Zahnfleischrückgang (Gingivarezession, Zahnfleischschwund)

Weicht das Zahnfleisch immer weiter zurück und wird langsam weniger, sodass die Zahnhälse frei liegen, spricht die Zahnmedizin von einem Zahnfleischrückgang, Gingivarrezession oder Zahnfleischschwund. Langfristig kann dies dazu führen, dass die Zähne ausfallen.


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Zuletzt aktualisiert: 21. April, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Zahnfleischrückgang?

Bei einer Gingivarrezession verliert das Zahnfleisch an Substanz. Es zieht sich zunehmend von den Zähnen zurück und legt die darunter liegenden Zahnabschnitte frei. Das kann zu schweren Zahnschäden führen. Häufige Ursachen für eine Gingivarrezession sind Entzündungen des Zahnfleischs. Aber auch nicht-entzündliche Ursachen, wie falsches Zähneputzen oder eine genetische Veranlagung, begünstigen eine Gingivarezession.
 
Der Zahnfleischrückgang führt zu Problemen an den Zähnen

In welche Schweregrade lässt sich der Zahnfleischrückgang unterteilen?

Je nachdem, wie ausgeprägt der Rückgang des Zahnfleischs ist, unterscheidet die Medizin verschiedene Schweregrade oder Klassen.
 
Wenn der Rückgang noch nicht bis zum Grenzbereich zwischen Zahnfleisch und verschiebbarer Mundschleimhaut reicht, ist dies Klasse I der Erkrankung. Knochen und Zahnbett sind in diesem Fall noch intakt. Reicht der Rückgang bis an diesen Grenzbereich, spricht die Zahnmedizin von Klasse II. Auch in diesem Fall sind Knochen und Zahnbett noch intakt.
 
Geht der Rückgang über diesen Grenzbereich hinaus, herrscht Klasse III der Erkrankung vor. Es kommt zu leichten Zahnfehlstellungen, da es in diesem Stadium zu einem Gewebe- und Knochenverlust kommt. Wenn es bereits zu schweren Zahnfehlstellungen aufgrund des Zahnfleischrückgangs gekommen ist, besteht Klasse IV der Erkrankung.

Wie sehen die Symptome beim Zahnfleischrückgang aus?

Über die Zahnwurzel sind die Zähne mit dem Kieferknochen verbunden. Bei einem gesunden Gebiss sind die Zahnhälse vollständig vom Zahnfleisch bedeckt und nur die Zahnkrone ragt heraus. Das Zahnfleisch schützt vor Bakterien und verleiht den Zähnen Stabilität.
 
Bei einer Gingivarrezession zieht sich das Zahnfleisch von den Zahnhälsen zurück. Außerdem verliert es an Volumen.

Welche Ursachen hat ein Zahnfleischrückgang?

Eine Ursache für eine Gingivarrezession kann eine Zahnfleischentzündung sein. Durch wiederholte Entzündungen verliert das Zahnfleisch an Substanz. Meist lösen Bakterien eine solche Entzündung aus, die sich im Mundbereich ansiedeln. Diese Bakterien bilden aus Nahrungsresten einen Belag, den Plaque. Es ist wichtig, dass Du diesen Zahnbelag regelmäßig entfernst, damit daraus keine Zahnfleischentzündungen entstehen. Das passiert am besten durch tägliches Zähne putzen. Fest gewordenen Zahnbelag nennt man Zahnstein. Diesen kann der Zahnarzt entfernen.
 
Aber auch ohne eine Entzündung kann es zu einer Gingivarrezession kommen. Eine mögliche Ursache ist falsches Zähneputzen. Zu starker Druck führt langfristig zu einem Zahnfleischrückgang. Gefahr dafür besteht vor allem, wenn Du eine harte Zahnbürste verwendest. Auch nächtliches Zähneknirschen, schlecht sitzende Prothesen oder Lippen- und Zungenpiercings können eine Gingivarrezession zur Folge haben. Eine weitere mögliche Ursache sind kieferorthopädische Maßnahmen. Wenn die Zähne sich nach vorn schieben, beispielsweise aufgrund einer Zahnspange, kann das zu einem Abbau des Kieferknochens und somit zu einem Zahnfleischrückgang führen. Zu guter Letzt gibt es aber auch erbliche Faktoren, die eine Gingivarrezession begünstigen. Manche Menschen haben nur ein sehr dünnes Zahnfleisch. In diesem Fall können kleine Faktoren dazu führen, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht.

