Was sind Weisheitszähne?
Weisheitszähne sind die letzten Backenzähne in der Zahnreihe und werden in der Zahnmedizin auch als dritte Molaren bezeichnet. In der Regel brechen sie erst zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr durch – also in einem Alter, in dem man früher von wachsender Weisheit ausging. Daher rührt auch ihr Name.
Aus evolutionsbiologischer Sicht gelten Weisheitszähne als Überbleibsel unserer Vorfahren. Damals war der Kiefer größer, und das Gebiss musste mit fester, unverarbeiteter Nahrung wie Wurzeln, Fleisch oder rohem Gemüse zurechtkommen. Die zusätzlichen Backenzähne dienten dazu, diese Nahrung besser zu zerkleinern. Heute jedoch ist der menschliche Kiefer meist zu schmal für die zusätzlichen Zähne – und aufgrund unserer weichen, zubereiteten Nahrung sind sie auch funktional kaum noch notwendig. Deshalb verursachen sie häufig Probleme und müssen nicht selten entfernt werden.
Wie werden Weisheitszähne klassifiziert?
Weisheitszähne lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen – vor allem, um mögliche Komplikationen besser einschätzen zu können. Zahnärzt:innen orientieren sich dabei insbesondere an:
- der Lage zum benachbarten zweiten Backenzahn
- dem Verhältnis zum umliegenden Kieferknochen
- der Wurzelstellung und -ausbildung
Für eine einheitliche Beurteilung gibt es mehrere etablierte Klassifikationssysteme. Die Systeme nach Gregory und Pell oder Pederson bewerten unter anderem, wie nah der Weisheitszahn am zweiten Molar liegt und ob er von Knochen bedeckt ist. Die Archer-Klassifikation berücksichtigt zusätzlich den Neigungswinkel des Zahns. Diese Einteilungen helfen bei der Behandlungsplanung und dabei, den Schwierigkeitsgrad eines Eingriffs besser einzuschätzen.
Hat jeder Mensch Weisheitszähne?
Normalerweise sind in jedem Kiefer schon vor der Geburt vier Weisheitszähne angelegt. Sie brechen allerdings nicht immer in die Mundhöhle durch. In manchen Fällen bricht ein Weisheitszahn nur teilweise durch. In diesem Fall ist die Krone immer noch mit etwas Zahnfleisch bedeckt oder er schiebt sich nicht so weit in die Mundhöhle wie andere Zähne. Wenn sie nur entweder im Ober- oder Unterkiefer durchbrechen, fehlt meist der jeweils entgegengesetzte Zahn, auch als Antagonist bekannt. Dadurch können häufig Probleme auftreten, denn es fehlt ein Gegenspieler zum Reinigen und Abkauen. Es gibt aber auch Menschen, die bekommen ihr Leben lang keine Weisheitszähne. Sie bleiben einfach tief im Kieferknochen eingeschlossen oder sind erst gar nicht angelegt.
Wann müssen Weisheitszähne entfernt werden?
Ob ein Weisheitszahn entfernt werden muss, hängt immer von seiner Position, seiner Entwicklung und möglichen Beschwerden ab. In vielen Fällen macht eine frühzeitige Entfernung Sinn – idealerweise noch vor dem 25. Lebensjahr. Zu diesem Zeitpunkt sind die Zahnwurzeln meist noch nicht vollständig ausgebildet und der Kieferknochen ist weicher. Das erleichtert den Eingriff und senkt das Risiko für Komplikationen.
Weisheitszähne haben häufig zu wenig Platz im Kiefer. Sie können schräg oder gar nicht durchbrechen, was zu Druck auf die Nachbarzähne führt. Solche sogenannten retinierten oder teilretinierten Zähne verursachen oft Beschwerden – von Entzündungen bis hin zu Karies am benachbarten Zahn, da eine gründliche Reinigung erschwert ist. Besonders problematisch sind Schleimhautkappen, die sich über nur teilweise durchgebrochene Zähne legen. In diesen Taschen sammeln sich Bakterien, was zu Entzündungen und sogar Abszessen führen kann.
