Retinierte/ verlagerte Zähne

Nicht nur das Milchzahngebiss von Kindern neigt zu ihnen: Retinierte, also nicht ganz aus dem Zahnfleisch hervorkommende Zähne, sind eine häufige Ursache von Zahnfehlstellungen oder Zahnentzündungen. Doch wie geht man mit Ihnen um? Alles, was es über retinierte Zähne zu wissen gibt, erfährst Du hier.


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Zuletzt aktualisiert: 27. Februar, 2020



Was versteht die Medizin unter retinierten Zähnen?

In der Medizin versteht man unter retinierten oder verhaltenen Zähnen solche, die auch nach einer bestimmten Zeit nach dem Zahnwechsel nicht durch das Zahnfleisch durchgebrochen sind oder die Okklusionsebene erreicht haben. Wenn der betroffene Zahn nur zum Teil durch das Zahnfleisch tritt, so bezeichnen Zahnärzte diese Zähne als teilretiniert. Verbleibt der Zahn nicht nur zu Teilen im Zahnfleisch und Kieferknochen, sondern ändert auch seine Lage, so spricht man zusätzlich von einer Verlagerung des Zahns. Solche Zähne können zumeist nicht mehr alleine aus dem Zahnfleisch heraustreten. Wenn sie dies doch tun, sind sie in aller Regel deutlich verlagert und weisen eine Fehlstellung auf.

Retinierte Zähne

Wie sehen die Symptome von retinierten Zähnen aus?

Retinierte Zähne alleine führen nicht von vornherein zu Beschwerden. Je nach Lage des im Zahnfleisch gebliebenen Zahns können Patienten sie jedoch als ästhetisch störend empfinden. Handelt es sich bei einem retinierten Zahn beispielsweise um einen Schneidezahn, entsteht eine Lücke im vorderen Gebiss. Zudem können sich auch benachbarte Zähne an seine freie Stelle schieben und so Gebissfehlstellungen verursachen. In weiterer Folge führen diese dann auch durchaus zu körperlichen Beschwerden wie Kiefergelenkschmerzen. An der Stelle des retinierten oder teilretinierten Zahns bilden sich außerdem mit Vorliebe Infektionen und Zysten, welche ebenfalls Schmerzen verursachen.

Wie erfolgt die Diagnose verlagerter Zähne?

Zunächst gibt die klinische Untersuchung, also das genaue Anschauen des Gebisses, Hinweise auf die Retention und Verlagerung von Zähnen. Zur genauen Bestimmung der Lage der retinierten Zähne muss der Zahnarzt im Anschluss ein Röntgenbild und CT/DVT des betroffenen Gebisses anfertigen. Dort lassen sich dann Zähne im und außerhalb vom Zahnfleisch darstellen. Steht eine Operation aufgrund der Retention des Zahns an, muss der Arzt unter Umständen noch einige Einzelaufnahmen des betroffenen Zahns anfertigen. Nur so kann man eine genaue Planung der Operation gewährleisten.

Welche Zähne sind am häufigsten betroffen?

Am häufigsten von Retention betroffen sind Weisheitszähne. Aus diesem Grund, wie auch aufgrund ihrer tiefen Lage im Kiefer, neigen diese Zähne besonders zu Entzündungen. Deshalb ist es ratsam, sie bei Retention auch vorsorglich zu entfernen. Im Wechsel vom Milchgebiss auf das bleibende Gebiss sind zudem mitunter auch die Eckzähne und die zweiten kleinen Backenzähne retiniert und verlagert, was eine kieferorthopädische Behandlung nötig macht.

Welche unterschiedlichen Formen gibt es bei retinierten Zähnen?