Welche Risikofaktoren begünstigen einen Zahnfleischrückgang?

Rauchen erhöht das Risiko einer Gingivarrezession. Ebenso erkranken Personen, die an Diabetes leiden, häufiger. In beiden Fällen ist die Ursache eine schlechtere Durchblutung des Zahnfleisches.
 
Bestimmte Hormone, die der Körper während der Schwangerschaft produziert können das Zahnfleisch und die Mundschleimhaut auflockern. Dadurch können Bakterien leichter eindringen und Entzündungen verursachen. Die Medizin bezeichnet das als Schwangerschaftsgingivitis.
 
Durch den Zahnfleischrückgang können Zähne ausfallen

Welche Folgen hat ein Zahnfleischrückgang für Betroffene?

Durch den Rückgang des Zahnfleisches werden die Zahnhälse freigelegt. Die Zahnhälse sind nur mit einer sehr dünnen Schicht Zahnschmelz überzogen. Sie sind deshalb sehr schlecht vor Bakterien geschützt und es kann leicht zu Zahnhalskaries kommen.
 
Die freiliegenden Zahnhälse sind außerdem sehr schmerzempfindlich. Temperaturreize, wie zum Beispiel Eis essen oder heiße Getränke trinken, können Schmerzen verursachen, wenn sie in Kontakt mit den Zahnhälsen kommen.
 
Ebenso können Bakterien durch das Freiliegen der Zahnhälse leichter ins Zahnbett eindringen und dort Entzündungen verursachen, die Parodontitis. Das kann dann den Kieferknochen angreifen, der sich in weiterer Folge nach und nach auflöst. Im Extremfall führt das dazu, dass die Zähne ausfallen.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn Dein Zahnarzt den Zahnfleischrückgang früh diagnostiziert, kann er diesen bereits vorzeitig stoppen. Wesentlich ist es, den Auslöser zu identifizieren und zu beseitigen. Daher sind regelmäßige Kontrollbesuche wichtig.
 
Auf jeden Fall solltest Du zum Zahnarzt gehen, wenn es zu einer optischen „Verlängerung“ der Zähne aufgrund des Zahnfleischrückgangs kommt. Ebenso sind schmerzende Zähne ein Anlass für einen Besuch beim Zahnarzt. Der Zahnfleischrückgang muss schnellstmöglich behandelt werden, um schwere Folgen zu verhindern.

Wie diagnostiziert der Arzt einen Zahnfleischrückgang?

Regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt sind wesentlich, damit er einen Zahnfleischrückgang früh diagnostizieren kann. Der Zahnarzt überprüft nicht nur den Zustand der Zähne, sondern auch jenen des Zahnfleischs. Bei einer vorliegenden Gingivarrezession vermisst der Zahnarzt mit einer tastenden Befunderhebung die Tiefe der Zahntaschen. Darüber hinaus hilft eine Röntgenuntersuchung dem Zahnarzt dabei, das Ausmaß besser zu beurteilen.
 
Um mögliche Ursachen abzuklären, führt der Zahnarzt mit Dir auch ein Gespräch, in dem er die Mundhygiene, sowie Putztechniken bespricht.
 
Zahnfleischrückgang

Wie lässt sich der Zahnfleischrückgang behandeln?

Bei fortgeschrittenem Zahnfleischrückgang entfernt der Zahnarzt den Zahnstein unterhalb des Zahnfleischrands und glättet die Zahnwurzeln. Bakterien können sich dadurch nicht mehr so leicht ablagern. Zusätzlich kann der Zahnarzt ein antibakterielles oder entzündungshemmendes Gel auftragen. Dieser Eingriff wird als Wurzelglättung bezeichnet.
 
