Wurzelspitzenresektion

Eine Wurzelspitzenresektion oder kurz WSR hat die Erhaltung eines erkrankten Zahnes zum Ziel und wird dann eingesetzt, wenn andere Verfahren, wie eine Wurzelbehandlung, keine Erfolge mehr bringen. Die Wurzelspitze wird dabei chirurgisch abgetragen und das bakterielle und entzündete Gewebe rundum beseitigt. Der Vorteil einer WSR besteht darin, dass der Wurzelkanal nach dem Eingriff bakteriendicht versiegelt werden kann und es daher in den meisten Fällen zu keinen Entzündungen mehr kommt.


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Zuletzt aktualisiert: 3. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Wurzelspitzenresektion?

Mediziner bezeichnen die chirurgische Entfernung einer oder mehrerer Wurzelspitzen eines Zahns als Wurzelspitzenresektion. Wenn die Wurzelspitze eines Zahns entzündet ist und eine vorhergegangene Wurzelbehandlung keinen Erfolg gezeigt hat, wendet der Arzt häufig dieses Verfahren an. Eine Infektion an der Wurzelspitze wird im Fachjargon auch chronisch apikale Parodontitis genannt.
 
Diese Behandlungsmethode hat sich vor allem bei einem hartnäckigen und andauernden Verlauf, bei dem die Entzündung des Knochens an der Wurzelspitze und die Beschwerden trotz Behandlung weiter bestehen, zu einem standardmäßigen Operationsverfahren entwickelt. Dennoch sollte eine Wurzelspitzenresektion als letzte zahnerhaltende Maßnahme durchgeführt werden, da sie, wie jeder operative Eingriff, einige Risiken birgt.

Mediziner bezeichnen die chirurgische Entfernung einer oder mehrerer Wurzelspitzen eines Zahns als Wurzelspitzenresektion

 Wann kommt eine Wurzelspitzenresektion zum Einsatz und was ist das Ziel?

Eine Wurzelspitzenresektion kommt dann zum Einsatz, wenn eine Entzündung an der Wurzelspitze eines Zahns besteht. Diese Infektion wird durch Bakterien ausgelöst, welche über, beispielsweise durch Karies, geschädigte Stellen im Zahnschmelz in das Zahnmark und dann weiter über den Zahnnerv sowie dessen Blutgefäße bis in die Zahnwurzel gelangen. Die Blutgefäße schwellen an und drücken auf den Zahnnerv, was heftige Schmerzen verursacht. Bleibt diese Entzündung unbehandelt, können sich die Bakterien auf Knochen und Weichteile des Gesichts ausbreiten oder im schlimmsten Fall sogar über das Blut in den gesamten Körper wandern und dort Erkrankungen auslösen.
 
Um dies zu verhindern, wird der Zahnarzt zuerst eine Wurzelbehandlung vornehmen, doch bleibt diese erfolglos, hilft oft nur noch eine Wurzelspitzenresektion, um den Zahn zu erhalten. Auch wählt der Spezialist diese Methode, wenn die Zahnwurzel stark gekrümmt oder der Wurzelkanal verschlossen ist sowie bei abgebrochenen Zahnwurzeln oder nicht entfernbaren, abgebrochenen Wurzelkanalinstrumenten. Zudem bietet eine Wurzelspitzenresektion die einzige Alternative, wenn eine Entzündung trotz einer Wurzelbehandlung nicht abheilt oder der Verdacht auf eine Zyste besteht.
 
Wurden entzündete Zähne früher immer sofort gezogen, ist das Ziel der Wurzelspitzenresektion die Erhaltung des Zahns. Vor allem im Bereich der Front- und Seitenzähne führt diese Option zu einer Erleichterung bei Patienten, da ein Verlust des Zahns ästhetische Auswirkungen hat. Voraussetzung für die Durchführung dieses Eingriffs ist immer, dass der Zahn auch erhaltungswürdig ist.

Was ist der Unterschied zwischen einer Wurzelbehandlung und einer Wurzelspitzenresektion?

Die Wurzelspitzenresektion ist ein größerer Eingriff als die Wurzelbehandlung, wobei beide Anwendungen oft ineinander überfließen und parallel durchgeführt werden. Bei einer Wurzelbehandlung werden die entzündeten Wurzelkanäle von innen her behandelt, bei einer Wurzelspitzenresektion muss das Zahnfleisch von außen bis zur Wurzelspitze geöffnet werden. Nach der Behandlung wird der Wurzelkanal mit einer Wurzelfüllung bakteriendicht verschlossen.

Was muss ich vor einer Wurzelspitzenresektion beachten?

