Geschlechtskrankheiten

Unter den Begriff Geschlechtskrankheiten, auch als venerische Erkrankungen bezeichnet, fällt eine Vielzahl an Infektionskrankheiten, die nicht ausschließlich, aber vor allem durch sexuellen Kontakt übertragen werden können. Darunter fallen Infektionen, die sowohl durch Bakterien als auch Viren, Parasiten oder Pilze ausgelöst werden können. Die meisten der venerischen Erkrankungen verlaufen komplikationslos und können durch spezifische Medikamente gut behandelt werden. Je nach Erreger und Immunabwehr kann es aber auch zur Ausbreitung auf andere Organsysteme oder zu chronischen Erkrankungszuständen kommen.


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Zuletzt aktualisiert: 4. Januar, 2022

INHALTSVERZEICHNISInhaltsverzeichnis

Als Geschlechtskrankheiten werden Infektionserkrankungen bezeichnet, die hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragen werden und ihre Symptomatik in erster Linie aber nicht nur an den Geschlechtsorganen entfalten.

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Zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten zählen urogenitale Infektionen durch Chlamydien, die Trichomoniasis und HPV-Infektionen.

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Die Symptomatik kann je nach Erkrankung und Abwehrsystem recht unterschiedlich ausgeprägt bis nicht vorhanden sein. Bei den bakteriellen Infektionen stehen vor allem Ausfluss, bei Frauen Blutungen, bei Männern Rötung und Schwellung des Penis, Brennen beim Harnlassen und Schmerzen im Vordergrund, bei Pilzinfektionen Ausfluss und Juckreiz.

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Die Übertragung erfolgt meist als direkte Schmierinfektion, also durch direkten Kontakt zwischen kontaminierter Körperflüssigkeit (Sperma, Vaginalsekret, Blut, in Einzelfällen Speichel) und Schleimhaut. Weist die Schleimhaut kleinste Verletzungen auf (wie sie beim Geschlechtsverkehr geschehen können), ist das Übertragungsrisiko noch höher.

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Die Testung kann in allgemeinen medizinischen Labors oder aber in speziell auf Geschlechtskrankheiten spezialisierten medizinischen Einrichtungen erfolgen. Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit und Wunsch nach Überweisung zur Testung sind Allgemeinmediziner, Gynäkologe, Urologe oder Dermatologe.

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Die Behandlung erfolgt medikamentös und kann im Falle der meisten sexuell übertragbaren Krankheiten zu Hause durchgeführt werden. Nur in seltenen Fällen ist ein stationärer Aufenthalt oder eine weiterführende Abklärung notwendig.

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Die Prognose ist bei frühzeitig gestellter Diagnose und rascher Behandlung in den meisten Fällen eine gute. Bakterielle Infektionen lassen sich durch Antibiotika meist vollständig heilen und auch virale Infektionen, die häufig mit chronischen Verläufen einhergehen (AIDS, Hepatitis B), lassen sich durch eine moderne und gezielte Therapie gut behandeln, sodass mit keiner Einschränkung der Lebensqualität und Lebenserwartung zu rechnen ist.

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Den zuverlässigsten Schutz vor einer Übertragung bieten Kondome, die im besten Fall auch beim Anal- und Oralsex angewendet werden sollten.

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Die Kosten können je nach Erreger und damit einhergehenden Krankheitsverlauf sehr variieren. In der Regel werden allerdings alle Kosten durch die Krankenkassen übernommen.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Beim Begriff „Geschlechtskrankheit“ handelt es sich um einen – teilweise recht unscharfen - Überbegriff für alle durch Geschlechtsverkehr (auch Oral- und Analverkehr) übertragbaren Infektionskrankheiten. Das Erregerspektrum reicht von Bakterien über Viren bis hin zu Parasiten und Pilzen. Immer häufiger in Gebrauch ist heutzutage der Begriff der „sexuell übertragbaren Krankheiten“ (STDs).


Die genaue Symptomatik hängt vom Erreger ab und kann äußerliche Veränderung der Genitale, Jucken, Brennen, Ausfluss, Blutungen, Schmerzen und allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber umfassen. Häufig verlaufen Infektionen auch völlig asymptomatisch – eine Übertragung ist dennoch möglich!


