Zahn ziehen – Zahnextraktion

Die einen haben überhaupt keine Probleme mit dem Zahnarztbesuch und verstehen die Hysterie rundherum nicht, die anderen fürchten sich schon Wochen und Monate im Voraus. Der Besuch beim Zahnarzt, alle Behandlungsschritte und verwendeten Geräte sind bei vielen Menschen mit großen Ängsten behaftet, die jedes Mal aufs Neue überwunden werden müssen. Noch schlimmer ist es, wenn nicht eine einfache Kontrolle ansteht, sondern ein Zahn stark schmerzt, wackelt oder kariös verändert ist. Dann nämlich besteht die Gefahr, dass er gezogen werden muss. Genaues Informieren und ein guter Draht zu Deinem Arzt helfen Dir, Deine Bedenken in den Griff zu bekommen. Was genau beim Zähne Ziehen passiert, wie der Zahnarzt vorgeht und worauf Du nachher insbesondere achten musst, erfährst du hier.


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Online-Redaktion

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Zuletzt aktualisiert: 19. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Zahnextraktion?

Die Zahnextraktion ist das, was man allgemein unter „Zähne ziehen“ versteht, also die nicht-operative Entfernung von Zähnen aus ihrem Zahnfach.

Im Gegensatz zur operativen Entfernung von Zähnen (Osteotomie) muss der Knochen nicht gespalten werden, um den Zahn zu lockern, sondern es erfolgt eine kontrollierte Aushebelung.

Zähne ziehen

Was sind die Ursachen für eine Zahnextraktion?

Grundsätzlich wird eine Zahnextraktion niemals leichtfertig durchgeführt und stellt für den Zahnarzt eher die letzte Möglichkeit dar Nachbarzähne, umgebendes Zahnfleisch und den darunterliegenden Knochen zu schützen und drohende Infektionen abzuwenden.

Dies ist vor allem meist dann die Gefahr wenn:

  • Eine fortgeschrittene kariöse Zerstörung des Zahns vorliegt, die durch eine herkömmliche Ausschabung und Füllung nicht mehr in den Griff zu bekommen ist.
  • Es zur traumatisch bedingten Fraktur eines Zahns gekommen ist.
  • Zähne in Folge einer Parodontitis so stark gelockert sind, dass ein konservatives Vorgehen nicht mehr möglich ist.
  • Kieferorthopädische Maßnahmen bei Platzmangel (Weisheitszähne, Missverhältnis von Zahn- und Kiefergröße, genetisch bedingte Mehrfachanlage zweiter Zähne, angeborene Fehlstellungen,…) versagt haben.

Wie diagnostiziert der Arzt, ob ein Zahn gezogen werden muss?

Die Entscheidung, ob ein Zahn gezogen werden muss, wird der Spezialist einerseits anhand der Anamnese des Patienten, der von Schmerzen oder stark wackelnden Zähnen berichtet, andererseits durch ein Kiefer-Überblicksröntgen und eine genaue Inspektion der Mundhöhle und aller Zähne treffen.

Welche Methoden gibt es und wie verläuft der Eingriff?

Die klassische Extraktion erfolgt nicht – wie das alltagssprachliche „Zähne ziehen“ vermuten lassen würde – durch Zug am Zahn, sondern ist gerade bei gesunden, stabil verankerten Zähnen ein kräftefordernder Akt, bei dem ein kontrolliertes und schonendes Vorgehen unerlässlich ist, um Komplikationen und spätere Wundheilungsverzögerungen zu vermeiden.

Die Zahnextraktion erfolgt – wenn der Zahn nicht schon stark gelockert ist – im Normalfall unter Lokalanästhesie, bei sehr ängstlichen und schmerzempfindlichen Patienten auf Wunsch auch unter Sedierung oder Vollnarkose.

