Depression

Eine Depression zeichnet sich durch eine anhaltende tiefe Niedergeschlagenheit aus, aus der sich die Betroffenen in der Regel nicht mehr selbst befreien können. Eine Depression unterscheidet sich von normalen Gefühlen der Erschöpfung, Mutlosigkeit und Trauer, die als Reaktion auf konkrete Probleme entstehen und die jeder in gewisser Art und Weise schon einmal erlebt hat. Solche Stimmungstiefs gehen meist vorüber, wenn die Betroffenen die auslösenden Ereignisse verarbeitet haben oder die akute Belastung abnimmt. Eine unbehandelte Depression hingegen bessert sich normalerweise nicht von selbst. Sie kann unterschiedliche Ursachen haben und auch komplett unabhängig von äußeren Umständen auftreten.


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Zuletzt aktualisiert: 27. Juli, 2020



ICD-10-GM-2020 F32-33

Was versteht die Medizin unter einer Depression?

Der Begriff „Depression“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig für verschiedene depressive Störungen verwendet. Darunter zählen zum Beispiel die Major Depression, die Dysthymie sowie andere spezifische oder unspezifische depressive Störungen. Außerdem lassen sich andere anhand der Ätiologie klassifizieren, darunter die prämenstruelle Dysphorie, die depressive Störung infolge einer anderen körperlichen Erkrankung sowie eine Substanz- oder Medikamenten-induzierte depressive Störung. Kennzeichen depressiver Störungen sind eine Traurigkeit, die so stark oder so anhaltend ist, dass sie die normale Funktionsfähigkeit beeinträchtigt, sowie vermindertes Interesse oder eingeschränkte Freude an Aktivitäten.

Wie häufig ist die Depression und wer ist besonders davon betroffen?

Die Depression ist eine recht häufige psychische Erkrankung. Ungefähr 16 bis 20 von 100 Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens eine Depression, wobei Frauen etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Auch Menschen mit einer chronischen körperlichen Erkrankung wie zum Beispiel Krebs, koronare Herzerkrankungen oder Diabetes, haben statistisch gesehen ein erhöhtes Risiko, Depressionen zu entwickeln. Eine depressive Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, häufig geht sie mit mindestens einer weiteren psychischen Erkrankung wie zum Beispiel einer Angststörung einher.

An welchen Frühsymptomen lässt sich eine Depression erkennen?

Bevor eine Depression ihre volle Symptomatik entfaltet, treten oft unspezifische Frühsymptome auf, das bedeutet Anzeichen, die auch auf verschiedene andere Erkrankungen hinweisen könnten. Diese Frühsymptome können als Reaktion auf belastende Ereignisse auftreten und sich langsam über Wochen oder Monate, eher seltener über Nacht oder wenige Tage, zu einer depressiven Phase entwickeln oder „wie aus dem Nichts“ auftreten.
 
Zu diesen möglichen ersten Anzeichen zählen Schmerzen, zum Beispiel unspezifische Kopf- oder Bauchschmerzen, ständige Müdigkeit und ein Mangel an Energie, nachlassendes sexuelles Interesse, Reizbarkeit und Angst, zunehmende Lustlosigkeit bis hin zur Apathie, eine missmutige Stimmungslage, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Eine Depression äußert sich vor allem in einer langanhaltenden Niedergeschlagenheit, der nicht zu entkommen ist.

Welche Ursachen hat eine Depression?

Die Ursachen zur Entstehung einer Depression sind bis heute noch nicht vollständig geklärt. Experten gehen aber davon aus, dass dabei mehrere Faktoren zusammenspielen, sowohl innere als auch äußere. Das sind dann biologische, genetische und psychosoziale Auslöser. Diese Faktoren können von Person zu Person jeweils unterschiedliche Anteile an der Entstehung der Depression aufweisen.
 
Durch Studien konnte gezeigt werden, dass Depressionen auch eine genetische Komponente haben, was bedeutet, dass Depressionen in gewisser Weise vererbbar sind. Das Risiko, an einer Depression zu erkranken ist höher, wenn bereits andere Verwandte daran erkrankt sind, besonders, wenn diese schon in einem frühen Alter krank wurden.
 
