Echte Grippe (Influenza)

Jedes Jahr aufs Neue in den kalten Wintermonaten hören wir von Tausenden Erkrankten, wiederholten Krankenständen, Schutzimpfungsempfehlungen und vorbeugenden Hygienemaßnahmen. In den Monaten Dezember bis März beziehungsweise April ist Grippesaison, je nach jährlicher Virusbeschaffenheit fällt diese mal mit mehr und mal mit weniger Erkrankungsfällen aus. Wichtig für jeden einzelnen ist es, die Unterschieden zum einfachen grippalen Infekt zu kennen, um frühzeitig reagieren und sich und Andere schützen zu können.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der echten Grippe handelt es sich um eine akute Atemwegsinfektion durch das Influenzavirus, sie ist von einem weitaus gefährlicheren grippalen Infekt (verursacht durch Adeno- oder Rhinoviren) zu unterscheiden.


Eine Influenza-Infektion kann durchaus unterschiedliche Beschwerdebilder verursachen. Dies reicht von Symptomfreiheit bis hin zu schweren Verläufen mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Husten und Atemnot.


Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch sowohl als Tröpfchen- als auch als Schmierinfektionen. Neben einfachen hygienischen Maßnahmen (Hände waschen!) kann auch die Schutzimpfung eine Infektion verhindern.


Die Therapie erfolgt meist symptomatisch, also durch Fiebersenkung, Schmerzlinderung, Behandlung des Hustens, Bettruhe und ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Nur in wenigen Fällen ist eine spezifische antivirale Therapie notwendig (Risikogruppe).

Was versteht die Medizin unter Influenza?

Als echte Grippe wird eine akute Infektionskrankheit der Atemwege bezeichnet, die überwiegend durch die Viren der Gattung Influenzavirus A und B ausgelöst wird.

Wie sehen die Symptome bei einer echten Grippe aus?

Die Symptome einer echten Grippe zu kennen ist wichtig, um Verwechslungen mit dem Zustand eines grippalen Infektes (im Alltag auch einfach als Erkältung bezeichnet) zu vermeiden und dadurch auch die richtigen Maßnahmen bezüglich Schutz vor Übertragung und richtiger Therapie setzen zu können.
 
Zu den typischen Symptomen zählen Fieber mit Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Husten. Im Gegensatz zum grippalen Infekt kommt es zu einem plötzlichen Krankheitsbeginn und einem ausgeprägten Schwäche- und Krankheitsgefühl, zudem gehören Halsweh und Schnupfen, die beim grippalen Infekt im Vordergrund stehen beziehungsweisen mit denen diese Erkrankung meist beginnt, nicht zur klassischen Symptomatik einer Grippe.
 
Ungefähr die Hälfte bis zwei Drittel aller Influenza-Infektionen verläuft allerdings auch lediglich mit milder oder fehlender Symptomatik, weshalb sie von einem grippalen Infekt nicht unterschieden werden können beziehungsweise häufig auch gar nicht als Erkrankung erkannt werden.

Echte Grippe oder Influenza zeichnet sich unter anderem durch Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Kraftlosigkeit aus.

Welche Ursachen hat die Grippe?

Die Ursache der Grippe ist das Influenzavirus, das zur Familie der Orthomyxoviren gehört. Vier Gruppen an Influenzaviren sind bekannt: A, B, C und D, wobei nur A und B die Erreger der typischen saisonalen Grippe sind. Auch hier gibt es unterschiedliche Subtypen, was die Entwicklung eines Impfstoffes so kompliziert macht.
 
Bei der Influenza handelt es sich um eine Tröpfcheninfektion, eine Übertragung erfolgt also beim Husten, Niesen oder Sprechen. Kurze Zeit können Grippeviren zudem auf Oberflächen überleben und daher auch als Schmierinfektion (Händeschütteln, Anfassen von Gegenständen, Türklinken usw.) an andere Personen weitergegeben werden.

Wie sieht der Krankheitsverlauf bei Grippe aus?

Nach Übertragung dauert es in der Regel einige Stunden bis maximal drei Tage bis erste Symptome auftreten. Dabei kommt es zu einem sehr plötzlichen Krankheitsbeginn, innerhalb weniger Minuten bis Stunden entwickeln betroffene Personen einen trockenen Husten, Fieber und fühlen sich zunehmend geschwächt.
 
Die Dauer der Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich, häufig besteht auch nach erfolgter Bekämpfung des Virus (und nun fehlender Virus-Nachweisbarkeit) weiterhin ein ausgeprägtes Schwächegefühl, das noch einige Tage anhalten kann. Die Gefahr der Ansteckung anderer besteht bereits bis zu zwei Tage vor dem ersten Symptomausbruch (auch bei fehlender Symptomatik besteht Ansteckungsgefahr!) circa vier bis fünf Tage.
 
