Herpes

Mit einer Infektionsrate von etwa 90 Prozent zählt Herpes zu den am häufigsten auftretenden Hautkrankheiten und sexuell übertragenen Erkrankungen weltweit, wobei man zwischen verschiedenen Virustypen unterscheidet. Die typischen Symptome sind mit einem Sekret gefüllte Bläschen, die vor allem im Genitalbereich oder an den Lippen auftreten, sich von dort aus aber auch auf die restlichen Gesichtspartien ausbreiten können. Jede Altersgruppe ist anfällig für eine potenzielle Herpesinfektion, wobei eine erstmalige Ansteckung meistens als Kind stattfindet. Herpes kann zwar schmerzhaft sein, verläuft jedoch normalerweise ungefährlich, trotzdem kann es unter gewissen Umständen zu ernsten Komplikationen kommen.


AUTOR

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 28. Februar, 2020



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Herpes ist eine der häufigsten Haut- und Geschlechtskrankheiten der Welt, etwa 90 Prozent der Bevölkerung aller Altersgruppen ist davon betroffen


Die Ansteckungsgefahr ist sehr hoch und erfolgt über Tröpfchen- oder Schmierinfektion, direkten Kontakt mit den infizierten Stellen sowie bei der Geburt


Typische Symptome sind vor allem Bläschen oder Geschwüre an den Lippen sowie im Genital- und Analbereich


Einen sicheren Schutz in Form einer Impfung gibt es nicht. Leichte Anzeichen lassen sich oft selbst behandeln, bei starken Symptomen oder Schmerzen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden

Was versteht die Medizin unter Herpes?

Herpes ist eine Gruppe von Virusinfektionen, deren Erreger zur Familie der Herpesviren gehören. Die Medizin kennt über 100 verschiedene Viren dieser Kategorie, von denen jedoch nur acht Typen Erkrankungen bei Menschen verursachen können. Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV 1) und das Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV 2) sind die bekanntesten Formen dieser Gruppe und verursachen Lippen- oder Genitalherpes, also das, was umgangssprachlich unter Herpes verstanden wird. Die Medizin kennt zusätzlich noch andere Erkrankungen, die von Herpesviren ausgelöst werden. Das Epstein-Barr-Virus (EBV) etwa ist Verursacher der Mononukleose, bekannt als Pfeiffersches Drüsenfieber, und das Varizella Zoster Virus (VZV) ist Erreger für Windpocken oder Herpes Zoster, die sogenannte Gürtelrose. Ein weiterer Typ ist das Cytomegalievirus (CMV), welches die Zytomegalie verursacht.

Herpes ist eine Gruppe von Virusinfektionen, deren Erreger zur Familie der Herpesviren gehören

Wie wird Herpes diagnostiziert?

Der Dermatologe stellt Lippenherpes anhand der typischen Anzeichen der Erkrankung per Blickdiagnose fest. Genitalherpes diagnostiziert der Arzt mithilfe der geschilderten Symptome und einer Untersuchung der Genitalien. Bei beiden Formen der Erkrankung sind spezielle Blutuntersuchungen und Abstriche der Bläschen hilfreich, um die Diagnose zu untermauern.

Wie sehen die Symptome aus?

Die ersten Anzeichen von herpes labialis, also Lippenherpes, sind ein Kribbeln an der Ober- und Unterlippe, ein Spannungsgefühl sowie eine juckende, gerötete oder brennende Haut. Es bilden sich kleine Bläschen, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind, die den Virus enthält, und meistens um den Mund herum lokalisiert sind. Sie treten aber auch an anderen Körperstellen auf, wie z. B. Nase, Ohren, Augen und Wangen. In besonders schweren Fällen befällt das Virus innere Organe wie Lunge, Gehirn oder Gesichtsnerven. Die Bläschen platzen nach einigen Tagen auf und hinterlassen schmerzhafte Geschwüre, die nach etwa zwei Wochen abheilen. Außerdem bilden sich in der Mundregion, an den Lippen und am Naseneingang eitrig-blutige Krusten.

