Fluoride

Fluorid gehört zu den sogenannten Spurenelementen und ist eine Fluor-Verbindung. Sie verhindert den Zahnzerstörungsprozess, welcher durch Säuren verursacht wird und zu Karies führen kann. Das Element ist in unterschiedlichen Lebensmitteln enthalten, jedoch reicht die über die Nahrung aufgenommene Fluoridmenge nicht aus. Deshalb ist es wichtig, Zahnpasten mit Fluorid anzureichern und damit unseren Zahnschmelz zu härten. Die Menge muss allerdings angepasst werden, denn zu viel Fluorid kann vor allem bei Kindern zu einer Dentalfluorose führen. Diese zeigt sich durch weiße bis gelb-braune Verfärbungen auf dem Zahnschmelz.


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Zuletzt aktualisiert: 5. August, 2020



Was versteht die Medizin unter Fluoride?

Fluoride sind Fluor-Verbindungen, die aus dem Gas Fluor und anderen Elementen bestehen. In der Zahnmedizin finden vor allem Natriumfluoride in Zahncremes oder Mundwässern, Kaliumfluoride im Speisesalz oder Zinn- und Aminfluoride in Zahnpasten oder Gels als Kariesprophylaxeanwendung. Mediziner verwenden diese Begriffe synonym.
 
Fluoride sind in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Fisch oder Krustentiere und unserem Trinkwasser sowie einigen Tees in unterschiedlicher Konzentration enthalten. Da die durch Lebensmittel und Wasser aufgenommene Menge jedoch nicht ausreicht, um unseren Zahnschmelz zu kräftigen und ihn gegenüber Karies widerstandsfähiger zu machen, werden Fluoride Zahnpflegemitteln zugesetzt.

Fluoride kommen auf natürliche Art in Salz vor.

Wo sind Fluoride enthalten?

Fluoride kommen natürlich im Trinkwasser vor, wobei die Menge je nach Gebiet variiert. Ist diese zu gering, setzen manche Länder Fluorid noch zusätzlich zu. Auch in Lebensmitteln finden sich natürliche Vorkommen, wie in Fisch, Krustentieren, Mineralwasser oder schwarzem Tee.
 
Neben dem natürlichen Gehalt an Fluorid gibt es zahlreiche Produkte, die mit dem Element angereichert werden. So gilt in etwa Kochsalz mit Fluoridzusatz als günstige, wirkungsvolle und preiswerte Methode, Deine Zähne zu stärken. Zahnpflegemittel, wie Zahnpasta, Mundspülungen und Gelees, enthalten das Fluor etwa als Natrium-, Amin- oder Zinnfluorid sowie als Natriummonofluorphosphat. Bei regelmäßiger und ausreichender Pflege schützt das Element nachhaltig gegen Karies. Jedoch sollte die Zahnpasta nach Gebrauch nur gut ausgespuckt und nicht ausgespült werden, da sonst auch die Fluoride verloren gehen.
 
Speziell für Kinder gibt es Fluorid-Tabletten, die heutzutage nicht mehr geschluckt, sondern gelutscht werden sollen, da so genug Fluoride im Speichel erhalten bleiben. Weitere Möglichkeiten, an besonders konzentrierte Fluorid-Gehalte zu kommen, bieten Fluoridgelees, Fluoridlösungen und Fluoridlacke. Gelees kannst Du selbst Zuhause aufpinseln, Lacke trägt im Normalfall der Zahnarzt, insbesondere bei Patienten mit erhöhtem Kariesrisiko, auf.

Wie wirken Fluoride?

Für die Verdauung sind Millionen von Bakterien notwendig. Der Mund ist das allererste Verdauungsorgan, das mit Bakterien in Verbindung tritt, weshalb sich dort bereits viele Erreger finden lassen – mit durchaus positiven Auswirkungen auf Deine Zahngesundheit. Unter den Erregern in Deinem Mund können auch welche sein, die von Zucker jeder Art leben und diesen aus der Nahrung aufnehmen. Dabei scheiden sie Milchsäure als Verdauungssekret aus, welche im Mund ein „saures Milieu“ schafft.
 
Um das Gleichgewicht wiederherzustellen, lösen sich Mineralien wie Kalzium und Phosphor aus dem Zahnschmelz heraus und neutralisieren damit die Säure. Diesen Vorgang nennen Mediziner Demineralisierung. Dabei weicht der Zahnschmelz auf und wird anfälliger gegenüber Säureangriffen.
 
