Zähneknirschen

Was für viele Menschen vor allem mit einem unangenehmen Geräusch assoziiert ist, kann oftmals Ausdruck eines sehr komplexen und wenig erforschten Problems sein – dem Zähneknirschen, unter Fachleuten auch Bruxismus genannt. Bruxismus klingt allerdings nicht nur unangenehm, sondern kann auch schwerwiegende, vor allem zahnmedizinisch negative Folgen nach sich ziehen. Welche das sind und wie sie entstehen, erfährst Du hier.


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Zuletzt aktualisiert: 28. Februar, 2020



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter Bruxismus versteht der Mediziner das unbewusste, meist nächtliche Zusammenpressen und Aneinanderreiben der Zähne ohne dass ein funktioneller Zweck (Kauen von Nahrung) damit verfolgt wird – kurz also Zähneknirschen


Durch wiederholtes Knirschen der Zähne entsteht ein nicht unerheblicher Druck auf Zähnen und Kiefergelenken, der eine Reihe von Symptomen nach sich zieht. So leiden einerseits Zähne und Zahnschmelz an der Reibebewegung, schleifen ab, verlieren an Höhe und an Stabilität. Andererseits wirkt sich diese Überbeanspruchung negativ auf Kiefergelenke und Kaumuskulatur aus, wodurch Gesichts-, Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur mitreagiert und zu Verspannungen und Schmerzen neigt. Auch Kopfweh und Schwindel sind mögliche Begleiterscheinungen


Die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Angenommen wird ein multifaktorielles Geschehen, bestehend aus neurologischen, psychosozialen, biochemischen und funktionellen Komponenten. Auch im Rahmen gewisser vorbestehender Erkrankungen kann Bruxismus gehäuft auftreten


Die Therapie sollte ebenso multifaktoriell sein wie die Erkrankung selbst. Zur Verfügung stehen Aufbissschienen, medikamentöse Therapien, Psychotherapie und Stressbewältigung, Massagen und Physiotherapie – meist werden mehrere Therapieoptionen kombiniert, um Erfolge zu erzielen

Was versteht die Medizin unter Bruxismus?

Als Bruxismus wird ein häufiges kraftvolles Aneinanderpressen und Knirschen der Zähne verstanden, das vor allem nachts im Schlaf und unbewusst geschieht. Bei einigen Patienten tritt das Zähneknirschen auch untertags auf, hier kann es den Betroffenen allerdings besser bewusst gemacht und dadurch kontrolliert werden. Grundsätzlich knirscht fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit den Zähnen – Krankheitswert bekommt dies erst, wenn es sehr häufig und mit starkem Druck geschieht, wofür Zähne und Kiefer nicht gemacht sind.

Zähneknirschen

Wie sehen die Symptome bei Zähneknirschen aus?

In vielen Fällen bleibt der nächtliche Bruxismus lange unbemerkt. Eine Diagnose wird dann meist als Zufallsbefund bei einer Routine-Zahnarztkontrolle gestellt. Bei einigen Betroffenen ist der Bruxismus mit anderen im Schlaf auftretenden Symptomen wie Atemunregelmäßigkeiten (Schlafapnoe) oder Schnarchen assoziiert. Erste Anzeichen für einen unphysiologischen Schlaf sind dabei ausgeprägte Müdigkeit untertags, Leistungsschwäche und Unkonzentriertheit.

Da beim Bruxismus ein dauerhafter Druck auf Zähne und Kaumuskulatur ausgeübt wird, kann es einerseits zu Schädigungen und Abtragungen (Abrasionen) der Zähne, andererseits zur sogenannten craniomandibulären Dysfunktion (CMD), also einer Fehlfunktion von Kiefermuskulatur und –gelenk, kommen. Die CMD führt durch die ständige Anspannung und Belastung mehrerer Muskeln zu einem muskulären und faszialen Schmerz der Kaumuskulatur und zu Abnutzungserscheinungen im Kiefergelenk. Die Schmerzsymptomatik kann sich verlagern und auf den gesamten Körper ausbreiten, weshalb häufigste Symptome einer CMD recht unspezifische Muskel-, Nacken- und Kopfschmerzen sind. Zu den weiteren Symptomen zählen außerdem Schwindel, Übelkeit und Ohrgeräusche (Tinnitus).

