Kieferschmerzen

Immer öfter berichten Patienten von Schmerzen in den Kiefergelenken, Kopfschmerzen oder Nackenschmerzen. Kieferschmerzen treten häufig als pochender und unangenehmer Schmerz auf. Die Beschwerden können plötzlich auftreten oder langsam beginnen und sich mit der Zeit verschlimmern. Einige Menschen, die unter Kieferschmerzen leiden, nehmen langfristig Schmerzmittel ein, wodurch dann ein Gewöhnungseffekt entstehen kann und Betroffene immer höhere Dosen benötigen, um die Kieferschmerzen zu lindern. Je nach der zugrunde liegenden Ursache unterscheiden sich auch die Symptome der Kieferschmerzen. Die Ursache der Symptome zu finden und zu beheben, ist allerdings oft nicht einmal so einfach.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Oktober, 2020



Was versteht die Medizin unter Kieferschmerzen?

Der Begriff der Kieferschmerzen bezeichnet die Medizin alle Beschwerden, die den Kauapparat betreffen, welcher sich aus den Kiefergelenken, den Zähnen, dem Kieferknochen und der Kaumuskulatur zusammensetzt. Schmerzen im Kiefer können für die Betroffenen sehr unangenehm sein und viele verschiedene Gründe haben.
 
Unter den Begriff Kieferschmerzen fallen alle Beschwerden, welche mit dem kausystem zu tun haben

Wie ist unser Kiefer aufgebaut?

Unser Kiefer gliedert sich grob gesagt in zwei Teile, den starren Oberkiefer und den beweglichen Unterkiefer. Der Oberkieferknochen ist ein Teil des Gesichtsschädels und gestaltet von der Nasenhöhle die Seitenwand und den Boden, wie auch einen Teil des Gaumens. Auch die Kieferhöhle gehört zum Oberkieferknochen. Erwachsene haben normalerweise 32 Zähne, die in den Zahnfächern, den sogenannten Alveolen verankert sind.
 
Der sogenannte Alveolarfortsatz ist der Träger der Zahnfächer und ist meist bogenförmig – je nach Zahnbestand. Je nach individuellen Gegebenheiten kann diese Form allerdings auch variieren. Der Alveolarfortsatz kann sich zum Beispiel durch Zahnverlust zurückbilden oder aber Träger eines Implantates sein, sofern der Arzt schnell genug handelt.
 
Der Knochen ist nach dem Prinzip der Leichtbauweise aufgebaut, was bedeutet, dass er sich durch ein geringes Gewicht und gleichzeitig hohe Stabilität auszeichnet. Die äußere Schicht des Knochens ist stabil, im Inneren ist er aber eher schwammartig aufgebaut. Der Unterkiefer ist im Gegensatz zum Oberkiefer beweglich und ist über die Kiefergelenke mit dem Schädel verbunden. Die Struktur des Unterkiefers ist verglichen mit der des Oberkiefers dichter. Auf beiden Seiten des Unterkiefers verläuft ein Kanal, in welchem sich Blutgefäße und Nerven befinden, die die Zähne und die Unterlippe versorgen.

Was sind die verschiedenen Symptome von Kieferschmerzen?

Kieferschmerzen können sich durch eine Reihe verschiedener Symptome äußern. Dazu gehört das Reiben, Knirschen oder Knacken der Kiefergelenke bei Bewegung, welches einseitig oder beidseitig auftreten kann. Auch das Ausrenken des Unterkiefers oder eine eingeschränkte Mundöffnung kann ein Symptom von Kieferschmerzen sein. Wenn Deine Kaumuskeln schmerzen, die Kaumuskulatur verdickt ist oder Du unter Kopfschmerzen leidest, kann das ebenfalls auf Probleme mit dem Kiefer hinweisen.
 
Weitere Symptome können Verspannungen und Schmerzen im Nacken, der Schultern oder im Rücken sowie eine verminderte Lebensqualität bis hin zu depressiven Verstimmungen sein. Auch Zähneknirschen (Bruxismus), Zahnschmerzen, Störungen im Biss (Okklusionsstörungen), Ohrgeräusche bis hin zu Tinnitus oder Schlafstörungen können aus Kieferschmerzen heraus resultieren.
 
