Zahnfleischentzündung (Gingivitis)

Du hast schon einmal nach dem Zähneputzen oder Essen harter Nahrungsmittel bemerkt, dass Dein Zahnfleisch blutet oder schmerzt? Ursache dahinter ist meist eine Zahnfleischentzündung. Keine Sorge – ein einmaliges Auftreten ist bei fast der gesamten Bevölkerung nichts Ungewöhnliches, allerdings solltest Du Dich bei wiederholten Problemen oder Veränderungen des Zahnfleisches unbedingt an Deinen Zahnarzt wenden, denn Zahnfleischentzündungen können recht unliebsame Folgen haben!


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Zuletzt aktualisiert: 28. Februar, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Zahnfleischentzündung?

Die Zahnfleischentzündung, oder in der medizinischen Terminologie auch Gingivitis genannt, ist eine Entzündung der die Zähne bedeckenden Schleimhaut. Den Verlauf betreffend unterscheidet man eine akute von einer chronischen Form. Das Zahnfleisch ist Teil des Zahnhalteapparats (Parodontium) und ist damit am Schutz und an der Verankerung der Zähne maßgeblich beteiligt.

Zahnfleischentzündung

Wie sehen die Symptome bei Zahnfleischentzündung aus?

Die Symptome der akuten Form bestehen – wie per definitionem bei einer Entzündung – vor allem aus einer Rötung, ödematösen Schwellung und Überwärmung der Schleimhaut. Das Zahnfleisch ist generell stark gereizt und sehr empfindlich, weshalb auch leicht Blutungen und Schmerzen bei Nahrungsaufnahme auftreten können. Zusätzlich können sich schlechter Atem und Mundgeruch bemerkbar machen und hinweisend für eine Zahnfleischentzündung sein.

Die nekrotisierende ulzerierende und damit schwerste Form der Gingivitis ist meist von einem fortgeschrittenen Befall seltener Bakterien, Viren oder Pilze geprägt und tritt vor allem bei Patienten mit Immundefekten, schwerer Mangelernährung, sehr schlechter Zahnhygiene oder immundefizitären Erkrankungen (beispielsweise HIV) auf. Sie ist von starken Schmerzen, Blutungen sowie abgestorbenen und stark veränderten Arealen im Zahnfleisch gekennzeichnet.

Die chronische Gingivitis verläuft meist ohne Schmerzen und zeigt generell eher abgeschwächte Symptome, weshalb sie oft von den Patienten ignoriert und übergangen wird. Dennoch liegt im Gewebe eine entzündliche Veränderung vor, die mit der Zeit auf den gesamten Zahnhalteapparat übergreifen kann, was in einer Parodontitis und Lockerung der Zähne resultiert.

Welche Ursachen gibt es für eine Zahnfleischentzündung?

Typischerweise unterscheidet der Spezialist zwischen zwei Formen:

Plaque-assoziierte Gingivitis

Grundsätzlich ist das Mikrobiom des Mundes ein sehr empfindliches System, das sowohl aus Milliarden an Bakterien als auch unzähligen Immunzellen besteht. Wird dieses System durch mangelnde Mundhygiene durcheinandergebracht, entstehen vermehrt bakterielle Ablagerungen, sogenannte Plaques, an den Zähnen und Zahnzwischenräumen, die sich festsetzen und eine Immunantwort des Körpers provozieren. Dadurch kommt es in wenigen Tagen zur ausgeprägten Entzündungsreaktion, deren akutes Stadium oftmals auch ohne Therapie von selbst abheilt und so in eine chronische Form übergeht.

Zahnfleischentzündung

Nicht-plaque-assoziierte Gingivitis

Dazu zählen sekundäre, also im Rahmen anderer Erkrankungen oder körperlicher Konditionen auftretende Zahnfleischentzündungen wie beispielsweise die Schwangerschafts-Gingivitis, hormonell induzierte Gingivitis (Höhepunkt vor allem in der Pubertät und bei Frauen während der Menstruation) sowie die Diabetes-mellitus-assoziierte-Gingivitis. Auch bestimmte Medikamente können die Entstehung einer Zahnfleischentzündung begünstigen, so beispielsweise orale Kontrazeptiva (Antibabypille) oder bestimmte Blutdruckmedikamente.

Auch unspezifische Traumen und Verletzungen des Zahnfleisches (Schnittwunden, Verbrennungen etc.) können zu einer akuten Entzündungsreaktion führen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Zahnfleischentzündung?

In der Regel ist die Gingivitis anhand einer Blickdiagnose zu erkennen. Der Zahnarzt erkennt ohne ausgefallene diagnostische Methoden die Veränderung, Rötung und Schwellung des Zahnfleisches sowie die Ablagerungen an Zähnen und Zahnzwischenräumen. Wichtig in der Diagnose ist vor allem die Beurteilung des Zahnhalteapparats, also ob die Entzündung bereits auf Zahnhaltefasern und Knochen übergegriffen hat. Dazu wird die Tiefe der Taschen rund um die Zähne gemessen sowie ein Röntgenbild des gesamten Kiefers angefertigt.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Grundsätzlich zeigen die meisten Studien, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal von einer Gingivitis, oftmals auch nur eine leichte Form, betroffen ist. Bedingt durch die Entstehungsursachen gibt es Lebensphasen, in der eine Gingivitis besonders häufig auftreten kann, so zum Beispiel die Pubertät und bei Frauen die Zeit der hormonellen Umstellung während der Menopause.

