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NAD+ im Faktencheck: Was die neue Studienlage wirklich zeigt
Longevity

NAD+ im Faktencheck: Was die neue Studienlage wirklich zeigt

07.10.2026 19 Min. Lesezeit
KI-generiertes Bild

Eine große Nature-Aging-Übersichtsarbeit ordnet die NAD+ Wirkung ein: Was Studien wirklich zeigen und wo der Hype endet.

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NAD+ gehört zu den bekanntesten Molekülen der Longevity-Forschung. Nahrungsergänzungsmittel mit NAD+-Vorstufen sollen mehr Energie liefern, Infusionen werden als Unterstützung für Zellstoffwechsel und Regeneration angeboten. Manche Werbeversprechen gehen noch weiter und sprechen von Zellverjüngung oder einer Verlangsamung des Alterns.

Die Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild. NAD+ erfüllt tatsächlich zentrale Aufgaben im Energiestoffwechsel und bei verschiedenen zellulären Prozessen. Auch lässt sich der NAD+-Stoffwechsel mit Vorstufen wie Nicotinamid-Ribosid und NMN beeinflussen. Ob daraus für Menschen relevante gesundheitliche Vorteile oder sogar ein Anti-Aging-Effekt entstehen, ist jedoch weit weniger klar. Eine große Übersichtsarbeit im Fachjournal Nature Aging hat 2025 die klinische Forschung dazu zusammengefasst.

Auf einen Blick:

  • NAD+ ist ein lebenswichtiges Coenzym und spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel sowie bei verschiedenen Signal- und Reparaturprozessen der Zelle. Altersabhängige Veränderungen wurden beschrieben, ein genereller NAD+ Rückgang in allen menschlichen Geweben ist jedoch nicht ausreichend belegt.
  • Eine große Übersichtsarbeit in Nature Aging aus dem Jahr 2025 bewertet die gezielte Beeinflussung des NAD+-Stoffwechsels als interessantes Forschungsfeld. Für viele mögliche medizinische Anwendungen fehlen aber noch größere und längere klinische Studien.
  • Nicotinamid-Ribosid, kurz NR, und Nicotinamid-Mononukleotid, kurz NMN, können NAD+-bezogene Stoffwechselprodukte im Blut erhöhen. Ob sich dadurch auch die Gesundheit deutlich verbessert, hängt von der untersuchten Personengruppe ab und ist für viele Endpunkte nicht belegt.
  • Für intravenös verabreichtes NAD+ ist die Evidenz besonders dünn. Es fehlen kontrollierte klinische Studien, die einen Anti-Aging-Effekt oder einen gesundheitlichen Vorteil gegenüber oralen NAD+-Vorstufen nachweisen.

Was macht NAD+ im Körper?

NAD+ steht für Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid. Es handelt sich um ein Coenzym, das für den Stoffwechsel praktisch aller lebenden Zellen wichtig ist. Ein Coenzym ist ein Molekül, das Enzyme bei chemischen Reaktionen unterstützt.

Eine seiner zentralen Aufgaben erfüllt NAD+ bei der Energiegewinnung. NAD+ kann Elektronen aufnehmen und wird dabei zu NADH umgewandelt. Dieses Zusammenspiel ist unter anderem für die Energieproduktion in den Mitochondrien wichtig. Mitochondrien werden häufig als Kraftwerke der Zellen bezeichnet, weil dort ein großer Teil des ATP entsteht. ATP ist der wichtigste unmittelbar nutzbare Energieträger der Zelle.

NAD+ ist damit keine Art Energydrink für die Zelle. Es ist vielmehr Bestandteil grundlegender biochemischer Reaktionen, ohne die der normale Zellstoffwechsel nicht funktionieren würde.

NAD+ wird auch von Reparaturenzymen benötigt

Neben seiner Funktion im Energiestoffwechsel dient NAD+ als Ausgangsstoff für verschiedene Enzyme. Dazu gehören Sirtuine, die unter anderem Stoffwechselprozesse und Reaktionen auf zellulären Stress beeinflussen.

Auch PARP-Enzyme benötigen NAD+. PARP steht für Poly-ADP-Ribose-Polymerase. Einige Enzyme dieser Familie sind an der Reaktion auf Schäden der DNA beteiligt.