Der Besuch bei einem Arzt kann darüber Aufschluss geben, von wo die Kieferschmerzen herrühren

Welche Ursachen haben Kieferschmerzen?

In den meisten Fällen liegt die Ursache für Kieferschmerzen nicht im Bereich des Kiefers selbst. Wenn Dir zum Beispiel ein Zahn entfernt wurde, können nach der Behandlung vorübergehend Schmerzen im Kiefer auftreten, da die Schleimhäute und Knochen sich regenerieren müssen. Auch Gelenkschmerzen im Kieferbereich sind möglich, da Du den Mund bei einer Operation für lange Zeit offenhalten musst. Dauern solche Schmerzen länger als eine Woche an und kommen Symptome wie Fieber und eine allgemeine Verschlechterung Deines Zustands hinzu, handelt es sich vielleicht um eine Wundinfektion.
 
Parodontitis, eine bakterielle Entzündung des Zahnbettes, sowie andere Zahnfleischerkrankungen können ebenfalls Kieferschmerzen verursachen. Wenn Du den Schmerz im Kiefer sehr genau lokalisieren kannst, ist die Ursache sehr wahrscheinlich ein Problem an der Zahnwurzel eines bestimmten Zahnes. Zudem kann bei einer Pulpanekrose oder nach einer Wurzelbehandlung starke Kieferschmerzen auftreten. Auch durch Injektionen können vorübergehend Schmerzen im Kiefer entstehen, wenn nämlich ein Blutgefäß verletzt wurde.
 
Weitere mögliche Ursachen sind eine falsche Kieferstellung wie bei der Craniomandibulären Dysfunktion, bei Weisheitszähnen oder ein Bruxismus. Besonders Menschen, die mit den Zähnen mahlen oder knirschen sind davon betroffen, da dadurch starke Schäden am Zahn entstehen. Kieferschmerzen beim Kauen können zum Beispiel muskulär bedingt sein, andere mögliche Ursachen hierfür können die Kiefergelenke oder Aufbissschmerzen am Zahn sein.
 
Entzündungen im Ohr- und Nasennebenhöhlenbereich, Herzerkrankungen, Zysten, Karies oder Abszesse können ebenfalls Kieferschmerzen verursachen. Auch Stress kann als psychologische Komponente die Entstehung vielerlei körperlicher Symptome, unter anderem Kieferschmerzen durch unbewusste muskuläre Verspannungen, auslösen.
 
Ob auch die Ernährung Kieferschmerzen verursachen kann, ist abhängig davon, was Du zu Dir nimmst. Speisen, die schwer zu kauen sind oder häufig gekaut werden müssen, können die Kiefermuskulatur überlasten und reizen, sodass es zu Kieferschmerzen kommen kann.
 
Bei einer Ernährung mit übermäßig schwer zu kauenden Lebensmitteln, kann es zu Kieferschmerzen kommen

Auf welche Erkrankungen können Kieferschmerzen hinweisen?

Kieferschmerzen können außerdem ein Hinweis auf andere Erkrankungen sein. Osteomyelitis zum Beispiel ist eine Infektion, die sich über das Blut ausbreitet und die Knochen sowie das umgebende Gewebe schädigt. Tritt die Erkrankung im Kiefer auf, ist das Kiefergelenk bzw. das craniomandibuläre Gelenk betroffen, was zu Schmerzen, Fieber und einer Schwellung im Gesicht führt.
 
Die Osteomyelitis ist jedoch gut durch die Gabe von Antibiotika oder einen chirurgischen Eingriff behandelbar. Eine weitere mögliche Erkrankung, die die Ursache von Kieferschmerzen sein kann, ist die Craniomandibuläre Dysfunktion, auch CMD genannt. Dabei entstehen Schmerzen, ein Knacken beim Kauen oder Öffnen des Mundes. In schweren Fällen kann der Kiefer sogar dauerhaft in einer Position blockiert bleiben.
 
Auch Zahnerkrankungen wie fortgeschrittene Karies oder Parodontitis können sich durch Kieferschmerzen bemerkbar machen.
 
