Fluorose

Unter dem Begriff Fluorose fasst die Medizin Begriffe zusammen, die auf eine übermäßige Zufuhr von Fluorid über einen längeren Zeitraum zurückzuführen sind. Betroffen sind Bereiche des Körpers, in denen auch auf natürliche Weise Fluorid vorkommt, wie etwa Zähne und Knochen. Fluoride verhindern den Zahnzerstörungsprozess, welcher durch Säuren verursacht wird und zu Karies führen kann. Deshalb ist es wichtig, ausreichend Fluoride aufzunehmen, damit diese den Zahnschmelz härten können. Was bei einem Fluoridüberschuss, also einer Fluorose, geschieht, erfährst Du in den folgenden Absätzen.


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Zuletzt aktualisiert: 19. Mai, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Fluorose?

Fluorid ist ein Mineralstoff, der auf natürliche Weise im Körper vorkommt, beispielsweise in den Knochen und Zähnen. Ist jedoch dauerhaft zu viel Fluorid vorhanden, stört das die Produktion des Zahnschmelzes. Er wird porös und kann den darunter liegenden Zahn nicht mehr ausreichend vor Bakterien schützen.

Wie häufig ist eine Fluorose und wer ist davon betroffen?

Weltweit leidet etwa ein Viertel der Bevölkerung an einer Zahnfluorose. Kinder können dabei genauso betroffen sein wie Erwachsene. Deshalb ist es wichtig, die Zahngesundheit der eigenen Kinder von Geburt an zu kontrollieren und aufzubauen. Durch gewisse Maßnahmen kann das Entstehen einer Fluorose dadurch verhindert werden.

Die Zahnfluorose betrifft rund ein Viertel der Weltbevölkerung.

Welche Formen der Fluorose gibt es?

Bei der Fluorose unterscheidet die Medizin einerseits zwischen einer akuten und einer chronischen Form. Bei der akuten Form kommt es plötzlich zu einem Überschuss von Fluorid, was zu Vergiftungserscheinungen führen kann. Eine akute Fluorose kann beispielsweise durch das Verschlucken einer großen Menge Zahnpasta hervorgerufen werden.
 
Zu einer chronischen Fluorose kommt es, wenn der Betroffene über einen längeren Zeitraum eine zu hohe Menge an Fluorid aufnimmt. Diese Form äußert sich dann entweder in Form einer Zahnfluorose oder einer Knochenfluorose. Bei der Zahnfluorose kommt es zu Verfärbungen der Zähne. Die Knochenfluorose betrifft das Skelett und führt zu einer Versteifung und Verdichtung von Gelenken und Knochen.

In welche Stufen kann eine Fluorose eingeteilt werden?

Um Ausprägung und Schweregrad einer Fluorose besser beurteilen zu können und Grenzwerte zu ermitteln, wurden Fluorose-Indizes erstellt.
 
Der älteste Index um festzustellen, wie weit die Fluorose bereits fortgeschritten ist, ist der Fluoroseindex nach Dean. Beurteilt werden dabei die gravierendsten Befunde an zwei oder mehr Zähnen. Dieser Index reicht von Schweregrad 1, bei dem es nur zu sehr kleinen weißen Flecken kommt bis Schweregrad 5, bei dem alle Zähne betroffen sind und es zu großflächigen braunen Flecken auf den Zähnen kommt.
 
Der Fluoroseindex nach Thylstrup und Fejerskov baut auf Deans Index auf und erfasst Veränderungen auf einer Skala von 0 bis 9. Somit ist eine genauere Einschätzung des Stadiums möglich. Eine Weiterentwicklung des Fluoroseindex nach Dean und des Fluoroseindex nach Thylstrup und Fejerskov ist der siebenstufige TSIF-Index. Der seit 1999 weltweit anerkannte Index ist der modifizierte DDE-Index und baut sich wie folgt auf:
 

  • 0: Normal
  • 1: Begrenzte Opazitäten (Zahnverfärbungen)
  • 2: Diffuse Opazitäten
  • 3: Hypoplasien (Strukturveränderungen am Zahn aufgrund von Mineralisationsstörungen)
  • 4: Hypoplasien mit weiteren Defekten
  • 5: Gleichzeitig begrenzte und diffuse Opazitäten
  • 6: Begrenzte Opazitäten mit Hypoplasien
  • 7: Diffuse Opazitäten
  • 8: Gleichzeitig begrenzte und diffuse Opazitäten mit Hypoplasien

Worauf sollte bei Kindern und Milchzähnen geachtet werden?

Je nach Alter ändert sich die Menge von Fluorid, die der Körper verarbeiten kann. Eltern müssen daher darauf achten, dass die empfohlene Gesamtzufuhr nicht überschritten wird. Bei besonders jungen Kindern ist daher die Verwendung einer fluoridfreien Zahnpasta ratsam. Halte Dich aber in jedem Fall an die Angaben des Herstellers auf der Verpackung.