Ein weiterer wichtiger NAD+-Verbraucher ist CD38. Dieses Enzym kommt unter anderem auf verschiedenen Immunzellen vor und beeinflusst den NAD+-Stoffwechsel sowie weitere Signalprozesse.

Anders als bei seiner Funktion als Elektronenüberträger wird NAD+ bei diesen enzymatischen Reaktionen verbraucht und muss anschließend neu gebildet werden. Der NAD+-Spiegel einer Zelle hängt deshalb sowohl von seiner Herstellung als auch von seinem Verbrauch ab.

Wie verändert sich der NAD+ Spiegel im Alter?

Ein altersbedingter Rückgang von NAD+ gehört zu den zentralen Erklärungsmodellen der Longevity-Forschung. Besonders in Tierexperimenten wurde in verschiedenen Geweben beobachtet, dass NAD+-Konzentrationen mit zunehmendem Alter abnehmen.

Beim Menschen ist die Situation weniger eindeutig. Einzelne Untersuchungen zeigen altersabhängige Unterschiede beispielsweise in Blut, Haut oder Muskelgewebe. Die Zahl der Humanstudien ist jedoch begrenzt, und die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf sämtliche Organe übertragen. Eine kritische Übersichtsarbeit kam deshalb zu dem Schluss, dass ein universeller NAD+ Rückgang im menschlichen Körper bislang nicht ausreichend belegt ist.

Das bedeutet nicht, dass sich der NAD+-Stoffwechsel im Alter nicht verändert. Wahrscheinlich spielen mehrere Prozesse zusammen. Dazu gehören Veränderungen bei der Bildung und dem Verbrauch von NAD+ sowie altersabhängige Veränderungen von Enzymen wie CD38.

Auch Entzündungsprozesse und DNA-Schäden werden als mögliche Einflussfaktoren untersucht. Die genauen Zusammenhänge beim Menschen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Für die Longevity-Forschung ergibt sich daraus eine entscheidende Frage: Wenn sich der NAD+-Stoffwechsel mit dem Alter verändert, lässt sich durch eine gezielte Erhöhung von NAD+ auch die Gesundheit verbessern? Genau diese zweite Frage ist wesentlich schwieriger zu beantworten als die reine Messung eines NAD+-Spiegels.

Was zeigt die große Nature Aging Übersichtsarbeit zu NAD+?

Im September 2025 erschien im Fachjournal Nature Aging die Übersichtsarbeit „Emerging strategies, applications and challenges of targeting NAD+ in the clinic“. Ein internationales Autorenteam um Jianying Zhang und Evandro Fei Fang wertete darin die klinische und translationale Forschung zu NAD+ aus.

Die Wissenschaftler betrachteten nicht nur NR und NMN, sondern auch klassische Vitamin-B3-Vorstufen und weitere Strategien zur Beeinflussung des NAD+-Stoffwechsels. Untersucht wurden unter anderem Daten zu Bioverfügbarkeit, Verträglichkeit und möglicher therapeutischer Wirkung.

Die zentrale Botschaft ist deutlich weniger spektakulär als viele Werbeversprechen.

NAD+ erhöhen ist nicht dasselbe wie Gesundheit verbessern

Klinische Studien zeigen, dass sich der NAD+-Stoffwechsel beim Menschen beeinflussen lässt. Besonders für orale Vorstufen wie NR und NMN gibt es inzwischen mehrere Humanstudien. In verschiedenen Untersuchungen stiegen NAD+ oder damit verbundene Stoffwechselprodukte im Blut beziehungsweise in bestimmten Geweben an.

Ob daraus ein klinischer Nutzen entsteht, ist jedoch eine andere Frage.

Untersucht werden NAD+-Strategien unter anderem bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer, bei Stoffwechselerkrankungen sowie bei verschiedenen altersassoziierten Veränderungen. In einzelnen Studien gibt es interessante Signale. Die Ergebnisse sind jedoch je nach Erkrankung, Substanz und untersuchtem Endpunkt unterschiedlich.

