Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex ore)

Mundgeruch, im medizinischen Fachjargon auch Halitosis oder Foetor ex ore genannt, ist im eigentlichen Sinne kein Krankheitsbild, sondern kann Symptom eines solchen sein. Im Grunde ist Mundgeruch ein recht unspezifisches Zeichen und kann für eine große Menge an Erkrankungen stehen oder aber auch nur Ausdruck eines Mangels an Zahn- und Mundhygiene beziehungsweise einer bestimmten Mahlzeit sein. Mundgeruch wird von der Mehrheit der Personen als sehr unangenehm empfunden. Handelt es sich um ein chronisches Problem, sollte eine Abklärung erfolgen.


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Zuletzt aktualisiert: 19. März, 2020



Was versteht die Medizin unter Mundgeruch?

Mundgeruch ist ein subjektiv unangenehmer Geruch aus der Mundhöhle, der von den Betroffenen häufig nicht wahrgenommen wird und verschiedene Ursachen haben kann. Dieser kann vorübergehend und nur einmalig, aber auch ein chronisches Problem sein.

Mundgeruch ist ein subjektiv unangenehmer Geruch aus der Mundhöhle, der von den Betroffenen häufig nicht wahrgenommen wird und verschiedene Ursachen haben kann

Welche Formen von Mundgeruch gibt es?

Zwar werden die Begriffe Halitosis und Foetor ex ore häufig als Synonyme für Mundgeruch verwendet, streng genommen handelt es sich jedoch um verschiedene Formen des Überbegriffs Mundgeruch. Während die Medizin unter Foetor ex ore all jene Formen von Mundgeruch versteht, deren Ursprung die Mundhöhle selbst darstellt, ist die Haltosis auch bei Atmung durch die Nase wahrnehmbar. Ursprung des Geruchs ist also nicht die Mundhöhle, sondern der Nasen-Rachenraum oder tiefer liegende Strukturen (Magen-Darm-Trakt).

Wie sehen die Symptome bei Mundgeruch aus?

Mundgeruch selbst ist in vielen Fällen das Symptom einer anderen Erkrankung, hat daher selbst keine eigene Symptomatik. Je nach Ursache des Mundgeruchs kann dieser allerdings sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein beziehungsweise mit anderen Symptomen der Grunderkrankung einhergehen. Letztere sind in der Diagnostik für den Arzt durchaus hilfreich, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Welche Ursachen hat Mundgeruch?

Wie bereits beschrieben, können die Ursachen von Mundgeruch durchaus vielfältig sein. Je nach Form des Mundgeruchs kommen hierbei unterschiedliche Zustände und Krankheitsbilder infrage.

Foetor ex ore

Die Ursachen dieser Erkrankung sind oft Karies oder eine mangelnde Mundhygiene, Zahnfleischentzündungen, Parodontitis, Abszesse der Mundschleimhaut oder Infektionskrankheiten der Mundschleimhaut, die meistens Pilzerkrankungen sind. Auch eine ausgeprägte Mundtrockenheit kann Auslöser für Foetor ex ore sein. Diese entsteht unter anderem im Rahmen einer generalisierten Dehydratation, durch Tabakrauch oder durch unterschiedliche Nahrungs- und Genussmittel. Bestimmte Medikamente, Schnarchen oder Schlafen mit offenem Mund können ebenso Mundgeruch fördern. Der verminderte Speichelfluss führt dabei zu einer Herabsetzung der “Spülung” im Mundbereich, die normalerweise zu einem Abtransport von Bakterien führen würde.

Haltosis

Hierbei sind Ursachen des Nasen-Rachenraumes und der Atemwege von solchen des Magen-Darm-Trakts und solchen, die allgemein mit internistischen Erkrankungen einhergehen zu unterscheiden. Ursachen des Nasen-Rachenraumes und der Atemwege können Bronchitis, Pharyngitis, chronischer Schupfen, eine Mandelentzündung oder eine Nasennebenhöhlenentzündung sein. Ursachen im Magen-Darm-Trakt sind relativ selten. Einige davon sind Sodbrennen, Refluxerkrankungen, Gastritis und Magenschleimhautgeschwüre durch Besiedelung mit Helicobacter Pylori.

Das Kauen von Kaugummi erhöht den Speichelfluss und kann somit dem Mundgeruch vorbeugen

Allgemeine, internistische Ursachen sind zum Beispiel Diabetes mellitus. Die damit einhergehenden Blutzuckerentgleisungen führen zur Produktion von Ketonkörpern, die mit einem besonders strengen Azetongeruch einhergehen können. Des Weiteren kommen Lebererkrankungen, wie Leberzirrhose oder eine fortgeschrittene hepatische Enzephalopathie, als Ursache infrage. Bei der Enzephalopathie kommt es zur übermäßigen Bildung von Ammoniak, der sich unter anderem im Gehirn ablagert und auch die Ausatemluft beherrscht. Nahrungsmittelallergien- und unverträglichkeiten, die mit einer Störung der Darmflora einhergehen, können zudem die Entstehung von Mundgeruch begünstigen. Dasselbe gilt für längeres Fasten, welches mit einer vermehrten Bildung von Ketonkörpern und Übersäuerung einhergehen.

