Diabetes

Die Zuckerkrankheit oder auch „Zucker haben“ sind Begriffe, die viele Menschen schon mal gehört haben. Doch so harmlos wie ihr volkstümlicher Name vermuten lässt, ist der sogenannte Diabetes mellitus nicht. Hierbei handelt es sich vielmehr um eine schleichend fortschreitende Erkrankung des Stoffwechsels, welche, obwohl anfangs noch milde bis gar keine Symptome auftreten, eine Reihe an schweren Folgeerkrankungen auslösen kann. Da die Krankheit in westlichen Ländern heute weit verbreitet ist und eine steigende Tendenz aufweist, ist es ratsam, einige der wichtigsten Fakten über den Diabetes zu wissen.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter Diabetes mellitus?

Unter dem Begriff Diabetes mellitus versteht die Medizin eine in westlichen Ländern relativ weitverbreitete Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel (Glukosespiegel) dauerhaft ungewöhnlich hoch ist. Dazu kommt es, wenn der Körper nicht genügend Insulin produziert, um seinen Bedarf zu decken, oder die Körperzellen das vorhandene Insulin nicht nutzen können.
 
Unter dem Begriff Diabetes mellitus versteht die Medizin eine in westlichen Ländern relativ weitverbreitete Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel (Glukosespiegel) dauerhaft ungewöhnlich hoch ist
 
Man spricht von Diabetes-Typ-1 mit einem absoluten Insulinmangel, wenn die Insulinproduktion vollständig erschöpft ist und von Diabetes-Typ-2, wenn sie nur teilweise reduziert ist. Diabetes-Typ-2 ist wesentlich häufiger als Typ-1, der schwerer verläuft, und bleibt oft lange Zeit unentdeckt, weil sich anfangs keine oder nur leicht unangenehme Beschwerden ergeben.
 
Da Diabetes aber eine Reihe von schweren Folgeerkrankungen haben kann, welche die Organe langfristig schädigen können, sollte die Krankheit frühestmöglich entdeckt und behandelt werden. Es besteht ein wichtiger Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Krankheit und Übergewicht. Aktuell sind etwa 600.000 Österreicher an Diabetes mellitus erkrankt.

Was sind die Ursachen von Diabetes mellitus?

Hier muss zwischen den beiden Hauptformen von Diabetes unterschieden werden, da ihnen unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. In beiden Fällen kommt es aber zu einer Unterversorgung mit Insulin.
 
Wenn wir durch die Nahrung verschiedene Zucker aufnehmen, wandelt der Körper sie gewöhnlich alle in Glukose um, eine wichtige Kraftstoffquelle, die Körperzellen zum Erledigen ihrer Aufgaben benötigen. Dabei transportiert Dein Organismus die Glukose durch das Blut und die Zellen nehmen diese schließlich auf.
 
Damit die Energie auch dort hinkommt, wo sie verarbeitet wird, braucht es Insulin, ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird und die Menge an Glucose im Blut regelt. Befindet sich mehr Glucose im Blut als gewöhnlich, weil gerade eine zuckerhaltige Nahrung eingenommen wurde, so regt dies die Bauchspeicheldrüse zur Ausschüttung von Insulin an.
 
Wird jedoch nicht genügend Insulin produziert, steigt der Blutzuckerspiegel an und die vorhandene Glucose wird über die Nieren ausgeschieden. Deshalb kommt es bei Diabetes mellitus häufig zu einem übermäßigen Harndrang und der Zucker lässt sich auch im Urin noch nachweisen, was der Krankheit ihren Zusatznamen „Zuckerkrankheit“ verschafft hat. Ein Insulinmangel hat, abhängig vom Typ der Diabetes-Erkrankung, verschiedene Ursachen.
 
 Diabetes-Typ-1
Beim Diabetes-Typ-1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, das bedeutet, das eigene Immunsystem greift die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse im Rahmen einer Entzündungsreaktion an und zerstört sie. Diese Fehlreaktion des Immunsystems führt zu einem Mangel an körpereigenem Insulin und einem gesteigerten Blutzuckerspiegel bis hin zu einer massiven Zuckerentgleisung, die eine stationäre Aufnahme und Behandlung erfordert.
 
Beim Diabetes-Typ-1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, das bedeutet, das eigene Immunsystem greift die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse im Rahmen einer Entzündungsreaktion an und zerstört sie
 
Bei nur etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen mit einer Diabetes-Erkrankung handelt es sich um einen Typ-1 Diabetes. Die meisten Betroffenen bekommen die Krankheit jedoch schon recht früh, oft vor dem 30. Lebensjahr (juveniler Diabetes).
 
