Schilddrüsenunterfunktion und -überfunktion

Die Schilddrüse liegt direkt unterhalb des Kehlkopfes und vor der Luftröhre. Sie hat die Form eines Schmetterlings und ist ein relativ kleines Organ. Dennoch hat sie eine fundamentale Bedeutung für den Stoffwechsel. Sie produziert drei Hormone, T3, T4 und Kalzitonin. Dadurch steuert sie Stoffwechselprozesse, reguliert den Calciumhaushalt und fördert die Knochenbildung. Besteht entweder ein Überschuss oder ein Mangel an diesen Hormonen, kann das an einer Funktionsstörung der Schilddrüse liegen. Die Symptome dieser Erkrankungen sind vielfältig und betreffen den ganzen Organismus. Man kann diesen Erkrankungen jedoch gut vorbeugen und auch bei einer bereits bestehenden Über- oder Unterfunktion gibt es unterschiedlichste Behandlungsmöglichkeiten.


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Zuletzt aktualisiert: 8. Juni, 2020



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über die Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenunterfunktion. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was ist die Schilddrüse und wofür ist sie verantwortlich?

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ unterhalb des Kehlkopfes. Sie ist für die Produktion und Freisetzung der beiden Schilddrüsenhormone T3 und T4 verantwortlich. Diese Hormone beeinflussen zahlreiche Körperfunktionen wie Energieverbrauch, Regulation der Körperwärme, Nervenaktivität, Muskeln, Herz, Kreislauf, Magen und Darm, Psyche, Sexualität sowie die körperliche und geistige Entwicklung bei Kindern. Kalzitonin hingegen senkt den Blutcalciumspiegel und fördert die Ausscheidung von Calcium über die Niere.

Schilddrüsenunterfunktion

Schilddrüsenunterfunktion/Schilddrüsenüberfunktion

Die wichtigsten Erkrankungen der Schilddrüse sind die Unterfunktion (Hypothyreose) und die Überfunktion (Hyperthyreose). Außerdem kann sich die Schilddrüse vergrößern. Diese gutartige Veränderung nennen Mediziner Kropf oder Struma, sie ist oft Folge eines Jodmangels.

Was versteht die Medizin unter einer Schilddrüsenunterfunktion/Schilddrüsenüberfunktion?

Bei der Schilddrüsenunterfunktion hast Du einen Mangel an Schilddrüsenhormon im Blut, bei der Schilddrüsenüberfunktion dagegen ist die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut erhöht.

Wie sehen die Symptome bei einer Schilddrüsenunterfunktion/Schilddrüsenüberfunktion aus?

Bei der Schilddrüsenunterfunktion hast Du Symptome wie verlangsamtes Denken und/ oder Sprechen, Antriebsarmut, Gewichtszunahme, ein aufgedunsenes Gesicht, ein übermäßiges Kälteempfinden, Müdigkeit, verringerte Leistungsfähigkeit und Verstopfung.

Bei der Schilddrüsenüberfunktion dagegen sind Symptome wie Nervosität, Gewichtsabnahme, Schlaflosigkeit, Hitzegefühl, Abgeschlagenheit und Durchfall typisch.

Welche Ursachen hat die Schilddrüsenunterfunktion/Schilddrüsenüberfunktion?

Die Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion sind vielfältig, selten ist die Erkrankung schon angeboren, oft dagegen Folge eines späteren Verlusts oder der Zerstörung von intaktem Schilddrüsengewebe wie zum Beispiel durch eine Entzündung. Arbeiten der Hypothalamus oder die Hypophyse nicht korrekt, führt das eventuell zu einer Unterfunktion. Schwerer Jodmangel, der meist mit einer Vergrößerung der Schilddrüse einhergeht, kann ebenfalls die Entstehung einer Unterfunktion bedingen.

Auch die Schilddrüsenüberfunktion kann aus mehreren Ursachen resultieren. Am häufigsten gelten allerdings Morbus Basedow oder eine Autonomie als Ursache. Seltenere Ursachen können Tumoren, eine zu hoch dosierte Schilddrüsenhormontherapie oder eine Komplikation in der Frühschwangerschaft sein.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Schilddrüsenunterfunktion/Schilddrüsenüberfunktion?

Generell kann der Mediziner schon beim Abtasten des Halses erste Hinweise auf eine Schilddrüsenerkrankung bekommen. Eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert der Arzt mithilfe einer Ultraschalluntersuchung sowie gegebenenfalls einer Szintigrafie. Dabei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren der nuklearmedizinischen Diagnostik. Die Schilddrüsenüberfunktion kann Dein Arzt mittels Bluttests (zum Beispiel Bestimmung des TSH-Werts) diagnostizieren. Weiters sind in einigen Fällen auch CT-Untersuchungen, Röntgenaufnahmen oder Farbultraschalluntersuchungen nötig, um Ausmaß und Ursache der Erkrankung besser zu ergründen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Frauen sind viermal häufiger von der Schilddrüsenunterfunktion betroffen als Männer. 10 Prozent der Personen über 65 Jahren haben einen erhöhten TSH-Wert, ein Indikator für eine Unterfunktion.

