Nasenpolypen

Nasenpolypen sind Wucherungen dieser Nasenschleimhaut. Den Betroffenen fällt es daher meist schwer, ausreichend Luft durch die Nase zu bekommen. Zusätzlich können sich sehr häufig Entzündungen der Nasennebenhöhlen entwickeln. Nasenpolypen kann der Arzt, je nach Ausprägung, entweder mit Medikamenten behandeln oder im Rahmen einer Operation entfernen.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 13. November, 2019



Was versteht die Medizin unter Nasenpolypen?

Die Nase besteht aus einer linken und einer rechten Nasenhaupthöhle, die durch eine Nasenscheidewand getrennt ist. An diesen Haupthöhlen der Nase befinden sich zwei Nasennebenhöhlen, die mit der jeweiligen Nasenhaupthöhle verbunden sind. Sowohl die Haupthöhlen als auch die Nebenhöhlen der Nase sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Nasale Polypen sind gutartige Wucherungen im Gewebe der Nasenschleimhaut. Dabei entstehen sie in den Nasennebenhöhlen, wachsen so in die Nasenhaupthöhle hinein und treten fast immer beidseitig auf.

In ihrer Größe können sie stark variieren und wenn sie einige Zentimeter erreichen, so können sie sogar die Nasenhöhle vollständig verstopfen. Je nach Ausmaß leidet der Betroffene vor allem unter einer behinderten Nasenatmung. Daher kann die Nase ihre Hauptaufgabe, nämlich die Reinigung, Befeuchtung und Erwärmung der Atemluft, nicht mehr richtig erfüllen. Somit atmet der Betroffene durch den Mund und die Erreger können ungehindert in die Atemwege eindringen und so zu Entzündungen führen.

Nasenpolypen

Wie sehen die Symptome der Erkrankung aus?

Die Symptome von Nasenpolypen sind in erster Linie eine dauerhaft verstopfte Nase, die eine erschwerte Nasenatmung zur Folge hat. Außerdem kann es dadurch zu einem nasalen Sprechen kommen. Das Geruchsorgan selbst ist meist auch betroffen und daher ist das Riechvermögen in vielen Fällen vermindert.

Wie ist der Krankheitsverlauf der Nasenpolypen?

Nasenpolypen bleiben am Anfang oft unbemerkt, weil sie im ersten Stadium keine Beschwerden verursachen. Erst wenn sie an Größe zunehmen behindern sie die Nasenatmung. Dabei atmet der Betroffene zunehmend durch den Mund, was ihm speziell bei körperlicher Belastung Schwierigkeiten bereitet. In weiterer Folge gelangt die Luft nicht mehr zu den Riechzellen und der Patient leidet unter einem verminderten Riechvermögen bis hin zu einem völligen Verlust des Geruchssinns.

Welche Ursache hat die Erkrankung?

Chronische Entzündungen der Nasenschleimhaut oder der Nasennebenhöhlen begünstigen die Entstehung von Nasenpolypen. Außerdem spielt die individuelle Veranlagung eine gewisse Rolle. Der genaue Entstehungsmechanismus ist jedoch bis heute nicht vollständig geklärt. Für eine Entzündung der Nasennebenhöhlen gibt es viele Ursachen. Eine der häufigsten ist eine allergische Veranlagung. Ungefähr 25% der Patienten mit Nasenpolypen leiden auch unter einem allergischen Schnupfen. Aber auch anatomische Besonderheiten, wie eine verkrümmte Nasenscheidewand, führen häufig zu immer wiederkehrenden Entzündungen führen, da das Nasensekret nicht richtig abfließen kann.

Wer ist am häufigsten von Nasenpolypen betroffen?

Häufig ist die Schleimhaut durch vererbte Anlagen, beispielsweise bei chronischen Entzündungen der Nasenschleimhaut oder Nasennebenhöhlen, anfällig für die Entstehung von Polypen. Grundsätzlich können Nasenpolypen in jedem Alter auftreten, meist jedoch erst ab dem 30. Lebensjahr. In der Regel sind Männer doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Kinder hingegen bekommen Nasenpolypen fast ausschließlich, wenn sie unter der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose leiden.