Eine Reihe sexuell übertragbarer Krankheiten kann chronische Verläufe zeigen (Syphilis, Aids) oder sogar Zellveränderungen bewirken, die als Krebsvorstufe zu werten sind (HPV, Hepatitis B).


Da alle STDs in der Regel hauptsächlich oder ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, ist eine Vorbeugung und Verhinderung von Infektionen auf recht einfache Weise, nämlich durch das Tragen von Kondomen oder Femidomen möglich. Gegen eine Infektion durch das Hepatitis-B-Virus oder HP-Virus existieren darüber hinaus Schutzimpfungen.

Was versteht die Medizin unter Geschlechtskrankheiten?

Als Geschlechtskrankheiten werden Infektionskrankheiten verstanden, die hauptsächlich aber nicht ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Die „klassischen“ Geschlechtskrankheiten werden als Infektionen der Geschlechtsorgane angesehen.
 
Passender und in der medizinischen Fachsprache häufiger ist aber vielmehr der Begriff der sexuell übertragbaren Krankheiten, da sich viele der umfassten Erkrankungen nicht nur lediglich auf die Geschlechtsteile beschränken, sondern auch an anderen Organsystemen manifestieren können. Vor allem im englischsprachigen Bereich wird zwischen STIs (sexual transmitted infections) und STDs (sexual transmitted diseases) unterschieden, da nicht jede Infektion mit dem Ausbruch einer Symptomatik und damit tatsächlichen Erkrankung einhergeht.

Geschlechtskrankheiten - Was versteht die Medizin unter Geschlechtskrankheiten?

Wie häufig sind Geschlechtskrankheiten?

Geschlechtskrankheiten sind insgesamt sehr häufige Erkrankungen, die überall auf der Welt auftreten und sich vorwiegend in den jüngeren Bevölkerungsgruppen manifestieren. Gründe dafür sind in erster Linie häufig wechselnde Sexualpartner sowie mangelnde Aufgeklärtheit über Präventionsmaßnahmen und erste Symptome. Zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten gehören HPV-Infektionen (Humanes Papillom Virus), Tripper (Gonorrhoe) und der Herpes genitalis.

Sind Männer häufiger von Geschlechtskrankheiten betroffen als Frauen?

Geschlechtskrankheiten - Sind Männer häufiger von Geschlechtskrankheiten betroffen als Frauen?

Grundsätzlich sind beide Geschlechter von sexuell übertragbaren Erkrankungen betroffen. Eine Aussage, welches Geschlecht häufiger betroffen ist, kann nicht so einfach und pauschalisierend für alle Geschlechtserkrankungen getroffen werden, da hierbei zahlreiche Faktoren wie anatomische und physiologische Verhältnisse, Hormon- und Immunsystem, aber auch die Art des Erregers eine entscheidende Rolle spielen.

Rein anatomisch und physiologisch gesehen, ist das Ansteckungsrisiko für Frauen insgesamt wesentlich höher als für Männer – ausgenommen sind gleichgeschlechtliche männliche Sexualkontakte. Dennoch ist es bei einigen sexuell übertragbaren Erkrankungen so, dass das männliche Geschlecht eher deutliche Symptome und Beschwerden entwickelt und die Erkrankung daher bei Männern häufiger diagnostiziert wird. Insgesamt lässt sich bei fast allen Geschlechtserkrankungen feststellen, dass Männer und Frauen sehr unterschiedliche und unterschiedlich stark ausgeprägte Symptome entwickeln.

Welche sind die häufigsten Geschlechtskrankheiten?

Jene Geschlechtskrankheit mit den häufigsten Neuinfektionen pro Tag sind Infektionen, ausgelöst durch Chlamydien. Jährlich werden zwischen 80 und 90 Millionen Neuinfektionen gezählt.

Wie viele Geschlechtskrankheiten gibt es?

Weltweit gibt es laut offiziellen Statistiken über dreißig verschiedene Geschlechtskrankheiten. Die Zahlen variieren, da die Begriffe „Geschlechtskrankheit“ und „sexuell übertragbare Krankheit“ global nicht gleichermaßen bewertet werden.

Geschlechtskrankheiten - Wie viele Geschlechtskrankheiten gibt es?

Wie werden sexuell übertragbare Krankheiten unterteilt?