Retinierte Zähne lassen sich prinzipiell in vollständig retinierte, also vollständig im Zahnfleisch verbliebene, und teilretinierte Zähne einteilen. Letztere treten nur teilweise durch das Zahnfleisch hindurch, erreichen aber nicht ihren natürlichen Platz im Gebiss. Sind die Zähne nicht nur retiniert, sondern auch verlagert, teilen Zahnärzte sie zudem nach ihrer Lage ein. Palatinal retinierte Zähne sind hierbei Zähne, die weiter im Gaumen liegen als ursprünglich vorgesehen. Als vestibulär retinierte Zähne bezeichnen Zahnärzte Zähne, welche weiter außen im Zahnfleisch liegen.

Retinierte Zähne

Welche Ursachen können retinierte Zähne haben?

Die Ursachen retinierte Zähne sind vielfältig. Häufig liegt ihnen eine Kiefer-Engstellung zugrunde. Diese sorgt dafür, dass für die nachkommenden Zähne kein ausreichender Platz vorhanden ist. Daher verlagern sie sich und verbleiben, zumindest in Teilen, im Zahnfleisch. Aber auch genetische Fehlanlagen der Zähne können eine Ursache retinierter Zähne darstellen. In diesem Fall ist der Zahnkeim schon an einem falschen Ort im Kiefer angelegt und kann deshalb nicht vollständig durch das Zahnfleisch hindurch brechen. Selten spielen auch andere Faktoren wie Infektionen oder Tumore eine Rolle bei der Retention einzelner Zähne.

Welche Folgen können die retinierten Zähne für die Betroffenen haben?

Vor allem teilretinierte Zähne neigen zur Bildung von Zahnfleischtaschen am Austrittspunkt der Zähne. Dort können sich Bakterien im feucht-warmen Klima der Mundschleimhaut ideal vermehren. Gleichzeitig ist es für Betroffene schwer diese ausreichend zu säubern. Sind die Zähne zusätzlich noch verlagert, bilden sich noch leichter schwer zu reinigende Höhlen. Entstehen dort Entzündungen aufgrund von Infektionen, gefährden diese auch die umliegenden Zähne. Wenn Betroffene diese Entzündungen nicht zeitnah ausreichend behandeln lassen, können zudem auch Kieferknocheninfektionen die Folge sein.

Wer ist am häufigsten von verlagerten Zähnen betroffen?

Vor allem Personen mit schmalem Kiefer neigen zu verlagerten Zähnen. Frauen sind doppelt so häufig von ihnen betroffen wie Männer. Außerdem haben Personen, deren Eltern ebenfalls retinierte und verlagerte Zähne hatten, ein deutlich höheres Risiko ebenfalls solche zu entwickeln.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Je nach Grad der Retention und betroffenem Zahn unterscheiden sich die Therapien retinierter und verlagerter Zähne. Handelt es sich bei dem retinierten Zahn um einen Milchzahn, was jedoch eher selten vorkommt, so kann der Zahnarzt diesen leicht entfernen. Damit kann er Platz für den nachkommenden Zahn schaffen. Deutlich häufiger neigen die sogenannten bleibenden Zähne zur Retention und Verlagerung. Ist die Ursache dessen eine Kiefer-Engstellung, so müssen sich Patienten unter Umständen einen Zahn ziehen lassen, um Platz für die restlichen Zähne zu schaffen. Auf jeden Fall muss jedoch vor der chirurgischen Freilegung des Zahns eine kieferorthopädische Therapie erfolgen. Ist genug Platz im Kiefer vorhanden, kann der Kieferchirurg im zweiten Schritt den retinierten Zahn in einer Operation freilegen.

Verlagerte Zähne

Zur Eingliederung des Zahns muss der Kieferorthopäde abschließend eine erneute Therapie planen, die meist nicht ohne feste Zahnspange auskommt. Die Dauer einer solchen kieferorthopädischen Behandlung ist je nach Fall und Alter des Patienten sehr unterschiedlich. In den meisten Fällen handelt es sich bei dem retinierten und verlagerten Zahn jedoch um den Weisheitszahn, welcher ohnehin zu Karies und Entzündungen neigt. Da er bei unseren heutigen Essgewohnheiten keine Rolle mehr spielt, kann er leicht entfernt werden. Gerade die Weisheitszähne liegen jedoch oft schwer greifbar im Kiefer. Meist muss der Kieferchirurg sie daher aus dem Kiefer herausoperieren.

