Knochenaufbau in der Zahnmedizin

Der Knochenaufbau ist eine Möglichkeit für Patienten, trotz weit zurückgebildetem Kieferknochen, Zahnimplantate einsetzen lassen zu können. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, welche abhängig von der betroffenen Region sind. Du kannst Dich für den Einsatz von Knochenersatzmaterial aus synthetischen Materialien oder echtem Knochen entscheiden.


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Zuletzt aktualisiert: 27. Februar, 2020



Was versteht die Medizin unter dem Knochenaufbau?

Der Knochenaufbau des Kieferknochens (Kieferaugmentation) ist notwendig, wenn Patienten sich eine Behandlung mit Implantaten wünschen, das Knochenmaterial aber die Implantate nicht mehr halten würden. Daher soll im Rahmen der Behandlung der Kieferknochen wieder aufgebaut werden, bevor Implantate eingesetzt werden können. Als Richtwert gilt, dass ein Zahnimplantat auf allen Seiten von einer mindestens zwei Millimeter starken Knochenschicht umgeben sein sollte.

Knochenaufbau

Welche Ursachen gibt es für den Knochenabbau?

Der zahntragende Teil des Kieferknochens bildet sich zusammen mit dem Durchbruch der bleibenden Zähne im Alter zwischen sechs und 14 Jahren. Wenn die Zähne im Laufe des Lebens entfernt werden müssen oder ausfallen, bildet sich dieser zahntragende Teil des Kieferknochens wieder zurück. Dadurch wirkt die Mundpartie des Gesichts eingefallen und niedrig.

Wann ist ein Knochenaufbau im Kiefer sinnvoll?

Der Knochenaufbau im Kiefer ist sinnvoll, wenn bei Dir eine Zahnimplantation durchgeführt werden soll, aber nicht genügend Kieferknochenstruktur gegeben ist, um ein Implantat fest zu verankern.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Am häufigsten sind Personen im fortgeschrittenen Alter vom Knochenabbau beziehungsweise Knochenschwund betroffen oder Personen, denen schon längere Zeit Zähne fehlen. Falls Du zu einer dieser Gruppen gehörst, solltest Du Dich schnellstmöglich an einen Zahnarzt wenden, da ansonsten bald auch das restliche Gebiss betroffen ist.

Welche Materialien können zum Knochenaufbau verwendet werden?

Ziel einer jeden zahnmedizinischen Behandlung ist es, den Kieferknochen so natürlich wie möglich zu ersetzen. Es gibt abhängig vom jeweiligen Grad des Knochenschwunds des betroffenen Kieferknochens verschiedene Ersatzmaterialien. Heutzutage verwenden die meisten Zahnärzte oder Kieferchirurgen Material, welches aus den eigenen Knochen des Patienten gewonnen wird. Es ist allerdings auch möglich, dass Dir Dein Arzt synthetische Materialien einsetzt.

Knochenaufbau

Welche nicht-operativen Methoden zum Knochenaufbau gibt es?

Es gibt keine nicht-operativen Methoden zum Knochenaufbau. Du kannst allenfalls im Laufe Deines Lebens darauf achten, dass Deine Knochen immer ausreichend mit Mineralstoffen wie Kalcium und Magnesium versorgt sind. Weiters sind auch Spurenelemente wie Zink, Bor, Kupfer und Silicium unentbehrlich, diese nimmst Du durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung auf. Treibst Du regelmäßig Sport, verbesserst Du automatisch die Sauerstoffversorgung des Körpers und damit auch die der Knochen. Außerdem solltest Du darauf achten, dass Du immer mit genügend Vitamin D versorgt bist. Dieses nimmt der Körper normalerweise über die Sonneneinstrahlung auf, allerdings ist diese in unseren Breitengraden viel zu gering und daher empfiehlt es sich, Vitamin D als Präparat zuzuführen.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Die Operation ist sinnvoll, wenn Du Dir ein Zahnimplantat wünschst, es aber aufgrund Deiner verringerten Kieferknochensubstanz nicht möglich ist, dieses direkt einzusetzen.

Welche operativen Methoden zum Knochenaufbau gibt es?

Heutzutage führen Zahnchirurgen vor allem das sogenannte Bonespreading bzw. Bonesplitting und den Sinuslift durch. Andere Verfahren sind zum Beispiel die Socket-Preservation / Ridge-Preservation oder die Gesteuerte Geweberegeneration (GTR).

Was muss ich vor einer Operation beachten?

