Karies

Karies ist neben Erkältung und Zahnfleischerkrankungen eines der häufigsten menschlichen Leiden. Die übertragbare Zahnkrankheit, die oft bereits bei Kindern vorkommt, kann zur zunehmenden Zerstörung der Struktur und Funktion der Zähne sowie schließlich zum Zahnverlust führen. Durch geeignete Vorbeugemaßnahmen lässt sich Karies jedoch deutlich reduzieren oder sogar ganz verhindern.


AUTOR

Dr. med. dent. Florian Lanza

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 13. November, 2019



Was versteht die Medizin unter Karies?

Bei Karies handelt es sich um eine Veränderung der Zahnhartsubstanz, die den Zahn von außen schützt. Es kommt durch säurebildende Bakterien zu einer zunehmenden Entkalkung (Demineralisierung) der Zahnhartsubstanz, die sich aus dem Zahnbein (Dentin), Zahnschmelz und Wurzelzement zusammensetzt. Kann der Körper dem Prozess der Entkalkung durch eine Wiedereinlagerung von Mineralien (Remineralisation) nicht mehr entgegenwirken, kommt es in weiterer Folge zu einem Loch im Zahn.

Karies kann zu Schmerzen am Zahn führen

Wie sehen die Symptome bei Karies aus?

Im frühen Stadium der Erkrankung verläuft Karies ohne Beschwerden oder Schmerzen. Erste Anzeichen stellen sich als weiße Flecken am Zahn dar, die dadurch zustande kommen, dass die Bakterien Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz lösen. Bei bereits bestehenden Defekten des Zahnschmelzes verfärbt sich die betroffene Stelle gelb oder braun. Sobald die Bakterien bis zum Zahnbein vorgedrungen sind, werden die Dentintubuli, die Durchgänge zum Zahnnerv haben, freigelegt, was zu vorübergehenden Schmerzen führen kann, die sich bei Kontakt mit Hitze, Kälte oder süßen Nahrungsmitteln und Getränken verschlechtern können.

Wenn der Zerfall so weit fortgeschritten ist, dass die Bakterien das Zahnmark erreicht haben, können sehr heftige, pulsierende und anhaltende Zahnschmerzen auftreten. Ein Absterben des Zahnmarks und Infektion sind häufige Folgen. Der Zahn ist dann meist nicht mehr empfindlich gegen Hitze oder Kälte, kann aber sehr empfindlich gegen Druck sein. Weiterhin kann bei Karies auch Mundgeruch auftreten und Betroffene klagen mitunter über einen faulen Geschmack im Mund.

Welche Ursachen hat Karies?

Auslöser der Karies ist eine Infektion mit säurebildenden Bakterien, insbesondere Bakterien der Art Streptococcus mutans. Da es sich bei Karies um eine multifaktorielle Erkrankung handelt, sind jedoch zusätzlich Faktoren für eine Krankheitsentstehung notwendig. Dazu zählt auch eine mangelhafte Mundhygiene, aufgrund derer sich die Bakterien aneinanderheften können und gemeinsam mit Nahrungsresten und Speichelbestandteilen eine zähe Substanz bilden, die sich an den Zähnen festsetzt – Zahnbelag oder auch Plaque genannt.

In der Nahrung vorhandene Zuckerbestandteile bilden für die Bakterien die Nahrungsgrundlage. Sie bauen die Zuckerbestandteile ab, wodurch Säuren entstehen, die Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz lösen (Demineralisierung), wodurch dieser weich und porös wird. Durch Zerstörung der Schutzbarriere des Zahnes können die Bakterien weiter in den Zahn vordringen und von innen heraus zerstören. Insbesondere die Häufigkeit des Verzehrs von Zuckern spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

Der Speichel ist natürlicherweise mit Mineralstoffen angereichert und ist unter anderem dafür zuständig, den Zahnschmelz fortdauernd zu härten (Remineralisierung). Nimmst Du über den Tag verteilt Zucker zu Dir, bleibt zu wenig Zeit für die Remineralisierung des Zahnschmelzes, wodurch es zu einer Störung des Gleichgewichts zwischen De- und Remineralisierung kommt.