Wann ist eine operative Behandlung notwendig?

Sobald man den teilretinierten Zahn nicht einfach durch Ziehen entfernen kann, ist eine operative Behandlung nötig. Im Rahmen dieser befreit der Chirurg den Zahn vom umgebenden Zahnfleisch. Falls es sich um einen Milch- oder Weisheitszahn handelt, entfernt der Arzt den betreffenden Zahn gleich ganz.

Was muss ich vor der Operation beachten?

Die Operation läuft in den weitaus meisten Fällen ambulant, also ohne stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus ab. In den meisten Fällen muss außerdem keine Vollnarkose zur Operation erfolgen, weshalb vor der Operation nichts weiter zu beachten ist. Bei starker Erkältung oder Grippe sollten Patienten den Termin jedoch besser verschieben, um die Wundheilung nicht zu gefährden.

Wie verläuft die Operation der verlagerten Zähne?

Zunächst betäubt der Arzt mit lokalem Schmerzmittel durch eine dünne Nadel das den Zahn umgebende Zahnfleisch. Nach einigen Minuten Einwirkzeit beginnt dann die Operation. Entweder entfernt der Spezialist die störenden oder entzündeten Zähne vorsichtig, oder er legt den Zahn vorsichtig frei und schiebt ihn in die gewünschte Position.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Im Rahmen der Operation kann es zu stärkeren Blutungen kommen, welche der Operateur in der Folge stillen muss. Zudem kann sich der Operationsbereich nach dem Eingriff entzünden. Unter Umständen müssen Patienten dann antibiotisch wirksame Medikamente einnehmen oder eine erneute Operation unterlaufen. Schließlich können Betroffene auch in seltenen Fällen Allergien gegen das lokale Betäubungsmittel entwickeln.

Verlagerte Zähne

Was muss ich nach dem Eingriff beachten?

Oralchirurgen operieren die einzelnen Zähne in der Regel nur mit lokalem Schmerzmittel, sodass der Patient nach einem Eingriff in keiner Weise eingeschränkt ist. Weil die Operation aber starke Schwellungen und Schmerzen verursachen kann, müssen Patienten einige Tage nach der Operation zuhause bleiben. Wahrscheinlich wirst Du die ersten Tage zudem nur flüssige oder weiche Kost zu Dir nehmen können.

Kann ich verlagerte Zähne vorbeugen?

Leider kann man den Ursachen verlagerter Zähne nicht vorbeugen. Eine möglichst frühe Behandlung der retinierten und verlagerten Zähne erleichtert die Therapie aber beträchtlich.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Die Kosten für die Entfernung von retinierten Weißheitszähnen werden von den Krankenkassen übernommen. Die Freilegung retinierter Zähne, welche in weiterer Folge kieferorthopädisch eingegliedert werden übernimmt die Krankenkasse ebenfalls.


Dauer Dauer

15-60 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 7 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Zahnärzte verstehen unter retinierten Zähnen im Zahnfleisch verbliebene Zähne, die nicht oder nicht vollständig aus diesem heraustreten.


Das häufigste Symptom von Patienten mit retinierten Zähnen ist eine Störung des ästhetischen Gesamtbildes durch ein unsymmetrisches Gebiss. Im Zahnfleisch verbliebene Zähne können aber auch Infektionen verursachen, die mitunter auf benachbarte Zähne übergreifen.


Die Diagnose retinierter Zähne erfolgt mittels klinischer Untersuchung und Röntgenaufnahme des Kiefers.


Die Therapie retinierter Zähne beginnt in den meisten Fällen mit einer kieferorthopädischen Behandlung zur Platzschaffung und einer anschließenden Operation zur Freilegung des betroffenen Zahnes. Schließlich erfolgt eine erneute kieferorthopädische Therapie, um den retinierten Zahn in das Gebiss einzugliedern.

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