Zahnschmelz

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz in unserem Körper und umschließt als dünne äußere Schicht das Zahnbein. Er besteht aus einer Mischung aus Kalzium, Phosphor, Natrium und Magnesium, auch Hydroxylapatit genannt. Da der Zahnschmelz aus abgestorbenen Zellen besteht, enthält er kein Nervengewebe und ist demnach sehr widerstandsfähig. Aufgrund dieser Härte können Zahnärzte den Zahnschmelz nur mit rotierenden, diamantbesetzten Instrumenten behandeln. Bei Absplitterung oder nach einem säurebedingten Abbau kann sich der Zahnschmelz jedoch nicht selbst reparieren und ohne Zahnschmelz werden unsere Zähne nicht mehr ausreichend vor Karies, Abnutzung oder Reizungen geschützt. Um dem vorzubeugen, ist eine gute Mundhygiene und Zahnpflege notwendig.


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Zuletzt aktualisiert: 19. Mai, 2020



Was versteht die Medizin unter Zahnschmelz?

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz in unserem Körper und besteht zu 96 Prozent aus Hydroxylapatit, einem kristallinen Material aus Kalzium, Phosphor, Natrium und Magnesium sowie Proteinen und Fetten. Das Material ist in sechseckigen Prismen angeordnet, welche senkrecht zum Zahnbein verlaufen und den Zahnschmelz zum Glänzen bringen.
 
Hydroxylapatit ist der Grundbaustein für Zähne und Knochen und sorgt dafür, dass wasserlösliche Stoffe sowie Fluorid den Zahnschmelz durchdringen können. Fluorid härtet den Zahnschmelz, weshalb es in Zahnpasta beigesetzt wird.
 
Der Zahnschmelz wird schon im Kieferknochen vor dem Durchbruch des Zahns in die Mundhöhle gebildet und ist etwa zweieinhalb Millimeter dick. Er schützt den Zahn vor Abnutzung, Bakterien und Entkalkung durch Säuren aus der Nahrung. Außerdem gleicht er Temperaturschwankungen aus.
 
Über dem Zahnschmelz liegt das unsichtbare Zahnschmelzoberhäutchen, welches aus Bestandteilen des Speichels besteht. Es hat eine Schutz- und Reparaturfunktion und wird beim Zähneputzen fortgebürstet, um sich danach wieder zu bilden. Da der Zahnschmelz aus abgestorbenen Zellen besteht, enthält er keine Nerven, weshalb Karies erst bei Erreichen des darunterliegende Zahnbeins bemerkt wird.
 
Der Körper kann den Zahnschmelz weder reparieren noch nachbilden. Der Zahnarzt kann ihn aufgrund seiner Härte nur mit rotierenden diamantbesetzten Instrumenten bearbeiten.

Ein intakter Zahnschmelz ist bereits im Kindesalter wichtig für die Zahngesundheit.

Was greift den Zahnschmelz an?

Deine Zähne sind täglich dem Angriff zucker- und säurehaltiger Lebensmitteln ausgesetzt. Dabei heften sich Bakterien, welche aus dem Zucker der Nahrung Säure produzieren an das Zahnschmelzoberhäutchen und rauen es auf. Dadurch bildet sich ein immer dicker werdender Zahnbelag, welcher die Bildung von Karies oder Zahnfäule begünstigt.
 
Säure entzieht dem Zahnschmelz zudem wichtige Mineralstoffe und weicht ihn dadurch auf. Wie stark diese Aufweichung ist, hängt von der Einwirkzeit und Stärke der Säure ab. Schon wenige Minuten reichen, um Teile des Zahnschmelzes dauerhaft zu zerstören.
 
Grundsätzlich sorgt Dein Speichel für eine Neutralisierung des pH-Wertes im Mund und schützt so Zähne und Zahnschmelz. Jedoch braucht der Speichel dafür circa 30 bis 90 Minuten, weshalb Du Deine Zähne erst danach putzen solltest.

Wie macht sich Zahnschmelzabbau bemerkbar?

Wenn Deine Zähne regelmäßig von Säuren angegriffen werden, führt dies zu einer Erweichung und schließlich zu einem Abbau Deines Zahnschmelzes. Zahnschmelzabbau wird auch Zahnerosion oder dentale Erosion genannt.
 