Die Autoren betonen deshalb, dass größere klinische Studien erforderlich sind. Offen sind unter anderem die optimale Substanz, Dosierung und Behandlungsdauer sowie mögliche Unterschiede zwischen einzelnen Patienten und die langfristige Sicherheit.

Die Übersichtsarbeit ist damit weder eine Bestätigung des NAD+ Hypes noch ein Gegenbeweis. Sie zeigt vielmehr, dass die biologische Grundlage plausibel ist, der Schritt zu einem nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen beim Menschen aber für viele Anwendungen noch aussteht.

Was zeigen Humanstudien zu NMN und Nicotinamid-Ribosid? KI-generiertes Bild

Was zeigen Humanstudien zu NMN und Nicotinamid-Ribosid?

Nicotinamid-Ribosid und Nicotinamid-Mononukleotid sind Vorstufen, die der Körper zur Bildung von NAD+ nutzen kann. Nicotinamid-Ribosid, kurz NR, gehört zur Vitamin-B3-Familie. NMN ist ein Zwischenprodukt des NAD+-Stoffwechsels. Im Vergleich zur direkten Einnahme von NAD+ wurden NR und NMN deutlich häufiger in klinischen Studien untersucht.

Was zeigen Studien zu Nicotinamid-Ribosid?

Eine häufig zitierte randomisierte Studie von 2018 untersuchte NR bei gesunden Erwachsenen im mittleren und höheren Lebensalter. Die Einnahme erhöhte verschiedene NAD+-bezogene Stoffwechselprodukte im Blut deutlich und wurde kurzfristig insgesamt gut vertragen. Viele untersuchte körperliche und metabolische Endpunkte veränderten sich jedoch nicht wesentlich.

Das ist ein wiederkehrendes Muster in der NAD+-Forschung: Der gewünschte biochemische Effekt lässt sich messen, ein entsprechender gesundheitlicher Vorteil folgt daraus aber nicht automatisch.

Was zeigen Studien zu NMN?

Interessante Ergebnisse lieferte 2021 eine randomisierte Studie mit Frauen mit Prädiabetes und Übergewicht beziehungsweise Adipositas. Die Teilnehmer erhielten zehn Wochen lang täglich 250 Milligramm NMN oder ein Placebo.

Unter NMN verbesserte sich die Insulinempfindlichkeit der Skelettmuskulatur. Das bedeutet, dass die Muskelzellen besser auf Insulin reagierten. Bei zahlreichen anderen untersuchten Parametern, darunter Körpergewicht, Leberfett und verschiedene Stoffwechselwerte, zeigten sich dagegen keine entsprechenden Verbesserungen.

Die Studie liefert damit einen interessanten Hinweis für eine klar definierte Patientengruppe. Sie beweist jedoch nicht, dass NMN bei gesunden Menschen den Stoffwechsel verbessert oder als Anti-Aging-Mittel wirkt.

Was zeigt die NADPARK Studie bei Parkinson?

In der NADPARK-Studie wurden 30 Patienten mit neu diagnostiziertem Parkinson untersucht, die noch keine entsprechende medikamentöse Behandlung erhalten hatten. Sie bekamen 30 Tage lang entweder täglich 1.000 Milligramm NR oder ein Placebo.

NR wurde insgesamt gut vertragen. Bei den behandelten Patienten stieg der NAD+-Spiegel im Gehirn im Durchschnitt an, wobei die Reaktion von Person zu Person deutlich unterschiedlich war. Zusätzlich fanden die Forscher Veränderungen verschiedener Stoffwechsel- und Entzündungsmarker. Bei Patienten, bei denen NAD+ im Gehirn anstieg, zeigten sich außerdem leichte klinische Veränderungen.

Die Untersuchung war allerdings eine Phase-1-Studie. Ihr Schwerpunkt lag auf Sicherheit, Verträglichkeit und biologischen Effekten, nicht auf dem Nachweis einer wirksamen Parkinson-Therapie. Die Ergebnisse müssen deshalb in größeren Studien überprüft werden.

Insgesamt zeigen die Humanstudien damit kein einheitliches Bild eines allgemeinen Anti-Aging-Effekts. NR und NMN können den NAD+-Stoffwechsel beeinflussen. Ob daraus ein relevanter Nutzen entsteht, hängt wahrscheinlich von der jeweiligen Substanz, Dosis, Personengruppe und Erkrankung ab und ist für viele Einsatzgebiete noch offen.