Welche Folgen hat die Schilddrüsenunterfunktion/Schilddrüsenüberfunktion für die Patienten?

Durch die Begleitsymptome der Erkrankung kann die Lebensqualität der Betroffenen beträchtlich eingeschränkt sein. Wesensveränderungen wie zum Beispiel erhöhte Aggressivität, Konzentrationsschwächen oder im Gegenteil Müdigkeit, Antriebsarmut oder gar depressive Verstimmungen können auftreten. Auch körperlich verändern sich Erkrankte häufig. Abhängig von der Art der Schilddrüsenerkrankung kann es zu Gewichtsabnahme oder Zunahme sowie auch zum Anschwellen der Haut kommen. Vegetative Veränderungen (Schwitzen, Herzklopfen, Nervosität, Schlafstörungen etc.) können Patienten zusätzlich belasten.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Bei der Schilddrüsenüberfunktion beginnt der Arzt zunächst mit einer Normalisierung der Werte mittels einer medikamentösen Behandlung (Thyreostatika), da diese häufig Voraussetzung für die weitere Therapie ist. In einigen Fällen reicht die medikamentöse Therapie aus. In anderen Fällen kann der Arzt zu einer Operation oder einer Radiojodtherapie raten. Ist lediglich ein einzelner Knoten für die Überfunktion verantwortlich, reicht es aus, diesen zu entfernen, ansonsten entfernen Chirurgen das komplette Organ. Die Radiojodtherapie basiert auf dem Prinzip der Jodaufnahme der Schilddrüse zur Hormonproduktion. Im Rahmen der Therapie nimmst Du radioaktives Jod als Kapsel oder in Wasser gelöst ein. Es sammelt sich nun in der Schilddrüse und zerstört überaktive Zellen.

Um die Strahlung musst Du Dir keine Gedanken machen, die Menge ist sehr gering und verlässt den Körper größtenteils innerhalb von einigen Tagen von selber. In dieser Zeit bist Du stationär im Klinikum und wirst von anderen Personen abgeschirmt, um diese keiner zusätzlichen Strahlung auszusetzen. Beachte, dass die Radiojodtherapie erst nach einigen Wochen wirksam wird und für Schwangere oder stillende Mütter nicht geeignet ist. Die Schilddrüsenunterfunktion wird lediglich medikamentös behandelt. Das fehlende Thyroxin wird durch ein ähnliches Medikament ersetzt, der Wirkstoff heißt Levothyroxin oder L-Thyroxin. Es bringt die Hormonwerte wieder in den normalen Bereich, wodurch die Beschwerden in der Regel vollständig verschwinden. Je nach Ursache muss die Unterfunktion vorübergehend oder dauerhaft behandelt werden.

Schilddrüsenunterfunktion

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Nach der Operation hast Du eventuell leichte Nackenschmerzen, Schwellungen im Halsbereich, Schluckbeschwerden oder Heiserkeit. Diese Beschwerden vergehen allerdings meist innerhalb weniger Stunden oder Tage. Allgemeine Operationsrisiken können auch bei diesem Eingriff nicht ausgeschlossen werden. Daneben gibt es aber auch spezifische Risiken. In Folge der Operation können Deine Stimmbandnerven geschädigt werden. Dies führt zu einer vorübergehenden oder bleibenden Stimmbandlähmung. Ist diese einseitig, wird Deine Stimme heiser, bei einer beidseitigen Stimmbandlähmung kann es allerdings zu Atemnot bis zur Erstickungsgefahr kommen. Entfernt der Chirurg die an den Schilddrüsenpolen liegenden Nebenschilddrüsen da, diese von der Erkrankung mitbetroffen sind, fällt der Spiegel des dort produzierten Parathormons im Blut ab. Dies führt wiederum zu einem erniedrigten Calciumspiegel im Blut, woraus Kribbeln in Händen und Füßen sowie Muskelkrämpfe resultieren können.

Die Komplikation tritt bei etwa sieben Prozent der Patienten vorübergehend auf, bei weniger als einem Prozent dauerhaft. Bemerkt der Chirurg seinen Fehler noch während dem Eingriff, kann er die Nebenschilddrüsen auch wieder einpflanzen. Da die Schilddrüse stark durchblutet ist, kann es nach dem Eingriff zu einem Bluterguss im Hals kommen, der die Luftröhre verengt und dadurch die Atmung behindert. In diesem Fall erfordert es eine erneute Wunderöffnung, um die Blutung zu stillen. Nachblutungen treten nur selten (weniger als ein Prozent der Patienten) auf. Die Radiojodtherapie hat normalerweise keine schwerwiegenden Komplikationen. Der Schilddrüsenhormonspiegel kann kurzzeitig ansteigen, wodurch Symptome einer Überfunktion wie Herzbeschwerden auftreten können. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Radiojodtherapie das Krebsrisiko signifikant erhöht, allerdings ist die bisherige Studienlage uneindeutig.

