Bulimie

Bei Bulimie handelt es sich um eine psychosomatische Erkrankung, die der Gruppe der Essstörungen zuzuordnen ist. Meist beginnt sie im jungen Erwachsenenalter und betrifft vor allem Frauen. Umgangssprachlich wird die Krankheit auch Ess-Brech-Sucht genannt, da Bulimiker mit immer wiederkehrenden Heißhungerattacken zu kämpfen haben, die sie nicht kontrollieren können. Auslöser sind psychische Faktoren, wie wenig Selbstliebe, ein geringes Selbstwertgefühl, eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers und gesellschaftliche Normen. Nach Außen wollen Betroffene perfekt erscheinen und legen viel Wert auf das Aussehen ihres Körpers. Bulimie ist durch Psychotherapie grundsätzlich gut behandelbar. Etwa die Hälfte aller Betroffenen können ihr Essverhalten mithilfe einer Therapie wieder völlig normalisieren, bei einem weiteren Teil führt die Therapie zumindest zu einer Verbesserung der Symptome.


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Online-Redaktion

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Zuletzt aktualisiert: 22. Juni, 2020



ICD-10-GM-2020 F50.2

Was versteht die Medizin unter einer Bulimie?

In der medizinischen Fachsprache ist die Bulimie auch unter Bulimia nervosa, als Ess-Brech-Sucht und Bulimarexie bekannt. Die Krankheit gehört zu den psychischen Störungen und zählt neben der Magersucht oder der Esssucht zur Gruppe der Essstörungen.
 
Der Begriff kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Heißhunger, Ochsenhunger oder Stierhunger“. Zwar sind Betroffene meist normalgewichtig, doch haben sie große Angst vor einer Gewichtszunahme. Deshalb ergreifen sie nach den typischen Heißhungerattacken Gegenmaßnahmen wie Erbrechen und exzessiven Sport oder nehmen Abführmittel und fasten.
 
Um die Mangelerscheinungen des Körpers wieder auszugleichen, stopfen Patienten danach Unmengen an Nahrung in sich hinein. Die ständige Überbelastung des Körpers kann ernste gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Eine Psychotherapie kann hier helfen, ein normales Körperbild wiederherzustellen und das Essverhalten zu normalisieren.

Was ist der Unterschied zwischen Bulimie und Magersucht?

Oft verschwimmen die Grenzen zwischen Bulimie und Magersucht, jedoch geht eine Magersucht oft einer Bulimie voraus. Das heißt, dass dem Erbrechen meist eine Phase eines starken Gewichtsverlustes vorangeht. Die psychischen Hintergründe sind jedoch bei beiden Krankheiten verschieden.
 
So sehen magersüchtige Personen starkes Untergewicht als Ideal an, haben ein verzerrtes Körperbild, eine sogenannte Körperschema-Störung, und streben nach Abgrenzung und Selbstkontrolle durch Essensverweigerung und Gewichtsabnahme. Betroffene haben Angst vor Kontrollverlust und Vereinnahmung durch andere und sind stolz auf ihre Fähigkeit der Körperkontrolle.
 
Mögliche Folgeschäden können eine Unter- oder Mangelernährung und Muskelschwund sowie Osteoporose oder Unfruchtbarkeit sein. Frauen sind deutlich häufiger betroffen, wobei die Anzahl der Männer in den letzten Jahren gestiegen ist. Magersüchtige haben selten sexuelle Partnerschaften und tragen ein hohes Sterberisiko in sich.

Der Übergang von einer Bulimie zur Magersucht ist oft fließend.

Bulimiker dagegen wollen schlank sein und halten aus Scham ihre Krankheit oft geheim. Patienten wollen meist das gesellschaftlich vorherrschende Schönheitsideal erfüllen. Sie wollen anerkannt werden und dazugehören und haben Angst vor dem Alleinsein und dem Verlassen werden beziehungsweise vor Ausgrenzung.
 
Bulimie-Betroffene pflegen sexuelle Partnerschaften und auch die Prognose schaut besser aus als bei magersüchtigen Patienten. Tödliche Komplikationen treten eher selten auf, jedoch kämpfen viele Betroffenen mit gravierenden körperlichen und auch psychischen Folgeerscheinungen. 

Welche Typen von Bulimikern unterscheiden Mediziner?