Selten, aber doch, kommt es zu schweren Verläufen, die bis zum Tod führen. Grund dafür ist zum einen das Influenza-Virus selbst (Influenzapneumonie), zum anderen eine bakterielle Superinfektion, also eine Sekundärerkrankung durch Bakterien, die auf ein geschwächtes Immunsystem treffen und dadurch umso größeren Schaden anrichten können.
 
Am häufigsten zu beobachten sind hierbei Lungenentzündungen durch Pneumokokken oder Staphylokokken, die Betroffene enorm schwächen. Auch Personen mit lungenspezifischen Vorerkrankungen (COPD, Asthma bronchiale) können mitunter sehr schwere Verläufe erleben, da sich diese bestehenden Erkrankungen akut verschlechtern (man spricht von einer sogenannten Exazerbation) und dadurch lange Krankenhausaufenthalte nach sich ziehen können.

Wie häufig tritt Influenza auf?

Influenzaviren sind grundsätzlich das ganze Jahr auf der ganzen Welt vorhanden. Dass Infektionen vorwiegend in den kalten Wintermonaten stattfinden, hängt insbesondere mit unseren Lebensgewohnheiten zusammen:
Übermäßiges Heizen bewirkt trockene Luft, die die Schleimhäute austrocknet und für Infektionen insgesamt anfälliger macht.
In Wintermonaten gehen wird weniger häufig ins Freie, wodurch sich viele Menschen auf engerem Raum befinden und die Ansteckungsgefahr höher ist.
 
Jedes Jahr aufs Neue kommt es daher zu Grippewellen bei denen sich Tausende Menschen (die WHO geht von circa zehn bis zwanzig Prozent der Gesamtbevölkerung aus) anstecken und auch immer wieder Menschen sterben. In Österreich forderte die Grippewelle 2018/19 circa 1.300 Tote, in Deutschland sind es je nach Saison bis zu 20.000-30.000 Menschen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Grippeerkrankung?

Besteht der Verdacht auf eine echte Grippe, kann ein sicherer Nachweis durch einen Abstrich der Rachen- oder Nasenschleimhaut und einer Virus-PCR im Labor erfolgen. Das Ergebnis ist meist nach vier bis fünf Stunden vorliegend. Mittlerweile gibt es auch sogenannte Influenza- Schnelltests, die ein Ergebnis innerhalb von 15 Minuten liefern.
 
Hierbei werden Virusproteine mittels farblich markierter Antikörper auf einem Teststreifen im Labor sichtbar gemacht. Nicht jede Grippeerkrankung wird allerdings auf diese Weise diagnostiziert, vor allem bei jüngeren Personen und solchen, bei denen keine Risikofaktoren bestehen, kann auf eine beweisende Diagnostik verzichtet werden, da diese die Therapie nicht beeinflussen würde.

Echte Grippe oder Influenza bringt starkes Fieber mit sich.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Grundsätzlich kann jede Person unabhängig von Alter oder Geschlecht betroffen sein, auch jüngere Menschen können langwierige Verläufe mit hohem Fieber durchmachen. Vor allem für ältere Personen oder solche mit schweren Vorerkrankungen (Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen, Krebserkrankungen, Immunschwäche) kann eine Influenza jedoch auch wirklich gefährlich werden und sogar den Tod bedeuten.

Welche Folgen hat die Grippe für die Patienten?

Ein milder bis normaler Verlauf zieht keine drastischen Folgen nach sich, nach ein bis zwei Wochen Bettruhe und Krankenstand ist man in der Regel wieder fit, allerdings sollte man es – wie auch bei einer normalen Erkältung – nicht sofort übertreiben und dem Körper ein bisschen Anlaufzeit gönnen, bevor man zum gewohnten Stresslevel (Achtung auch bei sportlichen Aktivitäten) zurückkehrt.
 
Der trockene Husten kann sich mitunter auch noch etwas länger ziehen.
Entwickelt sich eine sekundäre Lungenentzündung kann dies vor allem bei älteren oder Personen, die Vorerkrankungen an der Lunge hatten, mit erheblichen Komplikationen einhergehen. Diese erleben eine rasante Verschlechterung des Allgemeinzustandes, haben mitunter hohes Fieber und leiden zunehmend unter Atemnot.
 