Mögliche Hinweise darauf sind sichtbare Risse, Splitter oder Kerben in den Zähnen, offensichtliche Verfärbungen oder Temperaturempfindlichkeit. Auch Schmerzen nach dem Essen säurehaltiger Lebensmitteln oder Süßem, ein pochender Druckschmerz beim Kauen und Zahnfleischbluten nach der Verwendung von Zahnseide, können ein Anzeichen für Zahnschmelzabbau sein. Auch Mundgeruch kann auf einen Zahnschmelzabbau hindeuten. Eine gesicherte Diagnose kann jedoch nur der Zahnarzt mittels eines Röntgenbilds stellen.

Welche Ursachen hat der Abbau von Zahnschmelz?

Der Abbau von Zahnschmelz kann unterschiedliche Ursachen haben:
 

  • Zähneknirschen oder Zähnepressen
  • Falsches Zähneputzen mit einer zu harten Zahnbürste oder zu hartem Schrubben
  • Zähneputzen unmittelbar nach dem Essen von säurehaltigen Lebensmitteln
  • Trinken von Getränken mit hohem Säuregehalt
  • Erkrankungen wie Essstörungen oder Refluxerkrankungen
  • Bleaching Zahnpasta mit hohen RDA-Werten
  • Medikamente wie Aspirin

Der Zahnarzt kann den weiteren Abbau des Zahnschmelzes auf verschiedene Arten stoppen.

Kann der Zahnarzt geschädigten Zahnschmelz reparieren?

Der Zahnarzt kann schon geschädigten Zahnschmelz nicht mehr reparieren, jedoch einen weiteren Abbau verhindern. Dazu stehen ihm folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
 

  • Zahnfüllungen: Damit Bakterien nicht in das Zahninnere vordringen können und dort die Zahnsubstanz angreifen, verschließt der Zahnarzt Löcher in den Zähnen.
  • Zahnversiegelung: Mit einer Beschichtung aus Kunststoff, die der Zahnarzt vor allem auf die stark zerklüfteten Backenzähne aufträgt, kann er die Zähne vor Karies schützen. Die Zahnoberflächen werden dabei so glatt, dass sie weniger Angriffsfläche für Zahnbelag bieten.
  • Professionelle Zahnreinigung: Dabei entfernt der Zahnarzt vor allem bei schwer erreichbaren Stellen im Mund Zahnstein und Beläge, die Karies verursachen können.

Was ist künstlicher Zahnschmelz?

Der Wirkstoff Zink-Carbonat-Hydroxylapatit wird als künstlicher Zahnschmelz bezeichnet. Dieser soll in der Lage sein, den Zahnschmelz zu reparieren. Derzeit fehlen dazu aber noch aussagekräftige Studien, weshalb Wissenschaftler die Wirkung bezweifeln.
 
Weiters gibt es Zahncremes, die dem Zahnschmelz ähnelnde Hydroxylapatit-Kristalle enthalten und diesen angeblich schützen. Viele Experten raten jedoch vom Gebrauch dieser Zahnpasten ab, da diese kein Fluorid enthalten, welches nachweislich vor Karies schützt und den Zahnschmelz härter macht. Die Mikrokristalle werden vom Fluorid deaktiviert, weshalb Du bei Verwendung solch einer Zahnpasta extra Fluorid zuführen solltest.

Wie kann ich einem Zahnschmelzabbau vorbeugen?

Um Zahnschmelzabbau vorzubeugen, solltest Du vor allem auf drei Dinge achten:
 

  • Vermeide die Ursachen für den Zahnschmelzabbau: Das bedeutet, dass Du insbesondere auf Deine Ernährung achten solltest. Du solltest zuckerhaltige Getränke wie Softdrinks und Energydrinks vermeiden und stattdessen Leitungswasser trinken. Auch die Säure im Wein und das Lutschen von Bonbons greift Deine Zähne an.
     