Zähne ziehen

In einem ersten Schritt wird die umliegende Schleimhaut (Gingiva) gelöst, um den ersten Haltemechanismus des Zahns zu überwinden. Mittels Hebel und Zange werden gut dosierte Dreh- und Hebelbewegungen durchgeführt, die zu einem Einreißen der fasrigen Halterung zwischen Zahn und Knochenfach (Alveole) führen. Nun kann der Zahn mit Kraft und dennoch vorsichtig hin und her bewegt werden, was den Alveolarknochen erweitert und das Zahnfach insgesamt aufdehnt. Erst dann kann der Zahn mittels fortlaufender Drehbewegungen entfernt und die Wunde am Ende vernäht werden.

Liegen stark zerstörte Zähne vor, die teils schon vom Zahnfleisch überwachsen sind und daher nicht einfach gezogen werden können, oder handelt es sich um Weisheitszähne, die schief im Kiefer liegen und daher drohen andere Zähne zu verdrängen und zu beschädigen, muss ein chirurgisches Vorgehen erfolgen, bei dem mittels Skalpell das Zahnfleisch eröffnet und der unterliegende Knochen durch rotierende Fräsen abgetragen wird.

Um den Knochen möglichst schonend zu behandeln und möglichst wenig Knochensubstanz zu verlieren (um beispielsweise später ein Implantat einsetzen zu können) werden oftmals auch neuere Methoden, wie die Piezochirurgie angewendet, bei der Piezokristalle mittels Ultraschall in hochfrequente Schwingungen versetzt und als Schneideinstrument genutzt werden. Die Methode verspricht nicht nur einen schonendere und kontrolliertere Knochenabtragung, sondern auch die Reduktion von Komplikationen und eine bessere Wundheilung.

Was muss ich nach dem Zahn ziehen beachten?

Bei nicht schon stark gelockerten Zähnen ist die Extraktion in der Regel ein erheblicher Eingriff, der unweigerlich zu Blutungen und Schwellungen führt. Postoperativ wird ein steriler Aufbisstupfer eingelegt, der die akute Blutung stoppen soll, zusätzlich verschreibt der Mediziner üblicherweise ausreichend Schmerzmedikation, die bis zur Linderung der Schmerzen eine Erleichterung darstellen. Auch die Schwellung bessert sich im Lauf der Tage nach dem Eingriff von selbst. Sollten allerdings weiterhin Blutungen auftreten, ist ein neuerlicher Besuch beim Zahnarzt unbedingt notwendig.

Üblicherweise wird am Tag nach der Extraktion eine Wundkontrolle vorgenommen, 7-10 Tage danach müssen die Nähte entfernt werden, sofern es sich nicht um selbstresorbierbare handelt.

Was kann ich nach der Operation tun, um die Heilung zu verbessern?

Maßnahmen, die die Heilung unterstützen, sind beispielsweise kühle Auflagen, das Meiden säurehaltiger, schleimhautreizender und sehr heißer Substanzen, der Verzicht auf alkoholische Getränke, Kaffee und Nikotin, da diese das Blutungsrisiko erhöhen. Körperliche Anstrengung und manuelle Reizung der Wunde sollten unbedingt vermieden werden.

Zähne ziehen

Wann kann ich nach der Operation wieder arbeiten oder Sport betreiben?

Die Länge der körperlichen Schonung und des Fernbleibens vom Arbeitsplatz ist nicht einheitlich anzugeben, sondern hängt von der persönlichen Verfassung, von den Schmerzen und vom Grad der körperlichen Anstrengung ab. Leichte körperliche Betätigungen sollten nach 1-2 Tagen wieder möglich sein, schwere körperliche Arbeit und Sport, die zur Blutdrucksteigerung führen, sollten bis zum Wundverschluss und zur Entfernung der Nähte hinausgeschoben werden.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Häufigste und fast schon obligatorische Komplikationen nach einer Zahnextraktion sind Schwellung und Schmerz, die durch die lokale Reizung der Schleimhaut und Aufdehnen des Zahnfachs zustande kommen.

