Weisheitszähne

So schön der Name, so häufig die Probleme. Denn auch wenn die Weisheitszähne doch eigentlich vor allem Weisheit bringen sollten, bereiten sie nicht selten vor allem Schmerzen. Aber muss man wirklich alle Weisheitszähne schon herausnehmen lassen, bevor sie sich entzünden? Welche Komplikationen birgt eine OP und was zahlen die Kassen eigentlich? Hier verraten wir Dir alles Wichtige über Weisheitszähne. Und das macht dann tatsächlich ein kleines bisschen weiser.


AUTOR

Dr. med. dent. Florian Lanza

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 13. November, 2019



Was versteht die Medizin unter einem Weisheitszahn und wo befindet er sich?

Mediziner bezeichnen den Weisheitszahn als dritten Molaren. Molare, oder auch Mahlzähne, sind die Backenzähne. Der dritte Backenzahn von vorne gezählt ist also der Weisheitszahn. Insgesamt besitzen Menschen normalerweise vier Weisheitszähne, einen Zahn pro Quadrant. Zahnärzte zählen die Zähne von der Mitte aus, insgesamt gesehen ist der Weisheitszahn der jeweils achte Zahn im Gebiss. Im Gegensatz zu den zweiten Molaren, deren Durchbruch in der Regel mit dem zwölften Lebensjahr endet, lassen sich die Weisheitszähne deutlich mehr Zeit. Mineralisationszeichen der Zähne im Röntgenbild sieht man dann zumeist schon. Bis der Zahn aber wirklich durch das Zahnfleisch durchbricht, vergehen noch einige Jahre.

Weisheitszähne

Daher hat er auch seinen besonderen Namen: Die Bezeichnung „Weisheitszahn“ stammt ursprünglich von dem persischen Arzt Avicenna. Dieser brachte die spät durchbrechenden Zähne wohl erstmals mit der Weisheit in Verbindung. Aber auch in anderen Sprachen, so zum Beispiel im Japanischen, bezieht sich ihr Name auf Verständigkeit oder Weisheit, die man beim späten Durchbruch der Zähne besitzen soll. Morphologisch, also in Bezug auf ihre Form, zeichnen sich Weisheitszähne durch drei bis fünf Höcker auf der Kauoberfläche sowie eine unterschiedliche Anzahl an Wurzeln aus, die miteinander verwachsen oder gebogen sein können.

Welche Klassifikationen lassen sich bei Weisheitszähnen unterscheiden?

Auf Basis ihrer Lage zum Nachbarzahn, zum Unterkieferknochen oder zur Beurteilung ihrer Wurzeln haben sich für Weisheitszähne eine Anzahl von Klassifikationen etabliert. Zahnärzte verwenden diese, um einheitliche Diagnosen stellen zu können, sowie als Hilfestellungen bei Therapieentscheidungen. Weit verbreitet ist die Klassifikation nach Gregory und Pell. Diese klassifizieren den Weisheitszahn anhand seiner Lage zum zweiten Backenzahn und zum aufsteigenden Teil des Unterkiefers. Auch die Klassifikation nach Pederson beschreibt dieses Verhältnis. Mit der Klassifikation nach Archer beschreiben Zahnärzte vor allem die Lage des Weisheitszahns, also etwa, in welchem Winkel dieser liegt oder steht.

Welche Symptome und Probleme kann der Weisheitszahn für die Patienten haben?

Die Klassifikationen verraten schon, was es ist, dass bei Weisheitszähnen häufig Probleme bereitet. Durch ihre schwierige Lage zwischen aufsteigendem Unterkieferknochen und zweitem Backenzahn können sie häufig nur teilweise durchbrechen. Gerade teilweise durchgebrochene Zähne bergen aber ein großes Entzündungsrisiko: Häufig bilden sich an ihren Austrittsstellen nämlich Zahnfleischtaschen, die sich über die Zähne stülpen und ein Putzen der verdeckten Stellen verhindern. Gleichzeitig bleiben Speisereste in den Taschen hängen und bieten den idealen Nährboden für Bakterien, die sich dort nahezu ungehindert vermehren können.

An ihrem Übergang zum zweiten Backenzahn kann es außerdem vermehrt zu Karies kommen, weil ihre Stellung auch dort adäquates Putzen verhindern kann. Bricht nur ein Weisheitszahn durch, so sorgt dieser außerdem während des Kauens für Zahnfleischverletzungen im anderen Kiefer, die bis zu dem jeweiligen Kieferknochen durchdringen können. Schließlich können Weisheitszähne auch zu Gleitblockaden innerhalb des Kiefers führen, sodass die Zähne gewohnte Bewegungen nicht mehr durchführen können. Das wiederum kann Zähneknirschen und Kiefergelenksschmerzen begünstigen.

