbereitet werden.
Wie das fertige Produkt zusammengesetzt ist, hängt stark von den verwendeten Zellen und den Kulturbedingungen ab. Auch Nährmedium, Sauerstoffversorgung und Aufbereitung können beeinflussen, welche Stoffe und Konzentrationen am Ende enthalten sind. Deshalb können sich Secretome-Präparate deutlich voneinander unterscheiden. Einheitliche Standards für Zusammensetzung und Dosierung bei ästhetischen Anwendungen gibt es bisher nicht. Das macht auch den Vergleich verschiedener Studien schwieriger.

Wie läuft eine Secretome-Behandlung ab?
Je nach Anbieter kann die Behandlung unterschiedlich ablaufen. Im Gesicht wird Secretome häufig nach einem Microneedling oder einer fraktionierten Laserbehandlung aufgetragen. Die feinen Mikrokanäle sollen dabei helfen, die enthaltenen Bestandteile besser in die Haut zu bringen. Bei Haarausfall wird das Präparat meist auf die Kopfhaut aufgetragen, teilweise ebenfalls nach Microneedling oder Laser. Anschließend wird es in die behandelten Bereiche eingearbeitet.
Wie viele Sitzungen nötig sind und in welchen Abständen sie stattfinden, ist nicht einheitlich festgelegt. Auch Rötung, Reizung und Ausfallzeit hängen vor allem davon ab, ob zusätzlich Microneedling oder Laser eingesetzt werden.
Welche Effekte werden für Secretome untersucht?
In der Dermatologie wird Secretome für unterschiedliche Einsatzbereiche untersucht. Im Mittelpunkt stehen vor allem Hautregeneration, Wundheilung und altersbedingte Veränderungen der Haut.
Bestimmte Bestandteile des Sekretoms können Signalwege beeinflussen, die an Kollagenbildung, Entzündungsregulation und Reparaturprozessen beteiligt sind. Deshalb wird untersucht, ob Secretome beispielsweise Hautstruktur, feine Falten oder die Heilung nach ästhetischen Behandlungen unterstützen kann.
Auch bei Narben und Haarausfall gibt es erste Untersuchungen. Bestimmte Wachstumsfaktoren können in experimentellen Modellen Prozesse in den Haarfollikeln beeinflussen, weshalb Secretome auch bei androgenetischem Haarausfall erforscht wird.
Die biologischen Grundlagen sind also durchaus interessant. Wie deutlich und dauerhaft die sichtbaren Effekte beim Menschen ausfallen, muss aber noch genauer untersucht werden.
Was zeigt die bisherige Studienlage?
Die Forschung zu Secretome besteht bisher aus Laboruntersuchungen, Tiermodellen und ersten klinischen Studien am Menschen. Besonders viele Daten gibt es zur Wundheilung und Geweberegeneration. Auch zu Hautalterung, Narben und Haarwachstum wurden bereits kleinere klinische Untersuchungen veröffentlicht. Dabei zeigten sich teilweise Verbesserungen von Hautparametern oder Haardichte. Die Ergebnisse sind allerdings noch nicht einfach zu vergleichen. Viele Studien umfassen nur wenige Patienten und verwenden unterschiedliche Secretome-Präparate. Häufig wird das Sekretom außerdem mit Microneedling oder Laser kombiniert, sodass sich der Effekt der einzelnen Komponenten nicht immer klar trennen lässt. Trotzdem zeigen die bisherigen Ergebnisse, warum Secretome in der regenerativen Medizin so viel Aufmerksamkeit bekommt. Für eine etablierte Standardbehandlung braucht es aber noch größere Studien, einheitlichere Präparate und mehr Langzeitdaten.
Welchen Zulassungsstatus hat Secretome in der EU?
Für ästhetische Secretome-Behandlungen gibt es derzeit keine etablierte zugelassene Arzneimitteltherapie zur Hautverjüngung oder gegen Haarausfall. Wie ein einzelnes Secretome-Produkt rechtlich eingeordnet wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören Herkunft, Zusammensetzung, Herstellung, Zweckbestimmung und Art der Anwendung. Ein zellfreies Sekretom ist dabei nicht automatisch ein Arzneimittel für neuartige Therapien, kurz ATMP. Auch bei äußerlich angewendeten Produkten lässt sich der rechtliche Status nicht allein anhand des Begriffs Secretome bestimmen. Besonders bei Produkten aus menschlichem Ausgangsmaterial gelten zusätzliche Vorgaben. Wenn Secretome zusammen mit Microneedling, Laser oder anderen Verfahren angewendet wird, ist deshalb wichtig, welches konkrete Produkt verwendet wird und für welchen Zweck es vorgesehen ist.
Wenn Du Dich für eine Behandlung interessierst, kannst Du in der Praxis nach Hersteller, Produktstatus und vorgesehener Anwendung fragen. Ein seriöser Anbieter sollte Dir diese Informationen nachvollziehbar erklären können.
Auch in den USA werden Secretome und Exosomen bereits angeboten. Für Exosomen weist die FDA darauf hin, dass derzeit keine entsprechenden Produkte von ihr zugelassen sind. Die Behörde hat in der Vergangenheit zudem vor nicht zugelassenen Präparaten gewarnt. Gerade bei neuen biologischen Produkten lohnt es sich deshalb, Herkunft und regulatorischen Status genauer anzusehen.