Die Vulnerabilität bezeichnet, wie anfällig ein Mensch für eine seelische Störung ist. Bei Personen mit hoher Vulnerabilität kann schon ein geringes Stresslevel eine Depression verursachen. Hast Du hingegen eine geringe Vulnerabilität, bist Du in der Lage, auch sehr belastende Ereignisse gut zu bewältigen. Solche Personen bezeichnet man als resilient oder widerstandsfähig.
 
Auch die persönlichen Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens gemacht hat, haben einen erheblichen Einfluss auf das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Personen, die zum Beispiel traumatische Erlebnisse wie Missbrauch oder Vernachlässigung in der Kindheit erlebt haben, weisen ein besonders hohes Risiko auf. Wichtig sind aber auch die Fähigkeiten, die der Mensch erworben hat, um mit belastenden Situationen umzugehen.
 
Ein weiterer Faktor bei der Ursache von Depressionen ist ein gestörter Botenstoffwechsel im Gehirn. Konkret könnte ein gestörter Noradrenalin- oder Serotoninspiegel im Gehirn für eine Depression mitverantwortlich sein. Sind diese Hormone nicht im Gleichgewicht, stört das den Austausch zwischen den Nervenzellen, was dann wiederum Gefühle und Gedanken negativ beeinflusst.
 
Andere Theorien vermuten eine Fehlregulation der Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol als Ursache der Depression. Allerdings ist bislang nicht geklärt, ob die bei depressiven Patienten gemessenen erhöhten Cortisolspiegel Auslöser für oder aber Folge einer Depression sind. Als gesichert gilt allerdings, dass Stress bei der Entstehung einer Depression eine entscheidende Rolle einnimmt. Auch die Depression verursacht ihrerseits Stress bei den Betroffenen.
 
Wie wir alle wissen, sind manche Lebensphasen wie zum Beispiel die Pubertät, aber auch einschneidende Lebensereignisse generell mit verstärktem Stress verbunden. In solchen Phasen steigt auch das Risiko für eine Depression. Außerdem hat die persönliche Lebenseinstellung einen Einfluss auf das Depressionsrisiko. Menschen, die schlecht von sich selbst und über die Welt denken und pessimistisch in die Zukunft blicken, erkranken häufiger. Positive Denkmuster wirken dagegen schützend.
 
Weiters erkranken Frauen ungefähr doppelt so häufig wie Männer. Dies kann beispielsweise durch die hormonellen Schwankungen erklärt werden, denen Frauen unter anderem vor der Menstruation oder in der Schwangerschaft ausgesetzt sind. Außerdem können manche körperlichen Erkrankungen eine Depression begünstigen, wie Erkrankungen des Gehirns und Hormonstörungen. Schwere und chronische Krankheiten belasten die Psyche dauerhaft, sodass eine Depression wahrscheinlich wird.
 
Bei der sogenannten Winterdepression vermuten Experten einen Mangel an Tageslicht als Ursache. Bei Dunkelheit schüttet der Körper mehr Melatonin aus, ein Hormon, das nicht nur müde macht, sondern auch die Stimmung drückt. Als letzte Ursache kommt noch die Einnahme bestimmter Medikamente oder Drogen als Auslöser einer Depression infrage.

Wie sieht das Krankheitsbild bei einer Depression aus?

Die meisten depressiven Patienten haben anfangs Schwierigkeiten damit, ihre Beschwerden einzuordnen, und sind sich nicht bewusst, dass es sich um eine psychische Störung handelt. Häufig kommt es vor, dass Betroffene zu Beginn einer depressiven Phase mit uncharakteristischen Symptomen wie zum Beispiel Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder schlechter Laune bei einem Arzt vorstellig werden.
 
Einige Patienten berichten von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder Apathie, andere fühlen sich eher deprimiert, innerlich leer oder gefühllos, unfähig, in gewohnter Weise auf freudige oder bedrückende Ereignisse zu reagieren. Die Betroffenen verlieren ihren Antrieb, ihr Interesse und ihre Freude im Leben, außerdem plagt sie eine ständige Müdigkeit. Der Alltag eines Depressiven ist geprägt von Energie- und Lustlosigkeit.
 