    Nach dem Zähneputzen am Abend solltest Du nichts mehr essen. Leitungswasser kannst Du jedoch immer trinken. Obst enthält viel Säure. Diese wird aber durch den Speichel neutralisiert. Alternativ kannst Du nach dem Verzehr von Obst mit einem Schluck Natron-Wasser oder Leitungswasser spülen.
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  • Pflege Deine Zähne: Durch richtiges Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahncreme kannst Du Zahnbelag entfernen und damit Deinen Zahnschmelz schützen. Reinige Deine Zahnzwischenräume mit kleinen Bürsten oder Zahnseide. Putze zweimal am Tag für mindestens drei Minuten – zu häufiges Zähneputzen kann den Zahnschmelz jedoch auch schädigen!
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    Spüle nach dem Zähneputzen die fluoridhaltige Zahncreme nicht aus und verwende eine elektrische Zahnbürste. Am besten putzt Du Deine Zähne etwa 30 bis 60 Minuten nach dem Essen, da Du ansonsten den bereits geschwächten Zahnschmelz herunterputzt. Optional kannst Du Deinen Mund vorher mit Wasser oder Natron-Wasser spülen.
     
    Auch die Verwendung von Mundspülungen beugt der Bildung von Karies vor, da diese eine antibakterielle Wirkung haben. Versuche jedoch nicht direkt nach dem Zähneputzen zu spülen, sondern etwas später. Lass die Spülung etwa 30 Sekunden in deinem Mund und spucke sie dann erst aus. Kaugummi aus reinem Xylitol, einem natürlichen Birkenzucker, regt den Speichelfluss an und remineralisiert die Zähne nachhaltig.

     

  • Gehe regelmäßig zum Zahnarzt: Zahnärztliche Kontrollen mindestens zweimal im Jahr sind besonders wichtig, da Zahnschmelzabbau oft mit dem bloßen Auge nicht ersichtlich ist.

Vor allem zucker- und säurehaltige Lebensmittel und Getränke greifen den Zahnschmelz an.

Welche Lebensmittel sind gut oder schlecht für den Zahnschmelz?

Grundsätzlich gilt: Je niedriger der pH-Wert, desto saurer ist das Nahrungsmittel und damit schädlicher für Deinen Zahnschmelz. Lebensmittel werden in Bezug auf den pH-Wert in drei Gruppen eingeteilt:
 

  • Gruppe 1 (pH-Wert 2,5 bis 3,5): Dazu zählen zum Beispiel Äpfel und Apfelmus, Erdbeeren, Grapefruit, Fruchtmarmelade, Honig, Orangensaft und helle Weintrauben.
  • Gruppe 2 (pH-Wert 3,6 bis 4,5): In dieser Gruppe findest Du in etwa Kirschen, Orangen, Tomaten oder Frischkäse.
  • Gruppe 3 (pH-Wert 4,6 bis 5,5): Zu dieser Gruppe zählen Essiggurken, Hüttenkäse oder auch Ahornsirup.

 
Demnach erhöht der häufige Verzehr von Nahrungsmittel der Gruppe eins und zwei das Risiko für Zahnschmelzabbau. Lebensmittel der Gruppe drei sind neutral. Das bedeutet, dass diese den Abbau von Zahnschmelz weder verhindern weder noch fördern.

Wie kann ich selbst meinen Zahnschmelz stärken?

Die besten Maßnahmen Zahnschmelzabbau vorzubeugen, sind eine richtige Mundhygiene und Zahnpflege. Dafür solltest Du zweimal täglich fluoridhaltige Zahnpasten verwenden, die Deinen Zahnschmelz zusätzlich unterstützen und widerstandsfähiger gegenüber Säuren machen.
 
Reinige die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder kleinen Bürsten. Einmal in der Woche kannst Du zusätzlich ein Zahngelee auftragen, welches Deinen Zahnschmelz von innen stärkt. Die Verwendung von fluoridhaltigem Mundwasser kann den gleichen Effekt erzielen.
 
Da viele Schäden an den Zähnen durch falsches Putzen entstehen, solltest Du auf den richtigen Druck achten und keine zu harte Zahnbürste verwenden. Um hier sicherzugehen, verwendest Du am besten eine elektrische Zahnbürste. Manche Modelle kontrollieren sogar die Druckstärke. Solltest Du mit einer Handzahnbürste putzen, reinige Deine Zähne in kreisenden Bewegungen und im 45 Grad Winkel am Zahnfleischrand entlang und bewege die Zahnbürste in ruckelnden Bewegungen mit leichtem Druck nach unten.
 