In der Regel sinkt der Säuregehalt im Mund nach dem Verdauungsvorgang der Bakterien. Durch den Speichel, der zu 98 Prozent aus Wasser und zwei Prozent aus Kalziumphosphaten besteht, werden dem Zahnschmelz wieder Mineralstoffe zugeführt, was Mediziner Remineralisierung nennen. Dadurch festigt sich der Zahnschmelz wieder und wird dicht.
 
Bei einem Ungleichgewicht zwischen De- und Remineralisierung kann der Säurespiegel nicht absinken und der Zahnschmelz bekommt nicht genügend Mineralstoffe aus dem Speichel. Die Folge: Er wird immer weicher und löchriger, das Kariesrisiko steigt. Und da kommen Fluoride ins Spiel, welche dem Zahnschmelz bei der Remineralisierung helfen und ihn härter machen. Zudem besitzen sie eine antibakterielle Wirkung gegen Plaquebakterien und verringern deren Zuckerstoffwechsel.

Damit Fluoride gut für Deine Zähne sind, darf ein gewisses Maß nicht überschritten werden.

Wie können Fluoride zum Schutz der Zähne beitragen?

Zum einen unterstützen Fluoride die Remineralisierung, das heißt, dass sie nachweislich dabei helfen, dieKalziumphosphate schneller in den Zahnschmelz einzubauen. Damit verkürzt sich die Möglichkeit für Bakterien, Schwachstellen im Zahnschmelz zu nutzen.
 
Zum anderen lagern sich die Fluoride selbst im Zahnschmelz ein und leiten bei einer Demineralisierung sofort eine Remineralisierung ein. Fluoride in Zahnpasten oder Gels decken die Zähne mit einem Schutzfilm zu, aus dem bei einem Säureangriff Minerale entnommen werden. Die Stoffe im Zahnschmelz bleiben damit bestehen. Außerdem dringen Fluoride auch in die Bakterien selbst ein und stören ihren Stoffwechsel.
 
Die beste Zeit, den Zahnschmelz zu stärken, ist während der Zahnbildung im Kieferknochen. Bekommt der Körper in dieser Zeit genug Fluorid, bildet sich ein harter, widerstandsfähiger Zahnschmelz. 

Wie hoch ist der tägliche Fluoridbedarf?

Da der Zahnaufbau bei jedem Menschen unterschiedlich ist, ergeben sich auch andere Mengen an benötigten Fluoriden. Experten empfehlen jedoch 0,05 Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Diese Menge verstehen sie inklusiver aller fluoridhaltiger Nahrungsmitteln oder fluoridiertem Salz sowie fluoridiertem Trinkwasser.
 
Die empfohlene Tagesdosis von Kindern beträgt in den ersten vier Lebensjahren zwischen 0,25 und 0,7 Milligramm. Zwischen dem vierten und dem zehnten Lebensjahr brauchen Kinder etwa 1,1 Milligramm, später zwischen 2 und 3,2 Milligramm. Erst im Übergang zum Erwachsenenalter sollte eine Menge von 3,8 Milligramm täglich über Nahrungsmitteln, Trinkwasser oder Zahnpflegeprodukten zugeführt werden.
 
Menschen mit einer Parodontitis-Vorbelastung sollten zudem fluoridhaltige Spüllösungen verwenden. Auch ältere Menschen, bei denen die Speichelbildung zurückgeht oder nach einer Krebserkrankung, haben ein erhöhtes Kariesrisiko. Deshalb sollten sie mehr Fluoride zu sich nehmen.

Zahnpasten sind ebenfalls eine gute und wichtige Quelle für Fluoride.

Welche Fluoridierungsmaßnahmen gibt es?

Grundsätzlich unterscheiden Experten zwischen systemischen und lokalen Fluoridierungsmaßnahmen, wobei die lokale Fluoridierung über Zahnpflegeprodukte wie Zahnpasten, Gelees oder Mundspülungen von Zahnärzten bevorzugt wird.
 
Daneben gibt es noch die Möglichkeit, Fluorid dem Trinkwasser oder bestimmten Lebensmitteln sowie Salz beizumengen. Von der Einnahme von Fluoridtabletten sind Mediziner eher abgekommen, da Fluoride besser lokal im Mund wirken als über den Körper.

Was sollte bei Fluoridierungsmaßnahmen beachtet werden?