Wann sollte ich wegen Mundgeruch zum Arzt gehen (und zu welchem)?

Häufig ist das Thema Mundgeruch mit viel Scham behaftet, da intuitiv ein Hygieneproblem angenommen wird, welches allerdings keinesfalls immer die Hauptursache ist. Betroffene bemerken ihr Problem lange Zeit selbst nicht und Angehörige trauen oft nur zaghaft den Mundgeruch anzusprechen. Dennoch sollte häufig auftretender oder anhaltender Mundgeruch von einem Arzt behandelt werden, da er durchaus auch Ausdruck einer zugrunde liegenden Erkrankung sein kann. Erste Anlaufstelle können sowohl Hausarzt als auch Zahnarzt sein. In bestimmten Fällen muss eine weitere Abklärung über einen HNO-Arzt oder einen Internisten erfolgen.

Wie diagnostiziert der Arzt Mundgeruch?

In den meisten Fällen liegt die Ursache des Mundgeruchs in der Mundhöhle selbst. Der Zahnarzt wird daher eine detaillierte Begutachtung der Zähne, der Zahnzwischenräume und des Zahnfleisches vornehmen, um hier eine mögliche Ursache zu finden. Sind nicht Zähne oder Zahnfleisch selbst Ursache des Mundgeruchs, sollte eine HNO-Begutachtung erfolgen. Mit einem Nasenendoskop können die Nasennebenhöhlen beurteilt werden. Durch einen zytologischen Abstrich können unterschiedliche Erreger, die für eine mögliche Entzündung der Nasennebenhöhlen verantwortlich sind, nachgewiesen werden. Eine sogenannte organoleptische Begutachtung kategorisiert den Mundgeruch nach seiner Reichweite. Es handelt sich dabei um einen rein quantitativen und subjektiven Test durch den Arzt, der, je nach gemessenem Abstand, den Mundgeruch in unterschiedliche Schweregrade einteilen kann.

Weniger subjektiv verläuft die Testung durch ein sogenanntes Halimeter, das Schwefelverbindungen in der Atemluft feststellt. Wird ein bestimmter Prozentsatz überschritten, spricht der Arzt von Mundgeruch, der auch behandlungswürdig ist. Ein ähnliches Prinzip kommt im Atemgastest zur Anwendung. Hierbei werden unterschiedliche andere Bestandteile der Ausatemluft gemessen, beispielsweise das Vorhandensein von Ketonkörper, die bei Diabetikern zu Mundgeruch führen können, oder aber weitere Biomarker, die Hinweis auf bestimmte Magen- oder Darmbakterien beziehungsweise Nahrungsmittelunverträglichkeiten geben können. Weitere wichtige Schritte bei Verdacht auf internistische Ursachen des Mundgeruchs sind eine laborchemische Untersuchung des Blutes sowie eine Magenspiegelung.

In den meisten Fällen liegt die Ursache des Mundgeruchs in der Mundhöhle selbst

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Da Mundgeruch Ausdruck vieler unterschiedlicher Probleme oder Erkrankungen sein kann, gibt es auch verschiedene Therapieansätze. Wichtig ist es, den Ursprung des Mundgeruchs zu finden und diesen dann gezielt zu behandeln. Handelt es sich um eine Zahnerkrankung, wie Karies, Zahnfleischentzündung oder Parodontitis, erfolgt die Behandlung durch den Zahnarzt. Es muss eine zahnärztliche Kontrolle, professionelle Reinigung und gegebenenfalls eine Sanierung der kariösen Zähne sowie Begutachtung eventueller Zahnprothesen, Brücken oder Kronen durchgeführt werden. Essenziell ist allerdings auch die eigene regelmäßige Zahnpflege und Mundhygiene zu Hause.

Bei Mundtrockenheit als Auslöser für Mundgeruch sollte eine genaue Ursache gefunden und vermieden werden. Dabei kann sowohl der Verzicht auf Nikotin, Alkohol oder bestimmte Lebensmittel, als auch die Kontrolle und gegebenenfalls ein Absetzen gewisser Medikamente hilfreich und notwendig sein. Entzündungen und Infektionen des Hals-, Nasen- oder Rachenraumes werden durch den Hausarzt oder HNO-Arzt behandelt. Dabei kommen antibiotische, antimykotische (pilzbekämpfende) oder antientzündliche (kortisonhaltige) Medikamente zum Einsatz. Oft können diese in Form von Nasensprays oder Tropfen verabreicht werden und wirken dabei nicht im ganzen Körper, sondern nur lokal an der betroffenen Stelle.