Säure kannst Du auch durch Kaugummi kauen neutralisieren und so Deinen Zahnschmelz schützen. Zudem führen eine Reihe von Hausmitteln wie Kokosöl, Knochenbrühe, Vitamin D und Kalzium-Präparate zu einer Remineralisierung Deines Zahnschmelzes. Auch die Schüßler-Salze 12 und 22 eignen sich zum Stärken von Zahnschmelz. Diese mineralisieren den Körper und bestehen aus Kalzium Fluorid, Kalzium, Phosphat und Kalzium Karbonat.

Welche Zahnpasta für Zahnschmelz?

Zahnpasten, die eigens zur Stärkung des Zahnschmelzes entwickelt wurden, enthalten Fluorid. Dieser Stoff verhindert ein Rauslösen von Mineralien aus dem Zahnschmelz durch Säure und verbessert so die Remineralisierung der Zähne. Zudem härtet er Deinen Zahnschmelz und macht ihn so resistenter gegen Säureangriffe.

Welche Zahnbürste für Zahnschmelz?

Eine elektrische Zahnbürste oder Schallzahnbürste ist am besten geeignet, um Deine Zähne bestmöglich zu säubern. Sie wird in sanfte Schwingungen versetzt und hat eine weiche Bürste. Dennoch solltest Du darauf achten, keinen zu großen Druck beim Putzen aufzubauen. Den Bürstenkopf solltest Du etwa alle zwei Monate wechseln.

Die falsche Zahnputztechnik kann den Zahnschmelz angreifen.

Wie viel kostet die Behandlung von einem beschädigten Zahnschmelz?

Der Abbau von Zahnschmelz kann zwar nicht direkt behandelt werden, doch kann ein Fortschreiten verhindert werden. Wie viel Du also für den Schutz Deiner Zähne zahlen musst, hängt also vom Zustand Deiner Zähne und der notwendigen Behandlung ab. Zahnfüllungen kosten zum Beispiel zwischen 30 und 120 Euro. Eine Zahnversiegelung kostet in der Regel zwischen 15 und 25 Euro pro Kopf. Für die professionelle Zahnreinigung liegen die Preise zwischen 60 und 150 Euro.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten einer Behandlung?

In der Regel übernehmen die Krankenkassen nur die Kosten für einen unerlässlichen Zahnersatz. Für einen rein aus ästhetischen Gründen hergestellten festsitzenden Zahnersatz wie Kronen, Implantate, Brücken, Stiftzähne oder gegossene Stiftaufbauten zahlen die Kassen nur dann, wenn ein abnehmbarer Zahnersatz aus medizinischen Gründen nicht möglich ist.
 
Bei Zahnfüllungen schaut die Lage ähnlich aus. Die Krankenversicherungsträger zahlen nur Zahnfüllungen aus Amalgam zur Gänze. Alle anderen Füllmaterialien musst Du selbst bezahlen und bekommst nur einen Zuschuss zurück. Wenn Amalgam aus medizinischen Gründen wie bei einer Allergie nicht anwendbar ist, leisten die Kassen für Plomben und Inlays aus Kunststoff einen in der Satzung festgelegten Zuschuss.


Dauer Dauer

Je nach Behandlung

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Zahnschmelz ist die härteste Substanz in unserem Körper und besteht aus Hydroxylapatit, einem kristallinen Material aus einer Mischung aus Kalzium, Phosphor, Natrium und Magnesium


Der Zahnschmelz besteht aus abgestorbenen Zellen und enthält demnach keine Nerven. Einmal abgebaut, kann der Körper ihn nicht mehr nachproduzieren


Die harte Schicht des Zahnschmelzes schützt die Zähne vor Abnutzung, Karies und Entkalkung durch Säuren aus der Nahrung


Der Zahnarzt kann Zahnschmelz nicht mehr aufbauen, einem neuen Abbau jedoch mit Zahnfüllungen, Zahnversiegelung und professioneller Zahnreinigung vorbeugen

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