Sind Nasenpolypen ansteckend?

Da Nasenpolypen die abführenden Gänge der Nase verschließen, kann es leichter zu Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Sinusitis, kommen. Nur wenn die Sinusitis von einem bakteriellen Erreger ausgelöst wird, ist die Krankheit auch ansteckend.

Welche Folgen bringen Nasenpolypen mit sich?

Im Anfangsstadium sind Nasenpolypen harmlos und bereiten den Betroffenen oft gar keine Beschwerden. Erst mit zunehmendem Wachstum behindern sie die Nasenatmung und so kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Denn wenn die Nase ihrer Hauptfunktion, also Reinigen und Befeuchten der Atemluft, nicht mehr nachkommen kann, so können Erreger leichter in die oberen Atemwege eindringen. In weiterer Folge führt dies zu anhaltenden Infekten wie chronischer Bronchitis oder Asthma bronchiale.

Nasenpolypen

Zudem kommt es dadurch häufiger zu Entzündungen der Nasennebenhöhlen, da sich Polypen bevorzugt um die Ausgänge der Nebenhöhlen siedeln und so die Öffnung verschließen. Es entwickelt sich somit ein Teufelskreis, denn die entzündeten Nebenhöhlen begünstigen das Wachstum von Polypen. Schwerwiegende Folgen drohen, wenn die Infektion der Nebenhöhlen auf das umliegende Gewebe der Nase übergreift. Es kann zu gefährlichen Entzündungen der Augenhöhle oder auch des Gehirns kommen.

Welche nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ist nur die Nasenschleimhaut ein wenig geschwollen, so versucht der Arzt, diese mithilfe von kortisonhaltigen Nasensprays abschwellen zu lassen. Da Kortison die Entzündungsreaktionen lindert, indem es die Aktivität von Entzündungszellen hemmt. Wichtig ist hierbei, das Nasenspray regelmäßig und über einige Zeit anzuwenden, denn meist bessern sich die Symptome erst nach einigen Wochen der Anwendung. Ärzte bevorzugen Nasensprays gegenüber Kortison in Tablettenform, da Sprays nur in der Nase wirksam sind und daher keine Nebenwirkungen in anderen Organen auslösen.

Gibt es auch Hausmittel, die bei Nasenpolypen helfen?

Nasenpolypen können in manchen Fällen auch bis zu einem gewissen Grad auch homöopathisch behandelt werden. Sehr oft handelt es sich hierbei um eine Kombination mehrerer homöopathischer Mittel, die für ein besseres Atmen durch die Nase sorgen können und auch einen möglichen Juckreiz der Nasennebenhöhlen reduzieren. Die Betroffenen können aber auch Hausmittel, wie Nasenduschen mit einer Salzlösung oder eine Inhalation mit Dampf, probieren. Ebenso hilfreich sind heiße Bäder oder Duschen. Die Zufuhr von Vitamin C, im Idealfall über Zitrusfrüchte, kann sich auch positiv auswirken.

Wann müssen Nasenpolypen operiert werden?

Wenn die Polypen übermäßig vergrößert sind, kann dies zu einer andauernden Behinderung der Nasenatmung führen, wodurch die Betroffenen häufig unter Atemwegsinfekten leiden. In diesem Fall müssen die Nasenpolypen operativ entfernt werden. Aber auch wenn es zu häufig wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündungen, eventuell sogar mit chronischer Bronchitis, kommt, so sollten die Nasenpolypen operiert werden.

Was muss ich vor dem Eingriff beachten?

Da der Eingriff im Normalfall in Vollnarkose vorgenommen wird, solltest Du vor dem Eingriff nüchtern bleiben. Das heißt, Du darfst davor nichts essen oder trinken und auch nicht rauchen. Solltest Du wegen einer anderen Erkrankung regelmäßig Medikamente nehmen, so musst Du den Arzt zeitgerecht darüber informieren. Da einige Arzneimittel, beispielsweise blutverdünnende Medikamente, einige Tage vor der Operation abgesetzt werden sollten.


Wie verläuft die Operation der Nasenpolypen?