Mediziner unterscheiden im Wesentlichen zwischen zwei Krankheitstypen, welche sich ihrer Symptomatik unterscheiden:
 
Bulimie mit Erbrechen – Perging-Typ
 
Kennzeichen dieses Typs ist das ständige Erbrechen nach jeder Mahlzeit. Je nachdem, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, haben Betroffene mehr oder weniger Essattacken, bei denen sie große, hochkalorische Nahrungsmitteln in sich hineinstopfen, um sie danach wieder zu erbrechen. Auch Abführmittel helfen Betroffenen, den gewünschten Effekt der Nahrungsentledigung zu erzielen. Deshalb nennen Ärzte diese Form auch „Ess-Brech-Sucht“.
 
Bulimie ohne Erbrechen – Nicht-Perging-Typ
 
Bei diesem Typ erbrechen Patienten nach dem Essen nicht, sondern halten strenge Diäten, fasten oder nehmen Abführmittel. Auch exzessives Betreiben von Sport bis zur Erschöpfung wird diesem Typ zugeteilt, weshalb Ärzte diese Form auch „Sportbulimie“ nennen.
 
Manchmal verschwimmen die Kriterien für eine Bulimie aber auch und Betroffene leiden zwar an immer wiederkehrenden Essanfällen, sorgen sich aber ansonsten eher wenig um ihr Körpergewicht. Diese Sonderform der Bulimie wird im Fachjargon als „atypische Bulimie“ bezeichnet.

Wie häufig ist die Bulimie und wer ist besonders gefährdet?

Etwa ein bis zwei Menschen von 100 erkranken an Bulimie, bei etwa fünf von 100 treten zumindest einzelne Krankheitsanzeichen auf. Mit rund 90 bis 95 Prozent der Betroffenen gehören Mädchen und Frauen zwischen dem 17. und dem 30. Lebensjahr zur gefährdetsten Gruppe, wobei in den letzten Jahren immer mehr Männer an Bulimie erkranken.
 
Besonders anfällig sind Personen, bei denen ein geringes Körpergewicht für das Ausüben ihres Berufs vorausgesetzt wird, wie in etwa bei Models, Tänzern oder Skispringern. Der Großteil der Patienten haben einen Body-Mass-Index von über 17,5 und ist somit normalgewichtig. Oft geht der Bulimie eine Magersucht voraus oder Patienten wechseln zwischen Phasen der Bulimie und Magersucht hin und her.

Bulimiker messen sich ohne Nachzudenken an unnatürlichen Schönheitsidealen, die ihrem Körpertyp nicht entsprechen.

Was sind die Symptome einer Bulimie?

Die Anzeichen einer Bulimie-Erkrankung sind oft schwer zu erkennen, da Betroffene meist normalgewichtig bis leicht untergewichtig sind und ihre Krankheit geheim halten wollen. Nur wenn sie bei Essanfällen oder dem anschließenden Erbrechen ertappt werden, kann die Krankheit direkt erkannt werden. Grundsätzlich äußert sich eine Bulimie vor allem durch eine gestörte Wahrnehmung des Hunger- und Sättigungsgefühls.
 
Die Bulimie ist eine Erkrankung mit einem breiten Spektrum an Symptomen. Unter anderem lässt sich eine Bulimie anhand folgender psychischer und physischer Anzeichen erkennen:
 

