Fehlbiss

Als Zahnfehlstellung wird jede Stellung eines Zahnes bezeichnet, die außerhalb der idealen Zahnbogenform liegt. Dabei können entweder einzelne Zähne oder der gesamte Kiefer- und Kauapparat betroffen sein. Welche Folgen das für Dich und Deine Gesundheit haben kann und wie die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten aussehen, erfährst Du hier bei uns.


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Zuletzt aktualisiert: 3. Februar, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Fehlbiss?

Ein Fehlbiss wird in der medizinischen Fachsprache auch Dysgnathie genannt.
Als Zahnfehlstellung wird jede Stellung des einzelnen Zahnes bezeichnet, die von der normalen Zahnbogenform abweicht. Die Fehlstellung kann sowohl durch Vererbung als auch durch erworbene Ursachen entstehen. Neben Beschwerden im Bereich der Kiefergelenke und Kaumuskulatur kann es zudem, aufgrund der ästhetischen Erscheinung, zu einem Leidensdruck kommen.

Fehlbiss

Wie sehen die Symptome bei einer Dysgnathie aus?

Bei einer Dysgnathie treten vermehrt Kopfschmerzen und starke Migräne auf, wobei es in diesem Zusammenhang auch zu Verspannungen in der Gesichtsmuskulatur kommen kann. Zusätzlich kommt es bei vielen Betroffenen zu juckenden oder schmerzenden Ohren. Eine hohe Lichtempfindlichkeit und Schwindelattacken können ebenso Begleitsymptome bei einem Fehlbiss sein.

Welche Ursachen hat ein Fehlbiss?

Die Ursache für einen Fehlbiss kann erblich bedingt sein oder in Verbindung mit einer angeborenen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte entstehen. Zusätzlich können hormonelle Störungen eine Zahnfehlstellung verursachen. Erworbene Zahnfehlstellungen entstehen vor allem bei Kindern durch Gewohnheiten wie Daumenlutschen oder eine verstärkte Nutzung eines Schnullers. In einigen Fällen sind auch starke Infektionskrankheiten und ein chronischer Vitaminmangel die Ursache für die Entstehung eines Fehlbisses.

Wie diagnostiziert der Arzt einen Fehlbiss?

Die Behandlung von Zahnfehlstellungen wird von Zahnärzten und Kieferorthopäden durchgeführt. Eine stark ausgeprägte Zahnfehlstellung kann meist nicht allein mithilfe von kieferorthopädischen Spangen behandelt werden. Hierbei muss die Therapie durch den Kieferchirurgen erfolgen, wobei die Abschnitte des Kiefers operativ angepasst werden.

Fehlbisse erkennt der Zahnarzt vor allem durch eine verspannte Kau- und Gesichtsmuskulatur. Zusätzlich liegt in vielen Fällen eine reduzierte Zahnanzahl vor, die zu einer fehlerhaften Zahnstellung führt.

Welche Arten von Fehlbissen lassen sich unterscheiden?

Ärzte unterscheiden zwischen verschiedenen Varianten von Zahnfehlstellungen, wie zum Beispiel:

Unterbiss

Hierbei ragt der Unterkiefer über den Oberkiefer hinaus, da dieser länger ist. Folge: Erhebliche Probleme beim Essen

Fehlbiss

Kreuzbiss

Front- und Seitenzähne der beiden Kieferhälften treffen nicht richtig aufeinander. Zudem kann es sein, dass die Frontzähne des Oberkiefers hinter den Frontzähnen des Unterkiefers liegen, wenn der Biss geschlossen ist

Offener Biss

Hier treffen die Frontzähne beim Beißen nicht aufeinander

Tiefer Biss

Von einem tiefen Biss spricht die Medizin, wenn die Frontzähne des Oberkiefers die Frontzähne des Unterkiefers zu stark überdecken. Eine Überlappung ist durchaus normal, allerdings sollte diese einen gewissen Grad nicht übersteigen

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Grundsätzlich kann jeder von einem Fehlbiss betroffen sein, wobei vor allem Frauen im gebärfähigen Alter etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Kinder hingegen sind nur selten betroffen, wobei die Erkrankungshäufigkeit bis zur Pubertät steigt.