Ist Karies ansteckend?

Da Karies einer bakteriellen Infektion zugrunde liegt, ist die Erkrankung ansteckend. Jedoch spielt die Ansteckungsgefahr bei Erwachsenen im normalen Alltag etwa durch Küssen oder die gemeinsame Nutzung von Besteck eine geringe Rolle, da individuelle Risikofaktoren wie zum Beispiel eine mangelnde Mundhygiene für den Ausbruch von Karies vorhanden sein müssen.

Bei Experten umstritten ist hingegen die Infektionsgefahr von Kindern. Sie haben im Vergleich zu Erwachsenen weniger Bakterien im Mund beziehungsweise Kleinkinder ohne Zähne sogar noch gar keine. In der Theorie können daher Erwachsene, zum Beispiel durch Ablecken des Schnullers ihres Kindes, die möglichen Krankheitserreger auf ihr Kind übertragen.

Karies ist weit verbreitet

Wie diagnostiziert der Arzt Karies?

Zu Beginn der Untersuchung inspiziert Dein Zahnarzt Deine Zähne auf etwaige kariöse Stellen mit einer starken Lichtquelle, einem Spiegel und einer Sonde. Mitunter können auch weitere Hilfsmittel zum Einsatz kommen, die beispielsweise einer Anfärbung von Zahnbelägen dienen. Da Karies jedoch nicht immer direkt sichtbar ist, wenn sich entsprechende Stellen zwischen den Zähnen befinden, folgt bei Verdacht auf Karies eine Röntgenuntersuchung.

Anhand des Röntgenbildes kann Dein Zahnarzt erkennen, ob sich zwischen den Zähnen kariöse Veränderungen befinden, wie weit diese fortgeschritten sind und ob bereits das Zahnmark erreicht ist. Weiterhin ist bei bestehenden Zahnfüllungen in regelmäßigen Abständen eine Röntgenaufnahme ratsam, da sich auch an Kronenrändern oder unter Füllungen Karies befinden kann, obwohl von außen nichts sichtbar ist.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

In Europa sind etwa 98 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von Karies betroffen, womit Karies die am häufigsten vorkommende Infektionskrankheit in Industrieländern darstellt. Durch verstärkte Aufklärungs- und Prophylaxekampagnen kommt Karies dagegen bei Kindern weniger häufig vor. In Österreich ist derzeit etwa die Hälfte aller sechsjährigen Kinder kariesfrei, bei den zwölfjährigen haben 53 Prozent kein Karies.

Welche Folgen hat Karies für die Patienten?

Durch einen bestehenden Druckschmerz im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung klagen Betroffene häufig unter Schmerzen beim Zubeißen, was wiederum Probleme mit der Nahrungsaufnahme mit sich bringt. Bei ausbleibender Behandlung besteht zudem die Gefahr, dass sich die Infektion bis auf den Zahnknochen ausbreitet und das darunter liegende Gewebe zerstört. Im schlimmsten Fall droht ein Ausfall des betroffenen Zahnes.

Welche Behandlungsmethoden gibt es bei Karies?

In der frühen Phase einer Karies, bei der das Dentin noch nicht in Mitleidenschaft gezogen ist, kann sich der Zahnschmelz mithilfe einer Fluoridtherapie durch Remineralisierung selbst reparieren. Dafür sind eine verschreibungspflichtige Zahnpasta mit hohem Fluoridanteil sowie viele Fluoridanwendungen bei Deinem Zahnarzt erforderlich. Bei betroffenem Dentin muss Dein Zahnarzt dagegen die kariöse Zahnsubstanz durch Bohren entfernen und durch eine Füllung ersetzen.

