Kiefersperre und Kieferklemme

Unter einer Kiefersperre leiden Personen, die ihren Mund nicht mehr normal schließen können. Manchmal lässt sich der Mund zwar schließen, allerdings nur sehr langsam oder unter großen Schmerzen. Das Gegenteil der Kiefersperre ist die Kieferklemme, hierbei können Betroffene den Mund nicht mehr normal öffnen. Bei einer Kiefersperre strahlen die Schmerzen häufig in den Hals oder in die Ohren aus. Bei beiden Krankheitsbildern gibt es eine Vielzahl an Auslösern. Sowohl die Kiefersperre als auch die Kieferklemme kommen relativ selten vor und sind in der Regel gut behandelbar. Für Betroffene kann die Situation allerdings sehr belastend sein, da dadurch der Alltag stark eingeschränkt wird.


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Zuletzt aktualisiert: 27. Februar, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Kiefersperre und einer Kieferklemme?

Die Medizin versteht unter einer Kiefersperre einen eingeschränkten oder behinderten Kiefer- oder Zahnreihenschluss. Das Gegenteil der Kiefersperre, die Kieferklemme, ist medizinisch gesehen lediglich ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung. Es handelt sich um eine Störung der Mundöffnung. Bildet sie sich aufgrund eines Spasmus der Kaumuskulatur aus, sprechen Mediziner von einem Trismus.

Kiefersperre

Wie sehen die Symptome bei einer Kiefersperre und Kieferklemme aus?

Die Symptome bei einer Kiefersperre und Kieferklemme sind ähnlich, bei beiden besteht eine Einschränkung im Kiefer. Möchten Betroffene den Mund öffnen oder schließen, ist dies je nach Schweregrad nur schwer oder gar nicht möglich. Der Versuch kann schmerzhaft sein.

Welche Ursachen haben die Kiefersperre und Kieferklemme?

Sowohl die Kiefersperre als auch die Kieferklemme können viele verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten zählen bei der Kiefersperre eine Ausrenkung, ein Kieferbruch, Kieferfehlbildungen, eine Schwellung der Mundschleimhaut und des Bindegewebes nach einer lokalen Betäubung oder aufgrund von Abszessen im Bereich des Kiefergelenks, Kiefersperre nach einer operativen Entfernung der Weisheitszähne, ein Gelenkerguss, ein Tumor oder eine Arthrose des Kiefergelenks.

Bei der Kieferklemme liegen die Ursachen meist in der Muskulatur, im Kiefergelenk oder in den Nerven des Kiefers. Dazu zählen Entzündungen im Mund- und Kieferbereich, Krämpfe der Kaumuskulatur wie zum Beispiel bei einer Hirnhautentzündung, Epilepsie, Tetanus, Tumoren oder Speicheldrüsenveränderungen, sowie als Schutzreaktion auf Schmerzen bei der Mundöffnung. Weitere Ursachen für die Kieferklemme können Diskusverlagerungen (eine Art Bandscheibenvorfall des Kiefergelenks), Erkrankungen des Kiefergelenks, eine Kiefergelenkfraktur, eine Betäubungsspritze im Unterkiefer sowie Pressen und Zähneknirschen bei psychischen Störungen und Stress sein.

Wie erfolgt die Diagnose?

Vermutet der Arzt bei Dir eine Kieferklemme, misst er im Anschluss an ein ausführliches Anamnesegespräch Deine Schneidekantendifferenz. Diese beschreibt die maximale Entfernung der Schneidekanten bei geöffnetem Mund. Konkret bedeutet das, dass die Kieferklemme in drei Schweregrade eingeteilt werden kann. Beim ersten Grad haben Patienten nur eine minimale Einschränkung, beim zweiten Grad kann der Mund höchstens einen Zentimeter weit geöffnet werden und beim dritten Schweregrad lediglich nur noch einen Millimeter weit. Abgesehen von der Schneidekantendifferenz kommen zur Diagnostik einer Kiefersperre auch bildgebende Verfahren zur Anwendung. Häufig nutzen Ärzte dazu das Röntgenbild, die Magnetresonanztomografie (MRT), die Computertomografie (CT) oder auch ein digitales Volumentomogramm (DVT). Welches Verfahren letztendlich zur Anwendung kommt, hängt vom vorangehenden Verdacht des Mediziners ab.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Es gibt keine konkrete Gruppe, bei der Kiefersperren oder -klemmen häufiger auftreten. Liegt bei Dir beispielsweise eine Kieferfehlstellung vor, knirschst Du im Schlaf mit den Zähnen oder hast Du einen Tumor im Kieferbereich, hast Du ein höheres Risiko, eine Kiefersperre oder -klemme zu erleiden.