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Der Weg bis zur richtigen Diagnose ist beim Bruxismus oftmals äußerst kompliziert, da die Symptome meist sehr unspezifisch sind und nur schleichend mehr werden, sodass häufig eine Vielzahl von Differenzialdiagnosen infrage kommt und ausgeschlossen werden muss. Bei ausgeprägter Müdigkeit, Veränderungen oder Schmerzen der Zähne und des Kiefers, häufiger Schwindelsymptomatik oder chronischen Kopf-, Nacken und Schulterschmerzen kann an einen Bruxismus gedacht werden beziehungsweise sollte man einen Spezialisten aufsuchen.

Welche Ursachen hat das Zähneknirschen?

Während früher das Zähneknirschen als Resultat von psychischem Stress angesehen wurde, ist man sich inzwischen einig, dass es sich um ein viel komplexeres Problem handelt, das durch mehrere Komponenten entsteht. Der Faktor Stress in den Bereichen Beruf, Familie und Alltag ist gewiss ein wichtiger Risikofaktor – jedoch nicht der Einzige! Auch angeborene oder erworbene Kieferfehlstellungen, Depressionen und Angst, biochemische Prozesse im Gehirn und eine eigentlich normale, jedoch bei Betroffenen übermäßig auftretende motorische Aktivierung im Schlafzustand könnte ursächlich sein. Darüber hinaus kann Bruxismus auch im Rahmen anderer (neurologischer) Erkrankungen wie Epilepsie oder Parkinson auftreten oder durch bestimmte Medikamente beziehungsweise häufigen Kaffee- und Nikotinkonsum getriggert sein. Ein konkreter Auslöser beziehungsweise gesicherte Ursachen konnten bisher nicht festgestellt werden.

Zähneknirschen

Wie diagnostiziert der Arzt Zähneknirschen?

Sofern Symptome vorliegen, ist die erste Anlaufstelle meist der Allgemeinmediziner, bei dem der Patient über Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Bewegungseinschränkungen klagt. Um einen Bruxismus festzustellen, wird der Arzt ein sehr gezieltes Anamnesegespräch zu genauer Symptomatik und psychosozialen Faktoren wie Arbeit, Familiensituation, Sport, Freizeit usw. führen. Für den Zahnarzt steht diagnostisch eine genaue Inspektion der einzelnen Zähne, des Gebisses und des Zahnhalteapparats im Vordergrund. Dazu wird zusätzlich ein OPTG (Orthopantomogramm), oft auch ein MRT angefertigt.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Betroffen sein können alle Altersgruppen und beide Geschlechter, obwohl Frauen etwa doppelt so oft einen Bruxismus entwickeln wie Männer. Ca. 10% der Kinder leiden unter Zähneknirschen, bei den meisten legt sich die Symptomatik allerdings in der Pubertät. Am häufigsten sind Erwachsene betroffen, bei bis zu 8% aller erwachsenen Personen tritt Bruxismus regelmäßig auf. Nur selten sind Senioren über 65 Jahren betroffen, hier liegt die Zahl nur noch bei 2%.

Welche Folgen hat das Zähneknirschen für die Patienten?

Die am häufigsten auftretenden Folgen sind neben chronischen Schmerzen vor allem Veränderungen der Zähne. So kann es zu sehr ausgeprägten Abtragungen und Rissen des Zahnschmelzes und Verkleinerung der Zähne kommen, die bis zur Funktionslosigkeit verändert werden. In manchen Fällen können die betroffenen Zähne nur mehr überkront oder komplett ersetzt werden. Nicht nur die Zähne, auch der gesamte Zahnhalteapparat, bestehend aus Zahnfleisch, Haltefasern und umliegenden Knochenfach, kann betroffen sein, was in einer Lockerung der Zähne resultieren kann.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Die Behandlung fußt auf mehrere Säulen:

  • Schutz der Zähne
  • Restauration schon entstandener Schäden
  • Reduktion der Knirschaktivität
  • Schmerztherapie

 

Das oberste Ziel ist Zähne und Zahnhalteapparat zu schützen. Dazu kommt in der Regel eine sogenannte Aufbissschiene zum Einsatz. Diese ist ein Schutz vor weiterer Abreibung der Zähne und druckentlastet gleichzeitig das Gebiss. Wesentlicher Teil der Therapie ist außerdem ein Erkennen und aktives Verstehen, in welchen Situationen und wie oft mit den Zähnen geknirscht wird. Ein detailliertes Aufklären und Informieren betroffener Personen ist essenziell, um Therapieerfolge zu gewährleisten. Die Biofeedback-Therapie bietet die Möglichkeit genau dies bewusster wahrzunehmen. Dabei wird über eine Sonde am Kaumuskel die Muskelaktivität und –spannung abgeleitet und dem Patienten über einem Bildschirm oder akustisch vermittelt. Betroffene lernen dadurch das Knirschen genauer wahrzunehmen und bewusst einzugreifen.