  • Angst vor dem Zunehmen: Betroffene kontrollieren oft mehrmals am Tag ihr Gewicht und denken auch häufig über ihre Figur und ihr Aussehen nach. Sie leiden unter einem geringen Selbstwertgefühl und wollen gesellschaftlichen Normen entsprechen. Bei den Mahlzeiten wirken Bulimiker sehr diszipliniert und essen zwischen den Attacken meist gesunde, kalorienarme und fettreduzierte Nahrungsmitteln.
  • Ess-Brech-Attacken: Diese versuchen Betroffene zu verheimlichen und planen sie dazu regelrecht, um nicht erwischt zu werden, da sie sich dafür schämen. Im Durchschnitt treten Ess-Brech-Attacken mindestens zwei Mal die Woche und bis zu mehrmals am Tag auf.
  • Exzessive Sporteinheiten: Da Betroffene nach den Essanfällen ein schlechtes Gewissen haben, treiben viele übermäßig Sport, um nicht zuzunehmen.
  • Angegriffene Zähne: Durch das ständige Erbrechen kommen die Zähne der Patienten mit stark säurehaltigem Mageninhalt in Kontakt. Dadurch wird der Zahnschmelz angegriffen und es kann starke Karies entstehen.
  • Hamsterbäcken: Auch die Ohrspeicheldrüsen werden durch das Erbrechen stark beansprucht, wodurch sie sich entzünden können und anschwellen. Dies macht sich meist durch Hamsterbäckchen bemerkbar.
  • Menstruationsstörungen: Durch die häufigen Ess-Brech-Attacken können der Stoffwechsel und der Hormonhaushalt gestört werden, weshalb einige Frauen unregelmäßige oder sogar ausbleibende Regelblutungen haben.
  • Ständige Gedankenkreise: Ähnlich wie bei einer Suchterkrankung kreisen die Gedanken von Betroffenen ständig um ihr Gewicht. Diese zwanghafte Beschäftigung mit Kalorien, Nahrungszusammensetzungen und der Gewichtskontrolle wird meist als quälend wahrgenommen. Zudem zeigen sich Betroffene zwischen den Attacken als leistungsorientiert und perfektionistisch. In schwereren Fällen ziehen sich Betroffene zurück und zeigen selbstverletzendes Verhalten. Auch kämpfen sie mit starken Stimmungsschwankungen.

Bulimiker kämpfen sehr oft mit psychischen Problemen, wobei die Unzufriedenheit mit der eigenen Person Hauptursache ist.

  • Kombination mit anderen psychischen Erkrankungen: Bulimie tritt häufig mit anderen psychischen Problemen wie Depressionen, Minderwertigkeitsgefühlen, Unzufriedenheit mit der eigenen Person, Alkohol-, Drogen- oder anderen Suchterkrankungen auf. Zudem ziehen sich viele Betroffenen in die Isolation zurück und zeigen eine ausgeprägte Impulskontrollschwäche, die sich in einem unkontrollierten Konsumverhalten äußert. Typische Anzeichen wären Frustkäufe, Kaufsucht oder Ladendiebstähle. Auch Panikattacken, Angst- oder Zwangsstörungen sowie ADHS sind möglich.
  • Gesundheitliche Probleme: Betroffenen haben aufgrund des häufigen Erbrechens meist einen gestörten Elektrolyt- und Wasserhaushalt, was zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen kann. Auch die Nierenfunktion oder ein Einreißen des Magens können Folgen sein. Weiters können die große Nahrungsmittelaufnahme und eventuelle Einnahme von Medikamenten zu Störungen des Verdauungstraktes führen. Ein eventueller Nährstoffmangel kann Herz-Kreislauf-Störungen, Haarausfall oder Konzentrationsproblemen verursachen. 

Welche Ursachen hat eine Bulimie?

Bulimie kann unterschiedliche Ursachen haben, wobei immer mehrere Faktoren bei der Entstehung zusammenspielen und sich gegenseitig beeinflussen. So spielen eine erbliche Veranlagung und häufiges Diät halten ebenso eine Rolle wie die persönliche Entwicklung.
 
Personen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl, einem Perfektionismus und einer starken Sorge um ihr Aussehen und ihre Figur sowie ihrem Gewicht erkranken eher an Bulimie als selbstbewusste Menschen. Sie glauben, die Erwartungen anderer erfüllen zu müssen, und bauen dadurch innere Spannungen auf. Um diese zu entladen, kommt es zu plötzlichen Gefühlsausbrüchen und Essattacken.
 
Neben den gesellschaftlichen Idealen und dem damit verbundenen gestörten Verhältnis zum eigenen Körper sowie der Angst vor dem Dicksein dürfen in der Therapie auch andere Faktoren nicht außer Acht gelassen werden. So können belastende Erlebnisse, wie Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen und körperliche Vernachlässigung sowie familiäre Konflikte ebenfalls zu einer Erkrankung führen.
 
Doch nicht immer ist klar, was Ursache und was Folge der Krankheit ist, denn viele Betroffene leiden gleichzeitig unter anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen, wie Panikstörungen, Zwangsstörungen oder soziale Phobien. Diese können Folge von Bulimie sein, denn Diäten und Hungern können zu einer Funktionsstörung des Botenstoffs Serotonin führen, welcher im Gehirn für die Stimmungslage, die Impulskontrolle und den Appetit zuständig ist. Umgekehrt kann ein durch andere Faktoren geschädigter Serotoninhaushalts eine Bulimie-Erkrankung fördern.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Bulimie?