Greift die eingeleitete Therapie und versuchte Verbesserung der Lungenfunktion (Sauerstoffgabe, medikamentöse Erweiterung der Atemwege) nicht, muss eine maschinelle Unterstützung der Atmung (sowohl nicht-invasiv als auch invasiv) eingeleitet werden. Die Erholungsphase von diesem Stadium dauert dementsprechend länger, bleibende Schäden im Lungengewebe sind allerdings selten.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Grundsätzlich können eine spezifische und eine nicht-spezifische Therapie unterschieden werden. Die nicht-spezifische Therapie umfasst allgemeine Maßnahmen wie medikamentöse Fiebersenkung, Schonung und Bettruhe, Schmerzbehandlung, Linderung des Hustens, Flüssigkeits- und unter Umständen auch Sauerstoffgabe.
 
Die spezifische Therapie richtet sich direkt gegen die Viren, es handelt sich um sogenannte Neuraminidasehemmer (bekanntester Vertreter ist Tamiflu), die die Vermehrung der Viruspartikel verhindern. Die Gabe des Medikaments ist allerdings nur innerhalb der ersten Stunden (meist wird von einem Zeitfenster von zwölf bis maximal 48 Stunden ausgegangen) sinnvoll. Verabreicht werden diese Neuraminidasehemmer meist nur Personen aus Risikogruppen, da die Krankheit grundsätzlich auch ohne spezifische Therapie überwunden werden kann und sich bei zu häufiger Anwendung schnell Resistenten ausbilden.

Wie kann ich eine Grippe Erkrankung vorbeugen?

Das Influenzavirus wird von Mensch zu Mensch übertragen, häufig helfen daher einfache hygienische Maßnahmen, um eine Ansteckung zu verhindern. Dazu gehören sowohl regelmäßiges Händewaschen beziehungsweise die Verwendung von Desinfektionsmittel als auch stets in die Ellenbeuge zu husten oder zu niesen. Zudem gibt es die Möglichkeit zur Schutzimpfung, die allerdings jährlich durchgeführt werden muss, da sich die Oberflächenmerkmale des Grippevirus durch Mutation ständig ändern.
 
Die WHO gibt dementsprechend jedes Jahr neue Empfehlungen zur Impfstoffzusammensetzung heraus. Impfen lassen kann sich grundsätzlich jeder, besonders empfohlen ist die Impfung für Risikogruppen, dazu gehören Personen über 60 Jahre, Menschen mit Vorerkrankungen oder Immundefiziten, Schwangere sowie Krankenhauspersonal.

Die Beschwerden einer echten Grippe oder Influenza können unter anderem durch einen großen Konsum von Tee gelindert werden.

Welche Hausmittel gegen Influenza gibt es?

Gegen das Influenzavirus selbst gibt es lediglich die durch den Arzt verschreibungspflichtigen Neuraminidasehemmer, doch können altbewährte Hausmittel das Immunsystem unterstützen und den Erholungsprozess beschleunigen.

  • Viel trinken! Zwar gilt dies ohnehin immer, doch solltest Du vor allem in Erkrankungszuständen unbedingt auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten. Am besten in Form von warmen Tees, beispielsweise Kamillen- oder Salbeitee.
  • Hühnersuppe. Sogar groß angelegte medizinische Studien weisen darauf hin, dass der Verzehr von Hühnersuppe bei grippalen Infekten oder echter Grippe Wunder wirken.
  • Inhalieren von Salzwasser oder Kamillentee ist kostengünstig, einfach zuzubereiten und beruhigt Hals und Hustenreiz.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ja, alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen werden durch die Sozialversicherungsträger übernommen. Ist ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig, kann ein gewisser Selbstbehalt zu zahlen sein, darüber wirst Du allerdings in jedem Fall vor der stationären Aufnahme aufgeklärt.


AUF EINEN BLICK

Dauer Dauer

Bis zu zwei Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der echten Grippe handelt es sich um eine akute Atemwegsinfektion durch das Influenzavirus, sie ist von einem weitaus gefährlicheren grippalen Infekt (verursacht durch Adeno- oder Rhinoviren) zu unterscheiden.


Eine Influenza-Infektion kann durchaus unterschiedliche Beschwerdebilder verursachen. Dies reicht von Symptomfreiheit bis hin zu schweren Verläufen mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Husten und Atemnot.


Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch sowohl als Tröpfchen- als auch als Schmierinfektionen. Neben einfachen hygienischen Maßnahmen (Hände waschen!) kann auch die Schutzimpfung eine Infektion verhindern.


Die Therapie erfolgt meist symptomatisch, also durch Fiebersenkung, Schmerzlinderung, Behandlung des Hustens, Bettruhe und ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Nur in wenigen Fällen ist eine spezifische antivirale Therapie notwendig (Risikogruppe).

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