SARS & MERS

Sowohl das Schwere Akute Respiratorische Syndrom, kurz SARS, als auch das Middle East Respiratory Syndrome, kurz MERS, werden durch Erreger, die zur Familie der Coronaviren zählen, ausgelöst. Beide Krankheiten gehören zu den viralen Zoonosen, was bedeutet, dass der Krankheitserreger von Tieren auf den Menschen übertragen wurde. Im Speziellen vermuten Wissenschaftler, dass beide Erreger ursprünglich Fledermäuse als Wirten hatten. Die MERS-Viren wurden jedoch von Dromedaren auf den Menschen übertragen, die sie als Zwischenwirt benutzten.


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Zuletzt aktualisiert: 8. Juni, 2020



Sowohl MERS als auch SARS sind in Österreich, Deutschland und der Schweiz laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet entweder durch eine Tröpfchen- oder eine Schmierinfektion statt. Beide Krankheitserreger verursachen primär eine Infektion der Lunge. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen gehören der Risikogruppe an. Bei ihnen nehmen die Krankheiten nicht selten einen tödlichen Verlauf. Einen Impfstoff oder Arzneimittel gibt es bis heute weder für SARS noch für MERS. Die Behandlung der Patienten findet vor allem auf einem klinischen Weg statt. So therapieren Ärzte SARS mit dem (auch bei Hepatitis C etablierten) antiviralen Wirkstoff Ribavirin sowie einer Mischung aus verschiedenen Antibiotika bei möglicher bakterieller Superinfektion der Lunge. Patienten mit MERS bekommen vor allem Medikamente zur Linderung der Symptome.
 
Die SARS Viren wurden ursprünglich von Fledermäusen auf den Menschen übertragen

Was ist der Unterschied zwischen SARS und MERS?

Im Gegensatz zu den SARS-Viren sprangen die MERS-Viren nicht direkt von Fledermäusen auf den Menschen über, sondern benutzten Dromedare als Zwischenwirt, eine Mensch-zu-Mensch Übertragung war zudem bei MERS eher selten der Fall. Die Krankheiten haben auch eine unterschiedliche Sterberate, die bei MERS mit 35 Prozent wesentlich höher lag als bei SARS mit zehn Prozent. Zudem schaut die genetische Zusammensetzung von den beiden Krankheitserregern anders aus. SARS konnte 2003 durch das konsequente Abschirmen infizierter Personen und stark betroffener Gebiete vollständig eingedämmt werden. Bei MERS wurden 2012 jedoch neuerlich 151 Neuerkrankungen gemeldet.

Welche Ursachen hat SARS?

SARS wird durch den sogenannten Sars-Cov-1 Erreger ausgelöst, welcher zur Familie der Coronaviren gehört. Experten haben herausgefunden, dass das Virus wahrscheinlich von Fledermäusen auf den Menschen übertragen wurde, da diese in China als Delikatesse gelten und ihr Kot in der Traditionellen Chinesischen Medizin Anwendung findet. Der Krankheitserreger löst Infektionen mit dem klinischen Bild einer atypischen Lungenentzündung aus. Die Übertragung erfolgt vorwiegend über Tröpfcheninfektion, das heißt durch Einatmen infektiöser Tröpfchen bei Kontakt mit erkrankten Personen.
 
Auch eine Ansteckung durch eine sogenannte Schmierinfektion, also dem Anfassen von Oberflächen, auf denen infektiöse Flüssigkeiten haften und einem anschließenden Kontakt der Hand mit dem Mund, ist möglich, da das Virus bis zu 24 Stunden außerhalb des menschlichen Körpers überleben kann. Ist es einmal im Körper, breitet sich das Virus über die Atemwege aus, nutzt diese, um sich zu vermehren und tötet hier Atemwegszellen ab. Pathophysiologisch zeigt es sich durch eine massive Entzündung des Lungengewebes mit typischen Zeichen eines ARDS (Lungenversagen- acute respiratory distress Syndrom).

Wie sehen die Symptome bei SARS aus?

Typische Symptome sind anfangs hohes Fieber über 38 Grad Celsius, Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Halsentzündung mit Husten und Heiserkeit und Atemnot. Im Verlauf kann sich eine Lungenentzündung entwickeln, die bei schwereren Fällen in ein akutes Atemnotsyndrom (ARDS) übergehen kann. Bei etwa 70 Prozent der Patienten kommt es begleitend auch zu Durchfall.
 