Zähneknirschen

Um Schmerzen und Verspannungen der verschiedenen Muskelgruppen in den Griff zu bekommen, werden sowohl medikamentöse Ansätze (Schmerzmedikation, Muskelrelaxantien) als auch Massage und Physiotherapie empfohlen. Eine Unterbindung der dauerhaften und vor allem unbewussten Anspannung der Kaumuskulatur wird außerdem mittels Injektion von Botulinumtoxin angestrebt, diese Therapieoption sollte allerdings mit Vorsicht genossen werden, da dabei auch nicht unbedeutende Nebenwirkungen möglich sind. Auch psychotherapeutische Ansätze sind zu empfehlen, da hier gezielt und in individuellen Sitzungen Stressbewältigungsstrategien und Entspannungsübungen vermittelt werden.

Die zahnärztliche und kieferchirurgische Restauration schon vorhandener Schäden an Zähnen und Zahnhalteapparat richtet sich nach der Einschätzung des Spezialisten und den individuellen Wünschen der Patienten. Oftmals müssen Zahnersatztherapie und Aufbissschiene bei anhaltendem Bruxismus kombiniert werden, um Implantat oder Krone zu schützen und eine möglichst lange Haltbarkeit zu gewährleisten.

Kann ich das Zähneknirschen vorbeugen?

Da eine definitive Ursache des Bruxismus bisher nicht bekannt ist, beziehungsweise dem Zähneknirschen offensichtlich sehr unterschiedliche Mechanismen zugrunde liegen, ist ein vorbeugendes Verhalten nicht möglich. Wichtig ist allerdings eine erhöhte Aufmerksamkeit für den eigenen Körper und mögliche Pathologien – so sollte bei Schlafstörungen, erhöhter Müdigkeit, Verspannungen und anhaltenden Kopfschmerzen ein Bruxismus als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden. Ein Besuch bei Hausarzt und Zahnarzt kann aufklärend sein!

Zähneknirschen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Zuschüsse und Kostenübernahme durch die Krankenkasse variieren je nach Behandlungsmethode. Während Beratung und Schmerztherapie von der Kasse übernommen werden, sind Aufbissschiene, Zahnersatztherapie, Psychotherapie, Massagen, Botoxinjektionen und Physiotherapie meist selbst zu übernehmen oder werden nur in bestimmten Fällen teil übernommen. Auch für zahnärztliche und kieferorthopädische Behandlungen zur Sanierung des Gebisses leisten manche Versicherungsträger Zuschüsse. Die Beantragung eines Kostenvoranschlages und ein Beratungsgespräch mit der jeweiligen Krankenkasse ist auf jeden Fall anzuraten.


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Durch wiederholtes Knirschen der Zähne entsteht ein nicht unerheblicher Druck auf Zähnen und Kiefergelenken, der eine Reihe von Symptomen nach sich zieht. So leiden einerseits Zähne und Zahnschmelz an der Reibebewegung, schleifen ab, verlieren an Höhe und an Stabilität. Andererseits wirkt sich diese Überbeanspruchung negativ auf Kiefergelenke und Kaumuskulatur aus, wodurch Gesichts-, Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur mitreagiert und zu Verspannungen und Schmerzen neigt. Auch Kopfweh und Schwindel sind mögliche Begleiterscheinungen


Die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Angenommen wird ein multifaktorielles Geschehen, bestehend aus neurologischen, psychosozialen, biochemischen und funktionellen Komponenten. Auch im Rahmen gewisser vorbestehender Erkrankungen kann Bruxismus gehäuft auftreten


Die Therapie sollte ebenso multifaktoriell sein wie die Erkrankung selbst. Zur Verfügung stehen Aufbissschienen, medikamentöse Therapien, Psychotherapie und Stressbewältigung, Massagen und Physiotherapie – meist werden mehrere Therapieoptionen kombiniert, um Erfolge zu erzielen

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