Die Fluorose äußert sich durch Verfärbungen der Zähne.

Was ist der Unterschied zwischen Karies und einer Fluorose?

Eine Fluorose ist eine Art Vergiftungserscheinung, die durch die übermäßige Zufuhr von Fluorid hervorgerufen wird. Fluorid ist in fast allen handelsüblichen Zahnpasten enthalten, da es sich besonders zur Kariesvorbeugung eignet.
 
Karies hingegen entsteht durch eine Befall mit bestimmten Bakterien, die vor allem auf nicht ordentlich geputzten Zähnen einen idealen Nährboden finden.

Was sind die Symptome einer Fluorose?

Bei der Zahnfluorose kommt es zu braunen oder weißen fleckigen Verfärbungen auf den Zähnen. Diese Flecken nehmen im weiteren Verlauf der Krankheit zu. Mitunter kommt es auch zu psychischen Problemen bei den Betroffenen. Bleibt die Zahnfluorose unbehandelt, nehmen die Verfärbungen der Zähne zu. Sie werden porös und können sich mit der Zeit zersetzen.
 
Die Knochenfluorose verläuft zu Beginn ohne eindeutige Symptome. Im weiteren Verlauf versteift sich die Wirbelsäule und die Knochen verdichten sich. Das macht Knochen und Gelenke empfindlicher. Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab und die Knochen werden brüchiger. Im weiteren Verlauf kommt es auch zu Bewegungseinschränkungen.
 
Bei einer akuten Fluoridvergiftung kommt es innerhalb von ein paar Minuten oder Stunden zu Übelkeit und Erbrechen. Häufig kommt es zu Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Im weiteren Verlauf kann es zu Schwindel oder anderen Bewusstseinsstörungen kommen.
 
Weitere Begleiterscheinung einer Fluorose können Herz-Kreislaufbeschwerden, Panikattacken oder Schweißausbrüche sein. Ob sich die Symptome schleichend entwickeln oder akut auftreten, hängt von der Intensität des Fluorid-Kontakts ab.

Welche Ursachen hat eine Fluorose?

Zu einer Fluorose kommt es, wenn Du Deinem Körper über einen längeren Zeitraum eine überhöhte Menge von Fluor zuführst. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn Du regelmäßig Wasser mit einer hohen Flouridsättigung trinkst. Das ist vor allem in Ländern der Fall, die dem Trinkwasser Fluorid zusetzen. In diesen Gebieten gibt es auch eine höhere Zahl an Patienten mit einer Fluorose.
 
Zu einer Überdosierung mit Fluorid kann es aber auch kommen, wenn Du langfristig Präparate zu Dir nimmst, die eine hohe Konzentration von Fluorid enthalten. Den meisten Zahnpasten beispielsweise ist Fluorid zugesetzt. Bei Kindern ist eine Fluorose daher häufig auf das Verschlucken von Zahncreme während dem Zähneputzen zurückzuführen.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Eine akute Fluorose muss sofort behandelt werden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Kind eine sehr große Menge Zahnpasta verschluckt hat. Warnzeichen für eine Fluoridvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Blässe.
 
Ein Arztbesuch ist auch ratsam, wenn es zu stark sichtbaren Verfärbungen auf den Zähnen kommt oder wenn beim Verwenden einer fluorhaltigen Zahnpasta Beschwerden auftreten.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Fluorose?

Die Diagnose ist von der Form der Fluorose abhängig. Der Zahnarzt erkennt eine Fluorose anhand der typischen Veränderungen an der Zahnoberfläche.
 
Besteht der Verdacht, dass die Knochen befallen sind, ist eine Röntgenaufnahme notwendig. Eine Skelettfluorose ist für den Arzt anhand der deutlichen Knochenneubildungen, die auf einer Röntgenaufnahme sichtbar werden erkennbar. Sie lassen den Knochen in einem kräftigen Weiß erscheinen. Zur weiteren Abklärung kann Dein Arzt auch eine Untersuchung des Blutes veranlassen.

Eine Fluorose verschwindet oft von selbst, weshalb es nicht immer einer Behandlung durch den Zahnarzt braucht.

Wie behandelt der Arzt eine Fluorose?

Oft ist eine Behandlung gar nicht notwendig und die Symptome verschwinden, sobald der Betroffene damit aufhört, dem Körper zu viel Fluorid zuzuführen. Sind die Symptome jedoch bereits weiter fortgeschritten, ist eine Behandlung nötig. Die Wahl der jeweiligen Behandlungsmethode hängt dabei vom Stadium der Fluorose ab. In Frage kommen:
 

  • eine Zahnaufhellung (Bleaching)
  • die Korrektur von Zahnfehlstellungen (Odontoplastik)
  • das Auffüllen von Löchern mit zahnfarbenen Füllungsmaterialen (Compositfüllungen)
  • das Anbringen einer hauchdünnen Keramikschale mit einem Spezialkleber auf der Zahnoberfläche (Veneers)
  • Zahnkronen
  • ICON Infiltration: eine minimal-invasive Methode, um die beschädigte Zahnsubstanz wieder herzustellen

 Was kann ich selbst tun?