Wenn Du mehr über NMN, die bisher untersuchten Dosierungen und seinen rechtlichen Status erfahren möchtest, findest Du weitere Informationen auf unserer Themenseite zu NMN.

Was bringt eine NAD+ Infusion im Vergleich zu Kapseln?

NAD+-Infusionen werden inzwischen als Longevity-Behandlung angeboten. Dabei gelangt NAD+ direkt über die Vene in den Blutkreislauf. Daraus wird häufig der Schluss gezogen, eine Infusion müsse wirksamer sein als die Einnahme einer Vorstufe. Für diese Annahme gibt es bisher jedoch keinen klinischen Nachweis.

Wie intravenös zugeführtes NAD+ im menschlichen Körper verteilt und verstoffwechselt wird, ist noch nicht ausreichend untersucht. Auch die Frage, in welchem Umfang intaktes NAD+ aus dem Extrazellulärraum in unterschiedliche Zelltypen aufgenommen wird, ist komplexer, als Werbeaussagen häufig vermuten lassen.

Was zeigt die Studie zur NAD+ Infusion?

Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2019 untersuchte elf gesunde Männer zwischen 30 und 55 Jahren. Acht erhielten über sechs Stunden insgesamt 750 Milligramm NAD+ intravenös, drei bildeten die Kontrollgruppe.

Während der ersten beiden Stunden der Infusion stiegen weder NAD+ noch mehrere gemessene NAD+-Metaboliten im Plasma nachweisbar an. Die Autoren werteten dies als Hinweis darauf, dass das zugeführte NAD+ in dieser Phase sehr schnell aus dem Plasma entfernt beziehungsweise verstoffwechselt wurde. Später veränderten sich verschiedene Metaboliten in Blut und Urin.

Die Studie beantwortet jedoch nicht die entscheidende Frage einer Longevity-Behandlung. Sie untersuchte weder, ob NAD+-Infusionen Beschwerden verbessern, noch ob sie Krankheiten verhindern oder Alterungsprozesse beeinflussen. Mit acht behandelten Teilnehmern war sie außerdem sehr klein.

Kontrollierte Studien, die NAD+-Infusionen mit NR, NMN oder einem Placebo anhand klinisch relevanter Endpunkte vergleichen, fehlen bisher. Deshalb lässt sich derzeit nicht sagen, dass eine NAD+-Infusion oralen Vorstufen überlegen ist.

Wie eine NAD+-Infusion abläuft und welche praktischen Aspekte dabei zu beachten sind, erfährst Du auf unserer Themenseite zur NAD+-Infusion.

Wie sicher sind NAD+ Vorstufen?

NR und NMN wurden inzwischen in mehreren kurzfristigen Humanstudien untersucht. In diesen Untersuchungen waren beide Substanzen bei den jeweils verwendeten Dosierungen überwiegend gut verträglich.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Dosis langfristig als sicher gelten kann. Studien unterscheiden sich hinsichtlich Dosierung, Teilnehmern und Dauer erheblich. Die meisten klinischen Untersuchungen liefen über Wochen oder wenige Monate. Daten zu einer Einnahme über viele Jahre fehlen.

Auch mögliche Risiken bei bestimmten Erkrankungen sind noch nicht vollständig geklärt. Der NAD+-Stoffwechsel spielt beispielsweise auch in Tumorzellen eine wichtige Rolle. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass NR oder NMN beim Menschen Krebs verursachen. Für Menschen mit einer aktiven Krebserkrankung oder laufenden Krebstherapie sollte eine Einnahme wegen der begrenzten Datenlage jedoch mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

Gleiches gilt bei Schwangerschaft, Stillzeit, chronischen Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme. Gerade bei diesen Gruppen lassen sich Ergebnisse aus Studien mit gesunden Erwachsenen nicht einfach übertragen.

Wie ist Nicotinamid-Ribosid in der EU geregelt?

Nicotinamid-Ribosid-Chlorid ist in der Europäischen Union als Novel Food zugelassen. Novel Foods sind Lebensmittel oder Lebensmittelzutaten, die vor Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden und deshalb vor ihrer Vermarktung bewertet und zugelassen werden müssen.

