Mundfäule (Stomatitis) 

Mundfäule ist eine hochansteckende Entzündung der Mundschleimhaut, die durch Herpes-simplex-Viren Typ 1 verursacht werden und vor allem Kleinkinder betreffen. Die Symptome reichen von Fieber über eine gerötete Mundschleimhaut und weiße schmerzhafte Bläschen im Mundraum. Die Ursache kann nicht behandelt werden. Lediglich Medikamente oder Tees zum Spülen helfen, die Schmerzen zu lindern.


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Zuletzt aktualisiert: 19. März, 2020



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Mundfäule wird auch aphtöse Stomatitis genannt und ist eine schmerzhafte Entzündung der Mundschleimhaut, die vorwiegend bei Kleinkindern vorkommt. Verursacht wird die Krankheit durch eine Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1, der auch nach der Krankheit ein Leben lang in Deinem Körper verbleibt


Die Symptome sind Fieber, eine gerötete Mundschleimhaut und schmerzhafte weiße Bläschen


Eine Behandlung erfolgt nur über eine Linderung der Beschwerden durch Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente sowie lokal betäubende Gels, Cremen und Sprays. Die Ursache selbst kann nicht therapiert werden


Kalte Speisen und Getränke helfen, die Schmerzen zu lindern. Auch Tees können zum Spülen des Mundraums verwendet werden

Was versteht die Medizin unter Mundfäule?

Unter Mundfäule versteht die Medizin eine hochansteckende Entzündung der Mundschleimhaut und des Zahnfleischs, die durch das Herpes-simplex-Virus ausgelöst wird. Der Name kommt von einem unangenehmen Mundgeruch, den Betroffene haben. Medizinisch wird Mundfäule auch Stomatits aphthosa, Stomatitis herpetica oder Gingivostomatitis herpetica genannt. Die Krankheit äußert sich durch schmerzhafte Rötungen und Bläschen im Mundraum, heilt aber in der Regel innerhalb einer Woche von selbst wieder ab.

Unter Mundfäule versteht die Medizin eine hochansteckende Entzündung der Mundschleimhaut und des Zahnfleischs

Wie sehen die Symptome von Mundfäule aus?

Im Wesentlichen zeigen sich folgende Symptome bei Mundfäule:

  • Hohes Fieber über vier bis fünf Tage
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Angeschwollenes, manchmal blutiges Zahnfleisch und Schwellungen an der Mundschleimhaut
  • Aphten: kleine Bläschen an der Mundschleimhaut mit weißem Belag, welche rot umsäumt sind. Die Flüssigkeit in den Bläschen enthalten hochansteckende Viren. Wenn sie aufplatzen können sie sich entzünden und eitern, was den typischen fauligen Mundgeruch bewirkt.
  • Brennende Schmerzen im Mund besonders beim Essen, Trinken und Schlucken, deshalb verweigern gerade Kinder die Nahrungsaufnahme
  • Angeschwollene Halslymphknoten
  • Eine erhöhte Speichelproduktion
  • Eventuell Übelkeit und Erbrechen
  • Die Stomatitis aphtosa kann sich auch auf andere Körperregionen wie den Augen oder das Gehirn ausbreiten

Wie ist der Verlauf von Mundfäule?

Die Inkubationszeit liegt bei etwa zwei bis zwölf Tagen, in Ausnahmefällen bis zu sechs Wochen, bevor die ersten Krankheitszeichen auftreten. Neben hohem Fieber und geschwollenen Lymphknoten bekommst Du schmerzhafte Rötungen an der Mundschleimhaut und kleine weiße Bläschen. Du fühlst Dich matt und abgeschlagen. Dort, wo die Bläschen im weiteren Verlauf der Krankheit aufplatzen, siehst Du blutig rote Stellen. Dabei ist Dein Speichelfluss erhöht und es kommt zu einem stark säuerlichen Mundgeruch. Nach etwa sieben bis zehn Tagen heilt die Mundfäule meist ohne Komplikationen von selbst wieder aus. Die Viren „kriechen“ wieder in die Nervenknoten des Gesichts zurück und fallen in eine Art „Tiefschlaf“. Daher kommt auch der Name Herpesvirus, da „herpein“ aus dem Griechischen übersetzt „kriechen“ bedeutet. Nur unter bestimmten Bedingungen, wie durch ein geschwächtes Immunsystem, können sich die Herpesviren wieder reaktivieren, wobei sie dann Infektionen wie den Lippenherpes verursachen oder auch andere Bereiche des Gesichts befallen können.