Sexuell übertragbare Erkrankungen werden systematisch eingeteilt in solche, die vorwiegend lokal (also im Bereich der Genitalien und angrenzenden Organsystemen wie Harnröhre, Harnblase, bei Frauen Uterus und Eierstöcke, beim Mann Prostata, Hoden und Nebenhoden) auftreten und solche, die systemisch werden, also auch auf andere Organsysteme übergreifen.

 

Des Weiteren erfolgt die Einteilung in Geschlechtskrankheiten, die ausschließlich über Geschlechtsverkehr übertragen werden können (also beispielsweise Tripper oder das Ulcus molle) und solche, bei denen auch andere Übertragungswege (beispielsweise über Blutkontakte) existieren.

Lokal wirksame Geschlechtskrankheiten:

  • Tripper (Gonorrhoe)
  • Syphilis (zählt je nach Stadium sowohl zu den lokalen als auch systemischen Infektionen)
  • Lymphogranuloma venereum
  • Herpes genitalis
  • Ulcus molle
  • Trichomaniasis
  • Penis- und Vaginalmykosen (werden im engeren Sinne nicht wirklich zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen gezählt, da es auch andere Wege und Risikofaktoren für eine Infektion gibt)

Systemisch wirksame Geschlechtskrankheiten:

  • HPV-Infektion (das HP-Virus nimmt eine Sonderstellung ein, da es an die 100 Subtypen gibt, die alle als Schmierinfektion übertragen werden und je nachdem, wo die Infektion greift, zu einem unkontrollierten und warzenartigen Wachstum der Schleimhaut und Haut führt. Dezidiert als Geschlechtskrankheiten zählen nur HPV-Infektionen, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden und damit zu Veränderungen im Genitalbereich führen. Je nach Subtyp kann die Veränderung sowohl gutartig (Auftreten von Feigwarzen) als auch bösartig (Entstehung von Zervix– oder Peniskarzinom) sein.
  • HIV
  • Hepatitis

Was sind die Symptome von Geschlechtskrankheiten?

Geschlechtskrankheiten - Was sind die Symptome von Geschlechtskrankheiten?

Die Symptomatik von Geschlechtskrankheiten kann aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen möglichen Erregerarten ebenso unterschiedlich sein. Je nach Erregerart kann eine Infektion auch ohne jegliche Symptomatik vor sich gehen, am häufigsten geschieht dies bei HPV-Infektionen, Chlamydien-Infektionen (bis zu 70 Prozent asymptomatisch) und Tripper (bis zu 80 Prozent asymptomatisch).

Zu den häufigsten Symptomen von sexuell übertragbaren Krankheiten gehören bei Frauen eine Veränderung von Farbe und Geruch des vaginalen Ausflusses, Juckreiz und Brennen im Scheidenbereich, Schmerzen in der Unterbauchregion, Brennen beim Harnlassen, oberflächliche Hautveränderungen im Genitaltrakt sowie Zwischenblutungen oder verstärkte Monatsblutungen.
 
Bei Männern treten häufig Rötungen, Schwellungen, Hautveränderungen und Ulzerationen am Penis auf, auch kann es zu leichtem Ausfluss, Schmerzen beim Wasserlassen oder während der Ejakulation, Lymphknotenschwellungen in der Leistenregion und Schmerzen im Unterbauch und im Bereich der Hoden kommen.

Welche Geschlechtskrankheiten haben keine Symptome?

Alle Geschlechtskrankheiten können Symptome verursachen, viele davon können aber auch symptomlos bleiben. Ob, wann und bei wem eine Infektion asymptomatisch bleibt und daher nicht tatsächlich zur Erkrankung wird, ist vor allem vom Immunsystem abhängig.

Geschlechtskrankheiten - Welche Geschlechtskrankheiten haben keine Symptome?

Welche Komplikationen können bei sexuell übertragbaren Krankheiten auftreten?

