Lepra

Die Lepra trägt im Deutschen den Namen Aussatz, und das nicht von ungefähr. Erkrankte im Mittelalter eine Person an Lepra, so wurde sie aus der Gesellschaft verstoßen. Heutzutage ist die Lepra zum Glück eine behandelbare und heilbare Erkrankung. Aber wer erkrankt heute überhaupt noch an Lepra? In welchen Ländern kann man sich anstecken? Und was ist Lepra eigentlich genau? Hier verraten wir Dir alles, was du über Lepra wissen musst.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter Lepra?

Die Lepra hat in der Medizin viele Namen, Aussatz ist nur einer von ihnen. Hansen’sche Krankheit, Miselsucht oder Morbus Hansen – mit all diesen Begriffen ist die Lepra gemeint. Ihr Entdecker Gerhard Amauer Hansen konnten ihren Erreger schon 1873 zum ersten Mal im Mikroskop nachweisen. Sie wird von einem Bakterium, dem Mycobacterium leprae, übertragen und löst eine Erkrankung der Haut, Schleimhäute und Nerven aus. Unbehandelt kann sie aber mitunter auch die Organe angreifen. Weil Lepra eine schwere Infektionserkrankung ist, gehört sie zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Mediziner müssen also schon bei einem Verdacht auf eine Infektion mit Lepra eine behördliche Meldung machen.

Lepra

Wie sehen die Symptome bei Lepra aus?

Nach einer Ansteckung mit Lepra vergehen zumeist mehrere Jahre, bis die Krankheit ausbricht. Sie äußert sich zunächst häufig in einem ungewöhnlichen Taubheitsgefühl in Fingern und Füßen. Zu den Erst-Symptomen zählen aber auch – je nach Hauttyp – ungewöhnlich dunkle oder helle Flecken auf der Haut. Die Krankheit kann sich danach, abhängig von der Menge des Bakteriums im Körper und der Stärke des Immunsystems des Erkrankten, sehr unterschiedlich entwickeln. Deshalb teilen Experten die Lepra in verschiedene Typen ein.

Die tuberkuloide Lepra ist die häufigste Erkrankungsform und entwickelt sich bei guter Leistung des Immunsystems. Sie ist nur wenig ansteckend und geht mit einem Befall der Haut und Nerven einher. Organe erkranken bei diesem Typ auch im späteren Verlauf nicht. Bei Betroffenen entwickeln sich zunächst dunkle oder helle, scharf begrenzte Flecken auf der Haut, die bei der tuberkuloiden Form asymmetrisch über den Körper verteilt sind. Diese mit Lepra befallenen Stellen sind zunächst überempfindlich und schmerzhaft. Später verlieren Erkrankte an diesen Läsionen aber das Temperatur-, Schmerz- und Tastempfinden.

Der Erreger befällt unterhalb der Haut die sensiblen Nerven, die Berührungen und Reize von Hautarealen zum Gehirn weiterleiten. Dadurch entwickeln Lepra-Erkrankte oft charakteristische Wunden, die selbst nicht von der Krankheit hervorgerufen werden. Da aber das Schmerzempfinden gerade im späteren Verlauf der Lepra an vielen Stellen nicht mehr vorhanden ist, kommt es häufig zu schweren Verletzungen. Durch den fehlenden Schmerzreiz behandeln Betroffene diese zudem nicht ausreichend.

Aber die Lepra befällt auch die motorischen Nerven, die Reize vom Gehirn zu den Muskeln leiten und dort eine Bewegung initiieren. Deshalb verlieren an Lepra Erkrankte auch nach und nach die Muskelkraft und zeigen Lähmungserscheinungen.