Zahnpasta und Speisesalz enthalten oft große Mengen Fluorid. Bei einer Fluorose ist es daher sinnvoll auf eine fluoridfreie Zahnpasta und fluoridfreies Salz umzusteigen.
 
Fluorid greift die Kalziumreserven des Körpers an. Achte daher auf eine kalziumreiche Ernährung, um diese wieder aufzufüllen. Zu den kalziumreichen Lebensmitteln zählen grünes Gemüse, wie etwa Grünkohl oder Brokkoli und Milchprodukten. Auch pflanzliche Milch, wie Soja- oder Hafermilch, enthält häufig zugesetztes Kalzium.

Wie ist die Prognose bei einer Fluorose?

Eine akute Fluorose ist zwar unangenehm, aber darüber hinaus für Erwachsene nicht weiter gefährlich. Sobald das überschüssige Fluorid ausgeschieden ist, verschwinden auch die Symptome. Kinder haben eine niedrigere Fluoridtoleranz, daher kann es zu stärkeren Symptomen als bei Erwachsenen kommen.
 
Sind die Zähne von einer chronischen Fluorose betroffen, kann es an den betroffenen Stellen zu einer schnelleren Abnutzung der Zähne kommen. Sind die Knochen betroffen, werden diese ebenfalls brüchiger. Auch Bewegungseinschränkungen sind möglich.

Welche Komplikationen können bei einer Fluorose auftreten?

Erfolgt die Diagnose einer Fluorose frühzeitig, können Komplikationen vermieden werden. Die Symptome können sich zurückbilden. Bleibt eine Fluorose hingegen unbehandelt kann das im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen.
 
Bei einer Knochenfluorose kann es zu bleibenden Bewegungseinschränkungen, Fehlhaltungen, Gelenkverschleiß und anderen Folgeschäden kommen. Die Lebensqualität wird erheblich eingeschränkt und schwere körperliche Belastungen sind nicht mehr möglich.

Welche Zahnpasta bei einer Fluorose?

Bei einer Fluorose solltest Du unbedingt darauf achten, eine fluoridfreie Zahnpasta zu kaufen. Die meisten handelsüblichen Zahnpasten enthalten Fluorid. Dein Zahnarzt kann Dir gegebenenfalls bei der Auswahl der richtigen Zahnpasta helfen.

Bei einer Fluorose solltest Du auf fluoridhaltige Zahnpastas verzichten.

Welche Rolle spielen Fluoride?

Fluorid ist wichtig für den Aufbau und den Erhalt von Zähnen und Knochen. In der Zahnpflege spielt Fluorid eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Karies. Zu viel Fluorid führt zu einer Fluorose, zu wenig hingegen bietet keinen ausreichenden Schutz vor Karies.

Wie kann ich einer Fluorose vorbeugen?

Achte darauf, Deine Fluoridaufnahme zu kontrollieren. Sie sollte zwei Milligramm pro Tag nicht überschreiten. Das ist vor allem dann relevant, wenn Du Fluoridpräparate einnimmst.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten einer Behandlung?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Diagnose und Therapie einer Fluorose. Je nach Versicherungsträger kann ein Selbstbehalt anfallen. Genauere Informationen dazu erhältst Du direkt von Deiner Krankenkasse oder von Deinem behandelnden Arzt.
 
In vielen Fällen ist eine Behandlung einer Zahnfluorose jedoch nicht notwendig, da es häufig ausreicht, die Fluoridzufuhr zu reduzieren.
 
Bei Fragen zu diesem oder einem anderen medizinischen Thema steht Dir unser Forum zur Verfügung. Hier kannst Du Dich mit anderen Mitgliedern austauschen und unsere Ärzte kontaktieren!


Dauer Dauer

Je nach Behandlung

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Auswahl von Ärzt*innen auf diesem Fachgebiet

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Fluorose ist eine Erkrankung, die auf die übermäßige Zufuhr von Fluorid zurückzuführen ist


Es gibt eine akute und eine chronische Form der Fluorose. Die chronische Fluorose äußert sich entweder an den Zähnen oder an den Gelenken


Unbehandelt kann eine Fluorose zu schweren Komplikationen führen Symptome verschwinden häufig, sobald das überschüssige Fluorid aus dem Körper ausgeschieden ist. Ist dies nicht der Fall stehen verschiedene zahnärztliche Methoden zur Auswahl


Eine Fluorose führt zu Verfärbungen der Zahnoberfläche

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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