Geschlechtskrankheiten gehen nicht nur mit verschiedenen Beschwerden und Anzeichen einher, sondern können auch zu anderen Krankheiten führen. Die häufigsten Komplikationen, die in Folge einer sexuell übertragbaren Krankheit auftreten können, sind:

Geschlechtskrankheiten - Untere und obere Harnwegsinfektionen

Untere und obere Harnwegsinfektionen

Eine untere Harnwegsinfektion ist eine Infektion der Harnröhre (Urethritis) und zählt zu den häufigsten Symptomen von sexuell übertragbaren Infektionen. Sie kann im Rahmen von Erkrankungen wie Gonorrhoe, Chlamydien oder Trichomonas vaginalis auftreten. Auch Ureaplasmen oder Mykoplasmen gehören zu häufigsten Erregern. Die obere Harnwegsinfektion beschreibt eine Entzündung der Harnblase (Cystitis), die aber weitaus seltener im Rahmen von Geschlechtskrankheiten auftritt. Sie kann durch Pilzinfektionen, Mykoplasmen oder Chlamydien ausgelöst sein.


Geschlechtskrankheiten - Entzündung der Prostata (Prostatitis) und der Nebenhoden (Epididymitis)

Entzündung der Prostata (Prostatitis) und der Nebenhoden (Epididymitis)

Steigt die Infektion entlang der Harnröhre und des Samenleiters auf, erreicht sie im Verlauf die Prostata und die Nebenhoden. Dabei handelt es sich um seltenere, aber sehr ernst zu nehmende Komplikationen, da es zu schwer zu behandelnden Abszessen bis hin zur Unfruchtbarkeit kommen kann.


Geschlechtskrankheiten - Entzündung der Eierstöcke (Adnexitis)

Entzündung der Eierstöcke (Adnexitis)

Auch bei der Frau kann es zum Aufsteigen der Infektion kommen, sodass die Keime über den Gebärmutterhals, den Uterus und den Eileitern zu den Eierstöcken vordringen. Häufigster Erreger sind hierbei Chlamydien. Folgen einer Adnexitis können wie beim Mann Abszesse, Verwachsungen und Unfruchtbarkeit sein.


Wie werden Geschlechtskrankheiten übertragen?

Wie der Name der sexuell übertragbaren Erkrankungen bereits verrät, erfolgt die Ansteckung in erster Linie beim Geschlechtsverkehr. Die Erreger befinden sich im Sperma oder Vaginalsekret, die Übertragung erfolgt also durch den Austausch von Körperflüssigkeiten, sodass die Erreger dann durch kleinste Schleimhautverletzungen in den Körper des Partners eindringen können. Grundsätzlich können Geschlechtskrankheiten daher nicht nur durch Vaginalverkehr, sondern auch durch Anal- und Oralsex übertragen werden. Weitaus seltener, aber durchaus möglich sind daher auch Infektionen und Symptome im Bereich des Enddarms oder der Mundhöhle und Zunge.
 
In manchen Aufzählungen zu Geschlechtskrankheiten werden auch Arthropoden wie die Filzlaus oder die Krätzmilbe genannt, hierbei erfolgt eine Übertragung nicht per se durch Geschlechtsverkehr, sondern durch engen Körperkontakt sowie über Kleidung, Bettlaken oder Handtücher.

Geschlechtskrankheiten - Wie werden Geschlechtskrankheiten übertragen?

Kann man Geschlechtskrankheiten von Toiletten bekommen?

Die meisten bakteriellen Erreger (beispielsweise die der Gonorrhoe, der Syphilis, des Ulcus molle oder der Chlamydien-Infektionen) können außerhalb der menschlichen Schleimhäute nur sehr kurz überleben und sind gegen Kälte und Trockenheit sehr empfindlich. Eine Übertragung dieser klassisch bakteriellen Geschlechtskrankheiten über Toilettensitze oder Stoff (Handtücher, Unterwäsche) ist daher extrem selten.

Welche Ursachen haben sexuell übertragbare Krankheiten?

Die Ursache aller sexuell übertragbaren Erkrankungen ist stets eine Infektion mit einem pathogenen, also potenziell krankmachenden Keim, der die Funktionalität des Gewebes stört und sich rasch vermehrt.