In manchen Fällen verlaufen diese Prozesse unbemerkt, bis plötzlich starke Schmerzen auftreten. Um das zu vermeiden, sollten Weisheitszähne, die Probleme verursachen könnten, rechtzeitig entfernt werden.
Nur wenn ein Weisheitszahn vollständig durchgebrochen ist, gerade in der Zahnreihe steht und keine Beschwerden oder Entzündungen auftreten, kann er im Mund verbleiben.
Typische Gründe für eine Entfernung:
- Platzmangel im Kiefer
- Druck auf andere Zähne
- Teil- oder Vollretention
- Entzündungen des Zahnfleischs
- Bildung von Zysten
- Karies oder Wurzelentzündungen
- Probleme bei kieferorthopädischer Behandlung
- Schmerzen oder wiederkehrende Schwellungen
- Erhöhtes Risiko für Parodontitis
Was sind typische Symptome bei Weisheitszähnen?
Weisheitszähne können sich durch verschiedene Beschwerden bemerkbar machen, vor allem beim Durchbruch. Häufige Symptome sind:
- Schmerzhaftes, gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch im hinteren Bereich
- Druckgefühl oder Schmerzen im Kiefer
- Mundgeruch oder unangenehmer Geschmack
- Schwierigkeiten beim Kauen oder Öffnen des Mundes
- Schwellungen rund um den Kiefer
- Eventuell vergrößerte Lymphknoten am Hals
Teilweise durchgebrochene Weisheitszähne führen oft zu wiederkehrenden Entzündungen. Auch wenn sie aktuell keine Schmerzen bereiten, können sie langfristig Komplikationen verursachen – etwa durch Bakterienansammlungen, die zu Abszessen führen. Daher ist es sinnvoll, solche Anzeichen frühzeitig zahnärztlich abklären zu lassen.
Wie werden Weisheitszähne behandelt?
In der Regel gilt: Wenn ein oder mehrere Weisheitszähne zu Komplikationen führen, sollten diese entfernt werden. Der Eingriff erfolgt in aller Regel unter örtlicher Betäubung, kann aber in besonderen Fällen auf Wunsch auch in Vollnarkose in der Praxis durchgeführt werden. Örtliche Betäubung bedeutet: Sie sind bei vollem Bewusstsein, fühlen aber keinen Schmerz.
Ist der Weisheitszahn durchgebrochen oder hat gerade Wurzeln, verwendet der Zahnarzt Spezialzangen und diverse Zahnhebel, um den Zahn zu ziehen. Liegt er noch tief im Kiefer oder hat Wurzeln, die miteinander verwachsen oder hakenförmig gebogen sind, ist ein operativer Eingriff zur Entfernung des Zahns nötig. Meist ist dies bei Weisheitszähnen im Unterkiefer der Fall.
Im ersten Schritt betäubt der Zahnarzt die betreffende Stelle lokal. Anschließend schneidet er ins Zahnfleisch und klappt die Schleimhaut über dem Zahn weg. Nun ist der Kieferknochen sichtbar und der Zahnarzt kann den Weisheitszahn freilegen und entfernen. Dafür muss oft etwas Knochen weggefräst werden und der Weisheitszahn mehrfach geteilt werden, bis er vollständig extrahiert werden kann. Danach säubert er die Wunde und vernäht die Schleimhaut. Ungefähr sieben bis zehn Tage nach dem Eingriff steht ein Kontrolltermin an, bei dem die Fäden entfernt werden.
Worauf sollte man nach einer Behandlung der Weisheitszähne achten?
Die Dauer des Heilungsprozesses hängt vom Schwierigkeitsgrad der Weisheitszahn-OP ab. Einige Stunden nach dem Eingriff kann es zu Blutungen im Wundbereich kommen. Daher werden Tupfer über dem leeren Zahnfach positioniert und durch leichtes Zusammenbeißen an die Wunde angedrückt. Sollten die Blutungen nicht abklingen, wende Dich an Deinen Zahnarzt.