Charakteristisch ist es, dass sich die Betroffenen zu allem zwingen müssen, zunächst nur zu aufwendigen und ungeliebten, später aber auch zu leichteren und eigentlich angenehmeren Tätigkeiten. Betroffenen fällt es zunehmend schwerer, ihre Ziele zu verfolgen. Sie vernachlässigen ihre Familie, den Beruf und sogar alltägliche Aufgaben wie die Nahrungsaufnahme und die Hygiene.
 
Zu den Hauptsymptomen einer Depression zählen nach dem ICD-10 eine depressive Stimmung, die deutlich von normaler Trauer abgegrenzt ist, Interessenverlust und Freudlosigkeit sowie Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit. Das ICD-10 beschreibt auch häufige Zusatzsymptome wie Störungen der Konzentration, der Aufmerksamkeit und des Denkvermögens, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsvorstellungen, Suizidgedanken oder -handlungen, Schlafstörungen und verminderter Appetit.
 
Manche Patienten erwachen besonders früh am Morgen, andere berichten über ein morgendliches Stimmungstief oder eine deutlich verminderte Libido. Häufig nehmen die Betroffenen aufgrund der Appetitlosigkeit Gewicht ab. Bei ungefähr 70 bis 80 Prozent der Patienten tritt die Depression in Kombination mit Angstgefühlen auf, die so stark sein können, dass sie die Kriterien für eine behandlungsbedürftige Angststörung erreichen.
 
Etwa 15 Prozent der depressiven Patienten entwickeln außerdem psychotische Anzeichen wie Wahnideen. Durch die Antriebshemmung kann sich im äußerlichen Erscheinungsbild des Betroffenen eine Verlangsamung der Reaktionen, Bewegungen und der Sprache bemerkbar machen. Im Extremfall haben die Patienten große Schwierigkeiten damit zu reden oder sich zu bewegen. Auch das Denken und die Auffassungsgabe sind gehemmt, wodurch Kreativität, Konzentrations- und Merkfähigkeit stark nachlassen.
 
Als körperliche Beschwerden können im Rahmen einer Depression unter anderem Schmerzen, Druckgefühle auf der Brust oder Atembeschwerden auftreten, in manchen Fällen stehen die körperlichen Symptome sogar im Vordergrund. Außerdem können depressive Störungen auch in Phasen der Hormonumstellung, besonders bei Frauen zum Beispiel nach einer Geburt oder in der Menopause, auftreten.

Wie ist der Krankheitsverlauf einer Depression?

Depressionen verlaufen individuell und ganz unterschiedlich. Die meisten Menschen sprechen auf eine konsequente Behandlung gut an und können mithilfe der Therapie depressive Episoden durchbrechen oder vollkommen abklingen lassen. Es ist also prinzipiell möglich, eine Depression zu heilen.
 
Bleibt die Depression allerdings unbehandelt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Krankheit über Monate oder sogar Jahre hinweg bestehen bleibt. Dies gilt vor allem für schwere Depressionen. Je früher Du mit der Behandlung beginnst, desto besser sind die Aussichten. Ein Drittel der Betroffenen erlebt nur ein einziges Mal in ihrem Leben eine depressive Episode. Die Chancen dafür stehen besonders gut, wenn sie frühzeitig und adäquat behandelt werden.
 
Leider steigt mit jedem Rückfall die Wahrscheinlichkeit, dass weitere depressive Phasen auftreten. Insbesondere chronische Depressionen sind schwer zu heilen, nicht selten begleiten sie die Betroffenen ein Leben lang und bedürfen daher ständiger Behandlung.

Der wichtigste Schritt bei einer Depression ist, sich Hilfe zu holen.

Wann und wo sollte ich mir Hilfe holen?

Wenn Du vermutest, an einer Depression zu leiden oder wenn Du typische Symptome bei Dir feststellst, solltest Du so bald wie möglich einen Psychotherapeuten oder einen Arzt aufsuchen, der dann Deinem Verdacht nachgeht und bei Bedarf eine Therapie einleitet. Du kannst außerdem auch Selbsthilfegruppen, wie zum Beispiel die der Deutschen Depressionsliga e.V. oder die der Deutschen Depressionshilfe, in Anspruch nehmen.
 