Kiefersperre

Welche Folgen haben die Kiefersperre und Kieferklemme für die Patienten?

Betroffene haben meistens starke Schmerzen, wodurch der Alltag stark beeinträchtigt wird und die Lebensqualität deutlich abnimmt. Es fällt Patienten schwer, zu sprechen, zu essen oder zu trinken. Abhängig von der zugrunde liegenden Ursache ist der Verlauf der Erkrankung unterschiedlich. Erfolgt eine Behandlung zu spät, kann der Patient aufgrund fehlender Nahrungs- oder Flüssigkeitszufuhr das Bewusstsein verlieren, einen Kreislaufschock erleiden oder im schlimmsten Fall sogar versterben.

Welche nicht-operativen Behandlungsmethoden gibt es?

Bei der Kiefersperre kann der Zahnarzt oder später auch der Patient selber mittels des sogenannten Hippokrates-Handgriffs die Ausrenkung des Kiefergelenkkopfes wieder einrenken. Dabei wird der Unterkiefer mit leichtem Druck nach unten und vorne bewegt. Dadurch rutscht der Gelenkkopf wieder in die ursprüngliche Position. Auch bei der Kieferklemme gibt es nicht-operative Verfahren, die zu einer Besserung der Symptome führen. Dazu zählen Physiotherapie, entzündungshemmende Medikamente, Schmerzmittel, Wärme- und Kälteanwendung, Aufbissschienentherapie, lokale Betäubung der Nervenbahnen und der Einsatz von Antileptika bei wiederholten Krampfanfällen nach der Abklärung durch einen Neurologen.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Bei der Öffnung eines eitrigen Abszesses, einer verrutschten Knorpelscheibe oder einer Kiefergelenkarthrose ist oftmals ein operativer Eingriff nötig, bei Frakturen ist er allerdings unumgänglich.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Vor der Operation führst Du sowohl mit dem Anästhesisten als auch mit Deinem behandelnden Arzt ein Gespräch, in dem auch besprochen wird, wie Du Dich vor der Operation verhalten sollst. Falls die Ärzte es nicht von selbst ansprechen, frage nach der Handhabung von Nikotin, Nahrungsaufnahme vor dem Eingriff aber auch blutverdünnenden Medikamenten. In der Regel musst Du Medikamente, die sich auf Deine Blutgerinnung auswirken, mindesten 14 Tage vorher absetzen. Zu diesen Arzneimitteln gehören beispielsweise Aspirin, Marcoumar, Plavix, ASS oder Thrombo ASS.

Findet der Eingriff unter Vollnarkose statt, dann darfst Du noch bis sechs Stunden vor der Operation was essen, allerdings solltest Du darauf achten, dass es gut verdauliche, also keine allzu schweren und fettigen Mahlzeiten sind. Wasser, Tee, Kaffee und Säfte ohne Fruchtfleisch darfst Du noch bis zu zwei Stunden vor der OP zu Dir nehmen.

Kiefersperre

Wie verläuft die Operation bei einer Kiefersperre oder Kieferklemme?