Bei SARS tritt häufig hohes Fieber auf

Wie verläuft SARS?

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, die sogenannte Inkubationszeit, kann bis zu sieben Tage dauern. Danach treten die typischen Symptome Fieber, Halsschmerzen, Husten und Kurzatmigkeit auf, die sich bis zu einer Lungenentzündung steigern können. 20 Prozent der Patienten weisen Komplikationen auf, die sich in einem Lungenversagen zeigen. Eine intensivmedizinische Behandlung wird in diesem Fall notwendig. Im schlimmsten Fall jedoch führt SARS zum Tod.

Wie lässt sich SARS diagnostizieren?

Bei Verdacht auf SARS verwendet der Spezialist die sogenannte Polymerase-Ketten-Reaktion oder kurz PCR, eine molekularbiologische Methode, welche zur Diagnostik von zahlreichen Infektionskrankheiten eingesetzt wird. Im Labor kann damit das Erbgut von Krankheitserregern schnell und sicher nachgewiesen werden. Dafür entnimmt der Arzt Proben des Auswurfs beim Husten, auch Sputum genannt, oder des Rachenspülwassers. Aber auch das Verfahren der Bronchoalveolären Lavage kommt zum Einsatz. Dabei bringt der Spezialist Flüssigkeit, wie in etwa Kochsalzlösung, in deinen Atemwegstrakt ein und saugt sie gemeinsam mit dem Schleim, anderen Zellen und Krankheitserregern mittels eines Bronchoskops wieder ab. Einige Tage nach Krankheitsbeginn sind die Erreger auch im Stuhl nachweisbar, sodass für die Diagnose auch Stuhlproben beziehungsweise Rektalabstriche empfohlen werden.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Zwischen November 2002 und Juni 2003 erkranken über 8000 Personen an SARS, 776 Menschen starben. Unter ihnen sehr viele Ärzte und Krankenschwestern. Die Zahl der erkrankten Männer war höher als bei Frauen, Kinder wiederum erkrankten selten. Die meisten Toten gab es in China. In Österreich konnte kein Fall verzeichnet werden, in Deutschland waren es neun Erkrankte, in der Schweiz ein Patient, wobei alle überlebten.

Welche Folgen hat SARS für die Patienten?

Bei rund 25 Prozent der SARS-Patienten konnten auch nach der Genesung Veränderungen des Lungengewebes im Sinne einer Lungenfibrose nachgewiesen werden, die sich im Laufe der Behandlung zwar besserten, aber nicht vollständig verschwanden. Bei 40 Personen war der Sauerstoffaustausch in der Lunge gestört. Diese Störung besserte sich nur bei etwa der Hälfte der Betroffenen.
 
Die Viren von SARS und MERS können sich schädlich auf die Lungen auswirken

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Da es keine speziellen Behandlungsmethoden gibt, greifen Ärzte auf den antiviralen Wirkstoff Ribavirin sowie Kortison zurück. Bei einem leichten Verlauf reichen fiebersenkende Mitteln, um das Immunsystem zu unterstützen. Auch die Gabe von Interferon Alpha, einem Eiweiß, welches der Körper selbst für die Bekämpfung von Viren herstellt, hat sich als erfolgreich erwiesen. Um eine eventuelle zusätzliche, bakterielle Entzündung der Atemwege zu heilen, setzen Mediziner verschiedene Antibiotika ein. Eine unterstützende Therapie kann mittels nicht-invasiver oder auch bei fortschreitender Erkrankung invasiver Beatmung durchgeführt werden. Letztere vor allem bei sehr schweren Erkrankungen.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Das Risiko an SARS zu erkranken, erhöht sich, wenn Du nicht genügend Abstand zu erkrankten Menschen einhältst, da der Erreger hauptsächlich über Tröpfcheninfektion übertragen wird. Bei etwa 20 Prozent der Erkrankten tritt ein akutes Lungenversagen als Komplikation auf, welches eine intensivmedizinische Behandlung verlangt.

Gibt es eine Impfung gegen SARS?

Bis heute gibt es keine Schutzimpfung gegen den Erreger SARS-CoV.

Wie sieht die Prognose bei SARS aus?

Etwa 10 Prozent der Patienten sind an SARS gestorben. Meist zeigt sich aber ein milder Verlauf. Die Krankheit heilt dabei vollständig selbst wieder aus.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen alle Kosten der notwendigen Untersuchungen und der eventuell benötigten Intensivbehandlung im Krankenhaus.