Solltest Du Dich in akuter Not befinden, zögere nicht, telefonische Hilfsangebote wie zum Beispiel die der Telefonseelsorge, des psychiatrischen Notdienstes oder der psychiatrischen Soforthilfe zu nutzen. Des Weiteren kannst Du in einem solchen Fall Kontakt mit Deinem Arzt oder einer Klinik aufnehmen.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Depression?

Die Risikofaktoren für eine Depression umfassen die persönliche Verletzlichkeit (Vulnerabilität) einer Person, einen gestörten Botenstoffwechsel im Gehirn, fehl regulierte Stresshormone, körperliche Ursachen, schwere oder chronische Erkrankungen, Stress, die Einnahme von Medikamenten oder Drogen, eine genetische Veranlagung sowie die persönliche Lebenseinstellung.
 
Eine Depression im Kindesalter ist insgesamt recht selten, allerdings steigt die Zahl der betroffenen Kinder zum Zeitpunkt der Pubertät stark an. Dabei handelt es sich um eine Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit, außerdem stellen sich die Hormone im Körper um. All dies kann eine Depression begünstigen.
 
Selbiges gilt für Frauen in der Schwangerschaft. Die veränderte Lebenssituation, die Verantwortung für das Baby und die Hormonumstellung können Stress und dadurch Depressionen verursachen. Bei manchen Frauen tritt die Depression nach der Geburt des Kindes als sogenannte Wochenbettdepression auf.
 
Auch ältere Menschen haben recht häufig Depressionen. Mögliche Gründe sind zum Beispiel die veränderte Lebenssituation, der Eintritt ins Rentenalter, der Verlust des Partners, Einsamkeit, körperlicher Abbau oder die verstärkte Beschäftigung mit dem Tod. Bei älteren Menschen stehen vor allem körperliche Symptome im Vordergrund, weswegen ein Großteil der Depressionen im Alter unerkannt bleibt.
 
Da Stress einen Risikofaktor für eine Depression darstellt, erkranken oft auch Menschen, die besonders viel Stress in der Arbeit haben. Burnout ist eine klassische Auswirkung von arbeitsbedingter Belastung. Die saisonal abhängige Depression ist dadurch gekennzeichnet, dass die depressiven Phasen jeweils zu bestimmten Jahreszeiten auftreten. Am bekanntesten ist die Winterdepression, die mit atypischen Symptomen wie erhöhtem Schlafbedürfnis, Heißhungerattacken und erhaltener Schwingungsfähigkeit einhergeht.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Depression?

Wenn Du vermutest, an einer Depression zu leiden, solltest Du unbedingt einen Psychotherapeuten oder einen Arzt, vorzugsweise einen Psychiater, aufsuchen. Die Depression ist eine ernste Erkrankung, bei der die Heilungschancen stark davon abhängig sind, wann die Behandlung beginnt.
 
Der Arzt führt zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch mit Dir, in welchem er dem Verdacht auf eine Depression nachgehen möchte. Dazu stellt er Dir Fragen, die auf typische Symptome einer Depression abzielen. Bei einigen Patienten äußert sich die Erkrankung allerdings eher über körperliche Symptome. Die Betroffenen klagen dann zum Beispiel über Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen sowie über Herz-Kreislauf-Probleme.
 
Über körperliche Symptome zu sprechen, fällt vielen leichter, da solche gesellschaftlich akzeptierter sind als psychische Erkrankungen. Besonders Männer fokussieren häufig stärker auf die körperlichen Beschwerden und unterdrücken die seelischen Symptome eher. Damit der Arzt körperliche Ursachen Deiner Beschwerden ausschließen kann, benötigt er eine Reihe verschiedener Untersuchungen. Dazu gehört zum Beispiel eine Blutuntersuchung oder unter Umständen eine Computertomographie.
 
Die Symptome können nämlich auch durch einen niedrigen Blutzuckerspiegel, einen Mangel an Vitamin B12, eine Demenz, eine Schilddrüsenunterfunktion oder Veränderungen im Gehirn verursacht werden. Wenn der Arzt bei Dir neben den depressiven Phasen auch manische Phasen feststellt, ist die Diagnose der Depression eher unwahrscheinlich. Solche Symptome treten eher bei einer bipolaren Störung auf. Außerdem kann der Missbrauch von psychoaktiven Substanzen wie Drogen zu Symptomen führen, die denen einer Depression stark ähneln.
 