Welche Folgen hat der Fehlbiss für die Patienten?

Patienten mit einer stark ausgeprägten Fehlstellung des Kiefers leiden oft unter einer Beeinträchtigung der Kaufunktion. In diesem Zusammenhang kann es daher auch zu Sprachstörungen kommen. Bei unbehandelten Fehlbisslagen kommt es häufig zu einem vorzeitigen Verschleiß der Kiefergelenke. Neben diesen funktionellen Problemen kann auch ein psychischer Leidensdruck entstehen.

Welche nicht-operativen Behandlungsmethoden gibt es?

Bei einer leicht ausgeprägten Fehlstellung, bei der nur einzelne Zähne betroffen sind, ist eine rein kieferorthopädische Behandlungsmaßnahme ausreichend. Hierbei werden je nach Ausmaß des Fehlbisses entweder festsitzende oder abnehmbare Zahnspangen eingesetzt, die meist über mehrere Jahre getragen werden.

Fehlbiss

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Fehlbisse mit knöcherner Ursache hingegen können nicht rein kieferorthopädisch behandelt werden. Aus diesem Grund besteht die Behandlung in diesen Fällen aus einer kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgischen Behandlung.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Vor der Operation findet eine gründliche klinische Untersuchung statt, bei der Dir der Arzt im Anschluss die möglichen Behandlungskonzepte mit den einzelnen Schritten vorstellt. Falls Du gewisse Medikamente, wie beispielsweise blutverdünnende Arzneimittel, vor der Operation absetzen musst, wird Dir der Arzt rechtzeitig Bescheid geben. Das gilt ebenfalls, falls Du Schlafmittel einnehmen solltest. Etwa 14 Tage vor der Behandlung sind diese abzusetzen, allerdings kannst Du mit Deinem Arzt Rücksprache halten, denn dieser kann Dir eventuell Ersatzmedikamente verschreiben. Du darfst bis zu sechs Stunden vor der Operation noch Nahrung zu Dir nehmen, wir raten dazu, keine allzu fettigen und reichhaltigen Speisen zu essen. Bis zu zwei Stunden vor der Behandlung darfst Du noch Wasser, Tee, Kaffee oder Säfte ohne Fruchtfleisch trinken.

Wie verläuft die Operation bei einem Fehlbiss?

Bei einer kombiniert kieferorthopädisch – kieferchirurgischen Behandlung erfolgt der Eingriff in zwei Phasen.

1. Vorbehandlung (kieferorthopädisch)
Als Vorbereitung für die operative Phase beginnt der Arzt mit der kieferorthopädischen Vorbehandlung. Das heißt, der Arzt versucht die Zähne mittels festsitzender Spange in eine Normalstellung zu bringen. Je nach Ausgangslage dauert dieser Behandlungsschritt ca. ein halbes bis ein Jahr. Im weiteren Verlauf wird der Operationstermin festgelegt und die weiteren Schritte besprochen.

2. Operative Phase
Zur Operation wirst Du stationär in einem Spital aufgenommen. Der chirurgische Eingriff erfolgt in Vollnarkose und hinterlässt äußerlich keine Narben, denn die Schnitte werden ausschließlich innerhalb der Mundhöhle durchgeführt. Bei dem Eingriff werden je nach betroffenem Kiefer, entweder Ober- und/oder Unterkiefer verlagert. Das heißt, der Chirurg trennt den Kiefer an bestimmten Stellen ab und fixiert ihn in einer neuen Position wieder. Dazu verwendet der Arzt kleine Titanplatten oder Schrauben, um die Zähne zu fixieren. Die Entlassung aus der Klinik erfolgt nach ca. 7-10 Tagen.

Fehlbiss

Was muss ich nach der Operation beachten?

Die Titanplättchen die bei der Operation eingesetzt werden, sind so fein, dass Du Deine Zähne in der ersten Zeit nach dem Eingriff eher schonen solltest. Das heißt, Du solltest vorwiegend flüssige Nahrung zu dir nehmen, um eine Verschiebung der Kieferanteile zu vermeiden. Die Entlassung erfolgt im Durchschnitt nach etwa einer Woche.