Weisheitszähne

Wann ist eine Entfernung der Weisheitszähne sinnvoll?

Manche Experten sind der Ansicht, dass alle Weisheitszähne immer entfernt werden sollten, auch wenn sie keine Probleme bereiten. Diese These wird kontrovers diskutiert, wissenschaftliche Belege gibt es bisher keine. In jedem Fall entfernt werden sollten Weisheitszähne aber, wenn sie zu Beschwerden führen. Behindern sie etwa die anderen Zähne in ihrer Lage, sind sie entzündet oder zeigen tiefe Karies? Dann sollte auf jeden Fall ein Oralchirurg zur Entfernung aufgesucht werden.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Ist der Weisheitszahn entzündet oder führt zu Problemen während einer kieferorthopädischen Behandlung, ist eine Entfernung die Therapie der Wahl. Denn benötigt wird der Weisheitszahn von uns sowieso nicht mehr. Er ist vielmehr ein Relikt unserer Vorfahren, die noch deutlich mehr kauen mussten als wir heutzutage. Steht der Weisheitszahn regulär in einer Reihe mit den anderen Zähnen, so kann er in der Regel wie andere Zähne auch durch „Ziehen“ entfernt werden. Hierbei wird der Zahn mit einer Zange langsam hin und her bewegt und damit gelockert, bis man ihn extrahieren kann. Ist der Zahn allerdings nur teilweise durchgebrochen, muss eine operative Extraktion, also Entfernung erfolgen. Das Ziehen der Zähne findet immer unter Betäubung statt.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Je nachdem, wie groß die geplante Operation ist, und ob Du alle vier Weisheitszähne auf einmal in Vollnarkose entfernen lassen möchtest, musst Du unterschiedliche Dinge beachten. Für alle aber gilt, dass Weisheitszahn-Operationen zu den kleinen Operationen gehören, die in den meisten Fällen unter Lokalanästhesie erfolgen. Deswegen darfst Du sogar vor der Operation leicht frühstücken. In so gut wie jedem Fall ist die Operation außerdem ambulant, Du kannst also am gleichen Tag wieder nach Hause gehen.

Nach einer Vollnarkose ist man allerdings nicht wieder innerhalb eines Tages fahrtüchtig, an einen Fahrer sollte deshalb gedacht werden. Was im Detail außerdem beachtet werden sollte, erfährst Du von dem durchführenden Zahnarzt beim Planungsgespräch. Doch wie bereits erwähnt ist die Vollnarkose bei der Entfernung der Weisheitszähne sehr selten. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen in diesem Fall nur, wenn Du ein psychologisches Gutachten vorweisen kannst, ansonsten musst Du die Kosten für die Vollnarkose selbst übernehmen.

Weisheitszähne

Wie verläuft die Operation einer Weisheitszahnentfernung?

Bei einer Osteotomie, der operativen Entfernung eines Weisheitszahns, schneidet der Operateur zunächst durch das Zahnfleisch und klappt es so auf, dass der ganze Zahn sichtbar wird. Liegt der Zahn zum Teil unter dem Kieferknochen, so schafft der Arzt zudem mit einer Knochenfräse Platz, bis der Zahn entfernt werden kann. Ist die Öffnung aber auch nach Einsatz der Knochenfräse noch zu klein, um den Zahn durch diese hindurch zu entfernen, muss er zuvor zerteilt werden. Die kleineren Stücke des Zahns können dann ohne Umstände entfernt werden. Danach wird das Zahnfleisch mit wenigen Stichen zugenäht, die nach sieben bis zehn Tagen entfernt werden.

Was muss ich nach der Operation beachten?

In den ersten 24 Stunden nach der Operation sollte die betreffende Wange ausgiebig gekühlt werden. Damit verringert man die typische „Hamsterbacken-Schwellung“ nach einer Weisheitszahnentfernung. In den ersten Tagen ist es außerdem angebracht, auf kauintensives Essen zu verzichten und stattdessen breiige Nahrung zu sich zu nehmen. Gerade auch bröseliges Essen, wie Kekse oder Brot solltest Du vermeiden. Viel Tee und Wasser können den Heilungsprozess unterstützen. Auch bei der Zahnpflege musst Du kurz nach der Operation noch vorsichtig sein und die Zähne im Operationsbereich vom Putzen aussparen. Gleichzeitig solltest Du auch auf ausgiebiges Ausspülen des Mundes verzichten, um blutstillende „Krusten“ auf der Wunde nicht zu entfernen. Falls es doch einmal zu Nachblutungen kommt, kannst Du fest auf ein zusammengerolltes Taschentuch beißen. Das sorgt für hilfreichen Druck zur Blutstillung.

Was kann ich nach der Operation tun, um die Heilung zu verbessern?