Liegt die Ursache für die Symptomatik in einer Fraktur, entfernt der Chirurg zunächst Knochensplitter, beseitigt Fehlstellungen und Verschiebungen und bringt den Kiefer im Anschluss zurück in die ursprüngliche Position. Dort fixiert er ihn dann mit Titanschrauben und/oder Platten.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Dein Arzt wird Dich im Vorfeld der Operation über Verhaltensweisen nach dem Eingriff aufklären und alle Deine Fragen beantworten, einige Ärzte geben ihren Patienten auch Merkblätter mit. Wichtig ist auf jeden Fall, dass Du Dich schonst und Deinem Körper Ruhe gönnst. Je nach Eingriff kann es sein, dass Du die ersten Tage auf zu harte Lebensmittel verzichten solltest, damit Du Deinen Kiefer nicht gleich wieder zu stark beanspruchst. Die kann Dir aber ebenfalls Dein behandelnder Arzt mitteilen.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Selten entstehen bei einer Kieferklemme oder -sperre schwerwiegende Komplikationen. Wenn die zugrunde liegende Erkrankung verschleppt wird, kann es zu einem Muskelkrampf mit starken Schmerzen, Atemnot oder Schluckbeschwerden kommen. Weiters können muskuläre Verspannungen im Kieferbereich auftreten, wodurch die Nahrungsaufnahme erschwert wird. Auch Schwellungen und Schwierigkeiten beim Sprechen können vorkommen. Ist eine Fehlhaltung ursächlich, kann eine Kieferklemme oder -sperre immer wieder auftreten, sofern die Bewegungsstörung nicht behandelt wird. Eine Lähmung der Gesichtsnerven (im Bereich des Mundwinkels und der Kieferpartie) ist möglich, sofern die Ursache in einem Parotistumor liegt. In diesem Fall kann der Tumor auch das Geschmacksempfinden sowie den Speichel- und Tränenfluss beeinträchtigen. Unbehandelt führen die Kieferklemme und die Kiefersperre zu einem beeinträchtigten Sprachvermögen.

Kann ich die Kiefersperre und Kieferklemme vorbeugen?

Es ist kaum direkt möglich, der Kiefersperre oder der Kieferklemme vorzubeugen. Leidest Du allerdings häufiger daran, solltest Du bei einem Facharzt die Stellung Deiner Kiefergelenke überprüfen lassen. Knackende oder knirschende Geräusche können erste Anzeichen für Arthrose, CMD oder Bruxismus sein. Bemerkst Du dies schnell, kann einer drohenden Kiefersperre oder -klemme vorgebeugt werden. Eine gute Körperhaltung und ein gesunder Lebensstil können helfen, das Risiko für die Symptomatik zu reduzieren, da das persönliche Stressrisiko gesenkt wird.

Dieses ist nachweislich ein Faktor für verkrampfte Kaumuskulatur und Kiefergelenke. Achte bei leichteren Verspannungen oder Kieferklemmen auf weiche Nahrung und eine gute Zahnhygiene. Kaugummis solltest Du hingegen eher vermeiden, da das ständige Kauen die Kiefermuskulatur anstrengt und zu Krämpfen führen kann. Auch die Schlafhaltung ist nicht irrelevant. Hast Du bereits Probleme mit Deinem Kiefergelenk, solltest Du vorwiegend in Rückenlage schlafen, da diese den Kiefer nicht einseitig belastet.

Kiefersperre

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Für eine ärztlich indizierte Behandlung einer Erkrankung oder Verletzung kommen die Krankenkassen in aller Regel auf. Der Arzt rechnet normalerweise direkt mit Deinem Krankenversicherungsträger ab, bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt anfallen. Bist Du Dir nicht sicher, kannst Du bei Deinem Versicherungsträger nachfragen, welche Leistungen übernommen werden.


Dauer Dauer

60-180 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

1-2 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 10 Tage

Top Ärzte auf diesem Fachgebiet

Zahnmedizin
PD Dr. med. Dr. med. dent. Christine Jacobsen

PD Dr. med. Dr. med. dent. Christine Jacobsen

Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

Mühlebachstrasse 43 , Zürich

Das Wichtigste zusammengefasst

Kieferklemme und Kiefersperre beschreiben Probleme, den Mund zu öffnen oder zu schließen, es bestehen Schmerzen, vor allem beim Versuch, den Mund zu öffnen oder zu schließen


Sowohl Kiefersperre als auch Kieferklemme haben vielfältige Ursachen, die Therapie richtet sich demnach nach der zugrunde liegenden Erkrankung


Beide Erkrankungen beeinträchtigen den Alltag und schränken die Lebensqualität stark ein. Meistens kommen nicht-operative Methoden zum Einsatz, lediglich bei einer Fraktur muss auf jeden Fall operiert werden


In aller Regel kommen die Krankenkassen für die Behandlung auf

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