Die Operation führt der Arzt endoskopisch in Vollnarkose durch. Ziel ist es, den verlegten Nebenhöhleneingang zu öffnen, indem die Polypen entfernt werden. Der Mund wird in Vollnarkose offen gehalten und mit einem Spiegel genau begutachtet. In weiterer Folge kratzt der Arzt die Polypen, mit einem rahmenförmigen Metallschaber, aus. Die dabei entstehenden Blutungen stillt der Chirurg entweder mit einem Tupfer, durch kurze Kompression, oder durch Verödung der Gefäße mit Strom.

Nasenpolypen

Was muss ich nach der Operation beachten?

In erster Linie möchten Ärzte verhindern, dass die Nasenpolypen nach der Operation erneut auftreten. Aus diesem Grund empfiehlt der Arzt meist für einen längeren Zeitraum kortisonhaltigen Nasensprays anzuwenden. Jedoch solltest Du alles was die Schleimhaut zusätzlich schädigt, wie Rauchen oder Alkohol, in den ersten Tagen nach dem Eingriff möglichst meiden. Eine sorgfältige Nachbehandlung kann eine Neubildung in den meisten Fällen verhindern. Gönne Dir am besten für ein paar Tage etwas Ruhe, damit Du Dich von der anstrengenden Operation gut erholen kannst.

Welche Risiken und Komplikationen können bei der Behandlung von Nasenpolypen auftreten?

Die Entfernung von Nasenpolypen selbst ist ein sehr risikoarmer Eingriff. Dennoch können, wie bei jedem operativen Eingriff, Komplikationen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Schmerzen nach der Behandlung lassen sich nicht ganz vermeiden, jedoch kann man sie durch bestimmte Schmerzmittel lindern. Bei der Operation kann es auch leicht zu Blutungen oder Infektionen kommen.

Wann darf ich wieder Sport betreiben?

Nach dem Eingriff solltest Du für etwa zwei bis vier Wochen auf Sport verzichten. Denn durch die Sportausübung kommt es zu einem erhöhten Blutdruck und dieser kann sehr leicht Nachblutungen der Nase mit sich führen.

Kann es sein, dass die Polypen wieder zurückkommen?

Ja, auch nach erfolgreicher Operation können sich die Polypen erneut bilden. In der Folge ist oft eine Nachoperation oder medikamentöse Behandlung notwendig. Daher solltest Du vorbeugend, in Abklärung mit dem behandelnden Arzt, auf ausreichende Feuchtigkeit der Schleimhaut achten, zum Beispiel durch Inhalationen.

Kann ich die Erkrankung vorbeugen?

Nasenpolypen selbst kannst Du nicht wirksam vorbeugen. Jedoch ist es ratsam, Erkrankungen wie Asthma oder Allergien zu behandeln, um das Risiko zu senken. Sollten sich dennoch Polypen in der Nase entwickeln, so ist deren frühzeitige Behandlung sehr bedeutend, um mögliche Folgeerkrankungen vorzubeugen.

Nasenpolypen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ja, die Kosten der Behandlung werden von den Krankenkassen im Regelfall vollständig abgedeckt. Selbstverständlich kannst Du Dich aber auch bei Wahlärzten oder Privatkliniken behandeln lassen und die Kosten selbst übernehmen. Du kannst unseren Spezialisten sehr gerne eine Anfrage stellen.

 

Quellen

AWMF online

Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

Boenninghaus, H.-G. & Lenarz, T.: HNO, Springer Verlag, 13. Auflage, 2007


Dauer Dauer

30 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 7 Tagen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 3 Tage

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Das Wichtigste zusammengefasst

Nasale Polypen sind gutartige Wucherungen im Gewebe der Nasenschleimhaut


Die Symptome von Nasenpolypen sind in erster Linie eine dauerhaft verstopfte Nase


Nasenpolypen bleiben am Anfang oft unbemerkt, weil sie im ersten Stadium keine Beschwerden verursachen


Wenn es zu häufig wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündungen, eventuell sogar mit chronischer Bronchitis, kommt, so sollten die Nasenpolypen operiert werden