Um den Körper bei der Heilung zu unterstützen, ist es wichtig auf entzündungsfördernde Nahrungsmittel wie Milchprodukte zu verzichten. Außerdem ist Rauchen nach einer Operation im Mundraum besonders schädlich. Auch auf Alkohol verzichtet man am besten, da dieser die Gerinnung hemmen kann. Schließlich solltest du, um die Heilung zu verbessern, auch sportliche Aktivität und übermäßige Wärme wie Sauna in den ersten Tagen meiden. Diese belasten den Körper nämlich zusätzlich.

Weisheitszähne

Wann kann ich nach der Operation wieder arbeiten oder Sport betreiben?

Wann man wieder fit für den Alltag nach einer Weisheitszahnentfernung ist, hängt stark von dem Ausmaß des Eingriffs ab. War die Entfernung unkompliziert, so kann man schon ab dem nächsten Tag arbeiten gehen. In der Regel aber kommt es zu Krankschreibungen von drei Tagen nach der Operation. Entfernt der Arzt alle Weisheitszähne auf einmal, ist der Patient danach fünf bis sieben Tage krankgeschrieben. Wann man wieder sportlich aktiv sein darf, variiert zudem stark zwischen den Sportarten. Leichtes Wandern ist schon nach drei Tagen wieder in Ordnung. Starke Kraftanstrengungen, die über Muskelanspannung auch Druck auf das Operationsfeld ausüben, sollten lieber zwei Wochen pausiert werden.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Das häufigste Risiko einer Weisheitszahnentfernung ist die Nachblutung. Solange das Operationsgebiet nur leicht nachblutet, kannst Du die Blutung selbst mithilfe eines zusammengerollten Taschentuches stillen. Ist sie stärker, ist ein Besuch beim Zahnarzt oder in der Notfallambulanz der Zahnklinik angebracht.

Wie alle Wundgebiete kann sich auch die Operationswunde bei einer Weisheitszahnentfernung entzünden. Kieferhöhleninfektionen mit Knochenbeteiligung können die Folge sein. Diese treten aber nur in den seltensten Fällen auf.

Schließlich kann es bei der Operation auch zur Verletzung sensibler Nerven führen, die für Empfinden in der Unterlippe, dem unteren Zahnfleisch und den Zungenseiten sorgen. Das kann dann passieren, wenn der Weisheitszahn im Unterkiefer zu nah am Nerv liegt. In sehr seltenen Fällen kann eine dauerhafte Empfindungsstörung in diesen Bereichen die Folge sein. Ragen die Wurzeln der Weisheitszähne im Oberkiefer in die Kieferhöhle hinein, dann kann es so zu einer Verbindung zwischen Kieferhöhle und Mundraum kommen (Mund-Antrum-Verbindung), die wiederum dicht verschlossen werden muss. Hier besteht anschließend für zwei Wochen ein Schnäuz-, Flug- und Tauchverbot.

Kann ich einer Weisheitszahnentfernung vorbeugen?

Ob ein Weisheitszahn gerade und komplett durch das Zahnfleisch stößt oder sich Zahnfleisch-Taschen durch eine schiefe Lage bilden, das steht leider nicht in der Macht der Betroffenen. Einen gewissen Grad der Vorbeuge leistet man allerdings durch gründliches Zähneputzen, das auch die hinteren Backenzähne inkludiert. Die Gefahr einer Entzündung oder Karies minimiert man dadurch zumindest.

Weisheitszähne

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Sobald die Weisheitszahnentfernung medizinisch indiziert ist, übernehmen die Krankenkassen alle Kosten der Operation. Bei einer Vollnarkose übernehmen die Krankenkassen die Kosten nur dann, wenn ein psychologisches Gutachten vorliegt. Bei einer Vollnarkose auf der Universitätsklinik sind die Kosten für die Vollnarkose in der Regel immer höher als in einer Zahnklinik.

Quellen

DGZMK (letzter Zugriff: 09.08.2019)

Kunkel, M. MKG-Chirurg (2009) 2: 99. Weisheitszahnentfernung (letzter Zugriff: 09.08.2019)

Kunkel, M., Becker, J., Boehme, P. et al. Mund Kiefer GesichtsChir (2006) 10: 205. Operative Entfernung von Weisheitszähnen (letzter Zugriff: 09.08.2019)


Dauer Dauer

20-60 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 7 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

In der Regel besitzen wir vier Weisheitszähne. Weil sie so eingeengt zwischen Kieferknochen und zweitem Backenzahn liegen, sorgen sie häufig für Entzündungen


Eine Entfernung sollte in jedem Fall erfolgen, wenn die Weisheitszähne zu Problemen führen. Eine vorherige Entfernung empfehlen zumindest manche Experten


Die Operation wird in der Regel in Lokalanästhesie und ambulant durchgeführt


Die Kosten werden von den Krankenkassen erstattet