Eine genetische Veranlagung macht einige Menschen für äußere Auslöser, wie eine Virusinfektion oder ernährungsbedingte Faktoren in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter, empfänglicher, spielt jedoch insgesamt nur eine untergeordnete Rolle.
 
Diabetes-Typ-2
Der Diabetes-Typ-2 ist die häufigste Form der Zuckererkrankung und entsteht durch eine mangelhafte Insulinwirkung an den Körperzellen. Hier produziert die Bauchspeicheldrüse zwar anfangs meistens noch genügend Insulin, die Körperzellen werden allerdings zunehmend unempfindlich beziehungsweise resistent dagegen und nehmen den Zucker nicht mehr auf.
 
Durch diese Insulinresistenz der Körperzellen, beispielsweise der Leberzellen, kommt es dazu, dass die Zuckerkonzentration im Blut erhöht ist, aber in den Zellen trotzdem ein Energiemangel entstehen kann. Die Bauchspeicheldrüse reagiert auf die erhöhten Blutzuckerwerte mit einer Steigerung der Insulinproduktion in den Betazellen.
 
Auf lange Zeit kann diese ständige Überbeanspruchung die Zellen erschöpfen, sodass die Insulinproduktion letztendlich zurückgeht. In diesem Fall kann sich ein sogenannter absoluter Insulinmangel entwickeln, den Betroffene durch lebenslanges Insulinspritzen ausgleichen müssen.
 
Der Hauptrisikofaktor für Typ-2-Diabetes ist Adipositas (Fettleibigkeit) beziehungsweise Übergewicht. Circa 80 bis 90 Prozent der Menschen mit dieser Erkrankung sind übergewichtig oder adipös. Aber auch Diabetes in der Familie, vor allem unter Verwandten ersten Grades, mangelnde Bewegung und hoher Blutdruck sind Faktoren, die den Prozess begünstigen.

Was sind die Symptome von Diabetes mellitus?

Vor allem eine Diabetes Typ- 2 Erkrankung bleibt Dir unter Umständen lange Zeit unbekannt, da viele Symptome harmlos und unspezifisch wirken oder lediglich etwas unangenehm sind. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass sowohl die Krankheit als auch die Symptome sich über Monate und Jahre hinweg entwickeln, sodass Du Dich eventuell an die graduell eintretenden Veränderungen gewöhnst und die ersten Anzeichen deshalb nicht unmittelbar wahrnimmst.
 
Müdigkeit und Konzentrationsschwäche gehören zu den Symptomen der Erkrankung
 
Zu diesen zählen:

  • Häufiges Urinieren
  • Übermäßiger Durst
  • Schneller Gewichtsverlust
  • Müdigkeit und Konzentrationsschwäche

Dass der ständig erhöhte Blutzucker lange Zeit keine (stärkeren) Beschwerden verursacht, bedeutet nicht, dass er harmlos ist. Im Gegenteil. Während dieser Zeit greift er die Gefäße unter Umständen massiv an und je früher man die Diabetes-Symptome bemerkt, desto eher lässt sich die Erkrankung diagnostizieren und gegebenenfalls noch im Frühstadium behandeln.

Was sind die Folgen von Diabetes mellitus?

Folgeschäden und Komplikationen von Diabetes können sehr schwerwiegend verlaufen und wirken sich auf verschiedene Organe aus. Am häufigsten betroffen sind Nieren (nachlassende Nierenfunktion), Augen (Blutungen und Sehstörungen), Nerven und Füße (diabetischer Fuß).
 
Durch eine frühzeitige Diagnose und damit einen schnellen Behandlungsbeginn lässt sich die Krankheit jedoch meist sehr gut unter Kontrolle bringen. Auch wenn das ständige Messen der Blutzucker und das Mitführen und Injizieren von Insulin, wie im Fall eines Typ-1-Diabetes nötig, eine große Einschränkung in der Lebensführung bedeutet, so sichert dies die Prävention schlimmerer Verläufe. Das Risiko für diabetesbedingte Folgeerkrankungen wird deutlich verringert und das Zeitfenster bis zum Auftreten weiterer Schäden vergrößert, gegebenenfalls können sie sogar ganz verhindert werden.
 
Der Erfolg der Behandlung bei einem Typ-2-Diabetes hängt entscheidend von Dir selber und Deiner Bereitschaft zum Einhalten der Maßnahmen ab, denn je besser es gelingt, den Blutzuckerspiegel zu senken, desto geringer ist auch hier das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche oder einer notwendigen Amputation. Somit liefert ein früh diagnostizierter Diabetes die beste Aussicht in Bezug auf Lebensqualität und Lebenserwartung.
 