Sodbrennen, Refluxerkrankungen und Magenschleimhautentzündungen können durch Medikamente, die die Magensäure reduzieren, gut in den Griff bekommen werden. Gegebenenfalls muss eine Magenspiegelung durchgeführt werden, bei der sowohl Speiseröhre als auch Magen begutachtet werden können. Ansprechpartner in diesem Fall ist der Internist oder Gastroenterologe. Steht eine Lebensmittelunverträglichkeit als Ursache im Mittelpunkt, ist der einfachste Weg, auf das nicht vertragene Nahrungsmittel zu verzichten oder es können oral fehlende Enzyme, wie Laktase, eingenommen werden.

Weitere bereits genannte internistische Ursachen, wie Diabetes oder bestimmte Lebererkrankungen, stellen sehr ernst zu nehmende und teils auch lebensbedrohliche Krankheiten dar, die dringender Maßnahmen bedürfen. Bei Diabetikern stellt der Mundgeruch einen Zustand der akuten Blutzuckerentgleisung dar, sodass rascher ärztlicher Handlungsbedarf notwendig ist. Treten solche Situationen bei einer zuckerkranken Person des Öfteren auf, sollte die Blutzucker- beziehungsweise Insulintherapie neu angepasst werden.

Wie kann ich Mundgeruch selbst behandeln?

Die Mehrzahl der oben erwähnten Ursachen des Mundgeruchs ist durch eigenes Zutun kaum beeinflussbar, da es sich um Erkrankungen unterschiedlicher Organsysteme handelt. Die häufigste Ursache des Mundgeruchs, nämlich die Mundhöhle selbst, ist allerdings durch gewissenhafte Mund- und Zahnhygiene, Pflege und regelmäßige Zahnarztbesuche durchaus zu beeinflussen. Der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie einige besonders geruchsintensive Lebensmittel, wie beispielsweise Knoblauch, kann ebenso unterstützend wirken.

Eine gute Zahnhygiene kann dem Mundgeruch häufig bereits vorbeugen

Auch Zahnprothesen, Brücken oder Zahnspangen sind potenzielle Bakterienfänger und Du solltest diese daher entweder regelmäßig selbstständig reinigen oder durch den Zahnarzt kontrollieren lassen. Zähneputzen, Mundspülungen, Zahnseide und Zungenreinigung sollten Standardprogramm in der Mundhygiene sein. Besteht die Neigung zu Mundgeruch, solltest Du nach der Nahrungsaufnahme stets ausreichend trinken, beziehungsweise kannst Du auf Kaugummis, die den Atem erfrischen, oder zuckerfreie Bonbons zurückgreifen.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ob die Krankenkassen die Behandlungskosten ganz übernehmen oder zumindest einen Zuschuss leisten, hängt von der durchgeführten Therapie ab. Zahnärztliche Kontrollen übernimmt zwar die Krankenkasse, die Kosten für eine Plombe oder eine professionelle Mund-und Zahnhygiene musst Du allerdings selbst tragen. Alle Arten von medikamentösen Behandlungen und diagnostischen Maßnahmen, HNO-Begutachtung oder Magenspiegelung, übernehme ebenfalls die Versicherungsträger.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei Mundgeruch handelt es sich nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom, das Ausdruck einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung sein kann


Den Ursprung von Mundgeruch zu finden, kann sich mitunter sehr langwierig gestalten. Am häufigsten liegen Erkrankungen der Zähne oder der Mundhöhle selbst vor, die durch den Zahnarzt schnell entdeckt und gut behandelt werden können. Selten handelt es sich um entzündliche Erkrankungen des Nasen-Rachenraumes oder des Verdauungstraktes, oder um Unverträglichkeitsreaktionen beziehungsweise internistische Erkrankungen


Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Erster Ansprechpartner sollte stets der Hausarzt oder der Zahnarzt sein, diese können die häufigsten Gründe für Mundgeruch ausschließen


Wichtig ist es, Mundgeruch nicht sofort zu stigmatisieren oder als Hygieneproblem zu betrachten, da die Betroffenen selbst den Geruch selbst oft nicht wahrnehmen und mangelnde Hygiene keine sichere Ursache dafür ist. Bei wiederholt auftretenden und starken Mundgeruch ist ein direktes und rücksichtsvolles Ansprechen der Problematik der beste Weg, sodass die betroffene Person diese erkennt und einen Arzt aufsucht

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