Speziell bei Kindern kommt es gelegentlich zu einer massiven Erstmanifestation mit Fieber, Geschwüren im Rachen und Zahnfleisch sowie starken Schmerzen und Mundfäule. Bei Neurodermitis-Patienten breitet sich der Herpes durch die gestörte Immunabwehr über große Hautbezirke aus. Herpes genitalis, der sogenannte Genitalherpes, lässt sich ebenfalls an mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen erkennen. Diese Geschwüre bilden sich im Genitalbereich und sind in Gruppen angeordnet. Genitalherpes betrifft die Schamlippen, den Gebärmutterhals, die Eichel, die Vorhaut und den Penisschaft. In manchen Fällen sind Fieber, Lymphknotenschwellungen, Schmerzen beim Urinieren, blutiger Ausfluss aus dem After sowie Kopf- und Muskelschmerzen zusätzliche Symptome.

Die ersten Anzeichen von herpes labialis, also Lippenherpes, sind ein Kribbeln an der Ober- und Unterlippe, ein Spannungsgefühl sowie eine juckende, gerötete oder brennende Haut

Wer ist davon betroffen?

Betroffen sind sowohl Neugeborene, Kleinkinder, Jugendliche sowie Erwachsene und Senioren. Meist infizieren sich die Betroffenen bereits im Kindesalter mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1. Die Anzahl der an Herpes-simplex-Virus 2 erkrankten Menschen schwankt zwischen 20 und 80 Prozent, da eine Infizierung mit HSV 2 sehr stark von der sexuellen Aktivität und der Anzahl der Sexualpartner abhängt.

Wie wird Herpes übertragen?

Andere Personen mit dem Virus anzustecken ist sehr wahrscheinlich. Sowohl Typ 1 als auch Typ 2 werden durch Schmier- oder Tröpfcheninfektion bei Kontakt mit infizierter Haut oder Schleimhaut übertragen. Die Erreger treten dabei aus den geplatzten Bläschen aus und verteilen sich dann rund um den infizierten Bereich, wie etwa Lippen, Anus, Schamlippen oder Scheide. Wenn andere Menschen mit dem infektiösen Sekret in Kontakt kommen, können die Viren bereits über kleinste Verletzungen der Haut oder Schleimhaut in den Körper eindringen. Beispielsweise kann Herpes beim Küssen oder bei Berührung der infizierten Stellen übertragen werden. Eine Ansteckung erfolgt unter Umständen auch beim Benutzen von gemeinsamem Geschirr oder Handtüchern.

Geschlechtsverkehr ist ein besonders großer Risikofaktor, da auf diese Weise die Erreger direkt weitergegeben werden können. Oralsex bringt ebenfalls eine hohe Übertragungsgefahr mit sich, da dabei Lippenherpes auf die Geschlechtsorgane übertragen werden und dort zu Genitalherpes  führen kann. Eine solche Übertragung ist möglich, da die Strukturen der beiden Herpes-Simplex-Viren einander sehr ähnlich sind. Schwangere Frauen, die bei der Geburt ihres Kindes Herpesbläschen im Bereich der Geschlechtsorgane haben, übertragen den Virus dabei auf ihr Kind, weshalb in diesem Fall ein Kaiserschnitt ratsam ist.

Wie sieht der typische Krankheitsverlauf aus?

Die Viren bleiben ein Leben lang im Körper. Wie häufig Symptome wie Fieberblasen auftreten ist unterschiedlich. Bei einigen Betroffenen treten sie nur einmal im Leben auf, bei anderen monatlich z. B. im Zusammenhang mit der Menstruation. Wie oft sichtbare Anzeichen auftreten, ist häufig genetisch bedingt, doch auch die Lebensumstände spielen eine große Rolle. Es gibt verschiedene Faktoren, die ein erstmaliges oder wiederholtes Auftreten der Symptome begünstigen. Dazu gehören unter anderem körperlicher und psychischer Stress, Verletzungen, Fieber, Sonnenlichteinstrahlung und hormonelle Veränderungen. Aber auch Zahnarztbesuche, Angst, Allergien oder Ekel stellen mögliche Faktoren dar, die Herpes aktivieren.

