Zahnimplantat

Mit dem Alter werden nicht nur die Haare dünner, auch den Zähnen macht der Zahn der Zeit im wahrsten Worte zu schaffen. Aber nicht nur ältere Menschen benötigen Zahnimplantate, auch Jüngeren kann, beispielsweise bei einem Sturz, ein Zahn abhandenkommen. Zu welcher Gruppe Du auch gehörst – hier erfährst Du alles Wichtige über Zahnimplantate!


AUTOR

Dr. med. dent. Florian Lanza

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 13. November, 2019



Was versteht die Medizin unter einem Zahnimplantat?

Die Medizin versteht unter einem Zahnimplantat eine künstliche Zahnwurzel, die anstelle des ursprünglichen Zahns in den Knochen eingebracht wird. Auf diesem können anschließend Brücken, Prothesen oder einzelne Implantatkronen befestigt werden.

Die Medizin versteht unter einem Zahnimplantat eine künstliche Zahnwurzel, die anstelle des ursprünglichen Zahns in den Knochen eingebracht wird

Welche Arten von Zahnimplantaten gibt es?

Zahnimplantate lassen sich anhand verschiedener Gesichtspunkte unterscheiden. Insgesamt stellen ungefähr achtzig Hersteller um die dreihundert Implantat-Varianten her.

Ein erstes Merkmal unterschiedlicher künstlicher Zahnwurzeln ist ihr Material. Diese gibt es als Titan-Implantate und Keramik-Implantate. Implantate aus Titan zeichnen sich durch eine sehr gute Verträglichkeit aus. Sie werden dementsprechend vom Körper, der normalerweise Fremdmaterialien abstößt, akzeptiert und lösen keine Allergien aus. Dies liegt daran, dass sich an der Oberfläche des Titan-Implantats Sauerstoff ablagert, der auf natürliche Weise im Körper vorkommt und deshalb keine Abwehrreaktion auslöst.

Zudem verbindet sich Titan erstaunlich gut mit dem Kieferknochen (Osseointegration) und verleiht künstlichen Zähnen oder Prothesen eine lange Verweildauer. Auch Keramikimplantate verbinden sich sehr gut mit der Knochenstruktur des Kiefers und wachsen hervorragend ein. Allerdings setzt man sie aufgrund ihrer verhältnismäßigen Brüchigkeit und des schnellen Alterungsprozesses nur noch in seltensten Fällen ein.

Implantate aus Zirconium-Oxid können bei schwierigen Fällen, wie starkem Zahnfleischrückgang oder Knochenschwund aus kosmetischen Gründen eingesetzt werden. Im strengeren Sinn gehören die weißen Zirconium-Oxid-Implantate ebenfalls zum Keramik-Typ. Allerdings zeichnet es sich durch deutlich erhöhte Stabilität im Gegensatz zu klassischen Keramik-Implantaten aus, was die Konkurrenzfähigkeit zum Titan erklärt.

Zahnimplantate lassen sich anhand verschiedener Gesichtspunkte unterscheiden

Auch die Form des Zahnimplantats kann sich unterscheiden. Heutzutage verwendet die Zahnmedizin am häufigsten schraubenförmige Implantate. Diese lassen sich gut in den Knochen einbringen und halten gleichzeitig durch den Schraubmechanismus. Blattimplantate setzen Ärzte heutzutage nur noch selten ein. Sie sind nur wenige Millimeter dick und der Zahnarzt bringt sie längs in den Knochen ein. Weil sie aber eine relativ große Ausdehnung haben und sich durch weite Teile des Kieferknochens ziehen, benötigen sie eine deutlich größere Operation und sind schwer entfernbar.

Implantate werden ebenfalls anhand ihrer Bestandteile unterschieden. Zweiteilige Implantate sind normalerweise Einteiligen aufgrund ihrer flexiblen Verwendungsweise vorzuziehen. Durch die Trennung des in den Knochen eingebrachten Stücks und der sichtbaren Krone ergeben sich viele Kombinationsmöglichkeiten und eine Anpassung des Implantats ist deutlich leichter.