Das Erkrankungsrisiko steigt vor allem dann, wenn auch andere Familienmitglieder an Bulimie, Depressionen, Zwangsstörungen oder anderen Suchterkrankungen leiden. Oft kommt dann noch ein übermäßiger Leistungsdruck, eine fehlende Anerkennung der Familie oder von Freunden sowie eine starke Kontrolle der Eltern hinzu. Hinzu kommt ein westliches Schönheitsideal, welches nur schlanke Menschen als erfolgreich und schön beschreibt.

Trotz der Krankheit haben Betroffene meistens ein Normalgewicht. Die Anst der Gewichtszunahme ist die größte Angst von Bulimikern.

Wie ist der Krankheitsverlauf eine Bulimie?

Die Krankheit beginnt meist im Alter zwischen 18 und 30 Jahren und tritt vermehrt bei Frauen auf. Etwa 15 bis 25 Prozent aller Bulimiker waren zuerst magersüchtig, ein umgekehrter Verlauf hingegen ist eher selten. Anfangs halten Betroffene streng Diät, erst später treten die ersten Essattacken beziehungsweise die jeweiligen Gegenmaßnahmen, wie Erbrechen, exzessives Sporteln oder die Einnahme von Abführmitteln auf.
 
Dabei erleben Patienten einen Kontrollverlust mit anschließenden Schuldgefühlen, Scham und der Angst vor einer Gewichtszunahme. Die Häufigkeit der Ess-Brech-Attacken variieren über die Zeit. Es gibt auch immer wieder Phasen, wo Betroffene normal essen. Steigt der Stresspegel, nehmen auch die Essattacken wieder zu.
 
Im Durchschnitt leben Bulimiker rund fünf Jahre mit der Krankheit, bevor sie sich Hilfe suchen. Oft sind die Schuldgefühle zu groß oder Betroffene nehmen an, dass sie jederzeit selbst damit aufhören können. Die Heilungschancen sind umso besser, je früher mit einer Therapie begonnen wird und desto jünger die Person ist.
 
Eine Kombination aus Magersucht und Bulimie dagegen ist schwer zu behandeln. Auch gestörte Familienkonstellationen oder mehrfach abgebrochene Behandlungen können einen negativen Effekt auf die Heilung haben. Etwa die Hälfte der Patienten werden jedoch wieder gesund. Die Therapie nimmt aber oft Jahre in Anspruch.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Bulimie?

Für die Diagnose einer Bulimie ist ein Gespräch mit dem Arzt und eine Abklärung der körperlichen und psychischen Beschwerden notwendig.
 
In einem Anamnesegespräch erläutert der Arzt Deine Lebensgewohnheiten, eventuelle Beschwerden und den Krankheitsverlauf. Dabei könnte er Fragen über eventuell Essanfälle, eine wiederholte Anwendung unangemessener gegensteuernder Maßnahmen und über die Bedeutung Deines Gewichts und Deiner Figur für Dich stellen.
 
Für die körperliche Untersuchung veranlasst der Mediziner die Bestimmung verschiedener Laborwerte, wie Nierenwerte, Blutbild, Hormonhaushalt, Urinstatus, Elektrolyte oder Gesamteiweiß. Um eventuelle Schäden des Bauchraumes festzustellen, kann der Arzt eine Ultraschalluntersuchung vornehmen oder gegebenenfalls ein EKG, eine Gastroskopie und eine Computertomographie anordnen.
 
Da eine Bulimie-Erkrankung eng mit der Psyche verknüpft ist, gehört zu einer umfassenden Diagnose auch ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten oder einem anderen Spezialisten.

Eine Psychotherapie ist essenziel für die erfolgreiche Behandlung einer Bulimie.

Welche Behandlungs- und Therapieformen kommen bei einer Bulimie zum Einsatz?

Je nach Schwere der Krankheit kann die Behandlung entweder ambulant, in einer Tagesklinik oder stationär gemäß eines Stufenplans erfolgen. Die Entscheidung über die Form der Behandlung erfolgt durch den behandelnden Arzt und ist abhängig vom individuellen körperlichen und psychischen Zustand des Patienten. Auch soziale Faktoren spielen dabei eine Rolle.
 