Wann muss die Schilddrüse operiert werden?

Die Schilddrüse muss erst operiert werden, wenn konservative Verfahren nicht zum Erfolg geführt haben. Die konservative Therapie besteht meist aus Medikamenten, die die Produktion der Schilddrüsenhormone herabsetzen oder die fehlenden Hormone in Tablettenform zuführen.

Wie verläuft die Schilddrüsen-Operation?

Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose. Nachdem der Anästhesist Dich betäubt hat, legt der Chirurg die Schilddrüse durch einen quer verlaufenden Schnitt im unteren Halsbereich frei. Handelt es sich um einen großen Kropf (Struma), welcher tief in den Brustkorb reicht, muss der Arzt eventuell auch das Brustbein öffnen (Sternotomie). Handelt es sich um einen bösartigen Geschwulst, kann er sich dafür entscheiden, neben der vollständigen Resektion der Schilddrüse auch die Halslymphknoten zu entfernen.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Einige Tage nach dem Eingriff muss Dein Arzt die Fäden ziehen. Allerdings kommt es häufig vor, dass zu diesem Zeitpunkt noch Schwellungen, Verhärtungen oder Blutergüsse im Narbenbereich bestehen. Dies ist kein Grund zur Verunsicherung, genau wie die noch sichtbare Narbe bilden sich diese von selber zurück. Je nach Konstitution bzw. Veranlagung dauert dieser Prozess ein paar Wochen oder Monate. Möchtest Du das Ergebnis optimieren, kannst Du eine spezielle Narbenpflege anwenden. Außerdem solltest Du Dich darauf einstellen, dass je nachdem wie viel Schilddrüsengewebe entfernt worden ist, ein mehr oder weniger starker Abfall des Hormonhaushalts Deines Körpers zu erwarten ist. Daher ist in vielen Fällen eine medikamentöse Nachbehandlung Pflicht. Entfernt Dein Arzt die Schilddrüse komplett, erfolgt eine Hormonersatztherapie mit Thyroxin.

Kann die Schilddrüsenunterfunktion- oder überfunktion vollständig geheilt werden?

Die Schilddrüsenunterfunktion kann bislang noch nicht geheilt werden. Experten forschen zurzeit mit Stammzellen, um die Schilddrüsenfunktion wiederherzustellen. Die Schilddrüsenüberfunktion kann dagegen in der Hälfte der Fälle komplett geheilt werden.

Kann ich diese Schilddrüsenerkrankung vorbeugen?

In einem gewissen Ausmaß kannst Du Schilddrüsenerkrankungen tatsächlich vorbeugen. Grundstein einer gesunden Schilddrüse ist eine ausreichende Jodzufuhr. Dies stellst Du sicher, indem Du beispielsweise bestimmte Fischsorten, wie Kabeljau, Scholle oder Seelachs zu Dir nimmst. Doch auch in Milchprodukten ist oftmals Jod enthalten. Achte ebenfalls darauf, dass Du beim Kochen jodiertes Speisesalz verwendest. Falls Du allerdings an Erkrankungen leidest, die eine verminderte Jodzufuhr notwendig machen, gilt dieser Hinweis für Dich nicht.

Schilddrüsenunterfunktion und Schilddrüsenüberfunktion

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Kosten für Deine Schilddrüsenbehandlung übernehmen in aller Regel die Krankenkassen. Für manche speziellen Leistungen musst Du vorher eine Bewilligung oder Erstattung beantragen. Normalerweise rechnet Dein Arzt direkt mit Deiner Krankenversicherung ab, bei bestimmten Krankenkassen, kann allerdings ein Selbstbehalt für Dich anfallen. Für nähere Informationen zu Kosten und deren Übernahme kannst Du Dich bei Deinem Arzt sowie Deiner Krankenkasse informieren.

Quellen

PubMed.gov

AWMF

Georg Zettinig, Wolfgang Buchinger: Schilddrüse – Kurz und Bündig. Verlag Krause und Pachernegg, 2. Auflage 2010


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Die Schilddrüse ist ein relativ kleines Organ das sich direkt unterhalb des Kehlkopfes befindet und ist bedeutend für Stoffwechsel und Hormonproduktion (T3, T4 und Kalzitonin)


Frauen sind häufiger betroffen als Männer, ältere häufiger als jüngere und kann die Lebensqualität der Betroffenen massiv einschränken


Symptome: verlangsamtes Denken und/ oder Sprechen, Antriebsarmut, Gewichtszunahme, aufgedunsenes Gesicht, übermäßiges Kälteempfinden, Müdigkeit, verringerte Leistungsfähigkeit und Verstopfung oder im Gegensatz Nervosität, Gewichtsabnahme, Schlaflosigkeit, Hitzegefühl, Abgeschlagenheit und Durchfall


Basis einer Schilddrüsenbehandlung ist eine medikamentöse Einstellung der Patienten, ist dies nicht ausreichend, kann eine Operation oder Radiojodtherapie erwogen werden

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