In Absprache mit Deinem Arzt solltest Du blutverdünnende Medikamente wie zum Beispiel Plavix, ASS, Thrombo ASS, Marcoumar oder Aspirin absetzen. Auch auf Alkohol und Nikotin solltest Du etwa zwei Wochen vor dem Eingriff verzichten. Vor der Operation darfst Du im Gegensatz zu vielen anderen Eingriffen nicht nüchtern sein.

Wie verläuft die Operation bei einem Knochenaufbau?

Die Operation verläuft immer unter einer örtlichen Betäubung. Bist Du Angstpatient, kann für Dich auch eine Vollnarkose in Frage kommen, dies solltest Du im Vorfeld am besten mit Deinem Arzt oder Anästhesisten besprechen. Beim Bonespreading bzw. Bonesplitting präpariert der Chirurg den Kieferkamm mithilfe von Bohrern, um die Kieferknochenpartie nach außen zu dehnen. In den dadurch entstehenden Spalt setzt er dann das gewählte Knochenersatzmaterial ein. Der Sinuslift ist eine spezielle Behandlungsmethode für den Knochenaufbau im seitlichen Oberkiefer.

Knochenaufbau

Dabei bohrt der Arzt vom Mundvorhof aus ein Loch in die Kieferhöhlenwand, ohne die Schleimhaut der Kieferhöhle zu schädigen. Im Anschluss daran entfernt er die Kieferhöhlenschleimhaut in dem Bereich, der aufgebaut werden soll von der knöchernen Innenwand der Kieferhöhle. Dabei entsteht eine Art Luftblase zwischen Kieferhöhlenwand und Kieferschleimhaut, in welche der Chirurg nun das Knochenersatzmaterial füllt. Dann legt er eine künstliche Membran über die Wunde und schließt das Zahnfleisch wieder über dem Knochen.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach der Operation solltest Du (am besten bis zur Nahtentfernung) beim Zähneputzen das Operationsgebiet aussparen und stattdessen mit einer geeigneten Mundspülung ausspülen. Gegen mögliche Schwellungen darfst Du Kühlpacks verwenden, wickele sie am besten in ein Geschirrtuch ein, damit die Haut nicht geschädigt wird. Falls Du nach dem Eingriff Schmerzen hast, kannst Du Schmerzmittel wie Ibuprofen 400 verwenden.

Bitte verzichte auf Medikamente, welche ASS enthalten (z.B. Aspirin), da diese gerinnungshemmend wirken und somit zu Nachblutungen führen können. Wurde Dir ein Antibiotikum verordnet, solltest Du dieses einnehmen, auch wenn Du keinerlei Beschwerden hast. In den ersten drei Tagen musst Du außerdem auf Alkohol und Nikotin verzichten, da die Stoffe die Wundheilung beeinträchtigen und zu Komplikationen führen können. Mit dem Essen solltest Du warten, bis die Betäubung nachgelassen hat, Trinken darfst Du aber sofort.

Achte darauf, dass Getränke oder Speisen über die gesunde Wangenseite fließt. Körperliche Anstrengung oder starke Hitze können zu Nachblutungen führen. Warte deswegen mit Sport, Gartenarbeit, Sonnenbaden und Sauna mindestens drei bis sieben Tage. Hast Du nach der Operation mit Schnupfen zu kämpfen, versuche die Nase nicht zu schnäuzen, sondern lediglich abzutupfen. Ansonsten übst Du zu viel Druck auf die Wunde aus, wodurch die Nähte reißen und der Knochenaufbau in unerwünschter Weise verlagert werden könnte. Aus demselben Grund solltest Du versuchen, nicht zu niesen bzw. dabei den Mund zu öffnen.

Wie lange dauert die Heilung?

Die Einheildauer beim Knochenaufbau hängt davon ab, ob bei Dir ein einzeitiges oder ein zweizeitiges Verfahren gewählt wurde. Beim einzeitigen Verfahren setzt der Arzt die Implantate direkt nach dem Einbringen des Knochenmaterials. Die darauffolgende Heilung dauert etwa zwei bis drei Monate. Bedenke aber, dass dieses Verfahren nur möglich ist, wenn bei Dir nicht viel an Knochensubstanz aufgebaut werden muss. Ist es also bei Dir nicht möglich beide Schritte an einem Termin zu erledigen, kommt ein zweizeitiges Verfahren zum Einsatz. Dabei baut der Arzt zunächst den Knochen auf und setzt das Implantat erst nach etwa sechs oder neun Monaten Einheilzeit.