Aber nicht nur Erkrankungen, die die Zähne oder den Kiefer betreffen, können Kieferschmerzen auslösen, auch ein Herzinfarkt beispielsweise kann – besonders bei Frauen mittleren Alters – mit Kieferschmerzen (oft linksseitig) einhergehen. Genauso können Kieferschmerzen auch ein Symptom für Erkrankungen des Ohr- und Nasennebenhöhlenbereichs sein.

Wann sollte ich mit Kieferschmerzen zum Arzt gehen?

Du solltest einen Arzt aufsuchen, wenn Du unter empfindlichen oder schmerzenden Zähnen leidest, wenn Du Einschränkungen bei der Bewegung des Unterkiefers hast, zum Beispiel beim Öffnen des Mundes, wenn Du Schwellungen im Bereich des Kiefers hast, wenn Du Schmerzen in den Kiefergelenken oder im Bereich der Gesichts- und Kaumuskulatur hast, wenn Du unter Verspannungen und Schmerzen im Kopf-, Schulter-, Nacken- oder Rückenbereich leidest, wenn Du Schmerzen in den Ohren oder Ohrgeräusche hast und der HNO-Arzt keine zugrunde liegende Ursache identifizieren kann. Außerdem solltest Du natürlich immer zum Arzt gehen, wenn Du starke Schmerzen hast und darunter leidest.
 
Die Behandlungsmöglichkeiten bei Kiferschmerzen sind unterschiedlich, da die eigentliche Urtsache der ausschlaggebende Faktor ist

Wie diagnostiziert der Arzt die Ursache von Kieferschmerzen?

Nach dem Anamnesegespräch, in welchem der Arzt Deine Krankengeschichte erhebt und Du ihm Deine Symptome schilderst, folgt die klinische Funktionsdiagnostik. Dabei tastet der Arzt Deinen Kopf ab und übt Druck auf die Muskulatur aus. Ist sie verhärtet, spürst Du dabei Schmerzen. Außerdem tastet er Dein Kiefergelenk ab und überprüft Deine Kopf- und Kieferstellung. Wenn der Arzt vermutet, dass eine CMD die Ursache Deiner Beschwerden sein könnte, führt er eine instrumentelle Funktionsdiagnostik durch.
 
Mithilfe der speziellen Messgeräte kann er so auch kleinste Unterkieferbewegungen registrieren. Nachdem Dich Dein Arzt auf mögliche Zahnschäden und Fehlstellungen untersucht hat, sieht er sich Füllungen, Brücken oder Kronen genau an, da auch sie Kieferschmerzen verursachen können, sofern sie nicht genau angepasst sind. Im Anschluss daran folgt eine Röntgenuntersuchung, durch welche der Arzt die Knochenstruktur erkennt und Entzündungen feststellen oder ausschließen kann. Bei Bedarf überweist Dich Dein Zahnarzt an einen Kieferorthopäden oder einen HNO-Arzt.

Wie behandelt der Arzt Kieferschmerzen?

Da es viele verschiedene Ursachen für Kieferschmerzen gibt, gibt es auch unterschiedliche Ansätze und Methoden, um Kieferschmerzen zu behandeln. Ist ein grippaler Infekt die Ursache Deiner Beschwerden, können schon einfache Hausmittel wie zum Beispiel Inhalationen mit Salbei oder Thymian Abhilfe schaffen. Kommt es zu einer bakteriellen Superinfektion, verschreibt Dir Dein Arzt Antibiotika.
 
Bei einer Craniomandibulären Dysfunktion kann Dir Dein Arzt eine individuell angepasste Aufbissschiene aus Kunststoff verschreiben. Die Schiene vermindert einerseits das Zähneknirschen oder Aufeinanderpressen der Kaumuskeln und schützt so die Zähne vor weiterer Abnutzung, andererseits kann sie auch helfen, Verspannungen in der Kaumuskulatur zu lösen und dadurch Deine Schmerzen zu lindern. Abhängig von der Ausprägung der Störung solltest Du die Schiene entweder den ganzen Tag oder nur nachts tragen.
 
Leidest Du unter akuten Schmerzen, kann Dir Dein Arzt auch Medikamente zur Linderung verschreiben. Allerdings beseitigen sie nicht die Ursache, sondern nur die Symptome und sind daher nicht für den langfristigen Gebrauch gedacht.
 