Nach ungefähr sechs Wochen sind die Kiefer wieder so stabil, dass Du langsam damit beginnen kannst weiche Nahrung zu Dir zu nehmen. Nach ca. sieben Wochen kann der Arzt mit der Feineinstellung der Zähne beginnen. Dazu werden die Zähne, durch eine kieferorthopädische Nachbehandlung, in eine optimale Endposition gebracht. Dabei werden wieder festsitzende oder abnehmbare Spangen für ungefähr ein Jahr eingesetzt. Die Titanplättchen entfernt der Kieferorthopäde neun Monate nach der Operation in einem kleinen operativen Eingriff.

Was kann ich nach der Operation tun, um die Heilung zu verbessern?

Um die Heilung zu beschleunigen, sollte der Kiefer für eine Zeit ruhiggestellt werden. Hierfür fixiert der Arzt für eine kurze Zeit Ober- und Unterkiefer mit kleinen Gummis aneinander.

Für eine komplikationslose Wundheilung solltest Du in den ersten zehn Tagen ausschließlich flüssige Kost zu Dir nehmen, um die Wunde zu schonen. Danach kannst Du allmählich auf weiche Nahrungsmittel umsteigen. Durch die sofortige Anwendung einer kühlenden Maske nach der Operation und eine Fortführung für ungefähr sieben bis zehn Tage werden Gesichtsschwellungen und Entzündungen reduziert. Zusätzlich solltest Du körperliche Anstrengung für zwei bis vier Wochen meiden. Außerdem kannst Du das Infektionsrisiko reduzieren, indem Du regelmäßig Zähne putzt und Mundspüllösungen verwendest.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Typische Nebenwirkungen, die meist postoperativ auftreten, sind Gesichtsschwellung und Blutergüsse. Diese Komplikationen bilden sich aber innerhalb von zehn bis vierzehn Tagen vollständig zurück. Auch Kiefergelenkbeschwerden und eine eingeschränkte Mundöffnung können auftreten. Hierbei hilft aber vor allem kontinuierliches Kühlen besonders gut.

Zu den möglichen Risiken während des Eingriffs gehören Nervenschädigungen und Fehlpositionierungen. Aufgrund der sehr genauen Diagnostik und OP-Planung treten diese Komplikationen jedoch nur in seltenen Fällen auf.

Fehlbiss

Kann ich einen Fehlbiss vorbeugen?

Speziell Zahnfehlstellungen kann man nicht immer vorbeugen, da sie in vielen Fällen erblich bedingt sind. Daher ist es besonders wichtig bei einer vorliegenden Zahnfehlstellung möglichst frühzeitig mit einer Behandlung zu beginnen.

Grundsätzlich können aber gewisse Maßnahme greifen, um der Entstehung eines erworbenen Fehlbisses entgegenzuwirken. Eine gute Zahnpflege und die regelmäßige zahnärztliche Kontrolle helfen, Zahnverlust und Schäden zu vermeiden. Bei einem Zahnverlust ist die direkte Behandlung durch einen Zahnarzt besonders wichtig. Bei einer vorliegenden abnehmbaren Zahnspange solltest Du sie konsequent tragen. Zusätzlich sollten Eltern schädigender Gewohnheiten bei Kleinkindern, wie Daumenlutschen, entgegenwirken.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Grundsätzlich übernehmen die Krankenkassen die Kosten für den Kieferchirurgen.
Zahnspangen werden bis zum 18. Lebensjahr von der Krankenkasse bei einem IOTN von 4 oder 5 übernommen.


Dauer Dauer

60-180 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 2 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

7-10 Tage

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Das Wichtigste zusammengefasst

Als Zahnfehlstellung wird jede Stellung eines Zahnes bezeichnet, die außerhalb der idealen Zahnbogenform liegt


Ein Fehlbiss kann sowohl durch Vererbung als auch durch erworbene Ursachen entstehen


Patienten mit einer stark ausgeprägten Fehlstellung des Kiefers leiden oft unter einer Beeinträchtigung der Kaufunktion


Bei einer leicht ausgeprägten Fehlstellung, bei der nur einzelne Zähne betroffen sind, ist eine rein kieferorthopädische Behandlungsmaßnahme ausreichend. Bei einer stärkeren Ausprägung erfolgt die Behandlung zusätzlich durch einen operativen Eingriff

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