Welche Ursachen hat MERS?

MERS wird durch das MERS-Coronavirus, kurz MERS-CoV verursacht und kann bei engem Kontakt von Tieren auf den Menschen überspringen. Ursprünglich von Fledermäusen übertragen, fand die eigentliche Ansteckung dann aber über Dromedare statt. Die Mensch-zu-Mensch Übertragung erfolgt über Tröpfchen- und Schmierinfektion, wobei bis heute keine Hinweise für eine kontinuierliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung nachgewiesen werden konnte.
 
MERS-Viren können von Dromedaren auf den menschen übertragen werden

Wie sehen die Symptome bei MERS aus?

Anfangs leiden die Patienten unter grippeähnlichen Zuständen wie Fieber, Husten und Atemnot, oft begleitet mit Durchfall. In einem späteren Verlauf kann ein Atemnotsyndrom auftreten. Bei schwereren Fällen kann es vor allem bei Menschen mit chronischen Vorerkrankungen wie Diabetes, Krebs oder immunschwachen Personen zu einer Lungenentzündung oder zu Nierenversagen kommen. Betroffene müssen dann auf der Intensivstation betreut werden.

Wie verläuft MERS?

Die Inkubationszeit beträgt meist weniger als eine Woche. Am Beginn stehen grippeähnliche Symptome im Vordergrund, welche durch Begleiterscheinungen wie Durchfall ergänzt werden können. Patienten bekommen im Verlauf oft einen Atemwegsinfekt, der in ein akutes Atemnotsyndrom oder eine Lungenentzündung übergehen kann. Schwere Verläufe zeigen sich eher bei Menschen mit Vorerkrankungen. Hierbei kann ein Nierenversagen bis hin zu einem Multiorganversagen auftreten und zum Tod führen.

Wie lässt sich MERS diagnostizieren?

Der Arzt kann das Virus im Labor durch Proben aus der Nase, den Bronchien, dem Rachenspülwasser oder dem Auswurf beim Husten, nachweisen. Dazu wendet der Spezialist molekularbiologische Methoden an, durch welche er das Erbgut des Erregers herausfiltern kann. Vor allem die Proben aus den unteren Atemwegen eigenen sich besonders für den Virusnachweis. Für einen Antikörpernachweis muss der Arzt zwei Proben von Dir nehmen, die erste eine Woche nach Symptombeginn und die zweite mindestens 28 Tage danach. Dein Arzt kann eventuell auch Hinweise auf Erreger in Urin- und Stuhlproben feststellen. 2013 wurden Fragmente von Viruserbgut sogar in der Luft eines Stalles mit infizierten Dromedaren nachgewiesen.
 
MERS kann sich unter anderem durch Durchfall äußern

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Vor allem Menschen mit schweren Vorerkrankungen wie Diabetes oder chronischen Lungenerkrankungen, mit Immundefekten oder zurückliegendem Nierenversagen haben ein erhöhtes Risiko, an MERS zu erkranken und daran zu sterben. Deshalb empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO diesen Personen, sich von Kamelen fernzuhalten und auch keine Produkte, die aus diesen Tieren gewonnen werden, zu konsumieren.
 
Die Epidemie hatte im Nahen Osten auf der arabischen Halbinsel ihren Ausgang, breitete sich aber aufgrund des Tourismus weltweit aus. Insgesamt erfasste die WHO 2.428 bestätigte MERS-Infektionen, wovon 838 Personen starben. In Österreich gab es im Jahr 2014 zwei Fälle, bei denen es sich aber um Touristen aus dem arabischen Raum handelte. Auch in Deutschland wurden zwischen 2012 und 2015 drei Patienten behandelt, von denen einer genesen entlassen werden konnte, ein weiterer verstarb gleich und die dritte Person an den Spätfolgen. Zudem konnte in der Blutprobe einer engen Kontaktperson des dritten Patienten MERS-Coronaviren nachgewiesen werden, jedoch zeigte die Person keinerlei Symptome. In der Schweiz trat ein Fall auf.

Welche Folgen hat MERS für die Patienten?

Zwar gilt das MERS-Virus weit weniger ansteckend als das SARS-Virus, dennoch starben mehr Menschen an den Folgen der Atemwegsinfektion, die mit Fieber, Lungenentzündung und Nierenversagen einhergeht.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Da es bislang keine erprobte und sichere antivirale Therapie gibt, kann der Arzt nur fiebersenkende und entzündungshemmende Medikamente zur Linderung der Symptome verabreichen.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

In sehr schweren Fällen führt die Erkrankung zu einer schweren Lungenentzündung und zu einem Nierenversagen, was zum Tod führen kann.