Die Zulassung gilt für bestimmte Anwendungen, Bevölkerungsgruppen und Höchstmengen. Für Nahrungsergänzungsmittel sind deshalb die in der Unionsliste festgelegten Bedingungen zu beachten.

Darf NMN in der EU als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden?

NMN wurde von europäischen Behörden als Novel Food eingestuft. Nach dem aktuellen Stand der Unionsliste ist NMN noch nicht als Novel Food zugelassen. Damit darf es nicht regulär als Nahrungsergänzungsmittel in der EU in Verkehr gebracht werden.

Derzeit laufen allerdings Zulassungsverfahren. Unter anderem wurden 2024 und 2025 Anträge für β-NMN als Nahrungsergänzungsmittel eingereicht. Ein Antrag oder ein laufendes Bewertungsverfahren ist jedoch noch keine Zulassung.

Wenn Du NMN online findest, bedeutet die bloße Verfügbarkeit deshalb nicht, dass das Produkt nach europäischem Lebensmittelrecht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen ist. Bei Produkten aus nicht kontrollierten Bezugsquellen kommt zusätzlich die Frage hinzu, ob Identität, Reinheit und tatsächlicher Wirkstoffgehalt zuverlässig geprüft wurden.

Wo geht der Hype über die Datenlage hinaus? KI-generiertes Bild

Wo geht der Hype über die Datenlage hinaus?

Zwischen der biologischen Bedeutung von NAD+ und manchen Werbeversprechen liegt eine deutliche Lücke. Aussagen wie „verjüngt Deine Zellen“, „verlängert Dein Leben“ oder „repariert Deine DNA“ lassen sich aus den bisherigen Humanstudien nicht ableiten.

NAD+ ist zwar an wichtigen Stoffwechsel-, Signal- und Reparaturprozessen beteiligt. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass mehr NAD+ diese Prozesse verbessert oder den Alterungsprozess zurückdreht. Präklinische Untersuchungen an Zellen und Tieren liefern interessante Hinweise, die Ergebnisse zur Lebensdauer und zu altersbedingten Veränderungen sind jedoch nicht einheitlich. Für Menschen gibt es bisher keinen Nachweis, dass NAD+, NR oder NMN die Lebensspanne verlängern oder das biologische Alter zuverlässig reduzieren.

Auch NAD+-Messungen im Blut sollten nicht überinterpretiert werden. Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung über sieben unabhängige Personengruppen zeigte, dass die NAD+-Konzentration im Vollblut nicht systematisch mit dem Alter abnahm. Auch verschiedene untersuchte Lebensstilinterventionen veränderten diese Werte nicht zuverlässig. Ein einzelner NAD+-Blutwert eignet sich deshalb derzeit nicht als etablierter Marker dafür, wie schnell Du alterst.

Ist ein NAD+ Mangel die Ursache für Müdigkeit?

Auch die Vorstellung eines allgemeinen „NAD+-Mangels“ als Erklärung für Erschöpfung ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Müdigkeit ist ein unspezifisches Symptom und kann zahlreiche Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise Eisenmangel, Blutarmut, Schilddrüsenerkrankungen, Schlafstörungen, Infektionen, psychische Erkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten.

Wenn Du dauerhaft erschöpft bist, sollte deshalb zuerst nach einer möglichen Ursache gesucht werden. Eine NAD+-Infusion oder ein Nahrungsergänzungsmittel ersetzt diese Diagnostik nicht.

Was ist mit NAD+ in Hautpflegeprodukten?

Auch im Kosmetikbereich wird zunehmend mit NAD+ und verschiedenen NAD+-Vorstufen geworben. Dabei muss zwischen den einzelnen Wirkstoffen unterschieden werden.

Für Nicotinamid, auch Niacinamid genannt, gibt es beispielsweise klinische Daten zur äußerlichen Anwendung bei Hautalterung, Pigmentierung und Hautbarriere. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Cremes mit NAD+, NR oder NMN dieselben Effekte besitzen.