Neben hohem Fieber und geschwollenen Lymphknoten bekommst Du schmerzhafte Rötungen an der Mundschleimhaut und kleine weiße Bläschen

Was sind die Ursachen für Mundfäule?

Die Ursache für die Stomatitis aphtosa ist meistens eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1, der im Kindesalter Mundfäule und im Erwachsenenalter Lippenherpes hervorruft. Das Virus gehört zur Familie der Herpesviren und bleibt ein Leben lang in Deinem Körper. Durch ein geschwächtes Immunsystem oder Krankheit kann es wieder aktiv werden. Außer im Mund und auf den Lippen kann der Erreger auch andere Körperstellen wie Deine Nase, Augen oder im schlimmsten Fall Dein Gehirn befallen.

Neben Herpesviren können aber auch noch andere Ursachen wie mangelnde Mundhygiene, Allergien oder Unverträglichkeiten, Rauchen, Alkoholkonsum, Mangelzustände (z.B. Vitaminmangel), Hormonschwankungen, psychosomatische Gründe oder Stress, Bestrahlung im Rahmen einer Strahlentherapie sowie schlecht sitzende Zahnprothesen oder -spangen beobachtet werden. Eine weitere Ursache ist eine Infektion mit einem Hefepilz, der für den weißlichen Belag verantwortlich ist. Grundsätzlich ist eine Infektion aber nur möglich, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

Welche Formen von Mundfäule gibt es?

  • Stomatitis kann in unterschiedlichen Formen auftreten:
  • Stomatitis aphtosa: wird vom Herpes-simplex-Virus ausgelöst
  • Stomatitis ulcerosa: überaus schmerzhafte Form der Mundschleimhautentzündung, mit fortschreitenden membranbedeckten Geschwüren
  • Stomatitis angularis: Entzündung der Mundwinkel
  • Stomatitis catarrhalis/simplex: eitriger Verlauf
  • Stomatitis vesiculosa: durch Rhabdoviren verursacht, tritt häufig bei Huftieren und gelegentlich beim Menschen auf
  • Stomatitis medicamentosa: Überempfindlichkeitsreaktion auf Medikamente im Mundbereich
  • Stomatitis mercurialis: entsteht aufgrund einer Quecksilbervergiftung
  • Soor-Stomatitis candidomycetica: eine Candida-Infektion (Hefepilz), gekennzeichnet durch weißliche, gelbe Flecken in der Mundhöhle
  • Stomatitis gangraenosa: schwere Entzündung, bei der Weich- und Knochenteile zerfressen werden
  • Stomatitis mycotica: pilzbedingte Entzündung

Die Mundfäule lässt sich mit Medikamenten behandeln

  • Stomatitis bismutica: entsteht durch Bismutvergiftung (chemisches Element)
  • Stomatitis diabetica: kann bei Patienten auftreten, die an Zuckerkrankheit erkrankt sind.
  • Stomatitis epidemica: Apthenerkrankung der Klauentiere, die auch beim Menschen vorkommen kann (Maul- und Klauenseuche)
  • Stomatitis maculofibrinosa: erscheint mit Bednar-Apthen (flache Sauggeschwüre).
  • Stomatitis saturnine: Folge eines erhöhten Ausgesetzseins gegenüber Blei oder Bleiverbindungen
  • Stomatitis allergica: entsteht aufgrund einer allergischen Reaktion
  • Stomatitis diphtherica: Entzündung der Mundschleimhaut sowie Mandeln, geht mit Diphtherie einher

Wie lässt sich Mundfäule diagnostizieren?