Dein Arzt diagnostiziert eine klinische, also behandlungsbedürftige Depression nach Ausschluss anderer Ursachen auf Basis der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-10). Wenn Du mindestens zwei der drei Hauptsymptome (depressive Stimmung, Interessen- und Freudenverlust und Antriebslosigkeit) sowie eines der Nebensymptome seit mindestens zwei Wochen zeigst, kann der Arzt die Diagnose stellen. Abhängig von der Zahl und der Schwere der Symptome lassen sich Depressionen in drei Schweregrade einteilen: leichte, mittlere und schwere Depression (Major Depression).

Bei einer Depression können verschiedene Tehrapien zum Einsatz kommen, wobei eine Psychotherapie eine sehr wichtige Rolle spielt.

Welche Therapiekonzepte kommen bei einer Depression zum Einsatz?

Die Behandlung einer Depression gliedert sich in Unterstützung des Betroffenen, Psychotherapie und Pharmakotherapie. Der Patient soll ermutigt werden, nach und nach einfache Aktivitäten und soziale Kontakte wieder vermehrt aufzunehmen. Allerdings sollte der Behandler auch den Wunsch anerkennen, bestimmte Aktivitäten zu meiden.
 
In Studien wurde gezeigt, dass Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie und zwischenmenschliche Therapie bei Patienten mit schwerer Depression wirksam ist, und zwar einerseits, um akute Symptome zu behandeln, aber auch, um die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls zu verhindern. Je schwächer die Depression ausgeprägt ist, umso bessere Therapieergebnisse können erwartet werden.
 
Bei der medikamentösen Therapie kann Dein Arzt mehrere Medikamentenklassen und Medikamente zur Behandlung einsetzen. Je nach den spezifischen Werkstoffeigenschaften sind sie für bestimmte Patienten mehr oder weniger gut geeignet. Weitere Therapiekonzepte sind die Elektrokrampftherapie, die Lichttherapie, Psychostimulanzien, Phytopharmaka, die Vagusnervstimulation, die Verwendung von repetitiver transkranieller Magnetstimulation, Tiefenhirnstimulation und Selbsthilfegruppen.

Wie kann eine medikamentöse Therapie bei einer Depression helfen?

Antidepressiva bringen die Hormone wieder ins Gleichgewicht und normalisieren die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass ihre Wirkung nicht immer sofort einsetzt, sondern häufig erst nach etwa zwei Wochen. In dieser Zeit müssen Patienten Geduld haben. Außerdem erfolgt eine engmaschige Betreuung durch den behandelnden Arzt.
 
Welches Medikament Du letztendlich bekommst, ist von vielen Faktoren abhängig. Dein Arzt bespricht diese Entscheidung mit Dir gemeinsam, manchmal muss das Medikament nach einiger Zeit auch gewechselt oder in seiner Dosierung verändert werden. Für alle Medikamente gilt: Nimm sie wie verordnet und ausreichend lange ein. Setze Dein Medikament nie ohne Rücksprache mit Deinem Arzt ab.

Wie funktionieren psychotherapeutische Verfahren bei einer Depression?

Bei der kognitiven Verhaltenstherapie geht es darum, schädliche Verhaltensweisen und negative Denkmuster zu benennen und zum Positiven zu verändern. Der Patient soll lernen, sich selbst und seine Umwelt besser wahrzunehmen. Im Rahmen der Behandlung baut der Patient seine Fähigkeit, sich schöne Erlebnisse zu verschaffen, Schritt für Schritt wieder auf.
 
Tiefenpsychologische Verfahren wie die psychodynamische Psychotherapie und die interpersonelle Therapie, die speziell zur Behandlung von Depressionen entwickelt wurde, gehen davon aus, dass die Depression auf einen unbewussten inneren Konflikt zurückzuführen ist, der durch negative Erfahrungen in der frühen Kindheit und Jugend entstanden ist. Dem Patienten soll dieser Konflikt bewusst gemacht werden, damit es daraufhin möglich ist, ihn aufzulösen.