Das Ziel der Therapie ist die Normalisierung des Essverhaltens und die Stabilisierung des Körpergewichts, was meist durch Psychotherapie erreicht werden kann. Die psychologische Behandlung ist bei Bulimie-Erkrankten unumgänglich und steht im Mittelpunkt der Therapie.
 
Oft kommt die Verhaltenstherapie zum Einsatz, in der Patienten ihre Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse wieder schärfen und damit ihr Selbstwertgefühl stärken sollen. Auch die Selbstzweifel können dabei abgebaut und neue Denkmuster erlernt werden, um im Alltag besser mit Stress und Leistungsdruck umgehen zu können. Manchmal kann es notwendig sein, Angehörige in die Therapie miteinzubeziehen.
 
In manchen Fällen ist die Einnahme von Medikamenten notwendig, mit denen körperliche sowie psychische Begleiterkrankungen behandelt werden. Bei körperlichen und psychischen Problemen kann die Gabe von Medikamenten manchmal unterstützend wirken. Vor allem bei Bulimie in Kombination mit Depressionen regelt das Medikament Fluoxetin den Serotonin-Haushalt und reduziert dadurch depressive Verstimmungen und Bulimie-typische Verhaltensweisen.
 
Als drittes Element der Behandlung erfolgt eine Ernährungstherapie, in der Betroffene den gesunden Umgang mit Nahrungsmitteln neu erlernen. In einer Ernährungstherapie erlernen Patienten nicht nur Theoretisches, sondern auch, wie sie gesunde Mahlzeiten zubereiten können. Gemeinsam mit dem Therapeuten erstellen sie Essenspläne, um Heißhungerattacken in Zukunft besser vermeiden zu können. Zudem ist die Gabe von Vitaminen und Mineralstoffen sowie eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten notwendig. 

Das Essverhalten von Bulimikern wechselt sich ab zwischen strengen Diäten und unkontrollierten Heißhungerattacken.

Wie können Patienten ihr Essverhalten normalisieren?

Der Prozess zurück zu einer normalen Ernährung und einem angepassten Essverhalten hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Bei einem leichteren Verlauf mit nicht zu viel oder sogar ohne Erbrechen kann oft eine ambulante Ernährungsberatung helfen. Dabei erstellen Spezialisten gemeinsam mit Dir einen Essensplan, welchen Du einhalten musst.

In schweren Fällen müssen Patienten in eine stationäre Behandlung, bei der das Essverhalten und die Ernährung kontrolliert werden. Betroffene werden in das Zubereiten des Essens mit eingebunden, um die Angst vor kalorienreichen Lebensmitteln zu verlieren und damit einen positiven Umgang mit Essen zu bekommen.

Wie ist die Prognose einer Bulimie?

Bulimie ist im Grunde auch nach einem längeren Verlauf gut therapierbar. Doch sind für die Prognose gewisse Faktoren ausschlaggebend. So spielen die Krankheitsdauer oder das Alter der Patienten eine wesentliche Rolle. Hinzu kommen Kriterien wie die Familiengeschichte, mögliche zusätzliche psychische Erkrankungen und die Tatsache, ob eine Therapie gemacht wird oder nicht.
 
Etwa die Hälfte aller Patienten erreichen nach einem mehrjährigen Krankheitsverlauf eine vollständige Heilung. Bei rund 30 Prozent tritt eine Verbesserung der Symptome ein, 20 Prozent zeigen keine erhebliche Besserung ihres Zustandes. Chronische Verläufe und gleichzeitige Anzeichen einer Borderline-Störung, Suizidversuche und Alkoholmissbrauch senken die Heilungschancen aber erheblich. 

Welche Folgen hat eine Bulimie für Betroffene?