Bei Verdacht auf Stomatitis kannst Du entweder Deinen Hausarzt aufsuchen oder zu einem Zahn- oder HNO-Arzt gehen. Die Diagnose erfolgt über einen Virentest und Blutuntersuchungen, die der Arzt an das Labor weiterschickt. Erst dort kann festgestellt werden, um welchen Erreger es sich handelt und der Arzt kann aufgrund der Testergebnisse andere Krankheiten ausschließen, die ähnliche Symptome aufweisen.

Wie lässt sich Mundfäule übertragen?

Mundfäule ist eine hochgradig ansteckende Krankheit, vor allem solange Du noch Bläschen im Mund hast. So solltest Du während dieser Zeit einen engen Kontakt zu anderen Menschen meiden. Anstecken kannst Du Dich durch Tröpfchen- oder Schmierinfektionen. Dabei werden die Viren beim Sprechen, Husten oder Niesen verbreitet bzw. landen auf Oberflächen, wo sie von anderen Personen oral aufgenommen werden können (Benutzen des gleichen Bestecks, etc.). Erst nach Austrocknen der Bläschen ist die Ansteckungsgefahr vorbei. Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (Neugeborene, Krebspatienten, etc.) kann eine Infektion mit dem Virus gefährlich werden, da der Erreger in die Augen oder ins Gehirn gelangen und dort die Hornhaut schädigen sowie eine Hirnhautentzündung auslösen kann. Trotzdem sich Schwangere mit dem Erreger infizieren können, ist der Herpes-simplex-Virus Typ 1 für Ungeborene nicht ansteckend.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Mundfäule tritt am häufigsten bei Kleinkindern zwischen zehn Monaten und drei Jahren auf, selten auch bei älteren Kindern und jungen Erwachsenen. Studien gehen davon aus, dass sich fast alle Kinder bis zum fünften Lebensjahr mit dem Herpesvirus anstecken, wobei die Erstinfektion meist unbemerkt bleibt. Nur sehr selten kommt es zu sehr schmerzhaften Bläschen im Mundraum. Neben Kleinkindern gehören auch ältere Menschen zur Risikogruppe.

Welche Folgen hat Mundfäule für den Betroffenen?

Die Herpesviren verbleiben ein Leben lang in Deinem Körper, sodass es immer wieder zu einer Reaktivierung der Krankheit kommen kann. Im Normalfall zeigt sich diese in Form von Bläschen auf Deiner Lippe. In seltenen Fällen können auch Komplikationen auftreten und der Virus befällt Deine Augen, wodurch die Hornhaut geschädigt wird. Unbehandelt führt diese Infektion zum Erblinden. Im schlimmsten Fall gelangen Herpesviren in Dein Gehirn und lösen dort eine Gehirnhautentzündung (Enzephalitis) aus.

Mundfäule tritt am häufigsten bei Kleinkindern zwischen zehn Monaten und drei Jahren auf

Wie lässt sich Mundfäule behandeln?

Behandeln kann der Experte nur die Symptome, eine ursächliche Therapie gibt es derzeit nicht. Er verschreibt Dir Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen, entzündungshemmende und fiebersenkende Medikamente. Weiters kannst Du lokal betäubende Cremen, Gels und Sprays oder eine desinfizierende Mundspülung verwenden. Manche Ärzte verschreiben auch antivirale Medikamente. Was genau für Dich passt, solltest Du in einem Beratungsgespräch mit einem Spezialisten klären.

Was kann der Betroffene selbst dagegen tun?