Nicht immer ist eine große Behandlung notwendig

Je nach vorliegendem Fall können verschiedene Füllmaterialien wie beispielsweise Amalgam, Gold, Keramik oder Komposit zum Einsatz kommen, die sich in einen Zahn oder um ihn herum einbringen lassen. Bei noch stärkerem Befall durch Karies kann es notwendig sein, den Zahn teilweise zu ersetzen. In diesem Fall brauchst Du eine Krone, die ebenfalls aus den gängigen Materialien gefertigt ist.

Hat sich die Karies bis auf das Zahnmark ausgebreitet, lassen sich die Schmerzen nur noch durch Entfernen des Zahnmarks und gründliche Desinfektion des Wurzelkanals in einer Wurzelbehandlung beheben. Daraufhin wird der Zahn ebenfalls mit Füllungsmaterial wieder hergestellt. Bei einer Karies, die so weit fortgeschritten ist, dass sich mit den beschriebenen Behandlungsmethoden keine Besserung erzielen lässt, ist meist eine Entfernung des Zahnes notwendig.

Wie läuft die Behandlung ab?

Der genaue Behandlungsablauf unterscheidet sich je nach angewandter Behandlungsmethode und soll Dir hier am Beispiel einer Kompositfüllung dargestellt werden. Die Zahnfüllung findet unter lokaler Betäubung statt. Zunächst entfernt Dein Zahnmediziner mit einem Bohrer die kariöse Zahnsubstanz im Zahnschmelz und bei Bedarf in der darunter liegenden Schicht, dem Zahnbein (Dentin). Anschließend erfolgen eine gründliche Reinigung und Trocknung der entstandenen Höhlung. Zur Vergrößerung der Kontaktoberfläche und um folglich einen besseren Halt der Füllung zu gewährleisten, konditioniert der Zahnarzt die Zahnsubstanz mit einem Ätzgel (37%-ige Phosphorsäure) an.

In einem weiteren Schritt bringt er das sogenannte Adhäsiv auf, um einen Verbund zwischen hydrophilem Zahnbein (Dentin) und hydrophobem Komposit herzustellen. Komposit zählt zu den Kunststofffüllungen, besteht zu etwa 20 Prozent aus Kunststoff und zu etwa 80 Prozent aus einem Salz der Kieselsäure, beziehungsweise feinsten Glasteilchen. Das schichtweise eingebrachte Komposit wird nach und nach mithilfe einer Polymerisationslampe, meist blau erscheinendes UV-Licht, ausgehärtet.

Im Anschluss an die Härtung überprüft der Mediziner, ob Dein Biss stimmt. Dafür beißt Du auf einen dünnen, farbigen Papier- oder Kunststoffstreifen. Die dabei entstehenden kleinen Farbpunkte auf der Kaufläche des bearbeiteten Zahnes geben Aufschluss darüber, ob die Füllung gut eingepasst ist. Falls erforderlich wird die Oberfläche ein wenig geschliffen. Abschließend poliert er die Oberfläche, um diese zu glätten und eine Anlagerung von Plaque zu erschweren.

Eine gute Zahnhygiene ist wichtig

Was muss ich vor der Behandlung beachten?

Vor der Behandlung findet ein Patientengespräch mit Deinem Zahnarzt statt, in dem dieser Dich über den Behandlungsablauf sowie mögliche Risiken und Komplikationen informiert. Je nach Stadium der Karies kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden zur Anwendung. Sollte eine Füllung bei Dir notwendig sein, stehen verschiedene Füllmaterialien zur Verfügung, die sich in ihrer Optik, Verarbeitung und hinsichtlich der Kosten unterscheiden.

Auch bestehen Unterschiede in Bezug auf die Haltbarkeit. Beispielsweise sind für Komposit-Füllungen vier bis sechs Jahre angegeben, für Amalgam sieben bis acht Jahre. In der Praxis halten die Füllmaterialien jedoch deutlich länger. Der häufigere Grund für eine Erneuerung ist eine erneut auftretende Karies und nicht das Versagen der Restauration. Im Gespräch mit Deinem Zahnarzt kann dieser Dir dabei helfen, die richtige Wahl zu treffen.