Durch das ständige Erbrechen und wiederholter Diäten, exzessiven Sporteinheiten und die Einnahme von Abführmitteln kann es neben den psychischen Folgen auch zu körperlichen Schäden kommen. Diese bleiben oft auch nach erfolgreicher Therapie bestehen. Zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen zählen:
 

  • Mangelernährung: Ständige Diäten und das wiederholte Erbrechen sowie die Einnahme von Abführmitteln können den Elektrolythaushalt stören und zu Mangelerscheinungen führen. Der Körper bekommt zu wenig Vitamine, was lebensbedrohliche Folgen haben kann.
  • Herzmuskelschwäche: Der Körper verliert durch das Erbrechen und Abführen wichtige Salze wie Kalium. Ein Kaliummangel kann wiederum lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen und den Herzmuskel schwächen.
  • Osteoporose: Aufgrund des entstehenden Vitaminmangels bekommen auch die Knochen zu wenig Nahrung. Ein Kalziummangel macht die Knochen brüchig, zu wenig Vitamin D und Östrogen können als Bulimie-Spätfolge zu Knochenschwund, der sogenannten Osteoporose, führen.
  • Nierenschäden: Da der Körper aufgrund von Erbrechen und Abführen zu wenig Elektrolyte und Flüssigkeit bekommt, kann es in weiterer Folge auch zu Nierenschäden, im schlimmsten Fall zu einem Nierenversagen kommen. Auch die Einnahme von Abführmitteln oder anderen harntreibenden Mitteln kann auf Dauer die Nieren- und Leberfunktion beeinträchtigen.
  • Ohrspeicheldrüsenentzündung: Der Brechvorgang selbst kann zu einer Entzündung der Ohrspeicheldrüsen führen. Diese schwellen an und bilden die für Bulimie typischen Hamsterbäckchen.
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung: Auch die Bauchspeicheldrüse kann sich aufgrund des ständigen Erbrechens entzünden, was sich durch starke Bauchschmerzen, Fieber und einem erhöhten Herzschlag bemerkbar machen kann.

Die Prognose bei einer Bulimie ist sehr gut, Betroffene haben aber oft mit Folgeschäden zu kämpfen.

  • Magen- und Verdauungsprobleme: Durch das ständige Erbrechen kann es zu einem Kaliummangel kommen, der zu einer Verlangsamung des Nahrungstransports im Körper und in weiterer Folge zu Verstopfungen führt. Durch die Aufnahme von großen Nahrungsmengen auf einmal wird der Magen aufgebläht, was starke Schmerzen und im schlimmsten Fall sogar einen lebensgefährlichen Riss im Magen, eine sogenannte Magenruptur, verursachen kann. Das Erbrechen und der Medikamentenmissbrauch reizen zudem die Magenschleimhaut stark, wodurch sich diese entzünden kann. Oft kommt es zu einem chronischen Verlauf, einer sogenannten chronischen Gastritis. In der Folge kann in manchen Fällen ein Magengeschwür mit lebensbedrohlichen Magenblutungen entstehen.
  • Entzündungen der Speiseröhre: Auch der Schließmuskel des Magens kann durch das häufige Erbrechen geschädigt werden. Dadurch kommt es zur sogenannten Refluxerkrankung, bei der die Magensäure in die Speiseröhre fließt, was neben Sodbrennen eine schmerzhafte Schleimhautentzündung hervorrufen kann. Der Reflux bleibt in den meisten Fällen auch nach einer erfolgreichen Therapie bestehen.
  • Zahnschäden: Häufig haben Betroffene Probleme mit den Zähnen, da die Magensäure beim Erbrechen den Zahnschmelz angreift und so Karies verursachen kann.
  • Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit: Aufgrund eines Östrogenmangels kann die Regelblutung unregelmäßig auftreten oder auch ganz ausbleiben. Zudem kann die Fruchtbarkeit abnehmen.
  • Haut- und Haarveränderungen: Bei etwa zehn bis 30 Prozent der Patienten kommt es in weiterer Folge zu trockener Haut, brüchigen Haaren mit Haarausfall. Ein Anschwellen der Speicheldrüsen kann zudem zu wunden Mundwinkeln führen.
  • Gehirnschäden: Durch den Verlust von Natrium kann es zu Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn, sogenannten Hirnödemen, kommen. Diese können Krampfanfälle verursachen und das Denkorgan nachträglich schädigen. Im schlimmsten Fall können Hirnödeme sogar tödlich sein.