Vor allem Menschen mit mangelnder Zahnhygiene und ohne regelmäßige Zahnarztbesuche können Zahnfleischentzündungen auch schwereren Ausmaßes erleiden. Außerdem häufiger betroffen als die Normalbevölkerung sind Diabetiker, Personen mit ausgeprägter Mangelernährung und Krebspatienten.

Welche Folgen hat eine Zahnfleischentzündung für die Patienten?

Die Folgen sind der Grund, weshalb bei Schmerzen, Zahnfleischbluten oder generell bei Verdacht auf eine Zahnfleischentzündung unbedingt ein Zahnarzt aufgesucht werden sollte: Eine ausgeprägte Gingivitis ist die häufigste Ursache für eine Parodontitis, die im schlimmsten Fall zu Lockerung und Ausfall von Zähnen führen kann.

Zahnfleischentzündung

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Bevor eine Behandlung der Zahnfleischentzündung begonnen wird, muss eine Ausbreitung auf den Zahnhalteapparat, also eine Parodontitis, ausgeschlossen werden. Grundsätzlich wichtigster Therapieschritt ist eine umfassende hygienische Reinigung der Zähne und des Zahnfleisches durch den Zahnarzt (professionelle Zahnreinigung). Darüber hinaus erhalten Betroffene eine umfassende Aufklärung darüber, wie eine adäquate Zahnreinigung zu Hause erfolgen muss (gründliches Zähneputzen zweimal täglich, Verwendung von Zahnseide, eventuelle antibakterielle Mundspülungen).

In der Regel bilden sich die Symptome allein durch diese hygienischen Maßnahmen innerhalb weniger Wochen wieder zurück. Sollte dies nicht der Fall sein, kann mit antibakteriellen, antientzündlichen und schmerzstillenden Medikamenten nachgeholfen werden. Sollten bestimmte Medikamente mit der Entstehung der Gingivitis in Verbindung stehen, müssen diese in Rücksprache mit dem zuständigen Arzt abgesetzt beziehungsweise ausgewechselt werden.

Was kann ich nach der Behandlung beachten?

Die wichtigste Maßnahme ist ein unbedingtes Fortsetzen der täglichen Zahnhygiene zu Hause sowie regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt.

Kann ich Zahnfleischentzündungen vorbeugen?

Handelt es sich um eine plaque-assoziierte Gingivitis, dann ja auf jeden Fall! Die beschriebene Therapie entspricht dabei den vorbeugenden Maßnahmen. So ist ein zweimal tägliches Zähneputzen, die Verwendung von Zahnseide und gelegentliche Mundspülungen für ein gesundes Zahnfleisch und gepflegte Zähne unerlässlich!

Zahnfleischentzündung

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Da sich die Therapie und der Umfang der Zahnreinigung je nach Ausprägung der Entzündung unterscheidet, ist diese Frage nicht einheitlich zu beantworten. Grundsätzlich kommt die Krankenkasse für regelmäßige Zahnarzt Kontrollen, Röntgendiagnostik und medikamentöse Therapie auf, eine prophylaktische professionelle Mundhygiene muss aber laut Gesetzgeber selbst übernommen werden. Ob dies auch bei schon fortgeschrittenen Symptomen gilt und eher im Rahmen einer Therapie und nicht vorbeugend geschieht, muss direkt mit dem Zahnarzt geklärt werden.


Dauer Dauer

Wenige Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Gingivitis handelt es sich um eine bei großen Teilen der Bevölkerung auftretende Entzündung des Zahnfleisches. Diese Zahnfleischentzündung kann sowohl als akute als auch chronische Form auftreten und zeigt sich in der Regel in unterschiedlichen Schweregraden ausgeprägt. Große Gefahr der Gingivitis ist eine anhaltende entzündliche Reaktion, die tief ins Gewebe vordringt und auf den Zahnhalteapparat (Parodontium) übergreift. Resultat kann eine Parodontitis sein, die zu einem Stabilitätsverlust der betreffenden Zähne führt


Als Ursache der Zahnfleischentzündung wird eine bakterielle Ansiedlung und Plaquebildung an Zähnen und Zahnzwischenräumen angenommen, welche wiederum auf mehrere ineinandergreifende Faktoren zurückzuführen ist. Meist handelt es sich dabei um ein Zusammenspiel aus unzureichendem Putzverhalten, mangelnder Mundhygiene und immunologischen Komponenten


Symptome der Zahnfleischentzündung sind Schwellung der Schleimhaut, Rötungen, Überwärmung, Schmerzen beim Kauen fester Nahrungsmittel oder bei mechanischen Reizen sowie Zahnfleischblutungen. Außerdem kann es zu ausgeprägtem Mundgeruch als Folge der bakteriellen Infektion kommen


Wichtigste therapeutische Maßnahme ist eine zahnärztliche professionelle Zahnreinigung, bei der die Plaque von Zähnen und aus den Zwischenräumen entfernt wird. Darüber hinaus sollte auch zu Hause eine tägliche Zahnpflege vorgenommen werden. Bei unzureichender Wirksamkeit kann mit antibakteriellen, antientzündlichen und schmerzstillenden Medikamenten nachgeholfen werden

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