Die lepromatöse Lepra, wie sie von Medizinern genannt wird, ist dagegen die schwerste Form der Lepra. Bei geschwächtem Immunsystem verbreiten sich die Lepra-Bakterien über den gesamten Blutkreislauf im Körper und greifen das Nervengewebe, die Schleimhäute und schließlich den ganzen Körper an. Auf der gesamten Haut bilden sich sogenannte Leprome. So nennen Experten die Lepra-typischen Hautknoten von hellroter bis brauner Farbe, die Körperteile und das Gesicht zersetzen. Dadurch kommt es auch zu einem anderen charakteristischen Symptom der schweren Lepra-Erkrankung, dem Löwengesicht.

Hierbei verschmelzen die Leprome im Gesicht so sehr, dass die Gesichtszüge nur noch grob erkennbar sind. Bei der lepromatösen Lepra befällt das Bakterium zudem auch Knochen, Sehnen, Muskeln und innere Organe. Häufig kommt es zu einem Befall des Mundbodens und Kehlkopfs, wodurch sich die Stimme erkrankter Personen verändert. Auch Nierenentzündungen treten bei vielen Patienten auf. Im weiteren Verlauf kann die Krankheit allerdings jedes Organ betreffen. Die Lepra selbst führt nicht zum Tod, verursacht aber schwere Folgeinfektionen, an denen Betroffene dann schließlich – solange keine ausreichende medizinische Versorgung gewährleistet ist – versterben.

Lepra

Die Borderline-Lepra befindet sich mit ihren Symptomen zwischen den beiden geschilderten Extremen. Der Verlauf dieser Lepra-Form ist abhängig vom Immunsystem der Erkrankten und kann sich entweder in Richtung des lepromatösen oder des tuberkuloiden Typs entwickeln.

Welche Ursachen hat Lepra?

Der Verursacher der Lepra ist das Mycobacterium leprae. Genau wie der Erreger der Tuberkulose lebt dieses Bakterium in den Zellen des Organismus und greift diese von innen heraus an.

Wie erfolgt die Ansteckung bei Lepra?

Im Gegensatz zum weit verbreiteten Glauben ist die Lepra wenig ansteckend. Erkranken kann nur, wer sich lange in unmittelbarer Nähe zu Lepra-Kranken aufhält und engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten der Erkrankten hat. Deshalb spielt die Lepra in der Reisemedizin eine eher untergeordnete Rolle.

Wie diagnostiziert der Arzt Lepra?

Die Diagnose der Lepra erfolgt zunächst über ihre charakteristischen Symptome, allen voran den lepratypischen Hautflecken und den verdickten Nervensträngen. Sie sind sehr typisch für die Erkrankung und daher leicht zu erkennen. Zudem kann der Arzt auch über Abstriche die Erreger heranzüchten und dadurch einen direkten Nachweis für die Erkrankung erbringen. Außerdem ist das Bakterium auch unter dem Mikroskop in Haut-Abschabungen oder anderem infiziertem Gewebe zu erkennen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Während die Lepra früher auf der ganzen Welt vorkam, ist ihr Verbreitungsraum heutzutage deutlich geschrumpft. Ihr heutiges Verbreitungsgebiet erstreckt sich über große Gebiete Südostasiens, Indiens, Afrikas und Brasiliens. Einige Fälle wurden auch in den USA sowie auf pazifischen Inseln gemeldet, die Anzahl der Erkrankten dort ist jedoch äußerst gering. Die Lepra kommt somit hauptsächlich in sogenannten Entwicklungsländern und Schwellenländern vor. Auch deshalb wird sie von der Weltgesundheitsorganisation auf der Liste der vernachlässigten Erkrankungen geführt.

Die Anzahl der Lepra-Erkrankungen ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken, was vor allem auf die neuen Therapiemöglichkeiten zurückzuführen ist. Betroffen sind hauptsächlich Menschen, die in schwerster Armut leben und sich aufgrund ihrer Lebensumstände und der hygienischen Verhältnisse vor Ort nicht vor einer Ansteckung schützen können.

Lepra

Welche Folgen hat Lepra für die Patienten?