Die Viren bleiben ein Leben lang im Körper. Wie häufig Symptome wie Fieberblasen auftreten ist unterschiedlich

Bei Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem, z. B. bei HIV-Infizierten oder Krebserkrankten, ist der Verlauf der Herpeserkrankung oftmals besonders schlimm und es sind sehr große Bereiche der Haut und Schleimhaut betroffen. Eine Reaktivierung, also ein Wiederauftreten des Infekts, ist bei beiden Herpestypen möglich. Die Ursache dafür liegt in einer Störung spezieller Immunabwehrmechanismen. Reaktivierte Infektionen können auch ohne Symptome verlaufen. In diesen Fällen ist die Gefahr besonders groß, dass das Virus unbemerkt verbreitet wird. Mit zunehmendem Alter kommt es seltener zu einem Wiederauftreten der Infektion.

Welche Folgen hat eine Herpeserkrankung?

Die aufgeplatzten Geschwüre hinterlassen oft Haut- oder Hornhautnarben. In manchen Fällen bleiben braune oder weiße Hautstellen zurück. Weitere Folgen sind oftmals Hörschäden, Gesichtsmuskellähmungen, Zwerchfelllähmungen oder Geschmacksverlust. Ist das Auge betroffen, verursachen Herpesviren unter Umständen bleibende Narben an der Hornhaut.

Wie kann ich Herpes selbst behandeln?

Bei schwachen Formen der Erkrankung können die Symptome mit Arzneien aus der Apotheke selbst behandelt werden. Beschränken sich die Bläschen auf einen bestimmten Bereich, reicht es normalerweise aus, die betroffenen Stellen mit pflegenden oder austrocknenden Mitteln zu versorgen. Auch virushemmende Cremes aus der Apotheke können den Krankheitsverlauf verkürzen und die Beschwerden abmildern. Wichtig ist, diese sofort nach den ersten Anzeichen eines Ausbruchs anzuwenden. In manchen Fällen helfen auch Produkte auf pflanzlicher Basis wie Salben, die Zitronenmelisse enthalten. Die darin enthaltenen Inhaltsstoffe schützen die gesunden Zellen vor dem Eindringen der Erreger und verhindern so eine Ausbreitung des Virus. Bei aufgeplatzten Geschwüren hilft eine Salbe mit Zink, da dies die Wundheilung fördert.

Wie behandelt der Arzt eine Herpes-Infektion?

Wenn der Herpes häufiger auftritt und sich über einen längeren Zeitraum hält und zusätzlich Symptome wie Fieber oder andere Komplikationen dazu kommen, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Ärztliche Hilfe ist auch bei Genitalherpes oder Herpes in Augennähe zu empfehlen. Bei ausgedehnten Herpesinfektionen verabreicht der Arzt über mehrere Tage Virustatika als Tablette, Salbe oder Infusion. In besonders schweren Fällen bedürfen auch Kinder und Neugeborene einer Immunsuppression. Bei häufig wiederkehrendem Herpes besteht die Möglichkeit einer Dauerprophylaxe mit niedrig dosierten Herpes-Medikamenten.

Herpes kann durch Küssen übertragen werden

Bei Neugeborenen, deren Mütter kurz vor der Entbindung eine symptomatische oder asymptomatische Erstinfektion durchgemacht haben, wird eine passive Prophylaxe mit Immunglobulinen und Aciclovir-Therapie empfohlen. Nach der Geburt sollten Augentropfen verwendet werden. Erfolgt eine Erstinfektion mit Lippen- oder Genitalherpes um den Geburtstermin herum, sollten Mutter und Kind bis zum Abheilen der Bläschen von anderen werdenden Müttern isoliert werden. Beim Auftreten einer reaktivierten Infektion reichen sorgfältige hygienische Maßnahmen, eine Isolierung ist in diesem Fall nicht nötig.

Welche Komplikationen können bei einer Herpes-Erkrankung auftreten?

Auch wenn Herpes schmerzhaft sein kann, ist die Erkrankung normalerweise nicht gefährlich, dennoch kann es, vor allem bei einer Reaktivierung, zu Komplikationen wie Hornhautentzündung oder einer Entzündung des Gehirns kommen. Schwierigkeiten treten möglicherweise auf, wenn die Herpes-Bläschen aufplatzen und die Haut darunter offen liegt, da dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass die betroffenen Stellen sich noch mit anderen Erregern wie Bakterien oder Pilzen infizieren. Stecken sich Neugeborene bei der Geburt mit dem Herpesvirus an, kann dies sehr gefährlich werden. Bei Säuglingen gelangen die Viren viel leichter ins Blut, sodass sich die Erreger im ganzen Körper ausbreiten (Herpes-Sepsis) und zu einer Gehirnentzündung führen können. Manchmal kommt es zu einer bakteriellen Infektion des Herpes-Geschwürs. Die Symptome sind dann oft stärker oder halten länger an. Ist das Auge betroffen, droht eine Verminderung der Sehkraft.