Gibt es eine Impfung gegen MERS?

Zwar wurde lange nach einem geeigneten Impfstoff geforscht, doch konnte dieser bis heute nicht hergestellt werden.
 
Gegen MERS gibt es keinen Impfstoff. Es wird meist medikamentös behandelt

Wie sieht die Prognose bei MERS aus?

Die Sterblichkeitsrate liegt bei den labordiagnostisch bestätigten Fällen bei 35 Prozent.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen alle notwendigen Untersuchungen für eine sichere Diagnose und für die Behandlung. Auch bezahlen die Krankenversicherungsträger eine eventuell benötigte intensivmedizinische Betreuung im Krankenhaus.

Wie verhält sich COVID-19 im Vergleich zu SARS und MERS?

Das Schwere akute Atemwegssyndrom Coronavirus 2 ist eine durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachte Infektionskrankheit, das wie seine beiden Vorgänger die Lunge befällt und ebenfalls bei Fledermäusen nachgewiesen werden konnte. Der Ausgangspunkt war wie beim SARS-Virus die Volksrepublik China. Mittlerweile breitete sich die Krankheit zu einer Pandemie aus. Zahlen und aktuelle Entwicklungen findest Du auf unserem Blog zu COVID-19.
 
Nachdem die COVID-19 Pandemie immer noch anhält, können Wissenschaftler noch keine genauen Informationen über die Sterberate geben. Diese liegt derzeit unter der von SARS und MERS. Wie schon beim SARS-Virus kann sich die Krankheit von Mensch-zu-Mensch leicht durch Tröpfcheninfektion übertragen, nur scheint die Übertragung viel schneller abzulaufen.
 
COVID-19 tritt bei Männern häufiger als bei Frauen auf. Menschen mit einer schweren Vorerkrankung wie Diabetes, Asthma oder Herzkrankheiten und insbesondere Personen über 65 Jahren sind eher betroffen. Die Symptomatik ist der von SARS und MERS sehr ähnlich. Anfängliche Beschwerden sind grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber, ein trockener Husten und Müdigkeit. Etwa 80 Prozent der Betroffenen haben keine oder nur leichte Beschwerden, jedoch kann die Krankheit aufgrund von Komplikationen wie einer Lungenentzündung auch einen schweren bis tödlichen Verlauf nehmen.
 
COVID-19 ist ebenfalls ein Virus aus dem Stamm der Coronaviren
 
Ähnlich wie bei SARS und MERS versuchen die Regierungen die Krankheit durch Quarantäne-Maßnahmen einzudämmen, wobei die derzeitige Pandemie extremere Methoden verlangt. So schränken die Behörden das öffentliche Leben in sämtlichen Ländern extrem ein, lassen Schulen schließen, verhängen Ausgangssperren oder Ausgangsbeschränkungen und fahren die
 
Bei Fragen zu diesem oder einem anderen medizinischen Thema steht Dir unser Forum zur Verfügung. Hier kannst Du Dich mit anderen Mitgliedern austauschen und unsere Ärzte kontaktieren!
 


Dauer Dauer

Je nach Stadium

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Stadium

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Stadium

Das Wichtigste zusammengefasst

Sowohl SARS als auch MERS und COVID-19 sind Infektionskrankheiten, die durch Coronaviren ausgelöst werden und Entzündungen der Atemwege und der Lunge verursachen. Meist bleiben die Krankheiten symptomlos, jedoch können sie bei schweren Verläufen zum Tod führen


Bei allen drei Erkrankungen handelt es sich um sogenannte Zoonosen, was bedeutet, dass die Krankheit von Tieren, hier im Speziellen von Fledermäusen, auf den Menschen übertragen wurde. Bei MERS erfolgte diese Übertragung durch Dromedare, die als Zwischenwirt für das Virus fungierten


Der Arzt kann den Erreger über mikrobiologische Verfahren nachweisen. Dazu nimmt er Proben aus der Nase, den Bronchien, dem Rachenspülwasser oder dem Auswurf beim Husten sowie in einem späteren Verlauf aus dem Urin und dem Stuhl


Eine eigentliche Behandlung oder Impfung gibt es derzeit für keine der drei Erkrankungen. Ärzte können lediglich die Symptome mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten lindern

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