Die Folgen der Lepra-Erkrankung für Betroffene variieren stark. Abhängig von der medizinischen Versorgung vor Ort, können Ärzte die Lepra-Erkrankung prinzipiell gut behandeln und Patienten vollständig genesen. Aber gerade in den endemischen Gebieten der Erkrankung, also dem Umfeld, in dem die Krankheit vorkommt, ist die medizinische Versorgung häufig nicht gewährleistet. Dann kann die Lepra schwerste Folgen haben.

Kann die Lepra nicht behandelt werden, entwickeln Patienten Verstümmelungen. Diese entstehen zum Teil durch verschmelzende Leprome, aber auch durch Wunden, deren Ausmaß Betroffene aufgrund des mit der Lepra einhergehenden Sensibilitätsverlusts nicht mehr spüren. Das Aussehen dieser Patienten prägt auch das Bild, das nach wie vor die gesellschaftliche Wahrnehmung der Erkrankung dominiert.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Prinzipiell ist Lepra heutzutage gut behandelbar und kann geheilt werden. Die Behandlung besteht vor allem in der Verwendung von Zwei- oder Dreifachkombinationen spezieller Antibiotika.
Bei Lepromen, den speziellen, knotigen Veränderungen des lepromatösen Typs, setzen Ärzte außerdem den Wirkstoff Thalidomid ein, der in den 50er und 60er Jahren als „Contergan“ weltweite Schlagzeilen machte. Gegen die lepromatösen Hautveränderungen ist der Wirkstoff aber heutzutage die Standardmedikation.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Die verschiedenen, gegen Lepra verwendeten Antibiotika haben jeweils individuelle Nebenwirkungen. Zu den häufigsten gehören allergische Reaktionen, eine Belastung der Leber, Blutbildveränderungen und Magen-Darm-Beschwerden. Thalidomid und auch einige Antibiotika dürfen Betroffene zudem aufgrund des hohen Risikos für Fehlbildungen nicht in der Schwangerschaft einsetzen. Die Nebenwirkungen der Lepra-Therapie sind der Krankheit selbst in jedem Falle vorzuziehen.

Kann ich einer Lepra-Erkrankung vorbeugen?

Solange kein langer, enger Kontakt mit an Lepra Erkrankten besteht, existiert kein Ansteckungsrisiko. Sollte man über einen längeren Zeitraum Kontakt mit Betroffenen gehabt haben, so ist eine Vorsorgeuntersuchung und im Zweifel frühzeitige Behandlung gegen Lepra unbedingt in die Wege zu leiten.

Kann Lepra vollständig geheilt werden?

Solange alle Medikamente für eine Behandlung zur Verfügung stehen und die medizinische Versorgung gewährleistet ist, kann Lepra vollständig geheilt werden.

Lepra

Gibt es eine Impfung gegen Lepra?

Momentan existiert keine Impfung gegen Lepra. Vor allem das Anzüchten der Bakterien im Labor gestaltet sich äußerst schwierig. Allerdings laufen weltweite Forschungen zur Behandlung von Lepra an Gürteltieren. Sie sind Träger des Lepra-Erregers und eignen sich daher gut als Versuchstiere.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen alle Kosten, die im Rahmen einer Therapie gegen Lepra auftreten.

 

Quellen

MSD Manual

aerzteblatt.de

orpha.net


Dauer Dauer

Je nach Stadium

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Stadium

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Stadium

Das Wichtigste zusammengefasst

Lepra ist eine durch das Mycobacterium leprae übertragene Infektionserkrankung, die in Südostasien, Indien, Afrika und Brasilien verbreitet ist


Ihre Hauptsymptome bestehen in lepratypischen Hautflecken sowie knotigen Veränderungen der Nerven


Lepra ist nur wenig ansteckend und überträgt sich nur bei langem, engem Kontakt mit Lepra-Erkrankten


Momentan existiert keine Impfung gegen Lepra

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