Hier ein Überblick über die bereits genannten häufigsten Geschlechtskrankheiten und die jeweils verursachenden Erreger:

  • Gonorrhoe (Infektion mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae)
  • Syphilis (Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum)
  • Lymphogranuloma venereum (Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis, Serotyp L)
  • Urogentialinfektionen ausgelöst durch Chlamydia trachomatis, Serotyp A-K
  • Herpes genitalis (Infektion durch Herpes-simplex-Viren)
  • Ulcus molle (Infektion mit dem Bakterium Hämophilus ducreyi)
  • Trichomaniasis (Infektion mit dem Protozoon (Parasit) Trichomonas vaginalis/urogenitalis)
  • Condylomata acuminata (Infektion mit dem Humanen Papilloma Virus, Typ 6 und 11)
  • Cervikale/Penile intraepitheliale Neoplasien (Infektion mit dem Humanen Papilloma Virus, Typ 16, 18 und 31 – Krebsvorstufen)
  • AIDS (Infektion mit dem HI-Virus)
  • Hepatitis (Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus)
  • Penis- und Vaginalmykosen (Infektion durch Hefepilze – diese werden im engeren Sinne nicht wirklich zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen gezählt, da es auch andere Infektionswege und Risikofaktoren für eine Infektion gibt)

Wo und wie kann ich mich auf Geschlechtskrankheiten testen lassen?

Eine Testung auf mögliche Geschlechtserkrankungen wird in erster Linie durch den behandelnden Arzt (Hausarzt, Gynäkologen, Urologen, Dermatologen) vorgenommen.
 
Wichtig ist es zu bedenken, wann eine Testung überhaupt sinnvoll ist. Besteht der dringende Verdacht auf eine Ansteckung (beispielsweise bei Feststellung einer Erkrankung bei einem Sexualpartner) oder liegt eine Symptomatik vor, solltest Du Dich rasch an einen Arzt wenden und eine Testung vornehmen lassen. In solchen Fällen werden die Kosten für die Testung von den Krankenkassen übernommen. Ähnliches gilt bei bestehender Schwangerschaft – auch hier werden routinemäßig Testungen auf unterschiedliche Erreger vorgenommen, da sich einige auf den Schwangerschaftsverlauf und die Gesundheit des ungeborenen Kindes negativ auswirken können.
 
Anders ist es bei prophylaktischer Testung ohne Symptomatik (beispielsweise bei Eingehen einer neuen Partnerschaft oder bei häufig wechselnden Sexualpartnern), in solchen Fällen sind Testungen zwar in bestimmten Laboren oder medizinischen Einrichtungen möglich, aber die Kosten in der Regel selbst zu tragen. Eine Ausnahme stellt die Organisation der AIDS-Hilfe dar, hier kannst Du Testung auf das HI-Virus meist auch kostenfrei durchführen lassen.
 
Durchgeführt werden die Testungen je nach Erregerart auf unterschiedliche Art und Weise. In der Regel erfolgt die Probengewinnung entweder durch eine Blutabnahme, eine Abgabe von Harn oder durch einen Abstrich, der dann unter dem Mikroskop und mit weiterführenden Methoden untersucht wird.

Wie wird eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert?

Geschlechtskrankheiten - Wie wird eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert?

Die Diagnose wird durch den Arzt gestellt, nicht selten geschieht dies auch im Rahmen von gynäkologischen oder urologischen Routineuntersuchungen, ohne dass es zu einer Symptomatik kommt.

Häufig handelt es sich um Blickdiagnosen, die Dein Arzt allein durch die beschriebene Symptomatik oder einen Blick auf mögliche Hautveränderungen vornehmen kann. Bei unklaren Befunden oder falls mehrere Erregerarten für die vorliegende Symptomatik infrage kommen, wird eine Testung durchgeführt.

Geschlechtskrankheiten - Wie lassen sich Geschlechtskrankheiten behandeln?

Wie lassen sich Geschlechtskrankheiten behandeln?

Die Behandlung richtet sich in erster Linie nach der Art des Erregers und der Infektion. Meist empfiehlt es sich auch symptomlose Infektionen, die zufällig in Routineuntersuchungen entdeckt werden, zu behandeln, um weitere Übertragungen zu verhindern. Wichtig ist zudem auch immer die Mitbehandlung möglicher ebenfalls infizierter Sexualpartner. Die Behandlungsdauer richtet sich nach der Erregerart und kann von einigen Tagen bis hin zur lebenslänglichen Behandlung (im Falle von AIDS) reichen.