Wann ist ein Zahnimplantat sinnvoll?

Grundsätzlich können Implantate wie zuvor erwähnt einen einzelnen Zahn oder mehrere Zähne ersetzen. Fehlt zum Beispiel ein Frontzahn, so kann dieser mit einem Zahnimplantat ersetzt werden und gesunde Nachbarzähne müssen nicht für eine Brückenkonstruktion angeschliffen werden und bleiben erhalten. Implantate können außerdem eine komfortable Alternative zur herausnehmbaren Teilprothese darstellen.

Wie diagnostiziert der Arzt, ob ein Zahnimplantat möglich ist?

Der Zahnarzt entscheidet unter Abwägung vieler Gesichtspunkte, inwieweit das Einbringen eines Zahnimplantats sinnvoll und möglich ist. Zunächst muss die Knochenstruktur des Kiefers mithilfe eines Röntgenbildes und einer Computertomografie untersucht werden, da der Spezialist die künstliche Zahnwurzel mit Bedacht platzieren muss, um Halt im Knochen und weitere prothetische Versorgungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Sind Risikofaktoren durch Röntgen und Patientenbefragung ausgeschlossen, kann der Implantologe ein Zahnimplantat einsetzen.

Der Zahnarzt entscheidet unter Abwägung vieler Gesichtspunkte, inwieweit das Einbringen eines Zahnimplantats sinnvoll und möglich ist

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Eine Implantation wird in den meisten Fällen unter Lokalanästhesie durchgeführt. Sollte der Wunsch einer Implantation unter Vollnarkose bestehen, so muss diese für gewöhnlich privat bezahlt werden. In der Regel solltest Du etwa 14 Tage vor der Operation auf blutverdünnende Medikamente, wie beispielsweise Aspirin, Plavix oder Marcoumar verzichten. Das gilt ebenfalls für Schlafmittel. Sprich einfach Deinen Arzt darauf an, denn dieser kann Dir eventuell Ersatzmedikamente verschreiben. Du solltest zudem auf den Konsum von Alkohol und Nikotin verzichten, und zwar auch nach der Operation, denn ansonsten maximiert sich das Risiko einer Wundheilungsstörung. Alle weiteren Vorkehrungen die vor der Operation getroffen werden müssen, werden mit dem Arzt in einem präoperativen Gespräch besprochen.

Wie verläuft die Operation bei einem Zahnimplantat?

Bevor das Implantat gesetzt wird, spritzt der Zahnarzt das Betäubungsmittel lokal ein und betäubt das Areal rund um die Implantationsstelle. Im nächsten Schritt schiebt der Spezialist mit einem kleinen Schnitt das Zahnfleisch über dem betreffenden Knochenabschnitt zur Seite. Danach bohrt er in mehreren Schritten, um ein Überhitzen des Bohrers zu verhindern, ein Loch in den Kieferknochen, in welches der Mediziner das Implantat wie eine Schraube eindreht.

Das Zahnfleisch wird mit einer Naht über dem Implantat wieder verschlossen. Dieser Schritt verbessert das Einheilen des Implantats beträchtlich. Im Oberkiefer dauert der Heilungsprozess zwischen drei und sechs Monaten, im Unterkiefer geht dieser Vorgang mit zwei bis vier Monaten ein wenig schneller. Sobald das Implantat eingeheilt ist, bringt der Arzt einen kleinen ‚Platzhalter‘ im Zahnfleisch an, der dieses auf das eigentliche Implantat vorbereitet und Platz schafft. Nachdem ein Zahntechniker den eigentlichen Zahn angefertigt hat, fixiert der Arzt den fertigen Zahn auf dem Implantat.