Für viele speziell als „NAD+ Booster“ vermarktete Kosmetikprodukte fehlen kontrollierte Humanstudien. Entscheidend ist außerdem, ob ein Wirkstoff die Haut in ausreichender Menge durchdringen und sein Zielgewebe erreichen kann. Ein plausibler Zellmechanismus allein ist deshalb noch kein Wirksamkeitsnachweis für eine Creme oder ein Serum.

Für wen kann NAD+ interessant sein?

Aus der bisherigen Studienlage lässt sich keine allgemeine Personengruppe ableiten, der NAD+-Vorstufen oder NAD+-Infusionen zur Verlängerung der Gesundheitsspanne empfohlen werden könnten.

Besonders intensiv wird die Beeinflussung des NAD+-Stoffwechsels derzeit bei bestimmten Erkrankungen und Risikogruppen erforscht. Dazu gehören Stoffwechselstörungen sowie neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson. Das bedeutet jedoch nicht, dass NAD+-Strategien für diese Erkrankungen bereits etablierte Behandlungen sind.

Bei Frauen mit Prädiabetes und Übergewicht oder Adipositas verbesserte NMN in einer kleinen kontrollierten Studie beispielsweise die Insulinempfindlichkeit der Skelettmuskulatur. Viele andere untersuchte Stoffwechselparameter veränderten sich dagegen nicht. Daraus lässt sich weder eine allgemeine Empfehlung bei Prädiabetes noch eine Anti-Aging-Wirkung ableiten.

Auch bei Parkinson wurden erste biologische Veränderungen nach Nicotinamid-Ribosid beobachtet. Die entsprechende NADPARK-Studie war jedoch eine kleine Phase-1-Studie und nicht darauf ausgelegt, eine Wirksamkeit als Parkinson-Therapie nachzuweisen.

Für gesunde Menschen gibt es derzeit keinen überzeugenden Nachweis, dass NAD+-Vorstufen oder Infusionen Alterungsprozesse klinisch relevant verlangsamen.

Was kann ich unabhängig von NAD+ für gesundes Altern tun?

Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Nichtrauchen, ausreichend Schlaf und die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten oder Diabetes sind für gesundes Altern wesentlich besser untersucht.

Körperliche Aktivität beeinflusst auch verschiedene Stoffwechselwege, die mit NAD+ zusammenhängen. Daraus sollte jedoch nicht die vereinfachte Aussage entstehen, Sport erhöhe automatisch Deinen NAD+-Spiegel im Blut. Wie sich Bewegung auf den NAD+-Stoffwechsel auswirkt, ist gewebeabhängig und wird weiterhin untersucht.

Mehr zu einem anderen experimentellen Ansatz der Longevity-Medizin erfährst Du auf unserer Seite zu Rapamycin. Auch dort ist die Frage entscheidend, welche Ergebnisse aus Zell- und Tierstudien sich tatsächlich auf Menschen übertragen lassen.

Mehr zu verwandten Themen liest Du in unseren Beiträgen zu NAD+ Infusion, NMN Longevity und Longevity.

Häufige Fragen zu NAD+

Was ist der Unterschied zwischen NAD+, NMN und NR?
Kann man NAD+ ohne Präparate erhöhen?
Wie schnell wirkt NAD+?
Ist NMN in Deutschland und Österreich erlaubt?
Kann NAD+ das Leben verlängern?
Wann ist ärztliche Rücksprache sinnvoll?

Quellen

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Trętowicz MM, Scantlebery AML, Schomakers BV, et al. Human whole-blood NAD+ levels do not vary with age or lifestyle interventions. Nat Metab. 2026;8(6):1282–1290. doi:10.1038/s42255-026-01537-5.

Martens CR, Denman BA, Mazzo MR, et al. Chronic nicotinamide riboside supplementation is well-tolerated and elevates NAD+ in healthy middle-aged and older adults. Nat Commun. 2018;9(1):1286. doi:10.1038/s41467-018-03421-7.

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Brakedal B, Dölle C, Riemer F, et al. The NADPARK study: A randomized phase I trial of nicotinamide riboside supplementation in Parkinson’s disease. Cell Metab. 2022;34(3):396–407.e6. doi:10.1016/j.cmet.2022.02.001.

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