  • Bakterielle Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe, Syphilis, Chlamydien-Infektionen und das Ulcus molle können mit Antibiotika gut behandelt werden und heilen meist vollständig aus.

  • Infektionen mit Hefepilzen werden durch spezielle pilzabtötende Substanzen, auch Antimykotika genannt, behandelt und heilen in der Regel vollständig aus. Die Behandlung erfolgt lokal durch regelmäßiges Auftragen von antimykotischen Salben.

 


  • Eine Infektion mit dem Einzeller Trichomonas wird ebenfalls mit Antibiotika behandelt, allerdings mit einer Substanz, die sich durch eine spezielle Wirkungsweise auch gegen Protozoen als effektiv erweist.

 

Virale Infektionen sind meist deutlich schwieriger zu behandeln als bakterielle, hier steht nicht eine solche Vielfalt an wirksamen Medikamenten zur Verfügung wie bei den Antibiotika. Spezielle antivirale Mittel werden Virostatika genannt. Diese allein sind allerdings häufig nicht ausreichend, da sich Viren prinzipiell anders im Körper verteilen als Bakterien. In der Therapie des HI-Virus kommt eine sogenannte antiretrovirale Kombinationstherapie zum Einsatz, die unterschiedliche Wirkmechanismen kombiniert. Die Viruslast kann dadurch so stark reduziert werden, dass sowohl schwerwiegende immunologische Komplikationen als auch eine Übertragung auf andere verhindert werden.
 
Selbiges gilt für eine Infektion mit dem Hepatitis-B Virus, hier kommen eine virustatische Therapie und die Gabe von Interferonen (immunstimulierende und antiviral wirksame Hormone) zum Einsatz.
 
Anders bei einer Infektion mit dem HP-Virus: Hier existieren bislang keine antiviralen Medikamente, die die Ausprägung der Schleimhautwucherungen verhindern. Kommt es zur Ausbildung von Feigwarzen, können diese lediglich chirurgisch oder mittels Laser oder Vereisung abgetragen werden. Besteht der Verdacht auf eine Veränderung und möglicherweise gefährliche Entartung der Zervix- oder Penisschleimhaut durch HPV, muss eine chirurgische Abtragung des betroffenen Areals erfolgen.

Geschlechtskrankheiten - Wie ist die Prognose bei Geschlechtskrankheiten?

Wie ist die Prognose bei Geschlechtskrankheiten?

Die Prognose eigentlich aller Geschlechtskrankheiten ist heutzutage mit adäquaten Behandlungsmöglichkeiten eine gute. Im Falle der Gruppe der bakteriellen Erkrankungen existieren wirksame antibiotische Therapien, die die Bakterien vollständig abtöten und damit zur kompletten Heilung führen. Virale Erkrankungen werden meist so behandelt, dass die Symptomatik deutlich unterdrückt wird, eine vollständige Eliminierung des Virus aus dem Körper ist meist jedoch nicht möglich.

Was sind mögliche Folgen von Geschlechtskrankheiten?

Die Gefahr und Problematik der Geschlechtskrankheiten sind, dass sie häufig asymptomatisch bleiben, die infizierte Person daher gar nicht weiß, dass sie infiziert ist und so Erkrankungen unwissentlich leicht weitergegeben werden können. Immer wieder neigen Infektionen dazu, lange unbemerkt zu bleiben, sich weiter auszubreiten und dann zu Komplikationen zu führen. Dazu gehören vorwiegend chronische Infektionen, Abszessbildungen oder dauerhafte Unfruchtbarkeit.
 
Am gefürchtetsten ist dennoch die Gruppe der viralen sexuell übertragbaren Krankheiten (HIV, HPV und Hepatitis-B-Virus), da die Viren in der Regel lebenslänglich im Körper verbleiben und häufig langjährige Therapien benötigen.
 
Im Falle einer Ansteckung mit dem HP-Virus kann es je nach Virus-Subgruppe zu Zellveränderungen der betroffenen Schleimhautregion kommen, die die Entstehung von bösartigen Tumoren begünstigen. Man kennt diese Erkrankung als Gebärmutterhalskrebs, aber auch Penis-, Mundhöhlen– oder Rektumkarzinome sind je nach Sexualpraktik möglich.
 