Knochenaufbau

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Der Knochenaufbau für Implantate birgt nur wenige Risiken, die auch nur selten auftreten, da es sich um ein sehr sicheres und erprobtes Verfahren handelt. Ein geringes Risiko für Komplikationen besteht allerdings bei allen Eingriffen in den menschlichen Organismus. Dazu gehört das Auftreten von postoperativen Entzündungen, Infektionen oder Wundheilungsstörungen. Es kann passieren, dass das Knochenersatzmaterial nicht richtig mit dem natürlichen, noch vorhandenen Knochen im Kiefer verwächst und im Extremfall wieder entfernt werden muss. Während der Behandlung kann es zu einer Verletzung der Membran kommen, die die Kieferhöhle von der Nasenhöhle trennt. In diesem Fall verspüren Patienten ein vorübergehendes Taubheitsgefühl, welches allerdings von selbst wieder verschwindet.

Kann ich den Knochenaufbau vorbeugen?

Der Knochenabbau ist eigentlich mehr ein Symptom als eine eigenständige Erkrankung. Daher kannst Du den dem Knochenabbau zugrunde liegenden Faktoren vorbeugen. Dazu zählen Karies, Parodontitis und auch andere Zahnerkrankungen. Die Vorsorge beginnt schon beim Zähneputzen. Hierbei empfehlen Zahnärzte, die Zähne nach dem Essen zu putzen, allerdings nach dem Verzehr von säurehaltigen Speisen eine halbe Stunde zu warten. Auch die richtige Technik ist entscheidend: Mittels Rüttel- oder Vibrationstechnik gelangen die Spitzen der Borsten in die Zahnzwischenräume und beseitigen Essensreste und Ablagerungen optimal.

Achte darauf, stets vom Zahnfleisch zu den Zähnen (von „rot nach weiß“) zu putzen. Viele Menschen denken, je fester sie drücken, desto effektiver sei die Zahnreinigung. Dies ist schlichtweg falsch: Durch zu hohen Druck reibst Du auf Dauer die dünne Schmelzschicht auf Deinen Zähnen ab und der Schutz vor Karies geht verloren. Achte des Weiteren darauf, auch die hinteren Zähne (Backenzähne) zu putzen! Der Zahnbelag sollte nicht nur von den Zahnflächen, sondern insbesondere vom Zahnfleischrand entfernt werden. Passiert das nicht, besteht die Gefahr einer Zahnfleischentzündung, welche wiederum Zahnverlust begünstigt. Achte bei der Wahl der Zahnbürste auf einen gummierten Griff für einen sicheren Halt. Naturborsten eignen sich nicht für die tägliche Zahnreinigung, da sich hier Bakterien ansammeln und vermehren. Abhängig von der Empfindlichkeit Deines Zahnfleisches und davon, ob Du freiliegende Zahnhälse hast, eignen sich Bürsten mit unterschiedlichem Härtegrad.

Knochenaufbau

Für viele Menschen eignet sich eine elektrische Zahnbürste besser für die optimale Zahnreinigung. Egal ob mechanisch oder elektrisch, Du solltest Deine Zahnbürste (oder den Bürstenkopf) alle drei Monate auswechseln. Auch die Wahl der Zahnpasta kann Auswirkungen haben: verwende wenn möglich eine Zahnpasta mit Fluoriden, da diese eine Anreicherung von Mineralien auf der Zahnoberfläche bewirken und kariesauslösende Bakterien bekämpfen. Du solltest ein bis zwei Mal im Jahr zur Kontrolle zum Zahnarzt gehen, sowie in regelmäßigen Abständen eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Nein, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für einen Knochenaufbau nicht. Die entstehenden Kosten sind abhängig von verschiedenen Faktoren, dazu kommt das Operationshonorar Deines Arztes. Besprich dies am besten direkt mit Deinem Arzt, um die anfallenden Kosten bestmöglich abschätzen zu können. Falls Du privat versichert bist, sollte Deine Kasse zumindest einen Teil der Kosten erstatten, wie viel genau hängt von Deinem gewählten Tarif ab, als Richtlinie gelten 50 bis 80 Prozent.


Dauer Dauer

30-90 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

1-2 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Top Ärzte auf diesem Fachgebiet

Zahnmedizin
Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Alexander Kübler

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Alexander Kübler

Facharzt für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie

Pleicherwall 2 , Würzburg

Das Wichtigste zusammengefasst

Ist der Kieferknochen soweit zurückgebildet, dass keine Implantate eingesetzt werden können, kann ein Knochenaufbau Abhilfe schaffen


Es gibt verschiedene Materialien zum Knochenaufbau, dazu zählt der eigene Knochen, synthetische Materialien oder auch tierische Knochen


Es gibt keine nicht-operativen Behandlungen, die ausreichende Versorgung mit Mineralien, Spurenelementen und Vitamin D sowie regelmäßige sportliche Betätigung kann aber starken Verfall aufhalten


Vorbeugen kannst Du am besten durch regelmäßige Zahnhygiene

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

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