Welche speziellen Therapieformen gibt es bei einer Depression?

Zur Behandlung einer Depression gibt es außerdem noch die Wachtherapie, die Elektrokrampftherapie (EKT) und die Lichttherapie. Die Wachtherapie wird in der Regel nur stationär durchgeführt. Dabei bleiben die Patienten entweder die ganze Nacht oder in der zweiten Nachthälfte wach, um eine Besserung der Symptome herbeizuführen. Diese ist allerdings meist nur vorübergehend. Besonders Patienten mit melancholischer Depression, mit starken Tagesschwankungen und bei einer bipolaren Störung profitieren von der Wachtherapie.
 
Die EKT findet bei schweren Störungen Anwendung, wenn eine medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung keine Besserung bringt oder nicht möglich ist. Im Gehirn wird mithilfe von niedrigen Stromstärken unter Kurznarkose ein Krampfanfall ausgelöst. Dabei ist die Muskulatur durch Medikamente entspannt, damit sie nicht mit verkrampft. Das Gehirn schüttet als Reaktion mehr Dopamin, Noradrenalin und Serotonin aus. Bei der EKT sterben keine Nervenzellen des Gehirns ab, im Gegenteil werden sie sogar neu gebildet.
 
Die Lichttherapie kommt vor allem bei der saisonalen Depression zum Einsatz, um die Symptome innerhalb weniger Wochen deutlich zu lindern. Bei Bedarf verordnet Dir Dein Arzt therapeutisches Licht von 10.000 Lux Helligkeit aus speziellen Lampen für eine Stunde pro Tag.

Was kann ich selbst bei einer Depression tun?

Bei einer Depression ist der wichtigste Schritt der Gang zum Psychotherapeuten oder zum Arzt. Deswegen musst Du Dich nicht schämen! Eine Depression ist genauso eine Erkrankung wie zum Beispiel Rückenschmerzen, die behandelt gehört. Wenn Du Dich unsicher fühlst, kannst Du eine vertraute Person zum Gespräch mit dem Psychotherapeuten oder dem Arzt mitnehmen. Diese Person kann Dich unterstützen, aber auch dem Behandler ihre Eindrücke Deiner Situation schildern.
 
Dich in Behandlung zu begeben, ist auf jeden Fall der wichtigste Schritt. Bis sie allerdings Wirkung zeigt, können einige Wochen vergehen. Bei vielen Patienten kommt es nach etwa zwei bis vier Wochen zu einer ersten Besserung. Neben der Behandlung kannst Du Dich auch selbst unterstützen. Sport und Bewegung können die Stimmung stabilisieren oder sogar ins Positive lenken. Dabei musst Du Dich nicht komplett auspowern, versuche Dir stattdessen kleine, erreichbare Ziele zu setzen. Wähle das, was Du gerne machen möchtest, wie zum Beispiel einen Spaziergang an der frischen Luft oder eine kleine Fahrradtour.
 
Auch andere kleine Aktivitäten wirken sich positiv aus. Rufe zum Beispiel mal wieder bei einem Freund an, verabrede Dich oder tue Dir selbst mal wieder etwas Gutes. Das könnte zum Beispiel ein Friseurbesuch oder ein selbstgekochtes Essen sein. Wenn Dir Freunde oder Deine Familie Hilfe anbieten oder mit Dir über Deine Erkrankung sprechen möchten, kann es hilfreich sein, diese Angebote anzunehmen. Mit dieser Unterstützung lässt sich die Krise leichter überwinden. Wenn dies für Dich keine Option sein sollte, kannst Du Dich mit anderen Betroffenen austauschen. Wende Dich hierzu an eine Selbsthilfegruppe.

Bei entsprechender und frühzeitiger Behandlung ist die Prognose bei einer Depression durchaus positiv, wobei viele trotzdem ein Leben Lang mit den Folgen zu kämpfen haben.

Wie ist die Prognose bei einer Depression?

Ungefähr in zwei Drittel der Fälle depressiver Erkrankungen lassen sich die Phasen durch Episoden weitestgehender Gesundheit von unterschiedlicher Dauer abgrenzen. Bei einem Drittel der Betroffenen tritt eine teilweise Besserung ein, höchstens 15 Prozent bleiben schon nach der ersten Episode chronisch depressiv.
 
