Periimplantitis

Die Periimplantitis ist eine Komplikation bei Zahnimplantaten. Nach einem implantologischen Eingriff kann es zu dieser fortgeschrittenen Entzündung des Zahnhalteapparates im Bereich des Implantats kommen, die sich bis in den Kieferknochen ausbreitet. Die Vorstufe der Periimplantitis bezeichnen Ärzte als periimplantäre Mukositis. Die Periimplantitis ist irreversibel und führt unbehandelt zum fortschreitenden Knochenabbau. Im weiteren Verlauf droht sogar der Verlust des Implantats. Schon hier werden die Parallelen zur Parodontitis deutlich, tatsächlich sind die Ursachen und der Verlauf ähnlich.


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Zuletzt aktualisiert: 19. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Periimplantitis?

Die Periimplantitis ist eine Erkrankung, die bei Trägern von Zahnimplantaten auftreten kann und ähnelt der Parodontitis des natürlichen Zahnes. Dabei kommt es zu einer Entzündung und dem Rückgang von Schleimhaut (periimplantäre Mukositis) und Knochen (Periimplantitis) im Bereich eines oder mehrerer Implantate. Unbehandelt kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einem irreversiblen Verlust des Implants.

Periimplantitis

Was ist der Unterschied zwischen Parodontitis und Periimplantitis?

Bei beiden Erkrankungen baut sich der Knochen bis hin zum Verlust des Zahnes beziehungsweise des Implantates ab. Der Unterschied liegt in der Beweglichkeit des Zahnes beziehungsweise des Implantates. Bei der Parodontitis lockert sich der Zahn ab einem gewissen Grad des Knochenabbaus und wird dadurch beweglich. Bei der Periimplantitis hingegen bleibt das betroffene Implantat oft bis zum fast vollständigen Knochenverlust fest und unbeweglich.

Wie sehen die Symptome bei einer Periimplantitis aus?

Die Symptome einer Periimplantitis unterscheiden sich je nach Schweregrad beziehungsweise Stadium. Im frühen Stadium der Periimplantitis können leichte Schmerzen beim Berühren des Zahnfleisches am Rand des Implantats, Implantatschmerzen oder auch rötliche Verfärbungen des Zahnfleisches auftreten. Diese Symptome sind bereits erste Anzeichen einer Entzündung. Schreitet die Erkrankung fort, treten Knochenschmerzen in der Kieferregion auf, weiters kann das Zahnfleisch am Zahnimplantat zurückweichen oder sich das Zahnimplantat selbst lockern bis hin zum Implantatverlust führen. Weitere Symptome ähneln denen der Parodontitis. Dazu zählen ein süßlicher Mundgeruch, Schmerzen beim Zähneputzen, Zahnfleischbluten oder ein Knochenrückgang. Tückisch ist, dass die Symptome meistens schwer zu erkennen und richtig zu deuten sind. Daher sind regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt unumgänglich.

Welche Ursachen hat die Periimplantitis?

Eine Periimplantitis kann neben einer unzureichenden Mundhygiene aus vielen weiteren Faktoren resultieren. Dazu zählen Rauchen, Diabetes, eine unbehandelte Parodontitis, eine parodontale Vorgeschichte, Allgemeinerkrankungen wie Osteoporose, die Einnahme von Medikamenten wie beispielsweise Immunsuppresiva, hormonelle Veränderungen oder langanhaltender Stress, unregelmäßige zahnärztliche Kontrollen, eine schlechte Implantat- und Zahnpflege oder ein mangelhaftes Einheilen des Zahnimplantates im Kieferknochen.

Periimplantitis

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Von einer Periimplantitis können lediglich Personen betroffen sein, die ein Zahnimplantat tragen. Da meistens ältere Personen Zahnimplantate tragen, ist die Risikogruppe für Periimplantits ebenfalls älter.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Periimplantitis?

Wenn Du einige der oben genannten Symptome bei Dir feststellst, kann es sich um eine Periimplantitis handeln. Um die Symptome abzuklären, solltest Du einen Zahnarzt aufsuchen. Er erkennt die periimplantäre Mukositis deutlich anhand der klassischen Entzündungszeichen im Bereich der Schleimhaut, die das Implantat umgibt. Dazu zählen Rötung, Schwellung, Blutungsneigung und Schmerzen. Den periimplantären Knochenabbau kann der Arzt mit Hilfe eines Röntgenbildes (Orthopantomogramm) nachweisen.

Welche Folgen kann die Periimplantitis für die Patienten haben?

Die Periimplantitis ist nicht nur schmerzhaft, sie hat auch den Abbau des Kieferknochens zur Folge. Einmal abgebauter Kieferknochen kann sich nicht von alleine regenerieren und ist somit unwiderruflich verloren. Schlimmstenfalls wird so viel Kieferknochen abgebaut, dass es zum Verlust des Zahnimplantats kommt.

Wann muss die Periimplantitis behandelt werden?

Die Periimplantitis solltest Du so bald wie möglich behandeln lassen, so stehen Deine Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung deutlich höher und das Implantat kann erhalten bleiben. Im fortgeschrittenen Stadium allerdings ist dies nicht immer möglich.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei der Periimplantitis?