Auch beim Hepatitis-B-Virus zählt die Entstehung einer Krebserkrankung zur gefürchtetsten Komplikation. Denn die Infektion führt zur chronischen Leberentzündung und zur Leberzirrhose, wodurch es zu Zellveränderungen in der Leber kommt.
 
Das HI-Virus hingegen nistet sich nach Übertragung in bestimmten Zellen des Immunsystems ein und verändert deren Funktion. Dabei kommt es nach einer Latenzzeit unbehandelt zur fortschreitenden Immunschwäche, die früher oder später zum Tod führt.

Wie kann ich Geschlechtskrankheiten vorbeugen?

Die einzige Möglichkeit, sich mit hoher Sicherheit vor einer Ansteckung mit allen sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen, ist eine Verhinderung des direkten Kontaktes zwischen Vaginalsekret beziehungsweise Sperma und der Schleimhaut, wie sie Kondome und Femidome bieten. Auch eine regelmäßige Testung bei häufig wechselnden Sexualpartnern kann als eine Art der Vorbeugung gewertet werden, da der eigene Erkrankungsstatus bekannt wird und dadurch die unwissentliche Übertragung auf andere verhindert werden kann.

 

Im Falle des Hepatitis-B und des HP-Virus stehen Impfstoffe zur Verfügung, die bei Kontakt mit dem Virus vor einer Infektion schützen.

Geschlechtskrankheiten - Wie kann ich Geschlechtskrankheiten vorbeugen?

Was kosten Diagnose und Behandlung von Geschlechtskrankheiten?

Geschlechtskrankheiten - Kosten

Die für Diagnostik und Therapie von sexuell übertragbaren Erkrankungen anfallenden Kosten können je nach Erkrankungsart und Erkrankungsausmaß stark variieren. So können die Kosten etwa von zehn bis über 70 Euro reichen.

Im einfachsten Fall ist mit einer Tabletteneinnahme über einige wenige Tage zu rechnen, die Therapie kann hierbei von zu Hause aus erfolgen. Bei schwereren Verläufen oder chronischen Erkrankungsformen sind häufig weitere diagnostische Schritte (Blutabnahmen, Gewebeprobenentnahme, Bildgebung) und längerfristige, umfangreichere Therapien sowie stationäre Krankenhausaufenthalte notwendig, was die Kosten in die Höhe treibt.

Übernimmt die Krankenkasse die anfallenden Kosten bei Geschlechtskrankheiten?

Alle Kosten für Therapie und Behandlung der unterschiedlichen Geschlechtskrankheiten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, da eine fehlende Behandlung mitunter mit schweren Komplikationen einhergehen kann. Nur die Kosten für Testungen ohne tatsächliche Symptomatik (also prophylaktische Tests oder solche aus persönlichem Interesse) sind meist selbst zu tragen.

 


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Über den Autor: Dr. med. Benjamin Gehl

Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie


Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion.

Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind.

Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Beim Begriff „Geschlechtskrankheit“ handelt es sich um einen – teilweise recht unscharfen - Überbegriff für alle durch Geschlechtsverkehr (auch Oral- und Analverkehr) übertragbaren Infektionskrankheiten. Das Erregerspektrum reicht von Bakterien über Viren bis hin zu Parasiten und Pilzen. Immer häufiger in Gebrauch ist heutzutage der Begriff der „sexuell übertragbaren Krankheiten“ (STDs).


Die genaue Symptomatik hängt vom Erreger ab und kann äußerliche Veränderung der Genitale, Jucken, Brennen, Ausfluss, Blutungen, Schmerzen und allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber umfassen. Häufig verlaufen Infektionen auch völlig asymptomatisch – eine Übertragung ist dennoch möglich!


Eine Reihe sexuell übertragbarer Krankheiten kann chronische Verläufe zeigen (Syphilis, Aids) oder sogar Zellveränderungen bewirken, die als Krebsvorstufe zu werten sind (HPV, Hepatitis B).


Da alle STDs in der Regel hauptsächlich oder ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, ist eine Vorbeugung und Verhinderung von Infektionen auf recht einfache Weise, nämlich durch das Tragen von Kondomen oder Femidomen möglich. Gegen eine Infektion durch das Hepatitis-B-Virus oder HP-Virus existieren darüber hinaus Schutzimpfungen.

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