Außerdem solltest Du für 24 Stunden nach der Operation vermeiden zu spülen, zu spucken oder zu saugen (z. B. Zigaretten oder aus einem Strohhalm trinken). Ebenso solltest Du auf heiße Flüssigkeiten wie Tee, Kaffee und Suppe verzichten. Zähneputzen und Mundspülungen solltest Du nach dem Eingriff den ganzen Tag lang meiden, um den Blutpfropf in der Wunde nicht zu gefährden.
Abhängig davon, wie kompliziert die Entfernung des Zahns war, können Schmerzen und Schwellungen nach der OP ausgeprägter ausfallen. Schwellungen sind mit längerem Kühlen der Wange mit kalten, feuchten Tüchern gut unter Kontrolle zu bringen. Kühlpacks sollten nur in Tücher eingewickelt verwendet werden. Nach Abklingen der Betäubung darfst Du weiche Nahrung zu Dir nehmen, die nicht gekaut werden muss. Auf zähe, klebrige Lebensmittel und Milchprodukte solltest Du einige Zeit nach dem Eingriff verzichten.
Vermeide in der ersten Woche nach der Weisheitszahn-Operation körperliche Anstrengungen, Sport, Saunagänge oder Solariumbesuche. Ebenso bewährt hat sich die Unterstützung einige Tage bis Wochen vor und nach der Extraktion durch spezifische Mikronährstoffe (z. B. Vit D/K2, Vit C, Magnesium, Enzympräparate, Omega-3-Fettsäuren), die die Wundheilung optimieren und den Regenerationsprozess fördern.
Patienteneigene Wachstumsfaktoren aus Patientenblut (a-PRF) zum Auffüllen der Defekte im Kieferknochen können die Wundheilung deutlich beschleunigen.
Der Zahnarzt wird Ihnen Schmerzmedikamente verschreiben und unter Umständen ein Antibiotikum verordnen, z. B. wenn bereits eine starke bakterielle Infektion bestand.
Was passiert, wenn die Weisheitszähne nicht entfernt werden?
Weisheitszähne können die Ursache für zahlreiche Probleme im Mundbereich sein. Daher kann die Entfernung der dritten Molaren unter Umständen einige Vorteile mit sich bringen. Zum einen können etwaige Bissstörungen behoben werden. Denn Weisheitszähne können den Biss stören und Zahnverschiebungen bis in den Frontzahnbereich verursachen. Zudem können sie Beschwerden beim Kauen und Schlucken verursachen.
Die Entfernung der Weisheitszähne begünstigt auch den Schutz der anderen Zähne. Oftmals besteht das Risiko, dass ein Weisheitszahn einen anderen Backenzahn beschädigt oder das Infektionsrisiko in diesem Bereich erhöht. Weisheitszähne können ein Zusammendrängen der anderen Zähne verursachen, das im Anschluss eine kieferorthopädische Behandlung zur Begradigung der Zähne erfordert. Auch das Entstehen oder die ungünstige Weiterentwicklung von Kiefergelenkserkrankungen werden immer wieder mit Weisheitszähnen in Verbindung gebracht.
Zudem besteht die Gefahr, dass sich um den Weisheitszahn eine Art Beutel im Kieferknochen entwickelt. Dieser kann sich dann mit Flüssigkeit füllen und eine Zyste bilden, die den Kieferknochen, Zähne und Nerven schädigen kann. Die Entfernung von Weisheitszähnen verringert das Kariesrisiko und das Parodontitisrisiko, da Weisheitszähne meist ein Hygieneproblem mit sich bringen und so Karies und Parodontitis verursachenden Bakterien in der Mundhöhle einen begünstigenden Lebensraum verschaffen.
Was kann passieren, wenn der Weisheitszahn nicht korrekt extrahiert wird?