Die meisten depressiven Episoden bilden sich bei einer entsprechenden Behandlung innerhalb weniger Monate zurück, in 15 bis 20 Prozent der Fälle dauert die Erkrankung jedoch mindestens zwölf Monate. Die Heilungschancen nach einer einzelnen depressiven Episode sind in der Regel gut. Das Rückfallrisiko bezogen auf die Lebenszeit beträgt nach einer ersten Episode ohne Vorsorge etwa 50 Prozent, bei einer schweren Depression 75 Prozent.
 
Die Prognose kann durch verschiedenste Faktoren negativ beeinflusst werden. Dazu zählt unter anderem Substanzmissbrauch durch Alkohol oder andere Drogen, Essstörungen, komorbide Angst- oder Zwangsstörungen sowie chronische Verläufe. Um das Rückfall- und das Wiedererkrankungsrisiko einzuschätzen, ist die Anzahl früherer Episoden wichtig.

Was können Angehörige von depressiven Personen tun?

Wenn eine Dir nahestehende Person an Depressionen leidet, solltest Du Dich zunächst über das Krankheitsbild informieren. So kannst Du lernen, die Situation des Betroffenen besser zu verstehen und sie kennenzulernen. Dies ist hilfreich, um die Verhaltensweisen der betroffenen Person besser einordnen zu können.
 
Außerdem spielt bei der Genesung von einer Depression die Motivation eine wichtige Rolle. Du kannst also den Betroffenen direkt unterstützen, indem Du ihn motivierst, sich professionelle Hilfe zu suchen, seine Medikamente regelmäßig zu nehmen und auch die Termine beim behandelnden Psychotherapeuten oder Arzt einzuhalten.
 
Wenn Du weißt, was dem Betroffenen guttut, wie zum Beispiel Sport, kannst Du ihn dabei unterstützen. Wenn Du zunächst zurückgewiesen wirst, solltest Du das nicht persönlich nehmen, sondern die Entscheidung respektieren und Dich dem Betroffenen weiterhin freundlich zuwenden. Vergiss jedoch bei alledem nicht, dass Du auch Dir selbst gegenüber eine Verantwortung hast. Auch für das Umfeld des Erkrankten ist eine depressive Erkrankung fordernd. Nimm Dir also Deinen Freiraum für eigene Aktivitäten, um selbst mit der Situation klar zu kommen. Bei Bedarf kannst Du Dir auch selbst psychotherapeutische Unterstützung oder Selbsthilfegruppen suchen.

Was sind die Folgen einer Depression?

Depressive Patienten, die keine Therapie machen, befinden sich schnell in einem Teufelskreis. Die Symptome der depressiven Störung belasten nicht nur den Patienten selbst, sondern auch die Familie, die Partnerschaft und Freundschaften. Häufig kommt es außerdem zu Problemen am Arbeitsplatz. Diese depressionsbedingten sozialen Beeinträchtigungen sind nicht unerheblich und halten bei einigen Patienten auch nach Abklingen der depressiven Symptome an.
 
In weiterer Folge neigen die Patienten zu Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder Drogen. Die schlimmste Auswirkung einer Depression ist der Suizid, also die Selbsttötung. Besonders gefährdet dafür sind Personen, die in belastenden psychosozialen Verhältnissen leben, also zum Beispiel geschieden sind, allein leben sowie Alkohol oder Drogen missbrauchen. Auch Betroffene im fortgeschrittenen Alter und Personen, die in der Vergangenheit schon Suizidversuche unternommen haben, sind besonders gefährdet.

Wie hoch ist die Suizidgefahr bei einer Depression?

Ungefähr zehn bis 15 Prozent der Menschen, die an einer Depression leiden, begehen Suizid. Besonders bei Patienten mit einer chronischen oder sehr schweren Depression ist diese Gefahr erhöht. Faktoren, die einen negativen Verlauf und somit auch das Suizidrisiko erhöhen, sind komorbide Erkrankungen wie zum Beispiel Angststörungen, ein Erstauftreten der Depression bereits in jungen Jahren und fehlende soziale Unterstützung des Patienten.
 