Ist die Gingivarrezession bereits weit fortgeschritten, kann der Zahnarzt die Schäden nur noch mit einer Zahnfleischtransplantation beheben. Dabei entnimmt der Arzt Gewebe vom Gaumen und pflanzt es an die betroffenen Stellen wieder ein.

Wie kann ich einem Zahnfleischrückgang vorbeugen?

Untersuche Dein Zahnfleisch regelmäßig im Spiegel. Es sollte rosig sein. Eine Rötung oder Schwellung ist ein Anzeichen für eine Zahnfleischentzündung. Ebenso kann häufiges Zahnfleischbluten auf eine Erkrankung des Zahnfleischs hinweisen.
 
Rauchen kann zu schweren Zahnschäden führen und erhöht das Risiko einer Gingivarrezession wesentlich. Falls Du Raucher bist, solltest Du im Sinne Deiner Zahngesundheit versuchen, das Rauchen möglichst zu reduzieren und am besten ganz zu stoppen.
 
Eine gute Mundhygiene ist wesentlich, um einem ungewollten Zahnfleischrückgang vorzubeugen. Richtiges und regelmäßiges Zähneputzen sind die Schlüsselelemente. Achte darauf, die richtige Technik anzuwenden und nicht zu fest aufzudrücken. Wenn Du Unterstützung im Hinblick auf die richtige Technik brauchst, kann Dir Dein Zahnarzt weiterhelfen.
 
Die richtige Ernährung ist ein weiterer Punkt, der dabei hilft einer Gingivarrezession vorzubeugen. Besonders wichtig ist die ausreichende Zufuhr von Vitamin A und Vitamin C. Vitamin A ist in Blattgemüse, Karotten, Tomaten, Brokkoli und Aprikosen enthalten. Ebenso sind Butter und Käse reich an Vitamin A. Viel Vitamin C ist in Zitrusfrüchten, Hagebutten, Sanddornbeeren, Paprika, Spinat oder Meerrettich enthalten.
 
Der regelmäßige Kontrollbesuch beim Zahnarzt ist ebenfalls wichtig, um schweren Schäden an den Zähnen vorzubeugen. Er entfernt Zahnstein, falls welcher vorhanden ist. Außerdem kann er Maßnahmen gegen mögliche Ursachen setzen, wie zum Beispiel eine Schiene, wenn Du zu nächtlichem Zähneknirschen neigst, oder die Anpassung schlecht sitzender Prothesen. Sprich Deinen Zahnarzt aktiv auf eventuelle Probleme wie häufige Entzündungen oder Blutungen des Zahnfleischs an.
 
Manchmal sind Piercings im Mundbereich, in der Zunge oder an der Lippe verantwortlich für den Zahnfleischrückgang. Ist das bei Dir der Fall, ist es empfehlenswert, das Piercing zu entfernen.
 
Symptome bei Zahnfleischrückgang

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für den regelmäßigen Kontrollbesuch beim Zahnarzt. Für die Zahnreinigung fallen je nach Versicherungsträger Kosten an. Genaue Informationen zur Kostenübernahme für Zahnbehandlungen erhältst Du direkt von Deinem Zahnarzt oder von Deiner Krankenkasse.

 

Bei Fragen zu diesem oder einem anderen medizinischen Thema steht Dir unser Forum zur Verfügung. Hier kannst Du Dich mit anderen Mitgliedern austauschen und unsere Ärzte kontaktieren!


Dauer Dauer

30-130 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Gingivarrezession ist der Rückgang des Zahnfleisches, welcher von Entzündungen hervorgerufen wird, aber auch nicht-entzündliche Ursachen, wie falsches Zähne putzen haben kann


Es ist wichtig, dass die Diagnose früh erfolgt, um schweren Schäden vorzubeugen. Im Extremfall können die Zähne ausfallen


Regelmäßiges und richtiges Zähneputzen sind wesentlich, um einer Gingivarrezession vorzubeugen. Raucher haben ein besonders hohes Risiko


Mit Vitamin A und Vitamin C haltiger Ernährung kannst Du ebenfalls zu einem Erhalt des Zahnfleischs beitragen

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