Um die Schleimhäute nicht weiter zu strapazieren, solltest Du auf heiße, scharf gewürzte, saure oder harte Lebensmittel verzichten. Ebenso solltest Du keine säurehaltigen Getränke trinken, da die Säure Deine Schleimhaut weiter reizt. Am besten sind kalte Speisen wie Eiscreme, kalter Pudding, Joghurt, Nudeln ohne Tomatensoße, Reis, Milchreis, Milch- oder Gemüsebrei und Getränke wie Wasser, kalter Kamillentee oder kühle Milch. Lauwarme Wadenwickel helfen gegen Fieber. Den Mund kannst Du mit gut abgekühlten schmerzlindernden und entzündungshemmenden Tees, wie Salbei-, Thymian-, Pfefferminze-, Malve-, Ringelblume-, Kamillen-, Sanddorn- oder Myrrhetee in Apothekerqualität ausspülen. Du kannst auch mit verdünntem Teebaumöl gurgeln, da es antiseptisch wirkt.

Wie kann ich Mundfäule vorbeugen?

Ein wirkliches Vorbeugen gegen Mundfäule ist schwierig, da nahezu alle Erwachsenen mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 infiziert sind. Um die Gefahr einer Ansteckung dennoch zu dämmen, solltest Du auf einige Dinge achten:

  • Mundhygiene: Putze täglich Deine Zähne und reinige auch Deine Zahnzwischenräume mit Zahnseide und Zwischenraumbürstchen. Verwende Mundspülungen und reinige Deine Zunge mit einem Zungenschaber, um den Belag zu entfernen, auf dem sich ansonsten Mikroorganismen festsetzen können. Verwende zwischendurch Zahnpflegekaugummis, um Deinen Speichelfluss anzuregen und damit die Remineralisierung sowie Neutralisation der Zähne zu unterstützen.
  • Stärkung des Immunsystems durch ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen, Vitaminen und Spurenelementen, Bewegung an der frischen Luft, Sport, Wechselduschen und Saunagänge
  • Entspannung: Stress und psychische Belastungen können Dein Immunsystem schwächen. Deshalb nimm Dir Auszeiten und denke täglich an Entspannungsphasen. Weiters solltest Du ausreichend Schlaf bekommen.
  • Allgemeine Hygiene: Häufiges Händewaschen, Desinfizierung von Gegenständen, die infizierte Personen berührt haben und die Verwendung von eigenem Besteck helfen die Ansteckungsgefahr zu mindern. Auch einen zu engen Kontakt mit betroffenen Personen solltest Du vermeiden.

Putze täglich Deine Zähne und reinige auch Deine Zahnzwischenräume mit Zahnseide und Zwischenraumbürstchen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Im Regelfall übernehmen die Krankenkassen für die Untersuchung und die notwendigen Medikamente die Kosten. Solltest du zu einem Privatarzt gehen, musst Du selbst für die Kosten aufkommen, außer Du hast eine private Zusatzkrankenversicherung. In einem individuellen Beratungsgespräch kannst Du bei einem Spezialisten erfragen, ob und welche Kosten für Dich anfallen.


AUF EINEN BLICK

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Bis zu 14 Tage

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Dr. med. univ. et med. dent. Babette B. Habitzl

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Dr. med. univ. et med. dent. Alexander Bogner

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Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Jacquingasse 41 , Wien

Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Mundfäule wird auch aphtöse Stomatitis genannt und ist eine schmerzhafte Entzündung der Mundschleimhaut, die vorwiegend bei Kleinkindern vorkommt. Verursacht wird die Krankheit durch eine Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1, der auch nach der Krankheit ein Leben lang in Deinem Körper verbleibt


Die Symptome sind Fieber, eine gerötete Mundschleimhaut und schmerzhafte weiße Bläschen


Eine Behandlung erfolgt nur über eine Linderung der Beschwerden durch Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente sowie lokal betäubende Gels, Cremen und Sprays. Die Ursache selbst kann nicht therapiert werden


Kalte Speisen und Getränke helfen, die Schmerzen zu lindern. Auch Tees können zum Spülen des Mundraums verwendet werden

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