Besonders bei Kindern unter vier Jahren kommt es immer wieder vor, dass sie fluoridhaltige Präparate verschlucken. Das kann mitunter zu ästhetischen Veränderungen in Form von weißen Schmelzflecken an den Zähnen führen. Deshalb ist es wichtig, dass die Menge immer mit einem Zahnarzt abgestimmt wird. Auch ist darauf zu achten, wie viel Fluoride schon durch Nahrungsmittel oder Trinkwasser aufgenommen wurden, um keine Überdosis zu riskieren.

Sind Fluoridierungsmaßnahmen ausreichend, um eine vollständige Kariesfreiheit zu garantieren?

Fluoridierungen tragen zwar wesentlich zur Vorbeugung von Karies bei, sind aber kein Garant für Kariesfreiheit. Besonders eine schlechte Mundhygiene oder ein häufiger Konsum von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln oder Getränken sowie Allgemeinerkrankungen können trotz aller Maßnahmen zu Karies führen. Neben einer gründlichen Zahn- und Mundpflege ist eine regelmäßige Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt notwendig, um einen beginnenden Kariesbefall rechtzeitig zu behandeln.

Wie viel Fluorid ist in Zahncremes enthalten?

Der Fluoridgehalt in Zahncremes wird in der Einheit “ppm” angegeben, was „parts per million“ bedeutet und die Menge des enthaltenen Fluorids angibt. Ein ppm entspricht dabei einem Milligramm Fluorid pro Liter.
 
Die Milchzähne Deiner Kinder solltest Du von Beginn an einmal täglich mit etwas fluoridierter Kinderzahnpasta pflegen. Wenn das Kind in der Lage ist, die Zahnpasta selbst auszuspucken, sollte auf eine Zahncreme mit maximal 0,05 Prozent Fluorid, also 500 ppm umgestiegen werden.
 
Ab dem sechsten Lebensjahr können Kinder eine Erwachsenen-Zahncreme mit einem Fluoridgehalt von 1450 ppm verwenden, wobei Ärzte zuerst den Gebrauch einer Juniorzahnpasta mit einer Fluoridmenge zwischen 1000 und 1450 ppm empfehlen. Zudem raten Zahnärzte dazu, einmal wöchentlich ein hoch konzentriertes Fluoridzahngel mit einem Gehalt von 12.500 ppm zu verwenden.

Haben Fluoride auch Nachteile?

Fluorid ist generell eine giftige Substanz. Doch wie bei den meisten Stoffen, kommt es auf die Dosis an. Die Möglichkeit einer Vergiftung kann dabei nahezu ausgeschlossen werden, da Du dazu über 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen müsstest. Bei manchen Kindern kommt es zu einer Überdosierung, einer sogenannten Fluorose, die sich durch weiße Flecken an den Zähnen zeigt. 

Auch im Trinkwasser ist - unterschiedlich viel - Fluorid enthalten.

Was ist der Unterschied zwischen Fluor und Fluorid?

Fluor ist ein hochreaktives Gas und sehr giftig. Jedoch kommt es in der Natur nicht rein vor, da es sich sehr schnell mit anderen Elementen verbindet. Meistens tritt es als Salzverbindung auf, dem sogenannten Fluorid, wobei der jeweilige Namen des anderen Stoffes dem Fluorid vorangestellt wird, wie zum Beispiel Natriumfluorid.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Fluoridierungsmaßnahmen?

Die Krankenkasse bezahlt manche Fluorid-Transporter wie Tabletten für Kinder. Andere Fluoridierungsmaßnahmen beim Zahnarzt musst du jedoch selbst bezahlen. Grundsätzlich sind diese kariesverhütende Therapien nicht teuer und machen sich vor allem bei Kindern, die ihre Zähne noch nicht so gut pflegen können, eine gute Investition.
 
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Zahnmedizin
Dr. med. univ. et med. dent. Babette B. Habitzl

Dr. med. univ. et med. dent. Babette B. Habitzl

Fachärztin für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Perfektastraße 40/4 , Wien

Das Wichtigste zusammengefasst

Fluoride gehören zu den Spurenelementen und treten in der Natur als Salzverbindungen auf


Sie härten den Zahnschmelz, indem sie ihm Mineralstoffe zuführen und verhindern damit den Zahnzerstörungsprozess durch Säuren


Das Element kann über die Nahrung, dem Trinkwasser oder Zahnpflegeprodukten aufgenommen werden


Vergiftungen sind aufgrund der geringen Aufnahmemengen eher unwahrscheinlich, jedoch kann zu viel Fluorid zu Verfärbungen der Zähne, einer sogenannten Fluorose führen

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