Die Patienten nehmen sich meist am Anfang oder am Ende einer Episode das Leben, wenn die Stimmung gedrückt ist, aber der Antrieb noch oder schon wieder stark genug ist und somit viel Energie auch für gefährliche Handlungen zur Verfügung steht.

Für einige Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, ist Suizid der einzige Ausweg - deshalb ist eine Therapie so wichtig!

Wie funktioniert der Selbsttest bei einer Depression und was kann er?

Im Internet gibt es einige „Selbsttests“ für eine Depression. Sie sollen Personen, die vermuten, an einer Depression zu leiden, Hinweise geben, ob eine Erkrankung wahrscheinlich ist. Ein Beispiel für einen solchen Selbsttest ist der Goldberg-Test, der von dem Psychiater Ivan K. Goldberg entwickelt wurde.
 
Sei Dir jedoch bewusst, dass ein solcher Selbsttest die Diagnosestellung durch einen Psychotherapeuten oder einen Arzt nicht ersetzen kann. Der Test ist lediglich als ein Hilfsmittel zur Einschätzung zu verstehen. Sollte der Test ergeben, dass Du möglicherweise unter einer Depression leiden könntest, solltest Du Dir auf jeden Fall Hilfe suchen.

Wie lange bin ich bei einer Depression krankgeschrieben?

Wie lange Dich Dein Arzt aufgrund einer Depression krankschreibt, variiert individuell stark und hängt von Deinem persönlichen Krankheitsverlauf ab. Bei einer leichten Depression kannst Du wahrscheinlich schon wenige Wochen nach Beginn der Therapie wieder an Deinen Arbeitsplatz zurückkehren. Leiden Patienten hingegen an einer schweren Depression, sind sie in manchen Fällen sogar dauerhaft nicht mehr arbeitsfähig.

Übernehmen Krankenkassen die Kosten die Behandlung einer Depression?

Für die Diagnose und eine ärztlich indizierte Behandlung einer Erkrankung wie der Depression kommen die Krankenkassen in aller Regel auf. Bei den Medikamenten ist lediglich Reboxetin nicht mehr für die klinische Praxis zu empfehlen, weswegen die gesetzlichen Krankenkassen eine Behandlung mit diesem Medikament nicht mehr übernehmen. Auch die Kosten für eine Lichttherapie musst Du selbst tragen, sie betragen etwa 1.000 Euro für die Anschaffung einer speziellen Lichttherapie-Lampe.
 
Bei den psychotherapeutischen Verfahren musst Du Dich informieren, wie das in Deinem Land gehandhabt wird. So sind zum Beispiel in Österreich viel mehr Verfahren zugelassen als in Deutschland. Die interpersonelle Psychotherapie beispielsweise gehört in Deutschland nicht zu den von den Krankenkassen erstatteten Richtlinienverfahren. Falls Du Fragen zur Kostenübernahme bestimmter Untersuchungen oder Therapien hast, frage am besten direkt bei Deinem Versicherungsträger nach.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Die Depression ist eine häufige psychische Erkrankung, die zu depressiver Stimmung, Interessen- und Freudenverlust führt. Betroffene verspüren kaum mehr Freude an Aktivitäten, die ihnen früher Freude bereitet haben. Eine Depression kann sich außerdem auch somatisch und kognitiv manifestieren.


Mögliche erste Anzeichen sind Schmerzen, zum Beispiel unspezifische Kopf- oder Bauchschmerzen, ständige Müdigkeit und ein Mangel an Energie, nachlassendes sexuelles Interesse, Reizbarkeit und Angst, zunehmende Lustlosigkeit bis hin zur Apathie, eine missmutige Stimmungslage, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.


Das Suizidrisiko ist stark erhöht, weswegen bei Verdacht auf eine Depression umgehend eine Therapie eingeleitet werden muss, in Akutfällen stehen eine Vielzahl von Hilfsangeboten wie telefonische Notdienste oder Selbsthilfegruppen zur Verfügung.


Die individuelle Behandlung besteht in der Regel aus Psychotherapie und Medikamenten, daneben gibt es noch eine Reihe an ergänzenden Therapien.

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