Darüber hinaus sind weitere, weitaus seltenere Komplikationen möglich:

  • Nachblutungen: Ein gewisses Maß an Blutung aus kleinen Gefäßen ist normal und sollte nach spätestens einer Stunde kontinuierlicher Kompression aufhören. Nachblutungen entstehen vor allem dann, wenn Patienten unter gerinnungshemmender Medikation stehen, unter Gerinnungsstörungen leiden oder zu früh wieder mit schwerer körperlicher Arbeit beginnen.
  • Alveolitis: Hierbei handelt es sich um eine Entzündung der freiliegenden Alveole, die sich durch Zersetzung des zurückbleibenden Blutgerinnsels entwickelt.
  • Infektionen: Da die Mundhöhle mit zahlreichen Bakterien besiedelt ist, kann trotz sterilen Arbeitens gerade bei immunsupprimierten Patienten oder Personen mit schweren Begleiterkrankungen eine Infektion der Wunde entstehen. Eine rasche Antibiotikagabe ist dabei unerlässlich.
  • Verletzung von Nerven

Wie kann ich der Zahnextraktion vorbeugen?

Die notwendigen Maßnahmen einen solchen Eingriff zu verhindern ergeben sich aus den Ursachen, die ihn notwendig machen. Eine regelmäßige und umfangreiche Zahn- und Mundhygiene mit zweimal täglichem Zähneputzen, Verwenden von Zahnseide und Spülungen und jährlichen Kontrollen beim Zahnarzt inklusive professionelle Mundhygiene sind wohl die wichtigsten Maßnahmen gegen Parodontitis und Karies. Bei Fehlstellungen sollte schon früh mit zahnregulierenden Therapien begonnen werden und auch eine gesunde, zuckerreduzierte Ernährung und der Verzicht auf Genussmittel wie Nikotin und Alkohol unterstützen die Zahngesundheit. Gewisse Indikationen zur Zahnextraktion wie genetische Veranlagungen oder traumatische Verluste von Zähnen lassen sich allerdings trotz guter Zahnpflege manchmal nicht vermeiden.

Zähne ziehen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

In Österreich wird in der Regel die reine Zahnextraktion mit Verabreichung von Lokalanästhesie von der Kasse übernommen. Alle weiteren zahnersetzenden Therapien sind allerdings aus eigener Tasche zu bezahlen oder erhalten nur einen geringen Kostenzuschuss.

Auch die auf Wunsch des Patienten durchgeführte Sedierung beziehungsweise Vollnarkose muss selbst gezahlt werden, sofern nicht ein psychologisches Gutachten über eine Zahnarztphobie vorliegt und sich der Patient in psychotherapeutischer Behandlung befindet.


Dauer Dauer

Wenige Minuten pro Zahn

Ausfallzeit Ausfallzeit

Ca. 7 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Als Zahnextraktion bezeichnet die Medizin das Entfernen eines oder mehrerer Zähne, wobei hier zwischen konventionell nicht-operativem Vorgehen und einer chirurgischen Behandlung unterschieden wird


Die Zahnextraktion sollte stets eine Ultima-Ratio-Entscheidung sein, wenn alle anderen konservativen Maßnahmen versagt haben. Gründe für eine endgültige Zahnentfernung stellen hierbei vor allem stark kariöse Veränderungen und Zerstörung der Zahnhartsubstanz, die Lockerung des Zahnhalteapparates mit stark wackelnden Zähnen, der traumatisch bedingte Bruch oder Verlust eines Zahns, Weisheitszähne oder genetisch bedingte Doppelanlagen beziehungsweise Fehlstellungen


Der Eingriff selbst dauert nicht lange, sobald die Blutung stoppt, kann der Patient nach Hause entlassen werden. Die Nachsorge umfasst Kühlung, eine mechanische und chemische Schonung der Wunde sowie die Einnahme von Schmerzmedikation, falls erwünscht


Zu den Komplikationen zählen in erster Linie Schwellung und Schmerzen, weitere Komplikationen wie Infektionen, Nachblutungen oder die Beschädigung des Kieferknochens oder von Nachbarwurzeln sind selten, erfordern allerdings Nachbehandlungsschritte

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