Sollte der Arzt bei Dir Typ-1-Diabetes feststellen, musst Du in der Regel sofort nach Erhalt der Diagnose damit beginnen, Insulin zu spritzen
 

Wie diagnostiziert der Arzt Diabetes?

Da die meisten Betroffenen in der Anfangsphase der Erkrankung keinerlei Symptome zeigen, wird in der überwiegenden Zahl der Fälle die Diagnose Diabetes durch einen Zufallsbefund, zum Beispiel im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung oder einer Blutabnahme aus anderen Gründen, gestellt.
 
Die Diagnose sollte der Spezialist im besten Fall vor Auftreten erster Symptome stellen, bemerkbare Beschwerden in der Regel schon auf einen fortgeschrittenen Krankheitsverlauf hinweisen. Zu diesem Zweck ist es immer ratsam, seine eigenen Blutwerte, vor allem seinen Blutzuckerwert zu kennen.

Wie lässt sich Diabetes mellitus behandeln?

Sollte der Arzt bei Dir Typ-1-Diabetes feststellen, musst Du in der Regel sofort nach Erhalt der Diagnose damit beginnen, Insulin zu spritzen. Dazu kontrollierst Du mehrmals täglich, meist vor den Mahlzeiten, Deinen Blutzucker und berechnest den optimalen Insulinwert.
 
Gegebenenfalls kommst Du auch für eine Insulinpumpe infrage. Hierbei trägst Du kontinuierlich eine kleine Pumpe am Körper und das Insulin geht über einen kleinen Infusionsschlauch ab. Dies kann den Alltag deutlich erleichtern.
 
Den Umgang mit der Krankheit und die dazugehörigen Maßnahmen lernen Diabetiker in einer speziellen Schulung. Das oberste Ziel hierbei ist, Deine Lebensqualität möglichst uneingeschränkt zu bewahren, sowie vor allem schwere Folgeerkrankungen an Herz, Nieren, Blutgefäßen, Augen und Füßen zu verhindern.
 
Sollte ein Typ-2-Diabetes im Frühstadium festgestellt werden, kann eine Umstellung Deines Lebensstils eine ausreichende Therapie sein. Durch gesunde Ernährung, Gewichtsabnahme und mehr Bewegung lässt sich die bestehende Insulinresistenz der Körperzellen abbauen. Wenn diese Maßnahmen keine Besserung der Blutzuckerwerte bewirken, ist der Einsatz von verschiedenen oralen und injizierbaren Antidiabetika oder eine Insulintherapie erforderlich.

Wie kann ich Diabetes vorbeugen?

Diabetes-Typ-1 lässt sich leider nicht vorbeugen, da es sich hierbei um eine Autoimmunerkrankung handelt. Die Entstehung von Diabetes-Typ-2 kannst Du allerdings beeinflussen. Am besten lässt sich dieser Typ vorbeugen, wenn Du Dich gesund und ausgewogen ernährst. Vermeide einen hohen Konsum von Zucker. Zudem ist regelmäßige Bewegung wichtig, damit Du ein Normalgewicht erreichts, beziehungsweise dieses hältst. Solltest Rauchen, steigt das Risiko ebenfalls, an Diabetes zu erkranken.
 
Am besten lässt sich Diabetes vorbeugen, wenn Du Dich gesund und ausgewogen ernährst
 

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Kosten für die Diagnosestellung und Behandlung von einem Diabetes-Typ-1 sind in aller Regel Teil der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und somit gedeckt. Wenn Du Medikamente und andere Hilfsmittel ärztlich verordnet bekommst, übernimmt auch für diese die Krankenkasse die Kosten. Für Blutzuckermessgeräte wird normalerweise eine Pauschale gezahlt, wenn auch dieses ärztlich verordnet wurde.
 
Für Diabetiker vom Typ 2 übernimmt die Versicherung ebenfalls die Kosten aller verordneten Medikamente, hier könnte es bei Teststreifen zu Einschränkungen kommen. Dies solltest Du zuvor mit Deiner Krankenkasse abklären.


Dauer Dauer

Lebenslang

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter Diabetes mellitus versteht man eine relativ weit verbreitete Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel aufgrund eines Insulinmangels oder einer Insulinresistenz dauerhaft ungewöhnlich hoch sind


Viele Symptome wirken harmlos und unspezifisch oder lediglich etwas unangenehm, die Krankheit entwickelt sich graduell über Monate und Jahre hinweg


Folgeschäden und Komplikationen von Diabetes können sehr schwerwiegend verlaufen und wirken sich an verschiedenen Organen aus. Am häufigsten betroffen sind Nieren, Augen, Nerven und Füße


Bei Diabetes mellitus unterscheidet die Medizin zwischen einem Diabetes-Typ-1 und einem Diabetes-Typ-2

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