Welche Risiken und Nebenwirkungen sind möglich?
Welche Nebenwirkungen auftreten können, hängt sowohl vom Produkt als auch von der Art der Anwendung ab. Bei einer oberflächlichen Anwendung können beispielsweise Rötungen oder Hautreizungen auftreten. Wird Secretome nach Microneedling oder Laser verwendet, kommen die typischen Reaktionen dieser Verfahren hinzu. Dazu gehören je nach Intensität Rötung, Schwellung, kleine Blutungen, Pigmentveränderungen und selten Infektionen.
Ein weiterer Punkt ist die unterschiedliche Zusammensetzung der Präparate. Da Zellquelle, Kulturbedingungen und Aufbereitung variieren können, sind auch die enthaltenen Signalstoffe und ihre Konzentrationen nicht bei jedem Produkt gleich.
Bei einem Präparat ohne entsprechende Arzneimittelzulassung liegt außerdem keine behördliche Nutzen-Risiko-Bewertung für diese konkrete medizinische Anwendung vor. Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt problematisch ist, macht eine transparente Information über Herkunft und Anwendung aber umso wichtiger.
Wenn Du Secretome wegen Haarausfall in Betracht ziehst, sollte vorher außerdem geklärt werden, welche Ursache hinter dem Haarverlust steckt. Nicht jede Form von Haarausfall wird gleich behandelt.
Warum passt Secretome zur regenerativen Ästhetik?
Die regenerative Ästhetik verfolgt einen etwas anderen Ansatz als klassische Verfahren, die beispielsweise Volumen ersetzen oder Falten direkt glätten. Im Mittelpunkt steht die Idee, körpereigene Reparatur- und Regenerationsprozesse gezielt zu unterstützen. Genau hier passt Secretome hinein. Seine Bestandteile sind an verschiedenen biologischen Signalwegen beteiligt, die unter anderem für Wundheilung, Entzündungsregulation und Gewebereparatur wichtig sind. Deshalb wird das Sekretom inzwischen nicht nur in der ästhetischen Dermatologie, sondern auch in anderen Bereichen der regenerativen Medizin erforscht. Ob sich daraus langfristig standardisierte Behandlungen für Haut und Haare entwickeln, ist noch offen. Die bisherigen Daten machen das Thema aber wissenschaftlich interessant und erklären, warum Secretome derzeit so viel Aufmerksamkeit bekommt.
Welche Alternativen sind besser untersucht?
Wenn Du vor allem Deine Hautqualität verbessern oder Haarausfall behandeln möchtest, gibt es bereits Verfahren mit mehr klinischer Erfahrung.
PRP
PRP steht für plättchenreiches Plasma und wird aus Deinem eigenen Blut gewonnen. Es enthält unter anderem Wachstumsfaktoren und wird beispielsweise bei androgenetischem Haarausfall sowie für bestimmte ästhetische Hautbehandlungen eingesetzt. Die Studienlage ist deutlich größer als bei Secretome, auch wenn Ergebnisse und Behandlungsprotokolle variieren können.
Microneedling
Beim Microneedling werden kontrolliert kleine Mikroverletzungen in der Haut erzeugt. Dadurch werden Reparaturprozesse und die Kollagenbildung angeregt. Das Verfahren ist besonders bei bestimmten Aknenarben und zur Verbesserung der Hautstruktur gut untersucht. Ein zusätzliches Secretome-Präparat ist für diesen Effekt nicht grundsätzlich notwendig.
Polynukleotide
Polynukleotide gehören ebenfalls zu den neueren Verfahren der regenerativen Ästhetik. Sie werden vor allem zur Verbesserung von Hautqualität und Feuchtigkeit eingesetzt. Auch hier wächst die Zahl klinischer Studien. Welche Daten vorliegen und welcher regulatorische Status gilt, hängt jedoch vom konkreten Präparat ab.
Medikamente bei Haarausfall
Bei Haarausfall stehen zusätzlich etablierte medikamentöse Therapien zur Verfügung. Welche Behandlung für Dich geeignet ist, hängt vor allem davon ab, welche Form des Haarausfalls vorliegt und welche individuellen Faktoren berücksichtigt werden müssen.
Was kostet eine Secretome-Behandlung?
Die Preise unterscheiden sich je nach Anbieter, Produkt und zusätzlicher Behandlung wie Microneedling oder Laser. Da es kein einheitliches Behandlungsprotokoll gibt, lassen sich auch die Gesamtkosten nur schwer vergleichen. Manche Anbieter empfehlen einzelne Behandlungen, andere bieten mehrere Sitzungen als Serie an. Wenn Du ein Angebot vergleichst, solltest Du deshalb nicht nur auf den Preis achten. Interessant ist auch, welches Produkt verwendet wird, welche Behandlung zusätzlich durchgeführt wird und welche Leistungen bereits enthalten sind. Eine Kostenübernahme durch die Krankenversicherung ist bei einer rein ästhetischen Secretome-Behandlung in der Regel nicht zu erwarten.
Häufige Fragen zu Secretome
Quellen
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Swissmedic. Umgang mit Geweben und Zellen: Rechtliche Grundlagen. Abgerufen am 2. September 2026.
Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.