Ein häufiges Problem, das in späteren Jahren auftreten kann, ist, dass durch Wundheilungsstörungen bzw. Knochenheilungsstörungen nach operativen Weisheitszahnentfernungen (z. B. aufgrund von Vit-D3-Mangel) sog. FDOKs (= fettig degenerierte Osteolysen des Kieferknochens, weitverbreitet aber oftmals unzutreffend auch als NICOs bezeichnet) entstehen können. Diese stellen regulationsmedizinisch im späteren Leben häufig ein Störfeldgeschehen (= Störherd) mit negativer Beeinflussung des Meridiansystems dar (Herz-Dünndarm-Meridian) im Sinne einer Zahn-Organ-Fernwirkung.
Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Entfernung von Weisheitszähnen?
In Österreich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten für die Entfernung der Weisheitszähne, vorausgesetzt, der Eingriff erfolgt in einer Kassenordination oder in einer Klinik mit entsprechendem Vertrag. Zusätzliche Leistungen wie eine Behandlung unter Vollnarkose oder die Wahl spezieller Techniken können jedoch zu privaten Kosten führen, wenn diese medizinisch nicht zwingend notwendig sind.
Erfolgt der Eingriff in einer Wahlarztpraxis, werden rund 80 Prozent des Kassentarifs durch den Krankenversicherungsträger rückerstattet. Der verbleibende Teil ist vom Patienten selbst zu tragen. Wer über eine private Zusatzversicherung verfügt, kann je nach Tarif auch die restlichen Kosten vollständig ersetzt bekommen.
Häufige Fragen zu Weisheitszähnen
Wie lange dauert die Heilung nach dem Entfernen von Weisheitszähnen?
Die Heilung dauert im Durchschnitt etwa sieben bis 14 Tage. Schwellungen und leichte Schmerzen sind in den ersten zwei bis drei Tagen am stärksten ausgeprägt. Mit guter Nachsorge heilt die Wunde in der Regel komplikationslos ab.
Wann ist der beste Zeitpunkt zur Entfernung von Weisheitszähnen?
Idealerweise vor dem 25. Lebensjahr, da die Wurzeln zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig ausgebildet sind und der Eingriff weniger komplikationsanfällig ist.
Ist eine Entfernung aller vier Weisheitszähne auf einmal möglich?
Viele Patienten lassen alle vier Weisheitszähne in einer Sitzung entfernen, insbesondere unter Vollnarkose. Das reduziert den Gesamtaufwand, benötigt aber eine intensivere Nachsorge.
Was kann ich gegen Schmerzen nach der OP tun?
Empfohlen werden kalte Umschläge, schmerzstillende Medikamente nach ärztlicher Anweisung und weiche, kühle Nahrung. Auch pflanzliche Enzympräparate wie Bromelain können unterstützend wirken.
Kann ich nach der Entfernung der Weisheitszähne arbeiten gehen?
Je nach Eingriffsart und beruflicher Tätigkeit ist meist eine Krankschreibung von zwei bis fünf Tagen sinnvoll. Bei körperlich anstrengender Arbeit kann auch eine längere Schonzeit nötig sein.
Wann darf ich nach der OP wieder Sport machen?
Sportliche Aktivitäten sollten mindestens fünf bis sieben Tage vermieden werden, um Nachblutungen oder Schwellungen zu verhindern.
Welche Komplikationen können nach der Weisheitszahnentfernung auftreten?
Zu den häufigsten zählen Schwellung, Schmerzen, Nachblutung, Kieferklemme oder eine sogenannte „trockene Alveole“ (Wundheilungsstörung). Selten treten Nervverletzungen oder Infektionen auf.
Können Weisheitszähne erneut wachsen?
Nein. Sobald ein Weisheitszahn vollständig entfernt ist, wächst dieser nicht mehr nach. In sehr seltenen Fällen können jedoch zusätzliche, überzählige Zähne (sog. Supernumerarien) vorhanden sein.
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Quellen
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