Was muss ich nach der Behandlung beachten?

Bei auftretenden Schmerzen nach einer Kariesbehandlung, die über zwei bis drei Tage andauern können, helfen Kühlung oder schmerzstillende Medikamente. Sollten die Schmerzen nach mehreren Tagen immer noch bestehen, solltest Du Deinen Zahnarzt erneut aufsuchen. Weiterhin ist zu beachten, dass eine einmalige Kariesbehandlung nicht davor schützt, dass sich wieder Karies bildet. Daher solltest Du Dich vor allem in der Anfangszeit nach der Behandlung an die Anweisungen Deines Zahnarztes halten und auf eine entsprechende Mundhygiene und Ernährung achten. In vielen Fällen werden Betroffene im Verlauf mehrerer Monate und Jahre nachlässig, wodurch oftmals eine erneute Kariesbehandlung notwendig ist.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Mögliche Risiken und Komplikationen unterscheiden sich je nach angewandter Behandlungsmethode. Wie auch bei anderen medizinischen Eingriffen können Schwellungen, Schmerzen, Infektionen und Blutungen auftreten. Bei einer Zahnfüllung kommt es in den meisten Fällen zu keinen Komplikationen. Sehr selten können Allergien gegen Amalgam beziehungsweise Quecksilber oder Komposit-Bestandteile vorkommen. Nach einer Zahnwurzelbehandlung kann sich der behandelte Zahn erneut infizieren. Ebenfalls sind Nervenschädigungen sowie ein Abbrechen von medizinischen Instrumenten im Zahninneren während der Zahnwurzelbehandlung möglich.

Kariesprophylaxe – wie kann ich Karies vorbeugen?

Um das Risiko für Karies zu reduzieren, ist ein regelmäßiges Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta ratsam, inklusive Säuberung der Zahnzwischenräume. Experten empfehlen, mindestens zweimal täglich die Zähne drei Minuten lang zu putzen. Dadurch kannst Du Deine Zähne von Bakterien und Belag entfernen. Außerdem solltest Du zweimal jährlich Kontrolluntersuchungen bei Deinem Zahnarzt wahrnehmen, am besten jeweils mit einer professionellen Zahnreinigung. Eine weitere vorbeugende Maßnahme stellt die Reduktion von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln dar, vor allem als Zwischenmahlzeiten.

Zucker fördert Karies

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen im Normalfall die Kosten für Amalgamfüllungen im Seitenzahnbereich und für zahnfarbene Kompositfüllungen im sichtbaren Bereich (von Eckzahn bis Eckzahn). Da bei Karies noch andere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht kommen können und bei Zahnfüllungen mitunter auch Ausnahmen bei der Kostenübernahme durch die Krankenkassen bestehen, beispielsweise bei einer nachgewiesenen Amalgam-Allergie, empfehlen wir Dir, individuell bei Deiner Krankenkasse nachzufragen, für welche Behandlungen sie die Kosten trägt.

Quellen

MSD Manual (letzter Zugriff: 08.08.2019)

Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizini e.V.

DGZMK


Dauer Dauer

10-60 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Zahnmedizin
Dr. med. dent. Thorsten Schuster

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Zahnarzt

Zum Sobertsbrunnen 1 , Waldbrunn

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter Karies verstehen Mediziner die Folge einer Zerstörung der Zahnhartsubstanz durch von Bakterien produzierte Säuren


Erste Anzeichen von Karies stellen weiße Flecken am Zahn dar


Als Behandlungsmethoden können Füllungen, Kronen, eine Zahnwurzelbehandlung, eine Entfernung des Zahnes sowie im Anfangsstadium eine Therapie mit Fluorid in Betracht kommen


Vorbeugende Maßnahmen stellen eine gründliche Mundhygiene, zuckerarme Ernährung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt dar