Nachdem ein Zahntechniker den eigentlichen Zahn angefertigt hat, fixiert der Arzt den fertigen Zahn auf dem Implantat

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach der Operation sollte das implantierte Areal bis zur Nahtentfernung nicht belastet werden. Auf Nikotin sollte vor der Operation und während der Einheilungsphase zur Gänze verzichtet werden, das gilt auch für Alkohol. Halte Dich bitte genau an die Vorschriften, die Dir Dein Arzt mit auf den Weg gibt, und halte die Nachsorgeuntersuchungen ein. Sollte es zu Komplikationen bei der Heilung kommen, dann kann der Arzt gleich eingreifen.

Wann kann ein Zahnimplantat nicht eingesetzt werden?

Da es viele verschiedene Typen von Zahnimplantaten gibt, existieren mittlerweile nur noch wenige Gründe ein Implantat nicht einzusetzen. Sowohl bei leichter bis mittlerer Osteoporose als auch bei Beschwerden wie Zahnfleischrückgang, Knochenschwund oder einem sehr schmalen Kiefer existieren im Normalfall Lösungen zur Anbringung eines Implantats. Zu den Kontraindikationen, also Gründen gegen eine Implantation, sprechen aber unter anderem akute Krebserkrankungen, schwere Herzinsuffizienz und schweres Unter- oder Übergewicht. Auch die Einnahme der Medikamentenklasse der Bisphosphonate gehört zu den Gründen, warum man einen Zahnersatz nicht bzw. schwer implantieren kann.

Was kann ich nach der Operation tun, um die Heilung zu verbessern?

Wie zuvor erwähnt ist eine gute Mundhygiene Voraussetzung für ein bestmögliches Einheilen des Implantats. Weiters können Mundspüllösungen während diesem Zeitraum unterstützen.

Wann kann ich nach der Operation wieder arbeiten oder Sport betreiben?

Bei kleineren Eingriffen spricht in der Regel nichts dagegen, am nächsten Tag wieder arbeiten zu gehen. Auf sportliche Betätigung sollte in den ersten Tagen nach der Operation verzichtet werden, da es aufgrund der Anstrengung zu Nachblutungen kommen kann.

Bei kleineren Eingriffen spricht in der Regel nichts dagegen, am nächsten Tag wieder arbeiten zu gehen

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Wie bei jedem Eingriff kann es auch bei der Zahnimplantation zu Komplikationen kommen. Allerdings sind diese aufgrund der Kürze des Eingriffs relativ gering. Das Knochengewebe rund um das Implantat kann sich entzünden und es kommt zu einer Periimplantitis. Bei Diabetikern ist diese Komplikation deutlich häufiger beobachtet worden. Auch eine Fehlplatzierung im Rahmen der Operation ist theoretisch möglich und kann das Endergebnis stören.

Wie lange hält das Zahnimplantat?

Bei sehr guter Pflege und regelmäßigen Kontrollen kann ein Implantat im Idealfall ein Leben lang halten.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Grundsätzlich gehören Zahnimplantate nicht zu den allgemeinen Kassenleistungen, das bedeutet, dass Du selbst für die Kosten aufkommen musst. Solltest Du privat versichert sein, oder eine Zahnzusatzversicherung haben, dann wird häufig ein Teil der Kosten übernommen.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizin e. V.

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (letzter Zugriff: 26.08.2019)

Universitätsklinikum Regensburg


Dauer Dauer

Pro Implantat ca. 20 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Zahnimplantate stellen einen dauerhaft im Kieferknochen fixierten Zahnwurzel-Ersatz dar. Auf diesen können Kronen, Brücken oder Prothesen aufgesetzt werden


Die am häufigsten verwendeten Implantate bestehen aus Titan und haben einen schraubenförmigen Aufbau


Eine Operation erfolgt in der Regel ohne Vollnarkose


Die Einheilungsphase des Implantats beträgt zwischen zwei und sechs Monaten