Falls die Beschwerden aus übermäßigem Stress heraus resultieren, können verschiedenste Entspannungsmethoden helfen, Dir mehr innere Ruhe und Ausgeglichenheit zu verschaffen. Besonders geeignet ist hierfür die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, das Autogene Training, Tai Chi oder Yoga. Gleichzeitig ist in manchen Fällen auch eine Psychotherapie sinnvoll. Störungen der Kaumuskulatur und/ oder des Kiefergelenks können mithilfe von physiotherapeutischen Methoden behoben werden. Du kannst durch physiotherapeutische Übungen außerdem Übungen für eine verbesserte Mundöffnung erlernen.
 
Mit der Behebung der Ursache, vergehen die Keiferschmerzen in der Regel wieder vollkommen
 
Physikalische Maßnahmen wie zum Beispiel Wärmekompressen, Kälteanwendungen, Rotlicht sowie Akupunktur, Osteopathie und die Craniosacral-Therapie sind ebenfalls bei der Behandlung von Kieferschmerzen möglich.
 
Werden die Kieferschmerzen durch kaputte Zähne verursacht, musst Du diese behandeln lassen, um auch die Kieferschmerzen loszuwerden. Dein Zahnarzt setzt entweder Füllungen, Kronen oder einen Zahnersatz ein, um die Problematik zu beheben. In besonders schweren Fällen kommt auch eine Operation an der Wurzel oder eine Zahnentfernung infrage.

Was kann ich selbst gegen Kieferschmerzen tun?

Auch Du selbst kannst Deine Beschwerden schon durch kleine Veränderungen oder Übungen im Alltag verbessern. Zum Beispiel kann eine lokale Wärmeanwendung helfen, die Muskulatur zu lockern und dadurch Schmerzen zu lindern. Außerdem solltest Du Deinen Kaumuskeln und den Kiefern eine Pause gönnen. Steige dazu eine Zeit lang auf weiche, passierte Kost um. Auch dauerhafte Kaubelastungen wie zum Beispiel das Kauen von Kaugummi solltest Du lieber vermeiden, da sie die Schmerzen noch verstärken können.
 
Kleine Übungen im Alltag können verhindern, dass Du unbewusst Deine Kiefer zusammenpresst und so Schmerzen entstehen. Dein Physiotherapeut oder Dein Zahnarzt kann Dir dazu einfache Lockerungsübungen zeigen. Generell lockert regelmäßige Bewegung verspannte Muskeln. Durch körperliche Bewegung kannst Du also Deine Kiefer, Deine Kiefergelenke und auch Deine Zähne entlasten. Auch eine Massage des Kiefers kann Dir Linderung verschaffen. Versuche, Deinen Alltag zu entschleunigen, um Stress und Schmerzen zu vermeiden.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Behandlung?

Für die Diagnose und eine ärztlich indizierte Behandlung einer Erkrankung kommen die Krankenkassen in aller Regel auf. Lediglich die Diagnostik mithilfe eines Gelenksimulators (Artikulators) wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Falls Du Fragen zur Kostenübernahme bestimmter Untersuchungen oder Therapien hast, frage am besten direkt bei Deinem Versicherungsträger nach. Unsere Spezialisten stehen Dir ebenfalls gerne bei allen Fragen zur Seite.


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Das Wichtigste zusammengefasst

Als Kieferschmerzen werden alle Beschwerden bezeichnet, die den Kauapparat betreffen. Sie können sehr unangenehm sein und verschiedene Ursachen haben


Symptome sind Reiben, Knirschen oder Knacken der Kiefergelenke bei Bewegung, Ausrenken des Unterkiefers oder eingeschränkte Mundöffnung, schmerzende oder verdickte Kaumuskulatur, Verspannungen und Schmerzen im Nacken, der Schultern oder im Rücken, verminderte Lebensqualität bis zu depressiver Verstimmung, Kopf- und Zahnschmerzen, Ohrgeräusche und Schlafstörungen


Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und kann von kleinen Alltagsübungen bis hin zu einer Operation reichen


Oft haben sich Hausmittel und physiotherapeutische Methoden bei der Linderung von Kieferschmerzen bewährt, in manchen Fällen sollte auch ein Psychotherapeut herangezogen werden

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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