Wenn Du eine örtliche Betäubung bekommst, kannst Du vor dem Termin wie gewohnt essen und trinken. Es ist für den Arzt wichtig, dass er über alle Medikamente informiert wird, die Du momentan einnimmst, beziehungsweise in der jüngeren Vergangenheit eingenommen hast. Auf Schmerzmittel, die Acetylsalicylsäure beinhalten – wie Aspirin – solltest Du mindestens sieben Tage vor dem Eingriff verzichten.
 
Bei Medikamenten, die Du regelmäßig einnehmen musst, wie in etwa blutverdünnende Mittel aufgrund von Herzerkrankungen, solltest Du mit dem Hausarzt und dem behandelnden Zahnarzt Rücksprache halten und diese keinesfalls einfach alleine absetzen. Falls Du Antibiotika nehmen musst, erkundige Dich bitte bei Deinem Arzt, wie diese vor der Operation zu nehmen sind, um keine Infektion zu provozieren.

Eine Wurzelspitzenresektion kommt dann zum Einsatz, wenn eine Entzündung an der Wurzelspitze eines Zahns besteht

Wie verläuft eine Wurzelspitzenresektion?

Die ganze Behandlung dauert in etwa eine halbe Stunde, erfordert einige Vorbereitungen und wird in mehreren Schritten durchgeführt:
 
Lokalisierung der Entzündung
 
Zuerst schaut der Arzt mittels eines Röntgenbildes des Gebisses, ob eine Entzündung im Bereich der Wurzelspitze vorliegt und ob er diese nicht mit einer regulären Wurzelkanalbehandlung therapieren kann. Falls dies nicht der Fall ist, wird der Spezialist eine Wurzelspitzenresektion unter örtlicher Betäubung machen. Nur in seltenen Fällen ist eine Vollnarkose notwendig.
 
Durchtrennung der Knochenhaut und des Zahnfleischs
 
Die Zahnwurzel wird bei diesem Verfahren von außen durch den Kieferknochen zugänglich gemacht. Dabei wird das Zahnfleisch und die darunterliegende Knochenhaut durchtrennt und das Gewebe darunter umgeklappt.
 
Kürzung der Wurzelspitze
 
Nachdem der Knochen mit einer speziellen Fräse unter ständiger Kühlung im Bereich der Wurzelspitze entfernt wurde, fräst der Zahnarzt diese um etwa zwei bis drei Millimeter ab und entfernt auch die Wurzelkanalausläufer. Eine stärkere Kürzung der Wurzel muss dann vorgenommen werden, wenn sie sehr gekrümmt oder in einer früheren Wurzelbehandlung ein abgebrochenes hauchfeines Instrument im Wurzelkanal verblieben ist. Danach wird das entzündete Gewebe rundum entfernt.
 
Verschließung des Wurzelkanals
 
Von der Zahnkrone aus desinfiziert, trocknet und verschließt der Zahnarzt den Wurzelkanal mit einer speziellen Füllung bakteriendicht.
 
Abschließende Behandlung
 
Danach vernäht der Spezialist die Wunde und fertigt zur Kontrolle erneute Röntgenaufnahmen an, um die Wurzelspitzenresektion und die Füllung zu kontrollieren. Der Zahnarzt deckt die Zahnkrone am Ende mit einem provisorischen Verschluss ab, der bis zur endgültigen Wundheilung drauf bleibt.

Welche Arten der Wurzelbehandlung gibt es?

Es gibt im Wesentlichen zwei Arten einer Wurzelbehandlung: Eine konventionelle unter der Lupenbrille und eine mithilfe eines Dentalmikroskops. Beide Verfahren laufen technisch ähnlich ab. Bei der konventionellen Art werden die Zahnwurzeln elektronisch vermessen und der Zahn geröntgt. Der Zahnarzt höhlt daraufhin das entzündete Gewebe aus den Wurzelkanälen aus, sodass nur noch deren Wände stehen bleiben.

Die Darstellung des Zahns unter einem Mikroskop erlaubt eine 30-fache Vergrößerung und dadurch mehr Genauigkeit und Erfolgswahrscheinlichkeit, dass der Zahn erhalten werden kann

Danach reinigt und desinfiziert er den Kanal mit einer speziellen Lösung und versiegelt ihn mit einer thermoplastischen Füllung. Je nach Schädigung des Zahns wird er zuletzt mit einer Zahnfüllung oder einer Krone versorgt. Die Darstellung des Zahns unter einem Mikroskop erlaubt eine 30-fache Vergrößerung und dadurch mehr Genauigkeit und Erfolgswahrscheinlichkeit, dass der Zahn erhalten werden kann.