 
Psychische Folgen
 
Viele Betroffene gleichzeitig mit Depressionen und Angsterkrankungen zu kämpfen. In einigen Fällen führt dies zu einem Suizid. Patienten versuchen, ihre innere Leere mit Essen zu füllen, bekommen danach aber ein schlechtes Gewissen und quälende Schuldgefühle, wodurch sie versuchen, die Nahrung wieder loszuwerden. Dies führt zu einem Teufelskreis, aus dem die wenigsten von selbst wieder herauskommen. Betroffene schämen sich für ihr gestörtes Essverhalten und haben Selbstwertprobleme. Viele ziehen sich zurück oder entwickeln andere Suchtverhaltensweisen, insbesondere Alkoholmissbrauch, Drogen- und Tablettenmissbrauch oder exzessives Rauchen.

Was können Angehörige von Bulimikern tun?

Falls Du Anzeichen einer Bulimie bei Angehörigen oder Freunden siehst, solltest Du das Thema behutsam ansprechen. Oft streiten Betroffene zunächst alles ab, jedoch empfehlen Ärzte, immer wieder auf sie zuzugehen und Hilfe anzubieten.
 
Ungeduld oder starke Emotionen haben dabei aber keinen Platz. Besser ist es, selbst Beratungsstellen für Essstörungen, Haus- oder Fachärzte sowie Psychotherapeuten zurate zu ziehen und dort auch als Helfer Hilfe zu suchen.
 
Gespräche beginnst Du am besten in entspannten Situationen, nicht während dem Essen, da es dabei zu emotionalen Überreaktionen kommen kann. Dränge Dein Gegenüber nicht, zeige aber Deine emotionale Anteilnahme. Du kannst auch anbieten, gemeinsam zu einem Beratungsgespräch zu gehen. Viele Zentren für Essstörungen bieten dieses anonym und kostenfrei an. Auch telefonische Beratung ist möglich.

Bulimiker müssen ihr Essverhalten erst wieder normalisieren und lernen, das zu essen, was sie glücklich macht - ohne Angst vor Gewichtszunahme.

Wie viel kostet die Behandlung einer Bulimie?

Je nach Therapie können unterschiedliche Kosten auf Dich zukommen, wobei die medizinische Abklärung und die fachärztliche Begleitung auf Krankenschein oder privat mit Rückrechnung mit der Krankenkassen erfolgen kann. Die Kosten für eine Psychotherapie hängen davon ab, ob Du in Einzel- oder Gruppentherapie gehst. So kostet eine Einzelstunde zwischen 60 und 80 Euro, Gruppensitzungen bekommst Du um die 40 Euro.
 
Auch hier ist eine Rückverrechnung mit den Krankenkassen möglich, viele Therapeuten bieten aber auch einen Sozialtarif an. Im Normalfall bekommst Du in Österreich 21,80 Euro pro Sitzung zurück, in manchen Fällen werden aber auch kostenlose Therapieplätze der Krankenkasse vergeben. In Deutschland übernehmen die Krankenversicherungsträger die Therapiekosten bei Essstörungen zur Gänze, in der Schweiz ist die Kostenübernahme je nach Kasse unterschiedlich.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung einer Bulimie?

Im Grunde übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die ärztliche Untersuchung zur Abklärung einer Bulimia nervosa sowie die der Behandlung. Solltest Du privat eine Psychotherapie in Anspruch nehmen, können Kosten auf Dich zukommen. Dies solltest Du vorab mit Deinem Versicherungsträger abklären. Ambulante Einrichtungen haben meist einen Kassenvertrag, weshalb die Kosten hier abzüglich eines eventuellen Tagessatzes von etwa 10 Euro übernommen werden.


Dauer Dauer

Je nach Krankheitsverlauf

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Krankheitsverlauf

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Krankheitsverlauf

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter einer Bulimie verstehen Mediziner eine Essstörung mit einem Wechsel von streng kontrolliertem Essverhalten und Heißhungerattacken


Die Ursachen sind meist ein schwaches Selbstwertgefühl, gestörte Familienverhältnissen, der Wunsch nach Anerkennung und Anpassung an das herrschende Schönheitsideal oder genetische beziehungsweise biologische Auslöser


Betroffene leiten nach Essattacken drastische Gegenmaßnahmen wie Erbrechen, die Einnahme von Abführmitteln oder anderen Medikamenten sowie übermäßigen Sport ein, um nicht an Gewicht zuzunehmen


Eine Bulimie hat für Betroffene sowohl körperliche als auch psychische Folgen, unter welchen sie teilweise ein Leben lang leiden

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