In Ausnahmesituationen befällt das Virus die Hornhaut und führt dadurch zu schweren Komplikationen und im schlimmsten Fall zur Erblindung.

Bei einer Infizierung mit dem Herpes-Simplex-Virus Typ  1 kann es zu einer Herpesenzephalitis, also einer Herpes-Entzündung des Gehirns, kommen. Erste Symptome einer herpes enzephalitis sind zunächst Kopf- und Gliederschmerzen sowie starke Fieberschübe. Weitere Anzeichen sind Wahrnehmungs- und Geruchsstörungen sowie motorische und sprachliche Beeinträchtigungen. Eine fortschreitende Erkrankung zusätzliche Symptome wie Lähmungserscheinungen, Schwindel, Erbrechen, ein weiteres Ansteigen der Körpertemperatur und Krampfanfälle hinzu. Behandelt ein Arzt diese Anzeichen rechtzeitig, ist eine Heilung der Entzündung sehr wahrscheinlich. Bleibt eine unverzügliche Therapie aus, führt dies in vielen Fällen zum Tod der Erkrankten.

Genügend Schlaf, viel Bewegung und wenig Stress sind zusätzliche Alternativen, um eine Ansteckung mit dem Herpesvirus zu verhindern

Wie kann ich Herpes vorbeugen?

Eine Impfung gegen das Herpes-Simplex-Virus Typ 1 und das Herpes-Simplex-Virus Typ 2 existiert nicht, jedoch gibt es viele Möglichkeiten, um eine Infektion mit dem Virus vorzubeugen. Um eine Erkrankung an Herpes verhindern, eignen sich alle Maßnahmen, die das Immunsystem stärken. Dazu gehört unter anderem eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung sowie eine gründliche Hygiene. Genügend Schlaf, viel Bewegung und wenig Stress sind zusätzliche Alternativen, um eine Ansteckung mit dem Herpesvirus zu verhindern. Wer bereits öfter Fieberblasen hatte, sollte bei starker Sonneneinstrahlung seine Lippen schützen, da die Haut in diesem Bereich keine schützenden Pigmente enthält. Vor allem im Hochgebirge oder am Meer brauchen die Lippen einen hohen Lichtschutzfaktor, da dort das Sonnenlicht intensiver ist. Safer-Sex-Maßnahmen reduzieren ebenfalls das Risiko, sich oder andere mit herpes genitalis anzustecken.


AUF EINEN BLICK

Dauer Dauer

7-10 Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Top Ärzt*innen auf diesem Fachgebiet

MOOCI Siegel
Dr. med. Nikolaus Schicher

Dr. med. Nikolaus Schicher

Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Henselstraße 5 , Klagenfurt am Wörthersee

MOOCI Siegel
OMR Dr. med. Johannes Neuhofer

OMR Dr. med. Johannes Neuhofer

Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Wiener Straße 57 , Linz

MOOCI Siegel
Dr. med. Kerstin Ortlechner

Dr. med. Kerstin Ortlechner

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Wattgasse 48 , Wien

Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Herpes ist eine der häufigsten Haut- und Geschlechtskrankheiten der Welt, etwa 90 Prozent der Bevölkerung aller Altersgruppen ist davon betroffen


Die Ansteckungsgefahr ist sehr hoch und erfolgt über Tröpfchen- oder Schmierinfektion, direkten Kontakt mit den infizierten Stellen sowie bei der Geburt


Typische Symptome sind vor allem Bläschen oder Geschwüre an den Lippen sowie im Genital- und Analbereich


Einen sicheren Schutz in Form einer Impfung gibt es nicht. Leichte Anzeichen lassen sich oft selbst behandeln, bei starken Symptomen oder Schmerzen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden

Frage an MOOCI

Du hast Fragen zu diesem Thema?

  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Die Experten bei MOOCI beantworten Deine Fragen!

Frage an die MOOCI Experten stellen

Experten bei MOOCI

Schritt 1 von 2

50%
Frage an MOOCI Experten stellen

Stelle hier Deine Frage!