Welche Risiken und Komplikationen können während und nach der Wurzelspitzenresektion auftreten?

Wie bei jeder Operation bestehen auch bei einer Wurzelspitzenresektion gewisse Risiken. So können nach der Behandlung Nachblutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen, Schmerzen sowie Schwellungen und Gefühlsstörungen an Zunge, Kinn und/oder Unterlippe, die schlimmstenfalls bleiben, auftreten. Unter Umständen kann es zu einer Verletzung der Kieferhöhle oder einer Beschädigung umliegenden Zahnwurzeln kommen, wenn diese zu dicht beieinanderliegen.

Was muss ich nach einer Wurzelspitzenresektion beachten?

Nach der örtlichen Betäubung solltest Du nicht selbst Auto oder Fahrrad fahren, da es sein kann, dass Du noch etwas benommen bist. Auch solltest Du in den nächsten Tagen auf Sport und anstrengende Betätigungen sowie auf harte Lebensmittel verzichten und Deine Wange kühlen, damit die Schwellung zurückgeht. Im Falle einer Blutung kannst Du diese mit einer Mullbinde oder einem sauberen Taschentuch durch sanften Druck auf die Wunde stoppen.
 
Du solltest auch nicht ins Solarium oder in Saunen gehen, da dies Nachblutungen auslösen kann. Um die Wundheilung nicht zu beeinflussen, verzichte in den nächsten Tagen auf Alkohol, Nikotin und Kaffee und berühre den Wundbereich nicht. Es ist besonders wichtig, dass Du noch besser als sonst auf Deine Mundhygiene achtest.

Wie sieht die Prognose nach einer Behandlung aus?

Die Nähte werden nach einer Woche bis zehn Tagen entfernt. Nach etwa drei bis sechs Monaten solltest Du erneut eine Röntgenkontrolle machen. Im Normalfall verläuft die Behandlung komplikationslos und der Zahn kann noch jahrelang erhalten bleiben. Dennoch ist er nicht mehr so gut verankert, wie ein gesunder Zahn, sodass das Anbringen von Zahnprothesen nur in Ausnahmefällen möglich ist.

Was sind die Vorteile einer Wurzelspitzenresektion?

Die Vorteile dieser Behandlungsmethode ist ein schnelles Entfernen des entzündeten Gewebes und der Reduktion des Risikos einer erneuten Entzündung.

Kann ich eine Wurzelspitzenresektion vorbeugen?

Am besten kannst Du einem operativen Eingriff vorbeugen, indem Du auf eine gute Mundhygiene achtest und regelmäßig halbjährlich zum Zahnarzt gehst, damit er Probleme im Vorfeld schon erkennen und behandeln kann. So schützt Du Dich vor Karies und einer möglichen Entzündung der Wurzelspitze.

Am besten kannst Du eine Wurzelspitzenresektion vorbeugen, indem Du auf eine gute Mundhygiene achtest und regelmäßig halbjährlich zum Zahnarzt gehst

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Wurzelspitzenresektion?

In der Regel übernehmen die Krankenkassen die Kosten einer Wurzelspitzenresektion inklusive Anästhesie und Injektionsmittel. Trotzdem ist es immer gut, wenn Du bei Deiner Versicherung noch einmal nachfragst. Solltest Du den Eingriff von einem Wahlarzt durchführen lassen, erhältst Du 80 Prozent des Vertragspartnertarifs, exklusive Deines Selbstbehalts, zurück. Über die genauen Kosten erkundige Dich bei Deinem Spezialisten.


Dauer Dauer

15-30 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

2-3 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Unter einer Wurzelspitzenresektion wird die chirurgische Entfernung der Wurzelspitze verstanden, wenn diese entzündet ist, und wird eingesetzt, wenn andere Verfahren der Wurzelbehandlung keine Erfolge mehr zeigen


Der Vorteil dieser Behandlungsmethode ist eine schnelle Beseitigung des entzündeten Gewebes rund um die Wurzelspitze. Eine erneute Entzündung wird verhindert, indem der Wurzelkanal bakteriendicht mit einer speziellen Füllmasse versiegelt wird


Die Diagnose wird mittels Röntgenaufnahmen oder einem Dentalmikroskop gestellt, wobei mithilfe des Mikroskops genauer Aufnahmen des Zahns gemacht werden können


Das Ziel einer Wurzelspitzenresektion ist die Erhaltung des Zahns, wobei die Erfolgsaussichten von der Größe und der Lage des Entzündungsherdes abhängen

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