Zunächst ist es wichtig, die Ursache der Entzündung zu behandeln. Dies sind in den meisten Fällen Bakterien. Ist die Periimplantitis noch nicht sehr stark ausgeprägt, kann der Arzt mithilfe spezieller Spüllösungen und einer professionellen Reinigung des Implantates arbeiten, in manchen Fällen empfiehlt sich zusätzlich die Gabe von Antibiotika. Die Bakterien lassen sich aber auch mittels der PTT, einer Lasertherapie, beseitigen. Dadurch werden die schädlichen Keime und Bakterien, die den Gewebeabbau verursachen, abgetötet und der weitere Gewebeabbau gestoppt.

Periimplantitis

Handelt es sich allerdings schon um eine fortgeschrittene, schwere Form der Periimplantitis, bei der es bereits zum Knochenabbau gekommen ist, muss zusätzlich ein chirurgischer Eingriff durchgeführt werden, um so die entstandene Knochentasche mit Knochenersatzmaterial zu füllen und das Implantat wieder fest mit dem Kieferknochen zu verankern. Zusätzlich ist es meistens erforderlich, dass der Arzt die Entzündung mit einer antibiotischen Begleittherapie behandelt. Du als Patient solltest bedenken, dass nicht nur das Implantat, sondern auch das Restgebiss behandelt werden muss, sodass keine Keime übertragen werden. In diesem Sinne ist es wichtig, dass Du allerspätestens ab jetzt auf eine korrekte Mundhygiene achtest.

Was muss ich vor der Behandlung beachten?

Was Du vor der Behandlung beachten solltest, kann Dir Dein Arzt genau sagen. Am wichtigsten ist es, dass der entzündungsauslösende Belag behandelt wird. Falls Du blutverdünnende Medikamente nimmst, solltest Du deren Einnahme mit Deinem Arzt besprechen, genau wie den Konsum von Alkohol und Nikotin. Fällt Dir das Zähneputzen aufgrund von Schmerzen schwer, solltest Du zumindest reinigende Mundspülungen verwenden und im nicht betroffenen Bereich putzen, so gut es geht.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Als allgemeines Operationsrisiko gilt eine Infektion des Operationsgebietes, vor allem, wenn Patienten nicht auf eine gründliche Mundhygiene achten. Außerdem kann es zu operationsbedingten Verletzungen im Kieferknochen kommen. Des Weiteren ist es möglich, dass durch eine Verletzung der Nerven ein vorübergehendes, seltener ein dauerhaftes Taubheitsgefühl zurückbleibt. Schmerzen und Schwellungen nach der Behandlung sind eine eher häufige Komplikation, allerdings sind sie nicht von langer Dauer.

Wie kann ich eine Periimplantitis vorbeugen?

Du kannst der Periimplantitis vorbeugen, indem Du auf eine ausgezeichnete Mundhygiene achtest. Dadurch vermeidest Du die Entstehung von Zahnbelägen und die Anlagerung von Bakterien. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt, professionelle Implantatreinigungen und anfangs jährliche Röntgenkontrollen mindern das Risiko für die Entstehung einer Periimplantitis deutlich. Hast Du ein erhöhtes Risiko, an der Periimplantitis zu erkranken, kann Dein Zahnarzt an den Kontrollterminen auch einen Markertest (aMMP-8-Test) durchführen. Du solltest nach einer Implantation darauf achten, die Termine beim Arzt beziehungsweise bei der Implantatreinigung einzuhalten. Diese Nachsorgetermine sind wichtig, da so festgestellt werden kann, ob sich Zahnfleisch oder Zahnimplantat entzündet haben und eine Therapie notwendig ist.

Periimplantitis

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Da das Einsetzen eines Implantats eine Privatleistung ist, liegt auch die Behandlung einer Periimplantitis in Deiner Verantwortung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten daher leider nicht, Du musst die Kosten also selbst übernehmen. Bist Du privat versichert, übernimmt Deine Krankenkasse die Kosten für die Behandlung der Periimplantitis eventuell teilweise. Das ist abhängig von Deinem gewählten Tarif und lässt sich bei den Kassen direkt erfragen. Lasse Dir einen Kostenvoranschlag vom Zahnarzt ausstellen und reiche diesen bei Deiner Krankenkasse ein. Daraufhin gibt Dir die Versicherung Auskunft zur Höhe der Kostenerstattung.


Dauer Dauer

30-120 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Die Periimplantitis ist eine Komplikation bei Zahnimplantaten, eine fortgeschrittene Entzündung des Zahnfleisches im Bereich des Implantats


Die Periimplantitis ist irreversibel und führt unbehandelt zum fortschreitenden Knochenabbau. Der Knochen kann sich nicht von selbst wieder regenerieren


Symptome sind ein süßlicher Mundgeruch, Schmerzen beim Zähneputzen, Zahnfleischbluten oder Knochenrückgang


Am Beginn der Erkrankung steht die Behandlung der zugrunde liegenden Entzündung

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